*Hallo Striptease*,


    solche "Grübelphasen" in Bezug auf meine Partnerschaft erlebte ich in meinem Leben drei Mal:


    1. Mein heutiger Mann (Jugendliebe) fragte , ob wir noch vor dem Studium heiraten wollen.


    //

    // Ergebnis: Ja, wieso etwas suchen, was ich schon habe.


    Die nächsten 15 Jahre, bewiesen, dass diese Entscheidung völlig richtig war. Studium, erster Haushalt, Kinder, Erfolg im Beruf-wir entwickelten uns gemeinsam, fühlten uns glücklich.


    2. Mein Mann übernahm eine anspruchsvolle Aufgabe, war viel unterwegs...ein Kollege gab mir das Gefühl etwas Besonders zu sein, sollte eine neue Aufgabe mit ihm übernehmen,


    // ??? Wie reagiere ich? Wieso genoss ich das Zusammensein mit ihm? Fehlte mir etwas zum Glücklichsein?// Ergebnis:Ein Ja zu meinem Partner, den ich nicht enttäuschen wollte. Ein Nein zu einer intensiveren Zusammenarbeit, weil ich mögliche Folgen nicht verantworten konnte.


    Die Entscheidung fühlte sich richtig an. Ich drängte auf mehr gemeinsame Erlebnisse, unsere Urlaube mit den jugendlichen Kindern wurden abenteuerlich, eine schöne Zeit, die Kinder fast flügge, mal das Haus voll junger Leute-dann wieder Zeit für uns.


    3. Innerhalb von 6 Jahren wurden Eltern und Großeltern krank. Krankheit, Pflege und Tod belasteten uns sehr. Ich erlebte mich am Limit, hatte keine Zeit zum Nachdenken, fühlte mich trotzdem gut, denn ich wollte den Menschen, die ich liebte, etwas zurückgeben.


    Mein Mann zog sich zurück, Sex bekam so einen genitalen Abreaktionscharakter . Ich dachte nicht nach, schob alles auf seinen Schmerz, ertrug diese Art von Sex nicht mehr, verweigerte mich.


    Auf seinen Dienstreisen fand er Trost bei einer Anderen, die mich informierte, wohl, weil sie mehr erhoffte, als er geben wollte.


    Das war mein emotionaler Supergau, das gefühlte Ende.


    Er sah es als schlimmen Fehler, wollte beweisen, dass unsere Partnerschaft zwar angeschlagen ist, jedoch nichts an Bedeutung eingebüßt hat.


    //??? innere Zerrissenheit: Enttäuschung, Wut, Trennungswunsch kontra Trauer, Liebe, Hoffnung. Erstmals das Gefühl tiefen Unglücks //


    Über ein Jahr war ich unfähig, mich für oder gegen uns zu entscheiden. Ich lebte mein Leben, zog mich zurück, spürte kein Glück mehr.


    Er brachte eine Geduld auf, die mich heute noch erstaunt, kämpfte mit allen Mitteln um unsere Partnerschaft, bei mir prallte das oft ab.


    Zu unserem Hochzeitstag lud er unsere erwachsenen Kinder und mich zum Essen ein und entschuldigte sich und bat mich neue Eheringe anzunehmen als Symbol für eine nicht zerstörbare Liebe. Mein rationaler, ziemlich unromantischer Mann und so eine Geste- das warf mich um.


    Heute sind wir 35 Jahre ein Paar und wir wissen, was Glück bedeutet: Ein Lächeln des Partners, das Toben der Enkel, den Körper spüren beim Arbeiten im Freien, beim Sex und beim Sport, das Genießen der Natur, das Entdecken anderer Länder und Menschen, ein Danke, eine Tasse Kaffee, eine Blüte, eine Stunde zu zweit, das Lachen mit Freunden....


    Um das Glück zu spüren, braucht es wohl auch den Schmerz.


