Ja Leute...

    ...das Vermuten und Raten um meine "berufliche Tätigkeit" ist der Grund, warum ich die Frage: "Und? Was machen Sie beruflich?" mit: "Ich bin ein Müllmann!" und einem dämlichen Grinsen beantworte. Ich gelaube, nirgendwo auf der Welt (die bekloppten Amis und Briten mal ausgenommen) wird man als Mensch so nach seinem Beruf bewertet und in Kisten gepackt wie in Deutschland. Schubfach auf, Mensch rein, Schubfach zu.


    Hausmeister - praktisch veranlagt aber dumm


    Putzkraft/Zeitung austragen - "weiter reichts eben nicht"


    Lehrer - Bote des Wissens


    Beamter - pflichtbewusster und solider gehts nicht


    Akademiker - die Orchidee unter den Geistreichen


    Arzt - Gott in weiß


    Arbeitslos - Parasit der Gesellschaft, womöglich noch willensschwach oder unfähig, sich aus eigener Kraft in die Gesellschaft einzugliedern


    bla bla bla ...


    ...bla bla bla.


    Vorurteile, die keiner zugibt, denen aber doch Jeder erliegt.


    Zumindest auf den ersten Blick.


    Das geht mir auf den Sack. Menschen werden immer darüber definiert, wie sie ihr Geld verdienen. Der "Beruf" ist der "Lebensinhalt"! (Mailand, erinnerst du dich an das Thema "eigenes Erleben und Andere daran teilhaben lassen", was wir vor kurzem hatten? Ich denke, Menschen, die sich [und Andere] nur über den Beruf definieren, sind solche Menschen, die nichts haben, woran sie Andere wirklich teilhaben lassen können. Denn sie haben nur "ihren Beruf".)


    Mein Leben ist eine kontinuierliche Zickzacklinie aus Phasen des Aufstrebens, Stagnierens und Abfallens. Zumindest ergibt sich dieses Bild, wenn mans von außen betrachtet und bewertet! Die einzelnen Phasen meines Daseins chronologisch aufgereiht und nacheinander betrachtet, lassen für den leistungsorientiert Betrachtenden folgende Schlüsse zu:


    **- Na der lässt sich aber hängen!


    - Oh, der ist aber intelligent!


    - Na, der mogelt sich so durch...


    - Man! DER nimmt sein Leben aber in die Hand!


    - Was für ein Willensschwächling...


    - Oh! So ein konsequenter und zielstrebiger Mensch!**


    Von "versetzungsgefährdet", "Facharbeiter", "Abitur" und "arbeitslos" über "Wehrpflichtiger", "Selbständiger", "Studenten-Karteileiche" und "Gammelfritze" bis zum "Hardcore-Informatikstudenten" war alles dabei. Und das sind nur die sichtbaren Stadien. Nahezu alles in meinem Leben ist diametral gespalten und in zwei voneinander weit entfernte Pole getrennt. Nichts ist homogen. Von nichts bin ich "wirklich überzeugt".


    Die Frage: "Und? Was machen Sie beruflich?" ist zur Einschätzung des Wertes meiner Person also so hilfreich wie die Frage nach der momentanen Temperatur zur Bewertung der geografischen Klimazone eines Landes.


    Nur ich weiß, dass dieser Zickzack-Weg für mich richtig und notwendig war. 'Und ... dass er auch jetzt noch nicht "begradigt" ist.


    Deswegen beantworte ich die Frage: "Und? Was machen Sie beruflich?" Mit: "Ich bin ein Müllmann!" und einem dämlichen Grinsen. Ich lüge. Schublade zu, Frage erledigt. Die meisten glauben das natürlich nicht, aber scheiß drauf. Diese deutscheste aller deutschen Fragen ist damit erledigt und die Fragenden sollen sich mal selber einen Kopf machen, "wer ich bin" und mich aufgrund meines unmittelbaren Auftretens einschätzen, anstatt aufgrund eines Vorurteils.


    .


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    Gut, dann will ich die Frage mal auflösen:


    Wer den Thread verfolgt hat weiß, dass ich ein "Computerdödel" bin. Ja, sogar ein studierter mit Diplom. Aber das macht mir keinen Spaß. Schlimmer noch: Es geht mir auf den Sack. Computer sind so ziemlich das menschenfremdeste, was der Mensch je erschaffen hat.


    Das was ich bin, bin ich aus mir selbst heraus.


