Menschen mit "Päckchen": Wie Glauben an Liebe behalten?

    Ich bin seit knapp drei Monaten getrennt, wir waren knapp zwei Jahre zusammen. Die Trennung habe ich eigentlich ganz gut verarbeitet bzw. bin noch dabei. Wir haben uns so gut getrennt wie man das kann denke ich und ich habe im Nachhinein auch von ihm ein paar Gründe gehört, warum er sich getrennt hat. Die kann ich nachvollziehen bzw teile sie zum Teil auch (Liebe war nicht groß genug, an unterschiedlichen Punkten im Leben, hätten uns zu sehr verbiegen müssen, damit es klappt,...) Soweit so gut.


    Warum suche ich Rat? Ich bin in den dreißigern und habe bis in meine 20er Jahre sehr viele Verlusterfahrungen hinnehmen müssen. Es sind so viele Leute gestorben, meine Eltern sehr früh und viele andere Verwandte. Es gab schlimmsten Alkoholismus in wiederkehrenden Eskalationsstufen, materielle Verluste und Leben in Armut,Begleitung einer Sterbenden und vieles mehr. Die Person, bei der ich aufgewachsen bin, war überfordert aufgrund des Alters, von Krankheiten, ihrer Co-Abhängigkeit, eigenen Verlusten und nicht verarbeiteten Erfahrungen.


    Ich habe also bereits als Säugling keine Stabilität erfahren, sondern dem Leben immer mißtraut, weil Menschen von einer Sekunde auf die andere weg sein können und nichts ist wie es war.


    Zum Glück habe ich mein Leben gut auf die Reihe bekommen. Keine Süchte, gute Ausbildung, immer irgendwie die Kurve bekommen bevor ich den falschen Weg hätte beschreiten können...


    Aber im Liebesleben habe ich mir immer unerreichbare Männer ausgesucht. Irgendwann kam ich an dem Punkt, wo ich wusste, dass ich therapeutische Hilfe bräuchte, weil mich dieser immer wieder neue Verlust und die ewige Zurückweisung irgendwann krank gemacht hätten. Also hab ich Therapie gemacht und viel gelernt. Das meiste kann ich nun gut für mich regeln, ab und an nehme ich noch "Beratung" in Anspruch.


    Was mir aber zumindest gerade fehlt (oder häufig), ist der Glaube daran, dass auch ich einen Partner finden kann, der mich genauso liebt wie ich ihn, mit dem was dauerhaftes möglich ist. Ich habe zwar Freunde und auch noch ein "Geschwisterkind", ein paar entferntere Verwandte, ... Bin also nicht allein auf der Welt. Und dennoch fühle ich mich manchmal so wahnsinnig einsam. So ohne Anker.


    Mich interessieren besonders die Erfahrungen anderer Menschen mit "Päckchen", wie sie den Glauben nicht verloren oder erworben haben, dass auch sie nicht immer alleine bleiben müssen, dass doch irgendwie alles gut wird. Wie und unter welchen eigenen Bedingungen sie ihren Partner kennengelernt haben. Ich bin Mitte 30 (erst? Schon?) und habe gerade das Gefühl, dass die Möglichkeiten weniger werden. Außerdem fühle ich mich bestraft, dass ich immer noch und mein Leben lang mein Päckchen mit mir herumschleppe und manches einfach viel schwerer ist als für unbelastete Menschen.


    Der Text ist lang geworden und vielleicht etwas selbstmitleidig. Mir geht es heute gar nicht gut.

