Keine Lust in der Ehe

    Ich hoffe es wird kein allzu langer Beitrag. Doch möchte ich meine Situation umfassend beschreiben, um differenzierte Meinungen zu bekommen.


    Ich bin 56, fit, schlank, mit guter beruflicher Stellung, seit 27 Jahren verheiratet, unsere 3 Kinder sind gross und studieren oder arbeiten.


    Mit meiner Frau verstehe ich mich so weit gut, aber ich spüre weder Liebe noch Lust für sie, wir sind fast wie Kumpels, obwohl wir hin und wieder noch Sex haben. Als die Kinder klein waren, hatten wir sehr wenig Sex, viel zu wenig für mich, sie hatte immer Gründe, warum nicht: Müde, keine Lust, die Kinder oder Nachbarn könnten uns hören, etc, und es musste immer ganz dunkel sein. Mich gross berühren oder meinen Körper erforschen, dazu hatte sie kein Bedürfnis. Ich hingegen bin ein sehr sinnlicher Mann.


    Seit einigen Jahren fühle ich mich zu jüngeren Frauen hingezogen, und vor einem jahr hatte ich eine kurze Affäre, die mir gezeigt hat, dass ich noch leben, Gefühle habe und Lust ausleben kann. Das war wie eine Neugeburt für mich, ein richtiger Jungbrunnen! Ich habe ihr auch davon erzählt. Seitdem ist ihre Lust wie ausgewechselt. Sie hat plötzlich Interesse an meinem Körper, möchte mich verwöhnen, oft Sex. Ich habe aber meistens keine Lust – auf sie. Die Lustverhältnisse sind wie umgekehrt.


    Wie seht ihr das nun? Hat ein Eheleben auf der Basis von gemeinsamer Vergangenheit, Kinder, Haus usw einen Sinn? Oder soll ich mich trennen, mein Leben allein anfangen? Mir eine andere Partnerin suchen?


    Sicher möchte ich mich nicht einfach Hals über Kopf und leichtfertig scheiden lassen und meine Frau einfach stehen lassen. Dazu bin ich zu solidarisch mit ihr. Doch von mir allein aus gesehen, bin ich mir nicht sicher, ob es mir besser tut, eine neue Beziehung anzufangen, oder ob mich die Scheidung mehr belasten würde als die neu gewonnene Freiheit.


    Wer hat Erfahrung mit einer ähnlichen Situation? Soll ich zwar in Eintracht, aber ohne Lust und Freude in der Ehe bleiben? Oder nochmals durchstarten und alles Geliebte hinter mir lassen, mit grossen finanziellen Verlusten?


    Ich freue mich auf eine offene und unvoreingenommene Diskussion!

  • 134 Antworten

    Vielleicht solltest du dich mal fragen, was dich mit deiner Frau verbindet. Du sprichst recht lieblos von ihr. Klar, wenn du sie nicht (mehr) liebst, dann ist es wohl auch für sie besser, wenn sie ihre Freiheit wieder bekommt, damit auch die Chance, ein neues, glückliches Leben zu führen.


    Vielleicht solltet IHR mal miteinander offen reden, ehe dich hier viele Meinungen erreichen.

    @ kleio

    Zitat

    Du stellst Dir so viele Fragen, aber für mich die naheliegendste nicht. Wie kommt das?

    Du stellst sie auch nicht

    Vielleicht solltest du mal mit deiner Frau reden. Vielleicht empfindet sie ja ähnlich, hat auch ne Affäre – wer weiß das schon...


    Als ideale Lösung klingt es hier irgendwie nach Zusammenbleiben und trotzdem ne Affäre haben (vielleicht sogar mit ihrer Erlaubnis?)

    @ Lupina

    Da bin ich mir eben selbst nicht mehr sicher. Ist es Gewohnheit? Solidarität? Liebe?

