Mutter ist verbittert und einsam.

    Hallo,


    ich bin neu hier in diesem Forum und wollte mal Meinungen zu einem Problem einholen, welches mich doch sehr belastet.


    Eigentlich müsste ich weit ausholen, damit man meine Beziehung zu meiner Mutter nachvollziehen kann... aber ich versuche es mal verkürzen. ;-)


    Also, hier geht es um meine Mutter.


    Meiner Mutter ist seit Februar 67 Jahre alt, geschieden (seit gut 18 Jahren) und lebt allein in einer 2 Zimmerwohnung (40qm).


    Sie lebt von einer geringen Altersrente (welche von einer gerichtlichen Betreuerin für finanzielle Angelegenheiten verwaltet wird) und hatte in ihrem gesamten Leben immer Probleme mit Geldsorgen.


    Sie hatte eine schwere Kindheit (Mutter früh verstorben), eine gehässige Stiefmutter (nach ihren Worten),


    viel Krankheit (Morbus Crohn, Brustkrebs) und eine furchtbare Ehe (Vater war Alkoholiker).


    Nach der Ehe kamen noch einige schwierige Beziehungen hinzu, die in fiesen Enttäuschungen endeten.


    So... das mal grob zusammengefasst.


    Eigentlich weiß ich nicht mehr weiter... und mich macht das Ganze sehr zu schaffen.


    Seitdem ich 18 Jahre bin, bin ich bei meiner Mutter ausgezogen.


    Da kamen schon die ersten Vorwürfe, dass sie ja dann ganz alleine sei und keine Hilfe hat.


    So ging das dann die ganzen Jahre, seit sie alleine lebt.


    Seit 2013 bin ich in eine andere Stadt gezogen und lebe nun mit meiner Freundin zusammen.


    Die Entfernung beträgt ca. 2 Stunden mit dem Auto.


    Seitdem habe ich meistens nur noch telefonisch Kontakt oder besuche sie vielleicht 2-3 Mal im Jahr.


    Das Problem ist, dass meine Mutter NUR von ihren Problemen erzählt. Ihr gehts schlecht, sie verhungert, sie stirbt bald, sie hängt sich bald auf, sie sitzt bald auf der Straße, sie hat von NIEMANDEM Hilfe.


    Das sind die Themen einen Telefonats.


    Wie es mir z.B. geht, wird mal kurz angeschnitten und knapp kommentiert.


    Hinzu kommen dann die ewig langen Gespräche über ihre Beziehungsprobleme.


    Sie hat einen Ausländer als Freund, der Gastarbeiter in einer Firma ist.


    Diese Beziehung existiert jetzt schon seit einigen Jahren mit ständigem Auf und Ab. (Ich kann es nicht mehr ertragen) Es sei erwähnt, dass ihr Freund verheiratet ist und sie quasi die geliebte ist.


    Dazu kommen dann noch die ganzen anderen negativen Dinge. Meine Mutter kann keine Freude mehr empfinden, sie gönnt NIEMANDEM was, redet über alle Leute schlecht... oder es wechselt ständig.


    Sie erwartet von JEDEM Hilfe und wenn das nicht passiert, kann derjenige von ihr aus verrecken.


    Alle Menschen sind schlecht. Falls meine Mutter mal wen helfen soll bricht die Apokalypse aus.


    Sie hat auch keine Interessen oder Freunde... wenn sie welche hat, werden die Freunde als Gehilfen eingefordert, passiert dies nicht, sind es alles Arschlöcher. (Sry)


    Sie neidet auch jedem das Glück.


    Was mich wirklich an der ganzen Sache stört und wodurch ich mich verletzt fühle, sind ihre ununterbrochenen Vorwürfe.


    Sie hat z.B. von ihren Söhnen keinerlei Hilfe und wenn sie stirbt interessiert es niemandem.


