Krach mit meinem Mann – wie reagieren?

    Hallo liebe Gemeinde,


    ich suche Rat bei euch, weil ich im Moment nicht so genau weiß, wie ich mich verhalten soll.


    Mein Mann und ich sind seit über 10 Jahren ein Paar und glücklich miteinander verheiratet. Wir haben ein sehr inniges Verhältnis, sind sehr vertraut miteinander und trotzdem ziemlich unabhänigig voneinander.


    Früher hatten wir oft das Problem, dass Streits wegen Nichtigkeiten sehr ausgeartet sind, das heißt, sie wurden ziemlich hässlich. Mein Mann ist jähzornig, flippt aus und greift dann ziemlich weit unten in die Schublade. Ich finde das unmöglich, hab aber nichts zur Deeskalation getan. Irgendwann haben wir uns immer aufgerafft und in den letzten Jahren hat das sehr abgenommen und wir haben meist die Kurve bekommen.


    Jetzt ist es aber so, dass wir uns vor 2-3 Wochen schon einmal richtig gezofft haben. Es ging wie immer nur um Kinkerlitzchen, schließlich wurde mein Ton schärfer und mein Mann ist wieder ausgeflippt und hat Sachen von sich gegeben, die mich bewusst sehr treffen sollten und es auch getan haben. Dennoch – eine wichtige Entscheidung stand an, ich habe irgendwann normal mit ihm gesprochen und sein Verhalten hat ihm sehr leidgetan und er hat sich sehr entschuldigt für das, was er gesagt hat. Ähnlich wie früher.


    Heute war es dann aus heiterem Himmel wieder soweit. Wir haben beide frei, haben entspannt und toll Weihnachten miteinander gefeiert, aber heute morgen habe ich schon gemerkt, dass die Stimmung schlecht ist. Ich fühlte mich ständig zurechtgewiesen, reagierte darauf dann in einem scharfen Tonfall, bis er irgendwann ausflippte und mir vorwarf, ich würde ihn wie ein kleines Kind anmaulen und er nicht so mit sich reden lassen – im Grunde das Verhalten seinerseits, dass mich zu diesem Tonfall bewegt.


    Jedenfalls fing er dann wieder an rumzuschreien, holte immer weiter aus, ich hab zurückgeschrien und ihm dann irgendwann aufgezählt, was er jetzt als nächstes – "wie immer" – machen würde – sich nicht einkriegen, sich immer weiter hochputschen, in die unterste Schublade greifen, versuchen, mich zu treffen. Das hat ihn irritiert, er konnte aber nicht aufhören und ich bin dann – wie immer – in mein Arbeitszimmer gegangen und hab die Tür hinter mir zugemacht, woraufhin er noch ein bisschen rumschrie, er würde sich dieses unreife Spielchen nicht gefallen lassen und das diesmal genauso durchziehen und auch nicht mit mir sprechen.


    Nichtsdestoweniger hat er heute Mittag für mich mitgekocht, mir das Essen aber in der Küche stehen lassen.


    Eben bin ich dann zu ihm ins Wohnzimmer und wollte, obwohl ich wegen seines Verhaltens immer noch extrem sauer war, mit ihm reden, weil ich es schade finde, dass sich unser Streitverhalten nach den Jahren, in denen wir dran gearbeitet haben, wieder so verschlechtert. Nachdem sich die Gemüter abgekühlt haben, finde ich nämlich, dass weiteres Schweigen nichts bringt. Er hat mich sofort angefaucht, er wäre immer noch stinksauer, diesmal würde er nicht "klein beigeben" und er hätte keinen Bock, mit mir zu sprechen. Ich bin dann wortlos gegangen und hab die Tür hinter mir wieder zugemacht. Dieses Szenario ist ziemlich ungewöhnlich für uns.


    Jetzt ist das Problem – was tun?


    Einerseits erkenne ich zu meiner Überraschung, dass er echt sauer ist und sich deshalb total im Recht fühlt.


    Andererseits sehe ich absolut ihn als Aggressor in der Sache und bin jetzt so richtig sauer.


    Was würdet ihr machen?

  • 10 Antworten

    Setzt euch doch mal zusammen und redet über das Verhalten während des Streits. Ihr macht beide Fehler.


    Schreien bringt sowieso nichts. Sobald er anfangen würde zu brüllen, würde ich ihn darauf hinweisen, dass er weiter mit mir reden kann, wenn sich seine Tonlage beruhigt hat.


    Ich versteh nicht, warum das so ausahtet. Oder liegt da was im Argen? Manchmal ist man ja sofort auf 180, wenn man sowieso noch was im Kopf hat.

