@ Stuhlbein & LichtAmHorizont

    Es ist meine Meinung und mein Eindruck, der sich erst im Verlauf der Diskussion hier gebildet hat.


    Keine Ahnung, vielleicht gibt es andere, die ähnlich denken und sich nicht trauen diese hier zu äußern.


    Und die TE braucht ganz gewiss keine Kampfhunde, die sie verteidigen. Das kann sie,d in Unabhängigkeit als oberste Maxime setzt, erstens vermutlich recht gut alleine, und zweitens habe ich überhaupt keinen Anlass dazu gegeben, sprich sie angegriffen.


    Ich habe nur meine Meinung und meinen persönlicher Eindruck wiedergeben bzw. meinen Hintergrund erklärt. Wenn ihr dies als penetrant empfindet, von mir aus. Kann ich nicht ändern und will es auch gar nicht.


    Wenn für euch aus den Beiträgen der TE Mut und Kraft spricht und ihr sie deswegen bewundert, ist das für mich völlig in Ordnung. Ich sehe es nur anders, und das wird mir ja gestattet sein.


    Die TE kann sich entscheiden, wie sie lustig ist. Kurz gesagt, kann es mir völlig egal sein, und ist es auch. Nur muss die Diskussion über die Entscheidung verschiedene Seiten beleuchten dürften, weil es um grundsätzliche Ideen geht, die jeden Menschen betreffen.

    Zitat

    Und die TE braucht ganz gewiss keine Kampfhunde, die sie verteidigen.

    Sie braucht auch keine Kampfhunde, die meinen, penetrant hinterfragen zu müssen, worüber sie erklärtermaßen überhaupt nicht diskutieren möchte. *:)

    @ pelztier

    Die TE ist in einer Grenzsituation, und sie tut hier absolut keinem was. Es ist verständlich, dass du, die du dich selber in einer (individuellen, daher völlig anderen) Grenzsitation befindest, von dem was die TE schreibt, nochmal auf ganz andere Weise angerührt bist als wir, die wir noch nicht mal annähernd in einer ähnlichen Grenzsituation waren. Aus einer eher unbefangenen Warte von jemandem, der in der Theorie schon viel über diese Thematik nachgedacht hat, kann ich dir sagen: Ich hab in keinster Weise den Eindruck, die TE mache mir was vor, und ob sie sich selbst was vormacht würde ich mich nicht anmaßen beurteilen zu wollen. Sie ist in einer derart beschissenen Situation, dass ich ihr jedes positive Gefühl gönne. Wenn sie sich als tabuüberschreitende Heldin fühlen will, die hier als solche in Erinnerung behalten werden will (denke ich nicht), dann soll sie doch!


    Das ist einer der wertvollsten Threads hier, an die ich mich erinnere. Man lernt in ihm sogar Leute, mit deren Beiträgen man sonst gelegentlich weniger anfangen kann, von einer ganz anderen, schönen Seite kennen. Ich finde das gut so wie es ist!

    Und prinzipiell ist es legitim so zu denken wie die TE. Ich respektiere durchaus ihre Meinung, egal auf welchem Hintergrund diese entstanden ist, auch wenn ich sie weder nachvollziehen noch für mich für gut heißen kann. Ich habe mich lediglich kritischer geäußert bzgl ihrer möglichen Beweggründe hier im Forum zu schreiben. Ich bin offenbar nicht nicht die einzige, die diese nicht ganz nachvollziehen kann, auch wenn sie eingangs schreibt, dass sie sich austauschen möchte. Austauschen mit wem, worüber und vor allem warum? Vielleicht habe ich aber auch nur eine andere Definition von "austauschen".


    Mir schien es lediglich seltsam, dass bei einer derart gefestigten Haltung, die die TE hier zeigt, sie sich so "präsentieren" muss/will in einem öffentlichen Forum.


    Also, auch ich wünsche der TE alles Gute!

    @ CoteSauvage

    Danke für deinen Beitrag. Ich verstehe, was du meinst. Wenn du mir die Bemerkung noch gestattest: die TE ist zweifelsohne in einer persönlichen Ausnahmesituation. Aber auch hier muss es gestattet sein sagen zu dürfen, dass sie in eine Ausnahmesituation ist, weil sie keine Alternativwege gehen will. Und das ist letztlich noch einmal eine ganze andere Situation, das wird mir jetzt klar, als die Situation, in der keinerlei Alternativwege existieren - und zwar ganz gleich, wie ich die Situation betrachte.

