• Keine Lust in der Ehe

    Ich hoffe es wird kein allzu langer Beitrag. Doch möchte ich meine Situation umfassend beschreiben, um differenzierte Meinungen zu bekommen. Ich bin 56, fit, schlank, mit guter beruflicher Stellung, seit 27 Jahren verheiratet, unsere 3 Kinder sind gross und studieren oder arbeiten. Mit meiner Frau verstehe ich mich so weit gut, aber ich spüre weder…
  • 134 Antworten

    naja... du drückst etwas sehr negativ aus, was ja gar nicht so extrem negativ sein muss (im kern), sondern sich durch unachtsamkeit entwickelt. wenn ich z.b. meine beziehung anschaue, dann sind da schon auch phasen, in denen man sich vertraut und kuschelig und nah einrichtet, vor lauter "gemütlichkeit" (die ja prinzipiell superschön sein kann), die erotik nicht so recht gepflegt wird. gottseidank sind mein mann und ich sehr aufmerksam und einer von uns durchbricht dieses plätschern dann.


    wenn aber beide diese schlumpferei zu lange okay finden, dann wird es immer schwieriger, wieder zurückzufinden zu lust und leidenschaft!

    @ fadetogrey

    Ja, ich meine diese Nähe hat es gegeben. Und zwar in den ersten Ehejahren. Sehr viel Nähe und Geborgenheit.


    Eng umschlungen einschlafen wollte sie aber auch dann nie, obwohl ich grosses Bedürfnis danach hatte. Sie hat mich immer abgewiesen. Oder auch am Morgen zusammen schlafen lag nie drin. Mit der Zeit habe ich auch einfach keine Lust mehr nachzufragen. Ich habe resigniert.

    Jede Beziehung hat ihre ganz spezielle Eigendynamik und Entwicklung, deswegen wird (falls eine Paar-Therapie eine Option ist) der/die beste Paartherapeut/in nur das mit beiden Partnern heraus arbeiten können, an Gemeinsamkeiten, innerer Bindung was Frau wie Mann noch zulassen können/wollen.


    Patentrezepte sind nicht zu haben, und es gibt nie DEN Weg. Man kann nur versuchen sich selbst ehrlich zu hinterfragen, was will ich. Wenn die eigenen Bedürfnisse nicht mehr zu dem Leben passen, Vorstellungen auseinander driften über die Weiterführung unter neuen/anderen Bedingungen wird es nicht funktionieren. Alles beim Alten bleibt, also auch die Unzufriedenheit unterm Strich immer beidseitig.

    @ DieDosismachtdasGift

    Zitat

    Zudem trägt für eine Ehe jeder 50 % Eigenverantwortung, weder Frau noch Mann ist dazu verdonnert, Miss-Stimmungen, Probleme, Verständigungsschwierigkeiten stillschweigend, verdrängend, Achsel zuckend oder wie auch immer hinnehmen. Der TE hätte bereits in den Anfängen als er bemerkte, sein Sexleben driftet aus den Fugen, Kommunikation oder Hilfsangebote in Anspruch nehmen können, wie umgekehrt die Ehefrau auch.


    Wer Dinge nicht rechtzeitig thematisiert, riskiert die Dauerschleife und schleichende Entfremdung innerhalb der Beziehung oder nimmt sie stillschweigend in Kauf. Für mich tragen dafür beide eine Verantwortung, wenn das Ergebnis nach 27 Jahren Beziehung so ausschaut, wie vom TE beschrieben.


    Auch deshalb verstehe ich zum Teil die einseitige Schuldzuweisung "frigide" machtpokernde Ehefrau nicht. Gesetzt der Fall DAS war alles so (was ich nicht glaube), dann gab es einen Ehemann, der dies knapp 3 Jahrzehnte so mit sich machen ließ. Für mich ist das nicht schlüssig, wäre die Ehe so dermaßen mies gewesen, wie es hier einige geschrieben/vermutet haben, wäre der Mann weit vorher ausgebrochen und nicht erst vor wenigen Jahren in einer Affäre. Den Trott sind dann beide so gegangen über Jahre mit dem Ergebnis von heute.

