Ach hör doch auf , der Mann ist genervt vom Besuch der Mutter (mag sie vielleicht nicht) und lässt sich gehen (der Anlass tragen des Babys oder Besuch am letzten Abend im Kinderzimmer ist doch eher nichtig), er schreit sie an .... das gehört sich nicht . Punkt!

    Der Mann fühlt sich offensichtlich nicht wohl, wenn andere Menschen in seinem Haus sind, weil seine Persönlichkeitsstruktur wohl eher introvertiert veranlagt ist. Vielleicht ist er in einem Beruf mit vielen Menschen unterwegs (als Lehrer), aber das heißt nicht, dass er andere Menschen gerne in seine Komfortzone lässt, die in seinem Kopf für Frau und Kinder reserviert sind. Dann kommt die Mutter seiner Frau, die ihn vielleicht gleich umarmt und ihm einen Knutscher auf die Backe drückt, ist ihm sehr unangenehm. Vielleicht fasst sie ihn oft an. Ist ihm unangenehm. Von seiner Frau hört er, er soll gefälligst Rücksicht auf die kulturellen Unterschiede nehmen. Dazu gehört "Respekt vor den Älteren", sprich: Widersprich nicht. Wenn diese Frau aber etwas tut, was ihm nicht gefällt, sei es im Verhalten auf ihn bezogen oder auf sein Kind bezogen, für das er vielleicht so etwas seltsames wie Schutzgefühle, Mitgefühl und Liebe aufbringt, kann er aufgrund dieser "Widersprich nicht"-Regel aber nichts sagen. Also teilt er seine Unzufriedenheit seiner Frau mit, die ihm dann nur mitteilt, dass er sich nicht so anstellen soll, sie respektvoll behandeln soll und sich ihr grundsätzlich anpassen soll, weil sie ja die Ältere ist. Dass er selbst aus einem anderen kulturellen Hintergrund kommt, in dem man eben nicht alles schluckt, was Ältere einem sagen und in dem die Großelterngeneration tendentiell wenigstens die Erziehungshoheit der Eltern respektieren, interessiert hier natürlich nicht.


    Er hat also für keine Möglichkeit, seinen Umutz kundzutun, die Frau interessiert es nicht, der Großmutter "darf" er es nicht sagen, also frisst er seinen Unmut in sich hinein. Er freut sich auf den Abend, wenn er endlich "Feierabend" von dem Stress hat. Heute bringt er vielleicht die/der Kleine ins Bett, steht da in Boxershorts, singt von mir aus sein Gute-Nacht-Lied , die Augen werden schwer, die Kleine pennt gleich, sanft legt er sie ins Bett ... plötzlich geht die Tür auf, Omi schreitet selbstsicher rein, "Oh, ist die Kleine noch wach! Oh, gib der Omi noch ein Gute-Nacht-Busserl!", und knutsch die Kleine ab, diese wacht darauf hin auf und fängt an zu schreien. Abgesehen davon, dass der Kerl gerade mega angepisst ist, weil zwanzig Minuten Arbeit hinüber sind, steht eine ihm unsympathische und gefühlt fremde Frau gegenüber, während er da in Boxershorts dasteht. Ich hätte sie in dem Moment wohl auch angeschrien.


    Lief es so ab? Wahrscheinlich nicht! Wir wissen es nicht und sollten uns deshalb nicht anmaßen, aufgrund unseres eigenen Kopfkinos über Menschen zu urteilen, von denen wir nur einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Leben kennen und dann auch noch von einer voreingenommenen Perspektive. Dann mit platten "Weisheiten" aufzutrumpfen, ohne die Lage vor Ort näher zu kennen bzw. nicht einmal die Beiträge der TE gelesen zu haben - hättest du es, wüsstest du, dass der Mann ihre Mutter nicht leiden kann, weil sie es ausdrücklich geschrieben hat - ist schon ziemlich selbstgerecht. Aber bitte. Tu dir keinen Zwang an.


