Keine Lust auf Sex + immer wieder fremdverliebt - und nun?

    Mein Problem: Ich (w, 39) bin polyamour, aber auch asexuell, momentan in einer asexuellen Beziehung, vergucke mich aber in andere und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.


    Langfassung:


    Ich bin schon immer ein "touchiger" Mensch gewesen und hab das gern gehabt, berührt und gestreichelt oder geknuddelt zu werden. Ich weiß z.B. dass ich in der Schule ganz stark den Impuls hatte, meine Banknachbarin zu umarmen, habe mir das aber dann verkniffen. Zudem hatte ich als Jugendliche eine gute Freundin, mit der ich auch oft gekuschelt habe, wir haben nebeneinander im Bett geschlafen, Händchen gehalten, ich habe meinen Kopf an ihre Schulter gelehnt. Einmal saß ich bei einer Feier auf ihrem Schoss und daneben saß ein Junge, der mir da gerade die Beine streichelte. Ich stand aber nicht auf sie; ich fand sie optisch sogar eher unattraktiv und ich bin definitiv nicht lesbisch. Ich verliebe mich nur in Männer. Im Laufe meines Lebens habe ich mich bestimmt in an die 30 Personen verliebt. Mal mehr, mal weniger. Ich glaube, dass ich mich nicht ganz so intensiv verliebe wie andere, denn meistens wurde aus meiner Verliebtheit nichts uns das fand ich dann zwar doof, aber ich habe auch nicht wochenlang gelitten. Nach ein paar Tagen war es wieder gut.


    Aber auch wenn ich in einer Beziehung war, dann habe ich mich zwischendurch oft in andere verliebt. Zu denen habe ich dann etwas Kontakt gesucht. Aber da es mir eigentlich reicht, zu jemandem, in den ich mich da so verliebt hatte, Kontakt zu halten und sich auszutauschen und höchstens minimal zu kuscheln (z.B. DVD angucken und Kopf auf Schulter legen - was aber auch so gut wie nie passiert ist), bin ich nie wirklich fremdgegangen. Ich habe dann eher von den anderen geträumt, in die ich mich verguckt hatte und dachte, dass dieses Fremdverlieben nur dadurch kommt, dass ich in meinen Beziehungen immer unglücklich war. Denn ich bin asexuell und ihr könnt euch vorstellen, dass es da oft Probleme gab. Ich hatte noch nie Lust auf Sex, ich kuschle gerne und manchmal habe ich auch Lust auf Küssen, aber mehr nie. Daher bin ich auch Jungfrau, außer zwei Petting-Versuchen gab es nichts und selbst das Petting fand ich blöd und möchte das nicht wiederholen. Und das passte meinen früheren Partnern natürlich nicht, denn die waren nicht asexuell, die haben mich dann oft etwas bedrängt, das Thema wurde mir bei jedem Streit aufs Brot geschmiert, aber es gab auch andere Streitthemen, etwa weil ich auch die Familien meiner damaligen Partner nicht wahnsinnig gern besuchte, ich mag das einfach nicht da bei den Eltern herumzuhocken und meistens kam ich mit den Freunden meiner Partner auch nicht aus, ich bin eigentlich eher introvertiert. Meistens kam aber nichts dabei heraus, wenn ich mich in andere verguckt hatte, meistens wollten die Leute keinen Kontakt zu mir.


