Meine Mutter hat gesagt, sie liebt mich nicht.

    Der genaue Wortlaut war:


    "Ich habe dich nicht geliebt, weil du mich genervt hast!"


    Wie es dazu kam, muss ich selbst erstmal rekunstruieren...


    Gestern war mein 30. Geburtstag und meine Schwester und meine Mama kamen abends noch mit kleinen Geschenken vorbei. Mein Mann, die beiden und ich saßen am Esszimmertisch, die Kinder waren oben in ihren Zimmern (zum Glück).


    Es war zunächst alles ganz normal, sehr harmonisch, als wir "Jungen" zum Philosophieren über das (Arbeits-)Leben anfingen. Wir sind im Gegensatz zu meiner Mutter, die ihren Job liebt und der ihr Lebensinhalt ist, unzufrieden, nein eigentlich totunglücklich. Wir suchen nach einem Ausweg, einem Ausstieg aus dem Hamsterrad. Der erste Streitpunkt war, dass wir es fürchterlich finden, wie es auf der Welt zugeht und ihr Standpunkt ist, es war noch nie so friedlich und uns geht es viel zu gut. Es wird sich nie irgendwas ändern an der Menschheit und wir sollen akzeptieren wie es ist und aufhören, etwas ändern zu wollen. Naja schwieriges Thema, aber meine Mama hat sich aus irgendeinem Grund angegriffen gefühlt und wurde zusehens aggressiver?


    Mein Mann und ich möchten unser Haus verkaufen und neben meinen Vater ziehen, da uns dann auch sehr viel Geld übrigbleibt. Das kam auch wieder zur Sprache gestern.


    Das wurmt meine Mutter wohl sehr. Sie haben sich sehr unschön getrennt, als wir noch klein waren. Sie hasst ihn. Nach all der Zeit ist die Wut auf meinen Vater nach wie vor noch allgegenwärtig. Sowohl mich, meine Schwester, als auch meinen Bruder versucht sie seit jeher zu indoktrinieren, ihn doch gefälligst auch zu hassen. Bei meiner Schwester klappt es prima, bei meinem Bruder so prima, dass er vorbestraft ist.


    Ich könnte so viel über unsere Eltern schreiben, aber das würde komplett den Rahmen sprengen.


    Kurzum: wir sind total gestört ;-)


    Ich habe das Ganze schon in einer Therapie ergründet, also im Grunde hab ich gestern nichts Neues erfahren.


    Sie fing also wieder mit dem Hass auf meinen Vater an, indem sie meine Schwester manipulativ fragte "Wie kommt das eigentlich, dass er dich nicht so unterstützt und dich nicht sehen will (wie deine Schwester)?" Es war nicht der genaue Wortlaut, aber sinngemäß. Zuerst ignorierte ich es, aber insgeheim ahnte ich, dass sie mich provozierte. Ich hatte ihr die Antwort vor einiger Zeit gegeben und sie hat behauptet, es sei eine Lüge. Mein Vater erzählte mir, er denkt, er sei nur ein Geldesel für meine Schwester, dass sie ihn zuletzt besucht hat, gemeinsam mit meiner Mutter, als sie zu ihm kamen und sagten, sie würden erst wieder gehen, wenn sie den Unterhalt in bar bekommen. (Unterhalt stand ihr zu, keine Frage, aber dass sie sonst nichts mit ihm am Hut haben will, ist eine Tatsache.) Das ist schon Jahre her. Sonst hätte sie sich nie gemeldet. Und meine Schwester sagte, das stimmt.


    Das Gespräch nahm seinen Lauf und ich erinnere mich nicht mehr gut genug daran. Es ging halt darum, dass mein Vater scheiße ist und sie alles für mich gemacht hat und ich undankbar und ein Jammerlappen bin und nachdem ich keine Lust mehr auf Beschwichtigung hatte, wehrte ich mich.