    Zitat

    Jetzt ist es aber so, dass wir uns vor 2-3 Wochen schon einmal richtig gezofft haben. Es ging wie immer nur um Kinkerlitzchen,

    Wenn ich wegen Kleinigkeiten nicht mehr angemessen reagiere, ist das für mich ein ganz deutliches Zeichen dafür, dass sowieso irgendwelche Dinge in mir brodeln. Die ich mit mir rumschluppe, schon angesprochen oder noch beobachtend.


    Kann es bei euch evtl. ebenso sein? Dass es viel tiefere Dinge, als diese Kinkerlitzchen sind, über die ihr zofft?

    Die ganze Story klingt ;-) nicht nur nach einem Streit, sondern nach der Definition des Überlegenen. Er benimmt sich gerade so patzig und unreif, weil Du ihm seinen Platz streitig gemacht hast – das ist der Punkt, an dem ihr ansetzen müsst.


    LG

    Danke für eure Antworten.

    Das habe ich ja gestern versucht, doch er hat es abgeblockt. Es ist auch nicht so, als hätten wir das nicht schon zigmal gemacht. Es hat auch viele Jahre geholfen, nur plötzlich ist es fast wieder wie früher.


    Ich schreie ja auch. Und auf irgendwas hinweisen bringt in der Situation nichts.


    Ich verstehe auch nicht, warum das so ausartet. Nein, von mir kann ich sagen, dass da überhaupt nichts im Argen liegt. Ich denke auch nicht, dass es bei ihm so ist, aber ich gucke ja auch meinem Mann nur vor die Stirn.

    Zitat

    Wenn ich wegen Kleinigkeiten nicht mehr angemessen reagiere, ist das für mich ein ganz deutliches Zeichen dafür, dass sowieso irgendwelche Dinge in mir brodeln. Die ich mit mir rumschluppe, schon angesprochen oder noch beobachtend.


    Kann es bei euch evtl. ebenso sein? Dass es viel tiefere Dinge, als diese Kinkerlitzchen sind, über die ihr zofft?


    BloodyAngel

    Von meiner Seite aus nicht. Ob er in dieser Situation etwas ausbrütet, weiß ich natürlich auch nicht, aber ich denke wie gesagt nicht. Es war auch früher nicht so, dass grundlegendere Dinge dahintersteckten. Es ist halt einfach eine total miese Streitkultur.

    Zitat

    Die ganze Story klingt nicht nur nach einem Streit, sondern nach der Definition des Überlegenen. Er benimmt sich gerade so patzig und unreif, weil Du ihm seinen Platz streitig gemacht hast – das ist der Punkt, an dem ihr ansetzen müsst.


    LG


    SmillaGolightly

    Wie meinst du das genau? Und wie kommst du darauf? Da klingt nämlich etwas bei mir an, aber darauf wäre ich in der Situation nie gekommen.

    Es geht nicht um die Kinkerlitzchen.


    Es geht bei Deinem Mann vermutlich mehr um ein unterschwelliges "Irgendetwas passt mir nicht. Ich bin sauer. Wohin damit?" dass dann wegen eines "Kinkerlitzchens" explodiert. Ich vermute mal, dass Dein Mann eher vor sich hin brütet und pottet, als ein Problem wirklich konkret anzusprechen – was dazu führt, dass er sich Ersatzprobleme sucht. Und Du bist eben gerade da.


    Aus diesem Problem ergibt sich für ihn nun zwangsläufig die Erkenntnis, dass er in Bezug auf sein Problemlösungs- und somit Streitverhalten ein Defizit hat. Das bedeutet, in einem eigentlich sinnlosen Streit muss er die Oberhand behalten, da es für ihn eben im Unterbewusstsein kein Kinkerlitzchenstreit ist. Für ihn ist es eine Frage des Egos und des im-Recht-Seins.

    Zitat

    Mein Mann ist jähzornig, flippt aus und greift dann ziemlich weit unten in die Schublade.

    Siehe oben.

    Zitat

    Ich finde das unmöglich, hab aber nichts zur Deeskalation getan.

    Womit er sich – trotz der beschriebenen Verbesserung- daran gewöhnt hat.


    Damit kommen wir zum aktuellen Streit:

    Zitat

    Ich fühlte mich ständig zurechtgewiesen, reagierte darauf dann in einem scharfen Tonfall, bis er irgendwann ausflippte und mir vorwarf, ich würde ihn wie ein kleines Kind anmaulen und er nicht so mit sich reden lassen – im Grunde das Verhalten seinerseits, dass mich zu diesem Tonfall bewegt.

