@ Doreen

    Ich glaube, wir meinen teilweise Ähnliches, drücken es nur anders aus. Ich traue Oldmum auch zu, dass sie mit einem möglichen Verlust eines Tages, sollte es so kommen, klarkommen wird und sie rennt sicherlich auch nicht völlig naiv in die Situation und ist dann "fassungslos". Das meinte ich nicht. Aber auch, wenn man noch so sehr mit einer Situation rechnen muss und rechnet: erst im Moment ihres Eintretens kann und muss man mit der Verarbeitung beginnen und nicht vorher. Meine Behauptung: Würde man einen großen Verlust vorher schon verarbeiten können, dann hätte man auch vorher schon damit abgeschlossen und würde sich somit auch nicht mehr wirklich auf die Situation einlassen können. Und das widerspricht sich mit dem Vorhaben der Oldmum, den Augenblick zu leben und zu genießen.

    @ Hilli:

    Das mit dem Anlehnen ist relativ. Doch, das kann ich durchaus. Er bringt mich zur Ruhe, wenn ich mich über irgendwas aufrege, ist einfach da, nimmt mich ernst, macht mir Mut. Wir können uns gegenseitig festhalten und dadurch Kraft schöpfen. Und ja, ich vertraue ihm voll und ganz, weiß dass ich einfach ich sein darf.


    Den lebenserfahrenen Mann, der mich mit fundiertem Wissen über eine neue Heizung berät, finde ich in den gelben Seiten, und die Finanzierung über meine Bank. Aber einen Menschen fürs Herz, in dessen Blick ich ertrinken kann, den brauche ich mehr als die vermeintlich starke Schulter.

    Zitat

    Oder meinst du, es läuft so lange wie es läuft, danach kann man sich mit der Realität immer noch abfinden?

    Genau das meine ich.

    @ Colibri:

    Danke :)*

    @ mit:

    Das ist fast unheimlich, was du schreibst, so trifft mich das @:)


    Auch die Atmosphäre der dauernden verbalen Verletzungen und Übergriffe. Ich leide, wie viele Frauen meiner Generation, an einem massiven Kindheitstrauma, da ich einerseits irgendwie nie gut genug war, andererseits aber nicht genug gekuscht habe. Ich habe damals mit einem "ich zeig's euch allen" reagiert.


    Bei ihm habe ich seit zehn Jahren beobachten müssen, wie ihm immer wieder systematisch weh getan wird. Über Psychoterror in katholischen Eliteschulen könnte ich da viel erzählen, und über den Stempel "Versager", der so tief sitzt. Er reagiert dann mit "ich kann eh nix, also probiere ich es gar nicht mehr". Beide haben wir Wunden, die nie ganz heilen, das hat uns wohl auch zusammengeführt.


    Was abartig ist: Er hat mir erzählt, dass er mit 15 das erste Mal in mich verknallt war (als er mich heimlich beim Sonnenbaden bespannert hat). Das ist so ein running gag, dieses was-wäre-wenn-Spiel, wenn er sich damals getraut hätte, seine wilden Pläne umzusetzen. Ich ernüchtere ihn dann immer mit "entweder hätte ich dich rausgeworfen, oder ich wäre wegen Kindesmissbrauchs im Knast gelandet". Er behauptet zwar hartnäckig, dass ich schon damals wild mit ihm geflirtet hätte, leider hatte ich das gar nicht gemerkt ;-D Mir hat halt in der Seele weh getan, wie die auf ihm rumgehackt haben wegen diesem Schulmist.


    Und vor gut drei Jahren, als ich wirklich mit all meinen Fähigkeiten geflirtet habe – da dachte er, ich spiele nur. Naja, jetzt isses ja endlich gut ...

    @ Solamie und Doreen:

    Das Thema Verarbeitung ist hochinteressant.


    Ich habe zwei gute Freundinnen verloren, die an Krebs gestorben sind. Bei einer ging es rasend schnell (drei Wochen ab Diagnose), bei der anderen dauerte es mehrere Jahre mit Höllenqualen. Das heißt, bei der einen waren wir alle völlig überrumpelt, da war keine Vorbereitung auf den Abschied möglich. Bei der anderen rechneten wir über Jahre hinweg dauernd mit dem "erlösenden" Anruf von ihrer Familie. Und trotzdem begann auch da die richtige Trauerarbeit erst nach dem Tod, obwohl er nicht unerwartet kam.