    @ Mayflower

    Hebe ich schon ernsthaft daran gedacht und habe gemerkt, wie sie sich wehrt dagegen. Sie fände das eine Katastrofe.

    @ Erdbeermond

    Affäre hatte ich, ist für mich ein Weg, ohne alles bestehende zu zerstören und alles zu verlieren. Doch sie sagt, sie möchte mich nicht teilen. Und Lust auf eine Affäre hat sie überhaupt nicht (wie sie sagt...). Dass sie mich vllt ganz verliert mit dieser engen Haltung hat sie noch nicht kapiert

    Hm, die Gefahr des Verlustes besteht für sie glaube in beiden Konstellationen. Triffst Du Dein junges Rasseweibchen, die signalisiert in allem als mehr zu sehen, als eine Affäre wird Deine Frau kaum dazu kommen durchzuatmen, so schnell bist Du weg. Dies nicht als Vorwurf verstehend, sondern als nüchterne Betrachtung. Ein Großteil Deines Verbleibens hat mit der Kopfrechnung der Scheidung/Scheidungsfolgekosten zu tun. Ständen die nicht in Zahlen im Hinterkopf wäre die Entscheidung längst gefallen. Könntest Du beides auf Dauer haben, wäre es ok.


    Das sie mit den ihr "verbliebenen" Waffen einer Ehefrau um eure Beziehung kämpft, kann man ihr kaum verübeln. Das sie nun wieder mehr Lust auf Dich hat/zeigt, kann damit begründet werden, Dein Ego streichelnd oder aber auch darin, dass eure Kinder erwachsen sind. Von ihr viel Verantwortung für den Erhalt der Familie abgefallen ist. Sie sich mitunter deshalb mehr als Frau empfindet, freier insgesamt. Oder eine Mischung aus vielen kleinen Faktoren, auch der größeren Ruhe und Freizeit, die man selten hat in einer jungen Familie mit Kindern, wenn nicht beide Partner für Freiräume und Entspannung gesorgt haben. (Paarzeit hatten)


    Das Du heute und nach Deiner Affäre Dein Mannsein, Dein Begehren mit völlig neuen Augen und anderen Gefühlen siehst, absolut verständlich. Die Frage, die Du Dir stellen könntest, wo sehe ich mich mit dem Wissen und Empfinden von heute in ein paar Jahren. Will ich die mir verbleibenden Jahre, in einer neuen Dich noch mal fordernden Beziehung leben, damit ein Stück nicht gelebtem Jugendtraum nachholen oder Dein Mannsein weiter in kurzlebigen Affären nebenbei haben?


    Einen Kompromiss scheint es kaum zu geben. Auf Dauer bleibt vermutlich beides für Deine Frau verletzend, es sei denn sie blendet Deine gelebten Wünsche irgendwann aus, in der Hoffnung, dass das von selbst aufhört. Sicher eine Frage ihrer Geduld und ihrer Liebe zu Dir. Es gibt Frauen die sowas aushalten, Andere ziehen spontan selbst die Reißleine.


    Ein Leben währt nicht ewig, deshalb sollte man/n es leben. Die Frage, die dabei offen bleibt, für welchen Zugewinn, um welchen Preis. Vor diesem Dilemma stehst Du gerade, einen konkreten Rat zu geben ist unter den von Dir geschilderten Bedingungen schwer.


    Mein Bestreben wäre vermutlich für mich Respekt und Achtung zu behalten, dies ebenso dem Partner gewährend. Gefühle lügen konnte ich nie, egal für welchen Grund. Hätte ich einen Partner wie Dich würde ich mir als Frau wünschen, dass Du offen und ehrlich mit mir redest, damit ich eine echte Wahl habe und nicht die der Qual einer Wahl. Ob Deine Frau dies für sich ebenso sieht, wirst Du besser wissen. Es ist schwer in solch einer Situation zu stecken, aber lösbar, wenn DU eine Entscheidung getroffen hast für DEIN Leben.