    Nun - in etwas höherem Alter (also 39) - bin ich seit drei Jahren mit einem asexuellen Mann zusammen. Wunderbar, das was ich wollte, der ist super, aber ich vergucke mich dennoch in andere. Bis vor kurzem hatte ich kaum Freunde, dann habe ich mich in einem Nachbarschafts- und Sportverein angemeldet. Sport interessiert mich nicht wirklich, ich wollte eigentlich nur Freunde finden und wusste nicht, wie ich das sonst anstellen soll. Darüber habe ich zwei Männer kennengelernt, mit denen ich mich angefreundet habe, ab und zu was unternommen habe. Es dauerte nicht lange, dass ich mich in die beiden verguckt habe, gleichzeitig. Der eine ist ein ganz softer und nachdenklicher Typ, der andere eher so Kumpeltyp, aber mit dem kann man einfach Quatsch machen und herumalbern. Ich habe gemerkt, dass die beide auch was von mir wollen. Der "Softere" umarmt mich andauernd und der andere hat sich beim letzten DVD Abend an mich herangekuschelt, hat mir auch die ganze Zeit den Fuß gekrault und dann bin ich da bei ihm eingeschlafen und er hat neben mir auf dem ausgeklappten Sofa geschlafen und mit mir Händchen gehalten, das habe ich im Halbschlaf mitbekommen. Ich fand es schön.


    Ich bin in beide etwas verguckt, wobei ich die nicht im klassischen Sinne attraktiv finde, sondern eher niedlich. Beide sind etwas moppelig und irgendwie finde ich das süß. Als mir klar wurde, dass die beiden sich für mehr interessieren als nur Freundschaft, habe ich beiden gesagt, dass ich asexuell bin und ich habe es so umfangreich erklärt, dass sie es auch verstanden haben. Ich habe ihnen zudem sinngemäß gesagt, dass ich sie auch gern habe, aber dass wir nie eine richtige Beziehung haben können und dass wir gerne sowas machen können wie Freundschaft Plus, aber das "Plus" dann kein Sex und auch kein Küssen, sondern nur Kuscheln und dass die sich gerne eine andere suchen dürfen, mit der sie Sex haben und ich nichts dagegen habe, wenn sie andere treffen und dass sie aber auch damit leben müssen, dass ich auch mal andere treffe. Sie wissen nicht, dass ich einen Freund habe, aber sie wissen vom jeweils anderen (kennen sich aber persönlich nicht).


    Ich würde so total gerne leben, dass man zusätzlich zur Beziehung zwei Kuschelfreunde hat und mit denen ab und an einen Abend verbringt und sich etwas aneinander anlehnt und sich krault. Mein Freund wäre dann der einzige, den ich regelmäßig sehe und bei dem ich regelmäßig schlafe, dem ich richtig nahe bin und den ich auch küsse, die anderen beiden wären dann so Kuschelfreunde. Mir fehlt nichts in meiner Beziehung, ich bin da glücklich, mein Freund streichelt und knuddelt auch genug, aber ich könnte den ganzen Tag jemanden um mich haben, der mir z.B. den Fuß krault. Ich kann nichts dafür, dass ich mich auch in andere vergucke, ich kann das nicht abstellen.


    Während die beiden mit diesem Modell einverstanden sind, wöllte mein Freund das vermutlich nicht. Er weiß, dass ich männliche Freunde habe und dass ich da manchmal übernachte, aber er weiß nichts von Kraulen und Kuscheln. Findet ihr denn, dass das Fremdgehen ist, was ich da mache? Kann man als Asexueller überhaupt fremdgehen? Denn Sex habe ich ja nie, knutschen mag ich nur meinen Freund, und sich an jemanden anlehnen oder jemanden kraulen, das macht man doch auch mit Haustieren oder Geschwistern. Ich würde das auch mit Frauen machen, obwohl ich mich in Frauen nicht vergucke, aber einen Drang danach hätte ich schon, allerdings habe ich keine Freundinnen. Ich weiß es nicht...was ratet ihr mir?

  • 24 Antworten
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    Während die beiden mit diesem Modell einverstanden sind, wöllte mein Freund das vermutlich nicht.

    Also doch keine polyamouröse Beziehung, sondern ziemlich monogam?

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    Findet ihr denn, dass das Fremdgehen ist, was ich da mache? Kann man als Asexueller überhaupt fremdgehen?

