Nur zweite Wahl in der Beziehung

    Liebes Forum,


    ich bin gerade sehr geknickt, bzw. heute geht es mir schon etwas besser aber ich bin trotzdem einfach... ra(s)tlos. Momentan habe ich nicht das Bedürfnis, meine Famlie oder jemanden im Freundeskreis anzurufen, möchte es aber trotzdem mal ausgesprochen haben.


    Seit ich meinen Freund kenne und mit ihm zusammen bin, steht fest, dass er nach seinem Studium zurück in seine Heimatstadt gehen und dort in den Familienbetrieb einsteigen und diesen später übernehmen wird. Von Anfang an stand somit auch für mich fest, dann mit ihm zurück zu ziehen. Nun wusste ich damals natürlich noch nicht, was sich da familiär und betrieblich alles so entwickelt und es war eigentlich schon eine permanente starke Belastung und je näher der Umzug rückt, je mehr ich weiss, was ich in seiner Heimat habe, bzw. nicht habe und was ich hier aufgeben muss, desto schmerzlicher gestalten sich nun die letzten Monate für mich. Ich bin unausgeglichen, sehe meine Umgebung mit anderen Augen und wie schön es hier doch ist und dort nicht. Dauernd kommen mir Probleme in den Sinn, die mit seiner Mutter und der Firma aufkommen könnten und ob ich das für mich schaffe und zugleich, ob ich ihn diesbezüglich auch immer unterstützen kann und wie das alles werden soll. Noch dazu haben wir eine große Reise hinter uns und ich komme noch nicht so gut wieder im Alltag zurecht, trauere der Zeit und der Freiheit hinterher. Das zu den Randbedingungen. Uns war also immer klar, dass ich mitgehen werde und ich bin auch sehr gewillt, darin eine Chance zu sehen.


    Vorgestern sprach er mich dann drauf an, dass er sich Sorgen macht weil er merkt, wie schwer mir das fällt und dann eben die Schlüsselsituation für mich: "Ich glaube, Du hast Dir den falschen Mann ausgesucht. Dir würde es besser gehen mit einem Mann, der vielleicht nicht so viel Geld verdienen wird aber dafür auch keine Verpflichtung in der Selbstständigkeit hat, der Urlaub nehmen kann wann er will, die Abende unter der Woche und am Wochenende daheim ist und Dich glücklich macht". Ich sagte darauf hin, dass er nicht auf so einen Mist kommen soll, jetzt die Beziehung zu beenden um mich glücklicher zu machen weil ich glücklich mit ihm bin, aber gerad mit den Umständen kämpfe. "Nein", sagte er, "das mache ich bestimmt nicht aber ich würde es verstehen, wenn Du Dich deswegen von mir trennen würdest und das auch akzeptieren". Ich hab das dann abgewiegelt weil wir die Beziehung im Endeffekt ja gar nicht beenden wollen! Er ging dann ins Bett und ich saß da und hab erstmal geheult wie ein Schlosshund ohne genau zu wissen, warum eigentlich. Später ist mir dann gedämmert, dass das nichts anderes hieß wie "Ich werde mich immer für die Firma entscheiden, egal was passiert". Rums... :°(


