Dich an den sozialpsychiatrischen Dienst in deiner Stadt zu wenden und denen die Situation zu schildern, könnte dich auch entlasten.


    Möchtest du dein restliches Leben bzw. die nächsten 5, 10, 15, 20 ... Jahre mit jemanden zusammen bleiben müssen, mit dem du nicht zusammenbleiben möchtest, weil der dich mit seiner Suiziddrohung dazu erpresst?


    Vielleicht kannst du mal für dich ergründen, warum du dich überhaupt derart verantwortlich und schuldig für seine Lebensentscheidungen fühlst. Er ist ein erwachsener und selbstverantwortlicher Mensch, der dich erpresst, obwohl es für ihn - wenn er wirklich so verzweifelt sein sollte - genug Möglichkeiten geben würde, sich Hilfe für sein Leben zu suchen. Stattdessen greift er lieber auf mieseste Weise auf dich zu. Blöd gesagt: Was "gibt" dir das, wenn du ihm seine Verantwortung abnimmst?

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    Muss mal überlegen, ob ich es mir so einfach machen kann, indem ich sage: Fachleute haben's beurteilt, dann bin ich raus.

    Wieso leicht machen? Du hast es dir bereits über Jahre nicht leicht gemacht und bist in einer erpresserischen Beziehung verblieben. Zum einen aus der Angst heraus, dass er es wahr machen könnte, zum anderen weil du Angst hast, dich nicht von deinem irrationalen Schuldgefühl lösen zu können. Es fällt beileibe nicht immer leicht, die eigene Verantwortung wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. In deinem Fall hieße das, die Behörden einzuschalten. Und auch die gehen in der Beurteilung der Situation nicht leichtfertig vor, sondern prüfen nach ihren Möglichkeiten und unter Einhaltung der Gesetze die Sachlage. Und auch für die Behörde gilt: Es kann nicht dem geholfen werden, der die Hilfe verweigert (z. B. aktives Verschweigen suizidaler Absichten).

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    Emotional bin ich's nämlich nicht, denn ich habe schließlich schon entschieden zu alldem beigetragen

    Wie meinst du das? Dazu beigetragen? Hast du ihn während eurer Beziehung emotional fertig gemacht oder Einfluss auf sein Umfeld genommen und ihn dadurch systematisch isoliert, so dass er nur noch dich hatte? Hast du in irgendeiner Weise seine seelische Instabilität für deine Zwecke ausgenutzt?


    Oder siehst du deinen Anteil darin, dass er nun "deinetwegen" in dieser Schieflage ist? Weil du, völlig normal in dieser Welt, dich gegen die Fortführung einer Beziehung entscheiden willst? Und wenn er nun nicht mit dir, sondern mit einer Martina, Susanne, Erika oder sonstwem zusammen gekommen wäre, würde wenigstens eine dieser Frauen genau in der selben Situation sein wie du. Und warum? Weil sie mit ihm zusammen wäre. Weil es seine Gangart ist.


    Welche Verantwortung, außer der oben angesprochenen, willst du noch für ihn übernehmen? Dieser Mann hat Jahrzehnte, bevor er dich kennenlernte, sein Leben gelebt und seine Entscheidungen getroffen. Er hatte zig Möglichkeiten, sich eigenverantwortlich aus seinem Abhängigkeitsmuster u. a. zu befreien. Hat er aber offensichtlich nicht getan. Anstatt an sich zu arbeiten, diese schwierigen Prozesse zu durchleben und somit ein weitestgehend emotional gefestigtes Leben zu führen, entscheidet er sich für den Verbleib in seiner (vermeintlichen) Opfer-Position, lehnt weiterhin hartnäckig jede Hilfe von außen ab und greift zur Erpressung.


    Du kannst dir nie sicher sein, dass er trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nicht doch den Freitod wählt. Somit gibt es doch noch eine Verantwortung, die du unbedingt übernehmen solltest: Die für dich selbst. Suche dir Hilfe für dich, damit du nicht immer tiefer in diese Schuldgefühl-Spirale gerätst. Das ist etwas, was nur mit dir zu tun hat, völlig unabhängig von ihm. Denn würde dir ein Thomas, Peter, Reiner usw. genauso das Messer auf die Brust setzen, wärst du wieder in diesem Dilemma.