    Was wir finden spielt erstmal keine Rolle und um ehrlich zu sein sind das für mich Spitzfindigkeiten. Du weißt, dass du etwas tun würdest, mit dem dein Freund höchstwahrscheinlich nicht rechnet und womit er auch nicht einverstanden wäre. Das reicht für mich, um es deinem Freund gegenüber unfair zu machen. Ob man das nun fremdgehen im klassischen Sinn nennt oder sonsteinen Begriff findet, ändert am Kern - Dinge hinter dem Rücken des Partners tun - nichts.


    Ansonsten gebe ich zu bedenken, dass man nicht jeder Verknalltheit und jedem "süß finden" nachgeben muss, wenn man sich eben bewusst in eine Beziehung mit einem Mann begeben hat, der mit solchen Modellen nicht einverstanden ist.

    Ich empfinde selber polyamor, und empfinde Konstellationen, wie Deine jetzt nicht ungewöhnlich ... ausser vielleicht, dass Du mit keinem der Männer Sex hast oder sexuelle Handlungen praktizierst.

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    Ich glaube, dass ich mich nicht ganz so intensiv verliebe wie andere, denn meistens wurde aus meiner Verliebtheit nichts uns das fand ich dann zwar doof, aber ich habe auch nicht wochenlang gelitten. Nach ein paar Tagen war es wieder gut.

    Ich finde deine eigene Wertung an der Stelle irgendwie "falsch", das klingt für mich ehr nach Vergleich mit Anderen ... Deine Gefühle sind Deine Gefühle und die soll und kann man nicht "messen".


    Denn, wenn es danach ginge, wie sehr man leidet, dann wäre ich noch nie verliebt gewesen ... denn Liebeskummer und Eifersucht kenne ich überhaupt nicht ...


    Es mag "normal" sein im Sinne von, bei Vielen (sogar den Meisten) ist das so ... aber das wertet doch nicht Deine (positiven) Gefühle.


    Was ich auch von anderen Polyamoren Beziehungen kenne ... viele haben den Wunsch nach einer Primärpartnerschaft ... also Jemanden, der dann doch ein "Alleinstellungsmerkmal" hat ... so wie Du das mit dem Knutschen beschreibst, was Du nur mit Deinem Freund machst ... es hebt ihn sozusagen von den Anderen ab.


    Und dann gibt es oft auch "Regeln", die in solchen polyamoren Beziehungen gelten (und wo es verletzend ist, wenn sie nicht eingehalten werden)


    Ich selber sehe verschiedene Partner ehr "gleichberechtigt" ... wobei in der Praxis dann doch immer Kleinigkeiten anders sind, was eben auch mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen der Menschen zu tun hat ... und Knutschen wäre da auch so ein Beispiel, weil es eben Menschen gibt, die es nicht wollen ... oder die ich nicht knutschen mag (warum auch immer), aber es gibt keine festen "Regeln".

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    Findet ihr denn, dass das Fremdgehen ist, was ich da mache?

    Fremdgehen ist eindeutig eine Definitionsfrage, denn in einer "normalen" Beziehung wäre das kein (klassisches) Fremdgehen, aber verletzt wäre (in den Meisten Fällen) der Partner vermutlich trotzdem, weil Nähe und Zärtlichkeit eben nur in begrenzten Rahmen mit Anderen praktiziert wird.


    Und auch (wenn nicht noch mehr) würde (in den meisten Fällen) der Partner durch "Fremdverlieben" verletzt ... insbesonder, wenn Du dem dann nachgehst ... also, so wie in Deiner Konstellation eben Nähe und Zärtlichkeit auslebst.


    Im Rahmen Deiner persönlichen Möglichkeiten (also wo Du selber gar keine sexuellen Handlungen mit Deinem Freund praktizierst) würde mich also nicht wundern, wenn Dein Freund deswegen sehr verletzt wäre.


    Bei einer polyamoren Beziehung hingegen fände ich das völlig OK ... da gibt es strengenommen ja kein Fremdgehen mehr, weil alles mit Allen abgesprochen ist.

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    Ich weiß es nicht...was ratet ihr mir?

