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    1. Was ist eine offene Beziehung?

    Meine Vorstellung: Das vereinbaren die Beziehungspartner für sich. Sie sprechen darüber, was quasi den Kern ihrer Beziehung ausmacht, der das Beziehungsexklusive ausdrückt/ausmacht, und was eben nicht und wo sich beide mehr Freiheit wünschen, als in einer geschlossenen Beziehung möglich wäre. Finden die Partner diesen Weg und gehen ihn beide gern, so kommt es zu so einer offenen Beziehung. Ist einer nicht damit einverstanden, wird sich diese Beziehung so nicht bilden.

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    2. Was sind die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Bestreben, die dazu führen, dass diese Art der Beziehung geführt wird?

    Für mich sind es Bedürfnisse nach Freiheit und Unabhängigkeit, nach Abenteuern und Entdeckungen. Die Sehnsucht, die eigene Beziehung nicht als engmaschigen Käfig zu erleben, der von Kontrolle und Überwachung geprägt ist. Und das Bestreben, aus realen Erfahrungen mit anderen auch wieder die eigene Beziehung besser (und dann quasi von außen) bewerten zu können.

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    3. Ist das Führen einer solchen Beziehung einer Neigung gleichzusetzen ? Wenn ja, welcher?

    Der Neigung nach Freiheit und Unabhängigkeit, die sonst ja schwer mit einer geschlossenen Beziehung zu verbinden ist. Während letztere Aspekte von Schutz, Sicherheit, Treue, Verlässlichkeit und gemeinsamer Fürsorge in den Vordergrund stellt. Gerade auch in finanziellen Aspekten.

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    4. Welche Rolle spielt die Liebe innerhalb der festen Partnerschaft?

    Die zentrale, genau wie in einer offenen Partnerschaft. Aber in der offenen Variante muss diese Liebe nicht exklusiv zu einer Person sein (z.B. bei Polyamorie).

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    5. Welche Grenzen gibt es, bzw müssen sie überhaupt gesetzt werden?

    Das machen die Beziehungspartner unter sich aus. Sicherlich auch immer wieder neu. Die Offenheit der Partnerschaft braucht also auch eine gewisse offene Kommunikation. Während sich eine geschlossene Partnerschaft an anderen "etabliertem" Verhalten orientieren kann (z.B. der Eltern der Beziehungspartner), können die offenen Beziehungspartner ihre Grenzen selbst stecken. Geschlossene Partnerschaften haben es also einfacher, sich an anderen geschlossenen Partnerschaften zu orientieren. Diese sind insgesamt homogener von ihrer Gestaltung. Ich denke, offene Partnerschaften sind vielfältiger und individueller. Ohne Wertung.

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    6. Besteht die Möglichkeit, einen "Laien" davon zu überzeugen, eine offene Beziehung einzugehen? Wenn ja, wie?

    Der Ausdruck "Laie" ist hier als: "hat vorher keine Erfahrung mit einer offenen Partnerschaft gemacht" zu verstehen? Ich denke, das ist wie bei anderen zentralen Beziehungsthemen auch, z.B. der Frage, ob beide zusammen Kinder wollen. Man kann die "Grundbereitschaft" oder "Grundüberzeugung" des anderen nicht ändern. Aber man kann eine Saite in dem anderen zum Klingen bringen, dass sich dieser/diese für dieses Beziehungsmodell interessiert zeigt. Ob er/sie dann bereit ist, es wirklich zu versuchen oder einzugehen, wird aber die freie Entscheidung des anderen bleiben.

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    7. Inwieweit spielen moralische Werte eine Rolle?

    Ich denke, moralische Werte spielen immer in Beziehungen eine Rolle. Menschen in offenen Beziehungen finden aber neue Wege, quasi "etablierte" Moralbegriffe, z.B. von Treue oder Schuld für sich neu zu definieren, anstatt die Auslegungen anderer moralbildender Instanzen (z.B. der Kirche oder aus der elterlichen Erziehung) zu übernehmen.

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    8. Welche Rolle spielt das Sexualleben innerhalb der festen (also ja eigentlich nicht festen?!?!?) Partnerschaft?

    Das machen die Beziehungspartner für sich aus. Es ist also individuell. Gerade weil es an dieser Stelle eben kein Vorbild gibt. Es gibt also kein Leitbild, wie eine offene Beziehung zu führen ist.

