Kosten-Nutzen-Rechnung bei Beziehungen?

    Ich habe mal wieder ;-D eine (Meinungs-)frage an das Forum.


    Eine mir nahestehende Person A hat bereits zwei-, dreimal die Aussage getroffen, dass sie Beziehungen aller Art (egal, ob freundschaftlich, partnerschaftlich etc.) nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip beurteilt.


    Ich bin jedes Mal ein bisschen baff gewesen, da mir dieser Gedanke im Innersten zuwider ist, aber ich keine wirklichen Argumente dagegen finde.


    Ich habe seit gestern Abend darüber nachgedacht und mir überlegt:


    1) dieser Gedanke ist sehr bequem, solange man in der Nutznießerposition ist und profitiert --> unbequem wird es, sobald man selber in der Bringschuld ist, bzw. in die Lage verfällt, selber keinen Nutzen mehr in einer Beziehung zu haben; sich quasi mit dieser Argumentation "ausbootet"


    2) spätestens wenn man in der Lage ist, sich selber seine sozialen Beziehungen auszusuchen und dies mit zunehmender Freiheit, wenn man älter wird (also erste Freundschaften, Liebesbeziehungen, Single, Ehe, alles vorstellbare halt^^), wird dieses Prinzip hinfällig, da man ja immer die Freiheit hat, eine Beziehung zu verfolgen, oder es zu lassen und alle diese Beziehungen auf freiwilliger Basis eingegangen worden sind und nicht aus einer vorigen Abhängigkeit entstanden sind


    3) impliziert diese Aussage für mich auch in unangenehmer Weise einen gewissen "egomanen", Entschuldigung, mir fällt an dieser Stelle echt kein besseres Wort ein, Zug, der davon ausgeht, dass alles sich um einen selbst dreht und gefälligst alle Menschen um einen herum zur eigenen, potentiellen Bespaßung "dienen".


    Was sagt ihr dazu? Wie seht ihr das? Seid ihr jemals mit dem Gedanken der Kosten-Nutzen-Rechnung Beziehungen eingegangen? Oder würdet ihr nach allgemeiner Überlegung zustimmen/ablehnen?


    Ich freue mich auf Antworten :-)

  • 12 Antworten

    ich selber bin zwar nicht so "sachlich" unterwegs, wenn es um beziehungen jedweder art geht, verstehe aber dieses grundprinzip ganz gut!


    auch, wenn es sehr betriebswirtschaftlich klingt, steckt doch dahinter die bedeutung, des gegenseitig gebens und nehmens. die hoffnung, dass die beteiligten beide das gefühl haben, von dieser beziehung zu profitieren. dass keine schieflage der gefühle vorhanden ist...

    Klar, es geht ja um Geben und Nehmen. Wenn du das Gefühl hast, eine Negativbilanz aufzuweisen, bist du nicht mehr glücklich, packst deine Sachen und gehst.


    Mir passiert das häufig bei Freundschaften. Vielen geht es nur um sich. Das heißt, wenn man sich trifft, sprechen sie nur über sich selbst und haben auch keine anderen Interessen außer sich selbst. Irgendwann langweilt man sich zu Tode und empfindet die Freundschaft als einseitig. Die Kosten sind höher als der Nutzen.


    Auch bei Partnerschaften zieht man, wenn auch häufig unterbewusst so eine Bilanz. Da gehts weniger ums Geld, spndern auch um emotionalen Input. Wenn du einen Partner hast, der dich betrügt, besteht doch für dich genauso ein ungüstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis.


    Egoistisch finde ich das nicht. Das ist gesunder Selbstschutz um sich zu ausnutzen zu lassen.

    Jetzt habe ich tatsächlich so lange keine Ruhe, bis ich auf die ersten beiden Antworten eingegangen bin, argh ]:D


    Also, zweimal kam bisher geben/nehmen vor. Das wollte ich vorhin gar nicht in Abrede stellen, da stimme ich euch zu, dass alle Beteiligten einer Beziehung (stellvertretend für alle Beziehungsarten) sich in einem bestimmten Maß in die Gestaltung und Erhaltung einbringen.


    Nur habe ich aus dieser Sicht mehr den Eindruck, dass das Ganze auf Gegenseitigkeit und auf gleicher Augenhöhe beruht.