    Gestern Abend haben wir nochmal darüber geredet und ich habe ihm das gesagt und dann war er erstmal 5 Minuten total schockiert und sagte nichts mehr. Er sagte dann, dass ihm das so nie bewusst war, ich aber Recht habe und ihn das gerade total fertig macht, dass gerade er den Beruf vor die Liebe stellt. Damit kam er nicht klar. Er revidierte es auch nicht - und ich würde nie auf die Idee kommen, ihn vor eine Entscheidung zu stellen. Also ist es so, dass wenn ich sagen würde ich pack es nicht, dann wäre er unendlich traurig, würde aber nichts am beruflichen Entschluss ändern. Das Dilemma ist, dass auch wenn dieses Wissen schon irgendwo bei uns beiden schlummerte, wir das immer verdrängt haben und nun wurde es ausgesprochen, hart und brutal wahr eben. Er kann damit nicht umgehen und ich auch nicht.. er fragte mich, wie ich das aushalte, zu wissen, dass ich immer an zweiter Stelle stehe. Ehrlich gesagt lief das bisher ganz gut weil ich eben weiss, wie sehr er mich liebt und mir das auch immer zeigt; zudem hab ich das verdrängt weil es ja nicht in Frage kam, nicht mit in seine Heimat zu gehen bis die ANgst immer größer wurde. Aber plötzlich fühle ich mich austauschbar, ein Treppchen unter ihm und, ja, wie die zweite Wahl eben. Ich kann mein Bauchgefühl noch nicht in Worte fassen aber ich habe Angst, dass nun unsere gleiche Augenhöhe verrutscht ist. Ich fühle mich klein, nicht mehr so viel wert.. es ist ein scheussliches Gefühl!! :°( Wir wollten heute zusammen in seine Heimat fahren - ich habe ihn vorgeschickt und werde erst 2 Tage später nachkommen, ich brauche gerade Abstand, um meine Gedanken zu sortieren, Gefühle sacken zu lassen.


    Ich warf dann auch in den Raum, dass es vielleicht besser wäre, wenn er sich dann vor Ort eine neue Beziehung sucht, die mit den beruflichen Gegebenheiten besser klar kommt und das mit macht. Er meinte darauf hin, was er denn mit so einer Ollen soll und hernach würde die nur sein Geld wollen... ich hätte mir gewünscht, dass er einfach sagt, dass er möchte, dass ich trotzdem mitkomme, wie sehr er mich liebt und dass er sein Leben mit mir und keiner anderen verbringen will. Ich weiss zwar, dass es so ist aber ich hätte das in diesem Moment einfach ganz dringend von ihm hören wollen. Naja, das Leben ist kein Wunschkonzert, gell..


    Ja, jetzt haben wir heute einen schönen Ausflug gemacht, es war normal zwischen uns.. vielleicht nicht so nah und ausgelassen wie sonst, aber das ist eben der Situation geschuldet. Und nun ist er weg und ich sitze hier und weiss nicht, wie ich das geordnet kriege und aus diesem "ich bin klein und nur zweite Wahl"-Schema rauskommen soll.


    Habt ihr einen Rat für mich?! Gefühlsaufdröselung? Denkanstöße? @:)

  • 273 Antworten

    Puuuhhhh....


    Mit etwas Lebenserfahrung kann ich dir sagen: Es wird SEINE Firma sein und ER ist dafür verantwortlich. Aber es wird an IHM liegen, ob er 60, 80 oder 100 Stunden in der Woche darin investiert. Es gibt Möglichkeiten, zu delegieren, wenn einem Familie und Privatleben wichtig sind.


    Das ist genau so wie bei vielen anderen Selbständigen auch.


    Was machsts DU beruflich? Wäre es möglich, dass du dann auch in seiner Firma arbeitest?

    *:) Liebe Theresia,


    wenn Du ihn so sehr liebst wie Du es hier beschreibst, DANN kämpfe um ihn !!! Ich wünsche Dir dafür ganz viel KRAFT, - versuche um ihn und seine Liebe zu Dir zu kämpfen !!


    P.S.: Hilfreich wäre noch, zu wissen, wie alt Ihr beide so etwa seid UND welche Tätigkeit Dein Freund übernehmen wird, die Ihn so an seine 'alte, kleine' Heimat bindet.

    Ich denke das Problem liegt nicht direkt bei einem von euch, sondern von der unterschiedlichen Auffassung eines Pflichtgefühls. Für ihn ist es Pflicht die Firma weiterzuführen (um es mal kurz so zu nennen). Das würde ich durchaus getrennt von der Beziehung sehen. Denn Zweifel an der Beziehung zu dir scheint er ja nicht zu haben. Die Umstände (anstehender Umzug,.. ) sind das eine, aber er zeigt ja keinesfalls "och, wenn die nicht mehr mag nehm ich mir eben die nächste, das ist ja kein Problem".


