Kinder von Freund großziehen

    Guten Abend ihr da draußen!

    Ich nenne mich mal selber Mandarine hier: Also ich bin die Mandarine, weiblich und vor kurzem 26 Jahre jung geworden.

    Ich bin mit meinem Freund am 01.09.2020 drei Jahre zusammen.

    Wir kamen also am 01.09.2017 zusammen.

    Er ist mein erster Freund.

    Mit seiner ersten und bisher einzigen Ex war er von Januar 2017 bis Mai 2017 zusammen.

    Im April 2017 hatte er mit seiner Ex auch sein erstes Mal. Zwei bis drei Wochen später hat sie Schluss gemacht, weil sie zurück in die Staaten wollte, wo sie mal studiert hat.

    Im September 2018, als wir knapp ein Jahr zusammen waren und gerade zusammengezogen waren, kam seine Ex zurück- mit zwei Babys, damals ungefähr sieben Monate alt.

    Mein Freund wusste nichts davon, da seine Ex die Pille genommen hat- zumindest hat sie das behauptet. Sie hatte dann aber keinen Bock mehr auf die Kinder, weil ihr das zu anstrengend war. Zwillinge, sie war damals noch nicht mal 23. Sie hatte gedacht, sie könne die Mädels alleine großbekommen, aber das beißt sich eben mit Party, modeln und frei sein.
    Mein Freund war verständlicherweise total überfordert, aber total verliebt in seine beiden kleinen Töchter und da er ein Mensch ist, der sehr verantwortungsvoll ist, stand für ihn fest, dass er die beiden großziehen wird.

    Für mich war das ziemlich hart, ich bin kurzzeitig ausgezogen, wollte es aber gemeinsam mit ihm probieren und ziemlich schnell schloss auch ich die beiden Mädchen in mein Herz. Seine Ex hat sich ein paar ziemlich asoziale und unverantwortliche Aktionen geleistet (Drogen-Eskapaden, Vernachlässigung der Kinder, etc.) und ist in den USA abgetaucht, hat vorher aber überall verkündet, dass sie nie wieder Kontakt möchte zu ihren Töchtern.

    Mein Freund hat jetzt das alleinige Sorgerecht und ich zog wieder daheim ein und die beiden Mädels begangen mich als Mama anzusehen und ich war überrascht, da ich nichts als pure Liebe für diese kleinen Wunder fühlen konnte.

    Meine Mutter und auch mein Vater wendeten sich ab, als sie erfuhren, dass ich Kinder großziehen will, die nicht die meinigen sind. Sie sagten, dass sie die Mädels nie als ihre Enkelkinder ansehen werden.

    Nun bin ich selber relativ ungeplant, aber sehr glücklich schwanger und erwarte eine kleine Tochter.

    Jetzt will meine Familie plötzlich wieder Kontakt zu mir und ich möchte meiner Tochter auch nicht den Kontakt zu Oma und Opa vorenthalten, aber ich will erst recht nicht, dass meine Eltern meine drei Kinder in „Lieben wir“ und „lieben wir nicht“ eingruppieren. Meine Mutter meinte, als ich ihr von meiner Schwangerschaft berichtete und auf sie zugehen wollte, dass sie ja endlich ein eigenes Enkelkind bekommt.
    Ich vermisse meine Eltern, aber sie betonen immer wieder, wie enttäuscht sie sind, dass ich fremde Kinder großziehe und mir mein Leben verbauen würde..

    Wie kann ich diese Wogen glätten?

  • 26 Antworten

    Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft liebe Mandarine, x:)


    ich finde es ganz wundervoll, dass du den beiden Mädels die Chance gibst in einer Familie aufzuwachsen und dass du Ihnen eine Mutter bist:)= Ich weiß nicht, ob ich das auch so geschafft hätte (aber ich denke, ich hätte es versucht).

    Deine Eltern verstehe ich aber absolut nicht. Mochten sie deinen Freund nicht, kann das noch ein Grund sein? Klar, ist es nicht einfach und dein Leben hat sich dadurch mit Sicherheit anders entwickelt. Besser? Schlechter? Man weiß es nicht. Aber dir für so eine Liebe und Großzügigkeit sauer zu sein und enttäuscht zu sein, finde ich echt krass. Ich kann dir nicht sagen, in wie fern ich sie am Leben eures dritten Kindes teilhaben würden lassen, da kann ich dir nicht helfen. Bisher hast du (aus meiner Sicht) alles richtig gemacht :)_

    das ist ja voll traurig, was deine Eltern abziehen. finde es aber toll wie du mit der Situation umgehst.


    ist sich dein Freund sicher, dass es „seine“ Kinder sind?


    ich fand es im freundeskreis schon immer schade, als es hieß : meine stiefschwester, etc.


    die Kinder wachsen gemeinsam auf und bekommen so einen Stempel aufgedrückt.


    ich hoffe du findest für dich einen gesunden mittelweg.

