Meine Schwiegereltern, meine Eltern - und ich

    Hallo zusammen,


    ich war kurz am Überlegen, ob ich anonym schreibe, aber auf der anderen Seite sind Spannungen innerhalb der Familie ja dann doch keine Ausnahme - also los:


    Meine Eltern wohnen mehrere Hundert Kilometer entfernt, meine Schwiegermutter in derselben Stadt, allerdings im Speckgürtel, wir wohnen zentral. Zu Stoßzeiten kann es schon einmal über eine Stunde dauern, bis man bei uns ist. Nun ist es so, dass meine Schwiegermutter bei meinen Eltern 1-2x im Jahr ein paar Tage verbringt, weil diese ländlich wohnen. Umgekehrt wohnen dann meine Eltern bei meiner Schwiegermutter, wenn sie ihren Enkel besuchen wollen. Dies hat zur Folge, dass meine Eltern zum einen ziemlich unflexibel sind, weit fahren müssen und regelmäßig Diskussionen auftreten. Aber dazu gleich. Ein Hotel bei uns in der Nähe habe ich bereits mehrere Male vorgeschlagen, das würde ich sogar zahlen, aber das kommt nicht in Frage. Weil: Schwiegermutter könnte traurig oder enttäuscht sein. Und genau dieser Satz .- in verschiedenen Varianten - ist das Motto, unter dem sämtliche Besuche hier laufen. Meine Schwiegermutter ist dabei keine laute Person, sondern eher die Person, der Tränen in die Augen treten, deren Stimme leise wird, die sich wegdreht und "nein, alles in Ordnung" flüstert. Wenn ich das jetzt so alles schreibe, kann ich selbst nur mit dem Kopf schütteln, weil ich mir wie in einer schlechten Soap vorkomme.


    Beim letzten Besuch kam es zu einem Drama, da meine Eltern und meine Schwiegereltern scheinbar nicht abgestimmt waren. Jedenfalls haben meine Eltern an einem Tag bei mir und ihrem Enkel Abendbrot gegessen und bei ihrer Rückkehr hatte meine Schwiegermutter wohl geweint, mein Vater und mein Schwiegervater sich angebrüllt und die Stimmung war dementsprechend "gut". Denn meine Schwiegermutter hatte für alle Abendbrot vorbereitet.


    So, und seitdem geht es munter so weiter. Meine Eltern und ich haben uns dieses Jahr das letzte Mal im Januar gesehen, nachdem gemeinsames Weihnachten aufgrund von Krankheit leider ausgefallen ist. Weihnachten haben wir mit Schwiegermutter daher vor Ort verbracht.


    Meine Eltern waren letzte Woche für vier Tage hier, ein Tag war der Geburtstag ihres Enkels, den wir alle (also alle Omas und Opas) zusammen verbracht haben. Die entscheidende Frage bei meinen Eltern war immer während dieser vier Tage, wie wir Schwiegermutter glücklich machen können. Am Ende war es so, dass meine Eltern insgesamt vielleicht von den vier Tagen 8 Stunden alleine mit mir verbracht haben. Und das auch nur unter Diskussionen, weil grundsätzlich immer Schwiegermutter mitsollte/mitwollte, damit sie nicht traurig und enttäuscht ist. Selbst mein Freund, der echt die Ruhe weg ist, ist irgendwann einmal kurz an die Decke gegangen, hat seine Mutter angerufen und schließlich meinen Eltern eine Ansage gemacht. Gebessert hatte es sich dann nur für vier Stunden.