    Und diese Herausforderung gibt es in anderen Beziehungen auch. Was wenn jemand versetzt und befördert wird - auch dann werden wohl die meisten nicht den Job schmeißen sondern mit der Familie umziehen. Ist deshalb die Familie weniger wichtig? Finde ich nicht. Wäre sie das ließe man die Familie/den Partner zurück und würde ich vor Ort etwas Neues suchen. Und so ähnlich sehe ich das bei euch auch. Wobei du, im Gegensatz zu dem Beispiel von mir, ja sogar wusstest was dir "blühen" würde wenn das Studium erst mal vorbei wäre, daher sehe ich die Schuld noch weniger bei ihm.


    Sorry, aber musste das mal so sagen.

    Also ich finde diese Aussage von ihm, bzw. dass ihr das so aus- und ansprecht, bevor das große Abenteuer beginnt, richtig gut.


    Manche Dinge sind doch es so wie sie sind. Nur spricht man nicht darüber, weil man Angst dadurch verletzt zu werden. Und wenn dein Partner dir signalisiert, hey für mich wird der Betrieb immer Vorrang haben, ist das doch eine klare Ansage.


    Bei vielen Beziehungen ist das so. Nur spricht niemand darüber, man ist sich dessen nicht bewußt und dann wird die Beziehung eingegangen und das "große Verändern" des anderen beginnt. Was kann dir denn besseres passieren, als dass dir dein Partner in dieser Beziehung, also wie er künftig zu seinem Betrieb stehen wird, schon vorher reinen Wein einschenkt?


    Der Fall, dass du in ein paar Jahren mit x Kindern da sitzt und deinen Mann dahin zu ändern versuchst, er solle sich doch verdammt nochmal mehr um die Kinder und dich kümmern, ist damit eigentlich vom Tisch.


    Es liegt jetzt an dir mit diesem Wissen die Entscheidung zu treffen. Ja ich mache da mit oder unter diesen Umständen und mit diesem Wissen, dass es so ist, mache ich da nicht mit.

    Ich kann Dir sagen, das ein leben mit einem Mann nicht einfach ist wenn er eine Eigene Firma hat. Es kommt halt auf die Branche an und wie viel er aus der Hand geben kann.


    Der Freund einer Bekannten hat mehrere Firmen verdient ein Haufen Geld, aber er Delegiert viel und hat auch viel Freizeit und fährt regelmäßig in den Urlaub.


    Mein Vater konnte/wollte seine Firma nie alleine lassen. Dadurch kenne ich keinen Urlaub als Kind. Wir haben dafür andere Sachen bekommen und an den Wochenenden hat er was mit uns gemacht. Ich glaube aber weder meine Mutter noch wir hätten und jemand anderen als Mann/Vater gewünscht.


    Jetzt musst Du abschätzen welcher Typ Dein Freund ist. Am Anfang wird er sicherlich erstmal weniger zeit haben bis sich alles eingependelt hat. Aber wenn Du ihn wirklich liebst dann solltest Du die Frau sein die hinter ihm steht. So eine Frau braucht ein erfolgreicher Unternehmer.


    Es ist heute so schwer einen vernünftigen Mann zu finden, deswegen würde ich mir sehr gut überlegen wie du dich entscheidest.

    Könnte es nicht sein, dass du gar nicht so sehr Angst hast vor seiner Selbstständigkeit, sondern eher wie das Zusammenleben/Arbeiten mit der Mutter wird?


    Hat sich da denn überhaupt etwas geändert oder ist die Frau immer noch so schwierig?


    MIR wäre es egal, wo ich wohne, hauptsache mit meinem Partner. Sprich die Umgebung wär mir nicht so wichtig. Es gibt überall schöne Orte. Aber eine nervige Schwiegermutter die sich ständig einmischt und ihn vollendes einnehmen könnte, das würde mich auch belasten.