    Wie viel musst du von dir selber aufgeben, um deine eigene moralische Meßlatte zu erfüllen, um dann endlich ohne Schuldgefühle loslassen zu können? :-/

    Nach meiner Erfahrung:


    ich würde eiskalt sagen: Mach' doch. Du hast ihm bestimmt 1000x versichert, dass er jederzeit mit Dir reden kann und dass Du ihm hilfst, wo Du kannst. Aber wenn sich jemand töten will, dann hält ihn nichts ab, ob angekündigt oder nicht. Nichts, was DU machen könntest, könnte ihn dann aufhalten.


    Zweitens ist es eine Frechheit, Dir diese Illusion der Verantwortlichkeit aufzudrücken - denn wie gesagt:


    wenn er es wirklich will, kannst Du eh nichts machen, außer ihn 24 Stunden einzusperren.


    Wir haben das in der nahen FAmilie erlebt, dass sich jemand umgebracht und von den Kindern hat finden lassen. Es war der wiederholte Versuch gewesen, einer hat dann mal geklappt. Klar stand da schnell die Schuldfrage im Raum, aber ehrlich - ich war/bin einfach nur sauer auf diese Person. Es hätte nicht sein müssen, es war ihre Entscheidung, wie bei Deinem Partner. Dann muss derjenige auch mit seiner Entscheidung leben - oder in dem Falle dann halt nicht.

    Sauer könnte ich nicht sein, denn derjenige ist zu diesem Zeitpunkt und wahrscheinlich auch viel früher schon, nicht im Vollbesitz seiner geistig-seelischen Kräfte. Aber mich ein Stück weit in ihn hineinzuversetzen, das versuche ich, in seine zweifellos vorhandene Ausweglosigkeit ... für denjenigen IST die Lage ausweglos, sonst würde sie nicht seinen Selbsterhaltungstrieb ausschalten können.


    Aber einem anderen, wenn der sein Bestes getan hat, die Verantwortung zuzuschanzen, das geht einfach nicht.

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    Nach meiner Erfahrung:


    ich würde eiskalt sagen: Mach' doch.

    Das wäre auch mein erster Gedanke, wenn mir jemand so käme wie er ihr kommt. Und mehr als im Akutfall die Polizei zu verständigen, würde ich nicht tun wollen, wenn jemand meint mit so einem hohen Pokereinsatz gegen den anderen spielen zu müssen.


    ... Aber es reagiert jeder anders auf sowas und die TE macht sich bereits jetzt einen Kopf darum; ich denke nicht, dass sie dazu "Mach doch" sagen kann ohne sich schuldig zu fühlen. Zumal, wenn er sich dann tatsächlich umbringen sollte.


    (Persönlich fände ich das irgendwo offen gesagt interessant auf anderer Ebene: Ob derjenige bereit ist, seine Drohung wahr zu machen oder nur geblufft hat. Zumal in meinen Augen er so oder so von vorneherein der Verlierer ist, wenn er mit seinem eigenen Suizid droht (eine eigentlich lächerliche Drohung) und insofern fände ich persönlich es in der Konstellation einfach, mich nicht erpressen zu lassen. Ist einfach kein taugliches Druckmittel, aber es hat ja jeder andere Schwächen, mit denen er erpressbar ist (potentiell).)

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    Klingt hart, aber Selbstmordandrohungen gehen bei mir mittlerweile da rein und da raus.

    Geht mir auch so, mich würde das überhaupt nicht beeinflussen, bei ihm zu bleiben. Eher ganz im Gegenteil, es würde mich noch schneller und gründlicher von ihm forttreiben. Ich finde es furchtbar, so emotional sich abhängig machen.


    Und manipulativ ist das auch, selbst wenn Verzweiflung dahinter steckt, es ist so. Und lieblos obendrein.

    Ex.

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    Meine Frage ist einfach: Welche bzw. wie viel Verantwortung trage ich, wenn er es wirklich durchzieht? Denn ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass er es tut, wenn ich mich trenne und dass ich ihn nicht davon abhalten können werde. Und auch wenn ich nicht Schuld im eigentlich Sinne bin, so doch zumindest der Auslöser.

    Das ist Deine Entscheidung, wofür Du meinst die Verantwortung zu tragen.

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    Ja, das schon, aber das weiß eben nur ich und er wird einen Teufel tun, das irgendwem gegenüber zu bestätigen.

    Auch hier hängt es davon ab, was Du unter Hilfe verstehst, welche Kompetenz Du hast, Hilfe zu leisten, etc.


