Liebe- wieviel Zufall ist dabei?

    Im Fernsehen sah ich diese interessante Dokumentation, bei der Teile der Liebesbeziehungen teilweise eben auch biologisch/chemisch beeinflusst sind. Können oder sollten Menschen dieses Wissen nutzen, um Beziehungsabbrüche und damit größere Enttäuschungen schon im Vorfeld zu vermeiden? Kann man das auch ohne Messungen (gefühlsmäßig, im Unterbewusstsein) in gewisser Weise feststellen? Kann man die Liebe über dieses Wissen mitbeeinflussen?

  • 12 Antworten

    Ich glaube ja, der Versuch Gefühle zu rationalisieren ist so, als wenn man versucht die Relativitätstheorie mit dem Bauchgefühl zu erklären ;-)


    Vielleicht kann die Biochemie für einen persönlich mal als Erklärung für mangelnde Gefühle herhalte , aber ich glaube nicht dass man mittels eines transportablen Spektrometer einen Kompatibilitätsquotienten ermitteln kann ;-) Oder sollte....

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Biochemie beim ersten Eindruck eine sehr grosse Rolle spielt und entscheidend ist, ob man jemanden anziehend findet, oder nicht.


    Das geschieht wohl eher unbewusst und instinktiv und hat wie immer mit der Fortpflanzung zu tun.

    Zitat

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Biochemie beim ersten Eindruck eine sehr grosse Rolle spielt und entscheidend ist, ob man jemanden anziehend findet, oder nicht.

    Naja, dem Film nach gibt es eben durchaus Dinge, die auch für eine längerfristige Partnerschaft von Bedeutung sind und nicht nur beim Verlieben. Wenn biochemische Vorgänge bekannt sind, kann man offenbar durchaus rational darauf Einfluss nehmen- ja, man kann rein gefühlsmäßig handeln, man kann aber durchaus rational handeln, um damit auch die Entwicklung von Gefühlen zu verändern, was dann auf die Beziehung zurückwirkt. Denn auch das menschliche Denken und Handeln beeinflusst über unterschiedliche Ausschüttung diverser Hormone unsere Gefühlswelt. Das bedeutet, dass die Entwicklung der Gefühle nicht unbedingt rein zufällig sind, sondern durchaus beeinflussbar- wenn auch nicht unbedingt direkt.

    Zitat

    Ich glaube ja, der Versuch Gefühle zu rationalisieren ist so, als wenn man versucht die Relativitätstheorie mit dem Bauchgefühl zu erklären

    Gefühle bleiben Gefühle, d.h. Vorgänge im Gehirn/Nervensystem, die unbewusst ablaufen und das Denken beeinflussen und Gefühle hervorrufen. Wenn man Zusammenhänge zwischen biochemischen Vorgängen und damit auslösbaren Gefühlen kennt, kann man jedoch bestimmte Gefühle verstärken oder abschwächen. Das lässt sich auch dafür nutzen, um eine Beziehung zu festigen (sofern man das möchte). Ich hoffe, dass das deutlich genug macht, das eine Liebesbeziehung in vielerlei Hinsicht alles andere als schicksalhaft ist- eben auch die Liebesgefühle sind nicht nur Schicksal. Rationales Herangehen zerstört noch lange keine Gefühle, Gefühle bleiben Gefühle- dennoch kann man bestimmte Gefühle verstärken oder positiv beeinflussen (Beispiel Oxytocin- auf natürlichem Weg, z.B. über körperliche Berührung des Partners am effektivsten).


    Den Vergleich mit der Relativitätstheorie finde ich nicht passend und sehe da auch keinen Zusammenhang.

    Sensibelmann99


    So einfach wie Du versuchst die Liebe einschließlich einer Paarverbindung darzustellen, sind zwischenmenschliche Beziehungen leider nicht. Wenn man so wie Du es in vielen Deiner Beiträge versuchst darzustellen, die Erotik, Körperintensität, der regelmäßig vorhandene Flirtfaktor in der Beziehung sehr rational beeinflussbar ist und die werden es schon richtigen - bräucht es nur das tägliche mentale Mantra oder eine Hypnose, um lebenlang als Paar glücklich zu bleiben. Dem ist nicht so.


