Liebe zwischen zwei Kulturen und Religionen, was tun?

    Hallo an alle,


    Vor zwei Jahren zog mein Freund aus den USA zu mir nach Deutschland. Wir hatten uns bei der Arbeit in USA kennen- und lieben gelernt. Nach einem Jahr Fernbeziehung entschieden wir uns zum Schritt zusammenzuziehen. Er kam damals nach Deutschland, da er im Kosovo geboren ist und in Europa seine ganze Familie lebt. Nur er war damals in die USA zum Studieren gezogen.Als er nach Deutschland kam, hatten wir es nicht leicht-sowohl finanziell (ich war ein halbes Jahr Alleinverdienerin) und auch die Bürokratie für seinen Aufenthalt, war für uns beide sehr anstrengend.Wir hatten aber auch schöne Momente, und waren sehr verliebt.Im Laufe der Zeit entwickelten sich bei mir allerdings Bedenken zu seiner Religion (Muslim) und seiner Herkunft (Kosovo). Ich war zum ersten Mal in Pristina, habe seine Familie kennengelernt, und obwohl sie alle sehr nett waren, habe ich sofort gespürt, dass ich dort niemals hinpassen würde, und alles für mich sehr fremd war. Ich war sehr unglücklich dort, und wurde krank. Die Armut und Andersartigkeit, vor allem wie man mit Frauen umgeht, hat mich schockiert. Es gibt Dinge im Islam, die sich nicht mit meinem Weltverständnis vereinbaren lassen. Auch die Sitten im Kosovo (die Familie meines Freundes gehört zu den Roma) sind ganz anders als ich und ich kann mich leider nicht überwinden da mitzumachen. Wenn wir beide in Deutschland sind, führen wir ein modernes junges Leben, gehen beide arbeiten, reisen viel, gehen Essen und viel aus. Was man so als junger Mensch in einer Großstadt macht. Dennoch ist mein Freund religiös geblieben und diskutiert immer mit mir, was die Rolle eines Mannes und einer Frau ist. Es gab soviel schlimmen Streit in den zwei Jahren, dass bei mir die Gefühle weg sind. Ich bin sehr unglücklich deswegen, weil er damals in den USA alles verlassen hat und zu mir kam. Ich weiß nicht wie ich es ihm sagen soll, bin ich ein böser Mensch, wenn ich Schluss mache? Ich weiß jetzt, dass wir nicht zusammen passen. Wir sind anders aufgewachsen, und sind uns nie einig. Was soll ich nur tun..ich hoffe auf einen Rat. Ich danke Euch allen.

  • 31 Antworten

    Natürlich bist du kein böser Mensch, wie kannst du sowas denken :|N


    Vor was für einer Reaktion von ihm hast du Angst, wenn du Schluss machst? Was werden die Konsequenzen sein?

    erkläre ihm einfach, du seist in deutschland geboren, du willst mit ihm in deutschland leben, aber nur so, wie es eben hier üblich und brauch ist...solltet ihr kinder bekommen, dann werden diese auch die in deutschland übliche religion annehmen usw.....und dann soll er sich entscheiden ;-)

    Denke eher, dass das weniger mit der jeweiligen Religion zu tun hat, sondern schlicht mit unterschiedlichen Wert- und Moralvorstellungen. Da muss man nicht mal wertend sein, aber wenn das Diskrepanzen für dich sind, mit denen du nicht leben kannst / willst, wirst du in dieser Beziehung nicht unbedingt langfristig dein Glück finden...

    Zitat

    Ich bin sehr unglücklich deswegen, weil er damals in den USA alles verlassen hat und zu mir kam. Ich weiß nicht wie ich es ihm sagen soll, bin ich ein böser Mensch, wenn ich Schluss mache?

    Auch ihm muss damals das Risiko bewusst gewesen sein, dass es auch in die Brüche gehen könnte, wenn er hierher zieht. Das Leben geht ja trotzdem weiter, ihm steht es dann ja offen zu bleiben oder in sein Heimatland zu gehen. Meiner Meinung nach kein Weltuntergang.


