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    Um seinen ureigenen Bedürfnissen gerecht werden zu können, braucht man manchmal ein eigenes Konzept, welches nicht unbedingt dem gesellschaftlich anerkannten Beziehungskonzept entspricht.

    Das Prinzip eines gesellschaftlichen Zusammenlebens basiert auf Rücksicht. Es ist ja nicht immer nur die Kultur/Moral, die ein Bedürfnis verbietet, sondern oft auch einfach widersprechende konkrete Bedürfnisse anderer. Es wäre mit Sicherheit zu kurz gesprungen, in diesem Fall alle monogamen Menschen als Gesellschaftsopfer wider ihrer Natur zu sehen. Ich möchte das als bewusst monogam lebender Mensch (emotionaler Ursprung, rationale Überprüfung dieses Empfindens) auch vehement bestreiten, dass ich damit einfach auf dem Holzweg wäre. Ich würde aber auch genauso niemandem polygame Tendenzen absprechen wollen und zeige auch nicht mit dem Finger auf die "Abweichler". Es gibt natürlich eine große verlogene Monogamie, aber genauso eine echte. Vielleicht ist es auch eine Begriffsfrage - nur, weil ich andere Frauen scharf finden kann und rein praktisch Sex mit ihnen haben könnte, der mir vielleicht sogar gefällt, sehe ich mich nicht polygam veranlagt. Die Konzentration auf meine Frau in allen tiefen Facetten (statt viel Abwechslung) gibt mir halt mehr und das ist mein Weg.

    Zitat

    Im Prinzip kann man es sich einrichten wie man will, man braucht eben nur den/die passenden Partner dazu.

    Genau. Hiermit hast du genau die rote Linie gezogen, die ich auch sehen würde: es gilt nämlich nicht nur, die eigenen Bedürfnisse in die Tat umzusetzen, sondern auch die der anderen zu respektieren. Das tut die TE im Moment nicht, denn sie ignoriert, dass ihr Partner gerne monogam leben möchte und stellt ihre Bedürfnisse über seine. Dass er es aktuell nicht weiß, ändert ja nichts am Verhalten. Sie wird sich gerechter als ihm. Wenn aber zwei Menschen vereinbaren, eine offene Beziehung zu leben und dies im Einverständnis leben, dann bin ich der letzte, der darüber irgendein Moralurteil fällen würde. :)z

    Beziehungen sind keine Supermarktkisten, wo man sich mal hier, mal dort bedient um mit dem zusammengestellten Endergebnis eine Patchworkbeziehung zu pflegen. Der Normalfall ist doch eher, dass ein Mensch an seinen Partner den Anspruch hat, dass dieser monogam ist, treu und man die Nr. 1 im Leben des anderen ist. Nun gibt es sicher Beziehungsmodelle wie die offene Ehe, polyamor oder ähnliches, aber das gehört zwischen den zwei Partner abgesprochen und vereinbart, das ist bei Euch nicht der Fall. Man darf wohl annehmen, dass Dein Freund zu denen gehört, die eine monogame Beziehung leben. Also gehst Du fremd. Das ist prinzipiell nicht der Gedanke hinter offenen Beziehungen, die auf Ehrlichkeit und Vertrauen basieren. Du betrügst Deinen Freund und in dem Versuch, Sex und Liebe zu trennen und bei zwei verschiedenen Männern zu suchen, zerstörst Du die Liebesbeziehung.


    Eigentlich sollte ja Sex in einer Liebesbeziehung dazu gehören, als Krönung, als der schönste Teil der Beziehung. Wenn das so nicht klappt, sollte man mit aller Macht versuchen, das hin zu bekommen. Dazu gehört, sich öfter zu sehen, sich Zeit zu nehmen, nach neuen Impulsen zu suchen, neue Phantasien auszuprobieren. Hat das keinen Erfolg oder scheiter an den randbedingungen, dann muss man sich fragen, ob man ohne Sex auskommt, aber in Deinem Alter nach nur 8 Jahren Beziehung ist das sicher keine Frage. Was tun? Ich kann aus Deinen Zeilen nicht herauslesen, dass Du ein Mensch bist, der auf jeden Fall eine offene Beziehung braucht. Und ob sie die optimale Lösung wäre, wage ich zu bezweifeln. Sie wäre aber in Deinem Fall ohnehin keine Lösung für Dich, weil Dein Freund nicht mitspielt.


