Ich hab das nie gelernt. Ich will nicht die Mitleidsschiene fahren, aber meine Mutter hat auch psychische Probleme. Ich musste immer das machen, was sie wollten. Meine Bedürfnisse haben nie gezählt.


    Ich weiß nicht, was ich will. Ich hab immer getan, was andere wollen. Einfach, weil es immer schon so war.

    @ Regenmädchen

    Mein Ex hat sich vor ein paar Tagen von mir getrennt. Unser Problem war, dass wir beide aus einer Beziehung kamen, die wir emotional nicht richtig verarbeiten konnten und somit die gesamte Gefühlsthematik keinen richtigen Raum einnehmen konnte. Die Beziehungen davor, hatte ich so verlebt, wie du. Fand es unglaublich prickelnd Jemanden zu haben, der mich wollte und habe mir entsprechend auch die Partner in Reserve gelegt. Mir war es immer leicht Schluss zu machen oder verlassen zu werden, weil ich über diese Entscheidungen eine Art Kontrolle behielt.


    Der Vorgänger meines Ex' war, mit Verlaub, ein riesen Schwein und hat sich in der Beziehung in einem Rahmen bewegt, den ich nicht kontrollieren konnte. Ich bin daran nach und nach zugrunde gegangen, bis ich am Ende rein gar nichts mehr gefühlt habe. Ich war weder glücklich, noch unglücklich, war nicht traurig, war nicht sauer, fühlte mich nicht befreit ... nichts. Es war mir alles nur noch egal, sodass ich ihn ziehen ließ ... Gott sei Dank. Danach war kein Ersatz da, der mich "auffing" und ich musste mich das erste Mal mit der verkorksten Beziehung auseinandersetzen. Das hat mich irgendwann runtergerissen und mein Selbstwertgefühl ging flöten. Hätte ich "Übung" in der Verarbeitung gehabt und mir öfter einmal Freiraum gegönnt, hätte ich besser loslassen können und meine Konzentration auf Dinge gelegt, die das Leben mehr bereichern, als einen Partner, der mich bis zum nächsten Mülleimer begleitet. Verstehe mich jetzt nicht falsch, ich hatte Freunde, die mich ablenkten und unternahm auch viel, aber irgendwann schaut man in den Spiegel und stellt erschrocken fest, wie man sich unmerklich verändert hat.


    Und diese Veränderung floss nun auch in meine letzte Beziehung ein. Sowohl er, als auch ich haben Gefühle nicht miteinander teilen können; eher unterdrückt bzw. nicht zugelassen, weil wir Angst hatten, wieder verletzt zu werden.


    Was ich letztlich damit sagen will: Irgendwann kommt Jemand, wo du glaubst, du hast alles gefunden und sollte er gehen, werden dich Affären oder ein weiterer fester Partner nicht auffangen können. Denn Liebe ist ein hohes Gut, was erarbeitet und respektiert werden will. Letzteres sehe ich bei dir nicht, was sehr schade ist und dich in einem unglücklichen Moment treffen wird

    Zitat

    Ich weiß nicht, was ich will. Ich hab immer getan, was andere wollen. Einfach, weil es immer schon so war.

    Das denke ich, ja. Du willst von anderen Zuspruch - und was du weiter über dich schreibst, verstärkt diesen Eindruck auch (und es sind ja auch Gründe dafür vorhanden). Wenn du deiner Mutter immer gefallen wolltest, lebst du vermutlich in Beziehungen einfach so weiter und möchtest einen Partner an der Seite, dem du gefällst. Dann bekommst du deinen Zuspruch, und danach bemisst du deinen "Wert".


    Wie weiß man, was man will?


    Das ist eine gute Frage. Für mich zählt definitiv dazu, dass ich genügend Raum und Zeit habe, um mich mit mir selber auseinanderzusetzen. Wo niemand reinredet, wo ich Ruhe habe. Keine Ablenkung. Mit sich weitestgehend allein sein und sich in Ruhe kennenlernen.


