Langjährige Beziehung für neue Liebe beenden?

    Hallo zusammen,


    ich brauche dringend eure Hilfe, weil ich nicht genau weiß, ob ich dabei bin, die richtige Entscheidung zu treffen oder nicht.


    Seit 7 Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen, wir waren einmal für ein halbes Jahr getrennt, sind jetzt seit knapp einem Jahr wieder zusammen. Er ist jemand, der nicht viel Nähe braucht. Er muss nicht viel kommunizieren und behandelt mich auch sonst kaum anders als andere Freunde - bis auf den Sex und Küsse natürlich. Seit drei Monaten haben wir allerdings mittlerweile keinen Sex mehr und sehen und maximal einmal die Woche. Wir schreiben dazwischen kaum und telefonieren auch nicht und für ihn ist das in Ordnung. Als das wieder anfing, begann ich, mich zu distanzieren. Ich hatte mir geschworen, das nicht noch einmal mit mir machen zu lassen. Denn er lässt mich dann ganz links liegen, wenn er eine andere Aufgabe (sei es Arbeit, seien es neue Freunde o.ä.) hat. Kurz: Ich fühle mich seit 3 Monaten so, als hätte ich gar keinen Freund mehr.


    Während dieser 3 Monate lernte ich einen Arbeitskollegen kennen. Erst war ich auf Freundschaft aus, wir trafen uns einige Male und es war immer sehr angenehm. Dann spürte ich plötzlich dieses Kribbeln. Und er sagte mir recht bald, dass er ähnlich für mich empfindet. Vollkommen davon überzeugt, dass meine Beziehung eh gen Ende geht und mein Freund das ähnlich sieht wie ich, knutschte ich also in den letzten zwei Monaten einige Male mit dem Kollegen herum. Sex hatten wir noch nicht, auch wenn wir beide gern würden. Aber wir halten uns zurück, solang ich eben noch in dieser Beziehung stecke.


    Ich habe mit meinem Freund gesprochen - dass das so keine Beziehung für mich ist und erschreckenderweise sagte er, für ihn sei alles gut - auch als er sich kaum meldete und Sex hätte er auch gern mehr. Nach diesem Gespräch verging ein Monat und es änderte sich nichts. Weder Sex noch sonst etwas. Er meldete sich etwas mehr, aber ich merkte, dass er das nur tat, weil ich es verlangt hatte. Ich suchte noch einmal das Gespräch, überzeugt davon, Schluss zu machen, erwähnte auch, dass ich jemanden kennengelernt habe. Doch er bat mir an, herauszufinden, ob es nur eine Phase ist mit dem Kollegen. Das Angebot nahm ich erstmal an, weil das auch meine Angst war.


    Der Kollege hat natürlich einige Eigenschaften, die ich bei meinem Freund vermisse, deshalb habe ich Angst, dass es tatsächlich nur eine Phase ist. Eine Phase allerdings, die nun schon seit 2,5 Monaten andauert. Natürlich sollte man nicht vergleichen, aber ich möchte dennoch schauen, womit ich auf Dauer gut leben kann. Mein Freund ist wenig bemüht, leidenschaftslos und nimmt alles einfach so hin, was passiert, er lässt mich schnell links liegen und verhält sich selten wie mein Freund. Viele Freunde sagen mir immer wieder, sie dachten anfangs, wir wären nur beste Freunde. Er ist recht unreif, kann keine Verantwortung übernehmen und hält sich nur widerwillig an Absprachen. Mit schlechten Zeiten meinerseits kann er schlecht umgehen und macht Probleme eher mit sich selbst aus. Liebe Worte oder Komplimente sind rar, stattdessen konzentriert er sich eher darauf, ständig meine Macken im Spaß aufzuzählen oder mich als Tollpatsch darzustellen, der "ja gar nichts draufhat". Er meint das alles spaßig, aber wenn nur solche Worte kommen, zieht das natürlich irgendwann das Selbstbewusstsein nach unten. Er kann auch liebevoll sein, es ist nicht alles nur schlecht, aber das sind halt schon einige schlechte Angewohnheiten, die sich da anhäufen. Nichtsdestotrotz: Wir sind ein gutes Team, kennen uns in und auswendig und wissen genau, was der Andere denkt. Das ist viel wert.


    Der Kollege dagegen ist sehr leidenschaftlich, verantwortungsvoll, erwachsen aber dennoch Kind geblieben - die perfekte Mischung, er weiß, was er will, ist zärtlich, witzig, zieht Pläne durch. Wir haben viele Gemeinsamkeiten und er redet ehrlich und offen über Dinge, die ihn beschäftigen.


