Künstliche Distanz

    Hallo liebe Mitglieder,


    ich bräuchte einmal dringend neutrale Meinungen. Ich versuche mich kurz zu fassen: Ich bin 26 Jahre alt und lebe in Wales. Das erste Mal war ich hier nach meinem Bachelor und habe ein Jahr Freiwilligenarbeit gemacht, dann ging es zurück nach Deutschland für ein Jahr Master, das zweite Jahr davon habe ich wieder hier in Wales gemacht (Praktikum und momentan Masterarbeit). Wie ihr seht, mag ich diese Stadt sehr gerne und ich kann mir vorstellen, auch nach Abschluss des Studiums hier zu bleiben und zu arbeiten.


    Ich habe nun vor neun Monaten einen Mann aus Indien kennen gelernt, wir sind auch seitdem praktisch zusammen. Er lebt ebenfalls seit mehr als zehn Jahren in Wales, weil es ihm so gut gefallen hat (das ist ziemlich häufig der Fall hier, auch gibt es viele unterschiedliche Nationalitäten und Heirat, zb ein Franzose mit einer Australierin).


    Von Anfang an wollte mein Freund allerdings verhindern, dass es zu eng wird, weil es ja sein könnte, dass ich keinen Job bekomme und mir dann doch eine Alternative überlegen muss, Fernbeziehung kommt für ihn nicht in Frage, auch für mich eigentlich nicht, da ich schlechte Erfahrungen gemacht habe und dieses tägliche auf Bildschirme starren eher vermeiden möchte. Es ist allerdings offensichtlich, dass wir uns sehr mögen, wir haben seit Januar jedes einzelne Wochenende zusammen verbracht, sehen uns auch unter der Woche einmal. Ist ja klar, dass man sich dann auch immer besser kennen und eben auch lieben lernt (das hat er selbst eingesehen). Was mich stört ist, dass er diese rationalen Aussagen von wegen man weiß nie und es kann schief gehen, dass ich gehen muss und nur hier bin für eine kurze Zeit usw. trotzdem nie abgestellt hat. Ja, rational gesehen stimmt es auch, man weiß nie, aber das ist doch immer der Fall in einer Beziehung. Wenn beide überzeugt sind und denken, das schaffen wir, finde ich, ist es doch trotzdem eher wahrscheinlich, dass es irgendwie doch klappt. Vielleicht bin ich da auch naiv??


    Dazu kommt, dass er älter ist (34 Jahre) und aufgrund seiner indischen Herkunft von Familie gedrängt wird, endlich zu heiraten. Er hat also auch das am Anfang der Beziehung immer erwähnt, dass er schon älter ist und ich erst 26 und gerade noch Studentin und er sich mal beeilen muss praktisch, obwohl er gleichzeitig seinen aktuellen losen Status eigentlich zu mögen scheint und Committment Issues hat (sagt er selbst), rational aber weiß, dass er sich mal langsam niederlassen sollte. Er hatte vor mir offenbar nur eine Freundin über längere Zeit (3,4 Jahre, ich hab sie auch kennen gelernt), alle anderen waren nur für wenige Monate.


    Diese einerseits emotionale und körperliche Enge und andererseits die rationale Distanz stresst mich derzeit etwas mehr, da sich ersteres eben auch intensiviert hat. In ein paar Monaten weiß ich Bescheid, ob es mit Jobs klappt..


    Wie findet ihr seine Einstellung? Würde es euch auch stören und wie würdet ihr damit umgehen?

  • 24 Antworten

    @ CaAug2016

    Zitat

    Wie findet ihr seine Einstellung? Würde es euch auch stören und wie würdet ihr damit umgehen?

    Nicht so optimal ehrlich gesagt. Er stellt ohne jegliche Not familiäre, gesellschaftliche Zwänge und deine berufliche Perspektive (die bereits jetzt gut ist und gerade noch besser wird) über dich bzw. euch. Mit 34 Jahren sollte man so was schon selbstbestimmter abwägen können. Was hat eigentlich für einen Bildungsstand, wenn man fragen darf?