    Aktion – Reaktion: Er ist pampig, weswegen wissen wir nicht. Du kriegst es ab und hast keine Lust, Dir den Tag versauen zu lassen. Er nimmt das persönlich und geht in die Offensive. Aber: Es wirkt wie eine sehr defensive Offensive, denn er projiziiert sein Verhalten auf Dich und kritisiert an Dir, was er tut. Ergo: Schuldgefühle seinerseits.

    Zitat

    Jedenfalls fing er dann wieder an rumzuschreien, holte immer weiter aus

    Rechtfertigung und Egoaufbau, go!

    Zitat

    ich hab zurückgeschrien und ihm dann irgendwann aufgezählt, was er jetzt als nächstes – "wie immer" – machen würde – sich nicht einkriegen, sich immer weiter hochputschen, in die unterste Schublade greifen, versuchen, mich zu treffen.

    Womit Du sein Ego und seine psychologische Kriegsführung mit einer Atombombe beschossen hast.


    Er kommt mit seiner Taktik, die jahrelang funktioniert hat, plötzlich nicht mehr zum Ziel.


    Also kein Wunder:

    Zitat

    Das hat ihn irritiert, er konnte aber nicht aufhören


    [...]


    woraufhin er noch ein bisschen rumschrie, er würde sich dieses unreife Spielchen nicht gefallen lassen und das diesmal genauso durchziehen und auch nicht mit mir sprechen.

    Treffer und versenkt. Du hast ihn völlig im Regen stehen lassen und ihm seine altbewährte Zielscheibe weggenommen. Jetzt hat er ein Problem.


    Wie soll er sich verhalten? Sich entschuldigen? Das geht auf keinen Fall. Er ist im Recht. Das war doch immer so. Aber...Du bist seine Frau. Deswegen die Ehe riskieren? Auch keine Option. Also ein "Kompromiss":

    Zitat

    Nichtsdestoweniger hat er heute Mittag für mich mitgekocht, mir das Essen aber in der Küche stehen lassen.

    Abwarten...vielleicht kommt sie ja und entschuldigt sich.

    Zitat

    Eben bin ich dann zu ihm ins Wohnzimmer und wollte, obwohl ich wegen seines Verhaltens immer noch extrem sauer war, mit ihm reden, weil ich es schade finde, dass sich unser Streitverhalten nach den Jahren, in denen wir dran gearbeitet haben, wieder so verschlechtert.

    "????!!! Du hast meine Methode in Frage gestellt und bist mir damit auf den Schlips getreten und jetzt kommst Du mir damit?! Vergiss es!"

    Zitat

    Er hat mich sofort angefaucht, er wäre immer noch stinksauer, diesmal würde er nicht "klein beigeben" und er hätte keinen Bock, mit mir zu sprechen.

    Zitat

    Ich bin dann wortlos gegangen und hab die Tür hinter mir wieder zugemacht.

    Also immer noch keine Entschuldigung. Daraus folgt:

    Zitat

    dass er echt sauer ist und sich deshalb total im Recht fühlt.

    Und damit brütet er im stillen Kämmerlein vor sich hin und kann nicht vor und nicht zurück. Gefangener seines Egos, wenn man so will.


    Nun zu Dir:

    Zitat

    Andererseits sehe ich absolut ihn als Aggressor in der Sache und bin jetzt so richtig sauer.

    Du hast völlig Recht und es ist auch in Ordnung, dass Du so fühlst. Dennoch wirst Du es sein, die den ersten Schritt macht, er wird sonst noch geraume Zeit brütend und fauchend in der Ecke sitzen.


    1. Keine Grundsatzdiskussion.


    Ein "Schatz, es tut mir leid wie der Streit heute gelaufen ist, das können wir anders lösen "


    klingt besser als ein "Wir haben so lange daran gearbeitet uns nicht so zu streiten und jetzt funktioniert es schon wieder nicht!".


    Wichtig: Im oberen Satz gestehst Du weder Schuld ein noch weist Du ihm selbige zu!


    "Schatz, es tut mir leid(Will er hören und wird ihn besänftigen. Kontext egal.)


    wie der Streit heute gelaufen ist (Schicksal. Keiner ist Schuld.),


    das können wir auch anders lösen (Legt das Thema gefühlsmäßig ad acta und gibt einen Ausblick in die Zukunft.) "


    2. Du brauchst eine eigene Streitstrategie.


    Bis jetzt hast Du immer auf ihn reagiert, außer diesmal.


    Es ist wichtig, dass Du ihn in Zukunft ausbremst, bevor der Streit eskaliert und er sich nach der Schublade bücken kann.