    Noch einmal zum Thema: Die beiden, also Mann und Schwiegermutter, brauchen einfach klare Verhaltensregeln, die aber auf gegenseitigem Verständnis beruhen. Dazu braucht es in diesem Fall die TE selbst. Wenn diese Regeln aber einmal klar sind, muss sie vermutlich nicht immer wieder ad hoc vermitteln und das würde den Stress rausnehmen. Dazu wäre es wichtig zu wissen, was der Mann will und braucht, um den Besuch der Mutter zu "überleben", und was die Priorität der Schwiegermutter während des Besuches ist. Beide müssen kompromissfähig sein, sonst wird das nichts. Wer hier einseitig "die Schuld" sucht, wird eher zur Unzufriedenheit beitragen. Das führt zu nichts.

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    Der Stein des Anstoßes ist, dass er findet, dass sie sich eben zu viel einmischt und 'unsere' Privatsphäre nicht wahrt. Es ist aber nicht 'unsere' Privatsphäre, sondern seine, denn ich habe kein Problem damit, wenn meine (oder seine) Mutter ungefragt ins Kinderzimmer kommt. Und ich finde, auch wenn er sie nicht leiden kann und ihn alles an ihr stört, kann er sich für die 10 Tage, die sie da ist, zusammenreißen.

    Mit der Bemerkung, die ich hervorgehoben habe, beziehst Du eindeutig Position gegen Deinen Mann. Weil es Dich nicht stört, hat es ihn ebenfalls nicht zu stören, damit wird die Zeit des Besuchs der noch nicht so alten Dame eine Belastung für alle Beteiligten. Du stehst zwischen den beiden - aber hast Du eigentlich einmal versucht, unvoreingenommen zu vermitteln? Dass Dein Mann Deine Mutter (wie jeden anderen Gast) nicht anschreien darf, dass Deine Mutter sich bewusst sein muss, dass sie zu Gast ist und sie sich nicht verhalten kann, als wäre sie mit ihrer Tochter und dem Enkelkind alleine?

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    Beim zweiten Mal kam sie hoch, als wir unsere Tochter gerade ins Bett bringen wollten und sie weinte. Meine Mutter will einerseits helfen, und andererseits war es der letzte Abend vor ihrer Abreise, so dass sie möglichst viel Zeit mit der Enkelin verbringen wollte.

    Ich finde diese Szene sehr aufschlußreich. Ihr beide bringt eure Tochter ins Bett, die weint, was ja nicht so ganz selten bei kleinen übermüdeten Kindern ist - und dann erscheint Deine Mutter, und will 'helfen'. Das finde ich in der Tat übergriffig, denn ihre Botschaft ist, dass ihr mit der Situation überfordert seid. Mutter muss helfen, ihr schafft das nicht. Die Reaktion Deines Mannes kann ich durchaus nachvollziehen. Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.


    Und auch, wenn sie mit ihrem Enkelkind noch Zeit verbringen möchte - ihr Einsatz ist zu dem Zeitpunkt beendet. Sie hätte ja vorher anbieten können, das Kind in den Schlaf zu singen oder etwas vorzulesen.


    Vor dem nächsten Besuch würde ich dringend gewisse Regeln absprechen - mit allen Beteiligten.

    Ich glaube ich ticke ähnlich wie dein Mann. Ich kann in meinem Zuhause einfach keine "Eindringlinge" ertragen. Es ist nicht so, dass ich diesbezüglich noch keinen Streit mit meinem Partner hatte, da seine Familie auch komplett anders tickt.


    Dieses Gefühl, dass die eigenen Grenzen überschritten werden, ist ganz furchtbar und man kann diesbezüglich einfach keine Kompromisse eingehen, da es sich dabei um einen ganz prägenden Charakterzug handelt. Es ist ungefähr so als würde man von einer Frohnatur verlangen nur noch ernste Sätze zu sprechen.


    Ich bin gerne unter Menschen, arbeite mit vielen Menschen, aber Zuhause brauche ich meinen Rückzugsort und ich möchte nicht über mehrere Tage ohne Rückzugsmöglichkeit "Fremde" (zu denen in diesem Fall sogar meine eigenen Eltern zählen) um mich herum haben.


    Hast du diese Eigenschaft denn nicht vorher bei deinem Mann bemerkt? Oder dachtest du wirklich du kannst ihn ändern? Ihn unter Druck setzen dass er sich nicht so anstellen soll?