    - Labern tu ich aus mir selbst heraus (ohne Rhetorikseminare besucht zu haben)


    - Denken tue ich aus mir selbst heraus (ich hab zwar ein paar Semester Philosophie studiert, aber "denken" lernt man da nicht)


    - "Fühlen" und "mich in Andere einfühlen" tue ich aus mir selbst heraus (ohne bei der Seelsorge gearbeitet zu haben)


    - "Menschen verstehen" tue ich aus mir selbst heraus (ohne Psychologie studiert zu haben)


    - Frauen (und damit Menschen generell) "studiere"ich aus eigenem Antrieb heraus und nicht aufgrund einer sozialen Studie


    Vielleicht sollte ich die Frage: "Und? Was machen Sie beruflich?" beantworten mit: Ich bin ich. Das ist mein "Hauptberuf".

    Hey, Du hat wohl zu jedem Thema etwas zu sagen...;-) Habe übermorgen eine Prüfung. Kannst Du mir spontan was dazu sagen:


    Arbeit ist identitätsfördernd und identitätsbedrohend zugleich - in Abhängigkeit von den Organisationsformen, den Spielräumen der Arbeit.


    Jupp, das ist in etwa mein Prüfungsthema, und damit weißt Du auch was ich studieren...*:)

    Ja, der Prof steht nämlich auf Diskussionen... insofern kannst mir weiter helfen - falls Du Lust auf dieses Thema hast. Beziehungsberatung brauche ich gerade nicht.. bin getrennt und will auch erstmal keine neue Beziehung - kein Bedarf in dieser Richtung! ;-)


    Bis später vielleicht... *:)

    Beruf und meine 'Angst' vor morgen....

    Vielleicht antwortet ja noch jemand, denn mein Beitrag passt zu den vorigen Beiträgen UND zu meiner Situation morgen:


    Also: Ich ziehe Ende der Woche ein paar wenige Kilometer weiter und gehe ab dann in einen anderen Aldi Markt. ... so bevor jetzt einige aufhören zu lesen: In meinem jetzigen Aldi Markt arbeitet eine hübsche (das ist schamlos untertrieben.. die Frau ist der Inbegriff von schön) Kassiererin, mit der ich mich schon ein paar Mal zwanglos unterhalten habe (meistens kam das erste 'wie geht's von mir.. manchmal aber auch von ihr). Wegen Vorurteilen: Ich selbst habe studiert, einen anspruchsvollen Job etc... aber mir ist es ehrlich gesagt scheissegal, dass die Frau im Aldi Markt arbeitet. Sie ist nicht nur extrem hübsch, sondern auch sehr wortgewandt und hat eine unglaubliche Ausstrahlung.. mir ist es daher völlig egal was sie beruflich macht. Abgesehen davon ist 'im Aldi Markt' arbeiten nicht wirklich anspruchlos.. da gibt es viele viele Sachen die noch drunter liegen würden.... und selbst wenn. :-) Zurück zum eigentlichen Problem: Beim letzten Smalltalk sagte ich ihr wohin ich ziehe und dass ich wahrscheinlich nicht mehr hier einkaufe, außer am Montag früh.. weil ich ein paar von den Halogenlampen abgreifen will ;-). Sie darauf hin: 'vielleicht kommst Du doch noch mal hier her' (also sie meinte definitv nach dem Montag). Ich grinste und dann verabschiedeten wir uns. Klar, viele würden jetzt sagen: Das war doch DIE Einladung für einen Tel.nummernaustausch. Ja klar, nur ihr wißt nicht wie mir die Knie zittern bei dieser Person... auch wenn man sowas nie denken sollte: Die ist wirklich ne Nummer zu groß für mich vom Attraktivitätsstandpunkt aus. Wie soll ich das denn nun morgen anstellen? Ihr einfach nur meine Nummer geben mit einem üblichen Spruch? Hat ja viele bekannte Nachteile. Aber sie nach ihrer Nummer fragen ist dort im 'Marktbetrieb' mit anderen Kunden drumherum auch nicht gerade das Wahre... Vielleicht hat ja jemand eine kreative Idee?

    Wolke

    Zitat

    Arbeit ist identitätsfördernd und identitätsbedrohend zugleich - in Abhängigkeit von den Organisationsformen

    Mit "Organisationsformen" kann ich gar nichts anfangen.


    Und vorwegschicken will ich auch, dass ich von Prufungsfragen generell nicht viel halte, weil die Prüfenden dann oftmal ganz bestimmte Termini hören wollen, oft sogar solche, die sie in der Vorlesung gesagt haben, um zu checken, ob der Prüfling immer anwesend war.


    Aber was die "Identitätsfrage" angeht, würde ich so ansetzen, dass Arbeit, die den Talenten, Neigungen und Fähigkeiten des Probanden entspricht und ihm daher inhaltlich Spaß macht, ihn in der Entfaltung seiner Persönlichkeit und Fähigkeiten unterstützt. Denn er macht er gern. Dann "wächst" er mit den Aufgaben und entwickelt sich. Da diese Umstände nach dem "Lustprinzip" funktionieren (er macht Sachen, "auf die er Lust hat"), kann er sich mit dieser Arbeit auf identifizieren. Er fühlt sich verbunden mit dem was er macht, er "steht dahinter" und übernimmt dann auch bereitwillig die Verantwortung dafür. Er identifiziert sich mit dem was er macht.