    Mein Mann behauptet, dass er sich sein Leben lang oft richtig gut gefühlt hat, das tiefe Glück könne er jedoch erst heute empfinden. Er habe sich dem Schmerz,der Angst und der Trauer verweigert und dabei den Zugang zu seiner tiefen Gefühlswelt verloren. Die emotionale Kälte habe die Affäre ermöglicht, beim Betäuben geholfen.


    Den Schmerz, den unsere mögliche Trennung dann auslöste, konnte er nicht mehr wegschieben. Er habe ihm wieder das Fühlen gelehrt.


    Mich hat dieser Schmerz erstarren lassen, erst die Wärme und Liebe meines Mannes zeigten mir, was wichtig ist im Leben.


    Das Glück, liebe Striptease, ist mit Sicherheit in deiner Nähe, du willst es erzwingen, deshalb, versteckt es sich.

    Monika (Hi :)), Süntje, Superkröte


    ja, warum die "flüchtigen Schmetterlinge", wenn es nach Glück klingt.


    Ich weiß es nicht. Hier gab es einmal einen Faden, wo es kurzfristig dann um die Frage der Entscheidungen ging. Viele haben sich dann dafür ausgesprochen, dass sie gut Entscheidungen treffen können. Heißt also, wenn sie sich zwischen zwei Dingen entscheiden und dann eben diese Entscheidung für die eine Sache fällt, dann sind sie damit zufrieden und trauern nicht dem hinterher, wofür sie sich nicht entschieden haben. Ich konnte das noch nie. Wenn ich mich entscheiden muss, hasse ich das ohnehin. Wenn ich dann die Entscheidung treffe, bin ich nicht erleichtert, weil ich jetzt etwas habe, sondern traurig/sauer, weil ich verzichten musste.


    Ich fühle mich sicher und dadurch verspüre ich Langeweile. Gleichzeitig aber fürchte ich diese Sicherheit zu verlieren. Es ist heuchlerisch, das weiß ich selbst. Und letztendlich führt es zu nix, weil ich zu feige bin. Andererseits scheint es, als sei es doch nicht so normal solche gravierenden Zweifel zu haben... Viele hier sind ja doch sehr glücklich.


    delilah, LilaLina


    als ich eure Beiträge gelesen habe, musste ich oft nicken :)z


    Geredet habe ich mit ihm in letzter Zeit nicht. Wir haben oft früher darüber geredet. Aber ich weiß, dass er jetzt in einer anderen Welt ist. Wie soll ich es sagen... Wenn ich mich langweile, denke ich mir Dinge aus. Ich plane irgendwas, koche irgendwas, schreibe süße Sms... Und das Interessante ist, dass er mir dann letztens sagte, dass die Beziehung jetzt perfekt ist. Das Problem ist, dass ich mehr spiele, als fühle. Wie gesagt, ich habe das Gefühl, ich bin in einem Vakuum. Also spiele ich "die perfekte Beziehung" (aus meiner Sicht natürlich :-D ) um mich bei Laune zu halten. Dabei kommen dann gemeinsame Wochenend-Ausflüge raus, romantische Spieleabende und das gefällt ihm. Ich kann ihm aber schlecht sagen, dass die Vorbereitung des Ganzen für mich aufregender ist, als die Sache selbst.


    Ich mache auch oft was mit anderen. Urlaub zwar nicht (das hat aber eher zeitlich-finanzielle Gründe, wenn ich mit anderen Urlaub mache, kann ich mit ihm keinen haben und da wir ja so unglaublich "gleich" sind, macht ein Urlaub mit ihm am meisten Spaß... so paradox das jetzt zu meinem ganzen Faden hier klingen mag). Aber das ist auch das Problem.. früher, zu Beginn der Beziehung war ein jeder Abend, an dem er nicht dabei war, ein verlorener Abend. Heute ist es egal... Mit ihm macht es Spaß, ohne ihn macht es auch Spaß. Und das wiederum macht mir Sorgen, weil ich es nicht mag. Ich will ihn vermissen.

    Seherin

    Zitat

    aber, da ist doch jeder mitverantwortlich, dass diese aufregung immer wieder aufleben kann.

    Ja :). Verstehe mich nicht falsch, aber das Argument habe ich oft gehört und noch öfter selbst gebracht (früher).


