Partner mit psychischen Problemen

    Liebes Forum,


    meine Frau leidet schon sehr lange an Angststörnissen. Unsere Ehe leidet darunter auch ziemich. Gibt es andere, denen es auch so geht? Wie geht Ihr damit um?


    Ich fange mal beim Anfang an. Als wir uns kennen gelernt haben, waren wir beide ziemlich schüchtern und ängstlich. Ich habe deswegen meine Studentenzeit auch wenig 'genossen'. Wir hatten immer Angst für die Prüfungen und deswegen seh viel (und erfolgreich ;-)) gelernt. Das Studentenleben haben wir aber verpasst.


    Bei mir ist die Ängstlichkeit im Laufe der Jahre verschwunden. Bei meiner Frau eher schlimmer geworden: früher immer Angst schwanger zu werden, Angst Prüfungen nicht zu bestehen, Angst sich bei anderen Leuten nicht richtig zu benehmen und Angst Fehler bei der Arbeit zu machen. Vor einigen Jahren war sie deswegen auch schon in Behandlung (Therapie und Medikamente). Etwas besser ist es dadurch geworden. Die Angst ist aber immer noch irgendwo da. Sie kann damit momentan relativ gut leben, aber kann sich eigentlich nie entspannen, weil immer irgendeine Gefahr am nächsten Tag droht, oder eine überstandene Gefahr noch nicht verarbeitet ist. Dazu kommt, dass sie dann sehr viel Zeit in der Vorbereitung von allem möglichen steckt. Etwas entspannen kann sie dann nur mit einem Glas Wein (jetzt nicht übertrieben viel) und fällt dann meistens direkt in eine Arte volkommener Lethargie oder direkt in den Tiefschlaf.


    Durch diesen ganzen Stress, den sie hat, hat sie nie Zeit für die schöne Dinge des Lebens: ins Theater gehen, Essen gehen, Urlaub planen,..., und schon gar nicht für Sex.


    Früher war ich selber auch nicht viel anders, dann habe ich lange gedacht, dass es irgendwann besser wird (wenn sie fertig ist mit dem Studium, keine Prüfungsangst; wenn man verheiratet ist keine Angst vor Schwangerschaft, usw.). Es wird aber nicht besser. Mittlerweile bekomme ich immer öfter das Gefühl, hierdurch selber viel vom Leben zu verpassen. An manchen Tagen macht mich das sogar richtig depressiv. Geht es anderen auch so? Wie geht ihr damit um?

  • 11 Antworten

    Im letzten von Dir eröffneten Faden klang der Vorwurf durch, hier würden alle vorgeben, eine supertolle heile Beziehung zu haben... Und nun suchst Du hier nach Leuten mit Problemen.. Entbehrt nicht einer gewissen Ironie. ]:D


    Vorweg: Nein, weder meine Frau noch ich haben eine Angststörung. Ich habe Berührungspunkte an anderer Stelle... Möchte ich hier aber nicht ausführen.


    Ich glaube, jede Art von psychischer Erkrankung verändert einen Menschen. Das führt zu Problemen beim zusammenleben mit "normalen" Menschen. Die Denkmuster, die Verhaltensweisen, die Art der Freizeitgestaltung, Vorstellungen von Urlaub, Lebenszielen etc. divergiert doch teilweise erheblich. Je stärker die Störung ausgeprägt ist, desto schwieriger wird ein Zusammenleben. Als Mensch in einer Beziehung will man einen liebenden Partner, der mit einem zusammen lebt und auf Augenhöhe kommunizieren kann. Ich halte es für schwierig bis unmöglich, eine Beziehung quasi auf der Basis Pfleger-Patient zu führen. Das halten allenfalls Beziehungen aus, in denen man nach 30 Jahren glücklicher Ehe den Partner noch pflegt, bis das der Tod uns scheidet... Du bist nicht für Deine Partnerin verantwortlich und nicht verpflichtet, auf Lebenszeit auf alles zu verzichten, nur weil Deine Partnerin nicht kann. Was Du daraus machst, ob Du Dich trennst oder dieses Los auf Dich nimmst, musst Du wissen.


    Nun seid ihr beide mit einer gemeinsamen Störung gestartet, das hat offenbar soweit gepasst. Auf der anderen Seite hat es Euch den Weg dahin versperrt, durch ausreichend Leidensdruck auch mal andere Wege zu suchen.


    Psychische Störungen sind in Grenzen behandelbar. Du hast sogar von allein einen Weg heraus gefunden. Meinen Glückwunsch! Deine Freundin sollte sich eine Therapie suchen. Aber das muss sie wollen. Das nutzt nichts, wenn Du oder gar ein Internetforum ihr dazu rät. Vermutlich braucht sie ein bisschen Druck, um selber zu wollen, den kann sie von Dir bekommen. Mit einer Trennung zu drohen ist zwar ziemlich heftig, letztendlich ist es aber die Wahrheit, denn genau dahin wird das ja führen, wenn Du langfristig unglücklich bist.