    Eigentlich sollte Dein Freund darüber Bescheid wissen, wie "anders" Du genau bist, also auch von Deinen Verliebtheiten wissen.


    Und auch von Deinem Bedürfnis mit Diesen Nähe und Zärtlichkeit auszuleben ... ob Du es dann ausleben kannst, hinge dann davon ab, ob es Deinen Freund verletzt oder nicht.


    Wenn Du es ihm nicht sagen willst, weil Du eigentlich selber schon weißt, dass ihn das verletzen würde, oder er sogar die Beziehung beenden würde ... dann bedeutet das, dass Du es eben auch nicht ausleben solltest/darfst.


    Gegen Verlieben kannst Du nicht viel machen ... die kommt und geht auch wieder ... aber eben Kuscheln mit Anderen, wäre dann nicht "erlaubt".


    Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung ... ich habe zwar meine größte Liebe verloren (eigentlich falsch ... sie hat ihre Liebe zu mir verloren) weil sie nicht damit klar kam, dass ich polyamor bin und mich eben auch (jederzeit) fremdverlieben kann ... aber jetzt in einer Beziehung, wo es da keine Geheimnisse mehr gibt, fühle ich mich viel wohler und bin rundum zufrieden ...

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    Ich weiß es nicht...was ratet ihr mir?

    Weniger grüblerische Gedanken machen. Mehr Kuscheln. Vielleicht eine Ausbildung als Kuscheltherapeutin überlegen. Vielleicht interessant: http://cuddlers.net/


    Menschliche Sexualität und Sexualtrieb wenn schon nicht erleben, dann versuchen zu verstehen. Wie ein Frauenarzt eben den weiblichen Körper verstehen muss, ohne es je erleben zu können. Ich glaube, wer nicht auch irgendwie ein Gespür für die menschliche Sexualität und Sexualtrieb hat, versteht Menschen nicht, die Rolle der Motivation durch den Sexualtrieb, die Vielfalt, die davon ausgehende Befriedigung, die Konkurrenz, schlicht menschliches Verhalten. Vielleicht mit Beispielberichten einzelner (Literatur, Erzählungen, direkte Gespräche mit Freunden und Bekannten) anstatt Pauschalisierungen/Generalisierungen.


    Die eigene Asexualität nicht als Dogma oder disziplinierende Maßnahme zu sehen, sondern immer wieder in sich reinzuspüren, wieviel Lust und Sexualtrieb dort doch irgendwie vorhanden ist. Und sich dann auch mal experimentell heranzuwagen.


    Dir Gedanken machen, wie du dich doch irgendwie fortpflanzt. Denn ich fände es schade, wenn es von so wundervollen Menschen wie dir keine Nachkommen geben würde. Wenn quasi die Evolution asexuelle Menschen aus dem Genpool "aussortiert".


    Zu deinem Beziehungsanliegen: ich sehe da kein Problem. Den Frieden mit dir hast du. Ein Umfeld von Akzeptanz hast du dir auch geschaffen, machst deine Grenzen deutlich. Entscheidest selbst über dein Maß an Offenheit, bist rücksichtsvoll dir und anderen gegenüber, aber in deiner Kommunikation wenn auch nonverbal touchy und "missverständnis-fördernd", so eben doch verbal klar genug. Ich habe den Eindruck, du hast dich gut akzeptiert und kommst auch im Leben mit deiner Art gut zurecht. Es sei denn, du hättest oben die problematischen Teile noch verschwiegen. ;-)

    Danke für die Antworten! Hatte gar nicht damit gerechnet, dass auf diese komplizierte Situation jemand antwortet, vielen Dank!!

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    Ansonsten gebe ich zu bedenken, dass man nicht jeder Verknalltheit und jedem "süß finden" nachgeben muss, wenn man sich eben bewusst in eine Beziehung mit einem Mann begeben hat, der mit solchen Modellen nicht einverstanden ist.