    Er hat auch einen Master (Business), ist selbstständig im Sales, Marketing Bereich zuständig. Deshalb arbeitet er auch von zu Hause und auch mal Sonntag Nachmittag.


    Ja dieses Gefühl hab ich auch.. Ich stimme ja zu, dass es wichtig ist, eine berufliche Zukunft zu haben und sie nicht aus dem Blick zu verlieren. Und er macht es glaub ich auch aus Selbstschutz, dass es nicht zu eng wird, dabei hat er aber eben vergessen, dass man das gar nicht verhindern kann, es sei denn, man sieht sich eben nicht.


    Was mich auch stört, ist dass er einerseits sagt, sich zu entschließen zu heiraten und wirklich sich niederzulassen, davor hat er eben auch Angst oder fühlt sich ungut dabei (allgemein), andererseits sagt er eben auch (eventuell eben nur wegen des Drucks von Familie), dass er heiraten muss und es ja auch will. Dabei denkt er nicht dran, dass ich neben ihm sitze und mir denke, wir kennen uns erst ein paar Monate, also einerseits wäre es komisch da schon von Heirat zu reden, andererseits will ich auch nicht, dass er dabei an eine noch unbekannte Frau denkt während ich noch seine Freundin bin??

    @ CaAug2016

    Eine zügige Heirat ist heutzutage kein Muss und er ist offensichtlich intelligent genug, um zu wissen, dass in seinem Herkunftsland vieles richtig scheiße läuft, sodass man gesellschaftliche Gepflogenheiten vielleicht auch mal hinterfragen sollte.


    Auch dieses "praktisch zusammen" wäre mir zu wenig. Ist da irgendein explizites Bekenntnis zueinander vorhanden, also dass es sich um eine vollwertige Beziehung handelt? Ansonsten wäre das ein Freibrief, weiterzusuchen und dich irgendwann auszutauschen.


    Und wie du schon sinngemäß sagtest: Arbeitslos werden kann man immer. Und eine Ehe ist dafür da, solche unvorhersehbaren Eventualitäten auch mal wegzupuffern.


    Also - Ehe wäre jetzt kein Muss, aber ein klares Bekenntnis definitiv.

    Ja doch, wir würden beide niemanden anderen daten und in unserer sozialen Gruppe ist es bei allen bekannt. Es gab auch einige Männer, die an mir INteresse gezeigt haben, er weiß, dass ich nicht bei ihm bleiben müsste, aber natürlich will. Er wurde auch mal angebaggert, aber ist da nicht interessiert. Weniger sein Handeln (das voll zu mir steht), eher seine Freiheitsdenken und manche Aussagen dahingehend stressen mich manchmal, wie zb dass er es am Anfang nicht wollte, dass es alle wissen um Klatsch und Tratsch zu verhindern und er es nervig findet, wenn ich mal nicht dabei bin und ihn dann die fünfte Person auch noch fragt, wie es mir denn geht. Klettig bin ich auch nicht, aber ich mag schon mein Sicherheitsgefühl haben und Zugehörigkeit finde ich schön und nicht stressig. Romantische Gesten findet er im Übrigen kitschig und Händchen halten mag er nicht.


    Ich habe ihn auch mal darauf angesprochen vor ein paar Monaten, dass ich mich manchmal so fühle als ob ich nur "praktisch" für ihn wäre, weil ich halt da bin. Er fand das aber unmöglich und hat mir auch immer wieder versichert, dass er mich wirklich mag und er verbringt außerhalb der Arbeit praktisch fast jede freie Minute mit mir.


    Ich hatte ihm gestern auch gesagt, dass man nicht "Pausen macht", wenns stressig wird, sondern man auch lernen sollte, sich gegenseitig zu unterstützen. Das war im Zusammenhang meiner Masterarbeit und dass ich mich lieber mehr darauf als auf ihn konzentrieren sollte. Ich halte es aber durchaus für möglich, zu schreiben und ihn trotzdem zu sehen.

    ein wenig klingt es so, als sei er ein wenig zu feige, ganz offen zuzugeben: "lass uns doch einfach sehen, wie sich das zwischen uns entwickelt und langsam machen - zu mehr bin ich einfach (noch) nicht bereit!" und dir deswegen all die gründe nennt, gegen die du schlecht argumentieren kannst?