    Er kann sich auch mit Firma und Co Zeit für dich nehmen, solange er sich durchsetzt.

    Danke für Eure Antworten :)


    Mir gehts im Moment gar nicht so sehr darum, wie viel Zeit für die Firma draufgehen wird oder welche Streitigkeiten mit der SchwiMu anstehen könnten. Das steht alles auf einem anderen Blatt, aber ich geh gern nochmal drauf ein wenn es sich ergibt und passt. Der Hauptteil steht ja in meinem anderen Faden.


    Es ist eher so, dass ich ein Problem damit habe, dass er mich wirklich einfach so ziehen lassen würde, wenn ich das wollte, obwohl ich seine große Liebe bin. Nicht, dass ich jemals dran dachte, ihn vor eine Entscheidung zu stellen. Das habe ich auch jetzt und in Zukunft nicht vor. Aber alleine zu wissen, dass ich den Kürzeren ziehen würde, tut einfach total weh und bringt mich gerade ins Straucheln. Auch in Bezug auf mein Selbstbewusstsein. Ich habe plötzlich das Gefühl, dass ich ihn mehr lieben würde als er mich.


    Ich hoffe, ich hab es jetzt besser ausgedrückt?

    Zitat

    Ich habe plötzlich das Gefühl, dass ich ihn mehr lieben würde als er mich.

    So what! Eine Waage für die Liebe! 'Ich liebe dich 23 Gramm mehr, als du mich!' Also schuldest du mir mindestens die Hälfte von den 23 Gramm an Liebe, die ich an dich 'verpulvere'!


    Und: Er würde dich 'gehen' lassen. Was, wenn das nicht so wäre? Würdest du dann jammern: 'Er läßt mich nicht gehen!'


    Ich habe plötzlich das Gefühl, dass du deine Jammerei überdenken solltest. Zumindest, was die 23 Gramm anbelangt. @:)

    Zitat

    Aber alleine zu wissen, dass ich den Kürzeren ziehen würde, tut einfach total weh und bringt mich gerade ins Straucheln. Auch in Bezug auf mein Selbstbewusstsein. Ich habe plötzlich das Gefühl, dass ich ihn mehr lieben würde als er mich.

    Eine Beziehung auf Augenhöhe schaffst Du aus meiner Sicht mit ihm nur, wenn er nicht Dein einziger Lebensinhalt wird. Das bedeutet nicht, dass Du ihn nicht unterstützen sollst, sondern nur, dass Du eigene Lebensziele brauchst, die Dich unabhängig von dieser Beziehung tragen! Darüber würde ich mir an Deiner Stelle momentan die meisten Gedanken machen.


    Das kann je nach Ortsgröße schwierig werden, wenn die Firma vor Ort eine gesellschaftlich gefestigte Stellung haben sollte. Ich vermute eure Beziehung wird in der Hauptsache davon abhängen, dass Du dort einen eigenen Wirkungskreis aufbaust.


    In die Richtung würde ich an Deiner Stelle "planen" so gut es geht. Sprich eine Vorstellung entwickeln was das sein könnte, Fühler ausstrecken was es vor Ort gibt wo Du Dich gerne engagieren würdest und so weiter.

    @ just_looking?

    Zitat

    Ich denke das Problem liegt nicht direkt bei einem von euch, sondern von der unterschiedlichen Auffassung eines Pflichtgefühls. Für ihn ist es Pflicht die Firma weiterzuführen (um es mal kurz so zu nennen). Das würde ich durchaus getrennt von der Beziehung sehen. Denn Zweifel an der Beziehung zu dir scheint er ja nicht zu haben. Die Umstände (anstehender Umzug,.. ) sind das eine, aber er zeigt ja keinesfalls "och, wenn die nicht mehr mag nehm ich mir eben die nächste, das ist ja kein Problem".

