Ich glaub nicht, dass man jetzt so einfach ein Frauenbild aus einer anderen Kultur auf den Partner eines homosexuellen Mannes übertragen kann. Schließlich ist der TE keine Frau, sondern ein Mann.


    Aber ich finde es auch sehr bedenklich, dass du, Theniyn, nicht merkst, wie dich dein Freund nach seinen Vorstellungen formen will. Und das ist nicht kein Problem, bloß weil du Einiges zufällig gerade sowieso nicht tust oder dir Einzelnes davon nicht so wichtig ist.


    Jemanden so formen zu wollen wie dein Freund das bei dir versucht ist eine ausgesprochen negative Eigenschaft. Jemand der dich formen will, respektiert dich nicht als Individuum, so wie du nun mal bist. Ich finde es absolut beklemmend, was du über deinen Freund schreibst. Mit so jemandem hätte ich keine entspannte Minute. Ich bin ein sehr individualistischer und freiheitsliebender Mensch, der sich von Fremden (und Freunden schon erst recht - mit solchen Menschen befreunde ich mich gar nicht erst) nichts vorschreiben lässt. Und du? Ich hab gerade das Gefühl, dass du dich schon mitten in einer Gehirnwäsche befindest. Das ist schlimmer als "rosarote Brille".

    Zitat

    Schließlich ist der TE keine Frau, sondern ein Mann.

    Guter Punkt. Wird der Freund zu dieser Beziehung stehen, auch öffentlich als Paar auftreten, wenn man schon Ohrringe und V-Ausschnitt nur ungern sieht, weil wohl "zu schwul" und schwul = Sünde?

    Zitat

    Ich glaub nicht, dass man jetzt so einfach ein Frauenbild aus einer anderen Kultur auf den Partner eines homosexuellen Mannes übertragen kann. Schließlich ist der TE keine Frau, sondern ein Mann.

    Im Koran gilt die Homosexualität auch nicht als Norm. Sie wird teilweise aber geduldet und kann hier in Deutschland gelebt werden.


    Die Ansprüche an die Frau kann man übertragen auf die Ansprüche an den Lebenspartner.


    Das erklärt eben auch, dass es um mehr geht als einfache Eifersucht.


    Der kurze Rock (oder der tiefe Ausschnitt des T-Shirts) - in diesem Fall eine kurze Hose - steht für unsittliches Verhalten.


    Wir haben inzwischen einen beträchtlichen Anteil Muslime hier in Deutschland.


    Man kann mit einem Lebenspartner, der eine kurze Hose trägt, nicht in die Öffentlichkeit gehen ohne die Ehre zu verlieren. Eine westliche Einstellung zu diesen Dingen ist nicht sehr verbreitet.

    Danke für eure Beiträge. Zugegeben überfordern mich sowohl die derzeitige Situation als auch eure Einschätzung im Moment ziemlich. Ich werde mir darüber nochmal ausgiebig Gedanken machen und entsprechend reflektieren und in mich rein horchen. Ich weiß im Moment gar nicht, was ich dazu sagen soll.


    Ich bin verliebt und ich finde es spannend mich mit meinem Freund und dessen Innenleben auseinander zu setzen. Wie eine Gehirnwäsche fühlt sich das nicht an. Aber ich denke darüber nach, ob das vllt. zutreffend sein könnte. Ich dachte mein Verständnis sei normal wenn man verliebt ist. ":/


    Ich kann ja jetzt sowieso erstmal nichts anderes tun als auf eine Entscheidung oder irgendwas zu warten, das von ihm kommt. Ich weiß nicht, wie viel Initiative jetzt angebracht ist.

    Zitat

    Da ich nun einmal primär involviert bin, habe ich natürlich auch permanent all seine guten und liebevollen Seiten vor Augen, was meine Wahrnehmung auch erheblich beeinflusst. Ich kann das was ich empfinde jetzt nicht plötzlich abtun als rosarota Brille.

    Deine Gefühle sind nicht die rosarote Brille, sondern die Weigerung zu sehen, dass er nicht zu dir passt.


    Es ist schön, dass du SEINE guten und positiven Seiten vor Augen hast, aber ich befürchte dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruht.


    Was mag er überhaupt an dir?


    Was er nicht mag:


    1. Dein sexuelles Vorleben


    2. Dein Styling


    3. Was du isst und trinkst


    4. Die Menschen, mit denen du dich umgibst


    5. Deine Arbeit


    6. Deine Freizeitaktivitäten (Tanzen, Feiern gehen)


    Er will so extrem viele Dinge an dir ändern und dass du dich ihm anpasst - wieviel bleibt noch von dir übrig?