    Ich weiß ja nicht, ich weiß nicht. Ich kann mir nicht vorstellen dass deine "Vermittlungsaktionen" zu irgendwas führen. Du solltest deinen Mann akzeptieren wie er ist. Er hasst es wenn deine Mutter in seiner Privatsphäre rumschwirrt. Da ist es auch vollkommen egal ob dir das nichts ausmacht oder ob da sonst jemand im Forum kein Problem damit hätte. DEIN MANN will es nicht! Das solltest du akzeptieren und deiner Mutter mitteilen. Dein Mann sollte dir näher stehen als deine Mutter!


    Warum willst du auf Biegen und Brechen einen Kontakt zwischen deinem Mann und deiner Mutter erzwingen wo es doch offensichtlich nicht klappt? Was versprichst du dir davon? Dein Mann lässt dir hingegen doch alle Freiheiten deinen Kontakt zu deiner Mutter zu pflegen.


    Ich kann nur von mir sprechen: Wenn mein Mann diesen gravierenden Charakterzug an mir nicht akzeptieren würde und ständig an mir rumnörgeln würde, ich müsse irgendwem mehr Respekt entgegenbringen indem ich meine persönlichen Grenzen überschreiten lassen müsse, würde das mit Sicherheit früher oder später zur Trennung führen. Zum einen, da ich unter solchen Umständen nicht dauerhaft gesund bleiben könnte und zum anderen, da ihm das Wohl anderer Personen offensichtlich wichtiger wäre als das seiner Frau, was in meinem Verständnis der Ehe nicht sein darf.

    Bevor ich auf konkrete Fragen eingehe, fasse ich hier ein bisschen die Themen zusammen, die immer wieder von verschiedenen Leuten angesprochen werden:


    Warum geht meine Mutter nicht auf das Angebot ein, dass mein Mann das Feld räumt? - Ich finde es auch sehr schade und blöd. Vermute, es ist eine Art fehlgeleitete Rücksichtnahme. Sie hätte kein gutes Gefühl, wenn sie wüsste, dass sie jemanden 'aus seinem eigenen Haus wirft', wie sie das nennt. Ich könnte, wie mir hier auch nahegelegt wurde, allenfalls behaupten, er sei dienstlich unterwegs. Dann würde sie wohl kommen.


    Warum ich mich nicht mit anderen Wertvorstellungen beschäftigen möchte? - Doch, grundsätzlich bin ich bereit dazu. Aber wie soll ich es in diesem konkreten Fall verwirklichen? Wenn Respekt für mich etwas Selbstverständliches ist und für meinen Mann nicht? Muss ich jetzt ihm zuliebe mein ganzes Weltbild aufgeben? Das ist in etwa, wenn man von mir verlangte, dass ich mich als überzeugte Atheistin meinem Mann zuliebe taufen lasse und in die Kirche gehe. Wenn ich einen Teil meines Selbst aufgeben soll, über den ich mich ein Stück weit definiere, dann bin ich nicht mehr ich selbst, fürchte ich. Sonst bitte ich um konkrete Rat-/Vorschläge, wie ich mich damit auseinandersetzen soll bzw. wie es dabei zu einem produktiven Ergebnis kommen kann.


    An alle, die meinen Mann in Schutz nehmen, weil er introvertiert ist: Er darf introvertiert sein, muss sich nie viel mit meiner Mutter unterhalten und hat, wie gesagt, genügend Rückzugsräume im Haus. Außerdem kann sich auch die introvertierteste Person selbst mitteilen, anstatt die eigene Ehefrau als Werkzeug zu benutzen, um der Schwiegermutter etwas zu verklickern. Wieso muss ICH es meiner Mutter vermitteln, wenn ihn etwas stört, noch dazu, wenn es für mich kaum nachvollziehbar ist?.. Es gibt respektvolle Formen und einen angemessenen Tonfall, mit denen er ihr selbst hätte erklären können, was ihn stört. Ich habe ihm nie verboten, mit meiner Mutter direkt zu reden. Ich habe nur gesagt, er soll etwas Rücksicht auf sie nehmen.