    Im Folgenden vermischen sich allgemeine Erklärungen und Aussagen, die gestern tatsächlich gemacht wurden, also mache ich diese fett


    Meine Mutter war mit uns 3 Kindern komplett überfordert und sie war eine furchtbar kalte Mutter, insbesondere zu meinem Bruder und mir (wir sind die beiden Ältesten, meine Schwester ein paar Jahre jünger). Ja mein Vater war auch kein Vater, er war auch nicht für uns da, er hat auch viele Fehler gemacht, uns im Stich gelassen und mir als kleines Kind jedes Detail ihrer Trennung erzählt, aber er hat sich dafür bei mir entschuldigt (das hat meine Mutter nie, in ihren Augen habe ich schon als Kind alles falsch gemacht und bin schon immer ein schlechter Mensch). Mein Vater hat uns Kinder auch nicht persönlich angegriffen, nicht niedergemacht, beschimpft, geschlagen, usw. so wie das meine Mutter getan hat.


    Dennoch habe ich ihr verziehen und unser Verhältnis war okay, solange mein Vater nicht zur Sprache kam.


    Ich habe mich immer ungeliebt und unzulänglich gefühlt und war als Teenager dementsprechend "schwierig". Meine Mama wirft mir vor (was auch stimmt), dass ich schlecht in der Schule war (ich war die einzige von uns 3 auf dem Gymnasium und fiel in der 9. Klasse durch, was sie dazu bewog mich zu meinen Geschwistern auf die Hauptschule zu tun, wo ich dann in der 10. Klasse (M10) meine erste Tochter bekam), dass ich faul war, also mit 8 - 14 nicht ihren Haushalt perfekt geschmissen habe, während sie Vollzeit in ihrer geliebten Arbeit war, dass ich ein Jammerlappen war, ein kleines Prinzesschen und mit meinem selbstverletzenden Verhalten mit 15 sie nur erpressen wollte.


    Ich sagte, ich hätte mir zu dieser Zeit gewünscht, dass sie mich in den Arm nimmt, mich tröstet und mit mir redet. (Ich hatte vor allem Liebeskummer zu der Zeit.) Anstattdessen hat sie mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen, als ich weinend am Boden in meinem Zimmer saß und mich ritzte.


    Ich fragte sie dann auch: "Was denkst du denn, was ich erpressen wollte? Was will denn jeder Mensch eigentlich nur? Ich wollte nur Liebe, geliebt werden."


    Und darauf kam der Satz von ihr, um den es hier geht.


    "Ich HABE DICH NICHT GELIEBT, weil du mich genervt hast"


    Ich ging kurz hoch, um mich zu beruhigen, weil ich mit den Tränen kämpfte. Aber ich kam gleich wieder runter, bedankte mich (völlig ohne Zynismus) bei ihr, weil das nur bestätigt hat, das meine Empfindungen immer richtig waren. Aber auch noch, dass ich es verstehe, dass sie zwar ihr Bestes gegeben hat, aber trotzdem überfordert war und mich hätte weggeben müssen, aber dafür zu egoistisch war.


    Sie verließ unser Haus, blockierte mich überall (hatte aber eh nicht vor sie zu kontaktieren), schrieb aber mit meiner Schwester, die noch etwas blieb, über Whatsapp.


    Sie denkt, sie habe mich an den Papa verloren. Ich müsse mich zwischen den beiden entscheiden. Mehr weiß ich nicht. Will ich nicht wissen.


    Meiner Schwester sagte ich, sie braucht das nicht zu ihrem Problem machen. Sie soll das nicht zu ihrem Problem machen lassen.


    Puh das war viel und ich hoffe, es war einigermaßen verständlich geschrieben?


    Vielen Dank an alle, die bis hier gelesen haben und nun meine Frage(n):


    Sehe ich das richtig? Ich muss die Erwartungen, die ich an diese Frau habe, noch weiter runterschrauben oder?


    Ich erfülle ihre Erwartungen ja ebenso wenig. Sie sieht mich nicht als ihr Kind. Bin ich eine Konkurrenz?


    Sie konnte mir nie und kann mir keine Mutter sein oder?

  • 30 Antworten

    Du hast das alles schon so schön und richtig analysiert, dass Du mit der Sache klarkommen wirst.


    Deine Mutter hat zu viele eigene Probleme, dass blockiert das Empfinden für ihre Liebe zu Dir.


    Ich glaube schon, dass da eine Liebe ist, aber die ist verschüttet und verhärtet.

