Kündigen im Familienbetrieb

    Hallo, ich muss mir mal was von der Seele reden.


    Ich arbeite seit 10 Jahren im Familienbetrieb. Zuerst war mein Vater mein Chef und nun seit 2 Jahren hat mein Bruder übernommen. Allerdings kommt mir das gute Gefühl was ich bei meinem Vater hatte abhanden. Das die Bezahlung durchaus nicht ganz ok war wurde du die Freundlichkeit und Güte meiner Eltern weg gemacht. Ich fühlte mich richtig gut und wohl. Nun ist die Situation anders es fehlt mir einfach was sodass mir auch die geringe Bezahlung immer mehr aufstösst ich aber sehe, dass es wirtschaftlich nicht wirklich geht sie zu erhöhen. Nach vielen schlaflosen Nächten habe ich beschlossen mich zu Bewerben. Auch wenn ich gerade erst am Schreiben der ersten Bewerbung bin wird mir jetzt schon Angst und Bange was wird wenn ich eine neue Stelle gefunden habe. Ich fühle mich schlecht und wenn ich meinen Bruder auf Arbeit sehe komm ich mir wie ein Verräter vor. Das belastet mich alles sehr. So nun ist es geschrieben ich danke euch schon mal für eure offenen Ohren.

  • 19 Antworten

    Es sind Kleinigkeiten die fehlen aber ins Summe Ist es eben doch einiges. Es geht bei einem fehlenden Danke los und es hört auf damit dass er unseren Vater der immernoch mitarbeitet obwohl das mit seinen 74 Jahren nicht sein müsste für Dinge die er lieb meint vollmault (der Begriff klingt jetzt etwas zu hart aber mir fällt nix anderes ein). Vor allem graut mir wenn mein Papst mal nicht mehr auf Arbeit kommt. Irgendwie muss ich die Kurve bekommen. Das geht sonst in unserem Geschwisterverhältnis nicht weiter gut.

    Warum hat denn eigentlich dein Bruder übernommen und nicht ihr beide zusammen?


    Ich würde weder die Angestellte meines Bruders sein noch seine Vorgesetzte. Es würde mich stören, nicht auf einer Ebene zu sein.


    Spielt dieser Aspekt bei dir eine Rolle in den unguten Gefühlen?

    Ich wollte nicht dass wir das zusammen machen weil ich denke dass wir zu unterschiedliche Ansichten über die Firma haben. Und jetzt stehe ich davor diese Hintertür die ich mir gelassen habe zu nutzen aber ich habe so ein furchtbar schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber. Obwohl meine Mutter, die einzige die davon im Moment weiss, mich verstehen kann.

    musst du aber nicht, wenn wirklich nur eine Angestellte bist, und auch nur solche Aufgaben machst. Oder übernimmst doch auch Aufgaben, die eine echte Angestellte nicht übernehmen würde, weil sie eben nicht zur Firma gehört? Wenn man in einem Familienbetrieb arbeitet, dann macht man ja manche Sachen eher, weil es kein Zwang ist, sondern die eigene Firma.

    Zitat

    Ich wollte nicht dass wir das zusammen machen weil ich denke dass wir zu unterschiedliche Ansichten über die Firma haben.

    Aha, klingt nach Weitsicht. :)^

    Zitat

    Und jetzt stehe ich davor diese Hintertür die ich mir gelassen habe zu nutzen aber ich habe so ein furchtbar schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber.

    Dein schlechtes Gewissen ist nachvollziehbar, aber eigentlich echt nicht nötig. :)*


    Vielleicht hilft es dir für die Argumentation, wenn du dich weniger auf die Dinge beziehst, die dich jetzt stören und wegtreiben, sondern vielmehr die Dinge betonst, die eine berufliche Veränderung reizvoll machen. Selbst wenn in der Firma deines Bruders sich alles optimal entwickeln würde, gibt es sicher Dinge und Perspektiven, die dir dieses Unternehmen einfach niemals bieten wird können.


    Da findet sich vielleicht einge gute (und nicht gelogene) Begründung für deinen Wechsel, die weder deinen Bruder noch deinen Vater kränkt. :)*


    Alles Gute für die Jobsuche!

    Ich finde, du solltest dich klarer und unverblümter ausdrücken. Halt konstruktiver und direkter.


    1) Gibt es noch eine Chance, dass du bleibst? Was müsste sich dafür ändern?


    * mehr Aufträge/Umsatz -> daraus mehr Gehalt an dich (Zahl nennen)


    * dazu ab und an ein nettes Wort und ein Danke an dich


    * dein Bruder soll den Vater nicht anmaulen


    * es soll ein Plan gefunden werden, wie der Vater aus dem Familienbetrieb in seinen Ruhestand wechseln kann, aber nicht dazu gedrängt wird (Kann denn dein Vater nicht für sich selbst sorgen? Er wird doch wissen, was ihm gut tut.)


    Ginge das so? Sind das alle Punkte/Veränderungen, die du dir wünschst?


    Die Unterschiede über die Betriebsführung (Bruder ggü deiner Sicht) könntet ihr auch besprechen, aber ich habe den Eindruck, das wurde schon oft besprochen und bringt insofern inhaltlich nicht viel.


