Offene Beziehung - Die Definition

    Hallo Forum


    Im Zuge einer intensiven Recherche befasse ich mit mit oben genanntem Thema. Ich habe hier im Forum gestöbert und auch viel gefunden, lediglich jedoch beliefen sich die besagten Fäden immer auf das Für und Wider, was mir nicht wirklich etwas nützt.


    Mir geht es um die Essenz der Sache an sich, dennoch fällt es mir schwer, hierzu Fragen zu formulieren. Ich will es dennoch versuchen.


    Ich wiederhole: Es geht nicht zwingend um das Für und Wider, letztendlich trifft jeder eine solche Entscheidung für sich. Ich suche einen Weg, dieses Thema, bzw. diese Neigung (?) zu verstehen, bzw. nachzuvollziehen, insbesondere für das Mitglied einer festen Partnerschaft, das sich plötzlich damit konfrontiert sieht.


    1. Was ist eine offene Beziehung?


    2. Was sind die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Bestreben, die dazu führen, dass diese Art der Beziehung geführt wird?


    3. Ist das Führen einer solchen Beziehung einer Neigung gleichzusetzen ? Wenn ja, welcher?


    4. Welche Rolle spielt die Liebe innerhalb der festen Partnerschaft?


    5. Welche Grenzen gibt es, bzw müssen sie überhaupt gesetzt werden?


    6. Besteht die Möglichkeit, einen "Laien" davon zu überzeugen, eine offene Beziehung einzugehen? Wenn ja, wie?


    7. Inwieweit spielen moralische Werte eine Rolle?


    8. Welche Rolle spielt das Sexualleben innerhalb der festen (also ja eigentlich nicht festen?!?!?) Partnerschaft?


    Ich bin nicht sicher, ob diese Fragen richtig gefragt sind.


    Ich selbst lebe in einer festen (geschlossenen?) Partnerschaft und aufgrund meiner Recherchen kam das Thema zwischen mir und meinem Lebensgefährten auf, was zu einer durchaus interessanten Diskussion führte, die letztendlich aber an unseren (überraschend) unterschiedlichen Moralvorstellungen scheiterte.


    Ich lass das mal so stehen.


    Nochmal. Ich kann die Gründe, keine offene Beziehung zu führen, durchaus nachvollziehen. Ich möchte die "andere Seite" verstehen.


    Vielen Dank!

  • 30 Antworten

    Was ist denn der Hintergrund deiner Recherche und wie kamst du darauf?


    Und ist die "Essenz" nicht etwas sehr Individuelles? Wenn du sie im akademischen Sinne suchst, wird sie vermutlich nicht zu greifen sein. Wenn du sie für dich selbst suchst, dann werden dir andere Ansichten vermutlich nicht viel weiterhelfen.

    Nun, ich selbst stehe absolut nicht auf "offene Beziehungen". Es gab ein paar solche in meinem Bekanntenkreis, und alle gingen im Durchschnitt nach 3-4 Jahren in die Brüche. Vielleicht schreibt ja noch jemand, bei der/dem die "offene Beziehung" schon seit Jahrzehnten im gegenseitigen Einverständnis funktioniert.


    Vor einigen Jahren hatte ich mal eine intensive Diskussion mit einer Bekannten, die eine offene Beziehung wollte, ihr Mann trotz zweier Affären aber nicht. Ich war damals der Ansicht, dass sie sich an der Schwelle der Trennung befindet, was sie engagiert verneinte. Nicht mal 7 Monate später trennte sie sich wegen einer neuen Liebe. Plötzlich hörte man vom Wunsch einer "offenen Beziehung" kein Wort mehr.


    Zum Schluss:

    Zitat

    Welche Rolle spielt die Liebe innerhalb der festen Partnerschaft?

    Sie spielt m.E. die entscheidende Rolle.

    Hi!

    Zitat

    Und ist die "Essenz" nicht etwas sehr Individuelles?