    Allerdings meinst Du hier etwas zu wissen und ich sehe das anders. Du hast eine Überzeugung, aber das ist nur eine von mehrere Möglichkeiten, wie er sich verhalten könnte. Du ziehst hier nur eine in Erwägung und darauf stimmst Du nun wohl seit langem Dein eigenes Verhalten ab, sprich, Du machst Dein Verhalten und Dich von seinen Aussagen abhängig, was zur Folge hat, dass Du Dein Leben mehr oder minder "anhälst", wenn Du Dich weiterhin erpressen lässt.

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    Ja, ist es. Aus Verzweiflung. Nicht aus Böswilligkeit. Aber klar, es geht (auch) auf meine Kosten. Das sieht er aber nicht (mehr). Er hat einfach nur noch Angst, alles zu verlieren. Auch irgendwie verständlich.

    Sicher ist es verständlich und nachvollziehbar. Das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, diese Denkweise auf das eigene Leben zu übernehmen bzw. die eigene davon abhängig zu machen. Deine Abhängigkeit ist Deine Entscheidung und die hast Du vorerst einmal so getroffen. Er macht sich und seine Handlungen scheinbar sehr von Dir abhängig. Ob Du in Deiner Abhängigkeit bleibst, ist Deine Entscheidung.


    Für mich sind da die Situationen auch vergleichbar – niemand kann Dir "einreden", dass Du Deine Einstellung bezüglich Deiner Verantwortung ändern sollst, genauso kann niemand ihm einreden, dass er seine Ändern soll. Genauso ist es die persönliche Entscheidung die eigene Einstellung zu ändern bzw. zu öffnen. Er ist doch nicht daran "Schuld", wie es Dir heute geht, genausowenig wie Du daran "Schuld" bist, wie es ihm geht.

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    Ich will in erster Linie nichts FALSCHES tun. Darum geht es mir. Ich will doch auch, dass ihm geholfen wird, aber ich weiß, dass einem nur geholfen werden kann, wenn man es zulässt. Und im Zweifelsfall habe ich nur einen Versuch. Wenn der nach hinten losgeht, dann muss ich am Ende mit der "Schuld" leben.

    Ja, wenn Du da eine Schuld bei Dir siehst, dann ja. Ansonsten musst Du mit keiner Schuld leben. Es geht Dir darum nichts Falsches zu tun, aber die Bewertung triffst doch Du, was für Dich richtig und falsch ist. Auch das ist doch unterschiedlich, wie es Menschen nun einmal sind.

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    Solange ich bei ihm bin und bleibe, passiert ja erstmal nichts. Wenn ich jetzt aber sowas anleiere, mit Polizei etc., versetze ich ihn evtl. in einen emotionalen Ausnahmezustand, der fatale Folgen haben kann. Natürlich kann ich nicht 100%ig vorhersehen, wie er reagiert. Ich weiß nur, dass er unter keinen Umständen in die Psychiatrie möchte. Ich habe ja schon allerhand versucht im "Guten" in den letzten Jahren. Vorschlag Einzeltherapie, Paartherapie, etc. Nichts zu machen. Ich kenne seine Einstellung zu alldem.

    Wow, welche Macht Du Dir da zuschreibst. Also ich kann niemanden in irgendeinen Zustand versetzten. Das macht schon jeder für sich. Die einzige Entscheidung, die ich habe ist, in welchen Zustand ich mich versetze. Ich würde diesen Gedankenzusammenhängen auf den Grund gehen. Sie sind mir durchaus selbst von früher von mir selbst bekannt. Ich meine es also nicht ironisch, wenn ich schreibe, welche Macht Du Dir zuschreibt. Es geht mir da um die Bewusstmachung der Worte und Inhalte, die in diesem Absatz stehen.

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    Klar, wenn ich es nicht mehr aushalte und wirklich gehe, dann werde ich im Zweifelsfall entsprechende Schritte einleiten. Also zumindest dafür sorgen, dass ihm Hilfe angeboten wird. Aber wenn er sie nicht annehmen möchte und entsprechend vorgeht, dann ist es alles andere als leicht, ihn gegen seinen Willen einweisen zu lassen.

    Fände ich jetzt auch übergriffig, jemanden gegen seinen Willen einweisen zu lassen. Das ist schon gut, dass das auch gesetzlich geregelt ist. Es liegt an ihm Hilfe anzunehmen oder es zu lassen. Es ist seine Entscheidung, falls er tatsächlich Selbstmord begehen will. Ich finde auch das eine legitime Entscheidung. Aber dann soll das jemand entscheiden und es tun und nicht andere damit zu erpressen versuchen. Ob es da jemanden gibt, der sich erpressen lässt, ist wieder nicht seine Verantwortung, sondern in diesem Fall Deine eigene.