    (wobei ich es ehrlich gesagt auch ein wenig überflüssig finde, irgendeinen status in der zukunft durchzukauen, wenn das hier und jetzt doch klar ist!?)

    Zitat

    dass er mich wirklich mag

    Diese Formulierung finde ich ganz furchtbar. Das kommt für mich gleich nach: "Du bist eigentlich ganz nett." Und wir wissen beide, was das im Zweifelsfall bedeuten kann.


    Mir ist das alles irgendwie zu konkludent und zu wenig explizit. Klar ist es naheliegend, dass ihr euch in einer Beziehung befindet, aber das Ganze lässt sich trotzdem noch sehr gut in ein "großes Missverständnis" umdeuten. Klar sehe ich das ziemlich pessimistisch, aber gerade, wenn man sich schon länger kennt, ist es nun wirklich kein Umstand, das Wort "Beziehung" aus jemandem herauszukitzeln.

    Auch, wenn Du es nicht gern lesen wirst, was ich zu Deiner/euren Situation schreibe, so liegt sie nicht völlig außer Betracht aller Möglichkeiten.


    Durch regelmäßige Kontakte zu Menschen aus unterschiedlichen Nationen bekomme ich verschiedene Sichtweisen und Einstellungen kennen die mit der "Partnersuche" zusammenhängen.


    Bei indischen Männern wie Frauen, die in anderen Ländern ihren sozialen Aufstieg in Sachen Arbeit und Ausbildung suchen, sei es über ein Studium, sei es über einen gut bezahlten Job ist es nicht ungewöhnlich, dass es bereits Heirats- und Hochzeitsvereinbarungen von Eltern arrangiert und getroffen wurden.


    Meist wird versucht sich sozial so gut zu integrieren, dass nach erfolgter Hochzeit in der Heimat, die Möglichkeit der Familienzusammenführung zu beantragen. Meist sind dann bereits schon Kinder gezeugt/geboren, weil das als wichtiges Zeichen/Indiz der gegenseitigen Fruchtbarkeit nach einer Hochzeit von den Familien erwartet wird.


    Durch gesellschaftliche Regeln und Konventionen ist es jungen Menschen aus nicht westlich geprägten Kulturkreisen häufig nicht möglich unkomplizierte Kontakte zum anderen Geschlecht aufzubauen. Den freien Umgang miteinander zu üben bzw. sexuell aktiv zu werden, ohne feste Bindungen einzugehen vor der eigenen Hochzeit.


    Auch deshalb nutzen viele junge Menschen die Möglichkeit, (aus anders sozialisierten Kulturkreisen) in der Zeit von Studium und sozialer Integration/Aufenthaltsrechterlangung über Beziehungen vor Ort ihre "Ehefähigkeit" zu erlangen und auszubauen.


    Sie nutzen diese Zeit, um für sich den Umgang mit einer sich frei entscheidenden erwachsenen Frau zu proben, um nach der Eheschließung mit einer Frau/mit einem Mann aus dem eigenen Kulturkreis einen positiven Erfahrungsvorlauf zu haben.


    Habe es leider nicht nur einmal erlebt, dass Bekannte und Freundinnen von mir langjährige Beziehungen mit Männern aus einem anderen Kulturkreis geführt haben, in denen sie auf gemeinsame Kinder und Hochzeit gehofft haben, und sich dann eines Tages raus gestellt hat, dass ein "harmloser" Heimatbesuch dazu genutzt wurde sich zu verloben oder zu heiraten. Die entsprechenden Freunde wurden von einem zum anderen Tag vor vollendete Tatsachen gestellt.


