• Liebe zwischen zwei Kulturen und Religionen, was tun?

    Hallo an alle, Vor zwei Jahren zog mein Freund aus den USA zu mir nach Deutschland. Wir hatten uns bei der Arbeit in USA kennen- und lieben gelernt. Nach einem Jahr Fernbeziehung entschieden wir uns zum Schritt zusammenzuziehen. Er kam damals nach Deutschland, da er im Kosovo geboren ist und in Europa seine ganze Familie lebt. Nur er war damals in die USA…
  • 31 Antworten
    Zitat

    Bis jetzt war das für meinen Freund kein Problem, doch immer mehr macht er mir Druck. Noch dazu sind meine Eltern gegen die Beziehung, sie haben nichts gegen ihn als Mensch, sondern sie möchten diese Beziehung nicht unterstützen. Sie waren von Anfang dagegen und waren der Meinung, dass ich in eine Negativspirale geraten würde.


    Was auch immer passiert, aber ich muss mein Leben wieder in die richtigen Bahnen bringen. Wer weiß, vielleicht findet er jemanden, der besser zu ihm passt. Ich bin es nicht, und ich will mein altes Leben zurück. .

    Ich habe da noch eine Verständnisfrage. Also einerseits sagst du, er hatte früher Verständnis dafür, jetzt mache er mehr Druck und gleihzeitig das du dein altes Leben zurückhaben willst und alles in die falsche Bahn gelaufen ist. Also ersteres klingt ja danach, als wäre es früher auch mit ihm anders gewesen und hätte sich erst in letzter Zeit geändert (was bedeutet denn da genau Druck machen, was tut er, was erwartet er?) letzteres klignt eher danach, als wäre es schons eit langer zeit übel und du würdest ganz anders leben als du früher gelebt hast (auch hier was heißt das konkret?)

    Ich denke nicht, dass er so extrem reagieren wird. Er war vor mir 9 Jahre mit einer Amerikanerin zusammen (High School und College Freundin).Sie trennte sich damals auch von ihm, er flog sogar nach Asien (sie arbeitet dort nach der Uni) um sie zurückzugewinnen, doch sie hatte bereits jemand Neues kennengelernt. Ich weiß nicht warum diese lange Beziehung in die Brüche ging, doch weiß ich mit Bestimmtheit, dass alles zivilisiert verlaufen ist. Mein Freund ist zwar ein muslimischer Roma, aber auch sehr amerikanisch (sieht auch so aus). Als ich ihn kennen lernte, hätte ich niemals gedacht, dass er zu dieser Minderheit gehört. Eher Italo-Amerikaner, dachte ich damals. Ich glaube er selber steht zwischen seinen zwei Kulturen, und kann sich nicht entscheiden...


    Er weiß Ich über meine Bedenken unsere Beziehung so weiter zu führen Bescheid, er weiß, dass ich mich nicht so leicht manipulieren lasse. Aber er spielt auch mit meinem Verantwortungsbewusstsein ihm gegenüber. Er wird immer die Laier spielen: I came here for you. Wenn ich ihm dann sage, dass es seine Entscheidung war, wird er immer wütend und traurig, fängt sogar manchmal an zu weinen, dass er nicht schon wieder eine so wichtige Frau in seinem Leben verlieren will. Ich sehe ihn heute nachmittag wieder, bin gerade bei meinen Eltern. Heute muss sich was ändern.

    @ Kletterpflanze:

    Früher war es anders, da wir zusammen in den USA gelebt haben. Wir waren weit weg von der Familie und Europa. Das Leben war viel intensiver (wir lebten in New York City) und ganz anders als hier in Deutschland. Wir haben nie über Religion oder Kultur gesprochen, denn so etwas gibt nicht in NYC. Alle leben miteinander und Kulturen sind unwichtig. Zumindest war das so bei uns. Am Anfang in Deutschland war alles ok, doch als ich mehr Kontakt zu seiner Familie hatte, begannen sein Wünsche (bei Familienfesten Kopftuch tragen, z.B.), die Erstgeborene soll den Namen seiner Mutter tragen, etc... Seine Familie hat einen großen Einfluss auf ihn, und manipuliert ihn jetzt, wo er in Europa lebt, viel mehr. Vorher war das in NYC nicht möglich.

    Zitat

    Aber er spielt auch mit meinem Verantwortungsbewusstsein ihm gegenüber. Er wird immer die Laier spielen: I came here for you.