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    Das schon, nur gehört dazu eben mehr, als nur eine "Ex", die behauptet, er sei gefährdet. Und selbst wenn, dann wird er eben 24h beobachtet. Kann er dann glaubhaft machen, dass er nicht vorhat, sich das Leben zu nehmen, dann darf er wieder gehen. Und dann hält ihn niemand mehr auf.

    Ja und mehr kannst Du da schlichtweg nicht machen. Ich würde auch nicht wollen, dass Dritte da mehr machen können.


    Aber ein paar Gedanken zum Thema Helfen: Wie helfe ich richtig?


    http://www.med1.de/Forum/Psychologie/134511/#p1371290

    Zitat

    Daher meine Frage, in erster Linie: Was, wenn er es tut. Wie kann ich damit leben.

    So, wie Du es entscheidest, so lebst Du. Du verschiebst ja die Verantwortung, ob Du zufrieden und glücklich leben kannst, ja genauso auf ihn, wie er "sein Leben" auf Dich, mit dem Ziel ein Verhalten vom anderen zu (erzwingen) zu wollen, wie er sich schlichtweg nicht verhält. Ich sehe da das selbe Musterverhalten.

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    Muss mal überlegen, ob ich es mir so einfach machen kann, indem ich sage: Fachleute haben's beurteilt, dann bin ich raus. Emotional bin ich's nämlich nicht, denn ich habe schließlich schon entschieden zu alldem beigetragen.

    Gibt es ein Problem mit "einfach"? Ich habe da sowieso oft den Eindruck, dass das bei vielen negativ behaftet ist und als Vorwurf gemeint ist.


    Erstens habe ich nicht den Eindruck, dass Du es Dir besonders einfach machst bzw. einfach gemacht hast, wobei da wohl jeder seine eigene Definition hat, was nun einfach ist oder nicht. Aber willst Du es Dir denn "schwer" machen? Ist es Dein Ziel? Ist es das Erstrebenswerte für Dich? Das Gute? Einfach=schlecht, schwer=gut?


    Die Frage ist doch "einfach": Um wen geht es Dir und wer ist Dir wichtig, wenn es keine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gibt? Um Dich oder um Ihn? Was ist Dir wichtig und was ist für Dich richtig?

    Ich bin in derselben Situation wie du. Mein Partner hat Depressionen und droht, wenn es ihm schlecht geht, damit, sich umzubringen, wenn ich ihn verlassen würde. Meine Liebe zu ihm ist schon länger erloschen, was mich hält ist Mitleid, Treue, Gewohnheit, Angst vor den Folgen und wie ich zugestehen muss, zuweilen auch Feigheit.


    Mein Partner hat diese Aussage schon vor ein paar Jahren gemacht: Damals wusste ich überhaupt nicht, wie damit umgehen. Mittlerweile habe ich ihm klar gemacht, dass er mich ja genauso verlassen will, wenn er sich umbringt. Und zweitens habe ich ihm auch gesagt, dass ich mich nicht erpressen lasse, bei ihm zu bleiben.


    In der letzten ZEit hat er seine Aussage "abgeschwächt", indem er sagt, er wisse nicht, was aus ihm werde, wenn ich gehe, er könne für nichts garantieren. Er betont stets, wie sehr er mich braucht und sein Leben keinen SInn hat ohne mich.


    Mein Alltag sieht so aus, dass ich ständig hin- und hergerissen bin, soll ich bleiben oder gehen. Es gibt Tage, da kann ich die Frage verdrängen, aber oftmals kreisen meine Gedanken darum, wie ich eine Trennung verantwortungsbewusst durchziehen kann. Ab und zu glaube ich eine Lösung gefunden zu haben, die ich dann am nächsten Morgen bereits wieder über den Haufen werfe. Dies kostet alles sehr viel Kraft.


    Zur Zwangseinweisung: Ich weiss, dass Zwangseinweisungen nur als ultima ratio angewendet werden, v.a. bei Fremdgefährdungen. Bei Selbstgefährdung: Es ist nicht illegal, sich umzubringen (so menschenverachtend das auch klingt). Die Entscheidungsfreiheit liegt beim Individuum, ob es sich einweisen und helfen lassen will oder ob es den Weg des Suizids gehen will.

    Dein Partner erpresst Dich. Ich würde mir das nicht gefallen lassen. Ich würde ihm knallhart sagen ,


    dass er eben Suizid begehen soll, wenn er das unbedingt möchte.


    Ich war auch schon in solch einer Situation. Mein damaliger Freund lebt heute noch.