    Meist wird dieser Umstand nicht von Beginn an so offen kommuniziert, um sich die Chancen auf Sex und Umgang mit Frauen am Studien- oder Arbeitsort nicht zu zerstören bzw. auf Ablehnung zu stoßen. Deshalb werden manchmal auch nur kurzzeitige Beziehungen geführt, um sich nicht nervenaufreibende Begründung einfallen lassen zu müssen, warum dies und jenes nicht gewünscht/gewollt ist in Bezug auf eine gemeinsame Zukunft.


    Verständlicher Weise würden verliebte Frauen (mit fester Bindungsabsicht) bei der Aussicht nur "Platzhalterin" für einen Zeitraum X zu sein, zu dem quasi schon "versprochenen" Mann keine Beziehung aufbauen wollen. Manchmal allerdings tun sie es dennoch wider besseren Wissens, in der Hoffnung das sich am Umstand der "Braut im Wartestand" in der Heimat noch etwas ändern lässt.


    Ich sage nicht nicht, dass dies bei dem Mann mit dem Du Kontakt hast und dem Du näher kommen willst auch so ist. Aber sein von ihm so deutlich kommunizierter "Freiheitsdrang" der Unverbindlichkeit könnte eventuell ursächlich mit dem von mir beschriebenen Szenario zusammen hängen.


    Wenn Du den Mut hast und Gewissheit haben möchtest, welche tatsächlichen Gründe bei dem Mann dem Deine Emotionen gelten vorliegen, sprich das Thema konkret an. Geh aber nicht zwingend davon aus, darauf eine Antwort mit klarer Offenheit zu bekommen. Natürlich wünsche ich Dir, dass Du ihn weiter unbefangen und vertrauensvoll kennenlernen kannst und es keinerlei Gründe sind, wie ich sie benannt habe, dass dieser Mann "kontrolliert" distanziert Dir gegenüber bleibt.


    Aber Dich bitten genauer hinzusehen, damit Du nicht enttäuscht wirst, falls Deine Hoffnungen in Sachen Liebe nicht erfüllt werden. Dir alles Gute in Wales und einen erfolgreichen Verlauf all Deiner beruflichen und privaten Wünsche. :)* @:)

    Danke für eure Antworten.

    @ DieDosismachtdasGift

    Du hast einen Aspekt angesprochen, der auch bei uns schon aufgekommen ist, finde ich aber sehr interessant, wie du es siehst. Er lebt seit zwölf Jahren in Wales, mag es hier und hat hier sein Leben aufgebaut. Die langjährige Beziehung mit seiner Ex-Freundin war mit einer Waliserin und sie haben auch schon zusammen gelebt. Nur ist es dann auseinander gegangen (sie sind aber immer noch befreundet), weil sie am Ende beide einsehen mussten, dass es nicht passt. Sie ist allerdings mit ihm jedes Jahr zu seiner Familie nach Indien geflogen und ihre Familie hat ihn ebenfalls gut kennen gelernt. Seine Familie (das hat er auch mir schon gesagt) ist offen, was seine Freundin/spätere Frau angeht und Nationalität ist nicht ausschlaggebend. Ich glaube, insofern hat er sich aus seinem Kulturkreis etwas "befreit" und sieht es lockerer, natürlich ist der Hintergrund aber trotzdem wichtig, ich meine, mein deutscher Hintergrund hat mich in meinem Denken usw. auch beeinflusst.

    @ WalkingGhost

    wirklich mag -- im Englischen war es "you would be silly to think I don't care about you, of course I do", nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich nach zwei, drei Monaten das Bauchgefühl hatte, dass er mich nicht wirklich mag und mir überlegt habe, es sein zu lassen, mir das aber nochmal überlegt hab, weil ich ihn so mochte.


    keine Ahnung, ob das besser klingt ;-) ich merke es ja, dass er mich mag. Und er meint, er versucht es eben weniger "serious" zu halten, weil eben die Zukunft noch unsicher ist. Ich versuche es weniger "serious" zu halten, weil ich weiß, dass er kein Kitschtyp ist, und habe deshalb auch das Wort "love" noch nicht gesagt, obwohl ich es ehrlich gesagt schon gefühlt habe. Ich war eben in Deutschland für eine Weile, wir hatten täglichen Kontakt und am Ende wollte ich ihm gerne sagen dass ich ihn vermisse, hab ich nicht, sondern er hat es dann gesagt, dass er mich vermisst, unsere Gespräche und dass es immer "wonderful" ist mit mir Zeit zu verbringen und zu reden.

