Kein Interesse an Freundschaften oder Beziehungen - normal?

    Guten Abend,


    seitdem ich aus der Schule raus bin (ist ca. 1 1/2 Jahre her, bin 19), sind meine Schul-Freundschaften verblasst bzw. mittlerweile nicht mehr vorhanden, was mich alledings keineswegs stört. Zudem habe ich kein Interesse an einer Liebesbeziehung mit einem Mann, was in meinem Alter eher ungewöhnlich ist, oder? Ebenso habe ich kein sexuelles Interesse, ich bin zwar aufgeklärt und so, aber für mich hat Küssen, Petting, Sex etc. überhaupt keinen Reiz bzw. vor manchen Sachen habe ich leichten Ekel.


    Ich habe viele oberflächliche Bekanntschaften (Ausbildung, Schule) und verstehe mich mit meiner Familie gut, auch wenn ich nicht über ernste Themen oder über Sachen rede, die mich gerade bedrücken

    , haben wir zusammen viel Spaß und lachen viel gemeinsam. :-)


    Denkt ihr, dass ich deswegen kein Bedürfnis nach weiteren sozialen Kontakten habe? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas vermisse oder mir irgendwas fehlt, ich bin sowieso eher ein introvertierter Mensch, der sich gerne alleine beschäftigt.


    Gobt es hier noch welche, die auch so wie ich sind? Und findet ihr das normal?

  • 37 Antworten

    Ach Hayle, du Süße!


    Das ist ganz typisch für Essgestörte, leider. Würde mir grade erst wieder von einer Psychotherapeutin bestätigt, denn ich bin genauso. Zu oft enttäuscht worden, keine Nähe zulassen können und wollen... ich habe auch null Interesse an Freundschaften, denke ohne besser dran zu sein.... Einige frühere Freundschaften sind erhalten geblieben und werden gepflegt. Das ist auch ganz nett, aber neue Freundschaften gibt es nicht mehr.


    Der Mensch ist ein soziales Wesen und Nein, ganz normal ist diese Isolation nicht. Da steckt mehr dahinter, ganz sicher! :)*

    Zitat

    Ich dachte nur, dass der Mensch ein soziales Tier ist und ob doch etwas mit mir nicht stimmen könnte.. ":/

    Im Allgemeinen, ja. Aber keine Regel ohne Ausnahme. :-) Du hast ja nach wie vor Sozialkontakte (Familie, Ausbildung), vielleicht reicht dir das einfach und du brauchst nicht noch zusätzlich welche. Es gibt tatsäclich Menschen, die alleine wunderbar auskommen und nichts vermissen. Genauso gibt es Menschen, die überhaupt nicht alleine sein können. Ich habe beispielsweise eine Freundin, die weit weg wohnt und die ich sehr selten sehe. Wenn sie mal ein oder zwei Tage lange nichts mit anderen Menschen unternimmt, wird sie depressiv. Ich wiederum kann locker zwei ganze Wochen (vielleicht auch länger) alleine sein und werde nicht einsam. So sind wir halt, jeder etwas anders. :-D Solange du dich damit wohl fühlst, ist das überhaupt kein Problem. :)^ Und es sagt ja niemand dass das bei dir immer so bleibt. Vielleicht sieht es in 10 Jahren wieder anders aus. Hauptsache du bist glücklich damit.

    Ich bin ganz genauso - mittlerweile 32, noch nie eine Beziehung gehabt, noch nie jemanden auch nur geküsst und auch absolut kein Bedürfnis danach. Alle Freundschaften habe ich auslaufen lassen, meine Familie sehe ich einmal die Woche und das reicht mir an sozialen Kontakten. Online unterhalte ich mich gerne mit Leuten, aber ich merke, dass ich z.B. nicht gerne PNs schreibe, wo ich dann immer das Gefühl habe, antworten zu "müssen". Diese Regelmäßigkeit geht mir recht schnell auf den Zeiger, wenn man dann alle paar Tage reinschauen und schreiben soll.