    Die Spannbreite warum einige Paare lange zusammen bleiben oder andere nicht, ist sehr groß. Ich kannte Paare bei denen Sex das Non plus Ultra war, die fast abhängig von häufiger sexueller Erfüllung waren und dennoch für ein Familienleben und eine Ehe denkbar unpassend waren und es nie geschafft haben sich über den tollen Sex als Beziehung weiter zu entwickeln.


    Ebenso habe ich erlebt, dass es Menschen gibt, denen viele Dinge gemeinsam so wichtig waren, bei denen die Beziehung auch ohne die Stetigkeit von Sex und Erotik, die Bindung erfüllt und ausgewogen ist, um zusammen zu bleiben.


    Zwischen diesen zugebenermaßen Extremen gibt es sehr viele Beziehungen die sich in unterschiedlichen Lebensphasen näher oder distanzierter begegnen, weil es schwer sein kann sich über viele Jahre oder Jahrzehnte durchgehend super und toll als Partner zu empfinden.


    Zudem hat in meiner Wahrnehmung jedes Individuum ein ganz persönlich natürliches Nähe- und Distanzbedürfnis zu sich selbst und anderen Menschen gegenüber. Dies wird stark mit beeinflusst aus der Eltern-Kind-Beziehung und dem was die Eltern ihren Kindern an Nähe, Intimität und partnerschaftlicher verbaler und non verbaler Kommunikation vorleben.


    Ebenso beeinflussen Trennungen der eigenen Eltern, vorallem wenn sie in der Vita von Kindern häufiger stattgefunden haben, später die eigenen Mittel der Kennlern- und Beziehungsebene, und unterschwellig sogar die eigene Partnerwahl.


    Nicht immer ist ein starkes Nähebedürfnis ein Ausdruck großer emotionaler Liebesgefühle oder befeuert diese positiv. Dahinter können ebenso große Verlustängste, emotionale Unsicherheit und der Wunsch nach partnerschaftlicher Führung stehen. Menschliche Gefühle/soziale Bindungen unterliegen einem Wandel der sich durch alle Lebens- und Liebes- und Paarphasen verändert.


    Die Wissenschaft vermag einiges erklärlicher und nachvollziehbarer machen, reicht aber dennoch nicht als Erfolgsgeheimnis einer erfüllt gelebten Beziehung aus.


    Dafür sind zwischenmenschliche Bindungen viel zu komplex und sensibel störanfällig, um sie auf rein biochemische Vorgänge im Gehirn runter brechen zu können.

    Die Doku versteift sich mal wieder voll auf den biochemischen Aspekt. Doch dabei leben wir mittlerweile seit Jahrtausenden in einer sozialisierten Gesellschaft, welche ebenfalls extrem unsere Partnerwahl beeinflusst. Solche Dokus tun gerne so als wären wir bei der Partnerwahl unseren Urtrieben völlig ausgeliefert , wobei bis heute nicht klar ist was genau diese Urtriebe sein sollen und ob es die überhaupt jemals gab.


    Natürlich greifen Hormone wie Oxytocin stark in unsere Hirnchemie ein, dennoch stellt sich auch hier die Frage nach Ursache und Wirkung. Schüttet das Gehirn Oxytocin aus um überhaupt erst in jemanden verliebt zu sein, oder Befeuert das Gefühl der Liebe die Oxytocinausschüttung?


    Fakt ist dass Bindung und körperliche Nähe bei Säugetieren eine große Rolle spielen, aber Forschung auf der Annahme von Höhlenmenschen zu betreiben und dies auf die moderne Gesellschaft beziehen zu wollen ist methodisch sehr unsauber und sagt damit im Endeffekt rein gar nichts aus.


    Ich bin der Meinung dass die Liebe DAS große Geheimnis am Menschsein ist und man das niemals wissenschaftlich erklären kann.