    Was helfen kann ist z.B. ein Urlaub alleine. Eine fremde Region, keine bekannten Menschen. Viel Zeit und Unabhängigkeit. Wo man auch mal eine Stunde irgendwo sitzen kann und in die Ferne schaut.


    Oder mal für paar Wochen regelmäßige ausgedehnte Spaziergänge in die Natur und Ruhe. Ein Wald, Felder. Öfter mal paar Stunden mit sich selbst verbringen. Wenn man dann auf sich angewiesen ist und sonst nichts hat, dann lernt man irgendwann, mit sich auszukommen. Und dann lernt man sich auch gut kennen.


    Aber diesen Freiraum muss man sich schaffen. Vor allem, wenn durch die Vorgeschichte so viele Defizite da sind, die man aufholen möchte.

    Das klingt so, als sei ich alleine nicht lebensfähig. Das stimmt nicht. Ich bin sogar ein Mensch, der sich selbst viel Zeit einräumt, um Dinge zu machen, die er gerne mag.


    Zum Studieren bin ich in eine Stadt gezogen, wo ich niemanden kannte.


    Ich gehe alleine zum Yoga, wo ich niemanden kenne. Ich setze mich alleine ins Café, auf ne Bank oder fahre Stunden mit dem Rad. Alles erst heute gemacht.


    Das ist alles kein Problem. Ich brauche nicht 24/7 jemanden um mich. Das meine ich nicht mit "nicht alleine sein können".


    Ich habe auch kein Problem, neue Freunde oder Bekanntschaften zu finden. Sozial bin ich ein Magnet. Ich könnte jeden Tag der Woche mit einer anderen Person verbringen. Ich finde mich super. Wäre ich nicht ich, wäre ich auch gerne mein Freund, weil ich intelligent und lustig und cool bin. So.


    Wieso weiß ich trotzdem nicht, was ich will?

    Zitat

    Hätte ich "Übung" in der Verarbeitung gehabt und mir öfter einmal Freiraum gegönnt, hätte ich besser loslassen können und meine Konzentration auf Dinge gelegt, die das Leben mehr bereichern, als einen Partner, der mich bis zum nächsten Mülleimer begleitet.

    Naja, ich hatte nach meiner letzten festen Beziehung über zwei Jahre eine Affäre, wo wir uns nur einmal in zwei Monaten gesehen haben und vllt alle 2-3 Tage eine SMS geschrieben haben. Wie gesagt, ich brauche keine 24/7 Begleitung oder jemanden, der mir am Hintern klebt oder zum "nächsten Mülleimer" begleitet. Ich bin alleine lebensfähig und habe meine Freiräume.


    Ohne fehlt mir nur der Kick. Es ist immer schön zu wissen, dass da draußen jemand ist, der einen will. Den man einfach anrufen kann, wenn man sein Ego ein bisschen strecheln lasen möchte.


    Ich suche nach einer Möglichkeit, mir dieses Gefühl selber zu geben. Wie kann man sein Ego selber streicheln? Indem man Sachen macht, die man gut kann. Ja, aber was kann ich gut?


    Versteht ihr, ich drehe mich total im Kreis. Ich weiß nichts über mich. Ich bin mir fremd.

    Kadhydia

    Zitat

    Und für Theater spielen braucht man keine Fähigkeiten, sondern muss nur gut aussehen, oder wie?

    Quatsch, aber wenn man gerade davon loskommen will sich Bestätigung über die Reaktion von anderen zu holen fände ich Theater nicht so ideal. Also etwas für sich alleine, fände ich gut. ;-)


    Regenmädchen

    Zitat

    Ich habe auch kein Problem, neue Freunde oder Bekanntschaften zu finden. Sozial bin ich ein Magnet. Ich könnte jeden Tag der Woche mit einer anderen Person verbringen. Ich finde mich super.

    Die Frage ist: findest du dich auch noch super wenn die anderen Menschen dir viel folgen würde wie die Ratten dem Rattenfänger? Bist du so wie du bist, ganz unabhängig von der Reaktion anderer oder bist du wie du bist weil die anderen darauf so reagieren? Fühlst du dich wohl weil du bist wer du bist oder fühlst du dich wohl weil du dafür bewundert wirst wer du bist?