    Es ist nicht nur eine Art Pflichtgefühl, es ist auch sein sehnlichster Wunsch, die Firma zu übernehmen, die Firma seines Vaters einzugliedern und sich mit 1000 Ideen selbst zu verwirklichen.

    Zitat

    Und diese Herausforderung gibt es in anderen Beziehungen auch. Was wenn jemand versetzt und befördert wird - auch dann werden wohl die meisten nicht den Job schmeißen sondern mit der Familie umziehen. Ist deshalb die Familie weniger wichtig? Finde ich nicht. Wäre sie das ließe man die Familie/den Partner zurück und würde ich vor Ort etwas Neues suchen. Und so ähnlich sehe ich das bei euch auch.

    Wenn man schon Familie hat, ja. Wir stehen noch davor, eine Familie zu gründen, d.h. wenn, dann wäre jetzt die Zeit, sich zu überlegen, getrennte Wege zu gehen. Trotzdem kann ich Dir eigentlich nur zustimmen. Ich werde versuchen, das auf uns umzulegen.

    Zitat

    Wobei du, im Gegensatz zu dem Beispiel von mir, ja sogar wusstest was dir "blühen" würde wenn das Studium erst mal vorbei wäre, daher sehe ich die Schuld noch weniger bei ihm.

    Ich sehe überhaupt keine Schuld - weder bei ihm, noch bei mir. Er war vom Kern der Botschaft genauso schockiert wie ich. Bescheuert eigentlich, wenn man bedenkt, dass man das schon vor 2,5 Jahren wusste und nur nicht wirklich ausgesprochen, bzw. verdrängt hat. Oder anders gesagt, es bis dahin nicht relevant war - das kam erst durch meine Zweifel und Sorgen nun zu Tage.

    @ NotMichaelCaine

    Zitat

    In die Richtung würde ich an Deiner Stelle "planen" so gut es geht. Sprich eine Vorstellung entwickeln was das sein könnte, Fühler ausstrecken was es vor Ort gibt wo Du Dich gerne engagieren würdest und so weiter.

    Damit habe ich mich speziell in den letzten 12 Monaten schon beschäftigt und möchte mir ein unabhängiges, eigenes Leben aufbauen. Eigener Beruf, Kollegen, Freundeskreis, wieder einem Verein beitreten, Sprachkurs machen etc. Ansonsten würde ich total untergehen und nur daheim sitzen und auf ihn warten. Man bot mir auch an, im mütterlichen Betrieb zu arbeiten, was ich aber vorerst abgelehnt habe. Vielleicht mal in 3 oder 4 Jahren.


    Losgelöst davon, dass mein Freund und ich in unserer Beziehung bleiben, die gut ist, sehe ich dem Umzug sehr skeptisch entgegegen. Ich kann dem, ehrlich gesagt, nichts positives abgewinnen, nur negative Aspekte und Kompromisse, die ausschließlich ich schließe weil es anders vielleicht gar nicht möglich ist. Sehe das gerade vielleicht etwas schwarz und es wird sicher besser, als erwartet. Aber momentan ist diese "zweite Wahl"-Empfindung und seine Aussage für mich nun mal doppelt schlimm, da ich der Zukunft eben nicht freudig entgegen blicke. Ich hoffe, das ist nachvollziehbar. Schwierig, da sich auf irgendwas zu stützen denn bisher habe ich mich auf die enge Beziehung gestützt und darauf vertraut, dass schon alles gut gehen wird. Wenn aber die Firma vor mir steht, wo soll ich Unterstützung bekommen?! Mir ist ein Pfeiler weggebrochen - zumindest fühlt es sich gerade und frisch so an weil ich so aufgewühlt bin.

    Ich finde, das ist etwas viel Drama....


