Partner depressiv/ausgebrannt - ich kann bald auch nicht mehr

    Ich hoffe, ich kriege es halbwegs stringent und vollständig erzählt: Mein Partner ist seit Jahren immer weiter in eine Depression oder einen Burnout reingerutscht. Er hat sein Abi nachgeholt, studiert und dann noch den notwendigen praktischen Teil seiner Ausbildung beendet. Das ganze hat etwa 9 Jahre gedauert und war nicht immer leicht für ihn. Er war immer gut in der Praxis seines Berufsfeldes, aber das viele Schreiben an der Uni fiel ihm schwer. Aber er hat es gepackt und auch eine gute Abschlussnote geschafft. Seine Familie (er ist der erste, der studiert) hatte nicht immer Verständnis für die Belastungen im Studium. Dass er während der ganzen Zeit kaum was verdiente und sich vieles finanziell verkniffen hat, war ebenfalls schwer. Aber er hatte immer das langfristige Berufsziel vor Augen und hat sich durchgebissen. Ich habe ihn nach Kräften unterstützt, war aber selber eine ziemlich gute Studentin und Schreiben fiel mir immer leicht. Das hat ihn schon unter Druck gesetzt, auch wenn ich das nie wollte.


    Inzwischen ist er fest im Job, leider mit ziemlich doofen Rahmenbedingungen. Zwischen seinen letzten Abschlussprüfungen bekamen wir unsere Tochter. Absolutes Wunschkind, inzwischen 18Monate. Am Anfang sehr pflegeleicht, leider schläft sie seit gut einem Jahr mehr als schlecht und inzwischen scheint sie auch mehr den Leidensdruck bei ihm zu spüren und wird immer fordernder.


    So nach und nach hat mein Mann alle Hobbys aufgegeben, teilweise aus Zeitgründen, seinen Sport aus Verletzungsgründen. Freundschaften hat er schlecht gepflegt, so dass hauptsächlich ich Kontakte halte. Und so nach und nach hat er an überhaupt nichts mehr Freude gefunden. Inzwischen ist er den ganzen Tag schlecht gelaunt - bis auf wenige Augenblicke. Nach langer Zeit hat er sich eine Supervisionsgruppe für den Job gesucht, ein erster Anfang. Aber alles andere blockt er ab. Ich versuche, neben meinem Job, alles im Haushalt und so ziemlich das meiste mit unserer Tochter zu übernehmen. Ich habe monatelang alle miesen Nächte übernommen, stehe immer als erste auf, kümmere mich um alles. Aber er kommt nicht raus aus seiner Negativspirale. Er schiebt aber auch seine schlechte Laune immer auf das Schlafverhalten und das fordernder Verhalten unserer Tochter - das ist auch praktisch, dann hat er nämlich keine Verantwortung dafür. Aber für mich ist klar, dass eben nur mehrere anstrengende Dinge zusammenkommen und er sehr wohl auch selbst sich aktiver um sich kümmern müsste. Ich ermögliche ihm das nach besten Kräften. Heute hatte er frei, ich habe den ganzen Tag unsere Tochter bespaßt, war einkaufen, habe gekocht, usw. Unsere Tochter will abends mit ihm spielen und er jammert, dass er gerade mal ein paar Stunden für sich hatte. Schon ist alle Erholung, die ihm die paar Stunden brachten, wieder weg. So ist es immer. Alles, was er sich mal gutes tut, lässt er sich sofort danach von etwas anderem kaputt machen. Und das ist, meine Meinung nach, eine Einstellungssache/psychische Sache/wie auch immer man es nennt.


    Langsam merke ich, dass auch mir die Kraft ausgeht. Ich reiße mir den Arsch auf, um ihn aus dem Sumpf rauszukriegen - aber es bewegt sich kaum was. Was bezwecke ich mit diesem Thread? Einfach mal auskotzen, vielleicht hat jemand noch nen guten Tipp oder es geht jemandem ähnlich, mit dem ich mich austauschen kann?


    Danke fürs Lesen und wenn ich wichtige Infos vergessen habe: einfach nachfragen!


    Schönen Abend!

  • 47 Antworten

    Merkt er eigentlich selber, dass er psychisch im Eimer ist und womöglich therapeutisch Hilfe bräuchte?


    Wenn er nämlich nicht selbst einsiehst, dass er an SICH etwas ändern muss damit es besser wird, dann hast du noch einen weiten Weg vor dir.


    Sprichst du mit ihm darüber, dass du inzwischen auch keine Kraft mehr hast, das noch lange so mitzumachen?