    Ach ich hatte vergessen zu erwähnen, dass sie mich mit 18 mit meiner 1,5 jährigen Tochter auf die Straße setzte, ich mangels Unterstützung zuvor schon die Fachoberschule abbrechen musste und ich ihr zu ewigem Dank verpflichtet bin, weil sie mir wenige Monate nachdem ich feststellte, dass ich es bei meinem Vater/ mit der Frau (jetzt Exfrau) meines Vaters und deren gemeinsamen Kindern nicht aushalte zusammen zu wohnen, mir half eine Wohnung zu finden und die Kaution bezahlte.


    Ich merke gerade, wie nach der anfänglichen Sorge um, dem Mitleid mit meiner Mutter, sich die Wut und Enttäuschung breit macht.


    Darf ich das?

    Harter Tobak... :)_


    Also...was bringt/gibt dir deine Mutter denn? Wie ist sie Teil deines Lebens? Hilft sie dir, oder hockt ihr alle paar Monate zusammen und streitet euch?


    Zu deinen Fragen...Diese sind nicht mit einer Patentlösung zu beantworten, deswegen habe ich dich gefragt, was sie dir gibt.

    Zitat

    Sehe ich das richtig? Ich muss die Erwartungen, die ich an diese Frau habe, noch weiter runterschrauben oder?

    Es ist schwer, aber manchmal sollte man einfach garkeine Erwartungen haben...

    Zitat

    Ich erfülle ihre Erwartungen ja ebenso wenig. Sie sieht mich nicht als ihr Kind. Bin ich eine Konkurrenz?

    Ich denke nicht Konkurrenz, ich denke sie kommt nicht damit klar, dass du anders lebst, als sie es will. Ihr seid nicht auf Augenhöhe. Sie sieht in dir noch das Kind dem sie bestimmen kann.

    Zitat

    Sie konnte mir nie und kann mir keine Mutter sein oder?

    WAS für eine Mutter erwartest du denn genau? Du bist erwachsen und stemmst dein Leben allein. In dieser Phase hat die Mutter eigentlich nurnoch die Rolle der Vertrauten, mit der man Dinge erzählt oder Kaffee trinkt. Eine Beziehung auf Augenhöhe... Ich denke nicht, dass deine Mutter dich jemals umarmen wird und sagen wird, wie gern sie dich hat.


    Eine distanziertere Beziehung, wenn nicht sogar ein Kontaktabbruch, könnte dir gut tun...


    Vorwürfe bringen nichts, weder von ihrer Seite als von deiner Seite...


    Ihr kommt nicht miteinander klar, ihr findet die Entscheidungen des jeweils anderen ziemlich doof. Wenn sie nicht deine Mutter wäre, hättet ihr vermutlich keinen Kontakt oder? Jetzt klammer doch mal dieses Mutter sein aus. Sie ist eine Frau, die du kennst. Würdest du dich weiter mit ihr treffen? Würdest du den Kontakt abbrechen?


    Sie hat nur so viel macht über dich, wie du ihr gibst.


    Ich hab das Gefühl in deiner Sehnsucht nach Mutterliebe schlüpfst du automatisch in die Rolle des gekränkten Kindes und sie nutzt das aus indem sie dich weiterhin klein hält.


    Aber du bist kein gekränktes Kind mehr. Du bist eine erwachsene Frau, die für ihr Leben selbst verantwortlich ist, die es schafft eine Familie, DEINE Familie, zu lieben (Deinen Freund/Mann und dein/e Kind/er).


    Du bist nicht mehr in der Kinderrolle...und in diese solltest du dich auch nicht mehr begeben.

    Zitat

    Ich merke gerade, wie nach der anfänglichen Sorge um, dem Mitleid mit meiner Mutter, sich die Wut und Enttäuschung breit macht.


    Darf ich das?

    Auf jeden Fall! Wut ist eine wichtige Emotion und an dieser Stelle auch angebracht.


    Nur wie willst du jetzt mit dieser Wut umgehen? Das ist die viel entscheidendere Frage ;-)

    Was soll man dazu sagen? Ich bin total entsetzt. Und bei der Geschichte kann man froh sein, dass du nicht schon längst im Knast sitzt. Ich kenne soetwas nicht und kann daher auch nicht sagen, was man da machen sollte.


    Ich hoffe du kriegst Unterstützung von deinem Mann. :)* @:)


    Für mich wäre sie keine Mutter.

    Zitat

    Deine Mutter hat zu viele eigene Probleme, dass blockiert das Empfinden für ihre Liebe zu Dir.


    Ich glaube schon, dass da eine Liebe ist, aber die ist verschüttet und verhärtet.