    Zitat

    Die Frage, die Du Dir stellen könntest, wo sehe ich mich mit dem Wissen und Empfinden von heute in ein paar Jahren.

    Das finde ich interessant!


    Lebt und erträgt man heute etwas mit der Hoffnung auf irgendwas, was sich in 5 oder 10 Jahren positiv einstellen würde?


    Oder lebt und entscheidet man sich heute so, wie es die heutigen und vergangenen Fakten und Erfahrungen nahelegen?


    Lebt man im "Prinzip Hoffnung"?


    Oder lebt und entscheidet man nach dem heute und jetzt?


    .


    Die Hoffnung wäre, dass sich in 5 oder 10 Jahren die Ehe wieder einrenkt, oder die langjährige Vertrautheit der Ehe wieder wichtiger wird als heutige sexuelle Abenteuer und Begehren.


    Das hier und jetzt sind die Möglichkeit, heute und jetzt Sex und Begehren zu empfinden und vieleicht auch einen anderen Partner zu finden. Mit dem Risiko, in 5 oder 10 Jahren einsam und bereuend da zu stehen. Einsam und verlassen zu altern.


    .


    Wie man es auch macht, man schlägt Türen zu, während man andere öffnet.


    Aber sind es die richtigen Türen?


    Woher soll man das jetzt wissen?


    Verstehen kann man es erst später.


    Entscheiden muss man jetzt.


    *:)

    Zu der Frage: "Wieso ist das so, dass Du sie jetzt nicht mehr begehrst, seitdem sie sich annähert" kam mir augenblicklich der Gedanke, dass Du da Machtkämpfe austrägst: sie hat Dich eine ganze Zeit lang zu wenig beachtet, jetzt zahlst Du ihr das quasi heim. Mit ihrem Bemühen erreicht sie somit nicht das wahrscheinlich gemeinsam formulierte Ziel, sich wieder anzunähern und die Qualität der Beziehung zu verbessern, sondern genau das Gegenteil.

    Zitat

    Die Lustverhältnisse sind wie umgekehrt.

    Die Machtverhältnisse haben sich umgekehrt.

    Zitat

    Hat ein Eheleben auf der Basis von gemeinsamer Vergangenheit, Kinder, Haus usw einen Sinn?

    Es muss ja nicht ausschließlich das sein. Es kann auch auf der Basis von Liebe, Partnerschaft, Vertrauen, Ehrlichkeit gerade nach so langer verbrachter Zeit und einer gemeinsamen Familie eine ganz neue Qualität bekommen, die sie vorher nicht hatte. Dazu wäre es aber – in meinen Augen – nötig, das "Schlachtfeld" zu verlassen, ihre Bemühungen wertschätzen und ihr auch wieder entgegen zu kommen. Halte ich für nicht ausgeschlossen.


    Meine Eltern sind ein klein wenig älter als Du und mein Vater hatte vor wenigen Jahren eine ähnliche Anwandlung. Das würde nun zu weit führen, auseinander zu "psychologisieren", was ihn da in die Arme der jüngeren getrieben hat bzw. was er dort sucht oder hoffte, zu finden. Sie haben sich aber tatsächlich zusammen gerauft, haben sich neue, gemeinsame Hobbies und Lebensinhalte erschlossen und ich würde sogar so weit gehen, dass nach einem turbulenten und gewiss nicht krisenfreien Eheleben, ihre Beziehung nun eine nie zuvor dagewesene Qualität aufweist.


    Paare, die sich in ähnlichem Alter getrennt haben und neue Partnerschaften gefunden haben, mussten wiederum feststellen, dass die neuen Partnerschaften auch ganz neue Sets von Problemen mitbringen und – ich glaube – ihnen wurde dann auch klar, dass die verbleibende Lebenszeit (leider) gar nicht mehr die Möglichkeit inne hat, eine Beziehung von solcher Tiefe und Bedeutung zu entwickeln, wie die, in der man sein halbes Leben war.


