Meine Freundin auf Verhalten ihres Mannes ansprechen?

    Hallo,


    es geht um eine sehr gute Freundin von mir, in deren Ehe es momentan ziemlich kriselt. Ich versuche mal, mich aufs absolut Wesentliche zu beschränken:


    Die beiden sind seit 10 Jahren zusammen und seit 2 Jahren verheiratet. Sie ist ein sehr introvertierter Mensch und spricht nicht oft über ihre Probleme in der Beziehung, dennoch habe ich eigentlich ein recht gutes Gesamtbild, würde ich sagen. Dennoch habe ich erst vor 2 Wochen durch Zufall erfahren, dass sie sich vor 3 Jahren fast getrennt hätte aufgrund eventueller Untreue ihres Freundes und dessen Verhalten und im Dezember letzten Jahres gab es dann eine ähnliche Situation, die fast zum Scheidungswunsch führte. Sie sagte, dass ich die erste bin, die davon erfährt und sie davor mit niemandem darüber gesprochen hätte. Die Woche davor muss es wieder arg gekracht haben sodass er sogar über Nacht weg blieb. Ich hab ihr daraufhin angeboten, dass sie jederzeit zu mir in die Wohnung ziehen kann, so zB auch am damals anstehenden WE, an welchem wir sowieso nicht zuhause waren. Das Angebot nahm sie an um es dann doch wieder abzulehnen da sie sich offenbar positiv ausgesprochen hatten.


    Am Samstag war sie nun mit ihrem Mann bei uns zu einem Spieleabend und ich war ernsthaft über das Verhalten der beiden zueinander irritiert. Das fiel sogar meinem Freund auf und der hat für sowas mal so gar keine Antennen. Er war kühl und abweisend zu ihr. Im Spiel sogar richtig gemein. Gut, es war ein Spiel aber man konnte diese ins Private gehenden Spitzen durchfühlen. Sie hingegen hat davon offenbar überhaupt nichts gespürt und war sehr kuschelbedürftig und wollte ihm oft ein Busserl auf die Wange geben oder sich an ihn kuscheln. Es sah so aus als würde sie regelrecht nach einer positiven Reaktion oder einer liebevollen Geste lechzen, die sie aber nicht bekam. Im Gegenteil, er drehte sogar den Kopf weg als sie ihm ein Küsschen geben wollte ??? Ich kenne auch so ein Verhalten nicht von ihr, sie ist nicht so der Typ, der Gefühle nach aussen hin zeigt oder kuschelnd / busselnd mit einem Mann da sitzt. Aber laut ihr wars am nächsten Tag ein schöner Abend und sie schien nichts davon gemerkt zu haben. Wie gesagt, ich fand das eher beunruhigend - und erst recht, wenn das der normale Umgang wäre ":/


    Jedenfalls hat mir das total zu denken gegeben, meinem Freund auch. Ich überlege nun, sie darauf anzusprechen weil ich mir wirklich Sorgen mache - gerade weil es momentan so seltsam zwischen den beiden läuft. Auf der anderen Seite will ich keine schlafenden (?) Hunde wecken und Unruhe sähen, denn das ist sicher das Letzte, was man da gebrauchen kann. Zumal sie nun seit 1 Jahr aufgrund einer Depression in Therapie ist und gerade lernt, sich nicht über simpelste Dinge / Aussagen mehrere Tage den Kopf zu zerbrechen. Und ich fürchte, genau das würde sie (über die Maßen) tun, wenn ich sie anspreche. Im Grunde geht es mich auch nichts an, dennoch mache ich mir natürlich Sorgen um meine Freundin.


    Normalerweise tue ich mir mit sowas nicht schwer und habe eine sehr offene Kommunikation im Freundeskreis, scheue mich auch nicht, mal blödere oder heiklere Themen anzusprechen. Nur hier zögere ich.


    Was würdet ihr tun?

  • 21 Antworten
    Zitat

    Im Grunde geht es mich auch nichts an, dennoch mache ich mir natürlich Sorgen um meine Freundin.

    ..das kann ich verstehen. Aber ich sehe hier keine heikle Situation, deshalb würde ich nichts dazu sagen.


    Sein Umgang mit ihr ist nicht schön und eher abweisend, aber man weiß auch nicht, was ihm an dem Abend über die Leber gelaufen ist oder vorher zu Hause vorgefallen ist.


    Beobachte das mal weiter und wenn dir deine Freundin etwas anvertraut und nach Rat fragt, kannst du dich dazu äußern. Ansonsten würde ich mich zurückhalten.

