Bei Exit läuft es so:


    Wer sich für den Verein interessiert, tritt bei, der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt CHF 45.- . Das habe ich vor Jahren (vor der Diagnose) gemacht. Ich habe auch eine Patientenverfügung, Exit bietet da Unterstützung beim Erstellen.


    Dann kam die Diagnose und ich zog den begleiteten Suizid in Betracht. Dazu musste ich mich bei Exit melden, es wurde mir ein Fragebogen z.H. meiner Ärztin zugestellt und ein Antrag bezüglich mögliche Freitodhilfe. Meine Ärztin liefert in ihrem Bericht nicht nur Angaben zur medizinischen Seite, sondern muss auch meine Urteilsfähigkeit bescheinigen. Nachdem diese Unterlagen vollständig und unterzeichnet bei Exit eingegangen sind, meldete sich die Sterbebegleiterin und wir vereinbarten einen Besprechungstermin. Dieser wird am nächsten Donnerstag stattfinden.


    Die Begleiterin wird mit mir und meiner Frau reden, Fragen beantworten, Ängste thematisieren und auch Alternativen aufzeigen. Wenn ich auch nach diesem Gespräch die Freitodbegleitung wünsche, wird das nötige Medikament besorgt und im Tresor bei Exit gelagert. Ich habe bis zu 6 Monate Zeit, das Sterbemittel "abzurufen". Der Termin wird mit der Begleitperson abgesprochen und kann dann auch kurzfristig gewählt werden. Verstreicht die Frist, kann ich verlängern, allenfalls muss dann nochmal die Urteilsfähigkeit abgeklärt werden.


    Die Begleitung kostet nichts, wenn jemand länger als 3 Jahre Mitglied bei Exit ist. Ist die Beitragszeit kürzer, wird ein Teilbetrag der entstehenden Kosten übernommen (zwischen CHF 900.- und CHF 3500.-). Exit begleitet nur SchweizerInnen oder in der CH wohnhafte Menschen.

    Zitat

    Ich habe aber die grosse Hoffnung, dass ich diesen Frühling "noch mitnehmen" kann. Möglicherweise sogar den Sommer. Diese Aussicht ist nicht schlecht. :)z

    Das wünsche ich dir. Und dass du es genießen kannst. :)z

    Zitat

    Er hat die Erfahrung gemacht, dass Patienten so reden wie ich und dann aber nach medizinischer Hilfe schreien, wenn es ernst wird und/oder weh tut.

    Nun, wenn du es dir doch eines Tages anders überlegen solltest, dann darfst du dich ja immer noch umentscheiden und musst nicht unbedingt Recht behalten, nur weil du den Arzt nicht magst ;-) . Nur als hypothetische Option. Gibt es eigentlich einen Point-Of-No-Return, dass konventionelle medizinische Versorgung nicht mehr greifen würde?

    Liebe himmelgrün, zunächst mal freut es mich sehr, dass dir das Buch von Peter Noll etwas gibt. Ich weiß nicht ob ich es hier schon erwähnt habe: Mich hat es damals so beschäftigt, dass ich immer nur ein paar Einträge gelesen habe, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, durch das Lesen sein Sterben zu beschleunigen. Die letzte Eintragung habe ich erst Jahre später gelesen, weil ich ihn zunächst irgendwie nicht "tot lesen" wollte. Dass du sogar mit der Gegend aus der er kommt was anfangen kannst ist wirklich ein interessanter Zufall.

    Zitat

    Wer sich für den Verein interessiert, tritt bei, der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt CHF 45.- . Das habe ich vor Jahren (vor der Diagnose) gemacht.

    Das finde ich ja interessant. Heißt das, dass du dir, als du noch überhaupt nicht krank warst und keinen GRund hattest anzunehmen dass du eher sterben wirst als andere MEnschen, dich schon mit solchen Gedanken beschäftigt hast?

    Zitat

    Er hat die Erfahrung gemacht, dass Patienten so reden wie ich und dann aber nach medizinischer Hilfe schreien, wenn es ernst wird und/oder weh tut.

    Hm, nachdem die Krankheit am Ende ja eher langsam voranzuschreiten scheint, müsstest du ja quasi relativ frühzeitig eine Maßnahme treffen. Kann man das überhaupt so perfekt timen? Schon die Entscheidung an sich ist ja extrem schwierig, aber sich dann auch noch für einen bestimmten Zeitpunkt zu entscheiden stelle ich mir als noch viel schwieriger vor. Man will ja auch nicht zu früh "abtreten" ...