    Er hat gemerkt, dass er kaum noch Lebensfreude hat und überfordert ist. Psychologische Behandlung kann er aber bisher nicht annehmen, alle Vorschläge in der Richtung blockt er ab. Ich bin froh, dass er zumindest die berufliche Supervisionsgruppe angefangen hat und die auch gut findet.


    Er sieht, dass er etwas ändern muss. Meistens resultieren aus der Einsicht aber nur Vorhaben, für die ich ihm den Rücken freihalte und die am Ende kaum was bringen, weil es nur kurzfristige Dinge sind oder er sich drüber aufregt, dass ich ihm nur 2-3 Stunden freigeschaufelt habe oder die Nacht danach eben wieder mies ist. Dinge, die auch nachhaltig was bringen würden (einen anderen Sport suchen oder eben ein anderes Hobby), geht er nicht an.


    Dass ich bald auch nicht mehr kann, sage ich ihm so nicht. Das würde ihn so unter Druck setzen, dass er dann aus Hilflosigkeit dicht machen würde, und zwar stur und endgültig dicht. Dann wäre es das. Ich hatte im Sommer mir selbst quasi die Bedingung gesetzt, dass er wenigstens irgendeine Art von psychologischer Hilfe (z.B. Die Supervision) beginnt, sonst hätte ich mich getrennt. Auch und vor allem, um unsere Tochter zu schützen. Sie spürt die Anspanung, weiß aber natürlich nicht, was los ist. Diese Frist im Sommer habe ich ihm aber nie gesagt, denn darauf hätte ich ein "Dann musst du eben gehen" zu hören bekommen.


    Ich habe keine Idee, wie ich ihm einerseits den Ernst der Lage klarmachen kann, ohne ihn andererseits zu verlieren. :°(

    Das tut mir sehr leid zu hören.


    Wenn er aber selbst keine Hilfe annehmen will, dann ist sein Leidensdruck wohl nicht nicht schlimm genug. Kein Wunder: er hat jemanden, der ihm den Rücken frei hält, so gut es eben geht.


    Und wenn du ihm vorschlagen würdest, dass ihr euch beide Hilfe sucht? Familientherapie oder sowas in der Art. Dass die Tochter nicht schläft und ihr deshalb überfordert seid - könnte das nicht als Aufhänger dienen?

    Zitat

    Ich reiße mir den Arsch auf, um ihn aus dem Sumpf rauszukriegen - aber es bewegt sich kaum was. Was bezwecke ich mit diesem Thread? Einfach mal auskotzen, vielleicht hat jemand noch nen guten Tipp oder es geht jemandem ähnlich, mit dem ich mich austauschen kann?

    Hör auf damit, Dir den Arsch aufzureißen. Ich weiß, es ist gut gemeint. Aber gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut.

    Ja, das wäre vielleicht ein Weg. Ich hatte schon mal überlegt, dass ich mir Hilfe hole und ihn dann vielleicht mal mit dazu hole. Da hatte ich aber die Befürchtung, dass es zu konstruiert wirkt oder ihn eben unter Druck setzt, wenn ich auch nicht mehr voll belastbar bin. Er weiß ja durchaus, dass ich im Moment alles wuppe und das sagt er auch manchmal. Es ändert sich nur seit Wochen kaum etwas.


    Immerhin hat er aus eigenem Antrieb ab Februar seine Stundenzahl reduziert. Es wird zwar finanziell knapper, aber wir kommen klar. Weniger Stress im Job und mehr Zeit für sich wird ihn hoffentlich etwas entspannen. Das will er natürlich erst mal abwarten, wie sich das auswirkt. Das kann ich auch verstehen und ich weiß, wie viel Überwindung es ihn gekostet hat, sich einzugestehen, dass er im Moment keine volle Stelle packt. Aber es dauert eben bis Februar, bis er reduzieren kann und dann muss sich ja auch Entspannung/Entlastung erst einmal einstellen. Gleichzeitig glaube ich inzwischen, dass er aus der Spirale nicht so richtig rauskommen wird, wenn er das Thema nicht auch mal psychologisch angehen wird.

    Er wird aus der Spirale nicht herauskommen, wenn Du ihn weiter bevormundest.


    Umgekehrt gesagt: Wenn Du Verantwortung für Dich und für Deine Bedürfnisse übernimmst, habt ihr eine Chance, aus der Spirale herauszukommen.

    Meine erste Reaktion: Ich bevormunde ihn nicht! Aber wenn ich ehrlich mit mir bin, tue ich es natürlich schon. Ich versuche, viel für ihn zu regeln und zu organisieren. Und ich versuche, ihm manches an Einstellung oder anderer Sichtweise unterzujubeln, um ihn zu bestimmten Sachen zu bewegen.


