Kindischer, unreifer Freund

    Hallo ihr Lieben, ich würde gerne mal eure Meinung zu meinem "Problemfall" zuhause hören.


    Ich bin seit knapp einem halben Jahr mit meinem Freund zusammen (er 23, ich 25). Anfangs lief alles wunderbar, wir hatten viel zu lachen, seine jugendlich-frische und unkomplizierte Art riss mich ziemlich mit, wir hatten endlos Spaß sowohl im Bett als auch außerhalb *g*. Aber in letzter Zeit häufen sich die Probleme immer mehr, und ich weiß nicht mehr recht, was ich noch machen soll.


    Die Jugend, die ich an meinem Freund so schätzte, schlägt seit geraumer Zeit immer mehr in ein kindisches, unreifes Verhalten um. Er ist ein klassisches Mama-Kind, ein konsumverwöhntes Einzelkind, dem kein Wunsch verwehrt wurde. Er steckt hunderte von Euro in seine Hobbies (Laufen, Zocken, Motorrad) und kann zweimal in der Woche teuer Essen gehen. Aber auf der anderen Seite bekomme ich geschimpft, wenn ich mich wage, in den kalten Winterwochen die Heizung in seinem Bad oder seiner Küche aufzudrehen (man bedenke – Raumtemperatur von 15 °C. Das ist für mich scheißkalt, da will ich mich weder waschen noch etwas kochen). Kostet ja ein bisschen Gas.


    Der nächste Punkt ist seine Unzuverlässigkeit, die mir immer bewusster wird. Vielleicht habe ich ein antiquiertes Bild von einem Mann, aber ich habe bisher immer angenommen, dass ein Kerl seine Freundin abends im Dunkeln an den Bahnhof bringt, damit sie in Sicherheit ist – und sie nicht einfach mitten in der Stadt stehen lässt, weil er sonst eine halbe Stunde zu spät in sein Bettchen kommt. Oder dass ein Mann seiner Freundin hilft, ihren schweren Koffer ins Auto zu heben – und nicht derweil auf der Couch hängt und Zeitung liest, während sie schleppen muss. Oder dass er seine Freundin in einer fremden Großstadt namens Berlin im Auge behält, sie an der Hand nimmt – und nicht von einer Diskussion am Morgen noch so bockig ist, dass er sie komplett ignoriert und sie wie ein Köter hinter ihm her rennen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Einschnappen tut er sowieso gerne bei allem, was ihm nicht in den Kram passt, und straft mich dann mit Ignoranz. Wahrscheinlich hat das bei seiner Mama auch immer funktioniert.


    Ich habe sowieso immer mehr das Gefühl, in eine Mutterrolle gedrängt zu werden. An vielen Abenden, wenn ihm mal wieder eine Laus über die Leber gelaufen ist, liegt er wie ein bockiges weinerliches Kind auf meinem Schoß und will getröstet und gekrault werden, obwohl auch ich genug Probleme habe (ich studiere dual, habe kaum Freizeit und Geld, er arbeitet – bzw. faulenzt, da es wenig zu tun gibt – und verdient verdammt viel Geld dabei). Ich gehe abends einkaufen, schleppe alles nachhause, koche, räume ab und soll natürlich immer bereit sein, wenn er hasig wird.


    Ich fühle mich überhaupt nicht mehr wohl in meiner Rolle. Reden nützt nicht viel, weil er sofort auf stur schaltet. Was soll ich machen? Mein Bauch (und auch mein Verstand) sagt mir, dass ich mir das nicht mehr länger antun sollte, zumal meine Gefühle schon seit geraumer Zeit immer mehr "ausbluten". Aber wie soll ich meinem Freund plausibel machen, warum ich mich von ihm trennen will? Immerhin bemängele ich damit seinen Charakter und seine Erziehung, und dass kann er schlecht ändern. Oder soll ich wirklich klipp und klar sagen, dass ich mit einem solchen Partner nicht leben möchte? :-/

  • 11 Antworten
    Zitat

    Ich habe sowieso immer mehr das Gefühl, in eine Mutterrolle gedrängt zu werden.

    in die mutterrolle begibst du dich doch selber, oder?

    Zitat

    Aber wie soll ich meinem Freund plausibel machen, warum ich mich von ihm trennen will? Immerhin bemängele ich damit seinen Charakter und seine Erziehung

    nein, du bemängelst sein verhalten dir gegenüber!

