Kopf sagt Trennung, Gefühle verwirrend - was mache ich bloß?

    Ich bin gerade tief traurig und gefühlsmäßig total durcheinander. Nachdem ich mich vor 6 Wochen schon mal von meinem Freund getrennt habe, sehen wir uns seit 3 Wochen nun doch wieder regelmäßig. Am Anfang haben wir (naja, wohl mehr ich) viel geredet, weil ich das Bedürfnis hatte, all die unausgesprochenen Dinge auf den Tisch zu bringen. Ich wollte, dass er mich und meine (verletzten) Gefühle versteht. Ich wollte aber auch seine Seite hören. Ich habe mich für 2 Fehltritte entschuldigt (Situationen in denen ich vor lauter Verletzung und seelischer Verzweiflung eindeutig überreagiert habe). Irgendwie haben wir dann beschlossen, es noch einmal zu probieren.


    Mein Grund für die vorherige Trennung war, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr wirklich Liebe und Verständnis seinerseits gespürt habe. In den Monaten davor war ich zweimal länger krank, wo ich Hilfe, Anwesenheit und Zuspruch gebraucht hätte. Trotz Ansage, dass mir das wichtig sei, war er quasi nie da. Nur das Angebot, etwas für mich einzukaufen stand. Aber er ist nie länger bei mir geblieben. (Wir haben eigene Wohnungen.) Nein, er ist sogar noch exzessiv mit seinen Kumpels nachts durch die Kneipen gezogen.


    Außerdem ist rausgekommen, dass er einmal fremd gegangen ist, woran ich sehr zu knappern habe. Ich hatte ihm zuvor 100% vertraut. Keine Eifersucht, nix. Das kann ich jetzt leider nicht mehr. Trotzdem empfinde ich noch sehr stark etwas für ihn. Auch in der Zeit der Trennung habe ich jeden Tag an ihn gedacht. Ich habe darunter sehr gelitten, obwohl mir die Trennung kopfmäßig vernünftig erschien.


    Nun sind mir wieder einige Dinge aufgestossen, die ich aber lieber sofort angesprochen habe, als sie in mich hineinzufressen. Ein Beispiel: ich bin bei ihm ausgerutscht und die Treppe runter gestürzt und wollte, da ich mir schnell was breche, lieber gleich zum Röntgen ins Krankenhaus. Er hat zwar auch gerade eine böse Prellung, humpelt etwas und hat Schmerzen, geht aber Arbeiten und ist auch mit Freunden unterwegs gewesen. Er lag schon im Bett und schaute Fernsehen. Noch bevor ich überhaupt fragen konnte, hat er sofort gesagt, dass er mich nicht ins Krankenhaus begleiten wird, denn er könne ja nicht laufen. (Das Krankenhaus ist gleich um die Ecke.) Dann saß ich da in der Notaufnahme, alle anderen Fälle in Begleitung von Partner oder Freund - da fühlte ich mich schon sehr einsam. Ich war bestimmt 2,5 Stunden dort, auch in der Zeit keine Nachfrage oder Aufmunterung per Tel./Whatsapp von ihm.


    Jedenfalls habe ich ihm hinterher gesagt, dass ich das nicht gut fand und ihn gefragt, ob er mich überhaupt noch liebt. Ich hätte nämlich, besonders bei solchen Aktionen, nicht das Gefühl. Erst Antwort: ja, ja natürlich hat er mich lieb. Und nach etwas bohren: es gehe ihm gerade nicht so gut, da will er eigentlich seine Ruhe haben. Und er weiß momentan nicht, ob das mit dem Beziehungsrevival so eine gute Idee war. Er glaubt nicht, dass er meine Bedürfnisse erfüllen kann. Eigentlich will er nur die schönen Momente teilen. Aufmuntern und betutteln läge ihm halt nicht. (Er gibt übrigens auch seinen Sohn, den er alle 14 Tage am Wochenende nimmt, an seine Mutter oder Ex ab, wenn der kränkelt!!) Und seinen Alkoholkonsum (periodischer Trinker) - ein Thema, was ich in den letzen 3 Wochen nicht mal angesprochen habe, wolle/könne er auch nicht ändern.