    Nun ja. Zumindest für mich gestaltet sich die Essenz einer (ich nenne es mal so) 'normalen' Beziehung relativ einfach, was ja nicht unbedingt individuell ist, bzw es gar nicht sein kann. Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass es im Gegenzug der gegenteiligen -sprich- offenen Beziehung auch so sein müsste.

    Zitat

    Wenn du sie für dich selbst suchst, dann werden dir andere Ansichten vermutlich nicht viel weiterhelfen.

    Ich suche sie nicht für mich selbst. Wäre das so, könnte ich es vermutlich (für mich) eher entschlüsseln oder erklären. Es ist eben schwer zu verstehen.

    Zitat

    Zumindest für mich gestaltet sich die Essenz einer (ich nenne es mal so) 'normalen' Beziehung relativ einfach, was ja nicht unbedingt individuell ist, bzw es gar nicht sein kann.

    Oh! Findest du? Ich lese jetzt seit einigen Jahren hier im Beziehungsforum mit. Da gehen die unterschiedlichen Ansichten einer "normalen" Beziehung immer wieder gewaltig aneinander vorbei. Jeder erwartet etwas anderes. Was bleibt da noch als Essenz? Nicht einmal die Monogamie als Schnittmenge ist ein Garant, dass eine normale Beziehung beständig ist.

    Zitat

    Ich suche sie nicht für mich selbst.

    Aber möchtest nicht erzählen, warum du dies suchst? ;-)

    Zitat

    Offene Beziehung hat für mich immer was von, ich habe jemanden suche aber was besseres.

    Wäre das nicht zu einfach? Aber nun gut, es mag durchaus so sein.


    Oder aber eine Erklärung/Erleichterung für notorische Fremdgänger und für den Gegenpart das notwendige Übel? ???


    Da hakt es aber an meinem Verständnis, was die Liebe betrifft.

    Zitat

    Nicht einmal die Monogamie als Schnittmenge ist ein Garant, dass eine normale Beziehung beständig ist.

    Okay. Das halte ich jetzt aber nicht für aussagekräftig, zumal deine Aussage (für mich!) so klingt, als müsste gerade die Monogamie alles zusammenhalten können. Immerhin scheitert es doch oftmals an besagter (abverlangter?) Monogamie. Dürfte sich dann die Frage nach dem Warum (bzw. Warum nicht) nicht relativieren? Was das Scheitern betrifft, müsste ja ein Part der 'Ausbrecher' sein, den es nach 'mehr' verlangt. Also würde eine geschlossene Beziehung lediglich das Risiko minimieren, den Partner an jemand anderen zu verlieren?


    Pffffffft. Mei, ist das kompliziert.

    Zitat

    Aber möchtest nicht erzählen, warum du dies suchst? ;-)

    Wie ich schon schrieb. Ich möchte es verstehen.

    Eine offene Beziehung ist doch nichts anderes wie der Freifahrtschein mit anderen Menschen Sex ausserhalb der (Stamm-)Beziehung haben zu können. Da braucht man doch das wie und warum gar nicht groß analysieren. Es wird idR dann praktiziert, wenn die Partner unterschiedliche Vorstellungen von Sex (Qualität, Quantität,Neigungen) haben, sich aber (erstmal) nicht trennen wollen. Meist geht das eh schief. Denn wenn mal der sexuell total passende Mensch auftaucht, ist es egal, ob die Frau den Sonntagsbraten besser kocht oder diesen sogar in der Röhre hat. Allenfalls wirtschaftl. Gründe können dann noch von der Trennung abhalten. So lange ist es halt dann eine offene Beziehung.

    Eine Definition kann ich sicher nicht liefern, aber ich möchte gerne ein paar Zeilen aus der Sicht einer Person schreiben, die sich selbst immer für monogam gehalten hat und dann eines Besseren belehrt wurde. Ich bin nämlich nach über 10 Jahren glücklicher Beziehung meiner "zweiten großen Liebe" begegnet und wir standen plötzlich vor der Frage: Was jetzt? ??? Denn ich fühlte mich außer Stande, mich für einen Menschen zu entscheiden. Ich liebte und liebe einfach beide.


