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    ich verstehe deine Aufforderung nicht. Wie soll ich die Situation ansehen, verstehen und ertragen?

    Ehrlich gesagt war das flott geschrieben, aber schwer getan.


    Also, ich versuche einmal, mich an das Thema heranzutasten. Du würdest gerne Deinen Partner zu einer Therapie bewegen. Warum? Wie ist es jetzt? Wie wäre es, wenn es immer so bleibt?


    Das ist es, was es anzusehen und zu ertragen gibt (wie auch immer Deine Antwort konkret aussieht).

    @ mond+Sterne:

    Dann müsste ich dauerhaft mit jemandem zusammenleben, der überwiegend schlecht gelaunt ist und nichts im Leben genießen kann. Der nie zufrieden ist mit dem, was er hat, sondern immer nur darauf schaut, was er nicht hat/was nicht klappt/... Ich müsste dauerhaft mit jemandem zusammen leben, für den ich viel zu viel Verantwortung übernehme, dem ich total viel abnehme, bei dem ich selbst aber keine Probleme abladen kann, der mir nur ganz selten etwas abnimmt, wenn es mir mal zu viel wird. Ich tue gern etwas für meinen Partner und ich nehme ihm gern etwas ab, helfe ihm in stressigen Zeiten, usw. Aber es sollte ein Gleichgewicht herrschen - nicht in dem Sinne, dass ich alles aufrechnen will, was man füreinander tut. Aber wenn ich mal fertig/gestresst/schlecht gelaunt/... bin, dann hätte ich gern einen Partner, der mir auch etwas abnimmt, etwas nettes für mich macht oder mich irgendwo entlastet. So war es früher bei uns und ich möchte, dass es wieder so wird.

    Liebe Manirca,


    Ich habe das Gefühl, dass Du Dich in einer Sackgasse befindest. Offensichtlich ist Dein Partner so in einer Depression festgefahren, dass sein Horizont sehr eingeengt ist. Damit meine ich, dass er nur noch wenig Empathie zeigen kann und nicht wirklich realisiert, wie dreckig es Dir dabei geht.


    Ich befürchte, dass alle Versuche Deinerseits ihn zum Handeln zu bewegen nichts bringen. Im Gegenteil, er fühlt sich wahrscheinlich bedrängt und geht eher noch in eine Abwehrhaltung.


    Du kannst ihn momentan nicht ändern, deshalb musst Du etwas für Dich tun. Sport, Wellness usw. Sind kleine Auszeiten für Dich, doch die Wirkung ist wahrscheinlich schnell verpufft, wenn Du in die Situation zu Hause zurückkehrst.


    Ohne professionelle Hilfe wird es wahrscheinlich nicht funktionieren und wenn Dein Partner abblockt, dann solltest Du diese Hilfe in Anspruch nehmen. Zum einen gibt es Dir mehr Kraft mit der Situation umzugehen, zum anderen kannst Du Dir professionelle Tipps geben lassen, wie Du es vielleicht doch schaffst, Deinen Partner auf den richtigen Weg zu bringen.


    Mit Bevormundung hat das für mich nichts zu tun. Dein Partner braucht Unterstützung von außen, sonst wird er aus diesem Tief nicht mehr herauskommen. Du versuchst es wahrscheinlich ioft mit Geduld und lieben Worten, wirst aber auch genauso oft an Deine Grenzen kommen, wo Wut und Verzweiflung überwiegen... letztendlich bleibt alles an Dir hängen und Du musst zusehen, wie ein geliebter Mensch immer tiefer fällt.


    Deshalb - hol Dir professionellen Rat !!!


    Ich möchte nicht in Deiner Haut stecken und finde es bewundernswert, wie Du das bis jetzt alles gemeistert hast und trotzdem noch bereit dazu bist, Dich selbstkritisch in Deinen Handlungen zu betrachten.


    Ich wünsche Dir weiter viel Kraft😊

    Danke für deine Worte, Xenia. Tatsächlich merke ich grade, wie gut der Austausch mir in diesem Forum schon tut. Vielleicht ist eine professionelle Hilfe für mich tatsächlich auch nicht die schlechteste Idee. Ich habe Mitte Januar sowieso einen Termin bei meinem Hausarzt, einfach zm Grundcheck-Up. Da werde ich das einmal ansprechen und mir eine entsprechende Überweisung holen.


    Ich hoffe zwar sehr, dass die Stundenreduzierung meines Mannes doch etwas bringt, aber in meinem Innersten glaube ich, dass es eine Entlastung bringt, ihn aber nicht rausbringt aus dem Sumpf der negativen Einstellung und der Tatenlosigkeit. Und da ja Termine bei Psychologen oft nicht von heute auf morgen realisierbar sind (ist ja kein Notfall), kann es eigentlich nicht schaden, sich jetzt schon mal darum zu kümmern. Ich danke euch sehr für diesen Vorschlag und frage mich grade, wieso ich auf die Idee eigentlich nicht selbst gekommen bin. Vielleicht finde ich auch eine Gruppe von Angehörigen mit solchen Problemen.