  • 80 Antworten

    Yep kenne ich. Auch bei mir waren bzw. sind es nicht wenige Päckchen. Ich habe quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Soll heißen: Ich genieße die Vorteile des Alleinseins. Nach Feierabend kann ich tun und lassen, was meine Möglichkeiten hergeben. Ich gehe keine Verpflichtungen ein, die ich nicht möchte. In düsteren Momenten sehe ich natürlich, dass ich mir etwas vormache und die Sehnsucht, meinen Alltag mit einem lieben Menschen zu teilen, hab ich natürlich nicht begraben. Diese Sehnsucht macht mich manchmal etwas wehmütig. Traurig werde ich deswegen ganz selten; dazu bin ich zu pragmatisch und auch zu optimistisch. Niemand weiß, was die Zukunft bringt und vielleicht begegnet mir morgen die Frau mit der ich den Rest meines Lebens verbringen will. Sie müsste das auch wollen und da hätten wir dann schon die nächste Hürde. Ich bin nicht auf darauf angewiesen, dieses Bedürfnis zu stillen. Wenn ich meine Traumfrau morgen nicht kriege, lese ich eben ein gutes Buch oder höre mir meine Lieblings CD richtig laut über Kopfhörer an. Man sollte sich glaube ich, nicht so darauf fixieren, glücklich zu sein. Das wäre verkrampft und Glück und Zwang passen nicht zu gut zusammen.

    Zitat

    Mich interessieren besonders die Erfahrungen anderer Menschen mit "Päckchen", wie sie den Glauben nicht verloren oder erworben haben, dass auch sie nicht immer alleine bleiben müssen, dass doch irgendwie alles gut wird. Wie und unter welchen eigenen Bedingungen sie ihren Partner kennengelernt haben. Ich bin Mitte 30 (erst? Schon?) und habe gerade das Gefühl, dass die Möglichkeiten weniger werden.

    Mir ging das genau so wie du. Auch deine Vorgeschichte klingt ein bisschen ähnlich. Ich habe es so gemacht wie Baldur. Ich habe das Allein Sein genossen. Ich habe viel unternommen und mir eine schöne Wohnung eingerichtet und viel Sport gemacht und mir Freunde gesucht und viel unternommen. Und ich habe ganz oft gesagt ganz bewusst zum Beispiel "genieße das alleine Ausschlafen. Wenn du einen Partner hast und ein Kind kannst du das nicht mehr" und ich habe es mir schön gemacht.


    Ich dachte auch ich kann mich einfach nicht verlieben. WEil ich zu doof oder zu belastet bin. Irgendwann habe ich meinen Mann kennengelernt (da war ich schon Ü30) und es hat von Anfang an bis jetzt funktioniert. Klar mussten wir uns auch zurechtruckeln bzw. ruckeln heute noch. Aber von Anfang an war da die Liebe die ich dachte nie zu finden. Du findest das bestimmt auch noch!

    Danke euch beiden für eure Antwort.


    Ich kann gut allein sein, konnte es immer schon. Ich gestalte mein Leben aktiv, genieße die schönen Dinge und bin im Grunde sehr froh über mein Leben so wie es ist. Aber trotzdem habe ich die Sehnsucht es mit jemandem zu teilen. Vor allem nachdem ich nach all den desaströsen Affären und Beziehungen endlich mal eine hatte, die im Grunde gut war und sich nach Zuhause angefühlt hat.

    @ Desaparecida:

    wie lange seid ihr denn mittlerweile zusammen? Dieses Gefühl mit "zu belastet" sein kenne ich auch. Mittlerweile weniger, aber es ist noch da.


    Und ist dein Mann auch "vorbelastet"? Ich hatte immer Partner, die es auch nicht leicht hatten, wirklich immer. Teilweise finde ich auch, dass einschneidende Erfahrungen auch eine gewisse Tiefe mit sich bringt, die Menschen mit problemloser Biographie nicht haben. Aber vielleicht ist das auch nur Arroganz?! ":/

    @ Baldurhh:

    Zitat

    und vielleicht begegnet mir morgen die Frau mit der ich den Rest meines Lebens verbringen will.