    Ja, wahrscheinlich muss ich deutlicher werden. Genau für solche Kommentare habe ich den Faden aufgemacht. Um unangenehme Dinge gespiegelt zu bekommen, denn vermutlich muss bei uns nicht nur einer etwas ändern... Aber das ist sooo schwer!

    Nach meiner Ansicht ist eine klare Ansage an ihn erforderlich, denn

    Zitat

    Unsere Tochter will abends mit ihm spielen und er jammert, dass er gerade mal ein paar Stunden für sich hatte. Schon ist alle Erholung, die ihm die paar Stunden brachten, wieder weg. So ist es immer. Alles, was er sich mal gutes tut, lässt er sich sofort danach von etwas anderem kaputt machen. Und das ist, meine Meinung nach, eine Einstellungssache/psychische Sache/wie auch immer man es nennt.

    er drückt sich um seine Verantwortung und die Schlafstörung der Tochter ist ein Ausdruck der Anspannug in der Familie. Und diese Anspannung verursacht er. Was soll das Gerede, dass er sich in ein paar Stunden erholen könnte und diese Erholung durch ein Spiel mit der Tochter futsch wäre. Gerade das Spiel wäre eine Erholung. Aber einen solchen Zusammenhang will oder kann er nicht erkennen. Das Spielen würde seinen Kopf frei machen von den beruflichen Belangen.


    Nach meiner Ansicht ist alles andere als Schonung und "Rücken frei halten" erforderlich! Eine Supervisionsgruppe ist keine Therapiegruppe, da kann er ebenso "mauern" wie bisher im häuslichen Umfeld.

    Ich stelle mal eine provokante Frage: bist du dir sicher, dass dein Partner wirklich Burnout/ Depression hat?


    Für mich klingt das eher so, als hätte er gelernt, dass er um so weniger tun muss, je arschiger er sich verhält. Schlechte Laune verbreiten - schon wird ihm alles abgenommen, damit es ja nicht schlimmer wird.


    Machen muss er doch eh schon nichts außer arbeiten gehen, alles andere macht ja die Frau neben der Arbeit, ist doch ein super Leben.


    Ich kenne ja weder dich noch ihn, aber für mich klingt das bestenfalls nach erlernter Hilflosigkeit, schlechtestenfalls aber nach einem echten A****, der sich auf deine Kosten seit Jahren einen schönen Lenz macht und genau weiß, was er tun muss, damit du springst...

    Zitat

    Meine erste Reaktion: Ich bevormunde ihn nicht! Aber wenn ich ehrlich mit mir bin, tue ich es natürlich schon. Ich versuche, viel für ihn zu regeln und zu organisieren. Und ich versuche, ihm manches an Einstellung oder anderer Sichtweise unterzujubeln, um ihn zu bestimmten Sachen zu bewegen.

    ja genau. Das ist menschlich. Es ist ok. Du versuchst, ihn zu etwas zu bewegen. Deshalb bewegt er sich nicht.


    Wie wäre es, wenn Du versuchtest, diese Situation zunächst einmal anzusehen, zu ertragen und zu verstehen?


    Mir würdest Du damit einen großen Gefallen tun, weil ich aus der Perspektive Deines Freundes schreibe, und weil ich zu gerne verstehen würde, was da eigentlich für ein Missverständnis vorliegt.


    Anders gesagt, ich bin im Grunde genommen auch nicht anders als Du. Ich will Dich ebenfalls zu etwas bewegen: Bitte kläre die ganze Situation doch einmal auf.


    Was hältst Du davon? Würdest Du Dich von mir bewegen lassen?


    Ich bin davon überzeugt, es würde Euch beiden helfen. (und mir)

    @ :)

    @ Sunny und Bunny:

    Mein Problem ist, dass ich nicht mehr weiß, wie ich meinem Partner am besten helfe. Aber es muss sich was ändern, denn er ist nur noch gestresst und schlecht gelaunt. Das möchte ich weder für ihn, noch für mich oder unsere Tochter. Er selbst merkt das ja auch und will das natürlich auch ändern. Ein Teil des Problems ist aber tatsächlich, dass er die Verantwortung für diese Situation gern bei allen möglichen anderen Personen und Umständen sucht, aber seinen eigenen Teil der Verantwortung dafür meistens vehement abstreitet. Das siehst du, aug233, dann richtig. Ihm das klarzumachen gelingt mir bisher aber nicht.

    @ kleiner drachenstern:

    Deine Frage ist völlig berechtigt, aber auch ohne eine ärztliche Diagnose bin ich mir sicher, dass es etwas in der Art Burnout oder Depression ist. Wir kennen uns seit mittlerweile 18 Jahren und sind seit 14 Jahren zusammen. Er war früher nicht so und die Veränderungen haben schleichend eingesetzt in der Zeit, in der er sein Abi nachmachte und zu studieren begann. Diese Einschätzung teilen auch einige gute Freunde, die ihn ebenfalls schon sehr lang kennen. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, hätte ich auch schon längst einen Schlussstrich gezogen.