    Ich empfinde Himmelgrün weder als überragend mutig noch als ungewöhnlich panisch. Sie hat nur vor etwas anderem Angst als die meisten Menschen in ihrer Situation das hätten. Die meisten Menschen fürchten den Tod mehr als alles andere, sie fürchtet die Abhängigkeit mehr als den Tod.


    Das bedeutet ja nicht das sie den Tod oder das Sterben nicht fürchtet. Es bedeutet nur das sie eine Entscheidung getroffen hat welcher Angst sie sich stellen will, was für sie der größere Verlust wäre. Ihr Leben oder die Unabhängigkeit, die Freiheit. Früher war ihre Wahl nicht so ungewöhnlich. Ein Ritter der in bestimmten Momenten das Leben statt der Unabhängikeit wählte verlor damit seine Ehre, sein Ansehen. Man verachtete ihn für die Feigheit. Damals hätte man sagen können er war mutig weil er das Leben höher schätzte als die Meinung seiner Mitmenschen. Heute könnte man sagen Himmelgrün sei mutig weil sie einen ungewöhnlichen Schritt geht.


    Ich glaube wenn man die Wahl zwischen zwei Dingen hat die einem eine unfassbare Angst einjagen ist es vorallem menschlich das zu wählen das einem schaffbarer erscheint. Nicht mutig, nicht feige, einfach menschlich. Und da man die Angst alleine besiegen kann muss man das schon alleine entscheiden welcher Weg der gangbare ist.

    Guten Morgen Leute *:)


    Ich sehe zwei verschiedene Kräfte, die hinter meiner Ablehnung von Schulmedizin und Maschinen-Überleben stehen. Die eine ist von allgemeiner Natur. Ich habe diese Einstellung, dass nicht alles, was machbar ist, gemacht werden soll. Die Einstellung, dass möglichst viel "natürlich" belassen werden soll. Die Einstellung, dass ich nicht mit dem Strom schwimmen muss/will. Auf dieser Ebene kann argumentiert und gestritten werden.


    Die andere Kraft ist die, die aus meiner persönlichen Geschichte resultiert. Da geht es nicht mehr um eine blosse Einstellung, sondern eher um Unvermögen. Meine Prägung (wenn ich es denn mal so nennen will) ist dermassen stark, dass ich sie nicht einfach (einfach schon sowieso nicht) auflösen kann. Oder jedenfalls nicht in der Zeit, die ich noch habe. Mich dafür zu verurteilen, halte ich für grausam.


    In meinen Erklärungen hier haben sich die beiden Kräfte vielleicht vermischt. Auf eine Weise sind sie ja auch miteinander verhakt. Die heftigen Reaktionen von pelztier86 haben mich dazu gebracht, genauer hinzusehen. Auch wenn es für Aussenstehende vielleicht nicht wichtig ist, mir hilft diese präzisere Sichtweise auf meine Motivation, das unterscheiden der Aspekte. Und sie hilft vor allem auch meiner Frau. Wir können zusammen trauern, seit sie mein "inneres Elend" erkennt und annehmen kann. Befänden wir uns nur auf der Ebene der ersten Kraft, verlieren wir uns, wie es phasenweise von Mitte 2014 bis Herbst 2015 geschehen ist.


    Hier von anderen Blickwinkeln zu lesen, hilft mir sehr beim reflektieren.

    @ pelztier86

    Zitat

    Ich habe mich lediglich kritischer geäußert bzgl ihrer möglichen Beweggründe hier im Forum zu schreiben. Ich bin offenbar nicht nicht die einzige, die diese nicht ganz nachvollziehen kann, auch wenn sie eingangs schreibt, dass sie sich austauschen möchte. Austauschen mit wem, worüber und vor allem warum?

    Meine Antworten dazu habe ich wie folgt (gestern und vorgestern) gegeben:

    Zitat

    Mittlerweile schreibe ich auch, weil die Beiträge von den Menschen hier bereichernd sind, inspirierend, tröstend, bestätigend, herausfordernd.. einfach toll.

