Meine Schwiegermutter ist entgegen ausdrücklichlichem Wunsch nach Notkaiserschnitt und Kind auf Intensiv aufgetaucht. Um sich danach zu beschweren, dass ich beim Begucken ihrer urlaubsbilder kurz angebunden gewesen sei. Dass es mir körperlich und psychisch absolut besch... ging, hatte sie wohl übersehen. So viel zum Thema Grenzen. Glücklicherweise ist mein Freund auf meiner Seite und hat sie nach zehn Minuten hinauskomplimentiert- sie hat dann noch eine Riesendrama gemacht und wollte das Kind auch noch sehen. Nun ist das eine Extremsituation, aber da geht es um Grenzen. Und nein, ich kann nicht der Tochterersatz für meine Schwiegermutter sein (sie wollte immer eine Tochter haben).


    Daher werde ich hellhörig, wenn es um Grenzen und deren Überschreitung geht. Völlig egal, welcher Kultur man angehört. Gibt es da eben Reibungspunkte, gerade in einer Beziehung, wird das Paar Regeln für sich aushandeln müssen - und zwar zunächst als Paar. Bei diesem Konflikt sehe ich aber nicht, dass zunächst das Paar die Regeln unter sich ausmacht, sondern die Tochter mit der Mutter die Regeln definiert hat und der Mann sich anpassen muss.


    Und was die Hierarchie Mutter vs Partnern angeht. Es geht hier nicht darum, sich von der Mutter völlig loszusagen, sondern als Paar einen Standpunkt zu vertreten, der nicht das Ende der Beziehung zur Mutter bedeutet. Und tatsächlich stehe ich im Zweifel hinter meinem Partner, wenn ich es vertreten kann, und bis jetzt war es immer der Fall. Denn mit ihm habe ich meine Kernfamilie, mit ihm möchte ich alt werden. Meine Eltern werde ich leider nur noch eine begrenzte Zeit haben, und dann?

    Zitat

    Meine Eltern werde ich leider nur noch eine begrenzte Zeit haben, und dann?

    dann würdest du es deinem Mann übel nehmen, dass er dir die Besuche 2x im Jahr vermiest hat. Auf die TE bezogen.


    Seherin, meine Schwiegermutter war auch echt ein Kaliber, voll die Alpha-Frau.


    Beim aufgedrängten Kuchen habe ich nachher nichts mehr gesagt, das war mir die Mühe nicht wert. Aber als sie anfing während eines Besuches meine kompletten Handtücher aus meinem Schrank zu nehmen und so zu falten wie sie es gewohnt war, da das platzsparender sei, habe ich auch "stop" gesagt.


    Wenn meine Mutter sagt: "Kind ;-D deine Fenster sind so dreckig", dann verweise ich sie immer auf meine Fensterputzsachen und sie soll sich frei fühlen, diese zu putzen. Meine Schwiegermama ging ungefragt an die Körbe mit der Schmutzwäsche und meinte waschen zu müssen während eines Besuches. Geht gar nicht.


    Also hier war definitiv auch ein Unterschied zwischen Mutter und Schwiegermutter

    DieSeherin

    Ich kann da ja nur für mich sprechen, aber ich fühle mich wirklich - und weiß nicht wirklich warum - unfähig, gegenüber meiner Schwiegermutter "normale Höflichkeitsumgangsformen" walten zu lassen. Wenn Sie da ist, fühle ich mich, als hätte ich einen mir unsympathischen fremden Menschen von der Straße in der Wohnung, also als ob jemand aggressiv und gegen meinen Willen in meinen privaten Bereich eingedrungen wäre und dann auch noch jemand, den ich echt wirklich gar nicht in meiner Nähe haben will.


    Warum die Abneigung SO krass und irrational ist, kann ich gar nicht genau benennen. Ich vermute, es ist das Zusammenspiel aus "Gezwungensein", denjenigen ins Leben zu lassen und dem inneren Bewusstsein, dass man eigentlich das Recht haben sollte, selbst über Nähe und Distanz zu anderen entscheiden zu können.


    Weil ich gezwungen bin, meine Grenzen überschreiten zu lassen, wächst die Abneigung immer mehr. Tut mir ein bisschen leid für sie, aber in ihrem Fall hat es schon auch durchaus Gründe, so dass sich das Mitleid letztlich mit meinem Selbstmitleid die Waage hält...