    @ mond+sterne:

    ich verstehe deine Aufforderung nicht. Wie soll ich die Situation ansehen, verstehen und ertragen? Irgendwie stehe ich auf dem Schlauch.


    Vielen Dank an alle, die schreiben! Es hilft mir, meine Gedanken zu sortieren und auch provokante Fragen sind hilfreich!

    Erst einmal muß er sich selber helfen. Das liegt in seiner Verantwortung.


    In Deiner liegt, ihn darin zu unterstützen, wenn er diese Maßnahmen ergreift.


    Kann nicht angehen, dass Du Dir den Kopf machst, Dich aber nicht um eigene Bedürfnisse kümmert.


    Und sorry, so erzieht man kleine Tyrannen. mit 18 Monaten muß kein Kind "bestimmen", wann man mit ihm spielt.


    Lieber 15 Minuten intensive Beschäftigung, die man als erwachsener Mensch beschließt, wo auch die Zeit paßt - die man zur Verfügung stellt - als ein Anspruch eines Kleinkindes.


    Klar, wenn ich meine, das Kind muß jetzt Bespannung der nächsten 3 Stunden durchsetzen, habe ich mir ein Problem geschaffen. Und was für eins.


    Das Schlafproblem des Kindes würde ich auch erst einmal abklären lassen. Wird da ein ruhiges Abendritual gefahren, wird konsequent TV oder anderes elektronisches Material gemieden?


    Auch das Umstellen es Bettes könnte mal probiert werden.


    Und ansonsten würde eine Frau, die sich ihren eigenen Bedürfnissen widmet, die Spaß hat, auch mal was anderes ausstrahlen, was auf alle abfärben könnte.


    Vielleicht 2 x im Monat einen Babysitter besorgen, in der Zeit mal wellnessen.


    Welche Frau warst Du, als Du ihn kennenlerntest? Voller Energie? Wieviel ist davon noch übrig? Vielleicht vermißt er auch das, weil Du nur immer Ansprüche stellst, was er tun könnte. Man könnte es nörgeln nennen. Und Männer stehen nicht auf so etwas.


    Geh mal in eine Beratungsstelle und kümmert Dich erst mal darum, dass Du auf die Reihe kommst.


    Änderst Du Dich, hast Du große Chancen, dass sich im Ganzen etwas verändert.

    Wo habe ich geschrieben, dass unsere Tochter bestimmt, wer mit ihr spielt? Weil ich als Beispiel brachte, dass sie abends mit ihrem Papa spielen will, wenn ich ihm den Nachmittag freigeschaufelt habe? Na klar will sie, wenn einer von uns nicht da war, danach erst einmal Zeit mit demjenigen verbringen. Das finde ich jetzt nicht tyrannisch. Sie kann sich im Moment Camp 15-20 Minuten allein beschäftigen, wobei jemand im Raum sein muss. Ich kann zum Beispiel abwaschen oder kurz was machen und sie beschäftigt sich selbst. Danach brauch sie dann etwas mehr Aufmerksamkeit und nach wiederum 15-20 Minuten beschäftigt sie sich wieder selbst. Das finde ich für das Alter absolut angemessen.


    Wegen der Schlafprobleme waren wir schon beim KiA und haben alle Empfehlungen umgesetzt. Festes Abendritual, vorher nicht mehr aufgedreht spielen, feste Zeiten, nachmittags genug draußen, TV oder anderes gibt's eh noch nicht für sie. Sie schläft auch, aber eben nicht durch. Und wenn sie unruhig ist, dann schläft sie meistens nur weiter, wenn einer von uns (meistens ich) sich auf die Matratze neben sie legt.


    Ja, vor 14 Jahren war ich eine andere Frau wie auch mein Mann vor 14 Jahren ein anderer war. Übrigens kümmere ich mich auch um mich, weil ich weiß, dass ich nicht den gleichen Fehler machen will: einmal in der Woche gehe ich meinem Sport nach und ab und an mal Wellness o.a. ist auch drin. Meistens organisiere ich mir das aber so, dass dann wer anders unsere Tochter übernimmt. Auch Paarzeit versuche ich zu organisieren, das scheitert aber häufig am fehlenden Elan meines Mannes.


    Das mit dem Ausstrahlen der Laune auf den Rest versuche ich seit Monaten. Wenn das aber so gar nicht ankommt, ist das sehr frustrierend. Bei Depression/Burnout reicht es eben nicht, gute Laune zu verbreiten.