    Willst du nicht auch einen Partner, der dich so liebt wie du bist? Und nicht so, wie er dich erst zurechtbiegen muss?

    Ich möchte nicht leugnen, dass da was Wahres dran ist und dass das, was ich schreibe sicherlich auch so wirkt.


    Sofern ich mich falsch ausgedrückt habe, möchte ich da aber noch was korrigieren:


    1. Das ist ja klar. Deswegen der Faden. Und das ist auch der Konflikt.


    2. Mein Styling mag er. Zumindest sagt er das. Er hat ein Problem damit, dass er annimmt, andere Männer könnten dieses Styling ebenfalls attraktiv finden bzw. er glaubt ich mache andere Männer damit auf mich aufmerksam und signalisiere dass ich angeflirtet werden möchte und an Intimitäten interessiert bin. Mein Freund ist nicht übermäßig selbstbewusst, weil er aufgrund seines Backgrounds auch schon hinreichend Körbe einstecken musste. Er sagt dass er als möglicher Partner von einem Großteil der deutschen Männer ausgesiebt wird durch seine kulturelle Herkunft. Das ist sicherlich wahr, in meinem Bekanntenkreis wird nicht anders darüber gesprochen, deswegen kommuniziere ich das Thema ja hier. Zu meinen Freunden brauche ich damit gar nicht kommen. :-( Die haben wahrscheinlich alle irgendeine Cousine vom Schwager einer Bekannten, der/die/das schlechte Erfahrungen mit dem Islam gemacht hat. %-|


    3. Er mag, was ich esse und trinke. Ich habe die beiden Beispiele nur gebracht um seine Vorstellungen darzustellen. Auf meinem Speiseplan stehen Schweinefleisch und Alkohol aber sowieso nicht. Würde er verlangen, dass ich aufhöre Schokolade zu essen, wäre das völlig indiskutabel.


    4. Ja... das ist in der Tat ein Konflikt.


    5. Ich kellnere vorübergehend. Spaß und Erfüllung finde ich dabei sicherlich nicht. Ich sehe mich auch ohne sein Zutun nach einer anderen Arbeit um. Und wenn ich was gefunden habe, das mir Spaß macht, ist für mich unerheblich ob ihm das gefällt oder nicht.


    6. Ja. Aufgrund von 1 und 4. Ich gehe aber auch davon aus, das liegt einfach an der Entfernung. Würden wir zusammen leben, würden wir unsere Freizeit anders gestalten. Denn mal ehrlich - wenn ein Partner alleine losgeht zum Feiern ist das für den anderen doch nie schön. Durch seinen Background wird die Problematik noch verstärkt. Aufgrund seines eifersüchtigen Naturells finde ich es durchaus verständlich, dass er sich nicht vorstellen möchte, wie ich mit anderen Männern tanze und dabei Körperkontakt mit ihnen habe incl. Option auf Sex. Feiern gehen verbindet er zwangsläufig mit Sex, also finde ich das Problem, das er darin sieht einleuchtend und nicht grad irrational.


    Er mag viel an mir und sagt mir das auch täglich.


    Das ist ja auch einer der Hauptgründe, warum ich mich in ihn verliebt habe. Er ist zwar natürlich auch als erstes durch meine Profilbilder auf mich aufmerksam geworden, weil er mich attraktiv fand, aber ich habe bei ihm das Gefühl, einen Menschen gefunden zu haben, der viel tiefer schauen kann und wirklich mich sieht. Er ist tiefgründig und sehr einfühlsam. Er hat noch nie ignoriert, wenn es mir mal schlecht geht, sowas bemerkt er und ist dann für mich da, er baut mich auf, wenn ich an mir zweifle. Es ist nie ein Tag vergangen, an dem er mir nicht irgendwas liebes gesagt hat, das er an mir schätzt, wofür er mich bewundert etc.


    Ich behalte eure Bedenken im Hinterkopf und werde mich die nächsten Tage damit beschäftigen.


