Manche süchtig nach Verliebtsein?

    Hallo zusammen,


    ich bin w/28 und beobachte in meinem Bekanntenkreis verstärkt, dass sich ein etwas merkwürdiges Muster - vor allem bei Frauen - abzeichnet, was das Verhalten nach Beziehungen angeht. Gibt es jemanden, der das ähnlich sieht wie ich oder eine Erklärung hat für meine Beobachtungen? Vielleicht kenne ich auch nur sehr merkwürdige Menschen :-)


    Immer öfter bekomme ich mit, dass es viele nicht mehr zu schaffen scheinen, nach einer Beziehung mal eine "Pause" einzulegen. Häufig geht eine gescheiterte Beziehung nahtlos in eine neue über, als hielten sie sich den nächsten Partner bereits warm, falls der aktuelle nichts ist. Sie schaffen es, auch jahrelange Verbindungen scheinbar ohne Wehmut abzulegen und sofort top motiviert in was Neues zu starten. An Beziehungsproblemen arbeiten? Viel zu mühsam! Ich rede dabei nicht nur von Menschen in meinem Alter, sondern besonders auch über 30, 40, 50 Jahren. Teeniebeziehungen, von welchen man so ein Verhalten eher erwarten könnte, meine ich ausdrücklich nicht.


    Ja, man kann es natürlich auch so sehen, vielleicht handelt es sich einfach positive Menschen, die nach vorne schauen und nicht zurück.


    Ich persönlich empfinde es jedoch beim Zusehen fast wie einen Marathonlauf, als verzweifelte Schreie, weil die biologische Uhr tickt, als Sucht nach dem Neuen, nach dem Verliebtsein, was auch immer. Zudem finde ich es auch respektlos, sich jedesmal sofort ohne Pause ins nächste zu stürzen. Sicherlich gibt es Situationen, in denen es sich eben so rasch ergeben hat, ohne es darauf angelegt zu haben, doch häufig kann "der Alte" gar nicht so schnell weg sein, so schnell ist schon Tinder downgeloadet oder auf anderen Singleplattformen registriert, bzw. wird bei der nächsten Wochenendtour der nächste arme Tropf abgeschleppt.


    Es mag sein, dass wir in einer sehr schnelllebigen Zeit leben, doch ich finde, das artet in einigen Lebensbereichen ein wenig aus, in denen es eigentlich nichts zu suchen hat. Es scheint, als wären Beziehungen / der Partner auch nur Gegenstände. Heute was reparieren? Lohnt sich doch nicht! Was Neues muss her!


    Zudem ist mir aufgefallen, dass es am Ende einer Beziehung selten noch tröstende Worte gibt. Nein, viel eher kommt eine Antwort wie: "Da kommt dann schon was besseres", "Mit dem nächsten passt's dann schon", "Alleinsein ist auch nichts!" - Wie ich finde, bezieht es sich also zumeist wiederum bereits auf die nächste Beziehung. Ist es verpönt, zu "trauern"? Darf man sich heutzutage keine Zeit mehr gönnen? Ist die verflossene Beziehung so wenig wert, dass sie zwanghaft sofort ersetzt werden muss? Und wenn das nichts wird, dann eben mit der nächsten oder nächsten... Oder haben die Menschen Angst vor einer Zeit mit sich alleine? Können sie die Stille nicht ertragen und die Zeit mit sich selbst? Hin und wieder schaut es auch so aus, als würden sie versuchen, eine innere Leere durch einen Partner zu füllen.


    Bin gespannt auf hoffentlich einige Antworten.


    LG


    wednesday

  • 42 Antworten

    Das mag teilweise zutreffen: innere Leere füllen, Kick suchen. Stille nicht ertragen können. Aber die ganzen Interpretationen helfen nichts. Oder willst Du hier einen Lästerfaden starten? Jeder und jede darf schnell, gierig und hastig, und Du darfst Dir alle Zeit nehmen, die Du willst.


    Was hilft, ist das Drama der andern nicht so ernst zu nehmen ;-)

    Nein, mit Lästerfaden hat das nichts zu tun :-)


    Mich würde nur interessieren, wie andere das sehen. Vielleicht bin ich ja einfach zu konservativ und bin mit einem Wunsch nach einer Beziehung fürs Leben einfach zu blauäugig und weltfremd. Wenn ich als Single diese Entwicklung wahrnehme, mindert es diesen Wunsch natürlich und es ist besser, ich bleibe alleine, bevor ich ausgewechselt werde, wie ein verbrauchtes Kaffeetab. Ohne schwarz malen zu wollen...

