Sowas Ähnliches wollte ich auch gerade schreiben.

    Zitat

    Ich wär da wohl zu fordernd und würde mir wünschen, dass alles in eine ernsthaftere Richtung geht und dass er sich aus seiner Jungenrolle löst.

    Das würde meines Erachtens die Zukunft, die diese "Beziehung" haben kann, eher verkleinern als vergrößern.


    Die "großen Gefühle" haben vermutlich sehr viel mit dem ständigen Verschwörungs- und Sehnsuchtsmodus zu tun, der aus der besonderen Situation, der Heimlichkeit und sozialen Brisanz, der auf längere Sicht gegebene Altersinkompatibilität (z.B. bzgl. Kinderwunsch) usw. und den dadurch vorgegebenen Einschränkungen resultiert. Diese starken subjektiven Bindungsfaktoren – Sehnsucht und Verschwörung gegen widrige Umstände – würden durch den Versuch, alles auf eine rationalere Basis zu stellen und alltagstauglich zu machen, umgehend zerfallen.


    Dieser Versuch wäre ja bereits an sich – in dem Maße, wie er erfolgreich wäre – ein "Erdbeben" und eine kaum zu stemmende Belastungsprobe für die Beziehung. Ich fürchte, im Anschluss würde sich recht schnell ein Mangel an verbindender, tragfähiger, alltagstauglicher Substanz offenbaren, der jetzt so mühelos durch das süße Leiden an bösen äußeren Widrigkeiten und dem herzzerreißenden Königskinder-Schicksal überdeckt wird.


    Oder kürzer: man kann die Widrigkeiten nicht wegoperieren, ohne ein Loch zu hinterlassen.

    Zitat

    Und viele Männer sind da so gestrickt, denke ich, die WOLLEN bemuttert werden,

    Nicht nur Männer sind so- auch Frauen- das Ganze ist abhängig davon, inwieweit die Eltern das "Gehen auf eigenen Beinen" beigebracht haben oder ob sie immer wieder (von Mama)


    "an die Hand genommen" wurden ...


    Gerade was Hausarbeit betrifft scheinen auch die Eltern öfter in alte Rollenmuster zu fallen und ihre Jungen weniger zur Hausarbeit (Reinigen, Aufräumen, Kochen) anzuhalten als Mädchen- am Ende spiegelt sich das im Verhalten der jungen Erwachsenen wieder.

    Hatte ich da immer einen falschen Eindruck?


    Für mich klang die Beziehung von Oldmum und dem Prinzen, wenn der Rest der Welt nicht existieren würde, als würde das Alter gar keine Rolle spielen. Liebe von Mensch zu Mensch ohne Rollen oder Spielchen.


    Alles andere ist die Anpassung an "Randbedingungen". Dass diese "Randbedingungen" aber der Motor der Spannung seien, will mir nicht einleuchten. Einen Neuanfang auf einer einsamen Insel oder in einem fremden Land, wo Alter keine Rolle spielt, kann ich mir bestens vorstellen, ohne dass

    Zitat

    sich recht schnell ein Mangel an verbindender, tragfähiger, alltagstauglicher Substanz offenbar[t]

    Nicht dass mein Bild von dieser Beziehung besser ist als das vom Individualist, aber offenbar anders.

    @ LovHus

    Zitat

    Einen Neuanfang auf einer einsamen Insel oder in einem fremden Land, wo Alter keine Rolle spielt, kann ich mir bestens vorstellen

    Nun, so eine Art "Flucht" – möglichst weit raus aus dem gegebenen Lebens- und Sozialkontext – war nun wahrlich nicht das Szenario, das ich bezüglich der Möglichkeit, die Beziehung rationaler und alltagskompatibler zu machen, vor Augen hatte.


    Insofern kein Wunder, dass mein hypothetisches Fazit anders ausfällt als deins.

    Ne, da habt ihr mich missverstanden - oder ich euch.


    Die "einsame Insel" war kein Vorschlag, sondern ein Gedankenexperiment. So wie ich euch verstanden habe, müsste sich die Beziehung dann schnell auflösen, weil die Widerständigkeit der Umwelt wegfällt, die ihr heute Nahrung gibt. Aber diese Dynamik stellt sich in meiner Gedankensimulation nicht ein (bei euch anscheinend schon). Daraus folgere ich, dass in meiner Sicht auf diese Beziehung genug Substanz in ihr vorhanden ist. Damit ist dann aber das Umfeld und seine vorgestellte Widerständigkeit nicht mehr Motor der Beziehung, sondern nur noch lästige Randbedingung, mit der die beiden sich eben arrangieren müssen.