    Und an alle, die hier schreiben, ich solle meinen Mann über meine Mutter stellen: Diese Sichtweise ist für mich nur schwer nachvollziehbar. Ein Ehemann oder eine Ehefrau kann sein/ihr Gegenüber hintergehen, misshandeln, überraschend verlassen, einen Scheidungskrieg führen, versuchen, dem Anderen das Sorgerecht für die Kinder abzusprechen oder das Besuchsrecht zu verweigern, ... Die Scheidungsrate liegt hierzulande bei 50%! Die allermeisten Mütter - weitaus mehr als 50% - werden hingegen immer zu ihrem Kind stehen, wenn es sie braucht. Ich weiß daher nicht, ob es klug ist, den Mann/die Frau über die Mutter zu stellen. Wer weiß, wie viele Männer/ Frauen man in seinem Leben haben wird? Mutter hat man aber nur eine - für das ganze Leben. Und die Mutter zu behandeln, wie man gerade lustig ist, in dem Wissen, dass sie einen ja sowieso liebt und alles verzeiht, finde ich nicht gerade anständig.


    Ella71

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    Wird da bei Deinem Mann evtl. etwas angetriggert? Hat er (unterschwellig) das Gefühl, Du liebst Deine Mutter mehr als ihn? Könnte es also so eine Art emotionale Eifersucht sein?

    Du gräbst sehr tief, das finde ich toll. Allerdings glaube ich, dass es eher etwas mit unserem Kind zu tun hat als mit mir selbst. Er hat sich mit ihr ja ganz normal vertragen, als es noch nicht auf der Welt war. Das änderte sich schlagartig nach der Geburt unserer Tochter. Ich vermute eher, dass die Eifersucht ihr gilt und nicht mir.


    Ich bin übrigens nicht nur seinetwegen hier hergezogen, sondern auch des Studiums wegen. Und ich nehme es ihm in keiner Weise übel (zumindest nicht bewusst), weil es meine freie Entscheidung war. Ich hatte auch lange Jahre überhaupt kein Problem damit, meine Mutter nur 'gebündelt' zu sehen, weil ich ja wusste, dass ich sie grundsätzlich jederzeit zu uns einladen oder selbst zu ihr fahren kann. Ersteres geht nun kaum mehr, und Letzteres ist mit Kind deutlich schwieriger geworden.

    Zitat

    Und: wäre der 10-14-tägige Gast nicht Deine Mutter, sondern Deine Schwiegermutter - oder noch anders: eine Person, zu der Du ähnlich wenig Draht hast wie Dein Mann zu Deiner Mutter: was dann?

    Meine Schwiegermutter war mehrmals über mehrere Wochen bei uns zu Besuch, als es mir im Wochenbett sehr schlecht ging. Darüber war ich sehr dankbar und froh. Auch wenn ich sie persönlich nicht mögen würde, wüsste ich, dass ich in erster Linie meinen Mann verletze und ihn in eine unangenehme Situation bringe, wenn ich seine Mutter angreife oder anschreie. Ich würde mir so etwas nie erlauben, allein schon aus Liebe zu meinem Mann.


    Die Seherin

    Zitat

    inwieweit würdest du denn auch mal "knatsch" inkauf nehmen, indem du ihm klipp und klar sagst, dass er sich mal nicht so anstellen soll. sie ist nunmal die oma der kleinen und omas müssen das kind nicht erziehen, die dürfen das auch mal verziehen - und die paar tage im jahr könnte er mal überlegen, dass er das aushält?

    Ich habe es in der Tat schon mehrmals gemacht, auch in der Hoffnung, dass klare Ansagen etwas nützen. Hat leider nichts gebracht.


    Mayflower

    Zitat

    Ihr wird mittlererweile klar geworden sein, dass Sie zum Spielball in einer Ehekrise geworden ist.

    Welche Ehekrise?..


    wintersonne 01

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    Ach hör doch auf , der Mann ist genervt vom Besuch der Mutter (mag sie vielleicht nicht) und lässt sich gehen

    Das ist aus meiner Sicht das Schlüsselwort: Sich gehen lassen. Genau das ist es. Und genau dieser Verzicht auf Selbstbeherrschung ist es, was mich so fassungslos macht, abgesehen vom Instrumentalisieren (ICH soll es bitteschön meiner Mutter mitteilen, wenn IHN etwas stört :-o ).


    body84

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    Die beiden, also Mann und Schwiegermutter, brauchen einfach klare Verhaltensregeln, die aber auf gegenseitigem Verständnis beruhen. Dazu braucht es in diesem Fall die TE selbst.

    Da gebe ich Dir recht. Ich werde aber wohl kaum in den nächsten Jahren die Gelegenheit bekommen, irgendwelche Regeln zu diskutieren oder zu vermitteln, denn mein Mann und meine Mutter wollen sich gegenseitig ja nie wieder sehen, so ungefähr.