    @ Die Seherin "ein wenig klingt es so,

    als sei er ein wenig zu feige, ganz offen zuzugeben: "lass uns doch einfach sehen, wie sich das zwischen uns entwickelt und langsam machen - zu mehr bin ich einfach (noch) nicht bereit!" und dir deswegen all die gründe nennt, gegen die du schlecht argumentieren kannst? (wobei ich es ehrlich gesagt auch ein wenig überflüssig finde, irgendeinen status in der zukunft durchzukauen, wenn das hier und jetzt doch klar ist!?)"


    stimme dir zu, das kann es gut sein. Das gleiche denke ich ja eigentlich auch (rational), weil ich mich nicht nach ein paar Monaten sagen könnte, ob ich mit ihm für immer und ewig zusammen bleiben will, selbst wenn ich verliebt bin. Aber genau das ist doch immer der Fall in einer Beziehung, warum muss man dann immer wieder erwähnen, ja kann auch schief gehen, das ist doch ohnehin selbstverständlich.

    @ CaAug2016

    Zitat

    wirklich mag -- im Englischen war es "you would be silly to think I don't care about you, of course I do", nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich nach zwei, drei Monaten das Bauchgefühl hatte, dass er mich nicht wirklich mag und mir überlegt habe, es sein zu lassen, mir das aber nochmal überlegt hab, weil ich ihn so mochte.


    keine Ahnung, ob das besser klingt ;-) ich merke es ja, dass er mich mag. Und er meint, er versucht es eben weniger "serious" zu halten, weil eben die Zukunft noch unsicher ist. Ich versuche es weniger "serious" zu halten, weil ich weiß, dass er kein Kitschtyp ist, und habe deshalb auch das Wort "love" noch nicht gesagt, obwohl ich es ehrlich gesagt schon gefühlt habe. Ich war eben in Deutschland für eine Weile, wir hatten täglichen Kontakt und am Ende wollte ich ihm gerne sagen dass ich ihn vermisse, hab ich nicht, sondern er hat es dann gesagt, dass er mich vermisst, unsere Gespräche und dass es immer "wonderful" ist mit mir Zeit zu verbringen und zu reden.

    Das mit dem Kitsch kann ich ja noch verstehen, aber eine simple Frage wie "Are we in a relationship?" ist ja wohl kaum Kitsch, sondern schon wieder fast zu analytisch.


    Glaub mir, Menschen sind furchtbar opportunistisch und manipulativ. Du wärst nicht die erste Person, bei sich jemand "plötzlich darauf besinnt", dass jemand mit der gleichen Herkunft ihn doch viel besser verstehen würde (und so ein schwachsinniges Gedöns). Das kann auch so eine Ansage, dass ihr euch in einer Beziehung befindet, nicht verhindern, aber dann stehst du im Falle des Falles wenigstens nicht wie der letzte Depp da.

    Auf mich wirkt dein "Freund" überhaupt nicht so als hätte er sich von den Anforderungen seines Kulturkreises ausreichend distanziert. Das ist doch das übliche Hingehalte ohne klare Ansage, weil er dich nicht eher loswerden will als es die seinem Kulturkreis entsprechende Lebensplanung verlangt. Für mich sieht das nach einem für dich quälenden Gezerre aus, aber ich kann gut verstehen dass du dir das gibst ...

    @ CoteSauvage

    "Das ist doch das übliche Hingehalte ohne klare Ansage, weil er dich nicht eher loswerden will als es die seinem Kulturkreis entsprechende Lebensplanung verlangt."