    Zitat

    Wenn ich als Single diese Entwicklung wahrnehme, mindert es diesen Wunsch natürlich und es ist besser, ich bleibe alleine

    Ah, jetzt wird es klar! Lass Dich nicht beirren. Wie gesagt, hör nicht auf diesen Lärm rundherum. Es gibt alle möglichen Entwicklungen, wieso sollte man sich anpassen oder irgendetwas hinterherrennen? Du entscheidest, mit wem Du Dich einlassen willst. Vertrau, dass Du die richtigen Erfahrungen machst.

    Oh, OK :-) da schätzt du mich nun falsch ein. Ich denke, ich muss kurz ausholen:


    Ich wurde vor einigen Wochen nach gut 8 Jahren Beziehung verlassen (es war unter anderem eine andere im Spiel) und ich wär die letzte, die nach einer Beziehung einfach den x-beliebigen nächsten anspringt - eben das verstehe ich nicht, darum mein Foreneintrag. Dadurch, dass mein Vertrauen gebrochen ist und ich noch dazu diese Beobachtungen in meinem Umfeld mache, verstehst du meinen Gedankengang nun vielleicht besser...

    Kurz gefasst: Ich habe ein wenig Angst, dass das Wort "LebensABSCHNITTpartner" immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das Eingehen einer Beziehung erachte ich somit als sehr riskant. Möge man die Eigenschaften von Sternzeichen glauben oder nicht, jedoch bin ich ein typischer Krebs. Häuslich, die Gewohnheit mögend, emotional etc... Bitte nicht falsch verstehen, die Beziehung hielt nicht durch die liebgewonnenen Gewohnheit - für mich war / ist es zweifelsohne die große Liebe. Ich bin generell nur danach bestrebt, dauerhafte Sachen aufzubauen und kann ein solches "Austauschen" einfach nicht verstehen.

    Es ist für Dich doch nicht relevant, was im Durchschnitt in der Gesellschaft, für eine Mode herrscht, oder in Deiner Formulierung, ob das Wort: LebensABSCHNITTpartner an Bedeutung gewinnt. Wichtig für Dich ist doch, an welchen Mann Du triffst und welche Werte er vertritt - ob er bereit ist, etwas langfristiges aufzubauen.


    Abgesehen davon, kommt es im Leben oft anders als geplant. Das lässt sich nicht kontrollieren. Es kann trotz Deiner ehrlichen Beteuerungen zum Beispiel auch sein, dass auch Du mal eine Beziehung verlässt.


    Natürlich kannst Du alle Verletzungen in diesem Gebiet vermeiden indem Du Single bleibst. Mit so einer Verweigerungshaltung bestrafst Du Dich aber in erster Linie selbst.

    Liebe wednesday,


    du sprichst mir aus der Seele mir ist dieser " Trend " einfach die


    nächste Beziehung einzugehen auch schon aufgefallen .


    Ich möchte nun aber nicht dazu übergehen diese Vorgehensweise zu verurteilen ich finde dies muss jeder selber für sich entscheiden .


    Doch für mich käme dies auch nicht in Frage .


    Habe mich vor einiger Zeit von meiner Affäre getrennt und selbst nach dieser Episode ( die ja nun nicht mal eine Beziehung ) war möchte ich mich erst mal reflektieren und muss das Ganze doch erst mal verarbeitet haben bevor ich was neues eingehe.


    Will ja nun nicht die neue Beziehung mit meinen Fehlern und Erfahrungen aus der alten belasten .


    Doch manche Menschen können und wollen dies nicht sie müssen wohl die " innere Leere " schnellst möglich wieder füllen wer weiß das schon


    Lasse dich nicht beirren weil du es anders siehst und du brauchst auch nicht in diesem Strom mitschwimmen.


    Bleibe dir weiterhin selbst treu nur darauf kommt es letztendlich doch an .


    Du musst das tun was DU für richtig empfindest und vertreten kannst .


    Denn was einige tun muss ja nicht zwangsläufig das Richtige sein oder ?


    Ich bin dann wohl auch der altmodische Typ der halt noch bestimmte Ansichten hat und die auch nicht ablegen möchte nur weil es andere so machen .


    Gottseidank besitze ich heute die Stärke zu mir und meinen Ansichten zu stehen dies war in jungem Jahren leider noch nicht der Fall .


    Denn damals wollte ich mich immer anpassen .


    Bei dir ist es jedoch anders du besitzt diese Reife schon und das ist doch toll.

    Zitat

    Abgesehen davon, kommt es im Leben oft anders als geplant. Das lässt sich nicht kontrollieren. Es kann trotz Deiner ehrlichen Beteuerungen zum Beispiel auch sein, dass auch Du mal eine Beziehung verlässt.

    Weniger geht es mir dabei darum, dass Beziehungen generell ein Ende nehmen, mehr darum, wie sorglos nachher weitergemacht wird. Natürlich kann es auch passieren, dass ich irgendwann eine Beziehung beenden werde. Sollte sich mein Charakter jedoch nicht gravierend ändern, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich so vorgehe, wie oben beschrieben. Diese "hm, ok, ein Problem, Tschüss"-Mentalität kann ich nicht nachvollziehen.