    Zitat

    Tatsächlich merke ich grade, wie gut der Austausch mir in diesem Forum schon tut.

    Also, von mir aus kannst Du hier gerne mehr schreiben, weil es mich auch noch beschäftigt.


    Ich sehe da zum einen ein kommunikatives Missverständnis zwischen Dir und Deinem Partner. Um das aufzuklären, müsstet ihr miteinander reden.


    Nur das ist in der augenblicklichen Situation gar nicht so einfach. Alles, was Du bisher angesprochen hast, blockt er ab.


    :)D

    Ein frohes neues erst mal!


    Ich werde hier tatsächlich ab und an mal schreiben, wie der Stand ist (zumindest nehme ich mir das vor). Eure klaren Worte, doch auch mal wieder mehr an mich zu denken, haben mich ein bisschen wachgerüttelt. So habe ich diese Woche, in der ich noch Urlaub habe, gleich mal für mich durchgeplant, was ich halt so schaffen und machen möchte. Glatte zwei Mal Sport, einmal einen Wellnesstag und einen Partnerabend mit Kino und vorher Essen gehen sind angesetzt. Sporteln war ich heute auch schon. Meinen Mann hab ich nicht groß gefragt, sondern ihm gesagt, was ich gern wann machen will, wo ich eine andere Betreuung für die Kleine habe und wo er dran ist.


    Ich hab mich eine Weile davor gescheut, alles immer so durchzuplanen, aber mit Kind muss das einfach sein, wenn man Kind, Arbeit, Haushalt und eben auch mal Freizeit unterbringen will. Der Haken daran: Ich plane jetzt eben wieder alles, was wann wo läuft, und da kann er sich natürlich bequem dranhängen... Allerdings werde ich dann nicht zulassen, dass er sich ausmahlt, wenn etwas nicht so läuft, wie er sich das gerade vorstellt. Er kann ja gerne mitplanen, sagen, was er möchte, was noch ansteht, usw. Wenn er das nicht macht oder sich seine Pläne halbtäglich ändern (wegen seiner Stimungsschwankungen), kann ich das nicht ändern. Ich habe zulange versucht, in unsere Tagespläne seine Stimmungschwankungen mit einzubauen und dann immer alles wieder umgeplant. So hab ich gar nichts mehr geschafft (er auch nicht und wir zusammen schon gar nicht) und das hat mir die Kraft geraubt. Ich bin ein Mensch, dem eher von Lethargie die Kraft geraubt wird als von zu vielen Unternehmungen.

    Die Tatsache, dass sich der Berg Arbeit irgendwie nie richtig abarbeitet. Für alles, was man erledigt hat, kommen gefühlt zwei neue Dinge auf den Tisch. Gepaart mit dem Umstand, dass er nun selbst für das Einteilen seiner Arbeit verantwortlich ist, kann er mit dieser Freiheit nicht gut umgehen. Er konnte früher Stress im Job gut ab, aber da war klar, dass bspw. um 17h Schluss war. Und hat er Überstunden gemacht, ging das eben aufs Stundenkonto oder wurde ausbezahlt. Das ist jetzt anders...

    Ja, hauptsächlich bezogen auf seine Erwerbstätigkeit. Natürlich gibt es auch zu Hause viel Arbeiten (Haushalt, Reparaturen, kleine Projekte). Da haben wir es aber in der Hand, auch mal was liegen zu lassen und da macht man die Dinge ja eben auch direkt für sich selbst.


    Er selbst ist auch der Meinung, dass es vor allem die Arbeit ist, die ihn so lähmt. Deshalb jetzt auch die Reduzierung seiner Stundenzahl zum Februar, die er auch selbst beschlossen hat. Natürlich haben wir gemeinsam drüber gesprochen und ich habe ihm gesagt, dass ich das gut finde - aber da habe ich ihm klipp und klar gesagt, dass er diese Entscheidung selbst treffen muss. Denn er hat dran zu knabbern, dass er quasi nicht so belastbar ist, diesen Job in Vollzeit zu leisten (im Moment). Aber er weiß auch, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Mal sehen, ob wir dann mit weniger beruflichem Stress das private besser hinbekommen. Ich hoffe es sehr, aber ich weiß eben auch, wie tief er an einigen Dingen zu knabbern hat.

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    Ich hoffe es sehr, aber ich weiß eben auch, wie tief er an einigen Dingen zu knabbern hat.

    Woran hat er Deiner Ansicht nach tief zu knabbern?