    Ich will damit nicht sagen, dass es immer so sein muss oder immer das Beste ist, zusammen zu bleiben, ich will damit eigentlich mehr den Blick auf das einmalige Potential lenken, die eine solche langwährende Beziehung hat.


    Denn tatsächlich gibt es in dieser Situation auch die Lösung "Krise als Chance", sich als Paar neu aufzustellen, ohne das ganze bereits erarbeitete zu verlieren.


    Wünsche Dir und Deiner Frau, dass ihr glücklich werdet, ob nun zusammen oder getrennt. Aber vielleicht denkst Du mal darüber nach, welche Möglichkeiten bei Dir liegen, dass wieder auf eine glückliche und ausfüllende Bahn zu lenken. Ein Schritt auf Deine Frau zu, wäre dann die richtige Richtung. @:)

    Zitat

    Zu der Frage: "Wieso ist das so, dass Du sie jetzt nicht mehr begehrst, seitdem sie sich annähert" kam mir augenblicklich der Gedanke, dass Du da Machtkämpfe austrägst: sie hat Dich eine ganze Zeit lang zu wenig beachtet, jetzt zahlst Du ihr das quasi heim. Mit ihrem Bemühen erreicht sie somit nicht das wahrscheinlich gemeinsam formulierte Ziel, sich wieder anzunähern und die Qualität der Beziehung zu verbessern, sondern genau das Gegenteil.

    Zitat

    Die Lustverhältnisse sind wie umgekehrt.

    Die Machtverhältnisse haben sich umgekehrt.

    Ich glaube auch, in Beziehungen spielen auch Machtspiele eine große Rolle.


    Und nicht mal zum schlechteren.


    Ich denke, in Beziehungen geht es auch um die Macht:


    Wer hat mehr Anziehungskraft, um den Partner zu diesem oder jenem zu zwingen oder zu bringen.


    Wer hat mehr Widerstandskraft, um sich diesem zu widerstehen.


    Wer hat das Sagen? Wer kann sich durchsetzen?


    Wie stark ist die Persönlichkeit des Partners?


    Ich glaube, sowas testet man immer unbewusst in einer Partnerschaft aus.


    Letzten Endes durch Sex- und Lustenzug, oder Liebesentzug.


    Und ich glaube, man liebt letztendlich den Partner, der ähnlich widerstandsfähig ist. Ähnlich bissig zurück beißt wie man selber fieß und gemein ist.


    Und ähnlich ist, wie man selber verzeihen und versöhnen kann.


    Und ich glaube, letztendlich respektiert man und liebt man einen Partner, der sich von einem selber nicht alles bieten lässt, und seine eigenen Bedürfnisse klar formuliert, aber auch auf die eigenen Bedürfnisse eingeht, sodass man auf Augenhöhe sich zusammen findet.


    *:)

    Wenn ich du wäre, würde ich zwar weiter bei deiner Ehefrau bleiben, da ihr ein eingespieltes Team seid. Das ihr kein Sex oder Liebe mehr habt betrachte ich als unwichtig.


    Außerdem würde ich weiterhin zu der jungen Frau gehen und mit ihr Spaß haben. Ich weiß dass deine Frau das nicht gutheißt, aber du musst es ihr ja nicht unter die Nase reiben. Spukuliere doch einfach darauf, dass sie es stillschweigend hinnimmt und irgendwann sich sagt: "Lieber lass ich ihn fremd gehen als wenn er weg ist"


    Sollte es doch zur Trennung kommen, wurde dir die Entscheidung dafür abgenommen. Dann ist sie es, die mit den Gedanken, einen endgültigen Schritt gegangen zu sein, leben muss. Du kannst dich ja schon vorher Gedanklich damit abfinden, um es dann zur gegebenen Zeit verkraften besser verkraften zu können.