    Die Frage ist ja, ob du die Beziehung überhaupt noch willst, oder nicht.


    Erhoffst du dir hier nun also Tipps wie du deine Situation ändern oder damit umgehen kannst? Oder findest du nicht den richtigen Weg dich von ihm zu trennen, obwohl du dir sicher bist, dass du die Trennung eben möchtest.


    Es klingt eher nach letzterem.

    Zitat

    Aber wie soll ich meinem Freund plausibel machen, warum ich mich von ihm trennen will?

    Genauso wie du es auch hier erklärt hast. Sag ihm, dass du dir von einer Beziehung etwas anderes erhoffst und er sich einfach nicht wie ein Partner verhält.

    Zitat

    Immerhin bemängele ich damit seinen Charakter und seine Erziehung, und dass kann er schlecht ändern.

    Aber genau daran liegt es doch.


    Und du hörst dich wie gesagt auch gar nicht daran an, als sollte er es auch überhaupt nicht ändern, zumindest nicht mehr für dich.

    Zitat

    Oder soll ich wirklich klipp und klar sagen, dass ich mit einem solchen Partner nicht leben möchte?

    Genau so würde ich das ausdrücken. Du willst Freundin und Partnerin sein, und nicht Mutti.


    Wohnt ihr zusammen? Sonst würd ich einfach nach Hause gehen wenn er bockig ist, oder sich mal wieder aufführt wie ein Kind. Wär mir echt zu doof sowas.

    Lady_Artemis

    Zitat

    Aber wie soll ich meinem Freund plausibel machen, warum ich mich von ihm trennen will?

    häh? Du musst ja ihn ja nun nicht wie in einer mündlichen Prüfung etwas plausibel darlegen, dass er dann mit einer Note absegnet. Wenn du dich trennen willst, kannst du ihm deine Gründe nennen. Ob er das plausibel findet oder eben nicht, ist doch seine Sache.

    Zitat

    Oder dass er seine Freundin in einer fremden Großstadt namens Berlin im Auge behält, sie an der Hand nimmt – und nicht von einer Diskussion am Morgen noch so bockig ist, dass er sie komplett ignoriert und sie wie ein Köter hinter ihm her rennen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren.

    Zitat

    Ich gehe abends einkaufen, schleppe alles nachhause, koche, räume ab und soll natürlich immer bereit sein, wenn er hasig wird.

    Das sind zwei Aspekte, die ganz klar dich betreffen. Wenn du seinen (oder den von deinem Zukünftigen) Haushalt machen willst...Dann mach es...Und wenn nicht, dann nicht. Du bist nicht die Haushälterin und auch nicht die Mutti. Wenn du es als deine Aufgabe als Freundin siehst, den Haushalt zu schmeißen, ist das dein Bier. Beklagen kannst du dich dann natürlich schon, nur läuft es dann ins Leere.


    Du musst auch niemandem "wie ein Köter" hinter herlaufen. Du kannst auch klar sagen, dass du das scheiße findest. Du kannst sagen, dass du nun links gehen wirst und ihr euch in zwei Stunden irgendwo trefft. Du hast Möglichkeiten in solchen Situationen.

    Zitat

    Vielleicht habe ich ein antiquiertes Bild von einem Mann

    ich befürchte, ja bzw. denke ich, dass dein freund einfach nicht ein solch "antiquierter" mann ist und eben entsprechend nicht zu dir passt, da du dir anscheinend eher die klassische rollenverteilung wünschst im sinne von "du die bemutternde haushälterin, er der versorger und beschützer".

    Zitat

    aber ich habe bisher immer angenommen, dass ein Kerl seine Freundin abends im Dunkeln an den Bahnhof bringt, damit sie in Sicherheit ist


    Oder dass ein Mann seiner Freundin hilft, ihren schweren Koffer ins Auto zu heben

    ich denke z.b., dass frau den mann ruhig darum bitten kann, wenn sie das so möchte und erwarte nicht, dass er sich selbstverständlich für meine sicherheit und mein gepäck verantwortlich fühlt. gibt ja inzwischen sogar genug frauen, die regelrecht empört und beleidigt reagieren, wenn mann selbstverständlich mit anpackt. wie soll sich mann dann also noch richtig verhalten? ;-)


    deswegen hilft da wohl – wie immer – nur reden, reden, reden und sich über seine eigenen vorstellungen innerhalb der beziehung klar werden und sich miteinander austauschen. dann siehst du ja, ob es zwischen euch passt oder nicht. *:)

    du bist doch jetzt schon in der mutterrolle drinnen, weil du alles für ihn machst.