    Ich bin so hin- und hergerissen. Einerseits denke ich an unsere Anfangszeit, die unglaublich schön war. Es ist, als ob er da ein ganz anderer Mensch war. Viel körperliche Nähe, intellektuell auf einer Wellenlänge, Aufmerksamkeit, Zuhören, Reden, Genießen, Mitgefühl. Schon in vorhergehenden gescheiterten Beziehungen wurde im fehlende Empathie vorgeworfen. Das konnte ich damals gar nicht glauben, sehe es jetzt aber selbst und frage mich, wie sich dass so krass ändern kann. Immer, wenn ich ihm (in einem ruhigen Ton) sage, was mich verletzt oder traurig macht, hat er irgendeine passende "Ausrede" für sein Verhalten. Schuld ist er nie. Er ist da eben anders, dass müsse ich doch verstehen. Also, ich sehe da überhaupt kein Entgegenkommen.


    Nun hänge ich aber doch emotional sehr an ihm und beobachte "Schlimmes" an mir. Mag sein, dass ich vielleicht an einigen Stellen etwas (über)empfindlich bin, aber ich empfinde sein Verhalten schon als zurückweisend, egal welche Ausrede er gerade hat. Es ist so wie "Friss oder Stirb". Entweder du nimmst mich so wie ich bin, oder eben nicht. Nur die "schönen Momente teilen" - was soll das für eine Beziehung sein? Rational spricht das ja eigentlich nicht dafür, dass er wirklich was für mich empfindet, wenn er nicht mal bereit ist, einen kleinen Schritt auf mich zuzugehen. Oder sehe ich das falsch?? Aber warum hat er sich dann überhaupt auf einen Neuanfang eingelassen?


    Und nun passiert das Merkwürdige, je mehr er sich von mir abwendet, umso mehr versuche ich, mit ihm zu reden (obwohl mir das nicht gerade leicht fällt), alles richtig zu machen und die Beziehung irgendwie zu bewahren. Auf der anderen Seite bin ich nicht glücklich mit einem Teil seines Verhaltens. Und wenn ich schon mal meinen Mut zusammennehme und alles offen ausspreche, sage, was ich mir wünsche und wie ich mich fühle, dann habe ich das Gefühl - das kommt bei ihm nicht so an, wie es sollte. Ich habe das Gefühl, bei ihm kommt nur an, dass ich ihn kritisiere, dass er ungenügend sei. Und das schmeckt ihm nicht. Ich leide gerade extrem. Ich habe Angst, vor einem Beziehungsende und dem großen schwarzen Loch danach. Ich habe aber auch Angst, noch mehr Zeit in diese Beziehung zu investieren und immer wieder enttäuscht zu werden.


    Was soll ich bloß machen? Er hält mich gerade hin, will morgen nochmal reden. Was denkt ihr? Manchmal braucht man neutrales Feedback von außen, um die Welt wieder klarer zu sehen.

  • 7 Antworten

    okay, fassen wir mal zusammen:


    er erfüllt deine beziehungs-sehnsüchte in keinem punkt


    er lässt dich alleine, wenn du ihn dringend brauchst und ihm das auch sagst


    er hat ein (latentes) alkoholproblem


    er hat dich betrogen


    er trägt nichts dazu bei, die schieflage der beziehung gerade zu rücken


    er war nur in der glücklichen anfangszeit dir zugewandt


    ...


    meine frage ist, willst du die beziehung um jeden preis retten - der beziehung wegen, oder willst du mit diesem menschen zusammen bleiben?


    was hat er denn an guten seiten? was genau kannst du nicht loslassen?


    (für eine bessere einschätzung: wie alt seid ihr beiden und wie lange seid ihr schon zusammen?)

    Das was Du beschreibst, empfinden denke ich viele Menschen so, die in einer schwierigen Beziehungskonstellation leben. Dieses tolle Gefühl der Anfänge, in der man glaubte mit dem Partner jedes Problem gemeinsam lösen zu können. Die intensive Nähe, die Glücksgefühle, eben all das was sich gut angefühlt hat und was man sich so sehr zurück wünscht. Verständlicher Weise.