    Die Dinge, die du aufzählst, sind top. Vieles davon machen wir auch. Manchmal aber... wie soll ich es sagen... Manchmal machen wir das genau aus dem Grund "die Aufregung wieder aufleben zu lassen". Und wir beide wissen das. Als wäre da ein Skript, weisst du... Wir spielen also ein Szenario "Wir beleben die Aufregung wieder" und ich (ich weiß nicht, wie es bei ihm ist, wie gesagt, ich rede nicht mit ihm darüber) weiß aber genau, dass es nur pro forma ist. Für mich macht es das nicht aufregender, ich habe dann nur ein Pflichtprogramm "wir haben den Alltag besiegt" abgearbeitet.


    Was wirklich funktioniert (und das gibt mir zu denken), ist Streit. Wie Toffifee schreibt. Und dann, während des Streits und kurze Zeit danach fühle ich mich lebendig in dieser Beziehung, als hätte einer ein Fenster aufgemacht.


    Emma


    Ich weiß nicht, welcher Typ ich bin. Ich könnte annehmen, ich bin tatsächlich mehr der "in eine Beziehung gehörender" Typ. Andererseits kenne ich auch nichts anderes. Ich mag im Leben keine Risiken und eine Trennung wäre ein Risiko. Auch rein faktisch gesehen, jetzt unabhängig von der Frage "neue Beziehung, neue Enttäuschung". Das soll jetzt nicht heißen, ich trenne mich nur deshalb nicht ;-D . Ja, ich liebe ihn und ja, ich sagte es ja, ich bin latent glücklich (also zufrieden). Aber ich ehrlicherweise muss ich auch bedenken, dass mir ein Umzug auch nicht unschwer fallen würde.

    strip


    *:) @:)


    Wenn ich mir dein Motto ansehe, frage ich mich, ob es da nicht eine Art "Programm" in dir gibt, gegen das diese Beziehung verstoesst – dass du vielleicht prinzipiell glaubst, dass Veraenderung gut und Stillstand schlecht sind, nicht weil in dieser Beziehung irgendwas falsch waere... Wenn das so waere, hielte ich das fuer keinen guten Ratgeber.


    Vielleicht ist es deine Wahrnehmung, die die Beziehung mehr als "immer dasselbe" erscheinen laesst als das noetig waere. Vielleicht liessen sich Entwicklungen bei euch, zwischen euch finden, wenn du anders hinsaehest? Und vielleicht gibt es eine Chance, euch bewusster zusammen zu entwickeln. "Man steigt nie zweimal in denselben Fluss"...


    Fuer mich persoenlich ist die Erfahrung, dass ich nicht immer alles moegliche noch in Zukunft ausprobieren und erleben kann, was ich mir vielleicht ertraeume oder vorstelle, ganz wesentlich am aelter werden. Man kann Erfahrungen machen, aber fuer jede Tuer, die man oeffnet, laesst man eine andere geschlossen, die man stattdessen haette oeffnen koennen. Du kannst deine Beziehung verlassen, aber das nimmt dir die Erfahrung, drin geblieben zu sein (und du kannst nicht wissen, wie sie sich zu dem verhielte, was andere in solchen Beziehungen erlebt haben). Wenn du wirklich glaubst, du weisst ganz genau, was diese Erfahrung bedeutet und hast genug davon, OK. Aber vielleicht ist das ein Irrtum.

    Toffifee

    Zitat

    Hast du in all den Jahren eigentlich mal jemanden kennengelernt, der dir gefährlich werden konnte?