    Einziges Manko: Optisch ist er nur teilweise mein Typ, was mich irritiert, aber natürlich jetzt kein Ausschlusskriterium ist. Sein Charakter hat mich von Anfang an wahnsinnig begeistert. Und obwohl er um meine Situation weiß, setzt er mich nicht unter Druck und rennt mir auch nicht wer weiß wie hinterher. Ich versuche im Gegenzug, ihn nicht zu idealisieren und auchj etzt schon seine negativen Seiten zu sehen.


    Freunde und Familie - niemand rät mir dazu, bei meinem Freund zu bleiben, auch weil wir schon einmal getrennt waren (da hatte er jemand anders kennengelernt...).


    Ich sehe natürlich auch das, was wir hatten und meine Zukunftspläne, die da langsam wieder zerbrechen.


    Nun hadere ich seit 2,5 Monaten mit mir und war schon so kurz davor, das zu beenden. Und ich habe immer noch große Angst davor, das Falsche zu tun. In ein paar Wochen aufzuwachen und zu sehen, was ich da gemacht habe. Es gab zwar einen Grund, weshalb mein Freund und ich schon mal getrennt waren, aber es gibt auch einen Grund, weshalb wir 7 Jahre zusammen waren...


    Was meint ihr, wie soll man sich da entscheiden? Wonach richten?


    Habt ihr einen Rat für mich? ":/

  • 39 Antworten
    Zitat

    Es gab zwar einen Grund, weshalb mein Freund und ich schon mal getrennt waren, aber es gibt auch einen Grund, weshalb wir 7 Jahre zusammen waren...

    Gibt es diesen Grund denn noch immer? Und was wiegt schwerer - dein Unglücklich sein in der Beziehung oder der Grund, der euch zusammenhält oder zumindest zusammengehalten hat?

    @ Graógramán:

    Der Grund, weshalb wir solang zusammen waren und es wieder sind, war dieses Gefühl des Team-Seins und des einander Verstehens. Momentan weiß ich ehrlich gesagt wenig, was bei ihm los ist, wir haben uns voneinander entfernt. Er wollte das Problem durch Zusammenziehen lösen, aber ich finde, es muss doch drin sein, sich abends noch mal zu sehen, auch wenn man in einer anderen Stadt wohnt.


    Die Dinge, die mich schon immer gestört haben, haben sich bisher nicht geändert. Er weiß auch darum, dass er nicht gut zeigen kann, dass er mich wertschätzt aber er versucht nicht einmal, es zu ändern. Oder ich spüre davon nichts. Momentan wiegt es schwerer, dass ich unglücklich bin, was allerdings auch dem Arbeitskollegen geschuldet sein könnte, der mir zeigt, wie es sein könnte.


    Trotzdem frage ich mich, ob da nicht noch etwas zu retten ist...

    @ Milky_e77

    Danke dir für deine Einschätzung. Woran machst du das fest, wenn ich fragen darf?

    Aufgrund dessen:


    * Mein Freund ist wenig bemüht, leidenschaftslos und nimmt alles einfach so hin, was passiert, er lässt mich schnell links liegen und verhält sich selten wie mein Freund.


    * Seit drei Monaten haben wir allerdings mittlerweile keinen Sex mehr und sehen und maximal einmal die Woche. Wir schreiben dazwischen kaum und telefonieren auch nicht und für ihn ist das in Ordnung.


    * Nach diesem Gespräch verging ein Monat und es änderte sich nichts. Weder Sex noch sonst etwas. Er meldete sich etwas mehr, aber ich merkte, dass er das nur tat, weil ich es verlangt hatte

    Du bist unglücklich, ihr wart schonmal getrennt (weil er ne andere hatte!), es hat sich nichts gebessert und da fragst du noch?


    Zumindest ne Trennung ist erstmal angesagt und ich hoffe für den Kollegen, dass er nicht nur nen Notnagel ist.

    wie alt seid ihr beiden denn?


    du solltest nämlich bei all dem nicht ins zentrum rücken, was ihr schon alles miteinander erlebt habt, sondern was an leben noch vor dir liegt. willst du das mit ihm erleben? hast du den eindruck, mit ihm die zukunft gestalten zu wollen und zu können? ob euch das, was euch in der vergangenheit verbunden hat, auch in zukunft stark machen wird?