    Nun hältst Du offensichtlich an der Beziehung zu Deinem Freund fest, weil so vieles da schön ist und funktioniert. Schöne Erinnerungen, ein tolles Bild in der Außenwirkung, ähnliche Zukunftsvorstellungen. Aber sind das nur ähnliche Träume - Kinder, Haus etc. oder sind das gemeinsame? Stellst Du Dir die Zukunft mit Kindern und Haus für Dich vor oder kommt Dein Freund in diesen Träumen vor? Mir scheint, Du hast Dich schon längst von Deinem Freund innerlich getrennt. Magst ihn nicht mehr bei Dir haben, vermisst ihn nicht, hast Sex mit jemand anderem. Was hält Dich denn noch? Es wirkt, als wüsstest Du nicht so recht, wie das funktioniert, sich zu trennen...

    Da musste ich spontan an diesen Faden hier denken:


    http://www.med1.de/Forum/Beziehungen/701402/


    Jeder hier hat mit seiner Meinung irgendwo recht. Aber bei solchen Dingen, gibt es so viele Aspekte zu beachten.


    Man könnte Seiten darüber füllen.


    Eins ist klar: So kanns nicht bleiben.


    Ich denke, dass ich an deiner Stelle den letzten Versuch unternehmen und Klartext sprechen würde. Allerdings wirst du dann die Sache mit der Affäre ansprechen müssen. Du wirst ihm damit definitiv vor den Kopf stoßen, denn Klartext hättest du vor 2 Jahren schon sprechen müssen. Ich denke, dass er unendlich verletzt sein wird. Ob er dann überhaupt noch eine Beziehung möchte?


    Möglicherweise wäre er auf die Polyamie-Geschichte vor 2 Jahren eingegangen, wenn du ganz ganz deutlich vermittelt hättest, dass es das sonst war. Fair ist das auch nicht unbeding, denn einer von beiden muss zurückstecken. Aber in solchen Fällen sehe ich keine andere Lösung.


    Im Prinzip hast du die Wahl zwischen:


    - Selbstbestimmte Trennung ohne große Gespräche, ohne Offenlegung der Affäre, ohne tiefe Verletzung deines Partners (klar, für ihn wird das eh beschissen, so oder so, aber noch zu wissen, dass man 2 Jahre betrogen wurde...ich denke das tut noch mehr weh)


    - Trennung im "Einverständis", Partner weiß alles, kann damit nicht umgehen


    - Keine Trennung, Partner weiß, dass du dich trennen würdest, wenn er nicht "mitspielt" und versucht das Ding mit der Polyamie


    - Keine Trennung, Partner weiß um die Affäre, Partner gibt euch trotzdem eine Chance


    - Du sagst nichts, machst weiter so wie bisher


    - Du beendest die Affäre und bleibst bei deinem Partner, steckst sexuell zurück


    Einfach wird nichts davon... :-X

    @ Comran

    Zitat

    Es wäre mit Sicherheit zu kurz gesprungen, in diesem Fall alle monogamen Menschen als Gesellschaftsopfer wider ihrer Natur zu sehen.

    Auch richtig. Ich würde auch nie behaupten, dass monogame Beziehungen per se nicht gut funktionieren können. Ebenso wenig würde ich behaupten, dass eine sogenannte Offene Beziehung eine Lösung für jeden ist.


    Es gibt sogar Fälle, in denen sich zwei Menschen rational auf eine offene Beziehung verständigen und während der eine seine (sexuellen) Möglichkeiten genießt, leidet der andere wie ein Hund, weil er mit diesen (sexuellen) Möglichkeit überhaupt nichts anfangen kann, weil es nicht seiner Persönlichkeitsstruktur entspricht.


    Entscheidend ist einzig und allein die eigene Persönlichkeitsstruktur, wobei diese nicht beliebig flexibel aber auch nicht in Stein gemeißelt ist. Dass der Mensch überhaupt noch ein Teil der Evolution ist, ist seiner Anpassungsfähigkeit zu verdanken. Anpassung ist dabei meistens auch mit Arbeit verbunden. Auch kann und will sich ein einzelner Mensch nicht unendlich anpassen.


    Wenn nun ein allgemeines Beziehungskonzept den eigenen Bedürfnissen nicht genügend gerecht wird, sucht man nach Lösungen.


