Wir brauchen gar nicht darüber spekulieren, ob die Gefahr besteht, dass sich seine Aggressionen irgendwann auch gegen das Kind richten - für ein Kind ist es extrem traumatisch und schädlich, solche Anfälle /Ausraster mitzuerleben, auch wenn es niemals Ziel ist oder körperich etwas abbekommt. Und dass dein Sohn das bald mitbekommen wird, wie er gegen dich wütet, ist sicher - das lässt sich nicht vermeiden, wenn man in einem Haushalt lebt.


    Insofern muss ganz dringend etwas passieren, um Schaden von eurem Kind abzuwenden (und natürlich auch, um dich zu schützen, aber das ist für viele Frauen leider kein ausreichender Grund zu handeln). Seine "Lösung" ist keine, das weißt du selbst - einerseits ist es hochgradig unfair, dir die Verantwortung zur Vermeidung seiner rasenden Wut zuzuschieben und aufzubürden, andererseits nimmt dir das jede Möglichkeit, Probleme anzusprechen und zu diskutieren. Da bleibt dann ja nur noch "alles runterschlucken" und das ist sicherlich genauso wenig eine tragfähige Zuunft für eine Beziehung wie diese krassen Wutanfälle.


    Ich kann deinen Partner verstehen, es ist durchaus realistisch, dass er eine Weile als Vater und Partner ausfällt, wenn er sich entscheidet, das Problem mit professioneller Hilfe anzugehen. Schon deshalb, weil eine stationäre Therapie in aller Regel weit wirksamer ist als ambulante Maßnahmen. Und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht bei Problemen dieses Ausmaßes. Ich bin nicht übermäßig optimistisch, dass man da überhaupt etwas durchgrefendes dran ändern kann, aber einen Versuch (oder mehrere) Versuche mit Therapie ist es wohl wert. Umso wichtger ist es aber, dass er die Sache sofort angeht. Es ist sowieso unvermeidlich, wenn er will, dass euer Sohn mit ihm als Vater aufwächst - wenn ich unterstelle, dass du so verantantwortlich bist zum Schutzes deines Kindes zu gehen, wenn sich nichts ändert. Und es wird dauern. Einerseits, weil ein Problem solchen Ausmaßes nicht durch 10 Therapiestunden "heilt". Andererseits, weil es es dauert, den richtigen Therapeuten und die richtige Therapieform zu finden, und weil alle Wartezeiten haben. Und weil möglicherweise die erste Therapie nicht die richtige ist und es einen zweiten oder dritten Anlauf braucht.


    Worauf wartet er also? Darauf, dass euer Kind älter wird und traumatisiert wird, wenn er erleben muss, dass sein Vater wütet und die Mutter sich voller Angst in Sicherheit bringen muss? Lass es nicht zu, dass er dich vertröstet. Es muss was passieren, und zwar schnell. Das wird alles noch lange genug dauern und schwierig genug werden.

    Zitat

    Mit intakte Familie meinte ich per Definition einfach die klassische Konstellation der gemeinsam lebenden Eltern mit dem Kind. Ohne eine Aussage über die "Wertigkeit", "Qualität" ":/ oder Problematiken derselben zu treffen.

    "Intakte Familie" heißt für mich, dass sich alle in dieser Familie zusammenlebenden Menschen liebhaben, sich achten, sich respektieren, sich in allen Eigenarten akzeptieren. Und da ist es völlig egal, in welcher Konstellation das stattfindet.


    Das heißt aber auch, dass man in einer intakten Familie auch mal dumme Sprüche und unbedachte Anmerkungen äußern kann, ohne Angst haben zu müssen, dass ein anderes Familienmitglied komplett freidreht, ausrastet, brüllt, mit Sachen schmeißt, körperlich bedrohlich wird.


    In dem Moment, wo andere Mitglieder der Familie ihr eigenes Verhalten runterregeln müssen, wenn man stets auf der Hut sein muss, wenn man aufpassen muss, um den Brüllaffen nicht zu reizen, ist gar nichts mehr intakt.


    Dann hat der Choleriker gewonnen. Und, herrlich, er hat auch noch die Verantwortung für sein eigenes Verhalten an dich abgegeben, der Gute! Will heißen, beim nächsten Mal, wenn was kaputt geht, bist du Schuld, weil du die Bedrohung nicht rechtzeitig erkannt und abgewendet hast? Well done. >:(


    Sheilagh, dass dir das Bild, was du nach außen ablieferst, sehr wichtig ist, hast du hier in den letzten Jahren ziemlich deutlich gemacht. Eine Trennung oder auch nur sowas wie klare Ansagen an deinen Partner brächten sehr viel Ungemütlichkeit in dein Reihenhaussiedlungsdasein.


    Aber du wirst dich da echt bewegen müssen, wenn du nicht für die nächsten Jahrzehnte ununterbrochen zwischen deinem Partner und der restlichen Welt filtern möchtest.


    Ihr seid ja nun beide nicht ganz blöd, rede mit ihm, er muss das ändern.

    Mir fällt es wirklich schwer nachzuvollziehen wie jemand der sich so gewählt ausdrücken kann körperliche Gewalt in der Beziehung toleriert. Ich dachte bislang immer, dass sowas eher ein Unterschichten-Problem sei. Fäden wie dieser hier Beweisen das Gegenteil.