    Ich habe mit meinen Eltern offen geredet, dass ich die Situation so absolut belastend finde. Dass so sämtliche Freude verloren geht, wenn wir um jede Stunde einmal alleine wie auf dem Basar handeln müssen und stets im Hinterkopf der Gedanke ist, dass meine Schwiegermutter wieder traurig oder enttäuscht ist. Und dass es nicht darum geht, Schwiegermutter grundsätzlich nicht dabei zu haben, sondern einfach Zeit als Familie zu verbringen. Erschwert wird die Situation, dass sich mein Schwiegervater nun getrennt hat (nachdem die beiden zehn Jahre lang eine Ehe zu dritt/viert geführt haben und alleine diese Jahre die gesamte Familie sehr belastet hat)


    Inzwischen bin ich so weit, dass ich fast auf Besuche meiner Eltern hier verzichten würde. Dann würden wir uns leider seltener sehen, aber so ist es Stress für alle. Mein Freund und ich haben dieses Jahr genau eine Woche gemeinsamen Urlaub und diesen verbringen wir auch bei meinen Eltern, ansonsten haben wir coronabedingt sowie kitabedingt immer nur abwechselnd frei, weil wir andernfalls die vielen Ausfallzeiten nicht überbrücken können.


    Habt ihr noch Ideen, Ratschläge?

  • 13 Antworten

    Ist Deine Schwiegermutter alleinstehend? Solche Menschen klammern gerne ...

    Wenn Du mit Deinem Partner einig bist (und mit Deinen Eltern anscheinend sowieso, wie es hier klingt), dann sollte es doch möglich sein, hier eine klare Linie zu fahren.


    Zur emotionalen Erpressung gehören immer zwei: Einer, der Druck ausübt, und einer, der dem nachgibt.)


    Was sagen denn die "Alten" über die Besuche der Schwiegermutter bei deinen Eltern auf dem Lande? Ist das ein allseits gern geübter Brauch oder wie?


    Zahl Deinen Eltern das Hotel, lade die Schwiegermama einmal zum Kaffee ein, wenn sie zu Besuch sind, und gut ist. Empfehle ihr (wenn das möglich ist) gegebenenfalls Aktivitäten vom Häkelkurs bis zur Joggingrunde, was halt passen könnte)


    Meint: Noapostel

    Ja, meine Schwiegermutter ist alleinstehend. Sie hat aber noch ein weiteres Kind und zwei weitere Enkel, die praktisch nebenan wohnen. Allerdings gibt es dort auch Spannungen, wenn auch andere mit anderen Ursachen. Sie arbeitet auch noch, ist also relativ jung.


    Das mit dem Hotel sagt sich so leicht - ich kann meine Eltern nicht zwingen. Und ihnen einfach ein Hotel schenken, wenn sie es nicht wollen, fände ich von meiner Seite übergriffig. Denn ich hatte bereits den Vorschlag gemacht, ihnen doch einfach zu Weihnachten oder zum Geburtstag so etwas zu schenken. War nicht gewünscht.


    und du hast natürlich Recht, es gehören immer zwei dazu. Ich setze meine Grenzen da auch recht gut ab und “ertrage” den Kummer meiner Schwiegermutter ganz gut. Allerdings knicken meine Eltern total ein, insbesondere meine Mutter. Wobei man jedoch fairerweise sagen muss, dass es meiner Mutter auch das eine oder andere Mal schwer fällt, gesetzte Grenzen zu akzeptieren

    zum Besuch bei meiner Eltern durch meine Schwiegermutter: Mein Eindruck ist, dass sie es schon im ordnung finden. Allerdings sich schon ab und zu wünschen würden, wenn meine Schwiegermutter auch einmal etwas alleine unternehmen würde. Ausgesprochen haben sie es aber nie

    Verstehe ich das Problem richtig: du willst Zeit alleine mit deinen Eltern verbringen, aber deine Schwiegermutter torpediert das, weil sie dann jedesmal ein Gesicht zieht und deine Eltern dadurch ein schlechtes Gewissen haben?

    Ich fürchte, ich kann dazu nicht wirklich etwas Hilfreiches sagen...tut mir aber leid, dass Euch das Theater mit der Schwiegermutter die Freude an den Besuchen Deiner Eltern vermiest. Glaub aber mittlerweile, so bald Enkel da sind, gibt's fast in jeder Familie irgendwie Stress, in jeglich denkbarer Kombination. Ihr seid damit also definitiv nicht alleine...

