• Mein Mann erregt mich nicht mehr, was soll ich tun?

    wir sind schon lange zusammen, ich liebe ihn und wir führen eine ganz gute beziehung. nicht perfekt, aber wir lieben uns. bloß empfinde ich sexuell kaum noch etwas. ich kenne ihn einfach in- und auswendig. mir fehlt das kribbeln, das unbekannte. er will oft sex, ich selten. manchmal mache ich einfach ihm zuliebe mit, weil er sich sonst beschwert, wenn es…
  • 168 Antworten

    @ Stalfyr

    Ist es so wahnsinnig schwer zu erkennen, dass unsere Welt sich verändert und deshalb auch wir?


    Die typischen Geschlechterrollen werden uns anerzogen, wir haben sie nicht mehr von Natur aus. Einfach, weil wir sie nicht mehr brauchen.

    Zitat

    200.000 Jahren noch nichts geändert haben. Und genau dieser Widerstreit zwischen dem wie wir sind und wie wir heute zu sein haben, der führt zu solchen Problemen wie dem der TE. Geradezu selbstgemachte Luxusprobleme einer völlig konfusen Zivilisation.

    luxusproblem? Bei mir sind "luxusprobleme" etwas völlig anderes...aber nun gut!

    Zitat

    ... wir lieben uns. bloß empfinde ich sexuell kaum noch etwas. ich kenne ihn einfach in- und auswendig. mir fehlt das kribbeln, das unbekannte. er will oft sex, ich selten.

    Ich halte diese Entwicklung für nicht ganz ungewöhnlich. Vor allem, wenn man zusammenlebt. Erotischer Reiz basiert halt oft auf dem Unbekannten, Nicht-Berechenbaren, Aufregenden, usw. In solchen Situationen sind alle unsere Sinne geschärft, wir passen auf, wir sind auf den Partner fokussiert, wir nehmen alle Informationen und Schwingungen, die von ihm ausgehen auf – und geraten dabei selbst in Schwingung und Erregung.


    In einer LTR ist diese gespannte Fokussierung weg, man kennt sich, man weiss man hat, der Partner ist berechenbar und zuverlässig in seinem Verhalten. Man kennt auch seinen Körper, seinen Geruch, seinen Griff, sein Tempo, seine Vorlieben und Abneigungen. Man weiss wie er kuschelt, streichelt, küsst, leckt, fickt. Alles wohlbekannt. Auch durchaus gut. Aber halt voraussehbar und relativ unspannend.


    Den einen macht dies nicht viell aus, ja es ist sogar gut so. Bei anderen wächst das Bedürfnis, auszubrechen und nochmal den Reiz des Neuen zu suchen.

    Zitat

    manchmal mache ich einfach ihm zuliebe mit, weil er sich sonst beschwert, wenn es zu selten ist. er hat das beim letzten mal aber gemerkt und abgebrochen. er war dann ziemlich traurig. ich auch, aber was soll ich machen? ich liebe ihn doch und will ihn nicht frustrieren, aber es regt sich bei mir fast nichts. nur ganz selten mal. meistens nicht.

    "Mitmachen" ist m.M.n. so eine Sache. Es gibt Situationen, wo es durchaus okay sein kann, mitzumachen. Manchmal ist man auch in Stimmung einfach zu geben, ohne eine adäquate Gegenleistung dafür zu erhalten. Dann ist Mitmachen okay.


    Mitmachen, weil man in Zugzwang kommt oder weil man sich verantwortlich für das Beziehungs- oder Familienklima fühlt, kann dazu führen, dass man mit der Zeit eine regelrechte Aversion gegen den Partner entwickelt. Man zweckentfremdet den Sex um den Partner bei Laune zu halten. Man hat selbst null Bock aber man macht die Beine breit und macht am Partner rum, damit eine Struktur erhalten bleibt, die aber mit Sexualität nur noch äusserlich was zu tun hat. Ist auf Dauer keine Lösung, ausser man kann sich und den Partner gleichermassen depersonalisieren: ich nehme mich und den Partner nicht mehr wahr und verdränge alle widerstrebenden Gefühle. Ich handle nur noch, ohne zu denken, ohne zu fühlen und erwarte nichts mehr.

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    ich hab ihn schon mal gefragt, ob er mit einer offenen beziehung einverstanden wäre, aber das kommt für ihn nicht in frage.