    Ich muss vielleicht dazusagen, dass ich selbst aus einer sehr konservativen Familie komme. Scheidungen gibt es bei uns einfach nicht. Das heißt nicht, dass sie auf biegen und brechen zusammenbleiben, nein, bei Problemen werden diese gemeinsam bezwungen. Soll doch auch irgendwo Teil einer Ehe sein - in guten und in schlechten Zeiten. Man baut sich etwas auf, gemeinsames Haus / Wohnung, Kinder. Ich bin nun die erste, bei der es scheitert. Wir hatten in der Beziehung immer dieselben Ansichten, die Zukunftspläne deckten sich. Doch mittlerweile finde ich fast, dass man sich wohl ein Leben lang ident entwickeln müsste, damit es wirklich funktionieren kann. Wie ihr merkt, überlege ich sehr viel (ja, ich weiß, das bringt auch nichts), doch ich muss damit ins Reine kommen. Es ist mir bewusst, dass keiner dem anderen gehört, egal, wie sehr man sich bindet. Doch kurz gesagt, tut es einfach weh, wenn einfach alles weggeworfen wird und plötzlich den Wert verliert.


    Irgendwie kommt es mir kindlich naiv vor, sich wieder auf wen völlig einzulassen, wenn man rundum mitbekommt, wie Vertrauen ausgenutzt und gebrochen wird. Ich habe noch nie jemandem so blind vertraut und trotzdem hat's nicht funktioniert. Wäre es dann nicht ziemlich dumm, dasselbe Risiko wieder einzugehen?

    @ Mittwoch

    Ich nehme das nicht so wahr in meinem Umfeld.


    Eher sehe ich schon ein ganz großes Leiden, wenn eine Liebe den Bach runtergegangen ist und man sich verabschiedet.


    Bin aus Berlin und nicht vom Land. Vielleicht gibt es da auch Unterschiede.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das je nach Land-/Stadtleben ein wenig variiert. Im ländlichen Bereich bekommt man es doch etwas mehr mit, wer mit wem und was und überhaupt.


    Mich schockiert vor allem auch das Unverständnis, wenn man Zeit benötigt, etwas zu verarbeiten. Sei es nach einem Todesfall, einer Trennung oder wonach auch immer. Man muss funktionieren, darf nicht "jammern" und wenn doch, folgen oft unnütze, ärgerliche Floskeln wie "wird schon wieder".


    "Der Moment, wenn mir wer sagt: "Reg dich nicht auf, alles OK!" - und ich plötzlich aufhöre mich aufzuregen und alles OK ist." :-) wenn das Leben so einfach wäre...

    Zitat

    Du bist ja ziemlich schnell mit deinem Urteil. Hast du denn mal mit den Personen gesprochen, die es so handhaben, wie du es beobachtet hast?

    Ich habe eingangs geschrieben, dass es sicherlich Situationen gibt, wo es sich so ergeben hat, ohne krampfhaft gleich eine Beziehung eingehen zu wollen. Kann passieren, wer bin ich, zu urteilen? Meine Beobachtungen beziehen sich jedoch eher auf jene, für welche beispielsweise "alles über 3 Jahre" schon viel zu lange ist. Geht bei ihnen eine Beziehung zu Ende erlebt man ständig ein Deja-vu. Sofern die Bekanntschaft eng genug ist, habe ich selbstverständlich das ein oder andere mal danach gefragt, warum sie denn so einen Stress hätten und dass es doch auch dem Mann gegenüber nicht fair ist, ihm zumeist was vorzumachen. Ich führe nachfolgend ein paar Antworten an, welche mich sehr schockiert haben. Dabei interpretiere ich, dass es nicht um die eigentliche Person als Partner geht, sondern eher ums drumherum.


    Eine meinte beispielsweise:


    "Ich bin Anfang 30, ich will endlich ein Kind. Eines kann ich mit ihm aufziehen, aber auch ohne." (sie hat ohne sein Wissen die Pille abgesetzt)


    Eine andere:


    "Weißt du, was hier die Miete kostet? Ist doch zu zweit viel einfacher."

    Ich war in der Zeit von 19 bis 40 nie länger als drei Monate ohne feste Beziehung. Und es wechselte mehrmals. Ich konnte nicht länger ohne Frau sein. Ich habe in den kurzen Phasen zwischen zwei Beziehungen mich kaum ausgehalten. Das Alleinsein hat mich verrückt gemacht. Also weitersuchen.


    Dann konnte ich nicht mehr und habe zwei Jahre ohne Beziehung ausgestanden. Ich habe gelernt, wie es sich anfühlt, habe die Einsamkeit ausgelotet. Das waren zwei wertvolle Jahre für mich, voller Höhen und Tiefen.