    Du hast keine Verantwortung für einen erwachsenen Mann. Oder hast du ihm versprochen, ihm durch Heirat ein Aufenthaltsrecht zu beschaffen, ohne das er zurück in eine Heimat müsste, wo er zu Tode gefoltert werden könnte - oder irgendwas in der Richtung?

    Zitat

    Seine Familie hat einen großen Einfluss auf ihn, und manipuliert ihn jetzt, wo er in Europa lebt, viel mehr. Vorher war das in NYC nicht möglich.

    Möglich, dass sie ihn manipuliert. Möglich auch, dass er einfach selbst so denkt und dass das jetzt verstärkt zu Tage tritt durch den Kontakt zur Familie. Was auch immer es ist, er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Du scheinst etwas Rückenstärkung zu brauchen um Schluss zu machen. Wurde ja auch schon gesagt, eine Garantie für eine gute und dauerhafte Beziehung gibt es nicht. Außerdem ist er womöglich auch wegen seiner Familie zurück nach Europa gekommen und nicht nur wegen dir.

    Es ist nicht völlig unüblich (egal in welcher Kultur) dass sich die jungen Leutte eine Weile aus den strikten Regeln befreien und weit entfernt ein "freieres" Leben führen. Wen jedoch der nächste Abschnitt (Ehe, Familie gründen etc) sich anbahnt, gibt es ein Rückbesinnen auf alte Traditionen und Wertvorstellungen. Da gerade bei den Roma ein sehr starkes Familien-Zusammenheitsgefühl existiert, ist das auch eine Form der Sicherheit.

    alishandag

    Zitat

    Ich bin sehr unglücklich deswegen, weil er damals in den USA alles verlassen hat und zu mir kam.

    Wieso? War es nicht seine Entscheidung?

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    Dennoch ist mein Freund religiös geblieben und diskutiert immer mit mir, was die Rolle eines Mannes und einer Frau ist.

    Was heißt das konkret für Euren Alltag? Hast Du Dich angepasst, oder lebst Du nach Deiner Vorstellung?


    Wohnt ihr in einer Wohnung?

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    Ich dachte immer, dass ich ein toleranter Mensch bin (auch ich bin ein Mischling-deutsch/französisch) und andere Kulturen respektiere, doch hier stoße ich an meine Grenzen.

    Toleranz gegen Intoleranz ist aus meiner Sicht keine Toleranz – mal abgesehen davon, dass ich selbst mit diesem Wort nichts anfangen kann. Respekt, ja damit kann ich etwas anfangen.

    Zitat

    Es ist immer ein Streitpunkt zwischen uns, dass ich Angst habe mit ihm in den Kosovo zu Besuch zu fahren. Das ganze Land ist in meinen Augen unterentwickelt und negativ. Ich sage nicht, dass alle Menschen dort schlecht sind, nein, doch verstehen sie nicht wie wir hier in Deutschland leben und vor allem wie Frauen heutzutage ein selbstständiges Leben führen können. Bis jetzt war das für meinen Freund kein Problem, doch immer mehr macht er mir Druck.

    Was gibt es da zu streiten? Ich an Deiner Stelle hätte ich nach dem ersten Besuch gesagt, dass ich da nie wieder hinfahre. Was spricht dagegen, nicht zu streiten, sondern Dich abzugrenzen? Wenn er weiterdiskutiert, weint, versucht zu manipulieren, so fehlt es ihm schlichtweg an Respekt.

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    Noch dazu sind meine Eltern gegen die Beziehung, sie haben nichts gegen ihn als Mensch, sondern sie möchten diese Beziehung nicht unterstützen. Sie waren von Anfang dagegen und waren der Meinung, dass ich in eine Negativspirale geraten würde.

    Das ist ihr Recht und auch völlig legitim.

    Zitat

    Eher Italo-Amerikaner, dachte ich damals. Ich glaube er selber steht zwischen seinen zwei Kulturen, und kann sich nicht entscheiden...

    Aus der Erfahrung weiß ich, dass Migranten irgendwann entscheiden müssen (für ihr eigens Seelenheil) und sehr oft doch für ihre Ursprungskultur.

    Zitat

    Seine Familie hat einen großen Einfluss auf ihn, und manipuliert ihn jetzt, wo er in Europa lebt, viel mehr.