    Wenn Du bei Deiner Haltung bleibst, ist es eine Frage der Zeit, bis er sich mit dem Gedanken anfreundet. Andere Frauen sind solange interessant, bis man von der eigenen Frau zu ihnen geschickt wird. Das wirkt auf ihn wie: ich bin an Dir als Mann nicht mehr interessiert, es ist okay für mich, wenn Du das, was Du brauchst bei einer anderen holst. Gleichzeitig ebnest Du Dir natürlich damit den Weg zu neuen sexuellen Ufern. Was im ersten Moment cool tönt, ist eigentlich eine Niederlage. Du sprengst mit Deinem Deal Eure Beziehungsexklusivität. Gegenseitige Treue ist i.d.R. der höchste Wert einer monogamen Paarbeziehung. Mit Deinem Vorschlag ist das gegenseitige Treueversprechen (und die Verpflichtung für einander sexuell zu sorgen) obsolet. Und die Angst, dass man dem Partner nicht mehr genügt, ist nun quasi Gewissheit.


    Daran nagt er schwer, das ist nicht das, was er mit seinem Druckmachen erreichen wollte. Aber wenn er die Kröte irgendwann mal runtergeschluckt hat und nach wie vor mit seinem sexuellen Bedürfnissen zu kämpfen hat, wird er sich die offene Beziehung sicher mal objektiv durch den Kopf gehen lassen. Und irgendwann wird er den Schritt machen.

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    was soll ich tun?

    Wenn Du sicher bist, dass bei Dir die Luft definitv raus ist und Du Dir eine Rückkehr der Lust auf Deinen Partner nicht mehr vorstellen kannst (oder willst), dann leg die Karten auf den Tisch. Das tut weh und erfüllt einem mit Wehmut und Trauer, weil man nun Gewissheit hat, dass die Sex-Liebes-Kiste unwiederbringlich zu Ende ist. Auch wenn es dazu führen kann, dass die ganze Beziehung damit in die Brüche geht, so ist es alleweil besser, einen sauberen Schnitt zu machen, als einander noch lange etwas vorzumachen, was nicht mehr ist und nicht mehr zurückkommen wird,.

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    Wenn er ohne Rücksicht auf die Frau [...], dann würde das wiederum die Frau anmachen und in Fahrt bringen. Schade für die beiden das ihm dieser Zusammenhang bisher noch nicht bewußt geworden ist!

    Das ist Bullshit. Wenn der Zapfen ab ist, dann ist er ab. Er kann versuchen, eine neue Frau mit so einem Verhalten zu beeindrucken. Aber die Frau, die ihn seit Jahren – mit all seinen Stärken und Schwächen – kennt, wird so eine grundlegende Verhaltensveränderung weder ernstnehmen noch akzeptieren.


    Das ist wie wenn ein gemütlich-bequemer, wenig temperamentvoller Mitteleuropäer plötzlich einen auf Latin Lover oder Black Panther machen will. Das nimmt man dem Mann einfach nicht ab. Zuerst lacht man vielleicht noch darüber, aber später ist es dann nur noch peinlich und er soll mit dem Quatsch aufhören.

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    Der Spaß ist nur dass wir tief im Inneren genau so gepolt sind wie vor 200.000 Jahren.

    Ja, nur hatten vor 200'000 Jahren längst nicht alle Männer sexuellen Spass. Da kannte man Monogamie (die für eine faire Verteilung sorgt) nämlich noch nicht und es lief wahrscheinlich so, wie bei den meisten in Rudeln oder Herden lebenden Tieren. Nur wirklich starke und gesunde Männer kamen wohl zum Stich. Dafür hatten sie wahrscheinlich mehr als eine Frau. Der Rest ging leer aus.

    Zitat

    Ja, nur hatten vor 200'000 Jahren ... Nur wirklich starke und gesunde Männer kamen wohl zum Stich. Dafür hatten sie wahrscheinlich mehr als eine Frau.


    Mayflower

    Bingo! Deshalb muss man als Mann eben ein solches Verhalten (wirklich starke und gesunde Männer) an den Tag legen.


    *:)

    Hallo zusammen,


    bin zufällig auf diesen Faden gestossen, aber mir geht es genauso, nur dass ich der Mann bin...


    Leider ist meine Frau auch nicht besonders offen für Neues und ich bin mit einigen Versuchen, etwas Pepp in unser Sexleben zu bringen gescheitert :-/

    Jetzt muss ich einfach hier auch mal was schreiben um mit diesen in-der-Steinzeit-war-der-Mann-noch-ein-Mann-Mythen aufzuräumen.


    Nach allem was man weiß, hat der Mensch in der Steinzeit in kleinen Familiengruppen gelebt. Es ist auch anzunehmen, dass die Menschen in festen Beziehungen gelebt haben, denn die Männer werden auf die Frauen aufgepasst haben, um ein Fremdgehen zu verhindern, da sie nicht feststellen konnten, wann der Eisprung der Frau stattfindet (nur Menschen haben eine verdeckte Ovulation) und sie keine Energie in die Aufzucht von fremden Nachwuchs stecken wollten. Trotzdem wurde sicherlich fremdgegangen, aber von beiden Seiten, denn beide Seiten haben etwas davon (wenn es darum geht, die eigenen Gene möglichste effektiv zu verbreiten). Der Mann hat damals nicht das Überleben gesichert, das waren die Frauen (80% der Nahrung war pflanzlich) und hat sich sicher auch nur in wenigen Fällen sexuell das genommen was er braucht.