    Das denke ich auch.


    Der Schlüssel ist wohl, damit abzuschließen, zu akzeptieren, dass wir füreinander nicht das sein können, was wir voneinander bräuchten. Keine Erwartungen mehr.

    Puh... tut mir leid was dir passiert ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung dass die Missachtung von Eltern ungute Folgen haben können und man daran verdammt lange knabbern kann. Mir ging es ähnlich auch wenn meine Geschichte eine ganz andere ist. Ich habe mich verdammt lange gefragt was ich falsch gemacht habe oder ob ich irgendwie nicht korrekt gewesen bin und deswegen alles verdient habe was mir passiert ist - Selbstzweifel bis ins späte Leben hinein. Das Gefühl "nicht den Erwartungen entsprochen zu haben" wird man schwer wieder los und vermutlich wird auch dich das noch eine Zeit lang begleiten. Ich konnte das damals einfach nicht mehr und habe mich von meiner Mutter gelöst, bin ausgezogen und habe seitdem auch kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Das sind jetzt fast 20 Jahre und ich glaube das wird sich auch nicht mehr ändern. Schade für evtl. Kinder die ohne ihre Großeltern aufwachsen werden aber in meinem Fall ist es echt besser so. Das war für mich schwer zu verdauen, dass eben nicht alle Eltern liebevoll und fürsorgend sind aber das ist leider eine Tatsache.


    ??Wo ich so darüber nachdenke dann fällt mir z.b. der Moment ein wo mich meine Mutter mit einem Fieberglasstock so verprügelt hat das sich an den Aufschlagsstellen die Haut abgepellt bzw. aufgeplatzt ist und ich nicht mal mehr heulen oder schreien konnte weil ich vor lauter Schmerzen nur noch Schaum vor dem Mund hatte und während ich sie dabei angesehen habe da ist mir an ihrem Blick klargeworden, dass sie nicht überfordert ist sondern mich einfach nur gehasst hat. Da war kein Mitgefühl oder Verzweifelung sondern purer Hass. Das war schon ein krasser Abfuck damals echt. Akzeptieren, abhaken, besser machen!??


    Vielleicht hilft es dir wenn du weißt dass du nur dir selbst genügen musst und dich für niemanden verbiegen musst. Du wirst dabei eh nur unglücklich.

    Zitat

    Meine Mutter war mit uns 3 Kindern komplett überfordert

    Warum hat sie dann drei Kinder gehabt? Die Schwierigkeiten dürften ja schon beim ersten oder 2. Kind aufgetreten sein. (Die Wahrscheinlichkeit, dass sie euch als Drillinge bekommen hat, ist gering).


    Mich irritiert auch, dass du so jung ein Kind bekommen hast als Teenager, obwohl du selbst solche Probleme gehabt hast.

    Ich kenn eine solche Beziehung von meiner Mutter, die sich Zeit ihres Lebens nach der Liebe meiner Großmutter gesehnt hatte die diese aber niemals geben konnte.


    ich halte es nach der einfachen Regel zum Glücklichsein : Umgib dich mit Menschen die dir gut tun.


    Das konnte meine Mutter nicht, sie wusste das Ihr der Kontakt zur Mutter nicht gut tut und das ihre Sehnsucht nach Mutterliebe nie erfüllt werden würde und trotzdem hat sie sich bis zum Schluß verzweifelt danach gesehnt.


    Ich würde den Kontakt auf ein Minimum beschränken und solche Dinge nicht mehr in ihren Beisein diskutieren.

    puhhh... harter tobak!


    was ich für mich gelernt habe (in einem sehr langen, sehr schmerzhaften prozess) im umgang mit meiner mutter ist, dass ich aus einer inneren distanz leichter analysieren kann, wo eventuelle ursachen liegen können.


    verletztend war das verhalten meiner mutter mir gegenüber (und die bewertung meines vaters!) solange ich von meiner logik, sicht der dinge, meiner wahrnehmung der gemeinsamen geschichte usw. ausgegangen bin.


    nachdem ich aber diesen großen schritt zurück gemacht hatte, habe ich gemerkt, dass sie einen ganz anderen blick auf ihr leben hat, eine ganz andere "sozialisationsvergangenheit", eine logik, die nicht dem objektiven standard entspricht ;-) und ich einfach nur energie verschwende, wenn ich anfange irgendetwas zu rechtfertigen, zu hinterfragen, zu diskutieren, versuchen sie zu überzeugen...