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    Nicht einmal die Monogamie als Schnittmenge ist ein Garant, dass eine normale Beziehung beständig ist.

    Okay. Das halte ich jetzt aber nicht für aussagekräftig, zumal deine Aussage (für mich!) so klingt, als müsste gerade die Monogamie alles zusammenhalten können.

    Nein, eben nicht. Du fragtest ja nach der Essenz. Und im simplen Wikipedia-Deutsch ist nun mal die Monogamie der größte Unterschied zwischen "normaler" und "offener" Beziehung. Die Liebe sehe ich da zweitrangig - eine offene Beziehung hat nichts mit Polyamorie zu tun. Was die Userin Liebe2 hier schreibt, geht über eine offene Beziehung hinaus.


    Das Aufgeben der Monogamie ist in meinen Augen somit der formelle Unterschied. Wenn aber Monogamie schon nicht die Essenz einer normalen Beziehung ist, dann kann die Aufgabe der Monogamie auch nicht die Essenz einer offenen Beziehung sein. %:|


    Für mich ist das zu vielschichtig, als dass man eine Essenz auf einen kurzen Satz runterbrechen könnte. Viele Wesenszüge der offenen Beziehung werden auch in "normalen" Beziehungen gelebt. Sexuelle Lust auf andere? Natürlich - halte ich auch in einer normalen Beziehung für durchaus möglich. Anders ist es mit der Akzeptanz des Partners bei der Umsetzung. Aber ist es schon eine offene Beziehung, wenn der Partner sagt: "Wir können alle mal schwach werden, aber wenn so etwas mal passiert, möchte ich es nie erfahren."? Meiner Meinung nach nicht. Vielleicht gehört zur offenen Beziehung nicht nur die Erlaubnis, sondern auch der Austausch darüber. Aber dann wird es jetzt sicher auch wieder Gegenbeispiele geben, die sich jetzt melden, und trotz offener Beziehung nicht daran interessiert sind. Wo ist dann der Unterschied zur normalen Beziehung, wo der Partner einen Vergebensvorschuss für einen möglichen Fehltritt spendiert und klarmacht, dass dies nicht zur Trennung führt?


    Auch Regeln können in offenen Beziehungen sehr unterschiedlich ausfallen. Wir haben ja häufigen Kontakt zu Swingern und sexuell offen lebenden Paaren. So vielfältig die Menschen, so vielfältig sind die Regeln, unter denen sie den Sex mit anderen leben. Eine echte Essenz im philosophischen Sinne gibt es da nicht. Nicht einmal das dafür notwendige starke gegenseitige Vertrauen und die tiefe Verbundenheit. Die gibt es in normalen Beziehungen genauso.


    Letztendlich ist es ganz platt, dass man sich den Sex mit anderen Menschen genehmigt. Mit einer entsprechenden Grauzone in der Überschneidung. Die Entscheidung, ob man in einer geschlossenen oder offenen Beziehung lebt ist vermutlich nicht anders, als ob man sich zwischen Omnivore und Veganer entscheidet. Auch dabei gibt es keine Essenz, sondern unterschiedlichste Beweggründe.

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    Wie ich schon schrieb. Ich möchte es verstehen.

    Bist also nicht selbst betroffen? Es ist rein akademisches Interesse?

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    Letztendlich ist es ganz platt, dass man sich den Sex mit anderen Menschen genehmigt. Mit einer entsprechenden Grauzone in der Überschneidung. Die Entscheidung, ob man in einer geschlossenen oder offenen Beziehung lebt ist vermutlich nicht anders, als ob man sich zwischen Omnivore und Veganer entscheidet. Auch dabei gibt es keine Essenz, sondern unterschiedlichste Beweggründe.

    Jup, würde ich auch so sehen. Und das kann sich alles ja auch im Laufe eines (Beziehungs)Lebens mal ändern. Man hat halt keine sexuelle Exklusivität vereinbart und das ist auch schon alles. So wie andere Paare niemals zusammen in Urlaub fahren oder was auch immer.

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    Die Sehnsucht, die eigene Beziehung nicht als engmaschigen Käfig zu erleben, der von Kontrolle und Überwachung geprägt ist

    Wenn eine Beziehung so beschaffen ist, dann ist sie doch ohnehin zum Sterben verurteilt ... ???