    Zitat

    So einfach wie Du versuchst die Liebe einschließlich einer Paarverbindung darzustellen, sind zwischenmenschliche Beziehungen leider nicht

    Meine Aussagen (auch die in dem Dokumentationsfilm) erheben keinen Absolutheitsanspruch, sie bedeuten immer nur Veränderungen von Chancen und Risiken, Veränderungen von "mehr" oder "weniger" und haben sehr viel mit Wahrscheinlichkeit denn mit "das wird so in jedem Fall so sein" zu tun.

    von ca. Minute 22:00- 25:30wird dargestellt, dass die langjährige Liebe sogar im Computertomographen im Gehirn messbar, es wird auch dargestellt, was wesentlich ist, um eine langjährige Liebe zu erhalten- mehr noch,es wird sogar festgestellt, dass diese langjährige Liebe sogar noch stärker wirken kann als bei Neuverliebten Paare und es wird das bestätigt, was ich hier schon mehrfach schrieb: gemeinsame, abwechslungsreiche Erlebnisse verbunden mit viel Dopamin-Ausschüttung (immer wiederkehrende Glücksgefühle) sind wesentlich für den Erhalt der Liebe ...

    Zitat

    Naja, wenigstens haben wir nun den Nachweis, dass auch Paare, die schon lange zusammen sind, einander tatsächlich lieben.


    Wird hier ja gerne in Frage gestellt.

    Ich hätte nicht gedacht, dass man das sogar messen kann- naja, die Neurologen mit ihrer Tomographie machen das möglich ...

    Hi Sensibelman


    Ich fand die Doku Klasse und habe sie mit Genuss gesehen und auch schon weiter verlinkt. Dass du dort Bestätigung für das gefunden hast, was du hier vertrittst, ist unübersehbar, aber es hat auch mich in dieser Klarheit überrascht.


    Natürlich wird da schwarz-weiß gemalt, das sieht man schnell am Beispiel der vier Typen. Wir bestehen alles aus Mischungen daraus, und darum muss man das natürlich differenziert betrachten. Aber solche Sendungen werden ja nicht für Idioten gemacht, sondern für Menschen, die damit umgehen können. Und ich fand die Umsetzung anschaulich und ansprechend. Weiterdenken wird – wie bei jeder guten Doku - voraus gesetzt.

    Zitat

    Natürlich wird da schwarz-weiß gemalt

    Naja, in der Physik nennt man das Idealisierung oder Darstellung des Wesentlichen. Klar ist das eine grobe Vereinfachung und ja, es gibt da Streuungen und Überschneidungen ...

    Die von dir verlinkte Doku hatte ich mir vor einigen Wochen auch schon mal angesehen. Vieles ist ja schon bekannt. Dass die Chemie "stimmen" muss, man sich riechen können muss, usw.


    Was mir neu war, waren diese Experimente mit langjährig glücklichen Paaren. Schon genial, dass man ihre lanjährige Liebe "messen" und nachweisen kann!

    Zitat

    Können oder sollten Menschen dieses Wissen nutzen, um Beziehungsabbrüche und damit größere Enttäuschungen schon im Vorfeld zu vermeiden?

    Theoretisch ja! Praktisch gehören immer zwei dazu.


    Und selbst wenn Paare wissen, dass z.B. viele schöne gemeinsame Unternehmungen, dem Erhalt der langjährigen Liebe förderlich sind, hab ich meine Zweifel ob in der einzelnen Beziehung wirklich bewußt, schon im Vorfeld einer Kriese dieses Wissen genutzt wird. Aus Bequemlichkeit wird dann doch lieber allabendlich vor dem Fernseher gehangen oder gedaddelt, statt sich den Partner zu schnappen und rauszugehen, gemeinsam ne Runde zu joggen, zu tanzen oder einfach nur gemütlich Hand in Hand zu spazieren, an den Wochenenden sich was Schönes anzuschauen, was zu unternehmen vovon man die ganze Woche zehren kann. Und diese Bequemlichkeit wird dann auch zig Ausreden finden, um zu begründen warum man so selten bis gar nicht, ganz bewußt was für den Erhalt der Liebe tun kann.


    Ein bisschen so, wie bei Übergewichtigen, die ganz genau wissen, was sie tun müssten, um ein leichteres und gesünderes Leben zu haben. Der innere Schweinehund wird zig Ausreden und entschuldigungen finden.

    Zitat

    ... man kann aber durchaus rational handeln, um damit auch die Entwicklung von Gefühlen zu verändern, was dann auf die Beziehung zurückwirkt. Denn auch das menschliche Denken und Handeln beeinflusst über unterschiedliche Ausschüttung diverser Hormone unsere Gefühlswelt.

    Ja, dieses Wissen und Umsetzen kann handlungsfähig halten. :)z