    Mariposa

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    Dass Dein Mann Deine Mutter (wie jeden anderen Gast) nicht anschreien darf, dass Deine Mutter sich bewusst sein muss, dass sie zu Gast ist und sie sich nicht verhalten kann, als wäre sie mit ihrer Tochter und dem Enkelkind alleine?

    Aus meiner Sicht ist meine Mutter eben kein Gast, sondern ein Familienmitglied. Gast ist sie aus der Sicht meines Mannes. Das heißt, ich kann hier nichts unvoreingenommen machen, wie Du schreibst, denn wenn ich sie als "Gast" anspreche und behandle, übernehme ich bereits die Perspektive meines Mannes, und wenn ich sie als Familienmitglied anspreche und behandle, ist es meine subjektive Perspektive.


    Danke übrigens für den "Besuch der nicht ganz alten Dame", das hat meine Laune deutlich verbessert. :-D


    irgendwie_anders

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    Warum willst du auf Biegen und Brechen einen Kontakt zwischen deinem Mann und deiner Mutter erzwingen wo es doch offensichtlich nicht klappt? Was versprichst du dir davon?

    Will ich überhaupt nicht. Ich habe weiter oben beschrieben, dass es für mich völlig ok ist, wenn er sie nicht mag. Ich will, dass meine Mutter mich und meine Tochter besuchen kommen kann. Mein Mann würde es ermöglichen, indem er ins Hotel geht. Das will aber meine Mutter nicht! Das heißt, egal, wie ich es anstelle, ich finde keine Lösung, die beiden passt.

    Zitat

    Ich finde das sehr egoistisch.

    Ich hingegen finde das von Dir beschriebene Verhalten, Deine Befindlichkeiten über alle Normen des guten Tons zu stellen, sehr egoistisch. Wenn mir jemand vorzuschreiben meinte, dass ich keinen Besuch empfangen darf und dass meine Freunde und meine Eltern im Hotel zu wohnen haben, wenn sie mich besuchen möchten, würde ich mit so jemandem gar nicht erst eine Beziehung eingehen. Und mein Mann wusste ganz genau, dass ich viele Freunde habe und Besuch liebe, als er mich heiratete.

    Zitat

    Da gebe ich Dir recht. Ich werde aber wohl kaum in den nächsten Jahren die Gelegenheit bekommen, irgendwelche Regeln zu diskutieren oder zu vermitteln, denn mein Mann und meine Mutter wollen sich gegenseitig ja nie wieder sehen, so ungefähr.

    Das sagen sie jetzt, weil sie gegenseitig wütend aufeinander sind. Wenn du aber "Bedingungen" aushandeln kannst, wird das sicher wieder möglich sein. Diese Aussagen würde ich jetzt nicht zu stark bewerten.


    Darf ich kurz fragen, was du unter "Respekt" verstehst? Das ist ein viel benutztes Wort, aber versteht doch jede Kultur etwas anderes darunter. Grundsätzlich nimmt es jeder für sich in Anspruch, dass er selbst respektvoll andere behandelt und selbst respektvoll behandelt werden möchte, kann in der Umsetzung aber komplett gegensätzlich ausgelegt werden. So wäre es für mich respektlos, wenn meine Eltern ständig und ungefragt irgendwelche "Ratschläge" in der Erziehung geben würden oder wenn sie gegen meine ausdrückliche Anweisung das Kind anders behandeln als von mir vorgesehen. Von anderen Kulturen kenne ich das so, dass bereits der Widerspruch gegenüber den Eltern als respektlos aufgefasst wird und die Kinder, selbst wenn sie erwachsen sind, sich vieles gefallen lassen müssen.


    Kann es sein, dass dein Mann sich zwischen diesen zwei Ansprüchen gefangen fühlt? Was tut denn deine Mutter - außer den Eingriff in seine Privatsphäre durch ihre bloße Anwesenheit -, was ihn so stört?

    @ Fialle

    Deine Situation erinnert mich sehr an die Situation in meiner nun bald endenden Ehe.