    Woraus ziehst du deinen Optimismus? Rational betrachtet ist mir klar, dass es sehr wahrscheinlich ist, einer neuen Liebe zu begegnen. Nur in Tiefphasen wie meiner jetzigen kann ich daran einfach nicht glauben. Wobei ich auch vor meiner Beziehung nicht daran geglaubt habe, dass es in der Qualität für mich möglich sein könnte und eines besseren belehrt wurde. Ich widerspreche mir also gerade selbst und trotzdem zweifle ich ernsthaft.


    Ich hätte einfach gerne den Glauben daran und den Optimismus (zurück).

    FaSoLa


    Wie wichtig ist der "Glaube" denn? Ich habe eine Freundin gefunden, vor einigen Jahren, als ich gerade dabei war, mich an den Gedanken "dann bleibe ich wohl alleine" zu gewoehnen. Von "Glaube" ist da nichts gekommen, sondern vom Leben. Ich bin immer insofern optimistisch gewesen, dass ich geglaubt habe, dass ich gut leben kann, gut mit mir selber umgehen, und zwar auch alleine. Optimistisch, die grosse Liebe zu finden, bin ich hingegen oft nicht gewesen.


    Man muss nicht "glauben", dass man entweder noch jemanden findet, oder dass man keinen mehr findet. Das Leben auf sich zukommen lassen und dafuer offen zu sein, dass es so oder so kommen kann, das waere auch eine moegliche Einstellung.

    ich habe an einem punkt in meinem leben (und auch auf meinen schultern sind ganz schön viele päckchen) festgestellt, dass es in meiner hand liegt, wie ich mit dem umgehe, was vor mir liegt.


    es ist nun mal nicht zu ändern, was man schon alles hinter sich hat, aber es ist zu beeinflussen, was man noch vor sich hat.


    wichtig war damals, dass ich mir mal vor augen gehalten habe, wie stark ich wohl sein muss, wenn ich es geschafft habe, all die kindheits- und jugenderlebnisse so "gesund" zu überstehen. dass ich mir eigentlich mal stolz auf die schulter klopfen sollte und nicht selbstmitleidig zurückschauen sollte.


    danach habe ich dann die schultern gestrafft und beschlossen, diesen stolz auf mich selber mit in jeden neuen tag zu nehmen - und anscheinend hat das dann viel an meiner ausstrahlung gemacht.

    Hier noch so Jemand dem es lange Zeit wie Baldurhh (u.A.) ging.


    Und der Grundgedanke war auch ähnlich wie dem von Lewian:

    Zitat

    Wie wichtig ist der "Glaube" denn? Ich habe eine Freundin gefunden, vor einigen Jahren, als ich gerade dabei war, mich an den Gedanken "dann bleibe ich wohl alleine" zu gewoehnen

    Also es machte sich eine Art Gelassenheit breit: Es kommt wie es kommt. Und dann kam es....äh...er ;-).

    Zitat

    Mich interessieren besonders die Erfahrungen anderer Menschen mit "Päckchen", wie sie den Glauben nicht verloren oder erworben haben, dass auch sie nicht immer alleine bleiben müssen, dass doch irgendwie alles gut wird.

    Päckchen sind nicht zwangsläufig negativ, bzw. müssen nicht zwangsläufig negative Folgen haben. Man kann auch sehr viel aus ihnen lernen. Wie Seherin auch sagt:

    Zitat

    ich habe an einem punkt in meinem leben (und auch auf meinen schultern sind ganz schön viele päckchen) festgestellt, dass es in meiner hand liegt, wie ich mit dem umgehe, was vor mir liegt.

    Zitat

    Außerdem fühle ich mich bestraft, dass ich immer noch und mein Leben lang mein Päckchen mit mir herumschleppe und manches einfach viel schwerer ist als für unbelastete Menschen.

    Man muß seine "Päckchen" nicht verdammen, sondern kann sie hernehmen um sie positiv für das was kommt zu verwenden (ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll ;-)).


    Und unbelastete Menschen gibt es sowieso nicht. Jeder Mensch hat negative Erfahrungen vorzuweisen je älter er wird umso mehr. Klar sind da die Gewichtungen unterschiedlich. Sie sind aber auf jeden Fall da.