    So wie Du das beschrieben hast, könnte ich auch keine Beziehung führen. Du sagtest ja auch, dass Du bereits keine Gefühle mehr für ihn hast. Welchen Sinn hätte es also? Du kannst keine Beziehung führen, nur weil Du Schuldgefühle hast. Und schließlich ist es dein Leben. Du hast nur eins. Also lebe wie Du es möchtest. Du hast ihn nicht arglistig hierher gelotst, sondern das hat sich einfach ergeben, dass es nicht passt. Sowas passiert.


    Alles Gute :)*

    Ich kann dir nur was raten, was du daraus machst, musst du schauen. Also so wie ich es selbst erlebt habe, ich habe meine Wertevorstellungen teilweise aufgegeben für die Liebe und das war ein ganz schlechter Deal. Damit wird man auf Dauer nicht glücklich. Meine Erfahrung hat mir daher gezeigt, dass es nicht passt, wenn die Werte zu sehr voneinander abweichen..und man sollte sich nie aus Liebe verändern bzw. dem beugen. Du bist kein schlechter Mensch weil du dein Leben leben willst. Er ist für dich hierher gekommen, dennoch hast du ja erst jetzt sein richtiges Leben kennengelernt. Auch wenn er dir schwören sollte das er anders ist bzw. sich dir zuliebe etwas ändert..daran würde ich nicht glauben und es wäre auch falsch von ihm wenn er sich opfert, was er denke ich als Mann sowieso eher nicht tun würde, aber trotzdem, niemand sollte sich der Liebe wegen verstellen, oder Werte die einem eigentlich wichtig sind aus den Augen verlieren.

    Es gibt Dinge, die sich ändern im Leben. DAzu gehören Gefühle. Während die (seine) Familie sich nicht ändert.


    Hier prallen Welten aufeinander, die Gefühle sind bereits tot.


    Ich glaube nicht, dass seine mentale Welt untergeht bloss weil Du ihn verlassen wirst. Hoffentlich.


    Sein Familie war eh falsch mit ihren Gefühlen zu Dir. Er versucht Dich bereits jetzt von seinen Vorstellungen zu überzeugen, wie und wo es eigentlich lang geht.


    Handle nach Deinem Gefühl, nach Deinen Vorstellungen und hör auf Dir ein schlechtes Gewissen zu machen, bloss weil Du hier angeblich versagst, seinen Vorstellungen zu entsprechen.


    Es war seine Entscheidung, nach Deutschland zu kommen. Es ging schief. Wo ist der Unterschied, ob er nun aus Miami oder aus Gelsenkirchen kam. Der Irrtum ist der Gleiche, die Konsequenzen um Trennung auch.

    Hallo @ alishandag,

    kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen, indem was sie Dir geraten haben. Die kulturelle Prägung eines Menschen wird eher selten im späteren Leben komplett ignoriert oder über den Haufen geworfen. In der muslimischen Gesellschaft und Relegion hat die Führungsrolle des Mannes in der Familie einen sehr hohen Stellenwert. Die Jungen werden von kleinauf an, (in traditionell lebenden Familien, es gibt auch sehr viel liberaler lebende) auf diese Lebensweise hin geprägt, durch das Vorleben von Vätern und Großvätern. Diese gelebten Werte verschwinden nicht dadurch, dass man an einem anderen Ort oder anderen Gesellschaftsstrukturen lebt. Es sei denn, was eher selten ist, dass Menschen diese vorgelebten Werte völlig in Frage stellt, durch besser gelebte Argumente die überzeugen.


    Dein Noch-Partner wird im Ansehen seiner Familie auch daran gemessen, wie authentisch er die Familienwerte lebt. Söhne sind für den Zusammenhalt in der Familie sehr wichtig (deswegen nehmen sie einen höheren Stellenwert innerhalb der Strukturen ein), weil sie als Ernäherer des gesamten Clans weiterhin mitverantwortlich bleiben. Töchter heiraten in andere Familien rein, und werden dann Teil eines neuen "Clans".