    @ Stuhlbein

    Und du? Bist verschont geblieben? PKD wird ja zu 50% vererbt, hab ich gelesen. Meine Mutter hat allerdings Nägel mit Köpfen gemacht – alle vier Kinder betroffen. Die Schwester hat sich bei zwei Söhnen immerhin an 50:50 gehalten. Glück für den einen, dass sein Bruder ihm eine Niere spenden konnte.

    @ Comran

    Ich finde es selber wirklich blöd, dass mich die Meinung eines Fremden (z.B. dieses Arztes) überhaupt beschäftigt. Aber ich muss zugeben, dass solche Aussagen mich ganz enorm trotzig machen und Gedanken mobilisieren, es ihm (oder anderen, die so reden/argumentieren) schon zu zeigen. Ganz klar, es darf nie und nimmer sein, dass mein "es-anderen-beweisen-wollen" am Ende mitwirkt bei der Entscheidung, höchstwahrscheinlich wird es das auch nicht. Aber den Energieaufwand, den ich damit habe, mit meinem Ärger und Trotz fertig zu werden – den könnte ich mir sparen, wenn es gar nicht zu so abwertenden Aussagen von Ärzten käme.


    Ob es einen point of no return gibt und wie ich den erkennen kann, weiss ich leider nicht. Auf diese Ebene wollte der Nephrologe ja nicht so gern zu sprechen kommen. :-|

    @ CoteSauvage

    Ja, ich habe schon sehr früh so gedacht. Mein salopper Spruch dazu: "Wenn es kein Herausgeld mehr gibt, dann ist für mich Schluss."


    Sterben war für mich lange Jahre eine Art Notausgang, für den Fall, dass mir das Leben zu schwer wird. Allerdings erwartete ich keine körperliche Krankheit, ich ging eher davon aus, dass ich es mental vielleicht nicht schaffe. Diese Befürchtung war dann aber ganz unbegründet, ich habe es sehr gut geschafft.


    Mein Grund für den frühen Beitritt war aber vor allem, dass ich den Grundgedanken der Selbstbestimmung wichtig finde und diese Organisation dafür unterstützen wollte. Exit macht ja nicht nur Freitodbegleitungen, sondern auch viel Pressearbeit, Patientenverfügungen usw. Ich finde es etwas beschämend, erst beizutreten, wenn man in einer akuten Situation ist. Die Begleitung ist ja eben gratis, weil die Kosten durch die vielen Mitgliederbeiträge (über 80‘000 Personen) gedeckt sind. Solidaritätsprinzip eben.


    Zum Thema Zeitpunkt: Das wird ziemlich sicher schwierig werden. Es scheint eine sehr individuelle Sache zu sein und ich muss wohl einfach sehen, was wird. Da meine Nierenleistung im letzten Jahr so überraschen schnell abnahm, habe ich mich auf eine weitere Talfahrt eingestellt. Trotz der Aussagen des Arztes scheint mir das plausibler als jahrelanges rumdümpeln im jetzigen Zustand, aber hellsehen kann ich ja nicht.


    Zum heutigen Zeitpunkt ist mir einfach wichtig, auf allen möglichen Gebieten vorbereitet zu sein. Deshalb will ich das mit Exit soweit durchspielen. Wenn ich die dann brauche, kostet es mich nur noch einen Telefonanruf. Auch Vermögensaufstellung, Testament hinterlegen, Papiere ordnen – sogar auch heute noch Steueroptimierung betreiben (ich kann nicht aus meiner Haut, grins) – all das ist für mich wichtig und beruhigt mich.


    Auf meinem kommenden Weg werde ich höchstwahrscheinlich ständig Entscheidungen treffen, (kleine und grössere) und mich so der endgültigen Entscheidung annähern. Heute habe ich mit meiner Therapeutin besprochen, dass wir in den kommenden Wochen mehr energetisch arbeiten. Ich weiss nicht viel darüber, aber sie glaubt fest daran, dass sie mich auf dieser Ebene unterstützen kann, dass vorhandenes Ungleichgewicht damit aufgehoben oder besser ausgeglichen werden kann. Offenbar liegt ihr viel daran, dass es mir gut geht, oder möglichst gut geht. Eine sehr schöne Erfahrung für mich.