    Es gab einen Vaterschaftstest, also ja. :)

    Abgesehen davon kann ein Mann Kinder auch lieben und großziehen wollen ohne zu wissen ob es seine, leiblichen sind.


    In einem Fall in meinem Freundeskreis hat eine Frau ihrem Mann gestanden, dass sie fremdgegangen war. Sie wurde schwanger und es war nicht klar von wem. Er hat es als sein Kind angenommen und einen Test sogar abgelehnt - er wollte gar nicht wissen wenn sein Kind kein leibliches sein sollte. Es war irrelevant.

    Wenn beim Test rausgekommen wäre dass ein anderer der Erzeuger ist,

    hätte das weitreichende Konsequenzen gehabt.

    Ich kann verstehen dass er auf den Test verzichtet hat.

    @ TE

    Ich finde es großartig dass du den kleinen Mädchen eine Mutter sein willst.

    Ich finde es auch ganz groß von dir, die beiden Mädchen so angenommen zu haben, und so wie du über sie schreibst, geben dir deine Gefühle jeden Tag recht.

    Die Position deiner Eltern finde ich herzlos - würden sie diese Meinung auch vertreten, wenn du die Zwilinge adoptiert hättest? Und wäre das vielleicht tatsächlich eine Option? Die Mutter wird ja wohl nichts dagegen haben, nehme ich an.

    Je nachdem, wie "hart" du sein kannst, wie enttäuscht du von deinen Eltern bist und wie wichtig dir letztlich eine "gute" Beziehung zu ihnen ist oder ob du sie im Zweifelsfall aufs Spiel setzen würdest, wäre es theoretisch eine Option, von den Eltern radikal zu fordern, die beiden angenommenen Mädchen gefälligst zu akzeptieren, sofern sie zu deinem leiblichen Kind Kontakt wünschen. Das ist radikal (so wie ihre Haltung ja auch extrem und radikal ist), ist mir klar, und ich bin nicht sicher, ob ich das in der Situation so könnte, aber das ist jetzt gerade das einzige, was mir einfällt, um sie evtl wachzurütteln.

    Die denkbar ungünstigste Variante wäre, wenn sie bei deiner leiblichen Tochter so tun als wäre nichts und die beiden anderen ignorieren, und du das mitspielst. Damit würdest du ihnen nämlich recht geben. Da würde ich wohl im Zweifel eher ganz auf den Großelternkontakt verzichten, dann aber für alle Kinder gleichermaßen.

    Das ist eine wirklich bescheidene Diruation und ich wünsche dir viel Kraft und gute Entscheidungen.

    Paritu schrieb:

    In einem Fall in meinem Freundeskreis hat eine Frau ihrem Mann gestanden, dass sie fremdgegangen war. Sie wurde schwanger und es war nicht klar von wem. Er hat es als sein Kind angenommen und einen Test sogar abgelehnt - er wollte gar nicht wissen wenn sein Kind kein leibliches sein sollte. Es war irrelevant.

    Wenn die beiden verheiratet sind, ist der Ehemann für jedes Kind, was seine Ehefrau zur Welt bringt, rechtlich sowieso der Vater. Insofern ist es für die rechtliche Seite tatsächlich irrelevant.

    Das führt dann in der Realität zu solch absurden Konstellationen, dass ein Mann seine leiblichen Kinder adoptieren muss, um auch rechtlich deren Vater zu sein. Wenn nämlich die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt mit einem anderen verheiratet war.


    Plüschbiest schrieb:

    Wenn beim Test rausgekommen wäre dass ein anderer der Erzeuger ist,

    hätte das weitreichende Konsequenzen gehabt.

    Nicht wenn die beiden verheiratet sind. Der rechtliche Vater ist immer automatisch der Ehemann der Mutter.

    sie war damals noch nicht mal 23. Sie hatte gedacht, sie könne die Mädels alleine großbekommen, aber das beißt sich eben mit Party, modeln und frei sein.

    MandarinenLiebe schrieb:

    Jetzt will meine Familie plötzlich wieder Kontakt zu mir und ich möchte meiner Tochter auch nicht den Kontakt zu Oma und Opa vorenthalten, aber ich will erst recht nicht, dass meine Eltern meine drei Kinder in „Lieben wir“ und „lieben wir nicht“ eingruppieren.

    (...)

    Wie kann ich diese Wogen glätten?