    Liebe Moonlight_2,


    nur du weißt, was du willst, die Entscheidung kann dir leider keiner abnehmen. Irgendjemand hat mal gesagt, dass man seine Entscheidung eigentlich schon getroffen hat, man sich aber nicht "entscheidet", weil es nicht leicht ist, da man niemanden verletzen will. Es geht ja um dich und was dich glücklich macht. Bist du denn mit deinem Freund noch glücklich? Wenn ihr zusammen seid, spürst du dann Liebe und innere Zufriedenheit? Habt ihr noch Spaß miteinander?


    Ich lese hier sehr viele Eigenschaften, die dich anscheinend eher an deinem Freund stören. Führe dir aber lieber die guten Eigenschaften vor Augen, die, die du an ihm schätzt und liebst und auch, ob du diese bei dem anderen Mann bekommen kannst oder ob dieser andere Eigenschaften besitzt, die du auch oder noch mehr zu schätzen weißt. Oft hilft es, sich die guten Eigenschaften anzusehen, anstatt nur die schlechten.


    Wünsche dir auf jeden Fall alles Gute! @:)

    Danke für eure Antworten!

    @ Mily_e77

    Oh... wenn ich das jetzt so lese, dann würde ich mir vermutlich das gleiche raten...

    @ Schwarz666

    Es hatte sich anfangs sehr viel geändert. Er war sehr liebevoll, wieder interessiert und machte oft Komplimente, wir waren sehr glücklich. Es fing erst vor 3 Monaten an, wieder in alte Muster zurückzufallen... Daher frage ich mich einfach, ob wir dazu verdammt sind, immer und immer wieder das gleiche zu durchleben in dieser Beziehung oder ob das jetzt nur vorübergehend ist.. und ginge es nach ihm, wäre das auch so. Aber dann kam eben mein Arbeitskollege dazwischen... Sympathisch fand ich ihn von Anfang an und dann lernten wir uns besser kennen und wir wollten uns immer öfter sehen... Ich habe Angst, dass er nur ein Notnagel ist... Daher zögere ich solang. Es fühlt sich nicht an, wie ein Notnagel und die Gefühle und Gedanken für und über ihn werden immer stärker, je besser ich ihn kenne. Es fühlt sich mehr an wie die Anfangsphase einer Beziehung als wie ein Notnagel. Aber Angst davor habe ich trotzdem, weil ich ihn zu sehr mag, als dass ich wollen würde, dass er diese Rolle am Ende einnimmt.

    @ Die Seherin

    Ich bin 25, mein Freund 27. Ich hatte mir das sehr schön vorgestellt, das alles mit meinem Freund zu erleben. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto düsterer wird es. Vorstellen kann ich mir immer noch, dass wir gemeinsam alt werden. Aber ich weiß genau, in schweren Zeiten, bei Schicksalsschlägen wäre ich fast auf mich allein gestellt, weil er nicht weiß, wie man mit so etwas umgeht. Ich hätte Angst davor, dass er z.B. für ein Kind nicht genügend Verantwortung übernehmen kann, mich damit allein lässt, wenn es schwierig wird und stattdessen mit Freunden weggeht. Denn diese Vermeidungsstrategie kann er sehr gut. Ich weiß genau, ich bin nicht seine Priorität. Das war ich noch nie und das werde ich auch nie sein. Ich hätte aber ehrlich gesagt schon gern eine Beziehung, in der mein Partner und ich uns die oberste Priorität sind. Natürlich nicht bis hin zur Abhängigkeit und Selbstaufgabe, aber ich möchte nicht bei allem und jedem zurückstecken müssen als Freundin.


    Aber grundsätzlich möchte ich ihn auch nicht aus meinem Leben verbannen o.ä.

    Zitat

    Aber grundsätzlich möchte ich ihn auch nicht aus meinem Leben verbannen o.ä.

    du willst ihn als freund behalten? als lebensgefährten? als sentimentalen begleiter durchwachsener jahre?


    irgendwie werde ich das gefühl nicht los, dass du dich schon längst entschieden hast, aber so ein wenig im "wasch mich, aber mach mich nicht nass modus" bist?


    trennen? ja!


    jemandem weh tun? nein!


    deinen jetzigen freund als freund verlieren? nein!!!


    es mit dem arbeitskollegen versuchen? ja!!!

    @ Tertulin89

    Oh, da haben wir uns überschnitten :-)


    Danke für deine liebe Antwort.