    Sehe die Verantwortung da teils bei Dir/Deinen Eltern, ihnen muss klar werden, dass Ihr und der Enkel bzw eine schöne Zeit zusammen wichtiger sein sollten, als es der Schwiegermutter immer recht zu machen!! Das müsstest Du ihnen irgendwie klar machen. Stelle mir das auch verletzend vor, wie sie ihre Prioritäten da setzen? Desweiteren wäre es dann auch an Deinem Freund, seiner Mutter klar zu machen, dass es so nicht geht...und am besten so, dass sich Schwiegermutter hinterher nicht total Außen vor fühlt. Tja, schwierig, echt":/. Halt insbesondere, weil Deine Eltern sich der Schwiegermutter anscheinend so krass verpflichtet fühlen...

    gato  


    Ja, so in der Art. Wobei ich glaube, dass sich zwei Menschen gefunden haben, die sich gegenseitig verstärken. So meinte meine Mutter am Tag des Abreise, an dem wir dann - natürlich nach kurzer Diskussion - mittags gemeinsam essen waren, sie hätten meiner Schwiegermutter von dem Mittagessen nichts erzählt. Ich habe sie gefragt, was denn das Problem sei, sie gingen ja nicht heimlich in Puff, sondern mit ihrer eigenen Tochter essen. Da schaute meine Mutter ganz pikiert. Ich habe den Eindruck, dass meine Mutter sich auf der einen Seite gerne ein schlechtes Gewissen machen lässt, auf der anderen Seite aber auch prima Vorlagen liefert. Wenn jemand einen Grund sucht, dann erzielt er bei meiner Mutter auch einen Treffer.


    @StatusQuoVadis


    Ich empfinde das auch als sehr verletzend. Zumal wirklich der erste Gedanke immer ist "was denkt Schwiegermutter", es ist schon fast ein Automatismus. Es geht sogar so weit, dass meine Eltern meiner Schwiegermutter verheimlichten, dass sie sich noch einmal mit mir am Abreisetag treffen. Da bin ich dann auch wirklich am Ende mit meinem Latein, das ist ja schon fast so, als wäre meine Mutter auf einmal wieder ein kleines Kind, das heimlich Bonbons gelutscht hat.

    Ich glaube euch hilft nur klare Kommunikation und Absprachen. Wir hatten ein ähnliches Problem. Die einzige Lösung war schon vor Ankunft/bei Ankunft einen klaren Plan zu kommunizieren, wann wir wo was machen (unter Berücksichtigung von allen Wünschen natürlich). Spontanität geht da leider flöten, aber anders war immer irgendjemand beleidigt, weil er sich vernachlässigt fühlt. So weiss jeder was ihn erwartet und Diskussionen werden schnell beendet. Ich würde auch nichts heimlich machen, sondern deutlich machen, dass am letzten Tag z.B. du mit deinen Eltern essen gehst. Gerade solche "Traditionen" werden bei uns schnell angenommen und dadurch akzeptiert.

    Das macht ja gar keine Freude mehr... und das darfs du sagen. Stell dir vor jemand würde im professionellen Kontext so was bieten, in deinem Team, was tätest du dann? Hier hilft nur schnell und bevor es einreisst Riegel vorschieben. Es geht ja auch nicht an, dass ihr jetzt straff durchorganisiert, um allen anderen die Bedürfnisse zu befriedigen (was übrigens ein very female thing ist - was würde ein Mann tun? Was denken die Männer in der Geschichte?)

    gato


    Das Problem ist, dass du in meinen Augen nicht sämtliche Bedürfnisse befriedigen kannst und innerlich auch Prioritäten setzen musst. Und meine Eltern, speziell meine Mutter, versucht allerdings die Quadratur des Kreises, was regelmäßig gewaltig nicht hinten losgeht. Tatsächlich hatten wir ja auch feste Ansagen. Mein Freund hatte am Vorabend mit seiner Mutter telefoniert und vereinbart, dass sie am kommenden Tag nicht dabei ist. Am nächsten Tag schreibt mir meine Mutter eine Nachricht, dass meine Schwiegermutter mitkomme. Als mein Freund dann seine Mutter ein weiteres Mal anrief und nachfragte, was denn das Problem sei, kam die Antwort, da habe man sich wohl missverstanden. Schließlich blieb Schwiegermutter zu Hause, aber eben erst nach diversen Anrufen/Diskussionen. Die einzige Option wäre wirklich, einen richtigen Plan schriftlich zu fixieren. Doch ganz ehrlich, das fühlt sich so emotional falsch an, dass ich lieber auf einen Besuch verzichte, als einen auf Klassenfahrt mit Programm zu machen.