    Ich habe auch den ganzen Abend schon über das Thema emotionale Abhängigkeit nachgedacht. So schätze ich mich nicht ein. Ich fühle mich zumindest nicht so, als wäre ich emotional derart verwahrlost, dass ich Aufmerksamkeit nötig hätte. Den schmalen Grat sehe ich aber. Ich merke ja bereits jetzt, wie sehr ich vermisse, was er mir die letzten Wochen gegeben hat. Diese Wärme fehlt mir - aber ich weiß nicht, ob ich bereit bin, etwas dafür zu tun, das für mich nicht stimmt. Die Gefahr habe ich bisher nicht gesehen, weil gerade das gegenseitig manipulieren ein Punkt in Beziehungen ist, bei dem ich bisher immer weg gelaufen bin, weil jeder das irgendwie ständig versucht im zwischenmenschlichen Bereich. Selbst freundschaftlich und kollegial. Ich bin allgemein zwischenmenschlich ein bisschen verkrüppelt, weil mich Erwartungen überfordern und ich überall welche sehe. Da bin ich paranoid. Umso mehr wundert mich, dass ich bei meinem Freund nie das Gefühl hatte, weil ich bei ihm immer den Wunsch habe, ihm etwas zu geben.

    Zitat

    Denn mal ehrlich - wenn ein Partner alleine losgeht zum Feiern ist das für den anderen doch nie schön.

    Mal ehrlich ist das eben doch nicht so. Und selbst unter den Paren, die das nicht explizit schön finden, ist es nicht auch gleich was Schlimmes.

    Zitat

    Feiern gehen verbindet er zwangsläufig mit Sex, also finde ich das Problem, das er darin sieht einleuchtend und nicht grad irrational.

    Sorry, aber doch, das ist extrem irrational, nämlich an der Wurzel, Feiern mit Sex zu assoziieren. Das ist nicht mehr ein bisschen Eifersucht, das ist nicht nur "Mhh naja ich seh eh nicht so gerne wenn man Partner mit anderen schäkert". Das ist rasende Eifersucht, Feiern automatisch mit Sex zu verbinden. Null Vertrauen und absolut realitätsfremd.



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    Ich habe auch den ganzen Abend schon über das Thema emotionale Abhängigkeit nachgedacht. So schätze ich mich nicht ein. Ich fühle mich zumindest nicht so, als wäre ich emotional derart verwahrlost, dass ich Aufmerksamkeit nötig hätte.

    Dafür muss man auch nicht emotional verwahrlost sein und wohl kaum einer, der davon betroffen ist, sieht das selbst sofort. Ob du emotional bereits abhängig bist, kann ich nicht beurteilen, vom Gefühl her würde ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon ausgehen. Aber auf jeden Fall redest du dir einiges schön.

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    Sorry, aber doch, das ist extrem irrational, nämlich an der Wurzel, Feiern mit Sex zu assoziieren. Das ist nicht mehr ein bisschen Eifersucht, das ist nicht nur "Mhh naja ich seh eh nicht so gerne wenn man Partner mit anderen schäkert". Das ist rasende Eifersucht, Feiern automatisch mit Sex zu verbinden. Null Vertrauen und absolut realitätsfremd.

    Feiern hat für mich bisher in der Tat immer auch Sex bedeutet. ;-D X- Zumindest in den allermeisten Fällen. Ich bin eigentlich hauptsächlich feiern gegangen, um jemanden für Sex zu finden.


    Deswegen habe ich mir die Jacke auch angezogen. Er konnte das zwar nicht wissen, ich hab mich trotzdem angesprochen gefühlt und seine Bedenken verstanden.


    Kann sein, dass ich ihm auch deswegen in solchen Dingen so bereitwillig zustimme. Vieles, das für "normale" Menschen nicht mit Sex in Verbindung steht, tut das für mich. Deswegen wundere ich mich vielleicht auch nicht großartig über seine Eifersucht, weil ich eben in der Vergangenheit schon Gelegenheiten für Sex gefunden hab, wo andere Menschen nicht danach suchen. Mein Privatleben hat sich zu großen Teilen um Sex gedreht und sämtliche Situationen, wo er angepisst/misstrauisch ist, sind auch Situationen, wo ich bis vor ein paar Monaten mit jemandem im Bett gelandet wäre oder zumindest eine Telefonnummer bekommen hätte. Ich schätze ich bin da nicht "unschuldig" genug, um mich von seinen Bedenken angegriffen zu fühlen.

    Zitat

    Warum trinkst du eigentlich keinen Alkohol und isst kein Schweinefleisch?

    Ich ernähre mich überwiegend vegetarisch. Ich esse überhaupt kein Fleisch. Seit vielen Jahren schon nicht. Manchmal esse ich Fisch. Kann man aber auf ein Jahr betrachtet an einer Hand abzählen. Außer bei Heißhunger mag ich nichts, das vorher mal gelebt hat.