    Mir persönlich wäre schon allein der organisatorische Aufwand einer offenen Beziehung zu umständlich und unbefriedigend. Meine Frau brauche ich nicht lange zu fragen, ob sie Zeit hätte, ob es ihr passen würde, ... ich kann neben ihr einschlafen und neben ihr aufwachen- wir wohnen in der gleichen Wohnung und können im Prinzip jederzeit Sex haben (sofern wir nicht gerade auf Arbeit sind) Ich glaube, ab einer entsprechend hohen "Sexfrequenz" würde das mit einer offenen Beziehung nicht mehr richtig funktionieren oder einer der Partner wäre hin und wieder unbefriedigt. Zudem habe ich auch kein Bedürfnis nach Sex mit einer anderen Frau- warum auch immer. Ich glaube schon, dass eine offene Beziehung etwas damit zu tun hat, dass die bestehende Beziehung das Kriterium hinreichender Befriedigung nicht erfüllt.

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    Denn ich fühlte mich außer Stande, mich für einen Menschen zu entscheiden. Ich liebte und liebe einfach beide.

    Und wie zufrieden sind die beiden Männer mit dieser Situation? Oder nehmen die das nur mehr oder weniger so hin? Inwieweit wissen die Männer voneinander? Was tust du, wenn die Männer auch andere Frauen "lieben"?

    Ich glaube das grundlegende Problem liegt an der Defintion von "Treue" als Konzept.


    Die einen halten sich dran, und die anderen lehnen es ab.


    Aber ist Treue nicht vielmehr ein Gefühl?


    Ich war schon Männern treu, mit denen ich nicht zusammen war, nur weil meine Gefühle so stark waren das ich jegliches Interesse an anderen Männern verloren habe.


    Genauso hatte ich in glücklichen beziehungen durchaus mal die Lust auf fremde Haut, ohne das dies meine Liebe korrumpiert hätte.


    Aber ich halte auch den moralischen Stellenwert der Treue beigemessen wird, für vollkommen überzogen.


    Ich erwarte ja nicht das mein Beziehungspartner genau die selben Gefühle hat & auch behaltet (über Jahre!), wie ich,


    also kann ich als sehr "monogam" fühlender Mensch es durchaus akzeptieren wenn mein Partner nicht so fühlt.

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    sag mal, wie hat denn dein Partner Nr.1 darauf reagiert? Hast du es ihm einfach gesagt und ihn gefragt, ob er einverstanden ist?

    Einfach war es nicht, da ich wie gesagt selbst immer dachte, es kann nur "den Einen" geben und dass etwas im Argen liegen muss, wenn man sich fremd verliebt. Ich habe mich ihm aber letztlich einfach anvertraut, ja. Ich habe ihm meine Gefühle geschildert und offen und ehrlich gesagt, dass ich auch nicht weiß, wie wir am gescheitesten damit umgehen. Dass ich jetzt so empfinde und ihn nicht verlieren will - die Gefühle für Liebe 2 aber genau so stark sind.


    Es war erstmal schon nicht einfach für ihn, genau wie für mich, denn es war einfach neu und wir wussten beide nicht, wo es hinführt. Was es bedeutet und was es mit uns und unserer Beziehung macht... Eins wussten wir aber immer: dass wir uns lieben. Und dass wir zusammen alt werden wollen. Und so nach und nach hat sich dann herauskristallisiert, dass ihm solche Gefühle selbst auch nicht ganz fremd waren/sind. Dass es auch Frauen gab, die ihn reiz(t)en. Bei ihm mehr in sexueller Hinsicht und nie so stark, dass er in die Versuchung geraten wäre, mich zu betrügen, aber nachdem ihm klar war/wurde, dass diese Gefühle für Liebe 2 meinen Gefühlen für ihn keinen Abbruch tun und dass ich mein Leben auch weiter mit ihm teilen will, geht er jetzt auch hin und wieder (sexuelle) Beziehungen mit anderen ein und wir haben beide festgestellt, dass das völlig unabhängig von unseren Gefühlen zueinander geschieht.