    In den Generationen vor uns war das ganz normal und auch heute ist es so, wenn du z.B. einen Landwirt heiratest. Ist das Wetter günstig und die Heuernte steht an--dann wird eben Heu gemäht, egal, ob Frau daheim grad sich einsam fühlt, das Kind krank ist oder sonstige Befindlichkeitsstörungen etc. Es ist eben ein Sachzwang. Hat er eine eigene Firma--mit der er ja letztendlich die Familie ernährt-- muss er eben die Firma am Laufen halten, denn sie ist die Existenzgrundlage und kein Hobby.

    Ich kenne ja schon deinen Faden über seine Mutter, das Auslandsstudium und die beruflichen Einstiegspläne. All dies ist schon lange festgelegt und er hat vermutlich nie gelernt, diese Dinge in Frage zu stellen, die ihm in den Lebensweg gelegt wurden (er wurde ja quasi reingeboren und auch so erzogen). Er ist erst Ende 20 und hat die letzten 5-8 Jahre (also quasi sein bisheriges "Erwachsenenleben") genau auf diesen Weg hingearbeitet und steht natürlich auch alternativlos da.


    Wenn sich das Unternehmen als Chance entpuppt, wäre er auch bescheuert, das sausen zu lassen. Die Frage ist immer, welchen Preis man dafür zahlt (man zahlt immer einen Preis). Der Preis ist, gegenüber der Eltern nicht völlig entscheidungsfrei zu sein. Der Preis ist, eine Partnerin zu finden, die mit dieser Prämisse leben kann. Ich sage deutlich "damit leben kann". Du betrachtest es als unterordnen. Aber ist es wirklich unterordnen? Er hat mit offenen Karten gespielt, wie sein Berufsweg laufen wird. Du hast gesagt, dass du diesen Weg mitgehen willst und wirst. Es passiert in vielen Beziehungen, dass ein Part räumlich keine Entscheidungsfreiheit hat, aber niemand würde auf die Idee kommen, dass deswegen allein die Augenhöhe verloren wurde.


    Was dich jetzt umtreibt sind solche Dinge:

    Zitat

    Das Dilemma ist, dass auch wenn dieses Wissen schon irgendwo bei uns beiden schlummerte, wir das immer verdrängt haben und nun wurde es ausgesprochen, hart und brutal wahr eben.

    Er hat sich in meinen Augen sprachlich extrem ungeschickt ausgedrückt, als er meinte, dass du dir den falschen Mann ausgesucht hättest und er eine Trennung deinerseits verstehen könnte. Mit solchen Einleitungen machen Menschen Schluss, die sich nicht trauen, Schluss zu machen. Mich hätte eine solche Aussage am meisten getroffen - nicht die Tatsache, dass die Berufswahl unverhandelbar ist. Weil ich mir nämlich genau diese Gedanken gemacht hätte: will er jetzt nur den Weg ebnen, dass ich ihm die Entscheidung abnehme? Und so etwas darf nicht unausgesprochen bleiben, da braucht man Klarheit, was die Motivation hinter einem solchen Satz ist.


    Unabhängig davon musst du deine Ängste vor dem, was kommt, richtig einsortieren. Dafür brauchst du Zeit für dich alleine - insofern war es goldrichtig, dich erst einmal zu sammeln. Wenn du es machen willst, dann mach es. Sollte er wirklich insgeheim dort auf einen Neustart hoffen und "Ballast" abwerfen wollen, dann würdest du nach deinem Entschluss eine deutliche Reaktion bei ihm bemerken und du wüsstest Bescheid. Wenn du aber tatsächlich Bedenken über das neue Leben dort hast, dann lass es bleiben. Aber nicht, weil er es angeboten hat, sondern weil deine Gefühle so sind, wie sie sind. Er hat seinen Beruf als wichtigsten Fokus, du darfst ruhig dich als wichtigsten Fokus haben.


    Stand heute würde ich keine Prognose wagen, wie es mit euch dort laufen wird. So viel habe ich schon gelesen und so viel Unsicherheit kommt hoch. Alles ist möglich. Ich drücke dir in jedem Fall die Daumen, dass du die richtige Entscheidung für dich triffst. :)^