    Joa... nicht für die Beziehung. In der Hinsicht habe ich wohl so eine Art "Vaterkomplex wird durch Erster-Freund-Komplex" ersetzt. Ich habe viele Typen kennengelernt, die mich interessiert haben. Viele mit den es spannend wurde, aber niemanden mit dem ich mir eine gemeinsame Wohnung oder auch nur einen gemeinsamen Urlaub vorstellen könnte. Wobei mir auch klar ist, dass ich dafür zu verwöhnt bin. Das ist die Kehrseite diese Sache über die ich so schimpfe... Berechenbarkeit heißt auch, dass jemand dich so gut kennt, dass er keine Verhaltensweisen auffährt, die dich nerven. Andererseits... ach, es gibt viel pro und kontra bei anderen Typen ;-D


    katercharlie

    Zitat

    es fehlt dir offensichtlich die spannung, das unerwartete, das spontane, das unmögliche, der kick, die schmetterlinge.

    ja.

    Zitat

    gemeinsam SPASS haben, lachen weinen,


    verrückte dinge tun...

    ne, das hab ich alles. Das ist ja das Problem :). Sonst wären die Dinge klarer.

    Grauamsel

    Zitat

    Kurz bevor wir heirateten, sagte eine alte, sehr weise Verwandte zu uns: -Nun werdet Ihr bald "ja" sagen zu einander und ich wünsche Euch, dass Ihr JEDEN TAG "ja" sagen könnt zu einander. Ihr MÜSST jeden Tag "ja" sagen zu einander, nur so kann ein gemeinsames Leben gelingen. Manchmal jubelt man "JA!" – manchmal sagt man bloss leise "ja", aber auch ab und zu wütend "JA". Es wird traurige, verzagte "ja" geben, hoffnungsfrohe und auch schwierige. Manchmal ist man auf das JA des Liebsten angewiesen, damit man eine Bockigkeit aufgeben kann – manchmal ist ist das JA zur Versöhnung fast nicht sagbar. Es MUSS gesagt werden...

    Das ist an sich wunderschön. Aber genau das, ist mein Problem. Ich habe immer "ja" zu der Liebe gesagt. Ich war immer der Mensch, der an die eine, wahre, große Liebe geglaubt hat. Und wenn irgendwas schief ging (Lancis wir waren nicht getrennt, wir haben uns seelisch gegenseitig zerfetzt, aber eine Trennung war es nicht, es ist zu kompliziert für hier, also nur... nein, es sind volle 12 Jahre), war es das erste, woran ich dachte: "diese Liebe kann doch nie/nicht vorbei gehen". Also habe ich mich aufgerafft und er sich (keine Ahnung, woran er dachte... er ist da nicht so Shakespear-trächtig ;-D ).


    Aber genau das bricht mir im Moment einwenig den Hals :-) . Denn ich will nicht, dass es ein tägliches "ja-sagen" ist. Zu was auch immer. Ich will morgens aufwachen und fühlen, dass ich das Richtige lebe und das tu ich nicht. Ich fühle eigentlich nichts. Auch nicht, dass es falsch ist. Es ist eine Liebes-Routine.


    Taps

    Zitat

    Wichtig sind doch das Aufeinander-Verlassen-Können, die Verständigung ohne Worte, das Fallenlassen.

    Das mit dem Esel ist gut. Genauso will ich mich sehen. Genauso versuche ich es die ganze Zeit zu sehen. Davon versuche ich mich zu überzeugen: es geht mir gut, ich bin glücklich, ich bin so glücklich, dass ich unglücklich sein will, weil ich mein Glück nicht verstehe. Sowas in der Art.


    Es funktioniert sehr oft.


    Wenn ich aber ehrlich bin, "funktioniert" es halt nur. Es nimmt mir diese Zweifel und diese Sehnsüchte nicht, es verdrängt sie für eine Zeitlang. Und in meinem Alter muss ich mir langsam zumindest die Frage stellen (ich kann ja immernoch feige genug sein sie nicht wirklich zu beantworten): entscheide ich mich gerade für ein Leben, das ich will oder nur für eins, das ich einfach habe und das zu ändern ich zu viel Angst habe, selbst wenn ich es wollte?