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    Und wie zufrieden sind die beiden Männer mit dieser Situation? Oder nehmen die das nur mehr oder weniger so hin? Inwieweit wissen die Männer voneinander? Was tust du, wenn die Männer auch andere Frauen "lieben"?

    Die Männer wissen voneinander und es geht uns Dreien gut damit. Wer nicht Bescheid weiß, ist die Partnerin von meiner Liebe 2. Das hat seine Gründe. Aber wir drei sind uns einig und es ist ok für mich, wenn meine Partner Beziehungen mit anderen Frauen pflegen, welcher Art auch immer. Partner 1 interessiert sich mehr in sexueller Hinsicht für andere Frauen und Partner 2 hat eine langjährige Ehefrau, die er liebt und schätzt. Auf andere Art als mich, aber das kenne ich ja nun aus eigener Erfahrung. Also dass man (ich) mehrere Menschen gleichzeitig sehr intensiv lieben kann und es einfach unterschiedliche Beziehungen sind, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben. Ich möchte keinen der Männer in meinem Leben missen und verstehe, dass sie keine der anderen Frauen missen möchten, weil es einfach mit jedem Menschen einzigartig ist.

    Es ist der Blick eines Menschen, der in unserer Zeit und in unserer Kultur aufgewachsen ist, der sich nicht die Mühe gemacht hat, sich grundlegend und in aller Tiefe - und auch Breite - mit dem Thema auseinanderzusetzen, es ist dieser Blick, dem die Monogamie als das vermeintlich "Normale" erscheinen lässt und "Erklärungen" für das andere Modell sucht.


    Dabei ist beides "normal". Und das Thema an sich relativ banal. Es wird kulturell geprägt. Die meisten Menschen übernehmen auch dieses Modell, wie auch vieles andere, was die Kultuŕ anbietet.


    Dann gibt es Einige, denen das - aus verschiedenen, teils sehr verschiedenen Gründen - nicht passt und sie probieren anderes.


    Interessant sind allenfalls die Gründe. Aber das hat was von einem Fass ohne Boden zu tun. Ein Buch müsste schon ziemlich dick sein und es würde auch nur das Ganze streifen, aber nicht ausführlich durchleuchten können.


    Es gibt viele Mythen, denen man einfach so glaubt, ohne sie ernsthaft zu überprüfen.


    Das ist nicht nur bei diesem Thema so, sondern allgemein.


    Der Mensch, der heutige, wie auch der gestrige, der übernimmt einfach, was er vorfindet.


    Das Denken ist ihm eine zu hohe Kunst. Zu anstrengend. Und sie kann auch Resultate nach sich ziehen, die Angst machen können. Auch davor fürchtet sich der Mensch. Lieber alles passiv übernehmen, wiederholen, nachplappern, was andere gesagt haben. Das ist der Mensch. Nicht nur in unserer Kultur.


    Eines der Mythen ist, der Mensch könne nur einen Partner/eine Partnerin lieben. Das ist absurd. Was soll man dazu sagen?


    Wer das so glaubt, wird nicht seine Bequemlichkeit aufgeben und diesen Mythos ernsthaft auf den Prüfstand stellen. So verfährt der Mensch mit den meisten Mythen. Wäre dem nicht so, dann gäbe es sie nicht.


    Was also soll man erläutern, diskutieren? Wenn Person A glaubt, etwas sei so, dann wird sie meistens auch nicht bereit sein, zu überprüfen, sondern sie wird in ihre Truhe greifen und zahlreiche "Argumente" auf den Tisch legen, die ihre Sicht der Dinge belegen sollen. Das Gleiche tut die andere "Seite".


    Normal ist beides: "Geschlossen" oder "offen". In beiden kann es bekanntlich Probleme geben.


    Wäre es in unserer Kultur und Epoche üblich, dass man mehrere Partner oder Partnerinnen hat, dann würde man die Fragen an die stellen, die sich nur an einen Menschen binden.


    Jetzt freilich ist es anders herum.


    Es sind keine extra Gründe zu suchen, warum man das offene Modell bevorzugt, genauso wenig wie es spezifische Gründe geben muss, warum man sich nur an einen Menschen binden will.


    Beides sind natürliche Zustände und bei beiden findet man jede Menge Menschen, die Probleme haben. Probleme mit sich selbst und in der Folge Probleme in den Beziehungen, sei es es offene oder geschlossene Modelle.