    Ich schreib mal was dazu, woran er meiner Ansicht nach sehr zu knabbern hat. Dein Mann/Partner hat etwas Großartiges geleistet. Er hat sich aus dem sozialen Millieau herausgearbeitet, in das er hineingeboren wurde. Für ihn war es nicht einfach, sein Studium erfolgreich abzuschließen, weil es in seiner Familie nicht üblich ist zu studieren. Er ist dafür auf Unverständnis gestoßen und musste Kritik einstecken, weil es lange dauerte, bis er auf diesem Wege richtiges Geld verdient.


    Die Anerkennung für seine Leistung blieb ihm bisher leider versagt.


    Ich an seiner Stelle hätte daran sehr zu knabbsen. Das wäre für mich persönlich demotivierend und kräfteraubend. Es steht die Frage im Raum: Wofür habe ich das alles gemacht?


    Die Antwort, jetzt, hier und heute, lautet knallhart: Für die Katz.

    Es tut mir leid, aber bin ich die Einzige, für die sich das alles sehr lieblos liest? ":/


    Es wird hier in Textform immer wieder auf dem Partner rumgehackt, mit dem gleichzeitigen Wissen bzw Befürchtung von BurnOut/Depression....


    Wenn dem wirklich so ist, sollte man sich vielleicht vor Augen führen, was so eine Depression/BurnOut mit einem macht!


    Da IST jedes kleinste bisschen zuviel und da kann man den ganzen Tag frei haben und bei der nächsten kleinsten Aufgabe trotzdem das Gefühl haben vor einem unüberwindbaren Berg zu stehen!


    Und eine Partnerin, die immer wieder sagt "Lass dir helfen/geh mal zum Arzt/Psychodoc" ist da alles andere als hilfreich, es setzt noch mehr unter Druck und macht das ganze eher noch schlimmer!


    Weißt du warum er alles abblockt?


    Glaubt er denn selbst überhaupt, dass er eine Depression/BurnOut hat?


    Hast du ihm mal angeboten MIT ihm zum Arzt zu gehen/ihm dabei zu helfen?


    Oftmals ist der Gang zum Arzt mit dem Wissen ein Problem zu haben nämlich die größte Hürde!

    Zitat

    Es tut mir leid, aber bin ich die Einzige, für die sich das alles sehr lieblos liest? ":/

    Ja. ;-) Guck mal ins Suchtforum. Da findest Du unzählige Diskussionen von Frauen, die mit Alkohol/Drogenabhängigen zusammen sind. Dort lese ich bisweilen Dinge, bei denen ich denke, ich habe andere Vorstellungen von Liebe als jene Frauen.


    Hier geht es für meinen Geschmack auffällig moderat zu.

    @ Mittern8cht:

    Lieblos von mir oder von anderen Schreibern? Und hacke ich deiner Empfindung nach auf ihm herum oder andere?


    Gerade weil ich glaube, dass es etwas Richtung Burnout/Depression ist, ertrage ich sein Verhalten und versuche, ihn zu unterstützen, wo ich nur kann. Wäre das sein normales Verhalten als wir uns kennenlernten, dann wäre ich nicht mehr mit ihm zusammen. Aber weil ich ihn liebe und mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen will und weil ich der festen Überzeugung bin, dass sein Verhalten eben durch eine Krankheit beeinflusst wird, kämpfe ich und versuche, für uns alle etwas zu verbessern.


    Ich sage ihm aber nicht täglich, dass er zum Arzt gehen soll. Aber in mehreren Situationen (sowohl als es ihm akut schlecht ging als auch in vernünftigen Gesprächen über die Situation) habe ich meine Befürchtung geäußert, dass er professionelle Hilfe bräuchte. Und ich habe ihm angeboten, zusammen zum Arzt zu gehen. Aber das hat er immer abgelehnt, weil er psychologische Hilfe (selbst Erstgespräche) nicht mit seine, Ego vereinbaren kann. Das hat er auch tatsächlich schon so gesagt.

    @ mond+Sterne:

    Ja, tatsächlich kann das sein. Ich habe ihm oft gesagt, wie stolz ich auf ihn bin und auch in meiner Familie hört er das oft. Vielleicht macht es das aber manchmal auch schlimmer. Seine Eltern sagen zwar, dass sie stolz auf ihn sind (aber jeweils nur nach bestandenen Prüfungszeugnissen) - ihre Äußerungen in vielen Gesprächen ließen aber eher Unverständnis für die Belastungen eines Studiums und für die Belastungen einer Arbeit mit viel Verantwortung und viel eigenständigen Entscheidungen erkennen. Daher kann er wohl wirklich nicht richtig glauben, dass sie stolz auf ihn sind. Aber hier zum Beispiel weiß ich auch nicht, wie ich ihm helfen könnte. Ich kann die Ansichten und das Verhalten seiner Eltern nicht ändern.