    Mein Bruder hat schon vor Jahren den Kontakt abgebrochen und im allgemeinen bin ich der Einzige, der noch Kontakt zu meiner Mutter hat. Alle anderen aus der Familie sind entweder schon tot oder verstritten.


    Ich hab ihr über die Jahre wirklich oft mit Geld ausgeholfen, war bei Kleinigkeiten oft zur Stelle und hab ihr immer angeboten, dass sie mich anrufen kann.


    Wenn es mal zu Anrufen kommt, bin ich derjenige der Anruft.


    Für sie ist das Anrufen zu teuer und wenn jemand was will, soll derjenige auch gefälligst anrufen.


    Ich habe mich all die Jahre wirklich durchgekämpft, weil ich es auch nicht leicht hatte.


    Trotzdem gab ich ihr immer Geld und hab geholfen wo ich konnte.


    Von ihr kamen nur weitere Forderungen oder Vorwürfe.


    Das Schlimmste ist, wenn ich mal wirklich nicht helfen kann bin ich SOFORT ein schlechter Sohn und es fallen die alten Phrasen wie "Ich hab nie Hilfe, ich sterb bald!!!". Was man davor alles für sie getan hat, zählt nicht mehr.


    Ich ertappe mich häufig dabei, wie ich mir trotz allem oft Sorgen um meine Mutter mache.


    Finanziell kann ich sie nicht mehr unterstützen, da ich derzeit arbeitslos bin und eine Umschulung mache.


    Meiner Mutter hat davon vielleicht in ihrem Nebel aus Egoismus mal was aufgeschnappt... aber meine Probleme zählen ja nicht. Sie ist ja immer das Opfer.


    Da ich auch derzeit nicht mobil bin, kann ich sie selten besuchen.


    Es kommen auch oft Sätze wie "Du hast ja nichtmal ein Auto, dann könntest du für mich einkaufen." oder "Sag deiner Freundin, dass sie dich herfahren soll... hier muss renoviert werden, niemand hilft mir!".


    Ich erzähle meiner Mutter auch ungern, dass z.B. bei mir was geklappt hat... denn es kommen sofort negative Äußerungen oder halt die bekannten Phrasen, dass SIE ja keine Hilfe hat und sterben kann.


    Trotzdem mache ich mir oft sorgen... sie ist ja meine Mutter.


    Dass letzte Mal als ich sie sah, war an Weihnachten.


    Ich habe trotz das ich pleite war, viel für sie eingekauft und ein Geschenk gemacht.


    Sie wollte erst nicht, dass ich und meine Freundin zu Besuch kommen, weil sie nichts zu essen machen wird und keine Geschenke hat. Sie hätte kein Geld und keine Lust für sowas.


    Trotzdem sind wir hingefahren... es war ja Weihnachten und sie ist meine Mutter.


    Wären wir nicht hingefahren, hätte es Vorwürfe gehagelt.


    Wir hatten also auch Essen mitgebracht und Geschenke.


    Meine Freundin bekam zu meiner Verwunderung ein Kleid geschenkt... ich alte Bücher aus dem Keller.


    Traurig aber wahr... doch dies wurde mir erst im Nachhinein wirklich bewusst.


    Jedenfalls war ich beruhigt, dass sie zu Weihnachten besuch hatte.


    Silvester war sie allein... und als ich sie anrief (am 02.01) warnatürlich die Hölle los.


    Heulend erklärte sie mir ihren Weltschmerz und wie herzlos besonders ihre Söhne seien...


    Heute ereignete es sich, dass ich beinahe am Telefon ausgerastet wäre.


    Da meine Oma vor Kurzem verstarb, benötige ich wegen Erb-Angelegenheiten Dokumente von meiner Mutter.


    Diese sollte sie mir raussuchen und per Brief zusenden. Eigentlich eine kleine und unkomplizierte Sache.