    Da gebe ich dir in vielen Punkten recht. Wir haben es beide schleifen lassen. Das würde ich heute niemals mehr so tun. Mir geht es weniger um Schuldzuweisungen als darum, was ich tun soll, was ein angemessenes Verhalten ist von mir.


    Es ist richtig, dass die Ehe nicht total zerrüttet ist, wir sind ordentliche Kumpels und haben es nicht allzu schlecht in unserer "WG". Wir streiten selten, weil wir uns eben auch nicht weh tun können.


    Natürlich ist Sex nicht das einzige auf der Welt und nicht allein der Kitt einer Ehe. Aber ohne fehlt eben ein ganz wichtiger Bestandteil, ein Lebenselixier. Sex heisst leben und lieben, heisst sich und den andern spüren, das ist Sinnlichkeit und Lebensfreude. Will ich ohne weiterleben? Oder versuchen nochmals durchzustarten mit dem Risiko, nach einigen Jahren wieder allein dazustehen und sehen, wie vergänglich die momentane Befindlichkeit doch ist?

    @ HannaWe

    Zitat

    Leider ist es eben NICHT so, dass Liebe und sexuelle Anziehung immer gleich lang bestehen bleiben. Und auch nicht so, dass man einen Menschen, mit dem man 20+ Jahre zusammengelebt hat und den man liebt, automatisch auch sexuell anziehend findet.

    Da kann ich dir nur voll beipflichten. Gemäss meiner Erfahrung ist das einfach so. Muss aber bei andern nicht zwingend gleich sein.

    Hallo @alterEhemann

    Ganz ehrlich, ich bewundere euch schon dafür, dass ihr soweit gekommen seid. Eine Paarbeziehung über so lange Jahre (selbst in weniger guten Phasen), 3 Kinder ins Erwachsenenalter begleitet zu haben, ist eine tolle Leistung. Da gibt es nichts zu deuteln. Finde auch toll, dass Du Deiner Partnerin trotz Deiner heutigen Gefühlssituation nicht komplett zerreisst, sondern es dabei belässt zu schreiben, was zwischen euch seit längerer Zeit nicht mehr so gut übereinstimmt.


    Ich kann da keinen wirklichen Rat geben was jeder von euch beiden tun kann. Möchte weder in Deiner Haut, noch in der Deiner Frau stecken. Weiß aber zumindest aus meinem eigenen Erleben, dass es eine wohltuende Befreiung sein kann, wenn man Gefühle nicht mehr anpassen, Bedürfnisse verstecken muss.


    Für mich war dieser Zeitpunkt gekommen, als ich spürte, dass ich glücklicher darüber war, wenn die Haustür von innen nach außen geöffnet wurde durch meinen Partner. Diesen Gedanken konnte ich nicht mehr wegwischen, und nein bösen Streit gab es bei uns daheim auch nicht.

    alterEhemann

    Zitat

    Will ich ohne weiterleben?

    ?? Wieso ohne? Sie will doch Sex. Was ich eben meinte ist, dass Du nirgends schreibst, was Du in diesem Fall tun würdest. Ihr habt noch ab und zu Sex. Also was spricht gegen eine Paartherapie? Was spricht dagegen, dass ihr gemeinsam schaut, welche gegenseitigen Gefühle noch da sind und sie zu aktivieren?