    Zitat

    Ich kann mich mitteilen, kann während dem Formulieren meiner Ansichten mit mir weiterkommen und ich kann mich mit Gedanken von anderen beschäftigen – oft lese ich eben gerade hier Wichtiges von Menschen, mit denen ich in meinem Umfeld gar nicht in Kontakt käme. Deshalb empfinde ich diesen Austausch als Bereicherung.

    Ich verstehe nicht, was daran nicht nachvollziehbar ist und warum du schreibst:

    Zitat

    Mir schien es lediglich seltsam, dass bei einer derart gefestigten Haltung, die die TE hier zeigt, sie sich so "präsentieren" muss/will in einem öffentlichen Forum.

    Heisst das, dass sich nur Menschen, die nicht gefestigt sind, in einem öffentlichen Forum "präsentieren" dürfen? Also ich hoffe doch nicht.

    Zitat

    Die eine ist von allgemeiner Natur. Ich habe diese Einstellung, dass nicht alles, was machbar ist, gemacht werden soll. Die Einstellung, dass möglichst viel "natürlich" belassen werden soll. Die Einstellung, dass ich nicht mit dem Strom schwimmen muss/will.

    Ich hatte deine Aussagen bisher so interpretiert: Du willst möglichst nicht "abhängig" sein von irgendwas, sei das ein Mensch oder eine Maschine, und da das aus deiner Geschichte resultiert, kommst du dagegen auch gar nicht an, also ist es auch ein Nicht-Können.


    Das was du hier als 1. Erklärung für deine Entscheidung formulierst, finde ich aus sich heraus noch nicht verständlich.


    Dass man nicht alles machen will was machbar ist, ist noch keine Eingrenzung dahingehend, was man letztlich machen will. Das unterscheidet dich auch nicht von anderen Menschen, denn ich denke keiner macht alles was für ihn machbar wäre.


    Dass du nicht mit dem Strom schwimmen willst, ist auch ok, das ist für sich genommen aber auch kein Argument. Wenn ich was gut finde, was andere auch gut finden, mach ich es natürlich, auch wenn ich damit mit dem Strom schwimme. Ich mach bestimmt nicht etwas nicht, bloß weil es viele andere machen.


    Und dass möglichst viel "natürlich" belassen werden soll, klingt für mich ehrlich gesagt etwas nach Sekte ;-) Was ist schon noch "natürlich"? Dann müsstest du ja nackt rumlaufen. Und Medikamente nimmst du doch auch? Käme zB ein Herzschrittmacher (heutzutage absolut gängig, danach lebt man genauso weiter wie vorher) für dich nicht in Betracht, weil das Herz dann nicht mehr alleine, also "natürlich" arbeitet?

    @ CoteSauvage

    Dann versuche ich mal, die "1. Kraft" zu präzisieren.


    Nicht alles machen, was machbar ist


    Hier denke ich an die Dinge, die in der Patientenverfügung geregelt sind. Bei mir geht die Ablehnung von Machbarem sehr weit. Ja, vielleicht wäre ich sogar gegen einen Herzschrittmacher. Meine Grenze ist dort, wo ein Eingriff nötig wird. Könnte aber auch verschiebbar sein, um das genau zu wissen, muss die konkrete Situation da sein.


    Mit dem Strom schwimmen


    Nein, ich lehne die Möglichkeiten der Schulmedizin natürlich nicht ab, weil die meisten sie gutheissen. Es ist eher so, dass ich sie eben nicht zwingend gutheissen (und anwenden) will, nur weil die meisten das tun. Meine jahrelange Übung im gegen den Strom schwimmen macht mich hier ziemlich immun gegenüber der Meinung der Masse.


    Natürlich belassen


    Damit meine ich, dass ich es natürlicher finde, zu sterben, wenn einen eine tödliche Krankheit trifft, als eben die Möglichkeiten auszuschöpfen, die wir hier und heute haben. Dieses Leben wollen um (fast) jeden Preis kann ich nicht nachvollziehen. Ich denke dabei z.B. auch an die Möglichkeiten, ein Kind zu bekommen, wenn es "auf natürlichem Weg" nicht klappt. Auch das würde ich für mich ablehnen.

    Eben denke ich, dass der Anteil meiner Ablehnung, der auf "Kraft 1" beruht, wohl verändert werden kann. Ich glaube nicht, dass ich da völlig versteift bin oder bleibe.