    Die offene Beziehung ist die Erlaubnis, außerhalb der Beziehung mit anderen Sex zu haben. Mit beliebig engen oder weiten Grenzen. Ich denke, die typische OB gibt es ebensowenig, wie den typischen Beweggrund, eine OB zu beginnen.


    Man einer startet eine OB aus einem Gefühl heraus, etwas zu verpassen, aus einem Gefühl des Mangels, aus Unzufriedenheit mit der eigenen Beziehung. Das kann der endgültige Todesstoß für die Beziehung sein, wenn die Eifersucht zu groß wird, sich einer der beiden betrogen fühlt oder man im neuen Sexpartner die neue große Liebe findet. Es kann aber auch genau das sein, was die Beziehung dann doch noch rettet. Letztlich ist eine "normale" geschlossene Beziehung an dem Punkt oft gescheitert, wenn der Sex bzw. das sexuelle Interesse am Partner mit den Jahren nachlässt und wo so manch einer fremd gehen würde und sich trennt. Die OB bietet dann unter Umständen einen Ausweg, eine Möglichkeit, weiter zu machen, was schön ist, wenn die Liebe noch da ist oder wegen Kindern eine Trennung vermieden werden soll etc. Sie ist eine Bereicherung und kann genau das ergänzen, was gefehlt hat. Z.B. ein Impuls für das eigene Sexleben.


    Mitunter wird die OB auch ganz ohne Mangel und Krise gelebt, weil beide Partner den Wunsch verspüren, beim Sex unendlich viel neues zu erleben, die eigenen Erlebnishorizonte immer weiter zu dehnen. Angefangen in Clubs, wo man andere beobachten kann oder sich zusehen lassen kann, über dreier, vierer bis zu dem Moment, wo man merkt, dass man den Partner auch alleine ziehen lassen kann, sich freuen kann, wenn der andere Spaß hat, ganz ohne Eifersucht. Auch das kann gut gehen, es kann scheitern, wie jede normale Beziehung. Das Risiko, jemand zu finden, in dem man sich verliebt, um dann damit die ehemals feste Beziehung zu beenden, ist sicherlich hoch.


    Wir haben in Clubs viele Paare in offener Beziehung kennengelernt, die beiden oben beschriebenen Beweggründe halten sich da etwa die Waage.

    Hallo Ihr Lieben.


    Ich bin leider diese Woche unerwartet doll im Streß, weshalb es leider nicht möglich ist, mich angemessen mit Euren Antworten auseinanderszusetzen. Ich sage an dieser Stelle Danke für die vielen aufschlußreichen Antworten und auch die PN. :)^ :)^ :)^


    Ich habe schon überflogen und freue mich schon sehr darauf, mir alles in Ruhe durchzulesen. :-)


    Ich werde bald auf alles eingehen/mich damit beschäftigen.


    Liebe Grüße! :-x

    was eine offene Beziehung genau ist und wie diese gestaltet wird (mit Regeln etc.) ist sehr individuell und von Paar zu Paar verschieden, je nachdem wie diese eben leben und ihre Beziehung gestalten wollen.


    es gibt also keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen.

    Vorneweg möchte ich mal sagen, dass ich es nicht wichtig finde, eine feste Definition dafür zu finden. Ich denke eher, jedes Paar sollte einfach selbst entscheiden, wie es die Beziehung gestalten möchte. Wie es definiert wird ist doch dann letztendlich egal.


    Demnach kann ich:

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    1. Was ist eine offene Beziehung?

    auch nicht wirklich beantworten. waGrundsätzlich verstehe ich darunter Beziehungen die zu einem gewissen Grad mehr oder minder weniger auf Treue basieren als andere. Wie weit dieser Grad geht ist jedoch unterschiedlcih.

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    2. Was sind die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Bestreben, die dazu führen, dass diese Art der Beziehung geführt wird?

    Komische Fragen, sorry... aber ich les die jetzt gerade zu erstmal. Ich denke, dass ist auch genauso unterschiedlich wie die Beziehung sind die "offen" gelebt werden. Mein Mann und ich haben zum Beispiel irgendwann festgestellt, dass uns sexuelle Treue eigentlich nicht wichtig ist. Von da an, hatte jeder sozusagen die "Erlaubnis"

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    3. Ist das Führen einer solchen Beziehung einer Neigung gleichzusetzen ? Wenn ja, welcher?