    Beim Kosten-Nutzen-Prinzip fühlt es sich an, als ob um nur um den Vorteil einer einzigen Person ginge ":/


    Und genau hier sehe ich auch mögliche Ansatzpunkte, dass eben eine Person A dadurch eher geneigt ist, auszunutzen, wenn sie nach dem KNP handelt.


    PowerPuffi, deine Beispiele kann ich an dieser Stelle nur so stehenlassen; die bilden den Extremfall ganz gut ab @:)


    Auf der anderen Seite des Extrems würden mir wiederum Leute einfallen, die bereit sind, sehr viel zu geben, aber keine Erwartungen hegen bzw. Gegenleistungen ablehnen. Wie würde man dies einbringen?


    Mir sind unterwegs noch ein paar Punkte eingefallen, die vielleicht relevant sein könnten:


    Alter, Beziehungserfahrung und bestimmte Erwartungen, mit denen man eine B. eingeht. Bei den ersten beiden wäre es interessant, herauszufinden, ob sich mit höherem Alter und/oder mehr Beziehungserfahrung eine gewisse Abgeklärtheit entwickelt, sodass man in der Lage ist, die Beziehungsdynamik aus einer größeren Distanz heraus anzunehmen.


    Beim dritten Punkt würde ich wiederum unterscheiden wollen. Zum einen defintive Punkte, die man sich vorher setzt (z.B. dass man Leute mit bestimmter Einstellung von vorneherein ablehnt) und Punkte, die man nicht wissen kann, bevor man eine Person besser kennen gelernt hat; hier besteht also ein gewisses Risiko.

    Zitat

    Auf der anderen Seite des Extrems würden mir wiederum Leute einfallen, die bereit sind, sehr viel zu geben, aber keine Erwartungen hegen bzw. Gegenleistungen ablehnen. Wie würde man dies einbringen?

    Auch Menschen, die sehr viel geben, profitieren, nur auf eine andere Art und Weise und von außen nicht so ersichtlich.

    Kosten-Nutzen-Rechnung klingt schon sehr sachlich. Ich denke da eher in Aufwand-Nutzen-Rechnung, klingt aber nicht weniger sachlich und Gefühlslos.


    Aber sachlich gesehen, wenn ich keinen Nutzen von einer Beziehung habe, für was habe ich dann eine Beziehung?


    Der Nutzen sollte für mich sein, dass ich mich wohl, glücklich und geliebt fühle, dass ich tollen Sex habe, schöne Gefühle, ich gerne Zeit mit dieser Person verbringe, meine Lebensqualität steigt usw. Ich gehe keine Beziehung ein, wenn ich keinen Nutzen davon habe, dann kann ich auch Single bleiben. Ich gehe eine Beziehung ein, weil ich davon einen Mehr-Nutzen habe, ich mache das für mich und nicht für den Anderen.


    Mein Partner ist ja auch mit mir zusammen, weil er sachlich gesehen einen Mehr-Nutzen mit mir hat im Gegensatz zu seinem vorherigen Single-Leben.


    Und wenn auf längere Zeit der Aufwand zu gross wird und den Nutzen ständig übersteigt, dann lohnt sich die Beziehung für mich nicht mehr.


    "Nutzen" klingt einfach absolut nicht romantisch und rosa im Liebes-Thema.

    Zitat
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    Auf der anderen Seite des Extrems würden mir wiederum Leute einfallen, die bereit sind, sehr viel zu geben, aber keine Erwartungen hegen bzw. Gegenleistungen ablehnen. Wie würde man dies einbringen?

    Auch Menschen, die sehr viel geben, profitieren, nur auf eine andere Art und Weise und von außen nicht so ersichtlich.

    :)^ so selbstlos sind diese Menschen auch nicht. Irgendeinen Nutzen ziehen auch diese Menschen von ihrem Verhalten ;-)

    Genau! Der Mensch ist durch und durch ein egoistisches Wesen. Alles, was er freiwillig und gerne macht, macht er aus einem bestimmten Grund für sich selbst.


    Auch purer Altruismus verschafft dir ein Glücksgefühl. Du hilfst nicht der Hilfe willen, sondern weil du gerne hilfst und es dich glücklich und zufrieden macht. Genauso wie es dich glücklich machen kann, über diich selber zu sprechen oder deiner Freundin ein Auto zu kaufen oder oder oder.


    Letztendliche ist jede Handlung aus eigener Motivation auf dich selbst bezogen.