    Ob das normal ist, weiß ich nicht, ist mir aber auch egal - irgendwann lernt man, sich so zu nehmen, wie man ist. Das wichtige ist doch, dass man glücklich ist. Und wenn man das eben ist, wenn man Dinge anders macht als andere, dann ist doch total okay.

    Ich wusste garnicht, dass das im direkten Zusammenhang damit stehen könnte. Ich habe auch das Gefühl, dass ich ohne besser dran bin, weil ich denke, dass die meisten Menschen hinterhältig und stark 'ich-bezogen' sind..


    Aber warum denke ich so? Klar habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, wie wahrscheinlich jeder andere auch, aber andere pflegen trotzdessen weiterhin soziale Kontakte? ":/

    Ok ich revidiere etwas meinen Beitrag etwas, ich wusste nicht dass Hayle essgestört ist und dementsprechend Probleme hat. Ich ging von einer gesunden jungen Frau aus, der es gut geht.

    Zitat

    Ich habe auch das Gefühl, dass ich ohne besser dran bin, weil ich denke, dass die meisten Menschen hinterhältig und stark 'ich-bezogen' sind..

    Ok das klingt mir schon nicht mehr so gesund. :-(

    Zitat

    Ich habe auch das Gefühl, dass ich ohne besser dran bin, weil ich denke, dass die meisten Menschen hinterhältig und stark 'ich-bezogen' sind..


    Aber warum denke ich so? Klar habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, wie wahrscheinlich jeder andere auch, aber andere pflegen trotzdessen weiterhin soziale Kontakte? "

    Hier sagst Du selber schon das Wesentliche. Der Unterschied ist das nicht jeder diese schlechten Erfahrungen gemacht hat. Es sind aber schon viele die genauso betroffen sind.


    Ich schreibe das jetzt mal ganz direkt. Durch schlechte Erfahrungen entstehen Bindungsstörungen und Bindungsangst. Auch die introvertiertheit.


    http://blog.vitos.de/allgemein/bindungsstoerung-eine-stoerung-durch-traumata-in-der-kindheit


    https://www.google.de/search?q=bindungsst%C3%B6rung&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=yiejWb2rEqiC6AS1_aywCw


    Wenn man soziale Kontakte meidet dann bekommt man keine Übung. Man ist unsicher und zieht sich noch mehr zurück. Auf Dauer keine Lösung finde ich.

    Du hast recht, da stimmt etwas nicht mit dir. Aber nicht primär, weil du kein Interesse an sozialen Kontakten hast. Da spielt viel mehr zusammen.


    Du wurdest von Menschen enttäuscht, das ist Ansich normal im Leben. Dass das mal passiert. Aber ich würde mal behaupten, dass du von dir sehr nahe stehenden Personen sehr früh und vielleicht auch regelmäßig enttäuscht wurdest.


    Ich sehe auch in jedem Menschen erstmal was Schlechtes und interpretiere alles negativ. Das ist aber nicht richtig, denn es gibt Menschen, die es wirklich nur gut mit einem meinen.


    Beobachte dich mal, wie genau du auf andere reagierst.

    Ich meide an sich jetzt keine sozialen Kontakte, ich vermeide es, dass ich tiefergehende Beziehungen zu Menschen habe. Ich erwarte von meinen Mitmenschen garnichts, das war ein Prozess von mehreren Jahren, der sich nach und nach entwickelt hat und ich denke, dass ich mich damit vielleicht vor Enttäuschungen schützen möchte (da ich ja nichts erwarte)? Aber irgendwie geht die Rechnung nicht auf... ":/ Oder ist es doch gut, dass ich keine Erwartungen habe?

    Letztenendes musst du in dich selbst reinhorchen: bist du glücklich mit der Situation? Brauchst/willst du wirklich keine Freunde oder ist das ein vermeidendes Verhalten? Die Fragen kannst nur du selbst beantworten.

    Dazu passt ganz gut die Parabel "Die Stachelschweine" von Arthur Schopenhauer, speziell der letzte Satz.

    Solange man diese "eigene, innere Wärme" hat, geht das auch ganz gut, doch irgendwann braucht jeder Mensch mal Hilfe, spätestens im Alter - und dann könnte es schwierig werden, wenn man das soziale Miteinander verlernt hat...