    Es gab damals einige aus dem Bekanntenkreis, die dieses Leiden nicht gepackt haben, die haben sich abgeschottet und zurückgezogen. Es war hart, an diesem Krankenbett zu sitzen und Reisen zu planen, von denen wir beide wussten, dass sie nie mehr fahren würde. Aber sie hatte das Recht, aus jeder Sekunde dieses Lebens das Beste zu machen, und es ist die verdammte Pflicht ihrer Freunde, sie bis zum Schluss zu begleiten. Wir haben Aktfotos von Frau mit Glatze (nach Chemo) geschossen, perfekt geschminkt und mit Schmuck behangen. Carpe Diem in Reinform. Meine Trauer begann mit der Schaufel Erde auf dem Sarg. Bei der Trauerfeier habe ich dann noch, das war ein letzter Wunsch von ihr, lustige Anekdoten aus ihrem Leben erzählt. Ihr Lebensgefährte hat mir das nie verziehen. Er war auch für sie da, hat sie liebevoll umsorgt bis zum Schluss. Aber er konnte die letzten Monate nur noch weinen, und sie wollte so gern lachen. Sie hat dann praktisch ihn getröstet.


    Sie fehlt mir noch immer sehr, ich vermisse sie. Aber ein Teil von ihr, die Erinnerungen, die sind noch lebendig. Das ist für mich so, wenn ein Mensch mein Leben verlässt – egal in welcher Form. Und vielleicht sitzt sie gemeinsam mit meiner Oma auf einer Wolke und lacht sich kaputt über meine Kapriolen.


    Aber das ist jetzt alles sehr weit off topic ...


    Ich will eigentlich nur sagen, dass ich das Ende einer Beziehung nicht vorab verarbeiten kann. Ich kann mir bewusst machen, dass sie irgendwann enden wird. Ich kann mir sogar Strategien zurechtlegen, wie ich damit umgehen möchte – aber der Schmerz kommt erst, wenn es so weit ist. Sonst hätte die Beziehung keinen Sinn mehr.


    Bevor ich jetzt noch komplett sentimantal werde: Dieser wunderbare junge Mann hier hat grad auf Bundesliga verzichtet, um mit mir eine Schnulze auf Arte anzuschauen. "Jedes Jahr im Juni", eine verhinderte Ost-West-Liebe über 25 Jahre. Höchststrafe für einen Kerl, der selber jedem Ball nachrennt. Ich glaube, der liebt mich wirklich :)*


    Jetzt hole ich eine neue Flasche Vino und mache Laptop und Glotze wieder aus. Carpe Diem |-o

    Hallo Colibri, kein Herzinfarkt, aber ganz bewusst offline ... |-o


    Tja, die Zeit der sturmfreien Bude endete leider heute Nachmittag, die Nachbarn sind wieder da. Wir hatten herrliche Ferien daheim, und wir haben uns auch nicht versteckt, sondern waren manchmal gemeinsam unterwegs, einkaufen, Eis essen und so. Tot gestellt haben wir uns nur, wenn morgens jemand geklingelt hat (ich habe Freundinnen, die das auch vor dem Aufstehen tun).


    Heute morgen haben wir beim Frühstücken lachend festgestellt, dass wir bereits wie ein altes Ehepaar am Tisch hocken. Ich meine Kleinigkeiten wie er nimmt Schinken, ich reiche ihm wortlos den süßen Senf (isst er immer in der Kombination). Wer uns da beobachtet, bemerkt sicher eine sehr enge Vertrautheit.


    Der erste Stolperstein kam dann aber viel schneller – und zeigt, dass die beste Planung nix nutzt. Nachbars kamen also an, und natürlich habe ich allen Kaffee gekocht. Meint doch die Nachbarin zu ihrem Sohn "du warst ja anscheinend dauernd hier" – und zu mir "ich sollte dir wohl Kostgeld geben". Ich nur irgendwas mit "nene, den kriege ich schon noch satt". Sie meinte dann, dass ihre Kücke komplett unbenutzt sei, und im Kühlschrank die saure Milch stehe. Ob ich meine Gesichtszüge im Griff hatte, weiß ich nicht, ihn hat zum Glück keiner beobachtet außer mir ...


    oh, später mehr, es klingelt

    Nein, war nicht die Nachbarin, sondern ein Freund von meinem Sohn, der sich was ausgeliehen hat.


    Also weiter am Nachmittag. Das war irgendwie skurril, aber ich empfand es nicht als bedrohlich, als meine Nachbarn gefrozzelt haben, ob er einen Adoptionsantrag stellen möchte, und ich angeboten habe, gerne meinen Sohn im Tausch rüberzuschicken. Nach dem ersten Schreck mit "du warst doch dauernd hier" hat sich auch mein Prinz schnell gefangen und wurde deutlich lockerer als noch vor einem Monat.