    Doch sie rastete am Telefon komplett aus, dass sie kein Geld habe um Briefe quer durch die Gegend zu schicken und das ihr auch niemand hilft. Außerdem habe sie damit gar nichts zu tun und wir (ich und mein Bruder) bekommen die Dokumente nicht.


    Völlig entsetzt fehlten mir erstmal die Worte... als ich was sagen wollte hat sie das Gespräch aber auch schon beendet.


    Anscheinend gönnte sie und wohl nicht die Erbschaft und zeigt dies durch diese Boshaftigkeit.


    Ich meine... sie hat führe Ihren Sohn, der sie jahrelang so gut es ging finanziell und anderweitig unterstützte, nicht mal 80 Cent für einen Brief übrig???


    Das machte mich wütend und traurig zu gleich.


    Ich habe überlegt, ob ich den Kontakt abbreche... hab aber schon versucht sie anzurufen um mich vielleicht wieder mit ihr zu versöhnen.


    Eigentlich weiß ich nicht, wie ich mich noch verhalten soll.


    So... ist doch länger geworden als gedacht.


    Jedenfalls danke fürs lesen und evtl. für die Ratschläge.


    Grüße

  • 15 Antworten

    Schwierige Situation. Leidet sie unter Depression? Mit die Dokumente- wenn sie die nicht schickt, muss du entweder hinfahren oder einen Rechtsanwalt beauftragen.


    Ob du den Kontakt abbrichst, muss du entscheiden. Entweder akzeptierst du wie sie ist - sie wird sich nicht ändern oder du reduzierst die Kontakt.

    Ratschläge?


    Es ist deine Mutter.


    Sie ist einsam.


    Sie hat dich auf die Welt gebracht und großgezogen.


    Verdammt nochmal, kümmere dich gefälligst um sie!


    Was sind denn zwei Stunden Fahrt?


    Ist sie dir das nicht wert??

    Die tatsache dass sie seine mutter ist, berechtigt sie erstmal zu gar nichts. Ich finde, es kommt schon drauf an, wie sie sich als mutter ihm als kind gegenüber verhalten hat, als er noch abhängig von ihr war. Der vater war eh schon ein komplettausfall.

    Niemand muß sich gezwungen fühlen, sich mit einem Menschen abzugeben, der einen runterzieht.


    Mutter hin oder her.


    Ich würde den Kontakt total abrechen. Schuldgefühle mit einem Therapeuten aufarbeiten.


    Die Mutter ist erwachsen, sie kann ihr Leben selbst gestalten, es liegt ihr frei, die ganze Welt zu verdammen, sie kann auch weiterhin auf den Sohn schimpfen. Das tut sie doch eh...


    Nur muß man sich dem nicht aussetzen.

    Ja finde auch BenitaB. hat Recht nur weil sie deine Mutter ist musst du dich nicht so behandeln lassen .


    Ich weiß von was du schreibst ich habe mit meiner Mutter ähnliches erlebt .Sie liegt nun im sterben und ich habe gehofft dass sie wenigstens jetzt etwas weicher und zugänglicher wird aber weit gefehlt .


    Fehler hat niemals sie gemacht sondern immer nur die Anderen . Sie glaubt und behauptet noch immer eine gute Mutter gewesen zu sein .


    Ich konnte mich mit Hilfe einer Therapeutin etwas von ihr distanzieren um mich selbst etwas zu schützen aber so ganz kann ich sie nicht fallen lassen .


    Du solltest dich zu deinem Schutz auch von ihr distanzieren sonst wird sie dich immer weiter herunterziehen. Du bist deshalb kein schlechter Sohn lasse dir das nicht einreden .


    Denke daran jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich . Und die die uns eigentlich schützen und lieben sollten tun uns oftmals am meisten weh . Ich wünsche dir alles Gute .

    Hast du ihr denn mal klar Kontra gegeben und deine Sicht der Dinge dargelegt, wenn sie über irgendwas/-jemanden geschimpft hat? Ihr gesagt, wie anstrengend für Dich der Kontakt zu ihr ist? Ist das überhaupt möglich oder hast Du es noch nie versucht?