    Du machst es richtig. Bleibe bei dem was du für richtig findest! :)^


    Du weisst natürlich dass du jetzt drauf achten musst, dass deine Eltern nicht Kinder in "echt" und "falsch" teilen. :)z

    Ich kenne sie natürlich nicht, aber es scheint eine grosse Prestigesache zu sein, dass der Nachwuchs von ihrem eigenen "Blut" ist.

    Ich kann mir aber vorstellen, dass sie sich irgendeinmal aufweichen lassen, wenn die Situation für sie zu verkrampft wird. Braucht manchmal Zeit.


    Es ist wichtig, dass deine Eltern es spüren wenn die Situation nicht stimmt, und nicht deine Familie.:)z


    Meine Mutter war als Schülerin mit mir schwanger, ihre Pflegeltern haben mich ganz selbstverständlich als Enkel angenommen, und als meine Mutter einen allein erziehenden Papa mit 2 Kindern heiratete, waren das auch ihre Enkel. Wenn man Kinder gern hat sollte das eigentlich selbstverständlich sein!



    P.S. Meine Schwester und ich nennen einander immer Stiefbruder und Stiefschwester, gerade weil wir uns so lieb haben ;-D

    Dorfnixe schrieb:
    Paritu schrieb:

    In einem Fall in meinem Freundeskreis hat eine Frau ihrem Mann gestanden, dass sie fremdgegangen war. Sie wurde schwanger und es war nicht klar von wem. Er hat es als sein Kind angenommen und einen Test sogar abgelehnt - er wollte gar nicht wissen wenn sein Kind kein leibliches sein sollte. Es war irrelevant.

    Wenn die beiden verheiratet sind, ist der Ehemann für jedes Kind, was seine Ehefrau zur Welt bringt, rechtlich sowieso der Vater. Insofern ist es für die rechtliche Seite tatsächlich irrelevant.

    Das führt dann in der Realität zu solch absurden Konstellationen, dass ein Mann seine leiblichen Kinder adoptieren muss, um auch rechtlich deren Vater zu sein. Wenn nämlich die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt mit einem anderen verheiretet

    Die rechtliche Situation ist mir durchaus bewusst.


    Es geht dabei eher um den emotionalen Faktor, nicht den rechtlichen.

    Paritu schrieb:

    Die rechtliche Situation ist mir durchaus bewusst.


    Es geht dabei eher um den emotionalen Faktor, nicht den rechtlichen.

    Klar. Ich habe mich halt rein auf den rechtlichen Aspekt bezogen. Auch weil Plüschbiest was von "weitreichenden Konsequenzen" meinte.

    Danke erstmal an alle Antworten!❤️
    Also einen Vaterschaftstest gab es. Sonst hätte mein Freund nicht zwei fremde Kinder in dem

    Alter großgezogen. Für mich macht es tatsächlich keinen Unterschied mehr, da ich die beiden Mädels quasi kenne, seit sie ungefähr ein halbes Jahr/ sieben Monate alt waren. Ich habe ihnen Laufen beigebracht, war bei ihnen, als sie Fieberschübe hatten, habe mit ihnen die Einführung in die Kita letztes Jahr gemacht. Sie betrachten mich vollkommen als ihre Mama.
    Ich wollte zuerst diese Rolle nicht, hatte ganz am Anfang meinem Freund gesagt, dass ich nicht die Mama-Rolle übernehmen werde, aber das war schnell hinfällig.😅


    Mein Freund war sehr überfordert am Anfang und als sie etwa neun Monate waren, also gerade mal zwei Monate bei ihm waren, musste die eine ins Krankenhaus und da ich gerade auf sie aufgepasst habe, bin ich mit ihnen in die Notaufnahme. Als mein Freund dann dazu kam und im Krankenhaus bei der kranken Maus bleiben wollte, hat sie geweint, sobald ich sie aus dem Arm geben wollte, also sind wir beide geblieben und als wir zwei Tage später daheim waren, saß ich eine Woche Tag und Nacht bei ihnen am Bett, habe ihre kleinen Hände gehalten, sie gestreichelt, gekuschelt und beruhigt. Weitere zwei Monate später, kurz nach Neujahr haben sie ihre ersten Worte geschnattert und eines der ersten Worte war “Ma-Ma”.
    Da wusste ich, dass ich für immer Teil ihres Lebens sein möchte.


    Und ich möchte, dass sie immer bedingungslose Liebe erfahren.

    MandarinenLiebe schrieb:

    Und ich möchte, dass sie immer bedingungslose Liebe erfahren.

    Das ist soooo schön, fast wie in einer dieser total kitschigen Telenovelas! x:)