    2) Oder ist der Zug abgefahren und du möchtest woanders arbeiten? Dann geht es doch an sich nur um die Übergabe deiner Arbeitsinhalte auf die Nachfolgeperson/en. Also dann deinen Bruder und Vater möglichst früh einbeziehen, und nicht den jetzigen Betrieb madig machen, sondern lieber darstellen, was dich woanders reizt! Und eben besprechen, wie sich der Übergang für beide Seiten gut gestalten lässt mit einer Planung. Du achtest dabei auf deine Seite (günstig für deine Bewerbungen und deinen beruflichen Absprung) und dein Bruder auf die Seite des Familienbetriebes (günstig für den Betrieb).


    Und familiär bleibt ihr doch verbunden.


    Ich glaube, wenn jeder mehr für sich denkt und offener kommuniziert, gibt's da auch weniger Probleme.

    Zitat

    Ich wollte nicht dass wir das zusammen machen weil ich denke dass wir zu unterschiedliche Ansichten über die Firma haben.

    Du denkst das Du und dein Bruder unterschiedliche Ansichten habt. Hast Du mit ihm nicht darüber gesprochen? Unterschiedliche Meinungen zu haben, kann ja auch zum Vorteil aller (Firma) führen.


    Dir fehlt ein Danke und dir graust es jetzt schon, wenn dein Vater ganz aufhört. Dein Bruder hat den Betrieb übernommen, dein Vater mischt sich immer noch ein. Vllt. hat dein Bruder sich das anders vorgestellt und mault deshalb rum?! Ich habe den Eindruck, jedem von euch ist noch nicht klar geworden wie es denn nun weiter gehen soll/kann. Alle haben Wünsche und Bedürfnisse, die evtl. noch nie angesprochen wurden. Wenn das so sein sollte, wäre es doch gut sich mal an einen runden Tisch zu setzen. Dann kann jeder auch zum Ausdruck bringen, wie der Betrieb weitergeführt werden kann/soll. Auch das was dir fehlt - ein danke, höheres Einkommen - solltest Du offen sagen. Wäre das eine Möglichkeit für dich und deine Familie?

    Und das Prinzip "Doppelspitze" (zwei gleichberechtigte Chefs im Familienbetrieb) kenne ich auch eher als problembehaftet, weil Verantwortung nicht teilbar ist. Es mag aber gehen, wenn eine gute Aufgabenteilung gefunden würde. Oder sich beide blind verstehen. Das scheint ja hier aber beides nicht der Fall.


    Einen rationalen Punkt würde ich nicht ganz außer Acht lassen: deine finanziellen Wechselwirkungen mit dem Familienbetrieb. Denn du bist ja auch Erbin. Ihr seid doch alle drei erwachsen.


    * mit deiner Kündigung entfällt auch dein Gehalt, das ist auch eine Chance für den Betrieb in Zeiten knapper Aufträge. Abfindung wird ja vermutlich kein Thema sein.


    * du solltest drauf achten, dass du ggf. Betriebs-Anteile behältst oder ausgezahlt wirst. Das könnte sich schwierig gestalten, wenn das nur per Kredit ginge, aber der Familienbetrieb/Bruder durch schlechte wirtschaftliche Lage Schwierigkeiten hat, den zu bekommen.


    * du könntest mit deinem externen Job und einem besseren Gehalt (wenn mal realisiert) dort auch extern Geld verdienen und einen Teil zurück in den Betrieb des Bruders investieren


    * ihr solltet also drüber sprechen, inwiefern du "nur als Mitarbeiterin" rausfällst, aber z.B. Teilhaberin bleibst und wie die Eltern ihre Lebensleistung später mal an die Kinder weitergeben


    * wenn du mit deinem neuen Job in der Branche/Region bleiben solltest, ergeben sich da auch Chancen in der Zusammenarbeit der Unternehmen, aber auch Risiken der Konkurrenz. Muss jeder für sich wissen, wo da "schlechte" Vetternwirtschaft anfängt und wo sich eben ein Vorteil in der Kommunikation und Kooperation sich bildet.


    Ich lasse das mal so abstrakt, weil konkreter haben wir ja auch den Sachverhalt nicht.

    Danke für jede Menge Meinungen, Überlegungen, Blickwinkel....


    Es handelt sich hierbei um einen wirklich kleinen Betrieb. Es gibt neben der Familie nur 2 Kollegen. Daher habe ich Einblicke und Zugriffe auf Sachen die mann ungern fremden übergibt. Erbtechnisch gibt es keine Probleme, das ist geklärt und alle sind damit einverstanden.


    Ursprünglich hab ich ja auch was anderes gemacht. Bin eigentlich nur eingesprungen als meine Mutter an Krebs erkrankte. Und dann hängen gebliebenen. Aber genau in der Zeit ist mir bewusst geworden wieviel Herzblut und Engagement meine Eltern investiert haben und wie schön es in Familie ist. Daher auch das schlechte Gewissen.


    Neben dem Geld ist für auch der Reiz was neues zu machen. Aktuell komm ich im Beruf ja nicht mehr weiter.


    Ich wünsche euch erstmal einen schönen Abend.

  • Gast

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