    Meine Frau hat ihre Mutter auch immer über Alles gestellt und sie wurde auf zumTeil perfide Art und Weise von ihr beherrscht.


    ich vermute dein Mann will verhindern, dass deine Mutter dn gleichen Einfluss auf eurer Kind haben wird, wie sie ihn schon über dich hat.


    Die Weigerung deiner Mutter nicht zu kommen wenn er da ist, verharmlost du ( wll in nicht aus dem Hias treiben). Im Grunde ist das Angebot deines Mannes fair ( das siehst du ja auch so). Das solltest du auch so gegenüber deiner Mutter vertreten. Wenn sie dann nicht kommen will, ist es ihr Problem. Ich als Mann würde ünrigens darauf bestehen, dass du bezüglich des Angebotes zu mir stehst. Das macht du nicht.


    Ach ünrigens, ich bin unter anderem deswegen ausgezigen, weil meine Schwiegermutter sich mit Duldung ihrer Tochter und gegen meinen Willen immer mehr in unsere Ehe eingemischt hat.

    Habt ihr schon mal in Erwägung gezogen, dass deine Mutter in ein Hotel geht?


    Da würde sie deinen Mann nicht "aus dem Haus werfen", seine Privatsphäre bliebe gewahrt und du kannst stressfrei die Besuche deiner Mutter genießen.


    Für mich wäre es auch undenkbar, Besuch über mehrere Tage ertragen zu müssen. Egal von wem. Und ich, bzw. meine Mutter kommt auch aus einem Kulturenkreis, in dem Eltern grundsätzlich zu respektieren sind, sich immer einmischen dürfen und nie niemals auch nur ansatzweise kritisiert werden dürfen.

    body84

    Zitat

    Darf ich kurz fragen, was du unter "Respekt" verstehst?

    Grundsätzlich sind unter diesem Wort ja sehr viele Zusammenhänge zusammengefasst, und es kann je nach Situation unterschiedliche Bedeutungen haben. Was ich in diesem konkreten Kontext meine, ist, dass man älteren Menschen, Eltern und Gästen besonders (!) entgegenkommend, verständnisvoll und taktvoll begegnet und dass es m.E. schon eines krassen Überschreitens von deren Seite bedarf, um ein Missachten dieses Gebots zu rechtfertigen.


    So wäre es für mich respektlos, wenn meine Eltern ständig und ungefragt irgendwelche "Ratschläge" in der Erziehung geben würden oder wenn sie gegen meine ausdrückliche Anweisung das Kind anders behandeln als von mir vorgesehen.


    Das ist für mich vollkommen situationsabhängig. Wenn meine Mutter mein Kind ein paarmal im Jahr sieht und nicht wesentlich an seiner Erziehung teilnimmt, dann sehe ich es auch so wie Du (und hatte selbst schon mehrere heftige Streits mit meiner Mutter deswegen). Wenn sie aber eine Oma wäre, die das Kind regelmäßig betreut und Verantwortung dafür übernimmt (z.B. an bestimmten Wochentagen, wenn die Eltern arbeiten müssen), dann hat sie auch das Recht, das Kind mit zu erziehen und ihre Vorstellungen mit einzubringen. Kostenlose Nanny ohne Sprachrecht - nö. Besuchsoma, die die ganze Family herumdiktiert, - auch nö.

    Zitat

    Kann es sein, dass dein Mann sich zwischen diesen zwei Ansprüchen gefangen fühlt? Was tut denn deine Mutter - außer den Eingriff in seine Privatsphäre durch ihre bloße Anwesenheit -, was ihn so stört?

    Er sagt immer wieder, dass sie 'falsch' sei, kann aber nicht recht erklären, was er damit meint. Meine Mutter ist sozusagen eine Person des öffentlichen Lebens, sie hat halt eine sehr mondäne Art. Vielleicht ist es das. Außerdem sagt er, dass sie sich einmische, kann aber auch nicht recht erklären, was er damit meint. Vielleicht ist er auf eine Art doch eifersüchtig, wie Ella71 vermutete, denn er hat auch mal gesagt, wenn sie da sei, sei ich nur mit ihr beschäftigt und die ganze Zeit bei ihr. Das ist jedoch etwas, was ich verstehen kann und wo ich ihn auch versuche zu besänftigen bzw. ihm zu erklären, dass ich sie halt selten sehe und möglichst viel von ihr haben möchte.