    Zum Beispiel hat er seinen Eltern gesagt, dass wir (also er und ich) morgen für alle den Grill anwerfen. Ansonsten hat er völlig selbstverständlich in meiner Küche hantiert, Sahne für den Eiskaffee etc. – ein sehr offensichtliches "ich kenne mich hier aus". Eine Flucht nach vorne, nachdem klar ist, dass er sich hier mindestens durchgefuttert hat. Wir waren schließlich beide "Zurückgelassene", und gemeinsame Mahlzeiten sind nicht verboten. Das ist jetzt nicht wirklich ein Drama, da er schon sehr oft bei mir war, phasenweise mehr als daheim – nur war da die Unbefangenheit noch echt.


    Schwer zu sagen, ob die Nachbarn etwas ahnen. Dagegen spricht, dass ich zu sehr in der Rolle "Mama" und "Tante" verwurzelt bin, als dass dieser Gedanke sich aufdrängen würde. Er meint, dass sich seine Mutter auch eher die Zunge abbeissen würde, als da nachzufragen. Aufmerksam beobachten sicher, fragen nicht. Mal abwarten, was passiert, wenn er hier morgen so offensichtlich in die Gastgeberrolle schlüpft (also weg vom Eis am Basketballkorb hin zum Bier am Grill). Die Idee habe ich übrigens hier aus der Diskussion mitgenommen @:)


    Die knapp zwei Wochen waren viel zu schnell vorbei. Es war das erste Mal, dass wir gemeinsam in meinem Haus "gelebt" haben, also auch im eigenen Bett gemeinsam einschlafen und aufwachen. Das ist schon noch anders als die gestohlenen Nächte in irgendwelchen Hotels, eine andere Qualität. Heute ist die erste Nacht, in der ich mein Bett leider wieder für mich allein habe, deswegen sitze ich auch noch hier und tippe. Eigentlich wollte ich noch mit einer Freundin auf ein Bier gehen, um einen einsamen Abend zu vermeiden, aber ich lasse die Zeit lieber ganz bewusst ausklingen, ohne Ablenkung.


    Morgen vormittag kommt er eh rüber, ganz offiziell zum Grillen vorbereiten. Wie es dann weitergeht, wird sich finden.

    @ :)

    Schön, wieder von dir zu hören.


    Und auch schön, dass ihr eine gemeinsame (eure) Zeit hattet. Da könnte man vielleicht mal darüber nachdenken, doch ein bisschen neidisch zu werden, bei soooo viiiiiel Glück!


    Ich denke, es hat euch beiden gut getan und ich bin ja dann man gespannt auf euer gemeinschaftliches Grillen morgen.


    Habt ihr denn nichts Anderes im Kopf gehabt? Konntest du denn als gestandene Hausfrau nicht mal an die saure Milch im anderen Kühlschrank denken?


    -grins-

    Hallo Hilli,


    wir haben lang gegrillt, aber natürlich nicht soo lang. Bin nur grad am arbeiten, die Steaks wollen verdient sein.


    Ja, ich habe nicht dran gedacht, Nachbars Küche in einen Mann-allein-daheim-Zustand zu bringen. Das hatte ich dann gestern selber. :-(


    Der Tag gestern war nämlich ziemlich lustig, um 8 Uhr morgens wurde ich durch Geschepper aus der Küche wach. Mein Junior war mit dem (kleinen) Nachbarn dabei, Pfannkuchen zu backen.


    Ich wurde von folgendem Dialog geweckt:


    "Scheiße, das Mehl reicht nicht. Ruf mal deinen Bruder (Prinz) an, er soll eins rüberbringen."


    "Der pennt noch."


    "Egal, nimm das Handy, ich das Festnetz, dann wird er schon wach."


    Der muss denen dann am Telefon (zum Glück) ziemlich deutlich seine Meinung gesagt haben, was er von dem Weckalarm am Sonntag um 8 Uhr hält, jedenfalls haben die zwei allein weitergewurschtelt. Statt Mehl haben sie eine Brotbackmischung genommen, hat etwas seltsam geschmeckt, und die Küche sah so aus, wie es die Nachbarin wohl von ihrer erwartet hatte.


