Nutzt sie mich nur aus oder tue ich ihr Unrecht?

    Liebe med1-Community,


    ich wende mich mit meiner Frage nun an euch da ich mittlerweile derart verunsichert bin dass mir diese Frage tatsächlich den Schlaf raubt.


    Meine Freundin und ich kennen uns seit langer Zeit. Unsere Beziehung war oft schwierig und problembelastet, hauptsächlich deshalb weil sie die letzten Jahre schwer depressiv und manchmal suizidal war. Ich stand trotzdem zu ihr und habe darunter selbst nur all zu oft stark gelitten.


    Wie auch immer, es wurde besser. Wir waren zeitweise getrennt, fanden aber schlussendlich wieder zueinander. Nur am Rande, ich bin 27 Jahre alt, studiere aktuell im 6. Semester und arbeite nebenbei in öfters wechselnden Jobs um mir meinen Lebensunterhalt zu finanzieren, meine Freundin ist 25 Jahre alt, seit 4 Jahren arbeitslos (aufgrund ihrer schwerwiegenden Depression und multipler Persönlichkeitsstörung arbeitungsfähig) und wie sie manchmal verlauten lässt auch gar nicht gewillt zu arbeiten.


    Ich bin allerdings auch in dieser Sache meist nachsichtig mit ihr, sie hatte tatsächlich eine schwere Kindheit und auch das Leben einer jungen Erwachsenen hat, so wie sie es erlebt hat, tiefe Narben hinterlassen. Ich lebe seit jeher eher ländlich in Niedersachsen, sie hingegen in unserer Hauptstadt, jedoch ist sie mit der, sagen wir mal "Qualität" ihres Wohnraums mehr als unzufrieden und die Menschenmengen in Berlin gehen ihr gelinde gesagt auf den Geist. Dies war früher mal ganz anders, mit zunehmender Schwere der Depression hat sich dies allerdings peu à peu geändert. Uns trennt also eine relativ große geographische Distanz (ca. 330km einfacher Weg), da ich jedoch über ein Auto verfüge und auch das Fahren für mich ein willkommener Ausgleich zum Alltag ist habe ich mich bisher immer bereit erklärt sie von Berlin abzuholen und sie auch wieder zurückzubringen.


    Früher fand sie das Leben auf dem Land (besser gesagt das Leben in meiner Wohnung, wenn auch nur zeitweise) eher abstoßend und langweilig, es war ihr zu ruhig und einfach zu wenig los (Stichwort Nachtlokale). Irgendwann drehte sich der Wind und plötzlich war Berlin (bis dahin war ich quasi ab und an ihr Mitbewohner) zu groß und zu laut. Anfangs begrüßte ich diese Veränderung, nach Berlin ziehen wollte ich ohnehin nie (ich könnte es mir mit meinem mageren Studentenbudget auch gar nicht mehr leisten so wie die Mieten dort anziehen) und mehr Zeit mit ihr bei mir zuhause verbringen zu können schien mir eine gute Sache zu sein. Irgendwann merkte ich allerdings dass mein Umfeld (Familie und Freunde, welche bei mir ohnehin rar gesät sind) negativ reagierte und mir sagte, ich solle mich von dieser Frau nicht derart ausnutzen lassen.


    Ich habe die letzten schlaflosen Nächte damit verbracht mir eine Art Liste zu erstellen...was ich einbringe, was sie einbringt. Da ist auf meiner Seite irgendwie ein auf den ersten Blick starkes Übergewicht zu sehen...andererseits gab es auch schonmal Zeiten als es mir nicht so gut ging, dann war sie ja auch für mich da. Ich bin unschlüssig. Ich möchte ihr, jetzt wo es ihr mal ein bisschen besser geht als all die Jahre zuvor, nicht das Herz brechen. Aber trotzdem...ich fühle mich manchmal schon "ausgenutzt". Ich bin gerne für sie da und bereite ihr gerne mal eine Freude...trotzdem...es bleibt ein unguter Beigeschmack. Zumal ich von meinen Geschwistern, denen ich mal (großer Fehler) meine Enttäuschung darüber anvertraut habe dass sich meine Freundin weigert mit mir auch nur im selben Raum zu schlafen (wie 99,9% der Männer grunze ich nachts gelegentlich mal, so nennt sie es) zu hören bekam dass ich besser meine Beine in die Hand nehme und davonlaufe...ganz weit weg.


