Okay, es ging gut aus, super!


    Nur falls diesen Faden mal jemand mit dem gleichen Problem liest und weil der Grundtenor hier relativ einseitig ist, möchte ich hier mal meinen Senf dazugeben.


    Man muss sowas überhaupt nicht unbedingt gleich sagen und das ist auch nicht fies oä. Der andere hat nicht sofort automatisch das Recht auf das Erfahren brisanter Information.


    Ich hatte mal fast dieselbe Situation - nicht mit MS, sondern einer anderen, überwundenen, aber noch nicht lang vergangenen Krankheit, die für Freunde/Bekannte/Partner nun keine Konsequenzen hat, außer mich in einem anderen Licht zu sehen. Ein paar Mal hatte ich den Eindruck, Leuten zu früh davon erzählt zu haben. Wenn es dann auseinandergeht, ist es leicht zu glauben, dass man den anderen "verschreckt" hat und der nur aufgrund dessen den Kontakt vermindert oder eingestellt hat. Wer möchte aufgrund seiner (überwundenen) Krankheit so beurteilt werden?


    Dieser eine Mensch war mir nun unheimlich wichtig und ich wollte, dass er mich charakterlich kennenlernt und nur aufgrund meines Wesens, Macken etc. entscheidet, ob er ernsthaft mit mir zusammensein will oder nicht. Keinesfalls deshalb, weil ihn meine Vergangenheit etwas überfordert. Das hätte ich entsetzlich und ungerecht gefunden.


    Deshalb (und auch, weil ich erstmal mein Vertrauen zu ihm aufbauen musste), habe ich ein Jahr damit gewartet, es ihm zu erzählen.


    Es war rein inhaltlich echt harter Tobak für ihn, aber er hat zu keinem Punkt gezweifelt, weiterhin mit mir zusammensein zu wollen. Das hätte ich mir vielleicht verbaut, wenn ich es ihm früher schon aufgehalst hätte, als er mich weniger kannte - er hätte vielleicht Angst gekriegt, mich vermutlich in einem bestimmten Licht gesehen und gedacht "das ist mir zu kompliziert, schnell weg". Dabei ist das Thema, seitdem ich es ihm vor Jahren erzählt habe, nur 5-10x kurz aufgekommen, und nur als Anekdoten ("das war damals so und so"). Das Thema hat die Beziehung tatsächlich nie kompliziert gemacht!


    Der Gefahr, dass man oberflächlich behandelt und aufgrund seiner Vergangenheit oder einer Krankheit abgelehnt wird, ist sehr hoch, wenn man früh damit rausrückt.


    Manches geht die Leute auch einfach erst was an, wenn man sie besser kennt.


    Dann können sie auch besser einschätzen, wie der Alltag sich gestaltet, welchen Stellenwert die Krankheit wirklich hat. Vorher können sie sich das ausmalen und kollossal daneben liegen und einem dann vielleicht gar keine Chance mehr geben, v.a. wenn sie von der eher leicht erschrockenen Sorte sind. Ohne diese Info kriegen sie einen besseren Eindruck von dem Menschen selbst ohne sein "Extra", die Beziehung festigt sich aufgrund der Charaktere etc. und nicht aufgrund des Extras. Klar kann all das auch bei früher Info eintreten und alle gehen gut damit um - aber es ist halt viel riskanter, die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass es nach hinten losgeht oder man aufgrund der Krankheit bewertet wird. (Kommt ja auch drauf an, was für eine Krankheit es ist, klar...)


    Und ich wusste eben in diesem ersten Jahr immer: Macht er Schluss, dann, weil ihn etwas an meinem Wesen stört. Aber es kann nicht die Angst vor der Vergangenheit sein. Es hätte mich wahnsinnig verletzt, hätte ich glauben müssen, er würde mich deshalb ablehnen.

    *ach so, ganz wichtig natürlich, damit's nicht am Thema vorbei ist: Die Krankheit war erstmal abgeschlossen, aber a) hatte sie mich natürlich charakterlich geprägt b) kehrt sie durchaus bei recht vielen Leuten im Laufe ihres Lebens mal zurück, man weiß nicht wann, wie, ob und wie stark. Es ist also schon ein Stück weit mit einem Schub bei MS vergleichbar und spielt insofern eine gewisse Rolle für die Zukunft.