    Ich will dir mal antworten als der Kranke eines Paares. Ich habe Phobien, Depressionen als Begleiterscheinung oder Folge eines Morbus Parkinsons. Meine Frau nimmt eine ganze Menge als die Gesunde in der Beziehung auf sich. Warum sie das tut, weiß ich nicht, bin aber dankbar, dass es so ist.

    Es gehört aber in einer Partnerschaft dazu, eine Ansage zu machen.


    Ich sehe, es geht Dir nicht gut. Das macht aber auch mir zu schaffen und bringt mich derweil an meine Grenze.


    Ich bitte Dich darum, mit einem Arzt darüber zu reden, eine Therapie zu beginnen, notfalls auch in einer dafür geeigneten Klinik. Psychosomatik. Dort lernt man, mit Dingen anders umzugehen, wird aufgefangen, bekommt neue Impulse, weil es alles sehr intensiv behandelt wird.


    In guten Kliniken bleibt man nicht länger als höchstens 6 Wochen, Programm von morgens bis abends, kein Zuckerschlecken, man muß an sich arbeiten, sich einbringen, aber es könnte ein lebenslanger Erfolg draus werden, vielleicht irgendwann noch einmal eine Wiederholung, um die neu erlernten Programme zu festigen.


    So etwas in der Art.


    Aber sie muß es selbst wollen. Will sie es nicht, würde ich aber auch die Konsequenzen knallhart darlegen. Trennung, weil es auch noch ein Leben für Dich gibt.

    Zitat

    Im letzten von Dir eröffneten Faden klang der Vorwurf durch, hier würden alle vorgeben, eine supertolle heile Beziehung zu haben... Und nun suchst Du hier nach Leuten mit Problemen.. Entbehrt nicht einer gewissen Ironie

    Nicht alle, sondern einige. Ich habe mich gewundert, dass Leute hier im Forum schreiben, die selber keine Probleme haben, bzw. gemutmaßt, dass der eine oder andere nur vorgibt keine Probleme zu haben. Irgendwie sind mir manche Foristen etwas suspekt. Deswegen, frage ich hier explizit nach Antworten von Leuten mit ähnlichen Problemen. Das ist doch ganz konsistent, oder?

    Zitat

    Ich halte es für schwierig bis unmöglich, eine Beziehung quasi auf der Basis Pfleger-Patient zu führen.

    So schlimm ist nun auch nicht. Sie funktioniert ja größtenteils ganz normal. Nach außen fällt auch gar nicht auf (daher shon mal meine frühere Bemerkung zur "Familie Sonnenschein"). Funktionieren ist aber etwas anderes als Leben. Das kann man mal ein Jahr machen, wenn gewindelt wird, man irgend ein Ziel erreichen will, aber nicht dauerhaft.

    Zitat

    Mit einer Trennung zu drohen ist zwar ziemlich heftig, letztendlich ist es aber die Wahrheit, denn genau dahin wird das ja führen, wenn Du langfristig unglücklich bist.

    Ist das Dein ernst? Ich liebe meine Frau, und möchte mich nicht von ihr trennen. Und außerdem braucht sie Unterstützung, keine weitere Probleme. Ich wünsche zwar ein etwas anderes Leben für mich, aber so egoistisch kann ich nicht sein.

    Zitat

    Ich bitte Dich darum, mit einem Arzt darüber zu reden, eine Therapie zu beginnen, notfalls auch in einer dafür geeigneten Klinik. Psychosomatik.

    Sie war ja in Behandlung. Hat erstaunlicherweise auch etwas gebracht, nach langer Zeit. Es war eben eine Weile so schlimm, dass sie eigentlich nicht ehr arbeiten konnte. Jetzt ist alles wieder etwas normalisiert. Die Therapiestunden waren aber auch schon besonders anstrengend: da wir in einer Kleinstadt wohnen und sie beruflich mit den Ärzten zu tun hat, musste sie schon mal 25km in der nächsten Stadt zu einem Psychtherapeuten fahren. Da war schon die Terminplanung und Fahrerei ein Stress. Dann hatte sie immer schon Tage lang vor dem Termin Angst, sie würde falsche Antworten geben und hat dann alle mögliche Fragen und die 'richtige' Antworten dazu überlegt.


    @Lomax Danke für Deinen Beitrag. Einzugestehen, dass man ein Problem hat ist oft der Anfang einer Lösung.