    ich lasse jetzt all das, was sie raushaut so stehen, nehme es nicht persönlich, zerbreche mir nicht den kopf meines vaters und meiner brüder gleich mit und habe seitdem ein relativ entspanntes verhältnis zu ihr (zumindest von meiner seite aus!)


    wieviel du davon von dich rausziehst - keine ahnung, aber das wollte ich mal loswerden :)_

    Wow, so viele tolle Antworten! :)^


    Danke erstmal @:)

    Zitat

    Also...was bringt/gibt dir deine Mutter denn?

    Wir hatten über ein halbes Jahr überhaupt keinen Kontakt (da war auch mein Vater der Grund bzw. dass ich so guten Kontakt zu ihm habe) und haben erst seit knapp einem halben Jahr wieder Annäherungsversuche. Seit Dezember haben wir versucht uns einmal wöchentlich zu sehen. Wir wohnen aber in der gleichen Stadt. Sie möchte nach eigener Aussage einfach nur eine schöne Zeit mit mir verbringen.

    Zitat

    WAS für eine Mutter erwartest du denn genau? Du bist erwachsen und stemmst dein Leben allein. In dieser Phase hat die Mutter eigentlich nur noch die Rolle der Vertrauten, mit der man Dinge erzählt oder Kaffee trinkt. Eine Beziehung auf Augenhöhe... Ich denke nicht, dass deine Mutter dich jemals umarmen wird und sagen wird, wie gern sie dich hat.

    Ich denke, das ist der Punkt. Ich wünsche mir/erwarte immer noch insgeheim eine Mutter, die sich für ihr damaliges Verhalten entschuldigt, so wie es mein Vater getan hat und mir sagt, dass sie mich liebt, wie ich bin und mir das Gefühl gibt, okay (gewesen) zu sein, dass das Problem bei ihr lag.


    Wir können im Prinzip über nichts persönliches reden. Ich habe Eheprobleme mit meinem Mann. Vor Jahren habe ich versucht mit ihr darüber zu sprechen, da sagte sie, wie undankbar ich nur sein könne, bei so einem lieben Mann, dass ich ohne ihn nichts sei usw.


    Dass es bei uns immer noch nicht gut läuft, bekommt sie mit und sie stichelt nach wie vor in die Richtung.


    Psychische Probleme wurden/werden von ihr nur lächerlich gemacht "ach du armes Prinzesschen!".


    Es sind keine Gespräche über Gefühle möglich.


    Und sie kann auch keine richtige Beziehung zu ihren Enkelkindern aufbauen. Sie ist immer noch so unnahbar und eiskalt.

    Zitat

    Wenn sie nicht deine Mutter wäre, hättet ihr vermutlich keinen Kontakt oder? Jetzt klammer doch mal dieses Mutter sein aus. Sie ist eine Frau, die du kennst. Würdest du dich weiter mit ihr treffen? Würdest du den Kontakt abbrechen?

    Ja würde ich. Aber sie ist meine Mutter und die Oma meiner Kinder. Nur deswegen habe ich es bisher weiter versucht.

    Zitat

    Du bist nicht mehr in der Kinderrolle...und in diese solltest du dich auch nicht mehr begeben.

    Das ist ein guter Punkt. Das muss ich verinnerlichen!

    Zitat

    Nur wie willst du jetzt mit dieser Wut umgehen? Das ist die viel entscheidendere Frage

    Ja definitiv. Ich schwanke da momentan stark zwischen den Emotionen, weil ich nicht möchte, dass Wut, Hass und Enttäuschung mein eigenes Leben vergiften. Meine Mutter ist ja das beste Beispiel dafür, was das mit einem machen kann, über Jahrzehnte.


    Aber Emotionen wollen gefühlt werden. Am besten gelingt es mir, glaube ich, wenn ich es aufschreibe. Sie zu konfrontieren, bringt ja überhaupt nichts. Hier darüber zu schreiben, tut auch wahnsinnig gut.

    Zitat

    Und bei der Geschichte kann man froh sein, dass du nicht schon längst im Knast sitzt.