    Ich bringe ein:


    - Geld (wir leben eigentlich fast ausschließlich von meinem Geld, ihr ALG II versenkt sie in Zigaretten und Online-Spielen wie LoL)


    - Wohnung (von 30 Tagen verbrachte sie zuletzt im Durchschnitt 20 bei mir)


    - Kochen entfällt, anders als früher, fast immer auf mich


    - Mobilität (wir haben einst, vor längerer Zeit, versucht weniger mit dem Auto zu fahren, sie sollte stattdessen, da die Bahn zu teuer ist, mit dem Bus fahren...am Ende standen Heulkrämpfe und Panikattacken...seither hole und bringe ich sie nach Berlin und zu mir, wann immer sie muss/möchte)


    Sie bringt ein:


    - gelegentlich mal was zu essen (Zubereitung)


    - Sex (gelegentlich)


    - Gesellschaft (Ich bin generell eher ein...naja...zurückgezogener Mensch. Ich habe Kontakte an der Uni, aber außerhalb der Universität sieht man mich selten mit jemand anderem etwas unternehmen. Unternehmungen entfallen dann eher auf meine Geschwister und Eltern, sehr gute Beziehungen dahin)


    Wie seht ihr das? Vielen Dank @:) an jeden, der sich diesen Roman durchgelesen hat. "My mind is easily pulled in a thousand directions..." :|N

  • 25 Antworten

    Meiner Meinung nach nutzt sie die Situationen. Du liebst sie scheinbar. Heut zutage unterliegt man gerne einmal gesellschaftlichen Regeln, die man aber nicht selbst erstellt hat. Früher war Frau 'Herd' und Mann 'Jagd'. Und überhaupt hat in diesem Land jeder zu arbeiten. Wer nicht arbeitet, dem werden die Federn über das geteerte Haupt geworfen. Wenn du ihre Art nicht akzeptieren willst, dann lass es und beuge dich dem Heer der Philister. Wenn du sie liebst, dann wirst du einen Weg finden der dir liegt und du mit der Situation zurecht kommst.

    1)Leider verbessert die Beziehung mit Dir bis dato nicht die Befindlichkeit Deiner Freundin. Wäre das anderst, dann wäre die Beziehung im Sinne deiner Freundin LOHNEND.


    2)Der gelegentliche Sex beantwortet (für mich) die Frage, ob die Beziehung für DICH lohnend ist. Dieses Statement "gelegentlich" steht (m.E.) in einem Gegensatz zu etwas wie "großartige, erfüllte sexuelle Beziehung" oder "wir erleben im Bett großartige Dinge".


    Weder Dir noch Deiner Freundin ist, m.E., mit dieser Beziehung "gedient"

    Wenn sie arbeitsunfähig ist, dürfte sie doch gar kein ALG2 bekommen. ":/


    Ich würde dir dringend raten, sie mehr machen zu lassen.


    Nichts mehr mit Chauffeurdiensten, sie kann die Bahn benutzen.


    Panikattacken dürften da irgendwann weniger werden.


    Ist deine Freundin denn in Behandlung und wie sieht die denn aus?

    Zitat

    Wenn sie arbeitsunfähig ist, dürfte sie doch gar kein ALG2 bekommen. ":/

    Nun, die ARGE hat bereits mehrere Male versucht sie in die Erwerbsunfähigkeit zu bringen, ist daran allerdings bis dato gescheitert. Sie bekommt alle paar Wochen eine Krankmeldung von ihrer Psychiaterin.

    Zitat

    Ist deine Freundin denn in Behandlung und wie sieht die denn aus?

    Ja, sie hat wie gesagt eine Psychiaterin und Gesprächstherapie. Sie behauptet jedoch mit dem Psychologen (Gesprächstherapie) nur zu "spielen", ihre Psyche ginge ihn gar nichts an, der verstünde ohnehin nicht was "in ihr abgeht". Die Therapie hat sie auch erst auf Druck ihrer Psychiaterin angefangen, da diese ankündigte ansonsten die Behandlung abzubrechen, nur mit Medikamenten sei ihr ja offensichtlich nicht geholfen (Medikamente haben keine wesentliche Besserung gebracht). :-|

    Ihr lebt auf jeden Fall in einer ziemlich ungleichen Beziehung. Und wenn sie "schwerwiegende Depression und multiple Persönlichkeitsstörungen" hat, wird das wahrscheinlich immer so bleiben. Du wirst immer für sie sorgen müssen.


    Wobei ich Leute immer etwas befremdlich finde, die in Freundschaften/Beziehungen immer alles miteinander aufwiegen, so im Sinne von "Bekomm ich mehr als ich investiere?"