    Aber leben tust Du in der Beziehung mit dem Alltagsgesicht, den Problemen und dem Verhalten, dass hinter der schönen Fassade des Anfangs steht. Dein Bauchgefühl versucht Dir schon recht deutlich zu sagen, dass es zwischen dem Mann der romantischen Verliebtheit und dem Partner des täglichen Umgangs eine deutliche Diskrepanz gibt.


    In so einer Situation wie nach dem Treppensturz das eigene Befinden überdeutlich über das der Freundin zu stellen, dazu gehört schon eine große Portion von Egoismus. Auch das reflexartige ablehnen Dir Hilfe zukommen zu lassen, sagt einiges über sein Empathievermögen aus.

    Zitat

    Schon in vorhergehenden gescheiterten Beziehungen wurde im fehlende Empathie vorgeworfen. Das konnte ich damals gar nicht glauben, sehe es jetzt aber selbst und frage mich, wie sich dass so krass ändern kann. Immer, wenn ich ihm (in einem ruhigen Ton) sage, was mich verletzt oder traurig macht, hat er irgendeine passende "Ausrede" für sein Verhalten.

    Es bleibt nach Deiner Beschreibung nicht mehr viel zukunftsfähiges. Er ist weder partnerschaftlich, noch treu, unzuverlässig und zudem kommt noch ein Problem im Umgang mit dem Alkohol dazu. So wie Du es beschreibst, warst Du überwiegend in Situationen allein, in denen Du aktive Hilfe und Zuspruch benötigt hättest.


    Du hast zwar nicht geschrieben, wie alt ihr beide seid - noch wie lange die Beziehung vor eurer Trennung Bestand hatte, aber es sprechen wenig Argumente dafür, dass es zwischen euch noch zu einer respektvollen Beziehung auf Augenhöhe kommt.


    Er ist offenbar ein Schön-Wetter-Mann, der sich gern das Angenehme aus einer Beziehung raus ziehen möchte. Das was ihm selbst gut tut und wenig Mühe bereitet. Stell Dir die Frage, wo ihr euch mit seiner Einstellung in 1 oder 2 Jahren siehst, oder als Partner in allen Lebenslagen.


    Sein Egoismus macht wie es scheint auch nicht vor dem eigenen Sohn Halt. Das sollte Dir genug Stoff zum Konsequenzen ziehen ermöglichen.

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    Und seinen Alkoholkonsum (periodischer Trinker) - ein Thema, was ich in den letzen 3 Wochen nicht mal angesprochen habe, wolle/könne er auch nicht ändern.

    Das wäre für mich ein Punkt, der Null-Toleranz-Grenze. Da sind dauerhaft Probleme in der Beziehung vorprogrammiert. Du bist offenbar jemand, der mit vollem Herzen lieben will.


    ABER:

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    Schuld ist er nie. Er ist da eben anders, dass müsse ich doch verstehen. Also, ich sehe da überhaupt kein Entgegenkommen.

    Diese innere Einstellung wirst Du mit der größten Liebe nicht ändern können. Jemand, der so denkt und fühlt, hat große egoistische Anteile, und vermutlich hat ein Großteil eurer Beziehungsverantwortung auf Deiner Seite gelegen.


    Sei froh, dass ihr nicht in einer gemeinsamen Wohnung lebt. So ist der Absprung insgesamt leichter und mit der räumlichen Distanz sollte es möglich sein, Dich emotional aus dieser ungesunden Beziehungsdynamik zu verabschieden. Ich wünsche Dir dafür viel Kraft und Konsequenz. @:)

    @ Die Seherin

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    was hat er denn an guten seiten? was genau kannst du nicht loslassen?

    Seine guten Seiten: er ist i.d.R. ein fröhlicher, positiver und geselliger Mensch - der es vermag, mich mit seiner guten Laune anzustecken und mich, ohne großen Druck, motivieren kann, mal aus meiner Komfortzone rauszukommen, was mir letztendlich immer gut tat. Wir haben viel gemeinsam unternommen und das war dann ausnahmslos schön und entspannt mit ihm - egal ob wir ganz "langweilig" Pilze suchen gehen, wandern oder verreisen.