    Zitat

    Schließt Du es völlig auf, dass eine Paarberatung Dir Deine Ehefrau nochmals "näher" bringen könnte? Hast Du völlig damit abgeschlossen, sie eines Tages doch wieder sexuall anziehend zu finden? Kannst Du beschreiben, warum Du sie nicht mehr sexuell attraktiv findest? Könnte Sie was daran ändern?


    schnuckie21

    Wir hatten schon einige Sitzungen bei einer Paartherapeutin, die ich sehr gut und hilfreich fand. Nur hat sie mich vor allem in meiner und ihrer persönlichen Entwicklung bestärkt, weniger in der Entwicklung der Ehe, von uns als Paar. Wir können jederzeit wieder zu ihr gehen. Der Ehe bringt das aber nicht viel, mir persönlich eher.


    Ich kann dir ehrlich nicht sagen, was sie tun oder ändern müsste, damit ich sie wieder anziehend fände. Manchmal habe ich sogar das gefühl, dass das nicht mehr möglich ist. Denn es liegt in der Vergangenheit, in der langjährigen Gewöhnung des sexarmen oder sexlosen Zustands (klar habe ich auch Schuld daran, weil ich nichts dagegen unternommen, sondern sie so akzeptiert habe)

    @ alterEhemann:

    Zitat

    Ja, ich meine diese Nähe hat es gegeben. Und zwar in den ersten Ehejahren. Sehr viel Nähe und Geborgenheit.


    Eng umschlungen einschlafen wollte sie aber auch dann nie, obwohl ich grosses Bedürfnis danach hatte. Sie hat mich immer abgewiesen. Oder auch am Morgen zusammen schlafen lag nie drin. Mit der Zeit habe ich auch einfach keine Lust mehr nachzufragen. Ich habe resigniert.

    Da waren die Bedürfnisse offenbar von Beginn an unterschiedlich – und drifteten im Laufe der Zeit immer weiter auseinander.


    Auch wenn sich hier manch einer skeptisch fragt, warum Du das so lange hingenommen hast: ich kann Deine letztendliche Resignation durchaus verstehen.

    Zitat

    Ich kann dir ehrlich nicht sagen, was sie tun oder ändern müsste, damit ich sie wieder anziehend fände.

    Das ist ja schon eine ziemlich aussichtslose Situation. Weiss das Deine Frau? Habt Ihr über dieses Thema in der Paartherapie gesprochen?


    Wenn ich das richtig verstehe, vermisst Du zwar Sex, aber auf den Sex mit Deiner Frau kannst verzichten. Ich würde sagen, Du möchtest eine neue Partnerin... ":/

    Zitat

    Will ich ohne weiterleben? Oder versuchen nochmals durchzustarten mit dem Risiko, nach einigen Jahren wieder allein dazustehen und sehen, wie vergänglich die momentane Befindlichkeit doch ist?

    Zitat

    Ich kann dir ehrlich nicht sagen, was sie tun oder ändern müsste, damit ich sie wieder anziehend fände.

    dann glaube ich auch eher, dass es keiner von euch beiden schafft, die erotik und leidenschaft innerhalb der ehe zurückzuholen... dazu müsstest du bereit sein – und irgendwie klingt das bei dir innerlich abgeschlossen.

    alterEhemann

    Zitat

    Der Ehe bringt das aber nicht viel, mir persönlich eher.

    Natürlich, nur muss das ja nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Dass das Ergebnis oft die Feststellung ist, dass es nicht geht, das kommt ja vor. Insofern wäre es ja möglicherweise auch eine Hilfe, dort auf das Ende hinzuarbeiten.

    Zitat

    Ich kann dir ehrlich nicht sagen, was sie tun oder ändern müsste, damit ich sie wieder anziehend fände. Manchmal habe ich sogar das gefühl, dass das nicht mehr möglich ist. Denn es liegt in der Vergangenheit, in der langjährigen Gewöhnung des sexarmen oder sexlosen Zustands (klar habe ich auch Schuld daran, weil ich nichts dagegen unternommen, sondern sie so akzeptiert habe)

    Das war ja auch nicht meine Frage, sondern, was Du ändern könntest. Ansonsten ist es doch ganz einfach - wenn Du nichts für die Ehe tun willst (dass sie es auch wollen muss, setzte ich voraus), dann ist die Frage bezüglich der Aufrechterhaltung der Ehe doch sowieso hinfällig.