    Danke übrigens für die filmreife Beschreibung der 'Busserl'-Szene. Es war anders, aber Du hast es so schön überspitzt beschrieben, ich musste lachen. :-)

    Rhelia

    Zitat

    Habt ihr schon mal in Erwägung gezogen, dass deine Mutter in ein Hotel geht?


    Da würde sie deinen Mann nicht "aus dem Haus werfen", seine Privatsphäre bliebe gewahrt und du kannst stressfrei die Besuche deiner Mutter genießen.

    Ja, das wäre u.U. eine Option. Wir wohnen aber in einem kleinen Dorf, in dem es kein Hotel gibt. Sie müsste dann in der Stadt wohnen, und wir müssten z.B. zum Essen ins Restaurant (oder mein Mann müsste den ganzen Abend außer Haus sein, damit wir zusammen essen können, oder so). Aber grundsätzlich geht das schon und ist besser als nichts.

    Mir fällt übrigens auf, dass viele in diesem Faden so gegen Mütter hetzen - nicht so sehr gegen meine konkrete Mutter, sondern allgemein gegen Mütter. Das Bild der Mutter, das sie zu haben scheinen, ist ein Feindbild. Mütter werden als böse, perfide, selbstherrisch, rücksichtslos dargestellt, man muss ihnen die Stirn bieten, sich nicht alles gefallen lassen, zum Mann halten und der Mutter klar die Meinung geigen...


    Hallo? Es ist Eure Mutter, die Euch großgezogen hat?.. Warum dieses Feindbild? Und das noch vor dem heutzutage allgegenwärtigen Hintergrund der Verherrlichung von Kindern: Kinder sind das Größte, für sie muss alles stehen- und liegegelassen werden, eigene Bedürfnisse hinten angestellt, ja das eigene Leben für sie geopfert werden, Stillen bis zum Abitur, die geliebte Arbeit aufgeben... aber wenn es um Mütter geht, zeigt sich so viel Feindseligkeit und Ablehnung. Mütter schulden ihren Kindern also alles, die Kinder den Müttern aber nichts? Das finde ich sehr, sehr eigenartig und traurig.

    Fialle


    Ich kann Deine Empfindungen, die Du beschrieben hast gut verstehen. Allerdings weiß ich aus dem gelebten Leben, dass sich nicht alle Menschen gut "riechen" können, und es bei einem schwierigen zwischenmenschlichen Verhältnis das auf Antipathie beruht oft nur kleiner Anlässe bedarf, die zu einer Eskaltion führen. Innerhalb einer Familie ist diese Entweder-Oder-Haltung schwierig, vor allem, wenn man das eigene Elternhaus sehr schätzt und die Familienmitglieder mag.


    Sicher ist es wichtig, von beiden Seiten gewisse Regeln und Befindlichkeiten zu berücksichtigen, wie das Gastrecht in Bezug auf die meisten Menschen anzuwenden ist. Privaträume wie z.B. das Schlafzimmer würde ich ohne besonderen Wunsch/Grund der Gastgeber (auch bei den eigenen Kindern) nicht betreten. Würde durchaus vorher fragen wie die Wünsche und Vorstellungen für die Zeit des Besuches aussehen, weil es mir um ein entspanntes Verhältnis während meines Aushaltes geht.


    Probleme würde ich in ruhiger Atmosphäre klären wollen, vor allem, wenn es bereits Spannungen gibt, von denen ich im Vorfeld weiß. Aber mich als Mutter und Oma in ein Hotel abschieben lassen, wäre für mich keine Option. Meine Vorstellung von erwachsenem und reifen Verhalten sieht so aus, dass man sich selbst, wenn man kein besonders inniges Verhältnis zueinander hat, mit Respekt und Anstand die Besuchszeit miteinander verbringt. Es prägt auch das familäre Verhältnis zu den Enkeln deutlich mit, die von diesen Spannungen zwischen den Eltern und erwachsenen Kindern mit betroffen sind.


    Eine Oma, die dann nur außerhalb des eigenen Zuhauses "existieren" darf wird später von den Kindern als "Fremdkörper" empfunden, und wird ein respektvolles Verhältnis zwischen Enkeln und Großeltern nicht entstehen lassen. Ich empfinde es als sehr schade, dass Dein Mann für sich keinen anderen Weg sehen will, als entweder selbst in ein Hotel zu gehen oder Deine Mutter dort als Besucherin 'auszulagern'.