    Was meinst du mit Neigung? Sowas wie Fetische? ":/

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    4. Welche Rolle spielt die Liebe innerhalb der festen Partnerschaft?

    Für uns eine starke Rolle. Allerdings in einem Maße, dass wir uns einander auch "sicher" fühlen, weil wir wissen woran wir sind und dass wir keinen anderen mehr finden, der das ersetzen oder sich damit messen könnte, auf keiner Seite.

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    5. Welche Grenzen gibt es, bzw müssen sie überhaupt gesetzt werden?

    Auch hier wieder: muss doch jedes Paar selbst entscheiden. Es ist doch nicht so, dass es ein Handbuch für offene Beziehungen gibt und dann hält man sich daran. ":/

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    6. Besteht die Möglichkeit, einen "Laien" davon zu überzeugen, eine offene Beziehung einzugehen? Wenn ja, wie?

    Wozu muss man einen "Laien" dazu überzeugen? ":/ Entweder man fühlt sich als Paar damit wohl oder nicht. Wozu muss man jemanden dazu überzeugen? ":/

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    7. Inwieweit spielen moralische Werte eine Rolle?

    Mit starken moralischen Werten wird so eine Beziehung wohl eher nichts.

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    8. Welche Rolle spielt das Sexualleben innerhalb der festen (also ja eigentlich nicht festen?!?!?) Partnerschaft?

    Kommt doch auch aufs Paar jeweils individuell an... ":/


    ":/

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    Offene Beziehung hat für mich immer was von, ich habe jemanden, suche aber was besseres.

    Die beste Antwort auf diesen - Verzeihung - Schwachsinn ist wohl die von Yukumu:

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    Es ist der Blick eines Menschen, der in unserer Zeit und in unserer Kultur aufgewachsen ist, der sich nicht die Mühe gemacht hat, sich grundlegend und in aller Tiefe - und auch Breite - mit dem Thema auseinanderzusetzen, es ist dieser Blick, dem die Monogamie als das vermeintlich "Normale" erscheinen lässt und "Erklärungen" für das andere Modell sucht.


    Dabei ist beides "normal". Und das Thema an sich relativ banal.

    Wir führen eine offene Beziehung seit fast vier Jahren und von Anfang an, weil wir unsere sexuelle Freiheit nicht aufgeben wollten. Das Prinzip ist, wir sind uns emotional treu und teilen uns körperlich, wenn auch sich dies in den letzten Jahren vor allem zu zweit in Treffen mit anderen Sexualpartnern oder in Clubs ergeben hat. Doch das Schöne daran ist die Toleranz: Jeder darf fremdflirten ohne schlechtes Gewissen - im Gegenteil, da wir uns auch die besten Freunde sind, reden wir miteinander darüber, helfen uns, geben uns Tipps. Ehrlichkeit und Offenheit einander gegenüber sowie das Wahren gewisser individuell festgesetzter Grenzen und die Prämisse, dass unsere Beziehung immer an erster Stelle vor Affären oder Ähnliches steht, sind die Grundlagen.


    Ich kenne auch ein paar wenige, die eine "offene Beziehung" führen, bei denen die Partner nicht wissen wollen, wenn der andere was macht. Das hat nur wieder Heimlichtuerei, Misstrauen und Eifersucht sowie Unsicherheit für beide Seiten zur Folge. Ich denke, solche "offenen Beziehungen" sind unausgewogen und zum Scheitern verurteilt. Denn das schürt nur miese Gefühle. Wenn man dagegen von den Aktivitäten des Partners weiß, setzt man sich mit dem eigenen Seelenleben viel mehr auseinander und kann daran wachsen. (Außerdem ist das organisatorisch viel leichter zu bewerkstelligen ;-D ) Wer das nicht wissen will, steht doch eigentlich gar nicht hinter der "Offenheit" der Beziehung - oder irre ich mich da? Warum sollte man es einander nicht erzählen? Weil es einen verletzt? Wozu dann "öffnen"? Naja.