    Dass Deine nächste Beziehung genauso enden kann, heißt ja nicht, dass Du in einer Ehe bleibst, die Dich nicht mehr interessiert.

    Zitat

    Ich würde sagen, Du möchtest eine neue Partnerin... ":/

    Das schrieb er eigentlich schon ziemlich deutlich im Ausgangsposting, auch wenn es noch etwas fragend und unsicher klang. :-/ Er wollte wohl mehr Zuspruch in die Richtung. ;-)

    Zitat

    dazu müsstest du bereit sein – und irgendwie klingt das bei dir innerlich abgeschlossen.

    Ja, das empfinde ich auch so.

    Zitat

    Da waren die Bedürfnisse offenbar von Beginn an unterschiedlich – und drifteten im Laufe der Zeit immer weiter auseinander.


    Auch wenn sich hier manch einer skeptisch fragt, warum Du das so lange hingenommen hast: ich kann Deine letztendliche Resignation durchaus verstehen.


    Fade-to-grey

    Danke fürs Verständnis. Tatsächlich waren schon am Anfang die Bedürfnisse unterschiedlich. Nur haben wir das kaum beachtet unter der Verliebtheit, dann Familie, Kinder und Alltag. Bis bei mir der Frust immer mehr wuchs und mich beansprucht hat.


    Nun stehe ich vor der Frage, ob mir das Fehlende in einer super guten neuen Beziehung erhalten bleiben kann? Oder, wie mir andere per PN ans Herz gelegt haben, ich nach 2-3 Jahren wieder zum Heimchen am Herd zurückehren werde, weil ich alles Geliebte vermissen würde, alle Familienfeste, Familienangelegenheiten, Geschichten usw. Das ist das Risiko, das ich momentan abzuschätzen versuche.

    Zitat

    Ich kann da keinen wirklichen Rat geben was jeder von euch beiden tun kann. Möchte weder in Deiner Haut, noch in der Deiner Frau stecken. Weiß aber zumindest aus meinem eigenen Erleben, dass es eine wohltuende Befreiung sein kann, wenn man Gefühle nicht mehr anpassen, Bedürfnisse verstecken muss.


    Für mich war dieser Zeitpunkt gekommen, als ich spürte, dass ich glücklicher darüber war, wenn die Haustür von innen nach außen geöffnet wurde durch meinen Partner. Diesen Gedanken konnte ich nicht mehr wegwischen, und nein bösen Streit gab es bei uns daheim auch nicht.


    DieDosismachtdasGift

    Perfekt ausgedrückt! Genau so fühle ich mich, wenn wir uns trennen für den Tag oder ein paar Stunden: Eine riesige Erleichterung. Verrückt! Vertragen wir uns so wenig???


    Gerade bei einem guten persönlichen Gespräch gestern abend sagt sie mir, sie fänge mich ungemein egoistisch, dass ich nur nach meinen Bedürfnissen leben wolle. Ich entgegnete, dass ich Jahrzehnte lang meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hatte zugunsten der Familie, der Kinder, der Ehefrau. Und bin unglücklich geworden dabei. Deshalb möchte ich jetzt meine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und mehr nach ihnen leben. Das kann auch eine Beziehung zu einer anderen Frau beinhalten, wenn ich das Gefühl habe, dass mir das gut tut. Aber ich möchte das nicht mehr versteckt tun, sondern ihr mitteilen. Dann hat sie auch eine Chance zu reagieren. Das wird eine harte Probe für unsere Ehe. Entweder besteht sie diese Probe und kann wieder an Schwung gewinnen, (wie ich das vor einem Jahr schon erlebt habe) oder sie scheitert ganz. Es ist ein Spiel mit dem Feuer.