    Das weiß ich nicht genau, wir haben da nie explizit drüber gesprochen. Bevor ich ihn kannte, wusste ich auch nicht, dass ich polyamor bin, ich dachte früher nämlich immer, dass ich mich nur deswegen in andere vergucke, weil ich mit den anderen Beziehungen (die ich früher mit nicht-asexuellen Männern hatte) unzufrieden war. Das ist jetzt eine noch relativ neue Erkenntnis für mich, dass mir das auch in einer glücklichen Beziehung passiert. D.h. ich dachte bisher immer, dass wenn ich jemanden finde, mit dem ich eine asexuelle Beziehung habe, ohne jegliches Bedrängtwerden, dann ist alles gut und dann verliebe ich mich nicht mehr. Dass das dennoch geschieht, hatte mich selbst überrascht. Und normalerweise wollen die Leute, in die ich mich so vergucke, nichts von mir, sondern da schwärme ich die nur aus der Entfernung eine Weile an, bis das Gefühl wieder weg ist. Dass ich tatsächlich Kontakt zu denen habe ist auch neu.


    Ich weiß nicht, wie mein Freund darüber denkt. Er weiß ja, dass ich nur männliche Freunde habe (was gar keine Absicht von mir ist, aber irgendwie klappt das mit den Frauen nicht) und dass ich da bei denen manchmal vorm Fernseher einschlafe. Damals hatte ich explizit gefragt, ob er was dagegen hat und das hatte er verneint. Ob er da wirklich was dagegen hätte, wenn man sagt, da wird auch mal ne Hand gehalten oder ein Rücken gekrault? Das weiß ich nicht. Richtige tiefe Nähe habe ich ja nur mit ihm und ich fand die eine Übernachtung bei meiner "Bekanntschaft" auf dem Sofa auch nicht so toll. Ich fand es schön, seine Hand zu halten, aber ansonsten hat der andauernd geschnarcht und da hatte ich eher Fluchtgedanken. Ich glaube mein Freund ist der einzige, neben dem ich schlafen kann.


    Ich glaube nicht, dass mein Freund sie Beziehung beenden würde. Vielleicht müssten wir das neu aushandeln und Grenzen feststecken. Ich weiß es halt nicht. Aber asexuelle Menschen sind selten, wir hätten beide enorme Probleme, jemand anderen für eine richtige Beziehung zu finden, das schweißt zusammen. Ich wöllte eigentlich auch keinen anderen Beziehungs-Freund, weil ich das total angenehm finde, dass man sich so gut versteht. Und ich wöllte ihn aber auch nicht traurig machen, indem ich etwas sage, was ihn deprimiert.

    Zitat

    Die eigene Asexualität nicht als Dogma oder disziplinierende Maßnahme zu sehen, sondern immer wieder in sich reinzuspüren, wieviel Lust und Sexualtrieb dort doch irgendwie vorhanden ist. Und sich dann auch mal experimentell heranzuwagen.

    Na ja, dazu hab ich keine Lust ;-) Ich mag an bestimmten Stellen nicht angefasst werden, ich hätte auch keine Lust mich um Verhütung kümmern zu müssen, ich mag auch nackte Menschen nicht sehen. Der eine meiner Bekannten lief gerne in kurzen Hosen herum, den habe ich auch gebeten, bitte lange Hosen anzuziehen, weil ich keine nackten Männer-Beine sehen mag. Also ich habs nett formuliert, nicht dass da jemand beleidigt ist und er hat es dann für mich so gemacht. Und der andere Bekannte war auch ganz vorsichtig und fragt immer "stört es dich, wenn ich das und das mache". Ich finde die echt nett.


    Aber ich glaube wirklich, ich bin definitiv asexuell und ich möchte da auch nichts ausprobieren. Und fremde Menschen fasse ich ansonsten auch nicht gerne an, nur Leute die ich wirklich mag, aber nicht jeden. Ich mag schon das Händegeben im Alltag nicht.

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    Ob man das nun fremdgehen im klassischen Sinn nennt oder sonsteinen Begriff findet, ändert am Kern - Dinge hinter dem Rücken des Partners tun - nichts.