    Du müsstest Dich darauf einstellen, dass auch Deine Kinder in so einer Beziehung diese Prägung erfahren, alles andere ist illusorisch und Du hättest die Pflicht für die häufig große Verwandtschaft als Gastgeberin immer ein offenes Ohr und Türen zu haben.


    Ich erlebe dies alles hautnah bei einer Freundin, die ich vor vielen Jahren noch ohne muslimischen Freund als Partner kennen gelernt habe. Sie war eine ganz Andere als sie heute nach über 10 Jahren ist. Es fing mit so vielen Kleinigkeiten an, unsere Telefonate wurden mittendrin ab gebrochen, sobald er zu Hause auftauchte, dass Handy wurde wenn er plötzlich dazu kam, aus der Hand gerissen, kontrolliert wer dran ist. Sie arbeitet in 3 Schichten durchgehend auch öfter über die Wochenenden oder Feiertage. Wenn Familienmitglieder zu Besuch waren, die tauchten häufiger ohne große Ankündigung auf, dann war für Essen und Trinken, Unterkunft zu sorgen. Darüber gab es keinerlei Diskussionen. Egal, ob sie gerade hundemüde aus der Nachtschicht kam, oder Spätschicht. Ein Bruder, der aus der Schweiz zu Besuch kam, blieb mal locker 2 Monate, der wurde dann ohne finanzielles Zutun dort bei ihr einquartiert (beide führen eine Fernbeziehung, Freund kommt nur an den Wochenenden). Die Liste könnte noch viel länger werden, es gibt unzählige Beispiele. Der Zusammenhalt innerhalb der Familienstrukturen kann für westliche Verhältnisse sehr extreme Formen annehmen. Bin aber dennoch davon weit entfernt, jede bi-nationale Verbindung in diese "Schublade" zu pressen, da ich auch andere Verbindungen kenne, in denen die Frau ein gleiches Mitspracherecht bei allen Entscheidungen hat.


    Wenn Du liebe TE bereits jetzt in euren gemeinsamen Anfängen an Deine eigenen Grenzen stösst, spürst, dass Dir diese Lebensform und Anpassung an seine Werte zu weit gehen, Du diese nicht leben kannst, zieh die Reißleine. Eure Diskussionen werden im Laufe der Zeit nicht weniger. Das Ansehen Deines Freundes wird nach außen auch stark davon beeinflusst, wie Du Dich als Partnerin an seiner Seite gibst. So wie Du es in Deinem Eingangsthread beschrieben hast, passen euer Wertekanon nicht zusammen. Nach einer Heirat würden seine Ansprüche an Dich noch weiter steigen, weil Du dann nach muslimischen Verständnis als Ehefrau das "Aushängeschild" für seine Ehre und sein Ansehen in seinem sozialen Umfeld bist.


    Mein Rat wäre, dass Du vor eurem Trennungsgespräch alle Voraussetzungen für Deinen Absprung aus der Beziehung bereits vorbereitet hast, sodass Du gehen kannst. Ein Zusammenleben nach diesem entgültigen Gespräch könnte ansonsten für Dich sehr schwierig unter emotionalen Gesichtspunkten werden. Das Verlassen eines muslimischen Mannes wird manchmal als große Schmach und Demütigung empfunden, könnte sich also nicht ganz einfach gestalten.