    Diese Form von Gedankenexperiment nennt sich "eidetische Reduktion": Man stellt sich einen Gegenstand vor und denkt sich beliebige Aspekte weg. Jene Aspekte, die nicht weggedacht werden können, ohne dass der Gegenstand mit ihnen verschwindet, sind wesentlich für den Gegenstand.


    Der Gegenstand hier ist die Beziehung Oldmum-Prinz. Die Fragestellung: Ist das heute notwendige Versteckspiel wesentlich für die Beziehung? Es gibt viele Schreiber hier, die diese Frage bejahen. Mein bisheriger Eindruck lässt mich die Frage verneinen. Aber beides ist natürlich für die tatsächliche Beziehung völlig irrelevant. Oldmum und ihr Prinz müssten diese Übung selber machen, um jeweils für sich festzustellen, was hier "Sache" ist.

    Zitat

    Der Gegenstand hier ist die Beziehung Oldmum-Prinz. Die Fragestellung: Ist das heute notwendige Versteckspiel wesentlich für die Beziehung?

    ich habe dazu ein etwas "weicheres" gefühl... schwer zu erklären. ich glaube nicht, dass das notwendige versteckspiel wesentlich für die beziehung ist. ich glaube nur, dass alle ungünstigen parameter die beziehung inniger und wild-romantischer machen.


    und würde das versteckspiel wegfallen, würden vielleicht die anderen rahmenbedingungen (altersunterschied) viel mehr ins gewicht fallen!?


    ich sehe das wohl so kritisch, weil ich selber zwei jahre lang eine beziehung zu einem "bub" hatte, die auch länger geheim bleiben musste (in seinem umfeld bis zum schluss geheim war!)... und als er dann eine weile bei mir gewohnt hat, war mir das im haushalt ein kind zuviel – zu meinen eigenen ;-)

    Zitat

    ür mich klang die Beziehung von Oldmum und dem Prinzen, wenn der Rest der Welt nicht existieren würde, als würde das Alter gar keine Rolle spielen.

    Das hatte ich auch ursprünglich im Hinterkopf ...


    aber das hier:

    Zitat

    nd viele Männer sind da so gestrickt, denke ich, die WOLLEN bemuttert werden, nicht nur von der Mutter. Und natürlich braucht es die Frauen, die gerne in solche Fallen reintappen, wie ich eine bin

    Lässt mich das auch mit einem anderen Blick sehen: Kann es sein, dass Oldmums "Mutterrolle" und des Prinzen Vorliebe für's bemuttert werden auch eine wichtige Rolle für die Beziehung spielt?

    Zitat

    die beiden haben sich ja nicht nur auf diesem seltsamen nicht-mama-nicht-sohn kennengelernt, sondern ich glaube, dass sie sich auch ein wenig in genau diese seltsam verwobenen rollen verliebt haben!?

    also habe ich nicht als Einziger diesen Gedanken genährt bekommen.

    Zitat

    Kann es sein, dass Oldmums "Mutterrolle" und des Prinzen Vorliebe für's bemuttert werden auch eine wichtige Rolle für die Beziehung spielt?

    Ja, sensibelman, kann sein. Solche Rollen nähren die Beziehung von innen heraus. Und sie sind auch altersunabhängig. Meine Frau ist 4 Jahre jünger als ich und ich kann es sehr genießen bemuttert zu werden. Aber ich kann auch die Rolle "Vater, der weiß, wo es lang geht". Wichtig scheint mir, solche Rollen zu können, wenn sie gerade gebraucht werden. Gefährlich wird nur die Identifikation, so dass man nicht mehr herauskommt und auf diese eine, z.B. Bemutterungsrolle festgelegt wird.


    Gerade bei Oldmum und dem Prinzen finde ich, dass sie ganz souverän damit spielen können. Rein in die Rolle, genießen, raus aus der Rolle. Ansonsten haben sie doch ein klares Bewusstsein dafür, wer wer gerade wirklich ist, und sie nehmen am Leben des anderen teil, soweit es die Umstände erlauben auch nach außen (dort dann aber mit Rollenmaske).