    Der Prinz kam dann punktgenau zum Frühstück rüber, nachdem ich die letzten Teigreste von der Arbeitsplatte gekratzt hatte. :)D


    Danach begann dann das, was ich als seinen Spagat zwischen den Generationen bezeichnen würde. Die "Kinder" haben nicht verstanden, dass er freiwillig Salat schneidet, statt Playstation zu spielen, was darin mündete, dass mein Sohn mich angemotzt hat mit dem Satz "Heh Mum, das ist mein Freund, warum soll der jetzt dir helfen?" Über das "sein Freund/ mein Freund" habe ich nichts gesagt, die "Kinder" sind geflohen, bevor ich ihnen auch noch ein Messer in die Hand drücke. Ich weiß, dass der Prinz die Ballerspiele vorgezogen hätte, aber das betrifft ja Männer jeden Alters. Ist für ihn schon blöd irgendwie – und ich habe mich da nicht eingemischt. Ich hatte ihm nur mal gesagt (habe ich hier aus dem Forum mitgenommen), dass er irgendwann den Sprung vom Eis zum Bier schaffen sollte.


    Off Topic: Wisst ihr, was witzig ist? Mein Sohn (Hagrid) nennt den sieben Jahre älteren Prinzen "Kleiner", weil er ihn um halbe Hauptlänge überragt. Mich manchmal sogar Zwergenmutter.


    Am Nachmittag ging der Spagat weiter. Prinz begrüßte seine Eltern mit "Bier oder Caipi?" und versuchte sich wacker in der Rolle als Mann am Grill. Dort wurde er dann kurzerhand von seinem Papa verdrängt, der ein Silberrücken-Dominanzverhalten wie aus dem Bilderbuch an den Tag legte. Mann, Fleisch und Feuer – der Klassiker. Und wusch, war er wieder in der Kindrolle drin. Für mich spannend zu beobachten, für ihn sicher der Horror, mal wieder blöde Witze auf seine Kosten zu hören. War dann auch nicht möglich, ihm zu helfen, ich habe ihm nur einen geordneten Rückzug ermöglicht, indem ich grinsend auf den freien Stuhl neben mir gedeutet habe mit "bring Ruhe rein, wir werden heute bedient." Hat leider nicht lange gedauert, dann wurde er von seinem Vater zum Bier holen in meinen Keller gescheucht.


    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Nachbarn nichts ahnen, für die ist der Gedanke einfach zu abwegig, dass wir kein Tante-Neffe-Verhältnis haben könnten. Die sind mir dankbar, dass ich mich gekümmert habe. Und irgendwie behandeln die ihren Sohn immer noch, als wäre er zwölf ... Hilfe, ich bin ein Kinderschänder :-o


    Kurzum, wir hatten unglaublich schöne Tage, aber am festgefahrenen Schema hat sich nichts geändert.

    Stimmt auch wieder. :)z


    War bisher vielleicht auch einfach ganz bequem, weiterhin "Kind" zu sein. Und Eltern neigen ja sowieso eher zu Trägheit, wenn es heißt, mit der Entwicklung der Nachkommenschaft Schritt zu halten. ;-)

    Zitat

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Nachbarn nichts ahnen, für die ist der Gedanke einfach zu abwegig, dass wir kein Tante-Neffe-Verhältnis haben könnten. Die sind mir dankbar, dass ich mich gekümmert habe. Und irgendwie behandeln die ihren Sohn immer noch, als wäre er zwölf ... Hilfe, ich bin ein Kinderschänder

    ich denke, in den Augen der Eltern wärst du das wohl auch, denn sie würden , falls es rauskommt, sicher auch überlegen, wie lange das schon läuft und wie das alles anfing. Für sie wirst auf jeden Fall DU die böse Verführerin ihres Sohnes sein.


    Ich lese schon eine Weile bei dir mit, finde es schon spannend, wie sich alles entwickelt hat ( obwohl man es ja eigentlich bei deinem anderen Faden längst geahnt hat, dass es nicht ewig so platonisch bleiben wird) , aber ehrlich gesagt, bei deinen letzten Beiträgen hatte ich ständig das Gefühl, dass es bald zum großen Knall kommen wird, ich kann mir nämlich beim besten Willen nicht vorstellen, dass alle in eurer Umgebung so blind und naiv sind und nichts merken. Ihr solltet euch wirklich mal ernsthaft überlegen, wie es weitergehen soll, wenn es rauskommt, dass ihr ein sexuelles Verhältnis habt und ob es nicht besser wäre, jetzt mit allen Beteiligten zu reden, bevor es durch einen blöden Zufall rauskommt und in einem riesigen Chaos endet.