    Was meinst du damit? Ich finde das klingt ziemlich negativ und ich bin nicht so naiv zu denken, es gibt keine Menschen, die andere mit voller Absicht ausnutzen, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich genug Selbstbewusstsein und Einsicht habe zu wissen, dass er nicht daran denkt "mich loszuwerden" oder mich "hinhält". Dann wäre es nicht so offiziell, seine Familie weiß im Übrigen von mir und hat sogar mal angesprochen, ob er nicht vielleicht in Deutschland auch seine selbstständige Arbeit machen könnte.

    @ CaAug2016

    Zitat

    Ich finde das klingt ziemlich negativ und ich bin nicht so naiv zu denken, es gibt keine Menschen, die andere mit voller Absicht ausnutzen, [...]

    Die volle Absicht braucht es überhaupt nicht. Es reicht vollkommen aus, wenn es bei jemandem an einem bestimmten Punkt den Schalter umlegt, und dann hast du nichts als Andeutungen. Gerade kulturelle Unterschiede und verschiedene Muttersprachen laden dazu ein, dass man am Ende alles nur als besonders innige Freundschaft darstellt. Wie gesagt - verhindern kannst du gar nix, aber der Zweifel, was denn nun wirklich Phase war, zerfrisst dich im Nachhinein, wenn es so verläuft.

    Bindungsprobleme in Partnerschaften


    http://www.familienhandbuch.de/familie-leben/partnerschaft/gelingend/bindunginpartnerschaften.php


    Da steht es so geschrieben:


    Eine positive Sichtweise des Selbst und des Partners zeichnet einen sicheren Bindungsstil aus. Die Person kann Nähe zulassen und empfindet die Partnerschaft als emotional unterstützend.


    Eine negative Sichtweise des Selbst und eine positive Sichtweise des Partners führt zu einem ängstlich-ambivalenten Bindungsstil. Die Person ist ängstlich, was sie im Hinblick auf die Beständigkeit der Beziehung verunsichert, und sie fühlt sich zum Partner emotional stark hingezogen.


    Eine negative Sichtweise des Selbst und des Partners ergibt einen ängstlich-vermeidenden Bindungsstil. Die Person hat Angst vor Intimität und vermeidet tiefergehende soziale Beziehungen.


    Eine positive Sichtweise des Selbst und eine negative Sichtweise des Partners charakterisiert einen gleichgültig-vermeidenden Bindungsstil. Die Person vermeidet Intimität in der Partnerschaft, betont ihre eigene Autonomie und empfindet keine starke emotionale Abhängigkeit von ihrem Partner.


    Diese vier Bindungsstile lassen sich auf zwei Bindungsdimensionen abbilden, die mit Angst und Vermeidung bezeichnet werden. Angst bezieht sich auf das Vorhandensein einer negativen Sichtweise des Selbst, während Vermeidung für eine negative Sichtweise des Partners steht. Dann bedeutet z.B. fehlende Angst und fehlende Vermeidung einen sicheren Bindungsstil, während hohe Angst und hohe Vermeidung einen ängstlich-vermeidenden Bindungsstil kennzeichnen.


    Eine hohe Ausprägung der Bindungsangst beinhaltet eine misstrauische und angespannte Haltung in Beziehungen. Hingegen bedeutet eine hohe Ausprägung der Bindungsvermeidung, dass eine geringe Bindungsbereitschaft vorliegt und wenig Motivation, sich für die Tragfähigkeit der Beziehung zu engagieren.


    Vermeidende Bindung heißt aber nicht unbedingt, dass man keinen Partner hat. Vielmehr kann ein vermeidender Bindungsstil des Mannes bei Frauen, die ängstlich-ambivalent eingestellt sind, einen lebenslangen Kampf um Zuneigung auslösen, der die Partner immer wieder beschäftigt. Ob es empfehlenswert ist, eine solche Partnerschaft einzugehen, kann bezweifelt werden. Nutzen und Lasten sind zu einseitig verteilt: Der vermeidende Mann bekommt, ohne dass er sich emotional einbringt, ein "warmes Nest” geboten, während die ängstlich-ambivalente Frau sich für die Beziehung stark engagiert und gleichzeitig darunter leidet, dass sie von Befürchtungen getrieben wird, die Beziehung könnte abbrechen. Durch die vermeidenden Tendenzen des Mannes werden solche Ängste genährt.