    Im Grunde kann man aber das ganze Thema "Wie kannst du sowas nur tolerieren" auf eine einzige logische Formel herunterbrechen: Der Mensch akzeptiert und toleriert das, was er aus der Kindheit gewohnt ist und was er tief drinnen von sich selbst denkt.


    Ein Mensch der als Kind gelernt hat, er ist ein nichts, unfähig, dumm und schlecht, wir genau so einen Partner später suchen und akzeptieren. Er wird zwar auch leiden, aber wird nicht das Selbstbewusssein zu haben, an anderes Verhalten von seinem Partner zu verlangen oder sich einen Partner zu suchen, der ihn anders behandelt. Der Partner bestätigt mit seinem respektlosen Verhalten das eigene Selbstbild: Ich verdiene es, ab und zu eine gelangt zu kriegen.


    Jemand, der als Kind ein gesundes Selbstwertgefühl vermittelt bekommen hat und weiß, das er wertvoll und gut ist, und es verdienst hat, respektvoll behandelt zu werden, gerät selten an den Choleriker, Schläger, Säufer oder ähnliches. Er sucht sich unterbewusst jemanden, der sein gesundes Selbstbildbestätigt: Du bist ein guter, wertvoller Mensch.


    Ich glaube daher nicht daran, dass Frauen zufällig an solche Männer geraten.

    Zitat

    Ich dachte bislang immer, dass sowas eher ein Unterschichten-Problem sei. Fäden wie dieser hier Beweisen das Gegenteil.

    Was man so hört, ist es mitnichten ein Unterschichtenproblem. Dieser Faden beweist meiner Meinnung nach aber dennoch nichts in diese Richtung.

    Sehe ich im Grunde genauso:


    So wie wir uns selbst lieben, lehren wir die anderen uns zu lieben.

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    Ein Mensch der als Kind gelernt hat, er ist ein nichts, unfähig, dumm und schlecht, wir genau so einen Partner später suchen und akzeptieren. Er wird zwar auch leiden, aber wird nicht das Selbstbewusssein zu haben, an anderes Verhalten von seinem Partner zu verlangen oder sich einen Partner zu suchen, der ihn anders behandelt.

    Quatsch. Die Tendenz ist schon da, ja, aber so einfach ist die Rechnung nicht, und Menschen können sich sehr wohl aus diversen Sümpfen befreien oder auch in welche hineingeraten.

    Alle 8 Wochen, also 6 mal im Jahr kommt so ein Anfall.


    Das ist zwar schlimm, aber noch überschaubar.


    Therapie würde ich für den Partner auch unbedingt in Betracht ziehen, und bis sich dahingehend etwas tut, halt ein Notprogramm schaffen, wie man diese Anfälle am besten abwendet oder kanalisiert.


    Schlagen finde ich zwar auch unverzeihlich, aber vom Gesamtbild her, scheint der Partner zumindest ein super Vater zu sein und bei den anderen Dingen scheint er ein gewaltiges Problem mit sich herumzutragen. Ich sehe da eine Chance, wenn er mit einem Psychologen endlich mal darüber reden könnte. Er kommt nicht so rüber wie ein genereller Schläger, von dem man sich unbedingt trennen sollte.


    Ich sehe da Hoffnung. :)*

    Ich sehe auch Hoffnung. Denn Gewalttäter schlagen gewöhnlich, um Macht in der Beziehung zu demonstrieren. Das scheint mir hier nicht der Fall. Dein Partner hält Konflikte nicht aus und schlägt dann wild um sich. Das ist für mich kein Dominanzproblem. Nichtsdestotrotz ist es Gewalt und er muss meiner Meinung nach stationär in Therapie. Wenn er nicht bereit ist, nimm dir eine eigene Wohnung, um die Situation zu entzerren. Du musst dich nicht trennen, aber klare Kante zeigen und Konsequenzen ziehen.


    Die Vera

    Zitat

    Wie süüüüüüß :)^ :)^ made my day @:) @:)

    Pah. ;-D

    Zitat

    Nein, heute leider nicht, denn heute ist Sonntag. Aber morgen ist auch noch ein Tag. ;-)

    Okay, definitiv die coolste Reaktion auf eine grantige Grunzbemerkung meinerseits, die ich seit ner Weile erlebt habe, und dann auch noch im Stereo - chapeau! :-D

    Zitat

    Alle 8 Wochen, also 6 mal im Jahr kommt so ein Anfall. (...) Er kommt nicht so rüber wie ein genereller Schläger, von dem man sich unbedingt trennen sollte.

    Krass %:|

    Zitat

    Ich sehe auch Hoffnung. Denn Gewalttäter schlagen gewöhnlich, um Macht in der Beziehung zu demonstrieren. Das scheint mir hier nicht der Fall. Dein Partner hält Konflikte nicht aus und schlägt dann wild um sich.

    Also 6 mal ist ok, aber ab 7x gibts dann eins zurück bzw die Trennung?


    Und wenn einer aus Ohnmacht zuschlägt tut es weniger weh als wenn er damit Macht demonstriert?


    Krass %:|