    Zitat

    Offenbar liegt ihr viel daran, dass es mir gut geht, oder möglichst gut geht. Eine sehr schöne Erfahrung für mich.

    vor allem finde ich (überraschend) schön, dass sie dabei von deinen "bedingungen" ausgeht und nicht von sich aus - was sie bräuchte, damit es ihr gut ginge!

    Zitat

    Ich finde es selber wirklich blöd, dass mich die Meinung eines Fremden (z.B. dieses Arztes) überhaupt beschäftigt. Aber ich muss zugeben, dass solche Aussagen mich ganz enorm trotzig machen und Gedanken mobilisieren, es ihm (oder anderen, die so reden/argumentieren) schon zu zeigen.

    hmmm... ich überlege gerade so vor mich hin, ob trotz was gar nicht so schlechtes sein muss? klar, ich ärgere mich auch, wenn ich etwas zu nah an mich heranlasse, weil ich es auch nicht schaffe, ganz gelassen nur die sachinformationen herauszufiltern... aber trotz kann ganz interessante energien frei setzen, oder?

    Zitat

    Und du? Bist verschont geblieben?

    Leider nicht. Allerdings habe ich bisher keine größeren Probleme. Und da sowohl mein Vater als auch meine Großeltern väterlicherseits alle recht alt geworden sind, habe ich mir einfach mal eine relativ gute Prognose ausgestellt. ;-)


    Aber ich glaube, ich werde trotzdem demnächst nochmal einen Arzt aufsuchen.

    Himmelgrün, wenn deine Geschwister das auch haben, was haben sie denn für sich für Entscheidungen getroffen?


    Übrigens, was sich eine Freundin von mir mit Brustkrebs alles von Ärzten anhören musste hätte ich zuvor niemals für möglich gehalten.


    Stuhlbein, was du über dich geschrieben hast macht mich echt betroffen jetzt ...

    @ Cote Sauvage

    Bei meiner ältesten Schwester (59) ist die Progression sehr langsam, es ist möglich, dass es bei ihr gar nicht zum Nierenversagen kommt.


    Zweite Schwester (57): seit 2 Jahren Dialyse, wartet auf Transplantation. Leider momentan keine Lebendspende in Aussicht.


    Bruder: transplantiert (Lebendspende aus Bekanntenkreis)


    Neffe: transplantiert im Alter von 28 (glaub ich), Niere vom anderen Neffen. Bei ihm ging alles sehr schnell und sehr heftig.


    In einer Familie kann also der Verlauf sehr unterschiedlich sein und wie man sieht auch der Umgang mit der Krankheit.

    @ Stuhlbein

    Dann hoffe ich und wünsche dir von Herzen, dass deine Nieren noch viele Jahre ihren Job machen können. Die Familienanamnese sieht ja schon mal gut aus - obwohl - auch meine Mutter bzw. Grossmutter ist nicht an den Zystennieren gestorben und musste nicht dialysieren. Bei uns sieht es so aus, als ob es von Generation zu Generation schlimmer geworden wäre. Alle paar Jahre eine Blutuntersuchung und den GFR bestimmen schadet daher wohl nix.


    Alles Gute jedenfalls.

    Zitat

    Dann hoffe ich und wünsche dir von Herzen, dass deine Nieren noch viele Jahre ihren Job machen können.

    Danke, das hoffe ich natürlich auch. ;-)


    Deine Familie hat es ja leider sehr heftig erwischt.

    Mal wieder ein update von mir..


    Es geht recht gut. Die Tage gehen so vorbei und ich mach mir nicht zu viele Gedanken. Das Gespräch mit der Freitodbegleiterin erfolgte ohne grosse Emotionen. Jetzt fehlt noch die Konsultation beim Arzt, der dann das Rezept ausstellen soll. Hoffentlich ist das nur eine Formsache, ich wäre sehr beunruhigt, wenn er es verweigerte.


    Und dann möchte ich ja noch zu einer Palliativmedizinerin. Kontaktdaten habe ich erhalten. Allenfalls wäre März der richtige Zeitpunkt, um da mal vorzusprechen. Vorläufig hab ich wieder mal genug von Terminen.