    Einfach nur Sex mit irgendwelchen x-beliebigen anderen Menschen zu haben, hat und hätte mich nie gereizt. Aber ich bin heute, rund 5 Jahre nach "Öffnung" unserer Beziehung, sehr glücklich, dass ich mein Leben mit beiden Menschen teilen kann und vor allem darf. Denn ich hätte einfach wahnsinnig viel versäumt, wenn ich mich für einen von beiden hätte entscheiden müssen.


    Bis ich "Liebe 2" begegnet bin, habe ich übrigens rein gar nichts vermisst. Ich war glücklich und zufrieden. Dann ist mir aber jemand begegnet, mit dem es genau so viel Freude machte, Zeit zu verbringen, Gespräche zu führen, Körperlichkeiten auszutauschen... Es ist weder "besser" noch "schlechter als mit Liebe 1. Es ist einfach anders. Es handelt sich schließlich um zwei unterschiedliche Menschen und ich möchte keinen davon in meinem Leben missen.


    Es ist (für mich) im Grunde nichts anderes, als unterschiedliche Freundschaften zu führen und zu pflegen. Dabei gibt es natürlich die unterschiedlichsten Definitionen einer "offenen Beziehung". Bei uns geht es wie gesagt nicht nur um Sex, sondern um eine zweite Liebe (dritte, vierte nicht ausgeschlossen). Deshalb würde ich auch nicht unterscheiden zwischen der "festen Partnerschaft" und der anderen. Ich führe für mein Empfinden zwei gleichwertige Partnerschaften. Meinen ersten Partner kenne ich länger als Partner Nr. 2 und in mancher Hinsicht macht uns das vertrauter - einfach durch das Mehr an gemeinsam verbrachter Lebenszeit. Aber bedeuten tun mir beide Menschen gleich viel.


    Ich weiß nicht, ob das jetzt irgendwem weiterhilft. Ich hätte es früher auch nicht für möglich gehalten, zwei Menschen gleichzeitig so intensiv lieben zu können. Ich habe immer gedacht, dass es nur den Einen/die Eine geben kann und wurde wie gesagt eines Besseren belehrt. Das ist einfach so passiert, deshalb weiß nicht, ob man von einer Neigung sprechen kann. Promiskuitiv bin ich jedenfalls nicht veranlagt, aber Sexualität innerhalb der Partnerschaften spielt schon eine große Rolle für mich und wird auch entsprechend gepflegt. D.h. ich schlafe mit beiden regelmäßig und gerne. Mit keinem von beiden ist es "besser" oder "schlechter". Es ist einfach mit beiden toll.


    Wirtschaftliche Gründe spielen bei all dem überhaupt keine Rolle.


    Für mich ist es eine reine Herzensangelegenheit.

    Schräge Ideen haben einige hier. ":/

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    1. Was ist eine offene Beziehung?

    Ich denke ganz grundsätzlich ist das eine Beziehung in der sexuelle Exklusivität, die sonst vorausgesetzt wird, kein Punkt der Beziehungsvereinbarung mehr ist. Wie das dann ausgestaltet wird, ist ziemlich individuell. So wie bei allen Beziehungen denn wo zum Beispiel Untreue anfängt muss ja auch in allen anderen Beziehungen mal geklärt werden und gegebenenfalls auch nachverhandelt werden.

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    2. Was sind die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Bestreben, die dazu führen, dass diese Art der Beziehung geführt wird?

    Ich glaube DIE Bedürfnisse etc. gibt es nicht. Vermutlich gibt es Leute die was "besseres" suchen, aber es gibt garantiert auch Leute die einfach einen Teil der in der Beziehung keinen Raum findet dann außerhalb dieser leben wollen oder Menschen für die sexuelle Exklusivität einfach keinen großen Wert hat oder wie auch immer.

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    3. Ist das Führen einer solchen Beziehung einer Neigung gleichzusetzen ? Wenn ja, welcher?

    Wie Neigung? Du meinst wie ein Fetisch oder so?

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    4. Welche Rolle spielt die Liebe innerhalb der festen Partnerschaft?