    Ich habe früher viel Alkohol getrunken und sagen wir mal, ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Egal ob unerwünschte Exzesse beim Feiern oder Führerscheinverlust. Mir ist heute das Gefühl, Alkohol im Blut zu haben, extrem unangenehm.

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    Feiern hat für mich bisher in der Tat immer auch Sex bedeutet. ;-D X- Zumindest in den allermeisten Fällen. Ich bin eigentlich hauptsächlich feiern gegangen, um jemanden für Sex zu finden.

    Eben, das wusste er nicht. Trotzdem ist er erstmal vom unwahrscheinlichsten Fall ausgegangen, unterstellt dir (und allen anderen Sündern!?) dass du trotz Beziehung nur zum Ficken Feiern gehen würdest. Wie bei den anderen Punkten: Nur weil du das zufällig akzeptierst, ist sein subtiles Verboten nicht weniger bevormundend und umerziehend. Ansonsten kannst du ja mal probeweise deinen tiefsten V-Ausschnitt tragen und dann eine Verabredung mit deinen Freunden arrangieren, zum Schweinefleischessen und Cocktail schlürfen ;-)

    @ mnef

    Zitat

    Eben, das wusste er nicht. Trotzdem ist er erstmal vom unwahrscheinlichsten Fall ausgegangen, unterstellt dir (und allen anderen Sündern!?) dass du trotz Beziehung nur zum Ficken Feiern gehen würdest. Wie bei den anderen Punkten: Nur weil du das zufällig akzeptierst, ist sein subtiles Verboten nicht weniger bevormundend und umerziehend. Ansonsten kannst du ja mal probeweise deinen tiefsten V-Ausschnitt tragen und dann eine Verabredung mit deinen Freunden arrangieren, zum Schweinefleischessen und Cocktail schlürfen ;-)

    :)z :)^ schon wieder spare ich mir das Tippen meiner Gedanken ;-)


    Es ist doch egal ob das was er von dir quasi verlangt nun auch in deinem Sinne ist. Der Punkt ist, dass er es verlangt.


    Ich möchte noch etwas zum Thema "Islam" hinzufügen. Überwiegend @Hanca:


    Islam hin oder her - es gibt tausende anderer Menschen die genauso oder ähnlich ticken wie der Freund des Fadenerstellers. Ohne religösen oder anders kulturellen Hintergrund als "du und ich".


    Ich halte es immer für gefährlich wenn man sich eine Begründung sucht warum ein Mensch ist wie er ist und sein Verhalten damit in gewisser Weise auch relativiert. "Er kann nichts dafür, er ist so aufgewachsen".


    Ähnlich wie der Spruch "Ich bin nun mal ein Mann und bei Männern ist das so". Oder "Er ist krank, da muß man ihm das nachsehen".


    Es gibt nun mal für sich selber Grenzen. Und wenn man so vorgeht, dass man sich mit einer Begründung zufrieden gibt und dafür alles hinnimmt, dann verschwimmen diese Grenzen bis sie sich irgendwann völlig auflösen.


    Begegnet mir ein Mann wie hier beschrieben wäre es mir völlig wumpe woher er diese Charaktereigenschaften hat: Der dürfte ganz schnell durch das Loch des Zimmermanns. Gerne würde ich das auch nett und freundlich, mit Respekt auf seine Gründe tun - aber er müßte gehen.

    Mitunter beschleicht mich das Gefühl, der TE sucht unterbewusst nach jemanden, der ihn zurück "auf den rechten Pfad" führt. Das ist per se nicht schlecht, man sollte sich nur immer so bewusst wie möglich darüber sein, was man warum tut und warum einen womöglich die Gefühle da und nicht dort hin tragen.


    Vielleicht ist es ja einen Versuch wert, Gefühle sind ja auf beiden Seiten vorhanden. Das Beste für beide daraus zu machen, wird wohl für beide ein gutes Stück Arbeit. Momentan passt da noch nicht gleich alles zusammen, aber wer weiß, vielleicht raufen sich die beiden ja zusammen, eine win-win Situation sehe ich nicht als unmöglich. Man kann es als Herausforderung betrachten. Den Traumpartner, bei dem von Anfang an alles passt, gibt es eh nur in der Phantasie.


    Die hier geäußerten Bedenken teile ich trotzdem weiterhin. Mein Tip: Nichts überstürzen, schauen wie es sich entwickelt, versuchen möglichst kühlen Kopf zu bewahren. ;-)