    Ich mag Routine nicht. Ich mag Ungewissheit. Der spannendste Moment für mich, wenn ich einen anderen Mann kennenlerne, ist, ob die Anziehung funktioniert. Sobald es "sicher" ist, es also nur noch darum geht, was sich entwickelt, ist es nicht mehr interessant. Nicht nur deshalb, weil ich in einer Beziehung bin, sondern auch, weil das Interesse wirklich nachlässt. Ich spüre es förmlich.


    an alle anderen


    den ich nicht persönlich geantwortet habe, vielen Dank @:) . Ich habe alle Beiträge mit Interesse gelesen und konnte etwas für mich daraus entnehmen!

    puh... das ist dann natürlich wirklich schwierig!?


    es ist ja nicht mal eine frage von:


    weißt du denn, was du willst?


    oder


    weißt du denn, was du nicht willst?


    wann warst du das letzte mal länger von ihm getrennt?

    Weißbuche

    Zitat

    Um das Glück zu spüren, braucht es wohl auch den Schmerz.

    ja.

    Zitat

    Das Glück, liebe Striptease, ist mit Sicherheit in deiner Nähe, du willst es erzwingen, deshalb, versteckt es sich.

    Auch hier: ja. Nur... Ich kann mit dem Wissen um diese Wahrheit (Idee??) leben. Aber verloren fühle ich mich manchmal trotzdem.


    Lewian


    Genau das. Ich habe mich das auch schon gefragt. Dieses Zitat von Remarque habe ich nicht von ungefähr. Es trifft auf das zu, wie ich die Welt empfinde. Alles, was ich habe, was ich bin, was ich will, es kommt mir vor, wie Wasser. Je mehr ich reingreife, desto eher rinnt es mir zwischen den Fingern. Manchmal sitze ich abends da, sehe mich um und... habe alles. Auf dem Tisch stehen Blumen, die er nach 12 Jahren immer noch bringt, meine Katzen sind verschmust, satt und glücklich, wir haben uns gerade darauf geeinigt, dass wir über das Grass-Gedicht, Syrien und unseren Urlaub dasselbe denken, wir hatten eine Auseinandersetzung zum Thema X und haben dann darüber gelacht, weil wir uns fast gestritten hätten und und und... Es wäre der perfekte Abspann für einen Film. So einen, wo es die Handlung durch um Mord, Gefahr und Atemlosigkeit geht und zwei Liebende um ihr Leben und Liebe kämpfen und dann wums! Happy End... Und die letzte Szene voller Glückseligkeit. Das Kino weint, die Leute stehen auf, nehmen ihre Taschen und gehen Hand in Hand heim... Und ich sitze in diesem Abspann und frage mich "und jetzt?"


    Ja, ich bin der Esel auf Glatteis. Ist mir auch klar. Nur hilft mir dieses Wissen irgendwie nicht. Ich sehe es doch auch schon voraus. Ich jammer hier. Aber die meisten hier haben auch Recht: lass dich fallen, halt die Klappe, schätze, was du hast. Und genau das werde ich wohl auch tun. Und dann... Karriere, Kinder, Gehaltserhöhung, Eigenheim, paar Beerdigungen, vielleicht ein-zwei Geliebte bei ihm, vielleicht mal ein ONS bei mir... zusammen alt werden, Kinder aus dem Haus, Enkel und irgendwann blicke ich den Spiegel und sehe eine 70jährige vor mir, die... bereut, weil Fragen offen geblieben sind? Oder ist glücklich, weil sie das "Richtige" getan hat?


    Ich will beides. Ich will beide Türen. Ich weiß, dass es nicht geht.

    Seherin


    Im Herbst. War ein paar Monate im Ausland. War glücklich. Aber das kann man so nicht bewerten. Ich hatte in diesen Monaten absolut keine Verantwortung, für nichts. Keine Arbeit, keine Familie, keine Verpflichtungen. Ich war am anderen Ende der Welt und alles, was mit Deutschland zu tun hatte, war fort. Ich kann nicht sagen, ob ich ohne ihn glücklich war (ich hab ihn aber auch schon vermisst, nur nicht, wenn wir miteinander gesprochen haben, denn er war ja hier, mitten im Job, gereizt, müde und genervt am Telefon. Es wäre unfair daraus etwas zu schließen) oder ob ich einfach glücklich war, weil mein Tag daraus bestand morgens zum Strand zu fahren und irgendwo ein Surfbrett zu kriegen.

    striptease


    Wie ich schon angedeutet hatte: Vielleicht gibt's mit ihm noch mehr zu entdecken, als du denkst? Da denke ich in eine andere Richtung als Seherin, aber ich muss zugeben, ich tue mich schwer, sie zu beschreiben.