    Liebe spielt bei uns selbstverständlich eine große Rolle und ist exklusiv. Über eine Schwärmerei oder ein Verknalltsein werden unsere Gefühle für andere nicht hinausgehen. Abgesehen davon stärkt jede Fremdvögelei unsere Beziehung zueinander, weil wir uns dadurch jedes Mal wieder bewusst werden, wie gut es bei uns passt. So aufregend der Sex mit anderen sein kann, der beste findet doch in der Regel zwischen uns statt, einfach, weil wir uns am besten kennen.


    Moralische Werte? Ach, das hat doch mit dieser tradierten Ansicht zu tun, dass Sex etwas soo übermäßig Besonderes und Intimes ist. Gut, meine Ansicht teilen nicht viele, aber nach meinem Empfinden ist Sex eine schöne, aufregende, reizvolle Aktivität, die aber völlig von irgendwelchen Gefühlen abgekoppelt stattfinden kann und somit (für mich) mitunter nicht mehr ist als mit jemandem bei nem Kaffee ein intensives Gespräch zu führen.


    Es gibt auch Menschen, die bezeichnen eine Freundschaft plus als offene Beziehung, doch dem möchte ich widersprechen, denn es ist ja nun eine Freundschaft - bei der es zwischen den Freunden (und mit anderen) auch Sex gibt. Eine offene Beziehung dagegen ist eine Beziehung. Und in der Beziehung herrscht sexuelle Offenheit anderen Sexualpartnern gegenüber. Man kann in einer offenen Beziehung auch eine Freudschaft plus zu anderen Leuten führen, aber die Beziehung eben nur mit einem.

    Hallo und ein gesundes neues Jahr, Ihr Lieben.


    Nochmals danke für die vielen Antworten und besonderen Dank an diejenigen, die sich dafür so viel Zeit genommen haben.


    Leider war es mir kaum möglich, mir etwas Zeit zu nehmen, irgendwie klappte nichts so richtig zum Jahresende hin.


    Somit liegt meine Recherche derzeit auch auf Eis, was aber nicht schlimm ist, ich kann das gut und gerne hinten ran hängen ;-)


    Ich will mal versuchen, auf einiges einzugehen.

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    2. Was sind die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Bestreben, die dazu führen, dass diese Art der Beziehung geführt wird?

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    Komische Fragen, sorry... aber ich les die jetzt gerade zu erstmal. Ich denke, dass ist auch genauso unterschiedlich wie die Beziehung sind die "offen" gelebt werden. Mein Mann und ich haben zum Beispiel irgendwann festgestellt, dass uns sexuelle Treue eigentlich nicht wichtig ist. Von da an, hatte jeder sozusagen die "Erlaubnis"

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    3. Ist das Führen einer solchen Beziehung einer Neigung gleichzusetzen ? Wenn ja, welcher?

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    Was meinst du mit Neigung? Sowas wie Fetische? ":/

    Auf diese Fragen ist ja sehr intensiv eingegangen worden, ich halte die Antworten von Pythonist und yukumu für sehr interessant und stichhaltig, auch was Papilio niger geschrieben hat, klingt "plausibel".

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    6. Besteht die Möglichkeit, einen "Laien" davon zu überzeugen, eine offene Beziehung einzugehen? Wenn ja, wie?

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    Wozu muss man einen "Laien" dazu überzeugen? ":/ Entweder man fühlt sich als Paar damit wohl oder nicht. Wozu muss man jemanden dazu überzeugen? ":/

    Mit "Laie" ist hier eher jemand gemeint, der keinerlei Erfahrung hat, was Offene Beziehungen betrifft. Primär ging es darum, dass ja die Möglichkeit besteht, dass in einer Beziehung ein Part womöglich das Bedürnis nach einer offenen Beziehung hat, während der andere Teil dem vollkommen abgeneigt ist. Es geht also nicht darum, irgendwen davon zu "überzeugen", sondern den wichtigsten Part des Ganzen, denjenigen, der die Tür eben für sich und den anderen öffnen soll. Darauf zielte die Frage ab. Und sie scheint ja unweigerlich mit dem Thema Moral verknüpft zu sein:

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    Moralische Werte? Ach, das hat doch mit dieser tradierten Ansicht zu tun, dass Sex etwas soo übermäßig Besonderes und Intimes ist. Gut, meine Ansicht teilen nicht viele, aber nach meinem Empfinden ist Sex eine schöne, aufregende, reizvolle Aktivität, die aber völlig von irgendwelchen Gefühlen abgekoppelt stattfinden kann und somit (für mich) mitunter nicht mehr ist als mit jemandem bei nem Kaffee ein intensives Gespräch zu führen.