    Findest du es generell falsch, Dinge hinter dem Rücken des anderen zu machen? Ich habe das eigentlich immer so gehandhabt, dass ich meinen Partner nicht alles erzählt habe. Mein Freund weiß auch nicht, dass ich z.B. vor ein paar Wochen einen schwereren Autounfall hatte (mir war nix passiert und es fällt nicht auf, da ich noch ein anderes Auto habe), ich wollte ihm das nicht sagen, weils mir peinlich war und ich wollte ihn nicht beunruhigen und er weiß z.B. auch nicht, wie viele Beziehungen ich vor ihm hatte. Ich finde aber nicht, dass man sich in einer Partnerschaft immer alles sagen muss. Im Gegenzug kenne ich beispielsweise seine ganzen Freunde auch nicht, muss ich auch nicht.

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    Wenn ich weiß, dass es etwas ist, was für ihn nicht in Ordnung wäre: Ja.


    Heimlich laut unter der Dusche singen darfst du aber

    Das mache ich auch X-
    Aber im Umkehrschluss würde es ja bedeuten, dass man gar nichts machen darf, was für den Partner nicht ok wäre. Das finde ich schon etwas sehr eng bemessen. Dass man dem Partner nun kein schlimmes Leid zufügt, ja, aber dass man nur danach geht, was für den anderen ok ist und was nicht - so sehr will ich mich eigentlich nicht unterordnen.


    In früheren Beziehungen hatte meine Partner beispielsweise manchmal Freunde, die ich nicht mochte und es war, weil ich die so unsympathisch fand, eigentlich nicht ok, dass die sich weiter getroffen haben, haben sie aber. Was wäre den in dem Fall? Ich glaube, da würden auch viele sagen, dass man die Freunde des Partners ertragen muss, auch wenn man die nicht mag und nicht ok findet.


    Weil letztlich mochte ich zwar manche Freunde meiner damaligen Partner nicht und wäre die gerne los geworden, aber ich habe es ertragen, weil rational betrachtet haben sie mir ja nicht geschadet, auch wenn ich sie nicht mochte. Und wenn ich mich ab und an mit jemand anderem treffe und mir da mal den Fuß kraulen lasse, dann ist das möglicherweise etwas, was mein Freund nicht gut findet, aber rational betrachtet schade ich ihm damit ja auch nicht und nehme ihm nichts weg, denn anders als bei richtigem Fremdgehen besteht hier ja nicht die Gefahr, dass irgendwelche Krankheiten übertragen werden oder jemand schwanger wird...


    Je mehr ich darüber nachdenke, desto harmloser erscheinen mir eigentlich meine Handlungen, denn wenn ich stattdessen zu einem Physiotherapeuten gehen und mir eine Fußreflexzonenmassage kaufen würde, würde das doch auch keiner schlimm finden. In den Arm nehmen tu ich auch meine Mutti und Rücken kraulen mach ich auch bei meinem Hund. Händchen halten habe ich früher auch ohne jegliche Verliebtheit mit Frauen gemacht und es gibt ja auch in meinem Alter Freundinnen, die händchenaltend shoppen gehen - das sind doch für sich genommen alles vollkommen unsexuelle Handlungen und mir geht dabei auch sozusagen keiner "ab" und ich erlebe da keine Verliebtheit, es ist eine Mischung aus die beiden süß finden (wie man auch einen Hundewelpen süß findet und knuddeln will) und das mögen, dass z.B. mein Fuß massiert wird. Das nimmt meinem Freund doch nichts weg?

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    Das nimmt meinem Freund doch nichts weg?

    Das müsstest du ihn fragen.


    Was ist es denn in eurer Beziehung, dass dein Freund von dir ganz exklusiv hat? Oder was würdest du für eine Handlung deinerseits mit anderen halten, die ihm etwas wegnehmen würde?