    Danke, Singende. Wahrscheinlich bin ich so empfindlich weil ich weiss, wie sehr sie sich eigentlich ein anderes Leben gewünscht hat und man es als Freundin dann halt nicht gern sieht, wie sie behandelt wird. Aber gut. Ich warte mal ab.. @:)

    Da drohen Fettnäpfchen, wenn du dich da einmischst. Ich würde es lassen.


    Wenn mir solche Dinge auffallen, rede ich zwar anschließend mit meiner Frau darüber (und wir liegen meistens auf der gleichen Wellenlänge), aber ich mische mich ungefragt weder als Mediator noch Glückskeks noch Richter in zwischenmenschliche Dinge ander. Das ist einzig und allein deren Sache. Wenn es eskaliert, mache ich den Mund auf

    , aber davon war es ja weit entfernt.


    Deine Freundin hatte schon öfters Krach mit ihm, also darfst du ihr zutrauen, dass ihr der Umgang damit nicht fremd ist.

    Ich kann mir auch vorstellen, dass es deiner Freundin unangenehm wäre, wenn du sie darauf ansprichst. Etwas anderes wäre es, wenn sie von selbst diesen Abend ansprechen würde.


    Wenn man auf ein (unangebrachtes) Verhalten seines Ehepartners angesprochen wird, neigt man wohl auch mehr dazu, es zu erklären und zu beschwichtigen.


    Ihr ist es selbst auch aufgefallen, glaub mir und wenn sie dazu deinen Eindruck dazu möchte, fragt sie dich.

    @ Marie 27

    ich würde sie nicht darauf ansprechen, da sie sich offenbar im Moment wohl fühlt und nicht dieses negative Empfinden hat, das Ihr Umfeld sieht. Ich würde allerdings an Deiner Stelle schon mal Kraft tanken - Kraft für eine Freundin, die früher oder später kommt und das Ende Ihrer Ehe bekannt gibt. Als ich das gelesen habe dachte ich - oh meine Ehe wird wieder gespiegelt. Bis auf das Fremdgehen fast identisch. Sowas geht nie gut - totale Lieblosigkeit und Abweisug einer Person, während die andere nach Aufmerksamkeit giert - forget it. Glaubst Du wirklich Deine Freundin hat den Fehltritt von vor 3 Jahren vergeben? Ich denke eher nicht, denn deshalb gibt es immer wieder Streit. Unter anderem. Gift, sag ich da nur.... Das geht nicht bis zur Silberhochzeit, da wett ich

    Danke Euch, ich werde auf jeden Fall die Füße still halten und meinen "Beschützer-Impuls" unterdrücken :)z

    @ Beepop

    Zitat

    Glaubst Du wirklich Deine Freundin hat den Fehltritt von vor 3 Jahren vergeben? Ich denke eher nicht, denn deshalb gibt es immer wieder Streit. Unter anderem. Gift, sag ich da nur.... Das geht nicht bis zur Silberhochzeit, da wett ich

    Nein, sagt sie zumindest. Durch diesen Vorfall wurde erstmalig ihr Urvertrauen in die Beziehung zerstört und schlug innerlich hohe emotionale Wellen. Der wiederholte Verdacht im Dezember 15 hat das wieder ans Tageslicht gebracht. Problematisch scheint sein Umgang damit zu sein. Und nein, ich habe schon vor Jahren nicht dran geglaubt, dass das auf Dauer hält aber das muss sie selbst wissen..

    Das sind so Menschen, die möchte man packen und greifen und ihnen ins Gehirn prügeln, dass sie sich mit sowas das Leben kaputt machen.


    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Beziehung einen nicht kleinen Teil Schuld an ihrer Depression ist. (Zumindest wenn er öfter solch passiv-aggressives Verhalten an den Tag legt und sie mit allen ihr möglichen Mitteln versucht die Stimmung zu kippen, denn so kommt es rüber.)


    Aber man kann Menschen nicht packen und ihnen einfach das auf den Latz knallen, außer einem ist die Freundschaft egal.


    ich hoffe für dich und sie, dass sie ehrlich zu ihrem Therapeuten ist, und sie vielleicht irgendwann aufwacht.

    Ich kann dich da durchaus verstehen. Man möchte doch zu gerne helfen.


    Einiges von dem, was du schreibst, erinnert mich daran, dass deine Freundin, warum auch immer, nach aussen eine heile Welt zeigen will. Sie wird vieles selber registrieren.