    Lewian

    mein problem ist, dass ich momentan eben eher in keine richtung denke...


    das, was striptease beschreibt, klingt so "allumfassend" dass ich gar nicht mehr das gefühl habe, es ginge nur um die beziehung!?

    Zitat

    Und dann... Karriere, Kinder, Gehaltserhöhung, Eigenheim, paar Beerdigungen, vielleicht ein-zwei Geliebte bei ihm, vielleicht mal ein ONS bei mir... zusammen alt werden, Kinder aus dem Haus, Enkel und irgendwann blicke ich den Spiegel und sehe eine 70jährige vor mir, die... bereut, weil Fragen offen geblieben sind? Oder ist glücklich, weil sie das "Richtige" getan hat?

    Lewian


    Es ist schwer. Weil ein Mensch doch irgendwann... abgeschlossen ist. Weisst du, was ich meine? Er ist dann "fertig". Mit seinen Reaktionen, Vorstellungen, Vorlieben usw. Es kommt in einigen Charakter-Bereichen auch mehr Farbe rein und irgendwie vollzieht sich das Ganze unauffällig. Erst analysiert man es nicht. Man reagiert einfach seinerseits darauf und registriert "so und so ist es" oder "wenn ich das mache, reagiert er so", "wenn das passiert, dann fühlt er das und das". Und später erst tritt man zurück und erkennt nicht die einzelnen Reaktionen, sondern den Menschen an sich. Und kann in etwa erkennen, was man erwarten kann. Vielleicht täusche ich mich. Aber ich denke, alles, was er heute nicht ist, wäre er nur, wenn er "so tun" würde. Zum Einen würde er das nicht. So einer ist der nicht. Der verstellt sich nicht (und das ist irgendwo auch gut so). Zum anderen... Wäre es in diesem Fall nicht von Dauer.


    Nein, es mag sein, dass du recht hast (das Gegenteil ist auch war :-) ). Nur sehe ich es nicht.

    Zitat

    Weil ein Mensch doch irgendwann... abgeschlossen ist. Weisst du, was ich meine? Er ist dann "fertig".

    bist du da sicher? mir kam das, was du über dich selbst schreibst eher so vor, als würdest du bei dir selber unterstellen, dass du nicht "abgeschlossen" sein wirst, dein freund das aber schon ist? (das fände ich nun etwas unfair!)


    oder hast du angst davor, dass du durch deine beziehung keine möglichkeit mehr haben wirst eine andere zu werden, als du jetzt bist?


    und glaubst du wirklich, dass in deiner beziehung die individuelle persönlichkeitsdynamik insgesamt flöten geht?

    Ich glaube nicht, dass Menschen irgendwann abgeschlossen sind. Aber das ist letztlich wirklich eine Glaubensfrage, bzw. eine Frage dessen, wie man das sieht.


    Vielleicht liegt es daran, wie du ihn siehst...

    Seherin,


    es ist die Beziehung.


    Alternative wären kurzfristige Schmetterlinge mit anderen Männern (ohne schlechtes Gewissen, Verstecken usw), Single-Spaß, ein paar Fehlgriffe, die man den Freundinnen am nächsten Tag "beichten" kann, langfristig gesehen auch örtliche Unabhängigkeit, viele unterschiedliche Leben, an den man kurzfristig teilhaben kann (ich habe mal einen Maler aus London kennengelernt, später dann zwei Einladungen zu seinen Ausstellungen ausschlagen müssen, weil die Sache nicht ganz so unschuldig war, als dass es unkompliziert gewesen wäre, es anzunehmen – es wäre spannend gewesen diese Welt "von nahem" zu sehen... es wäre eine andere Welt und davon gibt es so viele Möglichkeiten).