Komisches Verständnis von Freundschaft?

    Ich versuche es kurz zu machen und euch nicht lange zu zu texten, weil ich das Gefühl habe, im Moment sowieso jedem nur zur Last zu fallen. Denn ich lebe derzeit in Trennung und habe eigentlich niemanden, der mir beisteht. Ich war 15 Jahre in der Beziehung und bis letztes Jahr sehr glücklich. Wir haben geheiratet, ein Haus gebaut, es letztes Jahr endlich bezogen und nun sitze ich alleine da. Er hat sich binnen weniger Monate sehr verändert und ist fremdgegangen oder umgekehrt - was Ursache und Wirkung betrifft, tappe ich noch im Dunkeln, da er dazu beharrlich schweigt. Es ist jedenfalls aus bzw. ich habe keine Hoffnung mehr. Er will es noch nicht so recht akzeptieren, wir tun uns beide schwer, da uns doch viel verbindet, aber ich denke, wir haben keine Zukunft. Trotzdem haben wir uns nicht Knall auf Fall getrennt, weil es auch rein wirtschaftlich nicht so leicht ist. Er ist zwischendurch mal ausgezogen, zu einem Freund, kam dann wieder zurück, womit ich aber auch nicht klar kam, weil er trank und aggressiv wurde. Ihr seht, es ist problematisch und ich will wirklich niemandem zur Last fallen, aber dass ich so ganz alleine dastehe, macht mir schon zu schaffen.


    Gute Freundinnen (dachte ich) habe ich eigentlich zwei. Eine ist gerade noch einmal Mutter geworden und hat andere Sorgen. Das verstehe ich. Ich freue mich auch über ihr Glück und wenn ich sie besuche, dann nehme ich mich schon zurück und wälze nicht stundenlang meine Probleme mit ihr, sondern interessiere mich durchaus für ihren Nachwuchs.


    Die andere Freundin ist aber bereits in Rente, hat eigentlich viel Zeit und dennoch... ich weiß auch nicht... dennoch hat sie irgendwie keine Zeit für mich. Als sie vor einigen Jahren an Krebs erkrankte, habe ich sie natürlich regelmäßig besucht. Ich war eigentlich immer "da", in Form von SMS-Nachrichten, telefonisch erreichbar usw. usf. Also wenn es ihr schlecht ging und sie jemanden zum Reden brauchte, war ich da. Ihre Erkrankung ist inzwischen durchgestanden, sie hat einen lieben Ehemann seit 30 Jahren, erfolgreiche Kinder und süße Enkel. Es geht ihr gut, was ich von Herzen gönne. Und so lange es mir (uns) auch gut ging, passten wir gut dazu, habe ich den Eindruck. Aber jetzt...


    Lange Rede, kurzer Sinn, mir geht es eigentlich um eine ganz konkrete Situation gestern. Denn ich fragte am Wochenende, ob sie zu sprechen sei (davor hatten wir vor 14 Tagen miteinander telefoniert und ansonsten nur mal eine Nachricht alle 1-2 Tage geschickt), weil gestern unser Hochzeitstag war und ich mir Sorgen machte, wie mein (Noch)-Mann wohl damit umgeht (es war der 1. Hochzeitstag seit der Trennung und er ist dem Alkohol seit ein paar Monaten wie gesagt leider sehr zugeneigt und hat dann schon mal Aussetzer). Sie antwortete am Sonntag nach gut 24 Stunden also, dass sie Zuhause sei, aber gerade Besuch habe. Auf die Frage, ob ich sie am Folgetag evtl. mal anrufen könnte, antwortete sie: "Ich melde mich". Der gestrige Tag verging (und natürlich kreuzte mein Mann an meinem Arbeitsplatz auf und machte eine Szene und klingelte abends dann nochmal Sturm)... gegen 21 Uhr klingelte dann plötzlich mein Handy und sie war dran. Sie fragte, wie der Tag war und ich schilderte kurz den Vorfall an meinem Arbeitsplatz, zum Rest kam ich gar nicht. Sie meinte zwischendrin plötzlich nämlich: "Hach ja, wirklich schwierig, deine Situation. Halte mich auf jeden Fall auf dem Laufenden! - Ich würde dann jetzt gerne wieder zu M. (ihrem Mann) gehen, wir essen gerade noch". Das Telefonat dauerte ganze 6 Minuten.


    Ich fühlte mich abgewürgt und irgendwie... weiß auch nicht... allein gelassen?