    Du wirst nur unscharf einschätzen können ob ein 'ich dachte das wäre okay' reicht, wenn er dir drauf kommt. Sobald du es heimlich machst weißt du ja eigentlich schon das es etwas ist, dass du im Sinne eurer Beziehung nicht tun solltest.


    Der Vergleich mit Freundschaften ist da doch extrem dünn. Das sollte dir selbst auffallen.

    Aber um ehrlich zu sein weiß ich natürlich nicht viel über deine Gefühlswelt und was für einen Partner es erfordert, damit ihr beiden erfüllt zusammen leben könnt. Was aber jede Beziehung betrifft: Scheiße ist Schweigen, Reden ist Gold. :)z

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    Was ist es denn in eurer Beziehung, dass dein Freund von dir ganz exklusiv hat? Oder was würdest du für eine Handlung deinerseits mit anderen halten, die ihm etwas wegnehmen würde?

    Er ist der einzige, mit dem ich richtig kuschle,bei den anderen ist es eher so nebeneinander auf dem Sofa sitzen und es wird mal der Arm um einen gelegt oder mal der Rücken gekrault, aber wir sitzen oder liegen da nicht eng umschlungen. Mein Freund ist auch der einzige, den ich küsse, bei anderen habe ich danach gar keinen Wunsch und würde es auch abwehren, wenn die das versuchen, wobei ich denen aber gesagt habe, dass ich das ohnehin nicht will.

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    Du wirst nur unscharf einschätzen können ob ein 'ich dachte das wäre okay' reicht, wenn er dir drauf kommt. Sobald du es heimlich machst weißt du ja eigentlich schon das es etwas ist, dass du im Sinne eurer Beziehung nicht tun solltest.

    Aber ist es nicht normal, dass es auch in einer Beziehung Heimlichkeiten gibt? Ich sage ihm doch ansonsten auch nicht alles und er mir auch nicht; es hat doch jeder noch sein eigenes Leben und seine Geheimnisse. Darf man denn in einer Beziehung keine Geheimnisse mehr haben?

    Zitat

    Der Vergleich mit Freundschaften ist da doch extrem dünn. Das sollte dir selbst auffallen.

    Warum eigentlich? Ich mag die beiden, weil ich die süß finde und mich mit denen verstehe. Mehr ist es nicht. Die törnen mich nicht an, ich bin auch nicht übelst verknallt. Für mich ist das freundschaftliches Kuscheln; ich könnte das gleiche auch mit einer Frau machen, wenn es eine Freundin gäbe, nur dass ich die dann wahrscheinlich nicht süß fände.

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    In früheren Beziehungen hatte meine Partner beispielsweise manchmal Freunde, die ich nicht mochte und es war, weil ich die so unsympathisch fand, eigentlich nicht ok, dass die sich weiter getroffen haben, haben sie aber. Was wäre den in dem Fall?

    Das ist ein ganz anderer Fall ":/ Und Freundschaften und Diensleistungen mit Körperlichkeit sind eben auch genau das - Freundschaften und Dienstleistungen; keine Liebesbeziehung.

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    Das nimmt meinem Freund doch nichts weg?

    Das solltest du ihn entscheiden lassen und nicht für ihn entscheiden. Gerade in solchen Themen geht es um Emotionen und nicht rationales Abwägungen, ob jemandem messbar etwas weggenommen wird.

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    Aber im Umkehrschluss würde es ja bedeuten, dass man gar nichts machen darf, was für den Partner nicht ok wäre. Das finde ich schon etwas sehr eng bemessen. Dass man dem Partner nun kein schlimmes Leid zufügt, ja, aber dass man nur danach geht, was für den anderen ok ist und was nicht - so sehr will ich mich eigentlich nicht unterordnen.

    Ganz einfach: Dann führe keine monogame Beziehung, wenn du dich sowas nicht unterordnen willst.


    Du argumentierst hier, dass das ja alles nicht 'schlimm' wäre - das musst du hier aber niemandem beweisen, das bringt dir keine Absolution und macht es für deinen Freund nicht 'okay-er'.