    Wichtiger wäre mir ihre innere Einstellung dir gegenüber und an der würde ich, an deiner Stelle, doch etwas zweifeln.


    Hast du das mit dem Geld (und die anderen Sachen) mal angesprochen? Weiß sie, dass dir das zuviel ist?

    Zitat

    1)Leider verbessert die Beziehung mit Dir bis dato nicht die Befindlichkeit Deiner Freundin. Wäre das anderst, dann wäre die Beziehung im Sinne deiner Freundin LOHNEND.


    2)Der gelegentliche Sex beantwortet (für mich) die Frage, ob die Beziehung für DICH lohnend ist. Dieses Statement "gelegentlich" steht (m.E.) in einem Gegensatz zu etwas wie "großartige, erfüllte sexuelle Beziehung" oder "wir erleben im Bett großartige Dinge".

    Nunja, ich denke eigentlich schon dass für sie die Beziehung lohnend ist. Schließlich muss sie sich, wenn sie denn bei mir "wohnt", quasi um nichts kümmern. Geld ist da, es gibt zu Essen, wenn es ihr schlecht geht oder sie sich über etwas ärgert hat sie jemand der zuhört...


    Der gelegentliche Sex ist nicht unbefriedigend, für keinen von uns beiden. Aber mir ist Sex einfach nicht so wahnsinnig wichtig. Ehrlich gesagt reicht es mir "alle paar Monate". Sex hat aber auch in anderen Beziehungen davor für mich nie eine solch große Rolle gespielt. Und in der Beziehung zu meiner Freundin ist eher sie es, die sich häufiger Sex wünscht. Aber materiell bin ich (soweit ich das aus ihren Erzählungen nachvollziehen kann) eigentlich der erste Mann der ihr etwas bieten kann. Ihre vorherigen Freunde waren meist ganz anders gestrickt.

    Ich bin, wie Plüschbiest, auch verwirrt, was die Arbeitsunfähigkeit angeht. Was ist sie jetzt - arbeitslos oder arbeitsunfähig? Das ist ein ziemlicher Unterschied. Ich selbst bin auch wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig und habe dementsprechend einen Schwerbehindertenausweis und bekomme eben kein ALG sondern "normale" Sozialhilfe.


    Von jemandem mit MPS, der zudem Panikattacken hat, aber zu verlagen, die Bahn zu benutzen, finde ich heftig. Panik kann MPS ganz gewaltig triggern und das kann, je nachdem, heftig in die Hose gehen. Da würde ich ganz vorsichtig mit sein.


    Sowieso finde ich es recht bemerkenswert, dass du sehr wenig zur MPS geschrieben hast. Ist es nicht schwer für dich, eine Freundin mit multiplen Persönlichkeiten zu haben? Bist du mit mehr als einer der Persönlichkeiten zusammen und wie viele sind es insgesamt? Ich habe durchaus Erfahrungen mit MPS-Patienten und je nach Triggern und Art und Anzahl der Persönlichkeiten sowie der Wechselhäufigkeit ist es nicht immer leicht, mit ihnen klarzukommen. Auf jeden Fall hast du da meinen Respekt, dass du dich davon nicht abschrecken lässt und dies nicht einmal als Hauptproblem siehst.


    Wenn du deine Freundin liebst und dich nicht trennen willst, dann würde ich das Ungleichgewicht da anpacken, wo es bei so einer starken Erkrankung am "sichersten" ist und das ist bei den Essenskosten. Da würde ich auf getrennte Kassen bzw. abwechselndes einkaufen bestehen, wenn ihr so halb zusammen wohnt. Weniger Onlinespiele haben noch nie jemanden umgebracht - das sage ich auch als Vielzockerin.


    Und kochen kann man doch eigentlich zusammen ganz super, als Paar-Aktivität machen, oder? Dann gehts auch schneller.


    Generell finde ich es schwer, hier etwas zu raten, weil einfach so wenig über die MPS-Aktivität geschrieben wurde. Wenn sie sechs Persönlichkeiten hat und die nicht kontrollieren kann, dann kann von ihr z.B. deutlich weniger verlangt werden als von jemandem, der nur drei Persönlichkeiten hat und bis auf schlimme Trigger einigermaßen kontrolliert Wechsel vermeiden kann. Ich habe in meinem Leben mehrere Jahre in Psychiatrien verbracht und die wenigen MPS-Leute waren so komplett unterschiedlich von der Schwere der Erkrankung, dass da von 100% Schwerbehinderung und anschließender Unterbringung in einer geschlossenen Heimstation bis zu 'war fähig, von daheim zu arbeiten' alles dabeiwar.