    Eventuell vorhandene Eifersucht darauf, dass Du in der Zeit der seltenen Besuche Deiner Mutter ihr mehr persönliche Zeit widmest, würde ich als sehr kleinlich, und wenig empathisch Dir gegenüber empfinden. Ich gehe davon aus, dass Dein Partner seine eigenen Eltern regelmäßiger trifft und mit ihnen Umgang hat, oder? Sie auch das noch junge Enkelkind häufiger sehen können?


    Da die meisten familiären Besuche eine zeitliche Begrenzung haben, würde ich darauf hin arbeiten das alle gemeinsame Umgangsformen entwickeln, die diese beschränkte Zeit für alle Beteiligten lebbar macht. Das heißt nicht, dass sich jeder Einzelne bis zur Unkenntlichkeit verbiegen soll als Persönlichkeit, aber die Fähigkeit aufbaut, dass jeder für sich mehr Gelassenheit entwickelt mit dem Macken und Eigenarten der unterschiedlichen Familienmitglieder toleranter umgehen zu lernen. Das ist auch für die Prägung von Werten für die eigenen Kinder wichtig. Mir würde es schwer fallen ein enges Familienmitglied sich selbst zu überlassen, nur damit ich daheim eine heile "Scheinwelt" aufrecht erhalten kann.

    Ich muss zugeben, dass ich Verständnis für deinen Mann habe, auch wenn man natürlich niemanden anschreien sollte.


    Würde meine Schwiegermutter für zwei Wochen bei uns einziehen, ich würde auch das Weite suchen.


    Für DICH ist deine Mutter ein Familienmitglied. Für deinen Mann ist sie eine Frau, die er als erwachsener Mann kennen gelernt hat und für die er familiäre Gefühle wahrlich nicht erzwingen kann.


    Wenn wir unseren Kleinen in der Babyzeit ins Bett brachten, kam es auch vor, dass die Schwiegermutter hinterher nach oben kam. Ich fand das extrem störend, weil der Kleine dann überhaupt nicht zur Ruhe kam.


    Außerdem ist es mir peinlich vor Gästen, wenn im Familienbad im Obergeschoss vielleicht mal Wäsche rumliegt oder so.


    Das ist auch für mich unser persönlicher Bereich. Es gibt eine Gästetoilette unten.


    Die Schwiegermutter wollte oft helfen, allerdings macht sie fast alles anders als ich es je gewohnt war. Oft empfand ich ihre "Hilfe" als das subtile Aufdrängen ihres Willens.


    Und ich möchte nicht, dass sie mein Bett abzieht, meine schmutzige Wäsche wäscht...


    Zum Glück hat mein Mann mir das nie übel genommen, obwohl es ihn logischerweise überhaupt nicht stört. Ist ja seine Mutter.


    Wir haben Jahre gebraucht, aber inzwischen haben wir uns drauf eingestellt. Wenn sie helfen will, dann räumt sie eben die Spülmaschine aus oder nimmt Bügelwäsche mit, darüber freue ich mich.


    Nur beim Kleinen macht sie nach wie vor ihr Ding und ich die Faust in der Tasche.


    Was ich damit sagen will: Kultur hin oder her, Menschen und Komfortzonen sind unterschiedlich.


    An deiner Stelle würde ich deiner Mutter folgende Optionen bieten und abwarten:


    - Sie oder dein Mann gehen in ein Hotel (in Dörfern gibt es manchmal auch privat Zimmer zu mieten)


    - Sie hält sich beim nächsten Besuch weitgehend im Erdgeschoss auf und fragt, ob sie nach oben kommen kann.


    Meine eigene Mutter ist übrigens nicht so. Sie würde nie jemandem zur Last fallen wollen, fragt immer, ob es angenehm ist oder nicht. Da wir kein Gästezimmer haben, war sie Weihnachten bei uns, schlief aber in einem Hotel.


    Mein Mann und meine Mutter mögen sich auch nicht sonderlich. Auf diese Weise war das aber gar kein Problem.

    Ach ja, wenn deine Mutter wirklich so familienliebend ist, wie du es sagst, dann wird sie auch irgendwann einlenken.


    Immerhin will sie doch dich und ihr Enkelkind sehen. Der Wunsch wird am Ende siegen.