    -"Schatz, Du wirkst angespannt. Kann ich irgendetwas für Dich tun oder willst Du Deine Ruhe?"


    Wenn er pampig reagiert, freundlich bleiben und sagen "Dann lasse ich Dich besser in Ruhe" und aus dem Zimmer gehen. Regt ihn zum Nachdenken an und verhindert unter Umständen den Streit komplett.


    - Sollte es zum Streit kommen: State break.


    Er ist aggro. Er will Streiten, Argumente sind ihm gerade relativ egal. Aber: Ein Satz wie "Die Mauer ist nicht vier Meter hoch" wird ihn aus dem Konzept bringen und Du kannst einhaken.


    "Die Mauer ist nicht vier Meter hoch." "HÄ?!" "Die Mauer ist nicht vier Meter hoch. Ist der Löffel/ die Tapete/die Eissorte wirklich so wichtig, dass wir uns deswegen streiten? Komm, ich mache uns einen Kaffee."


    Damit etablierst Du die Stimmung und Dynamik der Situation und es kann konstruktiv weitergehen.


    LG & viel Erfolg,


    Smilla @:)

    Frag ihn doch mal, was genau er mit KleinBeigeben meint...daran scheint er sich ja festgebissen zu haben und bezieht sich wohl auf etwas, was seiner Meinung anch in der Vergangenheit passiert ist/wo er kleinbeigegeben hat, und was vermutlich jetzt seine Wut verstärkt. Denke dass ist der Ansatzpunkt. Und bitte versuch, trotz allem Verständnis und ein offenes Ohr für ihn zu haben. Er scheint sich einfach in einem gewissen PUnkt absolut nicht von dir verstanden zu fühlen und blockt dann einfach ab. Eigentlich wäre es seine Aufgabe, dir das zu sagen, aber du musst es jetzt aus ihm herauslocken ;-)

    Zitat

    Andererseits sehe ich absolut ihn als Aggressor in der Sache

    Da würde ich anfangen: Nicht was macht der andere falsch, sondern was machst du selbst falsch. Ihr beide wisst doch sehr genau, welche Knöpfchen man beim anderen drücken muss um den Streit eskalieren zu lassen. Dementsprechend müsst ihr beide überlegen, was ihr selbst tun könnt um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.

    Danke für eure Antworten!


    Smilla, das hast du alles sehr schön analysiert. Und deine Ideen für zukünftige Lösungen sind auch wirklich gut und haben in der Vergangenheit so oder so ähnlich auch mal gut funktioniert. Das Problem ist: Wir haben beide eine miese Streitkultur. Das ist nicht er allein, auch wenn ich das oft gerne so sehen möchte.


    Und das wird oder war zumindest auch jetzt das Problem – ich habe mich ja selbst auch nicht im Griff. Ich bin auch giftig. Ich unterschätze nur immer gerne meinen Tonfall und was ich so sage, weil ich eben nicht wie er in unterste Schubladen greife.


    Aber ich denke, ich muss einfach zukünftig mehr auf Signale achten und dann mal überlegen, wie und was ich sage und die Sache eventuell vorher bremsen.


    Und zwar, und damit komme ich auch zu euch, imÜbergang und gato, hat er sich tatsächlich heute Mittag entschudigt und mir erklärt, was ihn so sauer gemacht hat – nämlich mein Tonfall ihm gegenüber in vorausgegangenen Situationen. Von Berufs wegen muss ich oft Anweisungen geben, und er kann das gar nicht ab, wenn ich diesen Ton ihm gegenüber anschlage. War mir nicht bewusst und auch nicht so gemeint, aber dass er darauf reagiert hat, habe ich ja sofort gemerkt.


    Puh, komplizierte Kiste.


    Jedenfalls haben wir uns ganz lange ausgesprochen und uns ein paar Strategien überlegt, wie wir zukünftig wieder versuchen können, souveräner mit solchen Situationen umzugehen.


    Das Ur"problem" liegt wohl darin begründet, dass ich die Hauptverdienerin bin, ein ziemlich ungewöhnliches Konzept. Ich denke, sein männliches Ego leidet darunter ab und zu doch noch, auch wenn er weiß, wie quatschig das ist. Das macht ihn aber empfindsamer dafür, wenn ich mich scheinbar herablassend verhalte. Da irgendwo wird der Hund wohl begraben liegen, darauf müssen wir halt beide irgendwie achten.


    Vielen Dank für den Austausch, es tut immer gut, wenn man den Frust auch mal woanders lassen und andere Meinungen lesen kann!