    Er geht sehr offen auf Menschen zu, was ich bewundere, weil ich nicht so bin. Im Grunde hatte ich davor schon lange nicht mehr an eine richtige Beziehung geglaubt, aber bei ihm war da wirklich am Anfang eine große Euphorie da. Ich war zu allem bereit. Ich habe echt noch mal über's Kinderkriegen nachgedacht. (Als ich allerdings das Ausmaß seiner Alkoholeskapaden begriffen habe, habe ich das schnell wieder ad acta gelegt. Ich habe das bei meinen Freundinen gesehen, ich wollte nie allein mit einem Baby dasitzen.)

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    meine frage ist, willst du die beziehung um jeden preis retten - der beziehung wegen, oder willst du mit diesem menschen zusammen bleiben?

    Nein, natürlich nicht um jeden Preis. Ich bin eben so verwirrt. Rational schreit alles nein, nein, nein. Emotional hänge ich noch stark an ihm. Ich bin nicht die Jüngste, sicher spielt auch eine Rolle, dass ich mich frage, ob ich mich überhaupt noch mal so verlieben kann.

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    Ich bin nicht die Jüngste, sicher spielt auch eine Rolle, dass ich mich frage, ob ich mich überhaupt noch mal so verlieben kann.

    da kann ich dir nur versichern: ooohhh ja, das geht ;-D egal, in welchem alter!!!


    insgesamt habe ich aber wirklich den eindruck, dass du mehr an einer beziehung hängst, als dass du ihn meinst!? und dass du seine guten seiten verklärst und dir die seiten, die dir richtig weh tun, verdrängst!


    und vielleict blockierst du dich mit dem verharren in deiner unentschlossenheit für einen mann, der da draußen irgendwo rumläuft, der dir beides geben kann: das gemeinsame genießen der schönen seite und das gemeinsame "bewältigen" aller sachen, die im leben nicht so prickelnd sind :)_

    Oh man, das hört sich nicht gut an. Im Ergebnis werdet ihr keine Zukunft haben, und ich denke, das weißt du vom Kopf her auch schon ganz genau. Die schönen Anfangszeiten sind vorbei und die bringt dir auch nichts zurück. Wenn man sich besser kennen lernt und miteinander vertrauter wird, dann verändert sich eine Beziehung immer und ohne Weg zurück - in eurem Fall scheint es so, dass er einfach von seiner Natur her nicht empatisch, zugewandt und fürsorglich ist. Ich tippe darauf, dass sein Verständnis von "Liebe" einfach ein anderes, "kühleres" ist als von dir (und mir). Das kann keiner von euch ändern; er auch nicht, und es führt einfach dazu, dass ihr nicht zusammen passt.

    Moin


    Da muss ich der Seherin Recht geben. Verlieben ist keine Sache des Alters.


    Es heist so schön bei Trauungen: In guten, wie in schlechten Zeiten......


    Die "Guten" kein Problem, funktioniert meistens


    Es kommt aber auf die schlechten Zeiten an. Da zeigt sich erst, was die Beziehung aushält.


    Und wenn Du eine "schlechte Zeit" hast, es dir nicht gut geht und Du dann keine Unterstützung erhälst, liegt es auf der Hand, dass die Beziehung nicht viel aushält.


    Ich hab so den Eindruck, dass Du, vielleicht auch auf Grund deines Alters, ein bischen klammerst. Dass Du innerlich das Gefühl hast, eine neue Beziehung kommt nicht mehr. Sei versichert, die kommt. Meistens dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Sicher, das kann dauern, aber kommen tut sie.


    Ich spreche da aus Erfahrung.


    Du solltest mit deiner jetzigen Beziehung abschließen, denn ich habe nicht den Eindruck dass sich dein Partner ändern wird. Und Du wirst immer dann, wenn Du eine Schulter zum anlehnen brauchst keine vorfinden. Das wird weiter Frust aufbauen, dass die jetzige Beziehung letztlich irgenwann auf jeden Fall scheitert. Da ist es besser eine Schlussstrich zu ziehen und froh gemut dein weiters Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Voraussetzungen sind bei dir ja durchaus gegeben.