    Doch du kannst ihr nicht helfen. Du kannst ihr nur zeigen, dass du für sie da bist, wenn es, warum auch immer, Probleme gibt. Erzähl ihr auch Dinge von dir - das schafft Vertrauen. Sie muss sich von sich aus öffnen, zu dir kommen und sich anvertrauen. Sprichst du sie an, wird sie abwiegeln. Und kommt sie nicht, dann muss du das auch akzeptiefen und dich nicht aus verletzter Eitelkeit zurückziehen.

    @ Marie27

    Urvertrauen in Beziehung zerstört - durch Verdacht kam alles wieder hoch- eben. Und da muss ich wirklich sagen, genau das ist es, was die Beziehung im Nachhinein kaputt gehen lässt. Immer dieser leicht nagende Verdacht ist da wieder was, kann ich Ihm vertrauen.....


    Gefährliche Sache.... die so nie funktioniert...

    Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr plagt mich das schlechte Gewissen, dass ich nicht schon früher was gesagt habe. Dass sie sich verändert hat, nicht mehr glücklich wirkt. Aber es gab kein Rankommen und nachdem wir mal 1 Jahr Funkstolle hatten, in dem dann diese Veränderung passierte, habe ich mich schlichtweg nicht in der "Position" gefühlt. Oh je oh je.... jetzt steht sie damit 34, Kinderwunsch, 50% mehr Gewicht und einem Berg Schulden. Ich würd ihr so gern helfen. Scheisse, echt!

    Auch wenn du mit deiner Freundin über ihre Probleme geredet hättest (wenn sie das überhaupt gewollt hätte), wäre es zu der Trennung gekommen.


    Ich denke, sie wird ihre Ehe selbst richtig eingeschätzt haben, hat jedoch versucht noch was zu retten. Das erklärt ihr Verhalten an dem Abend bei euch.


    Es ist schwierig, wenn man selbst merkt, es stimmt was nicht und die Beziehung neigt sich dem Ende zu. Man hat mit sich selbst zu tun, überlegt welchen Rettungsanker man werfen kann und ist wohl auch in so einer Art "Nicht wahr haben wollen Phase" oder "Probleme gibt es immer mal, daran kann man arbeiten".


    Die Scham über das mögliche Scheitern einer Ehe überwiegt dem Wunsch nach Hilfe, weil ein Außenstehender nicht helfen kann.


    Wenn man sich anvertrauen möchte, dann sicher nur seiner besten Freundin.


    Das Einzige was du machen kannst, ist ihr deine Unterstützung und Hilfe anzubieten. Sag ihr, sie darf gern zum "ausheulen" vorbei kommen. Biete ihr an, bei Unternehmungen dabei zu sein. Rufe oder texte sie ab und zu mal an und frag nach, wie es ihr geht..Nerve sie nicht damit, sondern vermittle ihr das Gefühl: wenn du mich brauchst oder reden willst, ich bin da und höre dir zu. Aber warte dann, dass sie auf dich zukommt.

    Zitat

    Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr plagt mich das schlechte Gewissen, dass ich nicht schon früher was gesagt habe.

    Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich deute die Situation vor einem Monat beim Spieleabend ganz anders. Er war gemein zu ihr. Da hat man als betroffene die Wahl, daraus einen Streit vor Publikum zu machen oder aber doppelt bemüht zu sein, für die Gastgeber "heile Welt" vorzuspielen. Und genau das hat sie in meinen Augen getan, sie hat für euch eine heile Welt vorgespielt durch ihr Kuschelbedürfnis. Denn natürlich merkt eine Frau, wenn sich der eigene Mann abwendet, spitze Bemerkungen verteilt etc.

    Hallo ihr zwei,


    danke Euch. Ja, sie stand gleich heut mrgen vor der Türe, fix und fertig. Ich glaube auch, dass sie es wusste.. sie sagte auch, dass sie über die Jahre nicht drüber sprechen wollte weil sie wusste, dass sie mit den Zweifeln und Meinungen aus dem Freundes- und Familienkreis nicht würde umgehen können; sie wollte es nicht hören, nur geliebt werden und hat sich mit kleinsten Emotionen ihres Mannes abspeisen lassen.


    Sie weiss, dass sie auf mich, unseren besten Freund und ihre Eltern jederzeit zählen kann, wir versuchen auf jeden Fall, sie zu stützen und das richtige Maß zu finden.


    Es ist nur so bitter weil sie alles für ihn aufgegeben hat - von der Persönlichkeit, über eigene Bedürfnisse bis hin zum Kinderwunsch - und darüber ärgert sie sich nun maßlos (also über sich selbst). Und er.... verdiente die ganzen Jahre kein Geld, war von ihr abhängig, und seit 2 Monaten nun ~3000 netto und nu isser wech. >:(