    Wenn du das wirklich nicht der Rede wert findest, bestünde auch kein Problem darin, deinem Freund davon zu erzählen.

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    Wenn du das wirklich nicht der Rede wert findest, bestünde auch kein Problem darin, deinem Freund davon zu erzählen.

    Ich möchte das aber nicht erzählen. Ich will auch meine Geheimnisse haben und er hat bestimmt genauso auch seine Geheimnisse und es gibt Dinge, die ich von ihm nicht weiß und sie vielleicht nicht gut fände. Aber er ist nicht mein Eigentum und ich seins auch nicht. Ich will nicht alles, was ich denke und tue, was meiner Meinung nach rational ok ist, von ihm erlauben lassen müssen und anders herum wöllte ich auch nicht, dass er denkt, er müsse mich bei Dingen um Erlaubnis fragen. Ich bin doch nicht im Knast und er ist mein Aufseher.

    Im Grunde kommt es da wirklich darauf an was dein Partner okay findet, bzw. was für euch beide in Ordnung ist.


    Vielleicht müsstest du ihm einfach erklären was deine Vorstellung von Treue ist und er sagt dir seine. Denn auch wenn es in Beziehungen kleine Geheimnisse gibt, sollte der Rahmen der Beziehung für beide ja klar und eingehalten bleiben. Einfach aus Fairness. Finde ich zumindest.


    Es ist eben schwer seine eigene Gefühlswelt so sicher für den anderen dar zu legen, dass keine Zweifel daran bleiben. Ich schätze wenn das ginge

    gäbe es wesentlich weniger Beziehungsdramen. Manchmal ist ja schon ein Lächeln zu viel. ;-)


    Wenn jemand von sich selbst sagt 'Ich geh ja nicht weiter als bis-hier-und-hier' ist das eine eigene Sicherheit - die nimmt der Partner aber selten für sich auch so auf. Deswegen ist es eben schwierig, wenn die Grenzen nicht miteinander besprochen werden.


    Bei Freunden ist es eben in so fern anders, als dass da Freundschaften zu verschiedenen Menschen eben auf deren Unterschiedlichkeiten beruhen. Und das diese eben auch für den Partner nachvollziehbar und mitdenkbar sind. Man kann sich unbeschwert darüber austauschen, denn man hat keine Sorge das diese für sich komplexen Beziehungen ein Eigenleben entwickeln. Es sind eben Freundschaften. Sympathitätszusammenschlüsse, quasi. ^^


    Platonische Beziehungen haben schlicht einen anderen Charakter, der nur dann bedrohlich wird, wenn der Einfluss zu groß wird. Physische Kontakte sind da, auch ohne sexuelle Komponente, mehr an Lust gebunden.


    Und Zärtlichkeiten an Sich sind ja schon etwas intimeres - auch wenn es recht harmlose sind.

    Warum dann der Thread? Deine Entscheidung steht doch.


    Mit "Erlauben lassen müssen", Knast und Aufseher hat das aber auch nichts zu tun. "Erzählen" hat erstmal kein gar nichts mit "um Erlaubnis fragen" zu tun. Ein Denkfehler, den viele Leute, die polygam leben wollen, machen. Er muss dir nichts erlauben, du kannst tun, was du willst.


    Das macht es nur 1. nicht automatisch unproblematisch und 2. ändert es nichts daran, dass du ihm die Gelegenheit vorenthältst, eine begründete Entscheidung zu treffen, ob er so eine Beziehung mit dir führen will oder nicht.


    "Aufseher" bist wenn dann auch du; du gibst ihm vor, was er zu wissen hat. Du enthältst ihm beziehungsrelevante Informationen vor, die seine Beziehungsentscheidung ggf. ändern könnten. Du lässt ihn im Unwissen oder falscher Sicherheit, damit er nicht in die Lage kommt, evtl. zu sagen "So möchte ich dann doch nicht mit dir zusammensein, sorry, wir müssen uns trennen".