    Hätte ich meine Kinder und meinen Mann nicht, wäre ich vermutlich dort oder tot. Mein Bruder ist nur ein Jahr jünger als ich und hat eine super schlimme Geschichte hinter sich und hat immer noch furchtbar zu kämpfen.

    Zitat

    Ich hoffe du kriegst Unterstützung von deinem Mann. :)* @:)

    Ja der hat gestern fast auch geheult als meine Mam den Satz fallen ließ. Er steht hinter mir und ist für mich da, auch wenns bei uns nicht so rund läuft.

    Zitat

    Ich habe mich verdammt lange gefragt was ich falsch gemacht habe oder ob ich irgendwie nicht korrekt gewesen bin und deswegen alles verdient habe was mir passiert ist - Selbstzweifel bis ins späte Leben hinein. Das Gefühl "nicht den Erwartungen entsprochen zu haben" wird man schwer wieder los und vermutlich wird auch dich das noch eine Zeit lang begleiten.

    Danke für deine Worte, doomhide und für deine Geschichte :)_ Ja genau das war/ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Ich arbeite noch daran, diese "Geister" endgültig zu vertreiben.

    Zitat

    Warum hat sie dann drei Kinder gehabt?

    Ich habe mich bei ihr angeblich trotz Spirale eingeschlichen, 3 Monate nachdem sie meinen Vater kennengelernt hat, da war sie 33. Genau 1 Jahr nach mir kam mein Bruder zur Welt. Das erste Mal getrennt haben sie sich, da war ich 2. Dann sind sie wieder zusammen gekommen (und wieder außeinander und wieder zusammen) und als ich fast 5 war, kam meine Schwester als Versöhnungsbaby. Als meine Schwester 3 war, war es endgültig aus, da hatte er dann sogar schon die Neue.


    Wenn du mich fragst, gehören meine Eltern zu den Menschen, die besser keine Kinder bekommen hätten.

    Zitat

    Mich irritiert auch, dass du so jung ein Kind bekommen hast als Teenager, obwohl du selbst solche Probleme gehabt hast.

    Vielleicht war es auch, weil mir vorgelebt wurde, wenn ein Baby kommt, wird alles wieder gut. So war es bei meiner kleinen Schwester ja und als mein Vater mit seiner neuen Frau Kinder bekommen hat. Naja und ich war einsam, verdammt einsam und erhoffte mir Liebe, wenn ich mit meinem Freund, mit dem ich immerhin von 14-17 zusammen war, eine eigene Familie gründe. Die Beziehung hat zwar nicht gehalten, aber meine Tochter hat mich auf die richtige Bahn gebracht. Und als ich dann 20 war, hab ich mit meinem Mann noch die 2. Tochter bekommen. Ich konnte und kann so für sie da sein, wie es meine Mutter nicht kann/konnte. Eltern sind für ihre Kinder da und nicht umgekehrt.

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    Ich halte es nach der einfachen Regel zum Glücklichsein : Umgib dich mit Menschen die dir gut tun.

    So einfach und so richtig!

    Zitat

    Ich würde den Kontakt auf ein Minimum beschränken und solche Dinge nicht mehr in ihren Beisein diskutieren.

    Absolut richtig. Ich darf mich auch nicht mehr dazu hinreißen lassen, mich selbst oder meinen Vater zu "verteidigen".

    Zitat

    ich lasse jetzt all das, was sie raushaut so stehen, nehme es nicht persönlich, zerbreche mir nicht den kopf meines vaters und meiner brüder gleich mit und habe seitdem ein relativ entspanntes verhältnis zu ihr (zumindest von meiner seite aus!)

    Ich habe sie und ihr Verhalten in den letzten Jahren immer stärker analysiert und konnte so immer mehr Verständnis aufbringen. Sie hatte es weiß Gott nicht leicht. Jetzt kommt aber der Punkt (mal wieder), wo ich es unabhängig von mir machen sollte. Bei allem Verständnis, es ist IHR Problem oder das Problem meiner Schwester oder meines Vaters. Ist alles nicht mein Bier, muss meine Devise werden, auch wenn ich es niemals so kommunizieren dürfte ihr gegenüber, weil sie das erst recht in Rage bringt. Aber es muss zu meinem Mantra werden, nach dem ich künftig handle.


    Danke nochmal, es tut mir richtig gut hier @:)

    was hat denn die Therapie da so für Erkenntnisse gebracht?