    Erwarte ich zuviel? Sie hat es sicher gut gemeint, indem sie mich überhaupt angerufen hat, obwohl es offenbar so gar nicht in ihren privaten Zeitplan passte. Aber trotzdem bin ich irritiert. Die beiden sind wie gesagt Rentner und haben den lieben langen Tag Zeit füreinander. Ich habe zum ersten Mal im Rahmen unserer langjährigen Verbindung um einen Anruf gebeten, weil es mir wirklich nicht gut ging. Und sie nimmt sich 6 Minuten, nur um mir dann zu sagen, dass sie wieder zu ihrem Mann gehen möchte, weil sie eigentlich gerade miteinander zu Abend essen :-/


    Würdet ihr an meiner Stelle thematisieren, dass mich das irritiert und verletzt hat oder einfach abhaken?


    Irgendwie hatte ich ein anderes Verständnis von Freundschaft...

  • 7 Antworten

    Ich schreibe dir jetzt eine vollkommen spontane Antwort aus den Bauch heraus.


    Ich würde mich mit dieser Sache nicht mehr bei ihr melden. Ich würde ihr das übel nehmen.


    Wenn ihr etwas an dir liegt, wird sie irgendwann vielleicht nachfragen, dann kannst du ihr das ja sagen.


    Ansonsten...


    Vielleicht hast du ja noch anderen Bekannte, die in schweren Zeiten gute Zuhörer und Ratgeber sein könnten?

    wenn mir etwas auf der Seele brennt und ich mit einer Freundin reden möchte, frage ich nicht per SMS an, sondern greife zum Telefon. Anders herum: Wenn mir eine Freundin schreibt, ob ich am WE Zeit für ein Telefonat habe, würde ich es nicht in die Kiste "Notfall / Kriese" packen, denn dann würden sie vermutlich direkt anrufen.


    Ist es bei euch üblich, sich für Telefonate schriftlich zu verabreden?


    Andererseits: Paar-Freundschaften sind immer sehr schwierig, aufrecht zu erhalten, wenn sich ein Paar trennt...das ist zumindest meine Erfahrung.

    Da wäre ich enttäuscht ehrlich gesagt. Würde es wie bellagia halten. Abwarten und schauen, wann sie sich mal meldet und dann würde ich ihr meine Enttäuschung mitteilen.


    Aber ein Forum kann oft auch ein guter Ort sein, um seinem Stress Luft zu machen @:)

    Ich würde mich der Einschätzung von die DieKruemi anschließen, dass es sehr oft Probleme gibt, wenn eine Paarfreundschaft durch eine Trennung "gestört" wird.


    Viele wissen dann, dass so eine Phase anders als bei einem spontanen Streit nicht so schnell vergeht, und das Ganze dann weiter mit ins eigene Leben ragt.


    Zudem befürchten gemeinsame Freunde oft, mit Aussagen, die sie gemacht haben dem anderen getrennten Partner/Freund in diesem Fall Deinem Mann in den Rücken zu fallen, wenn sie einseitig Partei ergreifen.


    Es wird dann häufig vermieden in etwas "rein gezogen" zu werden. Ich wäre an Stelle der Freundin vermutlich mehr geneigt zwischen euch zu vermitteln, euch an einen Tisch zu holen und nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Aber diese Möglichkeit gibt es nicht immer, weil es voraussetzt, dass beide Parteien für so ein Vermittlungsversuch zugänglich sind.


    Auf keinen Fall hätte ich Dich innerhalb von 6 min ab gewimmelt, da hätte schon meine eigene Hütte brennen müssen, oder sonst ein großer Notfall bestehen müssen. Man sollte ein empathisches Gefühl dafür entwickeln, wann ein Freund/in wirklich in der Bredouille sitzt und nicht ein noch aus weiß.


    Mir ist es verständlich, wenn Du Dich gerade sehr allein gelassen fühst, an einem Punkt an dem Du selbst Hilfe und Rat brauchst wie Du die neue Situation bewältigen kannst. Ich hätte es verstanden, wenn es dort gerade eine große Familienfeier oder ein Jubiläum gegeben hätte auf Seiten der Freundin. Aber ein stinknormales Abendessen hätte in der Situation vertagt werden können. Da bricht die Welt nicht zusammen, wenn man sein Essen später einnimmt.


    Ich denke vorwürflich vorgehen, im Sinne von ich war doch auch für Dich da als .....ist hier fehl am Platz.


    Deine Freundin weiß um Deine Situation und hat die Möglichkeit sich jeder Zeit wieder an Dich zu wenden, mit Dir ein reales Treffen auszumachen, was ich in jedem Fall vorziehen würde in so einer konfliktbeladenen Situation.


    Kommt sie nicht von allein auf Dich zurück wüsste ich vermutlich sehr genau an welcher Stelle der Prioritäten ich in ihrem Leben stehe und würde daraus meine Konsequenzen ziehen. Wer mir in der Not nicht zur Seite stehen kann, weil er Konflikte oder Entscheidungen meiden möchte, ist für mich dann nicht mehr relavant für die Zeiten, die sicher auch wieder besser werden für Dich. Nur eben gerade jetzt nicht in diesem Moment.