    Steht ein Mensch in einer festen Beziehung, sollte es eine Lösung sein, mit der beide Partner einverstanden sind und auch gut leben können. Nicht mehr und nicht weniger.

    @Comran

    Zitat

    Es wäre schön für das Forum und späteren Menschen mit dem gleichen Problem, wenn du dich nochmal melden würdest, wie du für dich deinen Weg gefunden hast.

    Nun sind ja ein paar Monate ins Land gegangen und wie versprochen werde ich mal berichten, wie es dann ausgegangen ist *:)

    @ flo_eck

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    So, wie du deinen Freund beschreibst, bedeutet Öffnung der Beziehung einen faulen Kompromiss, den er aus Angst, dich zu verlieren, eingehen wird. Überlege dir gut, ob du das willst.

    Genau, ich hätte ihm mit meiner Beichte sehr weh getan. Und wahrscheinlich wäre er trotzdem in der Beziehung geblieben und hätte es mit einer Beziehungsöffnung versucht, nur um mich zu halten, auch wenn er dabei leidet wie ein Hund. Ich kenne ihn ja sehr gut, daher traue ich mir schon zu, seine Reaktionen abzuschätzen. Das alles hätte die endgültige Trennung aber auch nur verzögert und meinem Partner viel Kummer bereitet. %:|

    @ Ralph_HH

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    Es wirkt, als wüsstest Du nicht so recht, wie das funktioniert, sich zu trennen...

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    Ich kann aus Deinen Zeilen nicht herauslesen, dass Du ein Mensch bist, der auf jeden Fall eine offene Beziehung braucht.

    Das war auch das Hauptproblem, ich wusste nicht, wie man sich trennt. Es lief ja oberflächlich gut.


    Im Nachhinein kann ich erkennen, dass es mir gar nicht so um eine offene Beziehung geht, sondern um eine Legitimation, um den Affärenmann zu sehen. Andere Männer will ich gar nicht.

    @ Krabbelkäferle

    Zitat

    - Selbstbestimmte Trennung ohne große Gespräche, ohne Offenlegung der Affäre, ohne tiefe Verletzung deines Partners

    Diese Option ist es dann geworden. Natürlich war er trotzdem verletzt und zutiefst enttäuscht.


    Ich weiß schon, dass ich mir die Suppe selbst eingebrockt habe. Mir tut es wahnsinnig leid, dass ich meinen Ex-Partner so verletzt habe. Diese Wochen vor der Trennung haben auch mich sehr mitgenommen, es fiel mir nicht leicht!


    Jedenfalls möchte ich mich bei euch allen bedanken, auch für die teils harschen, verletzenden Worte @:)


    Ich hab tatsächlich lange Zeit ausgeblendet, dass ich da ein totes Pferd reite... Diese Beziehung hat eben für den letzten Lebensabschnitt gepasst, und ich wollte mir nicht eingestehen, dass nun ein neuer beginnt. Und ich habe auch angenommen, dass es eben in meiner Natur liegt, dass mich andere Männer reizen, dass ich mich sexuell nicht fallen lassen kann... Nach meinem Beziehungsende hat auch der Affärenmann seine Beziehung beendet und wir sind zusammen. Nicht der ideale Beziehungsstart, rückblickend hätten wir beide einiges anders gemacht. Die Beziehung ist zukunftsversprechend x:) Andere Männer interessieren mich nicht, ich unbekannte Gefühle :)_


    Ich hab ja selber lange geglaubt, gut mit dem Affären-Modell fahren zu können. Dem ist nicht so!


    Zusammenfassend ein Rat an andere in meiner Situation: Bevor man eine Affäre anfängt, lieber gleich trennen oder massiv Arbeit in die Beziehung stecken, denn irgendetwas passt nicht!!! :)*

    Denke dabei an dich, das Leben kann sich so und so schnell wandeln. Ich denke, ich kann es aus seiner Sicht nicht beurteilen, wenn er dich wirklich liebt, dann spürt er, dass das du dich entfernst von ihm. Wenn eine Beziehung in das geschwisterliche abdriftet, ist es vorbei und macht keinen Sinn mehr. Es gibt keine perfekte Beziehung die auf allen Ebenen stimmig ist. Man muss auch auf etwas verzichten können. Wenn du einen vertrauenswürdigen Menschen aber ohne sexuelle Agilität haben möchtest (vielleicht könntest du dabei mit viel Mut etwas ändern, wie meine Vorredner empfahlen, bleibe bei deinem Freund, aber es wird nicht gut gehen, sonst wärst du nicht fremd gegangen. Es wird immer so sein, dass Menschen verletzt werden, aber mit Ehrlichkeit fährst du besser auch für dein Ego. Es macht für dich selbst keinen Sinn, so weiterzumachen. Du reibst dich auf und gibst dich auf.