    Ich hab das Gefühl, Du bist noch nicht an dem Punkt angekommen, wo Du ihr System wirklich voll und ganz verstanden hat. Du hoffst immer noch usw usf. Dabei gibts vermutlich keinen Blumentopf zu gewinnen und die einzige sinnvolle Konsequenz ist die radikale Abgrenzung. Gegenüber Leuten, die sich nur negativ, destruktiv und manipulativ aufführen, bleibt einem letztlich nur konsequent egoistisches Grenzen-ziehen.

    Zitat

    Du bist noch nicht an dem Punkt angekommen, wo Du ihr System wirklich voll und ganz verstanden hat

    muss sie das denn? reicht vielleicht manchmal ausch, zu akzeptieren, dass man das nicht versteht, sondern für sich selber mechanismen finden muss, es nicht zu nah an sich heranzulassen?

    BlackSwan87

    Zitat

    Ja würde ich. Aber sie ist meine Mutter und die Oma meiner Kinder. Nur deswegen habe ich es bisher weiter versucht.

    Das funktioniert so aber nicht. Es tut dir nicht gut und wie viel Nähe die Kinder zur Oma brauchen, ist ja auch eine Frage.


    Mal aus Sicht eines Kindes: Meine Mutter hat sich nie mit ihrer Mutter verstanden. (Anders gelagert als eure Geschichte, aber halt auch nicht geil.) Meine Eltern haben den Teil "Kinder brauchen ja eine Oma" durchgezogen bis zu einem gewissen Alter. Das hat aber auch nur funktioniert, weil es a) Distanz gab und b) mein Vater.


    Wenn a) nicht gewesen wäre, hätte das sicher nicht hingehauen für meine Mutter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich als Kind das auch nicht toll gefunden hätte, mitzubekommen wie sich meine Mutter an ihrer Mutter aufreibt. Ich habe mir dann halt im Laufe der Jahre ein eigenes Bild über meine Oma gemacht.


    Worauf ich hinaus will: Fühl dich bloß nicht dazu verpflichtet deine Mutter in deiner Bude sitzen zu haben, damit die Kinder eine Oma haben. Wenn Oma Wochenende ist (oder was auch immer), dann lass deinen Mann das machen. Wenn irgendwie ein Kindergeburtstag oder so ansteht, schau das genug Leute da sind und du schlicht keine Zeit für das Geschwätz von deiner Mutter hast.


    Lass sie aus deinem Leben so im Großen und Ganzen raus. Das erfordert Übung und Routine, aber das packst du schon.

    Ich finde sogar, was Deine Mutter als eben Deine Mutter bei Dir und Deinen Geschwistern angerichtet hat, ist ein gutes Argument, sie von Deinen Kindern fernzuhalten.


    Auch mal eine Kinderperspektive: mein Vater hat sich mit seiner Mutter nicht gut verstanden, sie hat keine Rolle in seinem Leben gespielt und damit auch nicht in meinem oder dem meiner Geschwister (mütterlicherseits gab es keine Eltern mehr). Man wird auch ohne Großeltern groß. ;-) Meine Mutter hat eine ältere Schwester, zu der kein Kontakt besteht, damit tauchte sie auch nie für uns Kinder als Tante auf. Ich habe es nie so empfunden, dass uns hier etwas vorenthalten wurde o.ä. Der Kontakt zu diesen Menschen wurde von meinen Eltern aus guten Gründen vermieden (und uns damit vermutlich einiges erspart).


    Da Deine Kinder sie ja aber nun schon als Oma kennen, würde ich Dumals Schlachtplan versuchen.

    Zitat

    Ich finde sogar, was Deine Mutter als eben Deine Mutter bei Dir und Deinen Geschwistern angerichtet hat, ist ein gutes Argument, sie von Deinen Kindern fernzuhalten.