    Ein schlechter Mensch bist sehr sicher nicht, es gibt auch keine Gründe eine Beziehung aufrecht zu erhalten, in der Du als Mensch und Frau innerlich nicht angekommen bist. Mit einem Verbleiben in dieser Beziehung würdest Du gegen Deine eigene Natur leben, und mit jedem Jahr unglücklicher werden. Ihn wirst Du nicht verändern können, so wie Du es tief in Dir selbst auch nicht kannst. Bleib Dir in Deinen Sichtweisen und Werten treu, damit Du mit Dir im Einklang leben kannst. Dir alles Gute, für Deinen sicher nicht einfachen Schritt. Pass gut auf Dich auf! :)_ :)_ :)^ :)z

    Zitat

    rkläre ihm einfach, du seist in deutschland geboren, du willst mit ihm in deutschland leben, aber nur so, wie es eben hier üblich und brauch ist...solltet ihr kinder bekommen, dann werden diese auch die in deutschland übliche religion annehmen usw.....und dann soll er sich entscheiden ;-)

    glaubst du wirklich, dass das Sinn macht?

    Zitat

    dass bei mir die Gefühle weg sind

    wieso soll er jetzt versuchen, sich zu verbiegen, wenn die Basis (Gefühle) nicht mehr da ist?

    Zitat

    solltet ihr kinder bekommen, dann werden diese auch die in deutschland übliche religion annehmen usw.....

    Einen Mann aus einer Familie, die so drauf ist wie die TE es beschrieben hat, wird sich dann, wenn es soweit ist, garantiert nicht dran halten, was ihm die TE irgendwann "erklärt" hat %-|


    Außerdem hat die TE hier das Anliegen, sich zu trennen, und nicht, die Beziehung zu "retten".

    Guten Morgen!


    Ich bin ganz überwältigt von Euren Beiträgen, die nicht nur aufrichtig sondern auch sehr hilfreich sind. Manchmal muss man einfach von unbeteiligten Menschen hören, was man insgeheim schon denkt.


    Es stimmt in der Tat, dass ich vor allem noch in dieser Beziehung bin, weil ich einfach Schuldgefühle habe, dass er damals alles aufgegeben hatte um nach Deutschland zu kommen. Ich fühle mich schuldig, denn ich wäre diesmal niemals für ihn dieses Risiko eingegangen und ohne Job in die USA gezogen. Nur weil seine Familie in Europa lebt und ich einen sehr guten Job bei einer großen Firma habe, kam er zu mir.


    Ich dachte immer, dass ich ein toleranter Mensch bin (auch ich bin ein Mischling-deutsch/französisch) und andere Kulturen respektiere, doch hier stoße ich an meine Grenzen. Es ist immer ein Streitpunkt zwischen uns, dass ich Angst habe mit ihm in den Kosovo zu Besuch zu fahren. Das ganze Land ist in meinen Augen unterentwickelt und negativ. Ich sage nicht, dass alle Menschen dort schlecht sind, nein, doch verstehen sie nicht wie wir hier in Deutschland leben und vor allem wie Frauen heutzutage ein selbstständiges Leben führen können. Bis jetzt war das für meinen Freund kein Problem, doch immer mehr macht er mir Druck. Noch dazu sind meine Eltern gegen die Beziehung, sie haben nichts gegen ihn als Mensch, sondern sie möchten diese Beziehung nicht unterstützen. Sie waren von Anfang dagegen und waren der Meinung, dass ich in eine Negativspirale geraten würde.


    Ich hätte auf sie hören sollen, sie hatten wie immer Recht. Ich bin jetzt, auch wegen Eurer vielen hilfreichen Kommentare, überzeugt, dass ich ihm heute alles sagen muss. Was auch immer passiert, aber ich muss mein Leben wieder in die richtigen Bahnen bringen. Wer weiß, vielleicht findet er jemanden, der besser zu ihm passt. Ich bin es nicht, und ich will mein altes Leben zurück. Ich danke Euch allen. Einen schönen Sonntag.

    Die Roma und Sinti sind eine extrem Patriarchalische Gesellschaft, es gibt sowohl Christliche, als auch Muslimische Roma, aber das Patriarchat ist in beiden Religionsgruppen extrem starkt.

    du musst aber mit einer evtl auch extrmen Reaktion von im rechnen, Roma Männer können mit Ablehnung seitens einer Frau gar nicht umgehen, das kommt in ihrem Weltbild einfach nicht vor.