    Das so eine zwiespätige Sache mit dem man-selbst-sein. Denn gerne hält man jemanden für sich selbst obwohl das mehr eine Maske ist die man trägt ohne es zu merken. Die trägt man weil man dafür belohnt wird, meist durch Aufmerksamkeit, und fühlt sich dann dank der Aufmerksamkeit wohl und denkt alles ist super wie es ist. Doch in der Regel bleibt irgendwo in so einem Konstrukt eine Lücke, ein Loch in dem die eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Schon deshalb weil man sich dieser Bedürfnisse gar nicht im klaren ist, weil man total damit beschäftigt ist die Person dazustellen die alle, man selbst eingeschloßen, so toll findet und so bewundert.


    Und es gibt natürlich Leute die einfach so sind und das sei denen von Herzen gegönnt. ;-)


    Bei dir ist die Lücke meiner Meinung nach in der Bedürftigkeit zu erkennen die du Männern gegenüber an den Tag legst. Denn du spielst zwar die lebenslustige Unabhängige, aber eigentlich bist du eben doch zutiefst abhängig.


    Wie man rausfindet was man will? Man guckt mal in die dunkle Ecke in der man all das vergraben hat, was man sich nicht eingestehen will weil man es peinlich findet und doof und irgendwie bäh. In diesem Fall würde ich das Bedürfnis gewollt zu werden als Wandhacken nutzen um mir näher zu kommen und einen Blick unter die Maske zu bekommen.


    Also wenn du den Mann triffst, mach nicht mit ihm rum, schlaf nicht mit ihm, knutsch nicht, lass das ganze körperliche mal weg. Versuch mal Aufmerksamkeit zu bekommen wenn du nicht zu 100% das erfüllst was dein Gegenüber will. Musst das ja auch gar nicht zu so einem albernen Spielchen machen, sei offen und sag das du dich da bisher immer eher schnell auf was eingelassen hast und das du mal was neues versuchen willst und dir daher nun, mh sagen wir mal, ein halbes Jahr sex-frei verordnet hast.

    Mein Therapeut hat mir das genau anders herum erklärt. Wenn man seine Bedürfnisse nicht kennt, dann soll man sich ein Vorbild suchen und sich wie dieses Vorbild verhalten.


    Menschen, die sich selbst nicht kennen, haben solche Werte, denen sie folgen können, nie etabliert. Ohne Vorbild sind sie verloren.


    Darüber hinaus ist niemand er selbst. Auch du schlüpft je nach Gesellschaft in eine bestimmte Rolle. Das ist menschlich.


    Halbes Jahr auf Sex verzichten, ist auch total überzogen. Wieso sollte man sich so geißeln?

    Kommt halt drauf an wieso man ein bestimmtes Vorbild entwickelt hat oder? Ich bin lange dem Vorbild nachgerannt das meine MA hatte. Wenn ich nicht weiß was sich für mich gut anfühlt, wie soll ich dann wissen was von dem meine Ideen sind und was von dem die Ideen anderer Leute?


    Halbes Jahr auf Sex verzichten weil sie bisher nicht ohne war und sie sich mal ohne wahrnehmen soll. Einfach um zu wissen ob es den Sex als Instrument braucht um Aufmerksamketi zu bekommen oder um seiner selbst willen.

    Zitat

    Darüber hinaus ist niemand er selbst. Auch du schlüpft je nach Gesellschaft in eine bestimmte Rolle. Das ist menschlich.

    Stimmt, aber wenn ich mit mir alleine bin dann nicht und mein Partner ist der Mann bei dem ich am wenigsten modellieren muss... Aber dafür musste ich ja erstmal wissen wer ich bin damit ich jemanden wählen konnte bei dem ich entspannt ich sein kann.

    Bist du in Therapie oder hast du therapeutische Erfahrung?