    Zitat

    Bei diesem Konflikt sehe ich aber nicht, dass zunächst das Paar die Regeln unter sich ausmacht, sondern die Tochter mit der Mutter die Regeln definiert hat und der Mann sich anpassen muss.

    ist witzig, wie unterschiedlich da die einschätzung ist ;-D ich hatte den konflikt eher darin gesehen, dass der mann die regeln der mutter gar nicht gesagt hatte, ihr dann aber um die ohren geflogen ist, als sie die missachtet hatte... und nun versucht fialle zu vermitteln!?


    war es euch allen also eher nicht möglich, der schwiegermutter erst mal den gleichen "status" einzuräumen, wie der eigenen mutter? so eine art sympathie-vorschuss? oder steckt ihr die grenzen für die leibliche mutter innerlich vielleicht einfach anders?

    Mir wird langsam richtig schlecht von den Antworten in diesem Faden. Gerade was das Thema Mütter/ Schwiegermütter angeht. Ein 'unsympathischer fremder Mensch', die Mutter des Mannes, den ich liebe, die ihn teilweise zu dem Menschen gemacht hat, in den ich mich verliebt habe?.. :-o :-X


    Und auch ein anderes Thema drängt sich mir auf. Heutzutage wird so viel von Toleranz gefaselt, die Toleranz ist die neue gesellschaftliche Umgangsform und die höchste Tugend schlechthin, ein Allheilmittel gegen alle sozialen Krankheiten. Wo bleibt denn bitte die vielgerühmte Toleranz, wenn hier ungefähr 80% der Nutzer behaupten, sie tolerieren keinen Besuch in ihrem Haus? Tolerieren es nicht, dass es Leute gibt, die unter anderen Umständen und in anderen Verhältnissen aufgewachsen sind, sei es eine andere Generation oder eine andere Kultur, und deswegen etwas tun oder sagen, was von ihren eigenen Vorstellungen abweicht? :-o Was ist denn dann bitte diese Toleranz, die theoretisch zwar gepredigt wird, aber sofort endet, solange man sich auch nur ein klein bisschen in seinem individualistischen Mikrokosmos gestört fühlt???

    Du musst aber auch unterscheiden zwischen Toleranz und Sympathie. Man muss nicht jeden mögen, ihn akzeptieren - d.h. nicht irgendwie verändern wollend auf ihn eindringen - das muss man schon. Aber zwischen jemanden so sein lassen, wie er ist, und jemanden gern in der Nähe haben liegen ja Welten.


    Und dann darf man nicht vergessen, dass Mütter auch einfach bescheuert sein können und trotzdem tolle Kinder großziehen können. Man kann sich also durchaus in jemanden verlieben, der einfach total blöde Eltern hat. Die beiden (Kind und Mutter) sind ja Gottseidank nicht eins...

    In meinem Fall nicht, weil mein Mann und ich uns einig sind. Das heißt, dass es scheinbar eben keine allgemeingültige Ansicht gibt, warum man den Partner der Mutter unterordnen soll, wie es die Te proklamiert. Hier sehe ich tatsächlich innerhalb der Beziehung Probleme und auch keine vermittelnde Rolle der TE, da sie eindeutig Position bezieht.


    Die Seherin


    Mach dich doch mal los von diesem "ihr seid so böse zur Schwiegermutter". Grenzen sind abhängig von der persönlichen Nähe. Und die können enger zur Mutter sein, zur Schwiegermutter, zur Schwester oder sonstwem. Es gibt da kein Prinzip, aber tatsächlich Wahrscheinlichlichkeiten, dass man ein engeres Verhältnis zu dem Menschen hat, der einen sozialisiert und aufgezogen hat. Geht der TE ja nicht anders, oder? Und ich finde dieses völlig legitim. Nur muss man eben schauen, wie man das auch in der Beziehung unter einen Hut bringt. Und derzeit sehe ich da eben keinerlei Gemeinsame Ebene beim Paar derzeit, was auch langfristig Konfliktpotenzial birgt.

    Und nein, ich muss nicht alle/alles tolerieren, insbesondere nicht in meinen eigenen vier Wänden. Halte ich übrigens auch politisch für Blödsinn, es ist kein funktionierendes Konzept, denn gewisse Regeln/Normen widersprechen sich, wie bei euch.