    Für den Anteil betr. "Kraft 2" sehe ich eher schwarz.


    Auch das ist gerade eine wichtige Erkenntnis. Werde ich jedenfalls mit meiner Therapeutin besprechen. :-)

    Zitat

    Meine Grenze ist dort, wo ein Eingriff nötig wird.

    Hast du eine Ahnung woran das liegt? ZB daran dass du dann die Kontrolle abgeben müsstest? Oder Angst vor OPs (hat wahrscheinlich jeder und vermute ich bei dir jetzt mal nicht als Grund)?

    Zitat

    Es ist eher so, dass ich sie eben nicht zwingend gutheissen (und anwenden) will, nur weil die meisten das tun.

    Das ist klar. Diesen Umkehrschluss hätte ich auch nicht gezogen.

    Zitat

    Dieses Leben wollen um (fast) jeden Preis

    Auch da gehst du wieder vom Extrem aus. Du hast dich bei "natürlich" so angehört, als würdest du eher dem anderen Extrem zuneigen. Wenn du aber auch Dinge zulässt, die nicht "natürlich" sind, verblasst das Argument, finde ich, denn dann bräuchtest du ein Argument, warum das eine Unnatürliche zulässt und das andere nicht.

    Zitat

    Ich denke dabei z.B. auch an die Möglichkeiten, ein Kind zu bekommen, wenn es "auf natürlichem Weg" nicht klappt.

    So nach dem Motto "Es soll wohl nicht sein?" Und so ähnlich auch in Bezug auf den Tod/ die tödliche Krankheit: "Soll wohl nicht sein dass ich weiterlebe"? Ist das so ein Gedanke an "Schicksal"? (Hätte für mich dann wieder eine Art religiösen ANstrich).

    @ CoteSauvage

    betr. Eingriff. Das liegt daran, wie ich Krankenhausaufenthalte erlebt habe (bei Menschen aus meinem Umfeld). Momentan fehlt gerade die Zeit, näher darauf einzugehen.


    Beim Thema "natürlich/unnatürlich" steh ich gerade auf dem Schlauch und verstehe dich nicht. Kannst du noch präzisieren? Ich kann aber erst antworten, wenn wir vom Spaziergang zurück sind.


    Betr. Schicksal. Ja, das hast du richtig verstanden. Als religiös hab ich das noch nicht gesehen. Mit Religion hab ich mich auch nicht gross beschäftigt. Aber ja, ich glaub, ich bin auf eine Weise "schicksalsergeben". Interessanterweise jedoch absolut nicht bei jedem Thema. Da will ich noch nachspüren..

    Ich glaube, der Mensch weiss, wenn es Zeit zu gehen ist


    Das ist eher ein Gefühl als eine Schicksalsgläubigkeit.


    Wie gut, dass es mittlerweile Patientenverfügungen gibt.


    Hat lang gebraucht, bis das auf den Weg gekommen ist.


    Dieses Jahr war ich zweimal im Krankenhaus. Ein drittes Mal weigerte ich mich und war sicher, mich zu Hause besser kurieren zu können.


    Mit anderen Patienten im Zimmer habe ich erlebt wie meine Bettnachbarin (92 Jahre alte Frau) behandelt wurde, dass es ihr immer schlechter ging. Wir sind dann eingeschritten und haben die Pfleger informiert, was mit ihr vor 10 Minuten gemacht wurde und sie sich erstmal erholen muss (nur ein Beispiel von vielen anderen Situationen).


    Das war eine harte Nummer. Die Kinder von ihr vertrauten mir mehr als dem Pflegepersonal. Es war ein sehr persönliches Verhältnis. Ich hatte ihre wichtigen Unterlagen und ihre Brille. Mit Tränen in den Augen fragte mich die 60-jähirge Tochter, ob ich ein Auge auf die Mutter habe. Klar, dass ich für mich selbstverständlich. Da gibt es keine Frage.


    Wir fragten uns, ob das so richtig sei, dass sich Patienten gegenseitig unterstützen müssen. Wir waren auch nicht aus Spaß im Krankenhaus. Ich z.B. konnte kaum auf den Beinen stehen. Aber es war Handlung geboten. Wenn ich daran zurück denke, wird mir schwindlig.


    So möchte ich im Alter nicht behandel werden.