    Ich sollte mir zum Beispiel ein positives Vorbild aussuchen und meine künftigen Entscheidungen davon abhängig machen.


    Das fände ich auch für Regenmädchen sinnvoll. Wenn ihr die anderen als Bestätigung fehlen, kann sie sich ohne Leitbild nicht mehr selbst wahrnehmen. Dann nichts übrig, woran man sich messen kann.


    Sex ist ein Grundbedürfnis, wie essen, schlafen und Trinken. Sie bekommt die Aufmerksamkeit ja nicht durch den Sex sondern ihre Optik. Den Sex nimmt sie mit und genießt ihn scheinbar auch.

    Zitat

    Bist du in Therapie oder hast du therapeutische Erfahrung?

    Jede Menge.

    Zitat

    Ich sollte mir zum Beispiel ein positives Vorbild aussuchen und meine künftigen Entscheidungen davon abhängig machen.

    Wenn man dabei in sich reinfühlt und feststellt ob sich das wirklich gut anfühlt oder ob das nur gedacht geil ist und in real nicht kann das bestimmt auch ein System sein. Jeder hat seinen eigenen Weg und so unterschiedlich die Persönlichkeiten, so unterschiedlich der Weg.

    Zitat

    Dann nichts übrig, woran man sich messen kann.

    Blödsinn. Dann ist das erste Mal nur ihr Gefühl dazu da, unverstellt durch all das geistige Geplärre der Anderen. Man besteht ja nicht nur aus der Reaktion der anderen oder in deren Wahrnehmung.


    Sonst wäre ein Mensch ja nichts weiter als eine facettenreiche Projektionsfläche, immer daran ausgerichtet wem man so gefallen will. Nein danke, dies Menschenbild ist nicht meines.

    Zitat

    Sex ist ein Grundbedürfnis, wie essen, schlafen und Trinken. Sie bekommt die Aufmerksamkeit ja nicht durch den Sex sondern ihre Optik. Den Sex nimmt sie mit und genießt ihn scheinbar auch.

    Ne, nicht unbedingt. Sex kann durchaus auch ein Instrument sein. Sie sucht sie ja eben Typen die Distanz halten, nicht mehr wollen. Klar ist hübsch sein ein plus im Sinne von "macht es einfacher", aber man kann Sex auch haben wenn man in verranzten Klamotten rumläuft und einfach nur bereit dazu ist sich jemandem weit genug anzupassen oder ein bestimmtes Gefühl vermittelt.


    Das was ich meine läuft eigentlich auf folgendes heraus: man lernt sich selbst am Besten durch Selbst-Erfahrung kennen, jedenfalls wenn man sich dabei gut selbst beobachtet. Fühl ich mich gut oder schlecht? Fordert oder Überfordert es mich? All das eben. Dazu muss man eben auch einmal neue Erfahrungen machen. Ungeschminkt rausgehen ist in Ordnung wenn man sonst immer zugepinselt raus geht, einfach mal eine Weile ohne testen. Fühl ich mich wohl so? Wenn nein, wieso nicht? fühl ich mich hässlich oder fühl ich mich zu wenig beachtet? Wenn ich mich wohl fühle, woran liegt das?


    Dafür muss man es eine Weile versuchen und wenn man dann zu dem Schluß kommt das man sich geschminkt/ungeschminkt/teil geschminkt am besten fühlt passt das so.


    Und das selbe eben beim Sex. Hab ich den weil ich ihn mag? Hab ich ihn weil ich das als Bestätigung brauche das ich geil bin? Kann Sex mit mir selbst da was ausgleichen? Interessiert der Mann mich noch wenn ich ihn nicht zu Selbstbestätigungssex brauche?

    Sehe ich alles komplett anders. Hab ähnliche Probleme und mir würde dieser Weg nie helfen und wurde mir auch nie so in der Therapie vorgeschlagen.


    Ich könnte damit nichts anfangen und finde, dass man sich si total quälen und ins Unglück stürzen würde. Ich würde Rückfälle bekommen.


    Aber mal sehen, was sie dazu sagt.