    Dieselbe wie im Schnitt in jeder anderen Beziehung, würde ich sagen. ":/ Also da gibt es Beziehungen die aus tief empfundener Liebe zusammen leben, einige die aus finanziellen Überlegungen heraus bestehen und soweiter. Für mich ist Liebe beispielsweise nicht an sexuelle Treue gebunden. Da gibt es bei mir keine direkte Verbindung. Nur weil jemand niemanden ausser mit vögelt, muss er mich ja nicht lieben. Und umgedreht genauso.

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    5. Welche Grenzen gibt es, bzw müssen sie überhaupt gesetzt werden?

    Ich denke grenzen braucht es in jeder Beziehung. In einer nicht offenen Beziehung sind ja beispielsweise sexuelle Kontakte zu Menschen ausserhalb der zweier Beziehung eine Grenze. Und natürlich muss man da auch kommunizieren womit man sich wohl fühlt und womit nicht. Und das auch ständig korrigieren, eng in Kontakt bleiben und sehr vertrauen, denn sonst sind solche Gespräche eher unangenehm.

    Zitat

    6. Besteht die Möglichkeit, einen "Laien" davon zu überzeugen, eine offene Beziehung einzugehen? Wenn ja, wie?

    Ich würde davon niemanden überzeugen wollen. Entweder man fühlt sich damit gut oder nicht. Ich würde aber auch niemanden von der Monogamie überzeugen wollen der davon einfach nicht überzeugt ist. Das ist eine verdammt persönliche Sache und da will ich weder das man mir reinquatscht, noch fiele mir das bei anderen ein.

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    7. Inwieweit spielen moralische Werte eine Rolle?

    Die Frage musst du ausführen, damit ich darauf antworten kann. Ist es für dich per se unmorlaisch ausserhalb der Beziehung mit anderen Menschen Sex zu haben, auch wenn darüber einvernehmen besteht.

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    8. Welche Rolle spielt das Sexualleben innerhalb der festen (also ja eigentlich nicht festen?!?!?) Partnerschaft?

    Also erstens: natürlich ist die Partnerschaft fest. Wieso sollte sie das nicht sein? Meinen Partner hält doch hoffentlich mehr bei mir, als Sex. Also ja, feste Partnerschaft. So fest das man zusammen Kinder bekommt, Häuser kauft, volles Programm eben.


    Und zum Sexualleben: Du zielst darauf ab ob es unbefriedigend sein muss oder bestimmte Bedürfnisse nicht erfüllt werden oder? Kann eine Rolle spielen, muss aber nicht.

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    Ich möchte die "andere Seite" verstehen.

    Da ich polyamor bin und das als Veranlagung empfinde ist es nicht ganz das, was Du gefragt hast ... und Liebe2 hat da schon viel geschrieben, was ich ähnlich empfinde, auch wenn ich im Moment monoamor lebe.


    Verstehen kann man wohl nur individuelle Fälle, ob da besondere "Arten" (z.B. Swinger) öfter vorkommen als andere, weiß ich nicht ...


    Um meine Art zu verstehen müsste ich hier schon sehr in die Tiefe gehen und das mag ich dann doch nicht so öffentlich.


    Falls Dich Polyamorie näher interessiert, dann gerne ... als PM

    So wie Liebe2 ihre Beziehungen beschreibt, finde ich eine offene Beziehung und ein polyamores Beziehungsmodell sehr interessant und würde es ansprechend finden, wenn mich Beziehungen generell mehr ansprechen würden. Jemand, der die Liebe oder den Sex (oder beides) exklusiv haben will, dürfte sich damit eher nicht wohlfühlen.

    Zitat

    3. Ist das Führen einer solchen Beziehung einer Neigung gleichzusetzen ? Wenn ja, welcher?

    Komische Frage... Es ist eben eine "Neigung" wie Monogamie auch.

    @ Liebe2,

    sag mal, wie hat denn dein Partner Nr.1 darauf reagiert? Hast du es ihm einfach gesagt und ihn gefragt, ob er einverstanden ist?