    Auch Arbeit, dei ihm nicht liegt, kann gerade durch ihre Fremdheit und die nötige Selbstüberwindung zu ihrer Erledigung zur Entfaltung des Probanden beitragen. Er wird nur dann erfolgreich sein, wenn er seinen individuellen Weg zur Lösung dieser "fremden" Aufgaben findet.


    Wir ein Mensch sehr stark in eine Arbeit eingebunden, "verliert" er sich gewissermaßen in ihr, dann kann das eine Entfernung von seinen ureigenen Interessen nach sich ziehen. Klassisches Beispiel: Viele Wirtschaftsunternehmen wollen als Mitarbeiter am liebsten junge Männer die Single sind, damit sie "familiär ungebunden" sind. So stehen die Chancen gut, dass die Arbeit zu ihrem Hauptlebensinhalt wird, ihr Chef zur uneingeschränkten Autorität (es gibt keine Frau, die sagt: "So viele Überstunden machst du nicht mehr!"). Sie sind nahezu jederzeit "auf Abruf" und engagieren sich maximal. Denn es gibt nichts anderes "wichtiges" in ihrem Leben. Und damit das so bleibt ist es im Interesse solcher Firmen, wenn diese jungen Männer schön verklemmt sind und gar keinen Gedanken daran verschwenden überhaupt jemals ne Frau anzusprechen. ;-) Klingt überzogen, aber da ist was dran. "Wirtschaft" ist ein hartes Schlachtfeld und jeder Mitarbeiter "muss" zu allererst "Arbeitsbiene" sein. Viele Familien leiden darunter.


    Zurück zur Sache.


    Wenn ein Proband also sehr stark in seine Arbeit eingebunden ist, identifiziert er sich zwar maximal mit ihr, aber dadurch läuft er Gefahr, seine eigenen Interessen (Pflege von Freundschaften, eigenes Vergnügen, Beschäftigung mit dem eigenen Innenleben) zu ignorieren oder gar zu vergessen und so ihre wahre Identität zu verlieren.


    Es gibt zigtausende, die so in der "Turbine Arbeit" eingespannt sind, dass sie abends nicht mal einschlafen können, weil das Gedankengetriebe nicht zur Ruhe kommt. In dem Stadium hat die menschliche Identität schon massiven Schaden erlitten. Dann ist der Mensch nur noch "Arbeit".


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    Mickey

    Zitat

    Abgesehen davon ist 'im Aldi Markt' arbeiten nicht wirklich anspruchlos..

    Das ist alles andere als anspruchslos! Das erfordert - zmuindest in höherer Position - ordentlich Verantwortungsbewusstsein und Leistungsbereitschaft. Eine gute Freundin von mir ist Filialleiterin in einer ähnlichen Supermarktkette.

    Zitat

    'vielleicht kommst Du doch noch mal hier her'

    Du bist per du mit ihr? Was willst du mehr?

    Zitat

    Ja klar, nur ihr wißt nicht wie mir die Knie zittern bei dieser Person...

    Doch, das weiß ich am allerbesten. ;-)

    Zitat

    Die ist wirklich ne Nummer zu groß für mich vom Attraktivitätsstandpunkt aus.

    Ich empfehle: "Paul Watzlawik - 'wie wirklich ist die Wirklichkeit?'" - ein Abriss über die Funktionalismem der Entstehung und Erschaffung von "Wirklicheit" (und somit Überzeugungen) und wie paradox diese Funktionalismen sind.


    Kurzum: Die obige Aussage ist nicht "wahr".

    Zitat

    ...sie nach ihrer Nummer fragen ist dort im 'Marktbetrieb' mit anderen Kunden drumherum auch nicht gerade das Wahre...

    Wäre sogar das dümmste überhaupt.

    Zitat

    Vielleicht hat ja jemand eine kreative Idee?

    Mich wundert, dass du keine hast. Schließlich beschäftigt dich diese Frau schon längere Zeit! Zudem seit ihr per du! Kennst du ihren Partnerschaftsstatus? Aber auch das ist irrelevant.


    Ich überlege mal...

    @MK

    wegen solo oder nicht: sie hatte mir mal erzählt, dass sie gerade im Urlaub bei Verwandten war und ihr dort sehr langweilig gewesen wäre. Hat sich nicht so angehört, als ob sie mit einem Partner dort gewesen ist.... Wobei ich mir widerum nicht vorstellen kann, dass so eine Frau solo ist.. ;-) na ja... ist natürlich bescheuert das zu denken.. weiss ich auch :-)