    Fühle Dich nicht bestraft, sondern versuche das Beste draus zu machen. Blöder Spruch, ich weiß, aber wie so oft steckt auch in ihm viel Wahres.

    Zitat

    Ich bin Mitte 30 (erst? Schon?) und habe gerade das Gefühl, dass die Möglichkeiten weniger werden

    ;-) - ich habe mit Mitte/Ende 30 bewußt beschlossen erst mal Single zu bleiben. Um meine Päckchen zu ordnen, zu verarbeiten. Habe mich einfach nicht mehr geöffnet für Liebesgefühle, mich auf andere Dinge konzentriert. Nach ein paar Jahren dann öffnete ich mich mehr und mehr, es dauerte aber trotzdem noch ein paar Jahre (ich war 47) bis ich meinen jetzigen Partner traf. Völlig unerwartet aber wir lernten uns auf einer Feier kennen und waren von Anfang an ein "Ar... und ein Kopp'". Einfach so. Ohne großes Palaver. Es war so. Und ist so ;-).


    Also ja, Du kannst weiter glauben und hoffen. @:) Es kommt nur auf Deinen Umgang mit Deinen Päckchen an UND natürlich auch darauf, wie Dein potentieller Partner mit seinen Päckchen umgeht. Denn wie gesagt: Logischerweise hat man umso mehr davon je älter man ist. Jeder von uns.

    Die Seherin

    Zitat

    danach habe ich dann die schultern gestrafft und beschlossen, diesen stolz auf mich selber mit in jeden neuen tag zu nehmen - und anscheinend hat das dann viel an meiner ausstrahlung gemacht.

    :)z :)^


    Auch wenn ich sicher viele Fehler gemacht habe (und bestimmt auch noch machen werde), kein Engel bin - aber wenn ich dem entgegensetze was ich Alles geschafft habe und dass ich eben auch nur ein Mensch bin.....tja dann ;-)

    Den Glauben an die Liebe behalten

    Na ja, nach der Erfahrung heute morgen möchte ich sagen: "Vertraue keiner Frau, welche Du nie gesehen hast, sondern nur dem was Du tatsächlich siehst!!"


    Nach den letzten Erfahrungen habe ich wieder ein Päckchen dazu bekommen um sehr aufmerksam und misstrauisch zu bleiben.


    Soviel zum Verhältnis zwischen Mann und Frau!!

    Vielen Dank euch allen für eure Antworten. Heute geht es mir schon weniger beschissen als gestern. Ich habe selten solche großen Tiefs, aber die hauen mich dann auch kurzzeitig richtig um, bevor der Optimismus wieder durchbricht.

    Zitat

    . Ich bin immer insofern optimistisch gewesen, dass ich geglaubt habe, dass ich gut leben kann, gut mit mir selber umgehen, und zwar auch alleine. Optimistisch, die grosse Liebe zu finden, bin ich hingegen oft nicht gewesen.

    Ich glaube, das ist die Grundvoraussetzung um überhaupt mit jemandem glücklich werden zu können, zumindest so wie ich es mir vorstelle. Also ohne die Erwartung, dass der andere für das eigene Glück verantwortlich ist. Ich gehe mit mir selbst auch gut um, habe es zum Teil aber auch lernen müssen (zu kritische innere Stimme).

    @ Seherin:

    Zitat

    wichtig war damals, dass ich mir mal vor augen gehalten habe, wie stark ich wohl sein muss, wenn ich es geschafft habe, all die kindheits- und jugenderlebnisse so "gesund" zu überstehen. dass ich mir eigentlich mal stolz auf die schulter klopfen sollte und nicht selbstmitleidig zurückschauen sollte.