    Auch im Tierreich sind es überwiegend die Weibchen, die entscheiden welches Männchen zur Fortpflanzung kommt, deshalb sind männliche Vögel so bunt, Hirsch haben ein großes Geweih etc.. Es kommt das Männchen zum Zug, das sich am meisten Mühe gibt.


    Bei Menschen gibt es sicher einige Frauen, die devot sind, vielleicht auch viele, aber da sind mit Sicherheit nicht alle und die TE schreibt ja, dass sie nicht dazugehört.

    @ TE

    Könnt ihr nicht irgendwas Neues ausprobieren, damit der Reiz des Unbekannten wieder kommt? Andere Techniken, ausgefallene Orte ect.


    liebe Grüße

    Zitat

    Bingo! Deshalb muss man als Mann eben ein solches Verhalten (wirklich starke und gesunde Männer) an den Tag legen.

    Ja, kannst Du aber nur, wenn Du das bist. So tun als ob, verhebt nicht. Und männliche Dominanz hat nichts mit grobem, rücksichtslosem Verhalten Frauen gegenüber zu tun


    Ein dominantes Männchen ist dominant gegenüber anderen Männern! Das checken ganz viele Männer nicht, die sich zum Ziel gesetzt haben, dominant gegenüber Frauen auftreten zu müssen.


    Ich bin mir auch nicht sicher, ob man (echte) Dominanz lernen kann. Meist ist das angeboren bzw. Charaktersache. Das erkennt man ja besonders gut im Berufsleben: es gibt Menschen, die bringen das Zeug für einen guten Chef mit. Sie sind geborene Führungspersönlichkeiten, ohne den grossen Macker raushängen zu müssen. Sie können mit ihren Mitarbeiter per Du sein und ein Bier trinken gehen, ohne einen Zacken in der Krone zu verlieren Sie sind authentisch und werden respektiert. Andere haben das Zeug zum Chef nicht. Sie müssen die ganze Zeit Macht demonstrieren, um ihre innere Unsicherheit zu überspielen. Sie müssen die anderen immer klein halten, um sich nicht gefährdet zu fühlen. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt und der Respekt ist eigentlich nur ein strukturell bedingter Schein-Respekt.


    Und so ist es auch in Beziehungen. Nicht jeder Mann ist ein Chef und nicht jede Frau will Untergebene sein. Muss man auch nicht. Es gibt ganz viele Männer und Frauen, die als hierarchisch gleichwertige Teamplayer sehr gute Beziehungen führen können.

    Wenn sexuell Ende ist, ist es Ende. Das kann man auf Dauer nicht mit Gewalt und Sexspielzeug usw. wieder aufpeppen. Ein Vibrator kann dich zwar befriedigen aber dir nicht die Geilheit zu deinem Mann zurückgeben. Die Sache ist halt aus. Das ist auch irgendwie natürlich. Wenn man jahrzehntelang mit demselben im Bett war, ist irgendwann die Sache durch. Es ist so, als würde man seit 20 Jahren täglich Schnitzel essen und dann feststellen, man mag nicht mehr und überlegt nun, wie man sich mit Gewalt den Geschmack und die Lust auf Schnitzel zurückholen kann. Gar nicht. Man muß was anderes essen...

    Ich teile die Meinung von NLena, auch das Schnitzel ist eigentlich ein gutes Beispiel, das die Sache im Kern trifft. Wenn's aus ist, ist es aus. Mir geht es genauso – ich nehme mir immer wieder vor (und bin dann auch willig): nachher machen wir es mal wieder. Aber nach ein paar Minuten denke ich dann doch wieder "Och Nö" und ziehe mich dezent zurueck.


    Was soll man machen???

    Zitat

    Ein dominantes Männchen ist dominant gegenüber anderen Männern! Das checken ganz viele Männer nicht, die sich zum Ziel gesetzt haben, dominant gegenüber Frauen auftreten zu müssen.

    Hihi, genau. Das vergessen manche hier im Thread. Wer bei einer Frau überhaupt ankommen wollte und dann auch noch dominieren, musste sich vorher gegenüber allen anderen Männchen durchsetzen. Wie eben im Tierreich auch. Nix da von wegen Loser, aber bei der Frau dann den Macho mimen wollen.

    Ich lese schon interessiert hier mit und muss eigentlich hauptsächlich nur schmunzeln.


    Es gibt auch Männer, die dominiert werden möchten... :=o