    AnnaKarma


    Mein Freund denkt genauso wie ich. Dass seine Mutter nicht überall dabei sein muss und dies hatte er ihr auch mitgeteilt. (Mit mehr oder weniger Erfolg). Mein Vater tickte eigentlich ähnlich, ist inzwischen jedoch "auf Linie" mit meiner Mutter, sprich, Schwiegermutter first. Mein Schwiegervater, als er noch mit seiner Frau zusammenlebte, hat dann immer ein Riesenfass aufgemacht und seine Frau unterstützt (was eigentlich schon fast schwarzer Humor war, da er dann abends zu seiner Freundin abzischte). Ich war meinen Eltern wirklich sehr deutlich gegenüber, auch, dass ich enttäuscht bin, wie sehr man sich an mancher Stelle über unseren Kopf hinwegsetzt. Doch all das wird weggebügelt, wenn es um meine Schwiegermutter geht.

    Könnten deine Eltern bei euch übernachten?


    Dann müsste die Schwiegermutter ni ht mitbekommen wenn deine Eltern z.b. einen Tag früher kommen und ihr alleine was unternehmt

    Zitat

    Das Problem ist, dass du in meinen Augen nicht sämtliche Bedürfnisse befriedigen kannst und innerlich auch Prioritäten setzen musst

    Es geht nicht um Bedürfnisse befriedigen, sondern Wünsche berücksichtigen. Das ist ein grosser Unterschied! Das sind banale Wünsche, wie: die einen Grosseltern wollen in den Vergnügungspark, die anderen ins Schwimmbad, die Uroma möchte in den Zoo, mein Mann einen Abend mit seinen Freunden ausgehen, ich mich mit einer Freundin treffen, die Kinder zum Indoor Spielplatz und am letzten Abend ein gemeinsames Essen mit meiner Familie.


    Wir sind nur 2 Wochen im Jahr vor Ort ohne genaue Planung kam halt immer einer zu kurz. Da hiess es auch machen wir spontan nächste Woche oder morgen und dann kam aber etwas dazwischen. Nun planen wir alles genau, kommunizieren das und jeder ist glücklich, weil sein Wunsch erfüllt wurde.


    Dann kann die Schwiegermutter sich Gedanken machen, was ihr wichtig ist und dann berücksichtigt ihr das so weit es zu euren (!) Wünschen und Plänen passt. Aber es müssen konkrete Wünsche sein, wie ein gemeinsamer Ausflug oder ein Essen, allgemeingültige Wünsche wie "ich will immer dabei sein" braucht ihr nicht berücksichtigen, weil das eindeutig gehen eure Wünsche geht.

    nein, das klappt leider gar nicht, dafür ist die Wohnung zu klein. Insbesondere wenn wir von mehreren Tagen sprechen. Aber ich möchte auch diese Heimlichtuerei nicht. Es ist nichts Verwerfliches, wenn Eltern ihr Kind nach mehreren Monaten sehen und Zeit mit diesem verbringen wollen. Meine Schwiegermutter will ja auch Zeit mit ihrem Sohn/Enkel verbringen.

    Nachtrag:

    Wir haben das aber so ähnlich schon immer bei unseren Urlauben gemacht: was möchtest du, was möchte ich. Und dann haben wir das entsprechend geplant. Bei 2 Personen ist das natürlich überschaubar und funktioniert mit viel Spontanität, aber mit jedem Kind mehr, mussten wir mehr planen damit es funktioniert. Selbst Wochenenden und unser Alltag sind oft viel entspannter und produktiver, wenn wir uns fragen: was willst du, was will ich, was die Kinder und wie kriegen wir das unter einen Hut.