    Das finde ich sehr gut. Ich sollte es mir an den Spiegel kleben. Ich halte mich eigentlich nicht für besonders selbstmitleidig, aber in der Hinsicht schon . Ich hatte es so schwer und überhaupt niemand kann das nachvollziehen und so. Und tatsächlich schäme ich mich oft für Teile meiner Biographie, also z. B. dass ich mein Abi nicht auf dem Gymnasium gemacht habe wie "anständige Bürgerkinder", anstatt stolz zu sein, dass ich es habe etc.


    Also Stolz auf die eigene Stärke ist definitiv ein Punkt, mit dem ich mich weiter auseinandersetzen sollte.

    Platon lässt in seinem Dialog Symposion den Komödiendichter Aristophanes folgende mythische Geschichte erzählen:


    Ursprünglich waren alle Menschen Kugelwesen. Sie hatten zwei Gesichter, vier Arme und vier Beine. Es gab rein männliche, rein weibliche und androgyne Wesen. Die Kugelwesen waren sehr stark und wagemutig., Eines Tages beschlossen sie, sich einen Weg zu den Göttern zu bahnen und sie anzugreifen. Das konnte Zeus natürlich nicht zulassen und beschloss daher, die Kugelwesen zu teilen. Gesagt, getan; er beauftragte Apollon mit der operativen Wundversorgung. Die nunmehr zwei Hälften der Kugel hielten sich aneinander fest, in der Hoffnung, so wieder zusammenwachsen zu können. Da sie sonst nichts mehr taten, drohten sie zu verhungern. Das war dem göttlichen Dauernörgler Zeus natürlich auch nicht recht. Also hat der dauernörgelnde Chefarzt Zeus die Geschlechtsorgane kurzerhand nach vorn verlegt, um den Menschen wenigstens kurzfristig die Möglichkeit zur Vereinigung zu geben.


    Ich finde die Geschichte nett. Ich hab sie stark verkürzt und ein wenig "salopp" wiedergegeben. Aber sie spiegelt viele unserer kulturellen Vorstellungen. Das meinen wir wenn wir sagen: Zu jedem Topf gehört ein Deckel.


    Aber vieles wehrt sich auch gegen die Vorstellung nur eine Hälfte (und wohlmöglich auch noch die schlechtere) zu sein.


    Ich bin doch nicht weniger wert, weil ich keinen Partner habe und mein Leben ist auch nicht nur "halb so schön". Natürlich ist das Gefühl der Verliebtheit etwas ganz wunderbares und ich glaube tatsächlich auch, dass es Menschen gibt, bei denen dieses Gefühl ein Leben lang anhält.


    Aber ich glaube auch, dass diese Menschen eine Menge dafür getan haben, das das so ist. Wir hingegen baden im Überfluss. Wir suchen unsere Partner im world wide web, bestellen sie aus Asien und wenn sie uns nicht gefallen, gibt es ja das Umtauschrecht und der nächste klopft schon an.


    Der Romantiker in mir sagt: Wir degradieren Liebe zur Ware. Wenn sie via amazon bei uns zu Hause ankommt, packen wir sie aus, bewundern ihren Glanz, bestaunen ihr Design und freuen uns über die makellose Oberfläche. Dann nehmen wir sie in Gebrauch, verursachen erste Abnutzungserscheinungen. Wir bombadieren sie mit unseren Träumen von Prinzen oder Prinzessinen, weißen Pferden und Sonnenuntergängen. Da es viele sind und sie die Konsistenz von Stahlschwämmen haben, ist es klar, dass die Liebe, die wir gerade ausgepackt haben, erste Kratzer und Risse erhält.


    Was will ich Dir mit diesem ganzen prosaischen scheissdreck eigentlich sagen?


    Du bist traurig und Dir geht es nicht gut; Du bist ü30 und die Zeit in der man unbeschwert Kinder bekommen kann ist nicht vorbei, aber sie wird knapper. Du hast kein leichtes Leben gehabt und trägst dieses Päckchen auf dem Rücken.