    Wo ich nicht ganz sicher bin, ist, wieviel des Reflexionsvermögens von Oldmum auch dem Prinzen zukommt. Ich kenne ja nur die Sicht und das Schreiben von Oldmum.

    Oh hallo *:)


    Ich hätte ja nicht gedacht, was der Begriff "bemuttern" alles auslöst. Dabei war der gar nicht aufs Alter gemünzt, sondern eher auf das immer wieder bestätigte Vorurteil, dass kranke Männer jeden Alters einfach viel hingebungsvoller leiden als Frauen. Und ich freue mich ja auch, wenn es mir nicht gut geht, ein bisschen umsorgt zu werden (hat er bei mir auch schon gemacht).


    Die Frage, ob unser Versteckspiel ein wesentlicher Bestandteil unserer Beziehung ist? Ja, mit Sicherheit – ob wir wollen oder nicht. Wobei der Spaß daran weniger wird, die Momente in denen wir das Spiel satt haben, überwiegen immer mehr, der Wunsch nach dem "bitte bleib doch einfach". Wenn wir zusammen sind, befinden wir uns auf einer Insel, weil wir nur dann Paar sind, wenn wir allein sind. Das Königskindergefühl ist intensiv, in dieser Zeit ist alles andere egal, das Umschalten ist halt brutal.


    Unser Vorteil ist, dass wir uns auch in Gesellschaft sehen können, weil wir halt einige Dinge teilen, befreundete Familien, gemeinsame Hobbys (die ich hier nicht genau erläutern möchte wegen der Anonymität). Auf jeden Fall ist das Hobby eine gute Ausrede für einige gemeinsame Aktivitäten. Im Übrigen bewegen wir uns da absolut auf Augenhöhe, da spielt Alter k(aum)eine Rolle. Ist was Gutes, unter vielen Menschen – Tanzen ist es aber nicht ;-D


    Die Mutter-Sohn-Geschichte ist dabei, wäre irgendwie auch schlimm, wenn es gar keine Unterschiede gäbe. Meine Lebenserfahrung lässt sich ja nicht wegdiskutieren, mir sind zum Beispiel manche Dinge bewusster als ihm. Eine manchmal fast unheimliche Harmonie zum Beispiel, auch sexuell, die ihm ganz selbstverständlicher ist. Aber eigentlich ist die Mama-Nummer eher ein Witz in der Gruppe. Wenn mein Sohn zum Beispiel "Mama, was gibts zum Essen?" durch die Bude brüllt, kommt von ihm das Echo "genau Mama, koch was" – von ein "Kinder, Hände waschen". Sowas ist aber nur Geblödel. Normal reden wir schon auf einem Level.


    Interessant finde ich das mit der "eidetischen Reduktion". Darüber denke ich nach.

    Hallo Seherin, ich bin grad selber ziemlich ausgelastet, da bleibt kaum Zeit für Trübsal. Ein paar SMS hin und her jeden Tag, aber wenn er am Woe mal da ist, keine Gelegenheit sich allein zu sehen.


    Aber es ist okay ... und ich weiß er denkt an mich.

    Ein (vielleicht) letztes Update: :)_


    Hallo zusammen,


    ich habe so das wohlige Gefühl, dass alles gut ist ...


    Anders als geplant, pendelt mein Prinz fast jedes Wochenende und hat keinen großen Bock drauf, seinen Lebensmittelpunkt stärker in die Stadt zu verlegen. Wir sehen uns also häufig, auch wenn wir kaum Zeit zu zweit verbringen. Die entspannte Morgenfreizeit unter der Woche ist schon schöner, aber alles geht halt nicht.


    Mit seinem Vater befindet sich mein Prinz im Dauerkriegszustand, was eigentlich nicht ungewöhnlich ist. Neu (und gut) finde ich, dass er nicht mehr um des lieben Friedens willen nachgibt und bei blöden Sprüchen Contra gibt. Wer dazwischen steht und drunter leidet, ist die Mama. Meine Nachbarin ist grad öfter auf einen Kaffee bei mir. Ich denke mal, die ahnt, was bei uns Sache ist, würde es aber nie direkt ansprechen.