    Ich tue mich ein bisschen schwer mit deinen Punkten. Irgendwie verstehe ich sie auch gar nicht.

    Zitat

    Alter, Beziehungserfahrung und bestimmte Erwartungen, mit denen man eine B. eingeht. Bei den ersten beiden wäre es interessant, herauszufinden, ob sich mit höherem Alter und/oder mehr Beziehungserfahrung eine gewisse Abgeklärtheit entwickelt, sodass man in der Lage ist, die Beziehungsdynamik aus einer größeren Distanz heraus anzunehmen.

    Was möchtest du damit sagen? Ich verstehe den Satz nicht. Auch deine Punkte sind unheimlich schwer zu verstehen, weil sie Sätze sehr lang sind und das Verb meist am Ende steht, sodass man gar nicht mehr weiß, um was es eigentlich geht. Die ganzen eingeschobenen Nebensätze machen es zusätzlich schwer, zu folgen.


    Ich hab es jetzt vier Mal gelesen und hab immer noch keine Ahnung, um was es eigentlich geht.


    Kannst du ganz klar in einem Satz mit klaren ausrucken, was du meinst? Das Thema ist eigentlich ziemlich brisant. Ich hätte mehr Antworten erwartet, aber ich vermute, dass ich nicht die Einzige bin, die Verständnisschwierigkeiten hat.

    Zitat

    Auch purer Altruismus verschafft dir ein Glücksgefühl.

    Aber auch nur solange, solange du nicht merkst, dass du nur parasitär ausgenutzt wirst.


    Insofern halte ich eine Beziehung auch problematisch, wenn der eine Beziehungspartner eher Parasit, also Nutznießer ist und der andere Partner der Wirt, der ausgenutzt wird. Beziehungen sollten symbiotisch sein, d.h. beide Beziehungspartner sollten an der Beziehung profitieren- insbesondere beiden Glücksgefühle verschaffen und für keinen der Partner Empfindungen des Ausgenutztseins hervorrufen (z.B. arbeitsmäßig oder finanziell).

    Erlkönigs.Tochter

    Zitat

    Eine mir nahestehende Person A hat bereits zwei-, dreimal die Aussage getroffen, dass sie Beziehungen aller Art (egal, ob freundschaftlich, partnerschaftlich etc.) nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip beurteilt.

    Ich kenne keine andere Art von Beziehung - egal ob bei mir oder sonst jemandem.

    Zitat

    1) dieser Gedanke ist sehr bequem, solange man in der Nutznießerposition ist und profitiert --> unbequem wird es, sobald man selber in der Bringschuld ist, bzw. in die Lage verfällt, selber keinen Nutzen mehr in einer Beziehung zu haben; sich quasi mit dieser Argumentation "ausbootet"

    Hängt davon ab. Es gibt ja Menschen, die glücklich sind, wenn sie anderen helfen (Atruismus). Wenn sich also so jemand mit dem entsprechenden Part zusammentut, dann funktioniert es sehr gut. Die Problematik der Bringschuld ergibt sich erst, wenn der/die Helfende irgendwann doch nicht mehr nur dann glücklich ist, wenn er/sie gibt und eine Bringschuld einfordert, die wiederum der Partner auf diese Weise nicht bereit ist zu erbringen.

    Zitat

    2) spätestens wenn man in der Lage ist, sich selber seine sozialen Beziehungen auszusuchen und dies mit zunehmender Freiheit, wenn man älter wird (also erste Freundschaften, Liebesbeziehungen, Single, Ehe, alles vorstellbare halt^^), wird dieses Prinzip hinfällig, da man ja immer die Freiheit hat, eine Beziehung zu verfolgen, oder es zu lassen und alle diese Beziehungen auf freiwilliger Basis eingegangen worden sind und nicht aus einer vorigen Abhängigkeit entstanden sind

    Wenn ich jemanden brauchen würde, müsste ich doch ständig nach jemandem Ausschau halten, der genau das abdeckt. Wenn ich z. B. Bewunderung brauche, muss ich mir einen Partner suchen, der bewundert. Das wäre Abhängigkeit. Nur, wenn eine Beziehung freiwillig eingegangen wird, kann ich mir meinen Nutzen aussuchen. Ich biete das, ein andere das und entsprechend gehe ich die Beziehung ein. Das ist ja völlig unterschiedlich, ob es emotionale, äußerliche oder materille Dinge sind. Ich denke auch nicht, dass jeder unbedingt bewusst aufwiegt, aber durchaus gibt es solche Beziehungen. z. B. reiche ältere Männer, die eine hübsche junge Frau wollen. Da ist der Kosten-Nutzen klar und doch auch völlig legitim. Wenn beide das davon haben, was sie wollen - na wunderbar.