    Und wo zeigt deine Mutter denn Toleranz? Dass sie deinem Mann zugesteht, in eurem Haus bleiben zu dürfen?

    hikleines

    Zitat

    Du musst aber auch unterscheiden zwischen Toleranz und Sympathie. Man muss nicht jeden mögen, ihn akzeptieren - d.h. nicht irgendwie verändern wollend auf ihn eindringen - das muss man schon. Aber zwischen jemanden so sein lassen, wie er ist, und jemanden gern in der Nähe haben liegen ja Welten.

    Ja, natürlich. :)z Ich verlange von meinem Mann ja auch überhaupt nicht, dass er meine Mutter mag oder toll findet, wie ich schon oft schrieb. Ich möchte Toleranz - das heißt, dass er sie nicht anschreit, sondern anständig behandelt und bei Bedarf in sanfter und angemessener Weise mit ihr klärt, was ihn an ihren Handlungen stört. Nicht mit MIR, sondern mit IHR, denn sie ist ein mündiger Mensch. Das ist für mich Toleranz (oder Respekt).

    Hatschepsut

    Zitat

    Das heißt, dass es scheinbar eben keine allgemeingültige Ansicht gibt, warum man den Partner der Mutter unterordnen soll, wie es die Te proklamiert.

    Es geht nicht um ein allgemeines "den Partner der Mutter unterordnen", sondern darum, dass er sie toleriert, wenn sie zwei Wochen im Jahr zu Besuch kommt. Es geht um einen sehr begrenzten Zeitraum!! Ansonsten hat er nichts mit ihr zu tun und kann tun und lassen, was er will.

    Zitat

    Nur muss man eben schauen, wie man das auch in der Beziehung unter einen Hut bringt. Und derzeit sehe ich da eben keinerlei Gemeinsame Ebene beim Paar derzeit, was auch langfristig Konfliktpotenzial birgt.

    Ich bin gespannt auf konstruktive Vorschläge, wie ich diese gemeinsame Ebene erreichen soll. Um praktische Vorschläge, nicht Theoretisieren. Bitte zu.

    Zitat

    Mach dich doch mal los von diesem "ihr seid so böse zur Schwiegermutter".

    öööhmmm... das war überhaupt nicht meine idee hinter meinen fragen!? es ging mir wirklich um die hintergründe und die grenzen... wo die herkommen, wo es unterschiede gibt usw. manchmal habe ich nämlich das gefühl, dass man ruhig auch mal seine grenzen hinterfragen kann, bevor man grenzüberschreitungen bemängelt.

    @ Seherin:

    ich hatte tatsächlich auch schon mal eine fast Schwiegermutter, mit der ich mich blendend verstand.


    Zudem bin ich ein Mensch, der mit den meisten Menschen klar kommen kann, kompromissbereit, friedfertig, nicht sonderlich nachtragend.


    Aber steter Tropfen...


    Ich möchte nicht mehrfach wöchentlich Kuchen essen, nur weil die Schwiegermutter ihn gebacken hat. Esse ich ihn, kommt mehr.


    Zu Anfang hat sie uns ständig, unangemeldet und ungefragt Essen zum Aufwärmen vorbei gebracht. Meine gekauften Zutaten lagen dann rum. Das haben wir ihr zum Glück inzwischen abgewöhnt.

    @ hikleines:

    Ja, wir haben ein großes Problem damit, dass die unseren Sohn zum Lügen anhält.


    Im Moment erzählt er es meist trotzdem, aber er wird ja älter.


    Sie macht einfach ihre eigenen Regeln. In Maßen wäre das ok, aber bei der dritten Bratwurst für den Kleinen am Stück, obwohl er nicht gerade dünn ist, da hört mein Verständnis auf.


    Trotzdem schaffe ich es, irgendwie mit ihr klar zu kommen. Ich bin eben ein sehr geduldiger Mensch. Ihr eigener Sohn ist da weniger geduldig, aber auch sein Schimpfen prallt an ihr ab %:|


    Kaum verständlich für Außenstehende.

    @ Fialle:

    die Tatsache ein Kind geboren und aufgezogen zu haben, macht einen noch lange nicht allein zu einem Menschen, mit dem man automatisch auskommen muss ;-)


    Vielleicht könnten sich ja beide gegenseitig tolerieren?


    Sie, indem sie in seinem Haus seine persönlichen Grenzen (das Obergeschoss) wahrt und er, indem er sich zur Ruhe zwingt.

    Ich muss ja gestehen, wäre ich an deiner Stelle und würde mit meiner Mutter reden, wenn der Partner eh nicht in der Lage ist dies zu tun. Da wäre mir ein angenehmes Beisammensein wichtiger als Prinzipen .