    So einfach ist die Erklärung dann auch nicht, aber es ändert nichts daran, dass er Dich nicht so annimmt, wie Du bist und aus meiner Sicht geht es nur darum.

    @ Kleio:

    Wir wohnen in einer Wohnung. Im Alltag sieht es so aus, dass er sich aus Nichtigkeiten aufregt; wenn ich z.B. nach etlichen Wiederholungen meinerseits, er soll doch bitte die Badezimmerfugen reparieren, es selber mache, weil er es doch nicht macht. Wenn ich die Initiative ergreife und irgendetwas repariere oder organisiere, ist meistens verärgert und sagt dann so Sachen wie: warum hast Du eigentlich einen Mann im Haus, nur für das Eine? Das klingt jetzt alles lächerlich, aber im Alltag sind diese ewigen Diskussionen über das macht eine Frau, das macht ein Mann, wirklich ermüdend. So bin ich nicht aufgewachsen und kann mich nicht verbiegen. Eben weil ich mich bis jetzt nicht habe verbiegen lasse, gibt es oft Streit. Und da er wenige Bekannte hier hat, ist er nun mal immer auf mich angewiesen und andauernd um mich herum. Nach zwei Jahren hat er es leider nicht geschafft eigene Freunde zu finden, obwohl es hier viele Amerikaner gibt.

    alishandag

    Zitat

    Wir wohnen in einer Wohnung.

    Und wer ist der Mieter oder seid ihr es beide?

    Zitat

    Das klingt jetzt alles lächerlich, aber im Alltag sind diese ewigen Diskussionen über das macht eine Frau, das macht ein Mann, wirklich ermüdend. So bin ich nicht aufgewachsen und kann mich nicht verbiegen.

    Nein, das ist nicht lächerlich. Das ist sicher zermürbend um jede aus Deiner Sicht Kleinigkeit diskutieren oder streiten zu müssen.


    Und da er wenige Bekannte hier hat, ist er nun mal immer auf mich angewiesen und andauernd um mich herum. Nach zwei Jahren hat er es leider nicht geschafft eigene Freunde zu finden, obwohl es hier viele Amerikaner gibt.


    Er ist kein Amerikaner. Offensichtlich hat er aber keine Kontakt zu seinen Landsleuten geknüpft - also aus Kosovo?


    Wie kommt es, dass er nicht selbständiger geworden ist? Kann er kein Deutsch? Arbeitet er? Sprich, ist er überlebensfähig?

    Hallo Kleio,


    ich musste erstmal laut lachen, als ich Deine Fragen gesehen habe:


    Erstens, ich bin die Mieterin der Wohnung. Er ist Trainee bei einer internationalen Internetfirma und muss quasi kein Deutsch lernen. Er hat zweimal einen Anlauf gewagt aber sein Deutsch ist in den zwei Jahren nicht gerade gut geworden. Finanziell ist er von mir abhängig, sprich: solange er in Deutschland lebt, ist er ohne mich nicht überlebensfähig. Schlimm für einen 31jährigen Mann, nicht? Ich schäme mich fast für ihn dies einzugestehen. Und ich schäme mich, dass ich nicht früher darauf geachtet habe, mich nicht mit so einem Mann zu binden. Was für ein Teufel hat mich nur geritten? In New York war alles wunderbar und hat super funktioniert, seitdem wir in Deutschland sind, geht sukzessive alles den Bach runter für ihn. Wenn ich Schluss mache, dann weiß ich nicht was aus ihm wird. Es ist so traurig, dass ich schon fast lachen muss. Eine verknackste Situation, doch ich habe genug. Er hat hier eine entfernte Verwandte, zu der oft abends geht. Sonst deutsche Kollegen, mit denen er Fussball schaut oder essen geht. Aber nicht so viele sozialen Kontakte, das muss ich zugeben.

    Aus Deinen Schilderungen liebe TE, erkenne ich genau jene Beziehungsmuster, die ich aus Erzählungen und Erleben meiner Freundin kenne. Egal, ob es um einen verstopften Wasseranschluss (Kalk), der Waschmaschine geht, um den defekten Backofen des Küchenherdes (er ist nach eigenen Aussagen gelernter Elektriker), den Transport des TV-Gerätes (noch gültige Garantiezeit drauf), den er am eigenen Wohnort gekauft hat.