    Am Wochenende ist hier meist volles Haus mit Jugendlichen im "Partykeller". Mein ältester Sohn, der nicht mehr daheim wohnt, hat sich vor einigen Jahren im Souterrain eine Multimediahölle ausgebaut, ein Graus für Stomrechnung zahlende Mütter und Traum aller Jungs von 9 bis 99. Irgendwie also kein Wunder, dass die bei uns rumhängen – und manchmal übernachten am Freitag und Samstag gleich mehrere Leute, es gibt genügend Schlafgelegenheiten. Ich mag es, wenn Leben in der Bude ist, und mich stören die ja nicht, solange die Spielekonsolen im Ghetto bleiben.


    Vorgestern, am Freitag, war Nikolaus. Ich bin nach der Arbeit noch mit ein paar Kollegen über den Christkindlmarkt geschlendert, der praktisch vor der Bürotür beginnt. Mit roter Nikolausmütze auf dem Kopf, und von zwei Tassen Glühwein im Magen angenehm erwärmt, bin ich kurz vor halb neun daheim eingelaufen.


    Im Wohnzimmer bullert der Kaminofen, der Adventskranz ist angezündet, die Süßkram-Reste aus dem Niklolausstiefel sind über den Tisch verkrümelt, dazwischen noch mehr Glühwein auf dem umfunktionierten Stövchen. Auf dem Sofa fläzen entspannt drei junge Männer, mein Kleiner und die beiden vom Nachbarn, im Fernsehen hat grad "Troya" angefangen. "Hi Mum, hier isses bequemer als unten zocken", begrüßt mich mein Kleiner.


    "Habt ihr noch einen Platz frei?" frage ich und packe eine Tüte gebrannter Mandeln auf den Tisch. Der Prinz liegt auf "meinem" Platz, dem großen Sofa dicht am Kamin, setzt sich auf. Ich meine nur, "bleib doch liegen", setze mich zu seinen Füßen. Erst hat er seine Beine noch angewinkelt, damit ich Platz habe, Minuten später landen die auf meinem Schoß, ich fange ganz automatisch an, ihm die Füße zu kraulen. War irgendwie völlig unbewusst, ich mag Troya und war auf den Fernseher konzentriert.


    Plötzlich wird mir klar, wie wir "ganz öffentlich" dahocken, schaue ihn an. Unsere Blicke begegenen sich und ich sehe diesen Ausdruck tiefen Behagens, der mich selber erfüllt. Und ein Schmunzeln in den Augenwinkeln. Das war nix Sexuelles, das war einfach ... hm ... Liebe? In dem Moment ist mir klar, dass alles gut ist. So wie es ist. Und dass es im Grunde völlig egal ist, was rundherum passiert. Sein Bruder und mein Sohn sind scheinbar schon so konditioniert, dass ihnen diese Vertrautheit gar nicht mehr auffällt. Oder es ihnen einfach egal ist. Den Moment hätte ich einfrieren wollen.


    Der kleine Bruder ist nach dem Film heimgegangen, ich dann als erste ins Bett. Er hat gewartet, bis die Bude ruhig war, sprich mein Sohn geschlafen hat, und ist dann um kurz nach Mitternacht vom Gästezimmer zu mir ins Schlafzimmer umgezogen und hat mich nett geweckt – mit Niklolausmütze auf dem Kopf. Das hatten wir uns bisher nicht getraut, mit "Kind" nebenan. Naja, Junior ist wie alle Jugendlichen ein Langschläfer, wir waren also rechtzeitig wach, um uns in harmlosere Gefilde zu verziehen.


    Es wird die Ausnahme bleiben, denn von einer bewussten Provokation hat keiner was, und wir werden das Ganze nicht eskalieren. Also ganz definitiv nicht händchenhaltend durchs Dorf rennen oder so. Unser Privatleben gehört aber uns, und der Status Quo ist perfekt so.


    Ach ja, wir haben noch ein bisschen über Urlaub geredet, zu dritt (mit meinem Sohn). Der meinte dann, dass er irgendwann nicht mehr mit mir fahren will – "Mama, wir könnten doch auch mal ohne dich fahren." Antwort Prinz zu ihm: "Kommt gar nicht in Frage, aber du kannst gerne daheim bleiben, dann fahren WIR ohne dich." Junior sprachlos, seltener Moment ;-D