    Das Problem ist, ich kann oder will im Moment die guten Eigenschaften nicht sehen... Er ist ein lieber Mensch, zu allem und jedem immer erst einmal nett, er ist witzig, großzügig, ein Genießer, wenn man vernünftig redet, kann er auch reden, aber selbst ansprechen kann er nichts, was ihn stört. Er ist sehr offen für Neues, dafür neue Leute kennenzulernen, Spaß zu haben. Ein Problem ist, dass er leider je nach Freundesgruppe, mit der er gerade etwas unternimmt, seinen Charakter anpasst. Daher weiß ich nie so genau, mit welchem Teil meines Freundes ich es gerade zu tun habe, wenn wir uns lange nicht gesehen haben. Bei den einen Freunden ist er so, wie ich ihn vor 7 Jahren kennengelernt habe, bei den anderen ist er eine Art Mensch, mit der ich nicht so gut zurechtkomme bzw. die ich einfach komisch finde. Diese Freunde kennt er auch erst seit zwei Jahren.


    Wenn wir momentan zusammen sind, ist es mir ehrlich gesagt relativ egal, ob er da ist oder nicht. Ich spüre Druck, weil ich das Gefühl habe, ihn zu hintergehen, weil ich mit dem Arbeitskollegen rumgeknutscht habe und weil ich auch an den Arbeitskollegen denken muss, wenn mein Freund da ist. Wir haben nicht so viel zu reden, vielleicht auch, weil diese Sache jetzt zwischen uns steht. Wenn er nicht da ist, spüre ich keine Sehnsucht mehr momentan. Es fühlt sich gerade einfach nicht mehr nach einer Beziehung an, weil ich nicht mal weiß, was er wann macht, wenn ich nicht nachfrage. Und seit ich den Arbeitskollegen geküsst habe, finde ich die Küsse meines Freundes lieblos. Ich kann mir auch nicht mehr ganz so gut vorstellen, mit ihm noch mal Sex zu haben, das erschreckt mich sehr... :-|


    Ich glaube, wenn dieser Druck weg wäre, würde ich mich auch wieder mehr über ihn freuen können. Aber ich habe einfach so ein schlechtes Gewissen...


    du willst ihn als freund behalten? als lebensgefährten? als sentimentalen begleiter durchwachsener jahre?


    irgendwie werde ich das gefühl nicht los, dass du dich schon längst entschieden hast, aber so ein wenig im "wasch mich, aber mach mich nicht nass modus" bist?


    Ich weiß nicht so genau, als was ich ihn gern behalten will... Mir wäre es beim letzten Gespräch lieb gewesen, wenn er es genauso gesehen hätte wie ich und wir einfach so weitermachen wie bisher nur ohne zusammen zu sein. Denn Sex hatten wir ja eh schon lang nicht mehr.


    Aber ich habe Angst, mich "falsch" zu entscheiden und in ein paar Monaten zu sehen, was ich da verloren habe...



    trennen? ja!


    jemandem weh tun? nein!


    deinen jetzigen freund als freund verlieren? nein!!!


    es mit dem arbeitskollegen versuchen? ja!!!


    ja so ungefähr fasst es das ganz gut zusammen... :-/

    Meine Güte, bist du dir irgendwas wert? Willst du die nächsten Jahrzehnten mit jemandem leben, für den du nicht Priorität bist? Ich weiss schon, in den 20ern kennt man es oft nicht anders - alle so beliebig... Aber mit so jemandem kann man nicht Nest bauen. Tu dir den Schmerz nicht an.

    moonlight_2

    Zitat

    Es hatte sich anfangs sehr viel geändert. Er war sehr liebevoll, wieder interessiert und machte oft Komplimente, wir waren sehr glücklich.

    So ist es doch immer, anfangs wird Vollgas gegeben nach einem Wiederzusammenkommen und sobald Sicherheit und Alltag zurück sind und die Gefahr des Verlassenwerdens erstmal wieder gebannt ist, kommen die alten Muster zurück. Es ist wirklich selten, dass es bei einem Partner wirklich mal Klick macht und er sich dauerhaft ändert.

    Zitat

    Es fing erst vor 3 Monaten an, wieder in alte Muster zurückzufallen... Daher frage ich mich einfach, ob wir dazu verdammt sind, immer und immer wieder das gleiche zu durchleben in dieser Beziehung oder ob das jetzt nur vorübergehend ist..

    Eben das bestätigt leider, was ich eben geschrieben habe. Bei euch ist es nur noch Gewohnheit, keine Liebe mehr... :-/