    Zitat

    Was sagt ihr dazu? Wie seht ihr das? Seid ihr jemals mit dem Gedanken der Kosten-Nutzen-Rechnung Beziehungen eingegangen? Oder würdet ihr nach allgemeiner Überlegung zustimmen/ablehnen?

    Zustimmen. Wenn ich jemanden nicht liebe, dann würde ich z. B. keine Partnerschaft eingehen. Ich würde niemandem eine Freude machen, wenn ich mich nicht auch darüber freuen würde, etc. etc. Um wen sonst soll es mir gehen, wenn nicht um mich. Als selbstverantwortlicher Mensch, bin ich für mich verantwortlich. Genauso suche ich mir auch selbstverantwortliche Menschen, der eben hoffentlich in der Lage ist zu entscheiden ob und worauf er Wert legt.

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    Beim Kosten-Nutzen-Prinzip fühlt es sich an, als ob um nur um den Vorteil einer einzigen Person ginge

    Kosten Nutzen ist für mich dasselbe, wie Geben und Nehmen. Ich muss etwas bekommen – was, ist natürlich subjektiv, aber natürlich muss ich einen Nutzen haben.

    Zitat

    Und genau hier sehe ich auch mögliche Ansatzpunkte, dass eben eine Person A dadurch eher geneigt ist, auszunutzen, wenn sie nach dem KNP handelt.

    Also, wenn sich eine Person ausnutzen lässt, dann ist die andere "Schuld"? Menschen, die gerne geben, haben doch den Nutzen darin, weil sie genau das glücklich macht (nennt man in der Regel altruistisch). Dafür bin doch nicht ich verantwortlich.

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    Auf der anderen Seite des Extrems würden mir wiederum Leute einfallen, die bereit sind, sehr viel zu geben, aber keine Erwartungen hegen bzw. Gegenleistungen ablehnen. Wie würde man dies einbringen?

    Erwartungen kann ich ja erst aufstellen, wenn ich weiß, was mir jemand anbietet, also gibt.

    Wollte nur sagen, dass ich alle weiteren Antworten gelesen habe, aber in den nächsten Tagen leider nicht zum Antworten kommen werde, da ich verreise.


    Werde das hoffentlich nachholen und den einen oder anderen Punkt deutlicher machen.


    Schöne Feiertage @:)

    Zitat

    Beim Kosten-Nutzen-Prinzip fühlt es sich an, als ob um nur um den Vorteil einer einzigen Person ginge

    Weißt du denn, um welchen Nutzen es dieser dir bekannten Person geht? Ich finde, da gibt es wichtige Abstufungen. Meint sie vielleicht, dass sie in einer Freundschaft/Beziehung nicht ausgenutzt werden will und deshalb genausoviel investiert, wie sie bekommt?


    Oder möchte sie mehr Nutzen haben als Kosten? Und wenn ja, geht es dabei eher um Gefühle, oder um materielle Dinge? Es gibt Menschen die sich in Gefühlsdingen lieber auf der sicheren Seite sehen, also man investiert gefühlsmäßig selbst wenig, bekommt aber viel Liebe und Aufmerksamkeit. Das könnte ein Zeichen von Bindungsangst sein.


    Oder geht es mehr um materiellen Nutzen? z.b Freunde die einen oft mal einladen, Geld leihen, oder das Auto reparieren, ohne das man selbst viel tun muss?

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    Was sagt ihr dazu? Wie seht ihr das? Seid ihr jemals mit dem Gedanken der Kosten-Nutzen-Rechnung Beziehungen eingegangen? Oder würdet ihr nach allgemeiner Überlegung zustimmen/ablehnen?

    Ja ich erstelle immer gerne Pro und Kontra Listen :-) Letztendlich beeinflusst das aber meine Entscheidung für oder gegen eine Person nicht. Auch wenn ein Mensch sehr viele schlechte Eigenschaften hat, die mich stressen und Nerven kosten, so kann ich ihn trotzdem gern haben.