    Diese Frau hat starke Depressionen. Deshalb würde ich an seine Stelle wirklich versuchen, sie öfter zu besuchen. 1-2 mal im Jahr finde ich schon sehr wenig.


    TE: Angenommen, du brichst den Kontakt ab und sie würde versterben oder sich etwas antun, kämst du damit klar? Falls ja, dann kannst du den Kontakt abbrechen. Ich würde es nicht tun. Deine Mutter ist krank.

    Ja, aber für ihr Leben ist sie letzlich dennoch selbst verantwortlich. Man kann niemanden retten, der das nicht will und man kann niemandem die Verantwortung für das eigene Leben und das eigene Wohlbefinden abnehmen. Gut, etwas öfter besuchen wäre vielleicht möglich, wenn das aber jedesmal derart anstregend ist, wie hier beschrieben, dann verstehe ich seinen Rückzug schon.

    Für mich klingt das so, als ob Du einiges durcheinander bringst, irgendwie nicht schlüssig.

    Zitat

    "bin ich der Einzige, der noch Kontakt zu meiner Mutter hat"

    Meinst Du damit die 2 bis 3 Anrufe pro Jahr?


    Ich kann dazu nichts sagen, will aber einwerfen, dass hier in der Großstadt viele "Kinder" unbedingt am anderen Ende von Deutschland oder gar im Ausland studieren oder arbeiten müssen, als gäbe es in dieser Großstadt nicht genug von allem. Und Du brauchst 2 Autostunden, nur um dort "arbeitslos" rumzusitzen? Ist wohl nicht Dein Ernst! Seid lieb zueinander.

    Ich sehe es wie Benita. Zudem habe ich ähnliches erlebt. Also eine Mutter, welche jahrelang alles schwarz sah, meine große Schwester war ihre Lieblingstochter. Für sie und ihre Familie tat sie alles.


    Im Alter wurde es schlimmer. Ich musste mir übelste Beschimpfungen anhören und zog schließlich aus. Wir hätten damals nie bei ihr einziehen sollen.


    Trotz Auszug war ich bei ihr, als sie in der Klinik war und wurde nach einigen Tagen wieder beschimpft. Da brach ich den Kontakt ab. Heute ruft sie alle paar Wochen an, um mir zu sagen, wie schlecht es ihr geht.


    In solchen Momenten denke ich bewusst an das zurück, was sie uns all die Jahre angetan hat und habe kein Mitleid mehr. Ihre Lieblingstochter hat sich auch von ihr zurückgezogen, wartet nur auf das Erbe und das obwohl sie all die Jahre viel Geld zugeschoben bekam.


    Das dein Bruder den Kontakt abgebrochen hat, kann ich nachvollziehen. Beschimpfungen am Telefon würde ich mir gar nicht mehr anhören, sondern auflegen. Sie notfalls blockieren.


    Man darf als Mutter nicht sein Leben komplett auf das der Kinder aufbauen. Kinder werden erwachsen und haben ein Recht auf ein eigenes Leben, auf eigene Entscheidungen. Egal, was wir uns kauften, meine Mutter hielt es für unnötig. Wir hatten das Geld dazu, aber das spielte für sie keine Rolle. Man sollte ihr Leben leben. Man wurde stets von ihr behandelt wie ein 2-jähriges Kind. Aber das Kapitel ist für mich abgeschlossen.


    Wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es heraus. Dessen sollte sich auch deine Mutter bewusst sein.

    Hey Rob


    Deine Geschichte könnte meine sein....


    Habe darüber mal hier geschrieben und hat mir geholfen. Habe den Kontakt abgebrochen und war die richtige Entscheidung. Lies mal folgenden Threat:


    http://www.med1.de/Forum/Psychologie/553927/