    Zitat

    Hast du das mit dem Geld (und die anderen Sachen) mal angesprochen? Weiß sie, dass dir das zuviel ist?

    Ja, es bringt sie allerdings nur dazu trotzig zu reagieren...das Gespräch nimmt dann immer den selben Verlauf..."Ach bloß weil ich mich nicht für jede Kleinigkeit bedanke?!" (Was ich nie verlangt habe...) oder "Ja is schon gut, du brauchst mir gar nix mehr bezahlen, ich brauche eh nichts von dir!!" oder gar "Ja ihr alle immer mit eurem sch* Geld, l**** mich doch am...".


    Sie ist, das sagt auch ihre Mutter immer wieder zu mir (mittelmäßig guter Draht meinerseits zu ihr) absolut nicht kritikfähig.

    Was die MPS angeht - ich muss gestehen dahingehend wirklich nicht all zu viel davon zu verstehen. Ich kenne ihre Diagnose, ich könnte aber nicht sagen wie viele Persönlichkeiten sie konkret "besitzt". Ich habe darüber auch noch nie spezifisch nachgedacht. Aber ich kenne viele Seiten von ihr.


    Sie kann (wenn man ihr, so sagt es ihre Mutter über sie, den "Arsch hinterherträgt") der liebste und wundervollste Mensch (für mich) sein. Aber da muss eben wirklich alles so laufen, wie sie es möchte.


    Genauso kann sie aber ein richtiges Biest sein (welches ich manchmal gerne zum Mond schießen würde) wenn auch nur eine Kleinigkeit anders ist als sie es sich vorgestellt hat. Kleine Missgeschicke führen zu Wutausbrüchen die letzten Endes (was ich ihr immer nachgesehen habe) in leichte (im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sie ist doch recht zierlich) körperliche Gewalt münden. Ich habe dies immer mit absoluter Passivität "abgewehrt", etwas das sie mir in einer von Selbsterkenntnis geprägten Phase mehrmals gedankt hat.

    Zitat

    Ich bin, wie Plüschbiest, auch verwirrt, was die Arbeitsunfähigkeit angeht. Was ist sie jetzt - arbeitslos oder arbeitsunfähig? Das ist ein ziemlicher Unterschied. Ich selbst bin auch wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig und habe dementsprechend einen Schwerbehindertenausweis und bekomme eben kein ALG sondern "normale" Sozialhilfe.

    Dann ist sie wohl per Definition einfach nur arbeitslos. Sie muss alle paar Wochen ihrem SB bei der ARGE ihre Krankmeldung zukommen lassen.

    Hat sie denn tatsächlich eine MPS?


    Wenn jemand multipel ist, dann müsste sich das im Alltag doch mal bemerkbar machen.


    Dass deine Freundin mit der Psychologin nur "spielt" ist alles andere als gut.


    Wenn sie sich dort nicht öffnet bringt das Ganze natürlich nichts.


    Hättest du die Möglichkeit mal mit der Psychologin zu reden?

    Zitat

    Ja ihr alle immer mit eurem sch* Geld, l**** mich doch am...

    Auf dieses Angebot würde ich an Deiner Stelle schleunigst eingehen. {:(


    Allerdings nicht, weil ich den jeweiligen erbrachten Anteil an einer Beziehung aufrechne, sondern einzig und alleine deshalb, weil es ihr an Kritikfährikeit mangelt.


    Ihre Krankheit spielt da mal gar keine Rolle, denn es ist absolut wurscht, wieviele Persönlichkeiten da ihn ihr stecken, durchweg alle scheinen bei dieser Beziehung einen Vorteil zu haben.


    Zusammen einkaufen und sich an den Essenskosten zu beteiligen sind ja nun wirklich keine unverschämten Forderungen und ich bin sicher, der TE würde von seiner Freundin keineswegs exakt die Hälfte verlangen. Ich könnte mir vorstellen, daß er sich nur ein ganz klein wenig Entgegenkommen wünscht und das muß mit Sicherheit nicht materieller Art sein.


    Was das Schlafen in getrennten Räumen angeht....... warum schließen daraus so viele Menschen auf eine mangelhafte Qualität einer Beziehung? Wer von jedem 'Grunzer' des Partners senkrecht im Bett steht, der zieht daraus nun mal die Konsequenz, daß er lieber alleine schläft.