    Vielleicht findest Du hier im Forum gute Ansprechpartner, die nicht emotional involviert sind und dadurch eine bessere Außensicht auf Dein/euer Problem haben. Lass Dich nicht entmutigen und suche Dir Möglichkeiten Deinem Herzen Luft zu machen, dass ist wichtig und kann Dir neue Blickwinkel aufzeigen. Alles Gute dafür und viel Kraft mit den Problemen umgehen zu lernen, wie sie gerade sind. :)z :)*

    Es gibt Menschen, die sind wunderbare Freunde, solange alles gut läuft und auch ein paar kleine Krisen steht man gemeinsam durch. Aber bei richtigen Problemen merkt man dann auf einmal: Damit bin ich dort nicht gut aufgehoben. Vielleicht berührt sie das Problem selber zu sehr, vielleicht fühlt sie sich damit überfordert. Wer weiß. Man kann das abhaken und sie als Freundin für gute Zeiten, als Freizeitpartner behalten, oder man kann das als groben Vertrauensbruch ansehen. Es ist dann Deine Entscheidung, ob Du so einen Menschen, der bei Problemen nicht da ist, weiterhin als Freundin haben möchtest oder sie lieber "aussortierst".


    Ich habe einen sehr guten langjährigen Freund, mit dem ich aber über solche Probleme auch nicht unbedingt reden würde. Dagegen habe ich das schon geschafft, wirklich tiefgreifende Gespräche über Krisen zu führen mit Personen, die ich quasi gerade erst kennen gelernt habe. Die Chemie hat in dem Moment super gepasst, das Problem auf der Gegenseite war ein ähnliches...

    Danke für eure lieben Antworten @:)


    Ich hatte ehrlich gesagt ziemliche Angst, hier als Jammerlappen rüberzukommen, denn ich bin ja nun nicht die erste, die eine Trennung durchmacht. Für mich ist es aber tatsächlich die erste meines Lebens, denn mein Mann war mein erster Partner und ich habe leider absolut keine Erfahrung im "sich trennen", so blöd es klingt. Meine Freundin genau so wenig, deshalb verstehe ich auch, dass sie mir eigentlich keinen Rat geben kann, aber ich dachte halt, wenigstens irgendwie "da sein".


    Dass wir uns zum Telefonieren "verabreden" müssen, hat mit ihr zu tun. Das kannte ich so ehrlich gesagt auch nicht, aber ihr ist es schon immer lieber, wenn man nicht einfach anruft, sondern es vorher ankündigt/abspricht. Deshalb würde ich mich wohl auch nie trauen, sie einfach mal abends anzurufen, wenn gerade etwas vorgefallen ist oder ich einfach mal jemanden zum Reden brauche. Wenn ich bei einem "verabredeten" Telefonat an so einem Tag schon nach 6 Minuten abgekanzelt werde, dann will ich mir gar nicht vorstellen, wie sie reagiert hätte, wenn ich unvorbereitet angerufen hätte. Vielleicht habe ich da aber auch einen Denkfehler und sie hätte dadurch meine "Not" besser verstanden.


    Wir sind/waren übrigens nicht als Paar befreundet. Also unsere Männer kennen sich zwar, man war mal zum Geburtstag zu viert anwesend, aber die eigentliche Freundschaft besteht zwischen ihr und mir. Ich kenne sie sogar länger als meinen Mann, deshalb habe ich sie auch zu meinen engsten Bezugspersonen/Vertrauen gezählt.


    Na ja, mal sehen. Es tut einfach weh, wenn sie mir von ihrem schönen Urlaub mit ihrem Mann vorschwärmt oder wohin sie eine Radtour machen bei dem schönen Wetter etc. pp. und ich dann das Gefühl habe, diese heile Welt eigentlich nur zu stören mit meinem Problem. Dabei neide ich ihr ihr Glück ehrlich nicht und es muss nicht alles nur um mich gehen jetzt. Aber ich habe nicht das Gefühl, einfach mal bei ihr aufschlagen zu können an einem schlechten Tag. Das ist mir gestern so richtig bewusst geworden.

    Vielleicht kann sie einfach nicht damit umgehen und weicht aus, weil sie nicht weiß, was sie sagen soll? Ich würde ihr das schon sagen, vielleicht weniger auf den Inhalt eingehen, aber darauf, dass du dir bei einem verabredeten Telefonat schon komisch vorkommst, wenn sie gleichzeitig isst. Warum sie beispielsweise nicht gesagt hat: Du, wir essen jetzt doch gerade, lass uns unser Gespräch eine halbe Stunde verschieben.