    Zitat

    Ich gehe abends einkaufen, schleppe alles nachhause, koche, räume ab und soll natürlich immer bereit sein, wenn er hasig wird.

    wieso schickst du ihn nicht mal zum einkaufen, wenn er eh so viel freizeit hat? wenn er so viel zeit hat, dann sollte er auch gewisse aufgaben im haushalt übernehmen.


    wenn er dir deinen koffer nicht trägt, was ich persönlich auch nicht als selbstverständlich erachte, dann bitte ihn doch darum, dir damit zu helfen.


    genauso, wenn du nachts nicht allein irgendwo hinlaufen willst.


    wenn er zickig durch die stadt läuft und dich nicht beachtet und du hinter ihm her rennst, dann wäre ich persönlich ganz schnell weg und hätte was anderes vor, weil ich auf so einen kindergeburtstag keinen bock hätte..


    das würde ich ihm sagen und wenn ihm das egal ist, würde ich einfach verschwinden.


    er scheint wohl der meinung zu sein, dass dein glück gänzlich von ihm abhängt und wenn er schlechte laune hat, du es auch haben musst.. wenn du da aber hart gegen steuerst und er merkt, dass du auch ohne ihn spaß hast und evtl. sogar noch mehr, dann wird er vielleicht lernen, dass er mit seiner bockigkeit sich ins eigene knie schiesst.

    Zitat

    Aber wie soll ich meinem Freund plausibel machen, warum ich mich von ihm trennen will? Immerhin bemängele ich damit seinen Charakter und seine Erziehung

    Entweder sagst du ihm die Wahrheit, nämlich dass er sich verhält wie ein verwöhntes Söhnchen und nicht wie ein Mann. Dann kannst du ihm noch (wie hier) ein paar Beispielpunkte aufzählen. Das wird ihm natürlich nicht gefallen, aber so hätte er die Möglichkeit, sich zu ändern und es in späteren Beziehungen besser zu machen.


    Oder du gehst den einfachen Weg und sagst das Übliche: Es liegt nicht an dir, sondern an mir, ich habe mich weiterentwickelt, brauche Freiraum, will Single sein etc.


    Ich würde mich von ihm trennen, solche Männer ändern sich meist nicht.

    Sein verwöhntes Leben färbt natürlich auf jeden anderen Gegenstand ab. Auch auf Dich. Er betrachtet Dich (erziehungsbedingt) wie seine PC-Spiele. Wie einen Gegenstand den man jederzeit auswechseln kann. Einmal gezockt und weg in die Ecke damit - Nächstes Spiel. Wenns nicht gefällt, ab in den Mülleimer damit. Von dieser Art junger Erwachsener gibt es Millionen. Da bist du nicht der einzige Leidtragende.

    Die eine Sache ist, dass du offensichtlich andere Erwartungen an einen Mann hast als er selbst (du willst den gedankenlesenden Gentleman). Insofern wirst du mit deinem Exemplar wahrscheinlich nicht froh werden. Die andere Sache ist, dass du dich da auch selber reinrückst. Niemand sagt, dass du kochen/aufräumen musst, und schon gar nicht, dass du für beide kochen/aufräumen musst. Und du solltest es ihm auch nicht anschaffen. Einfach für dich tun und für ihn nicht. Sein Teller kann bis morgen da stehen, deiner auch.

    Wirklich kindisches oder unreifes Verhalten kann aus der Beschreibung des Freundes aber nicht wirklich heraus lesen. Die beiden passen einfach nicht zusammen, und das kann in jeder Altersklasse passieren. Die Te möcht einen Old School Gentleman Typen haben, was der Freund einfach nicht ist.

    Naja, also dieses dauerhafte Beleidigt-Sein finde ich persönlich schon kindisch.


    Der Rest ist in der Tat mehr so wie du sagst, agent00 – sie möchte einen Gentleman, ihr Freund ist keiner.


    Wobei ich fast nicht so weit gehen würde, dass, was sie mcöhte Gentleman zu nennen.


    Mehr aufmerksames Verhalten und unter die Arme greifen bei Alltäglichem vllt.