    Kauf einer neuen Waschine, Altgerät wird nicht nach draußen befördert, also steht die neue immer noch im Keller (er kommt nur am WE später am Abend), sie wie schon erwähnt im Schichtbetrieb. Es bleibt alles an ihr hängen, und er nöhlt, wenn dieses nicht klappt und jenes nicht funktioniert. Seine Winterrreifen-Wechsel für das eigene Auto hat er durch meine Freundin und deren über 70jährigen Vater erledigen lassen.


    Man mag das außenstehend alles irgendwie abstrus finden. Frag mich selbst, wenn sie ohnehin alles allein machen soll, wozu dann noch "die Muttirolle" für einen erwachsenen Mann übernehmen. Er beherrscht nur im Gebrauchs-Deutsch die Sprache, Schriftkram, Behörden, Steuerberater, Einkauf, Wäsche (er ist selbstständig im Gastronomiebereich) alles ihr Auftrag. Aber, wenn sie mosert, sag ich ihr ab und zu, Dein Freund macht alles verdammt richtig. Er wird deshalb auch nichts ändern, warum sollte er, wenn seine Bedürfnisse prima erfüllt sind.


    Grenzen setzen liegt dann wirklich am Partner. In ihrem und Deinem Fall als Mensch. Für die häuslichen Belange, ist in einigen traditionell ausgerichteten muslimischen Familien die Frau zuständig. Ihr obliegt für den Haushalt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Rollenverständnis ist durch seine Kindheit so geprägt worden. Dein Freund empfindet es also gar nicht als als Fehler, sich so zu verhalten.


    Von den 2 Jahren, habt ihr ca 1 Jahr eine Fernbeziehung gelebt. So gesehen, war ein Alltag erproben erst hier in Deutschland möglich. Du hattest erst hier die Möglichkeit ihn mit all seinen Facetten kennenzulernen. Bist für Dich zum Entschluss gekommen, eure Lebenswerte sind zu komplex verschieden. Es ist nicht Deine Aufgabe, mit seinen Entschlüssen und Gefühlen fertig zu werden. Als erwachsener Mann hatte er die Pflicht, sich über Chancen und Risiken vorher selbst klar zu werden.


    Zudem hat er anders als in Amerika seine Familie nunmehr im Hintergrund, die ihm nach einer Trennung Basis und Halt geben kann. Immerhin nimmt diese derzeit ebenso Einfluss auf sein aktuelles Leben, mit ihren Sichtweisen und Ansprüchen. Also wird er auch dort seinen seelischen Hort finden können. Das er sich nach über 1 Jahr kein eigenes soziales Umfeld aufgebaut hat, fällt ebenso wenig in Deine Verantwortung. Man hört als Mensch nicht auf zu existieren, weil man in einer Partnerschaft lebt. Stelle es mir wahnsinnig anstrengend vor, als Partnerin jemand um mich zu haben, der sein Leben nur auf mich als Mensch fixiert.


    Bleibe bei Deinem Entschluss, Du wirst Dich nach der Trennung wesentlich freier fühlen. Irgendwann mit mehr Abstand zur Beziehungszeit erkennen, dass Deine Zweifel nicht unbegründet waren. :)_ :)z

    Hallo DieDosismachtdas Gift!


    Danke für Deinen Beitrag, wirklich sehr interessant und aufschlussreich über Deine Freundin zu erfahren. Ich weiß, dass nur ich etwas ändern kann, von ihm habe ich nichts mehr zu erwarten. Ich werde mir überlegen müssen, wie ich am besten die Sache löse. Als erstes muss ich ein Ultimatum stellen und ihn aus der Wohnung bringen. Ich hoffe, das das schnell funktionieren wird.


    Also, vielen Dank!

    alishandag

    Zitat

    Du hast in ein Paar Sätzen alles durchschaut. Einfach klasse!

    Naja, ich stand mal vor derselben Frage und nein, ich habe mir das nicht angetan - witzig, denn ich hatte trotzdem ein schlechtes Gewissen ;-) . Allerdings sind das aus meiner Sicht schon sehr wichtige Dinge. Du traust ihm nicht zu, dass er "überreagiert", aber ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch und das sind wichtige Dinge, die durchaus noch eine Rolle spielen könnten. Das gehört aus meiner Sicht mit zum Schluss machen, denn ich zumindest würde ihn jetzt nicht die nächsten Wochen um mich haben wollen.