    Bei uns ists mit dem Opa väterlichersets so, also mit dem Vater meines Kerls. Der hat immer sehr konkrete Vorstellungen davon, wie ein anderer sein soll, und wenn der anders ist, fängt er an, mehr oder weniger manipulativ oder direkt an ihm herumzuoptimieren. Der Kerl hat sich ihm sehr früh durch totale Verweigerung entzogen und später dann den Kontakt abgebrochen; es hat viele Jahre gedauert, bis er gespürt hat, was er selbst will, statt immer vor allem reflexartig das abzulehnen, was andere von ihm verlangen. Er will keinen Kontakt zu seinem Vater. Nu hab ich eine Weile den Kontakt aufrechterhalten, seit wir ein Kind haben, und war schnell sehr angestrengt. Außerdem hat der Gute sehr nachdrücklich versucht, dann über Enkel und mich doch wieder an seinen Sohn ranzukommen und ihn durchzuoptimieren, damit er endlich der Sohn ist, den er gern hätte. Da man mit ihm nicht reden kann (er meint es halt auch wirklich "gut" in seinem Universum, er schnallts wirklich nicht), habe ich ebenfalls den Kontakt abgebrochen. Für unser Kind ist es sehr schade, er hätte sicher viel Freude mit seinem Opa, der auch ganz tolle Seiten hat, aber das, was es bei uns in der Familie anrichtet, die Unruhe und Belastung, die es reinbringt, ist wirklich ordentlich, und wir haben uns nach langem, sorgfältigem Abwägen entschieden, dass wir diesen Menschen nicht in unserem Leben haben wollen. Ohne seine Manipulationsversuche würde ich da den Mittler machen, damit der Kleine seinen Opa sehen kann, so aber ist das Preisleistungsverhältnis, um es so nüchtern zu sagen, für uns nicht akzeptabel.


    Wenn der Kleine von sich aus seinen Opa anrufen wollte, dürfte er natürlich, das kann auch noch kommen, er fragt ab und zu nach ihm. Wir befördern das aber nicht gezielt.


    Überleg Dir, was für Dich okay ist und was nicht. Und was für Dich nicht mehr okay ist, was Dich wirklich angreift: Weg damit, das musst Du nicht tun. Diese Frau hat Dir wirklich schon genug Schmerz zugefügt und Dich beschissen genug behandelt, Du bist nicht ihr Boxsack. Man darf solche Leute aus seinem Leben aussortieren, wenn man das möchte.

    ,

    @ Vast

    Zum Thema Teenagerschwangerschaften: Teenager werden oft schwanger weil sie sich nach jemandem sehnen der sie wirklich bedingungslos liebt (und dabei die Aufgabe unterschätzen die ein Kind bedeutet). Solche Situationen wie die der TE sind eher häufig als ungewöhnlich in Bezug auf eine sehr frühe Schwangerschaft :-(

    Zitat

    was hat denn die Therapie da so für Erkenntnisse gebracht?


    Ich hab das Gefühl, Du bist noch nicht an dem Punkt angekommen, wo Du ihr System wirklich voll und ganz verstanden hat. Du hoffst immer noch usw usf.

    In der Therapie hab ich meine Kindheit aufgearbeitet, erstmal darüber geredet und erfahren, dass das, was bei uns los war NICHT normal war und meine Reaktionen, gewisse Verhaltensweisen, die mir schadeten, analysiert und Alternativen geschaffen. Ich hab erstmals auch den Schmerz zugelassen, überhaupt mal Gefühle zugelassen und dann Selbstvertrauen aufgebaut.


    Es stimmt, ich hab ihr System nicht völlig durchschaut. Ich verstehe bis heute nicht, was bei ihr schiefgelaufen ist, wie die Beziehung zu meinem Vater wirklich war, wie man so lange Zeit so wütend auf jemanden sein kann.


    Ich würde es gern verstehen, weil mir das vermutlich auch drüber weghelfen könnte. Und ich glaube, das ist ja auch, was du meinst - dass ich besser drauf reagieren kann dann.


    Mittlerweile vermute ich ja ganz banal, sie war einfach selber so verkorkst, bindungsgestört und maßlos überfordert und sich das einzugestehen, zuzugeben, dass sie ihren Kindern geschadet hat, würde ihr das Genick brechen. Was liegt da näher, als die eigene Unfähigkeit und den Hass auf jemand anderen umzuwälzen, logischerweise auf meinen Vater, der ja auch viele Fehler gemacht hat, von dem wir Kinder 50 % haben usw.


    Aber wie die Seherin sagt, muss ich unabhängig davon, ob ich meine Mutter jemals durchschaue, eigene Wege finden, damit klarzukommen. Ich neige sowieso schon dazu, mich nicht abgrenzen zu können und die Probleme anderer auf meine Schultern zu laden und lösen zu wollen.