    Die Annahme liegt nahe, dass ein sicherer Bindungsstil mit längerer Beziehungsdauer einhergeht. Diese Annahme wurde empirisch bestätigt: Personen, die sicher gebunden waren, blieben länger zusammen und waren seltener geschieden als Personen, die unsicher gebunden waren.

    @ WalkingGhost

    ja da hast du Recht, es brauch keine Absicht. Es wäre aber wirklich albern zu sagen es sei nur eine innige Freundschaft gewesen, das ist es eindeutig nicht, auch eindeutig für ihn. Es ist offiziell, jeder weiß davon, wir sind ständig zusammen, haben täglich Kontakt, wir sind exklusiv. Er oder ich müssten schon richtig "Schluss machen" wie bei einer Beziehung, falls es schief geht. Das Einzige ist eben die unbestimmte Zukunft wegen meiner Jobaussichten. Und ich weiß nicht, ob man das erwarten kann, aber wenn ich einen Freund hätte in Deutschland, der eventuell nach einem Jahr fertig ist und dann einen Job braucht, statt ihm immer wieder mal mitzuteilen, dass das ja nicht sicher ist, ob er was kriegt, würde ich mir solche negativen Kommentare verkneifen und sagen, du findest was, wenn du es wirklich willst, selbst wenn es etwas dauert.


    Dazu gesagt, er macht diese Kommentare auch, weil er denkt ich würde sonst nicht die Karriere kriegen, die ich woanders haben könnte (was vielleicht der Fall ist, das weiß ich ja jetzt nicht) und es ist ja sozusagen selbstlos ist, seine eigenen Emotionen drunterzustellen, also dass er es gerne sehen würde, wenn ich bleibe, und stattdessen sagt, ich solle mir eine Zukunft bauen und mein Studium nicht wegwerfen sozusagen.


    Das kann man alles positiv/selbstlos/vernünftig sehen, aber gleichzeitig eben auch als negativ, so als könnte man nicht was aus sich machen in anderen Umständen, also dass ich eben etwas finde, was mir hier in Wales ebenfalls gefällt. Und ganz ehrlich, ich glaube schon, dass ich was finden kann, erst recht, wenn ich es geschafft habe, zweimal was hier zu bekommen, wenn auch nur Praktika, was mit meinem Studium zu tun hat, nebenher noch Kontakte knüpfe durch Freiwilligenarbeit usw.

    @ ABC01

    danke, das war hilfreich. Ich finde es selbst nervig, solche "Ängste" überhaupt haben zu müssen, weil sie mir so dermaßen unnötig und konstruiert vorkommen. Kann nicht verstehen, wie man sich in Nähe "uncomfortable" und "ängstlich" fühlen kann (das hat er mal gesagt), weil ich mich gerade bei distanziertem Status unsicher fühle.

    Was mir auch noch einfällt: Ich kann ihn zb fragen (aus reiner Neugierde), oh wo warst du denn in irgendeinem Kontext, zb wenn man sich trifft in der Stadt und er kommt aus einer anderen Richtung, und er sagt dann zurück, als ob ich misstrauisch wäre, wobei das rein gar nicht meiner Absicht war. Das passiert ziemlich oft. Ich habe lediglich Interesse, was er so macht, weil ich ihm eben auch sowas erzähle. Es wirkt fast so, als ob er das wegen vergangener Beziehungen fast schon erwartet, dass die Frau misstrauisch ist und ihm was unterstellt. Dabei hab ich das, ganz ehrlich nicht nötig, allein schon deswegen, weil mein eigener Ex Freund der absolute eifersüchtigste Kontroll Freak war und mich total eingeengt hat. Sowas mach ich doch nicht im Ernst dann selbst bei meinem nächsten Freund.

    Im Übrigen hat er aber sogar nach 6 Monaten vorgeschlagen, dass ich zu ihm ziehe, als ich nicht sofort ein neues WG-Zimmer gefunden habe (habe aber doch eins gefunden). Wie soll man sowas verstehen...