    Glaub mir, Menschen wie Du oder ich, oder Lewian, Isabell, die seherin haben sicher manchmal unter der Last ihrer Päckchen gestöhnt und sich gefragt, ob Zeus es einem nicht ein wenig leichter machen könnte. Ich kann nicht sagen, wie es gewesen wäre, wenn alles easier gewesen wäre (keine Behinderung, kein Tod so vieler Familienangehöriger und Freunde, keine unglücklichen Verliebtheiten).


    Aber ich kann sagen, dass ich aus vielen dieser tragischen Ereignisse die richtigen Schlussfolgerungen gezogen habe. Aus mir ist kein egomanes Arschloch geworden. Ich bin (Achtung, jetzt kommt eine fette Portion Selbstlob) ein tiefsinniger,warmherziger, humorvoller und ausgeglichener Mensch und darauf bin ich auch noch stolz.


    Du fragst mich, woraus ich meinen Optimismus ziehe. Genau betrachtet ist es gar kein Optimismus, sondern das was andere hier als Gelassenheit beschreiben, man kann es auch negativ betiteln und Gleichgültigkeit nennen.


    Mein Leben ist gut und wenn ich morgen meinen Deckel treffe, wird es noch besser. Passiert das nicht, ist mein Leben aber immer noch gut.

    @ Isabell:

    Zitat

    Fühle Dich nicht bestraft, sondern versuche das Beste draus zu machen. Blöder Spruch, ich weiß, aber wie so oft steckt auch in ihm viel Wahres.

    Doch, du hast recht. Das Gefühl bestraft oder benachteiligt zu sein, geht oft mit dem besagten Selbstmitleid einher. Ich finde es auch ziemlich anmaßend von mir, zu denken, dass mir ich eine ach so große Bürde zu tragen habe. Aber bislang hab ich das noch nichts abgelegt.

    Zitat

    ich habe mit Mitte/Ende 30 bewußt beschlossen erst mal Single zu bleiben. Um meine Päckchen zu ordnen, zu verarbeiten. Habe mich einfach nicht mehr geöffnet für Liebesgefühle, mich auf andere Dinge konzentriert.

    Ich war lange Jahre nicht wirklich offen für Liebesdinge. Hatte zwar häufig "was am Laufen", aber es war nie "emotional gefährlich" oder halt so ein Drama, mit dem ich mein Bedürfnis nach Nähe und Liebe ausgelebt habe, aber ohne dass es eine Perspektive hätte geben können. In der Therapie habe ich dann gelernt, dass sich das Wagnis sich zu öffnen lohnen kann und das hat es auch. Aufgrund meiner Vorgeschichte ist es für mich glaube ich sinnvoller offen zu bleiben und etwaigen Schmerz zu riskieren, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass mein Leben auch so schön ist.


    Wie bist du/wie seid ihr denn mit eurem Nähe-Bedürfnis umgegangen? Mir fehlt die körperliche Nähe schon sehr, und damit meine ich nicht mal primär Sex, sondern Umarmungen, Küsse, streicheln, Körperkontakt halt. Das bekomme ich von Freunden in der Form nicht, Affäre mag ich nicht mehr und Massagen sind nur bedingt okay. Bleibt wohl nur, dass Bedurfnis als vorerst ungestillt zu akzeptieren bzw so gut es geht zu stillen?!

    also Baldur :-o

    wie kannst du meine lieblings-liebes-sehnsuchts-geschichte nur so verkürzen!


    die kurzversion geht auch romantischer ;-)

    Danke, Baldurhh, du hast das sehr schön geschrieben mit deinem prosaischen Scheißdreck ;-) und dem weiteren Text.


    Ihr habt ja auch recht mit dem, was ihr schreibt. Mein Kopf weiß das auch, aber die quengelige kleine FaSoLa in mir ist manchmal einfach lauter und nölt. Heute kann ich aber auch schon wieder lachen.


    Danke euch allen nochmals für Zeit und Beiträge.vIch schau später nochmal rein. @:)