    Entscheide dich, oder lebe vorerst so weiter und warte ab......du musst alles aushalten und durchstehen!

    Grundsätzlich hast Du natürlich Recht, dass man bevor man eine Affäre beginnt, sich lieber gleich trennt. Aber: Es gibt eben mannigfaltige Gründe auch eine solche Beziehung in der der Sex fehlt, trotzdem nicht zu beenden. Sei es Liebe, Verantwortung gegenüber dem Partner oder KIndern, auch materielles mag eine Rolle spielen.


    Die Moralapostel schreien erfahrungsgemäß nur so lange sie selber nicht in der Situation sind. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und Verurteilungen durch Fremde sollten hier rein und da raus gehen.


    Gruß, Die Berberitze

    Berberitze

    Zitat

    Aber: Es gibt eben mannigfaltige Gründe auch eine solche Beziehung in der der Sex fehlt, trotzdem nicht zu beenden. Sei es Liebe, Verantwortung gegenüber dem Partner oder KIndern, auch materielles mag eine Rolle spielen.

    Da hast du natürlich recht. Mein Ratschlag sollte sich an Menschen in meiner Lebensphase wenden, die noch keine Familie gegründet haben und auch sonst noch keine bleibenden Tatsachen geschaffen haben.

    unholy09

    Dein Ratschlag trifft die Sache sehr gut. Mittlerweile ist die Beziehung auch beendet. @:)

    @ Blaue Auster

    Zunächst einmal Freut es mich für Dich, dass du eine Entscheidung getroffen hast, auch wenn ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer diese Entscheidung ist.

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    Zusammenfassend ein Rat an andere in meiner Situation: Bevor man eine Affäre anfängt, lieber gleich trennen oder massiv Arbeit in die Beziehung stecken, denn irgendetwas passt nicht!!!** :)*

    Dein Rat ist gut gemeint und würde viele Verletzungen vermeiden, aber er wird nur Wenigen helfen.


    Ich denke, je länger man eine Beziehung führt, umso mehr arrangiert man sich mit Dingen die nicht gut laufen. Da die meisten Menschen zusätzlich risikoscheu sind, halten sie noch lange an Beziehungen fest, die von außen betrachtet eigentlich schon gescheitert sind.


    Ich sehe das auch in meinem Umfeld. Ich muss wirklich sagen, dass nicht nur Männer, wie in deinem Falle, sondern genauso Frauen ihre Männer regelrecht in den Seitensprung hineintreiben.


    Noch nicht einmal der Seitensprung an sich, so wie bei dir, sondern erst die Entdeckung desselben ist dann der Auslöser für die Trennung. In den meisten Fällen kommt dann eben auch die Trennung nicht vom betrügenden Partner sondern vom Betrogenen.


    Mich würde wirklich interessieren wie viele Ehen langfristig glücklich, das heißt ohne Seitensprünge wirklich funktionieren.


    Wenn ich davon ausgehe, dass durchschnittlich jede zweite Ehe scheitert und von den verbliebenen 50% noch die abziehe, die nur noch auf dem Papier existieren oder von einem der beiden Partner als intakt empfunden werden ist die Ehe doch wirklich kein Erfolgsmodell.


    Ich persönlich glaube, das Zweitehen erheblich bessere Erfolgsaussichten haben, da man dann die Tücken schon kennt und sich den Schritt in die zweite Ehe noch genauer überlegt hat.


    Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel.


    Ich wünsche dir, aber auch deinem Expartner, dass ihr die Sache hoffentlich bald verarbeitet habt und bald Beide wieder glücklich seid.

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    Nicht der ideale Beziehungsstart, rückblickend hätten wir beide einiges anders gemacht. Die Beziehung ist zukunftsversprechend x:) Andere Männer interessieren mich nicht, ich unbekannte Gefühle :)_

    Na dann hoffen wir mal dass es dem anderen auch so geht.