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    Ich denke, moralische Werte spielen immer in Beziehungen eine Rolle. Menschen in offenen Beziehungen finden aber neue Wege, quasi "etablierte" Moralbegriffe, z.B. von Treue oder Schuld für sich neu zu definieren, anstatt die Auslegungen anderer moralbildender Instanzen (z.B. der Kirche oder aus der elterlichen Erziehung) zu übernehmen.

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    Mit starken moralischen Werten wird so eine Beziehung wohl eher nichts.

    Liebe ist für mich, wie es ja hier auch schon gesagt worden ist, exklusiv, von daher fällt die Polyamorie für mich hier nicht ins Gewicht. Ich selbst verknüpfe Liebe auch nicht zwingend mit Sex, könnte aber im Leben nicht behaupten, dass er nicht maßgeblich dazu beitragen/bzw. sogar der Indikator dafür sein könnte. ???

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    Auch hier wieder: muss doch jedes Paar selbst entscheiden. Es ist doch nicht so, dass es ein Handbuch für offene Beziehungen gibt und dann hält man sich daran. ":/

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    Kommt doch auch aufs Paar jeweils individuell an... ":/

    Es geht absolut nicht um ein Handbuch, bzw. eine akribische Definition des Ganzen. Lediglich um Erfahrungswerte. Individualität hin oder her, der Rahmen ist ja dennoch gesteckt.


    So, ich mach mich erstmal wieder davon. Wünsche Euch einen tollen Freitag. :)^ *:)

    Mir gefaellt das Wort "offen" besser als das Wort "geschlossen", weil ich eine Beziehung nicht als etwas Geschlossenes, mich oder die Partnerin Einschliessendes erleben mag. Ausserdem glaube ich, dass man sich letztlich effektiv sowieso nichts verbieten kann. Insofern finde ich die Idee der "geschlossenen Beziehung" im Wortsinn etwas illusorisch, wozu passt, dass wir ja alle wissen, dass in vielen angeblich "geschlossenen" Beziehungen heimlich fremdgegangen wird.


    Andererseits sind es letztlich bloss Schubladenbezeichnungen, und wenn beide Partner sexuell und gefuehlsmaessig Exklusivitaet wollen, dann sollen sie das leben und damit gluecklich sein. Ich habe nichts dagegen und moechte auch nicht fuer offene Beziehungen werben, so wie sie im landlaeufigen Sinne verstanden werden. Eine monogame Beziehung, in der beide wissen, dass sie sich nichts zu verbieten haben, sondern die als eine positive Sache gesehen wird, fuer die man sich immer wieder frei und mit offenen Moeglichkeiten ueberzeugt entscheidet, ist ja im Grunde auch "offen".

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    Ich kenne auch ein paar wenige, die eine "offene Beziehung" führen, bei denen die Partner nicht wissen wollen, wenn der andere was macht. Das hat nur wieder Heimlichtuerei, Misstrauen und Eifersucht sowie Unsicherheit für beide Seiten zur Folge. Ich denke, solche "offenen Beziehungen" sind unausgewogen und zum Scheitern verurteilt. Denn das schürt nur miese Gefühle. Wenn man dagegen von den Aktivitäten des Partners weiß, setzt man sich mit dem eigenen Seelenleben viel mehr auseinander und kann daran wachsen. (Außerdem ist das organisatorisch viel leichter zu bewerkstelligen ;-D ) Wer das nicht wissen will, steht doch eigentlich gar nicht hinter der "Offenheit" der Beziehung - oder irre ich mich da? Warum sollte man es einander nicht erzählen? Weil es einen verletzt? Wozu dann "öffnen"? Naja.

    Ich habe diesen Post heute den ganzen Tag irgendwie gesucht (per Handy... urgs) und nun am PC wiedergefunden.


    Das ist sehr gut gesagt/geschrieben und ich denke, dass das einer der Knackpunkte ist, was die "Offenheit" betrifft.