    Zitat

    Sie war ja in Behandlung. Hat erstaunlicherweise auch etwas gebracht, nach langer Zeit. Es war eben eine Weile so schlimm, dass sie eigentlich nicht ehr arbeiten konnte. Jetzt ist alles wieder etwas normalisiert. Die Therapiestunden waren aber auch schon besonders anstrengend: da wir in einer Kleinstadt wohnen und sie beruflich mit den Ärzten zu tun hat, musste sie schon mal 25km in der nächsten Stadt zu einem Psychtherapeuten fahren. Da war schon die Terminplanung und Fahrerei ein Stress. Dann hatte sie immer schon Tage lang vor dem Termin Angst, sie würde falsche Antworten geben und hat dann alle mögliche Fragen und die 'richtige' Antworten dazu überlegt.

    Das liest sich für mich ehrlich gesagt nicht als hätte sich deine Frau in dieser Therapie geöffnet und wirklich "mitgearbeitet". Es gibt keine richtigen Antworten, nur ehrliche. Ich glaube deine Frau ist noch lange nicht da wo sie sein kann. Wie lange ist das mit der Therapie her?

    Zitat

    Durch diesen ganzen Stress, den sie hat, hat sie nie Zeit für die schöne Dinge des Lebens: ins Theater gehen, Essen gehen, Urlaub planen,..., und schon gar nicht für Sex.

    Das kenne ich eigentlich nur aus meiner schlimmsten Zeit, und zeigt doch wie sehr deine Frau unter Druck steht und wie sehr ihre Ängste sie belasten.


    Mein Mann bekommt von meiner Erkrankung sehr wenig mit, da sie mich wenig einschränkt. Ängste sind sehr gut therapierbar, und ich denke wirklich eine erneute Therapie könnte deiner Partnerin von Nutzen sein.


    Unter Druck setzen halte ich persönlich auch für den falschen Ansatz, aber wie es dir damit geht solltest du ihr schon sagen.

    Zitat

    Wenn ihr nie ausgeht, keinen Urlaub macht, keinen Sex habt, was macht ihr dann? Und was liebst du dann an ihr?

    Liebe ist wohl mehr als nur Sex und Spaß. Was genau kann ich Dir leider auch nicht sagen. Nur eine Leben ohen Sex und Spaß ist auch nicht erstrebenswert.

    Zitat

    Das liest sich für mich ehrlich gesagt nicht als hätte sich deine Frau in dieser Therapie geöffnet und wirklich "mitgearbeitet". Es gibt keine richtigen Antworten, nur ehrliche. Ich glaube deine Frau ist noch lange nicht da wo sie sein kann. Wie lange ist das mit der Therapie her?

    Nein, das war auch meinen Eindruck, weswegen ich das auch alles für ziemlich sinnlos und aussichtslos gehalten habe und erstaunt war, dass es am Ende doch wesentlich besser war. Vieles lag auch an den Medikamenten (die Müdigkeit als Nebenwirkung hatten :-( ) aber die wurden dann gegen Ende auch abgesetzt. Die Therapie hat so anderhalb Jahre gedauert und ist jetzt etwa zwei Jahre her.

    Zitat

    aber wie es dir damit geht solltest du ihr schon sagen.

    Es tut ihr zwar etwas leid, manchmal, aber sie kann es gut bei Siete schieben (bzw verdrängen), bagatellisieren (Luxus Probleme von Männern) oder auch die Lösung in die Zukunft verschieben

    Du solltest die Balance finden zwischen Verständnis und Egoismus.


    Es macht schon einen Unterschied ob jemand einfach nicht kann, oder aus Bequemlichkeit die Wünsche des Partners ignoriert, und in dem Fall auch nicht an sich arbeiten will.


    Gehst du alleine weg? Wie würde sie reagieren wenn du mal alleine ein paar Tage wegfährst?

    Zitat

    Liebe ist wohl mehr als nur Sex und Spaß.

    Natürlich.

    Zitat

    Nur eine Leben ohen Sex und Spaß ist auch nicht erstrebenswert.

    Naja, das ist ja das Problem. Dass auch du darunter leidest.


    Deswegen nochmal meine Frage: Was macht ihr dann den ganzen Tag zusammen?!

    Zitat

    Deswegen nochmal meine Frage: Was macht ihr dann den ganzen Tag zusammen?!

    Mit einem Haus, einen Garten, drie Kinder, die zum Sportverein, zum Musikunterricht gebracht werden müssen, Hilfe bei Hausaufgaben brauchen, zwei Jobs und eigene Hobbys kommt schon keine Langeweile auf. Zur Not kann man immer noch Sport machen.

    Zitat

    Wie würde sie reagieren wenn du mal alleine ein paar Tage wegfährst?

    Für meine Arbeit fahre ich ziemlich häufig einige Tage weg. Wenn ich dann mal abends etwas trinken gehe, oder auch mal ins Theater oder Kino, ist OK. Hotelzimmer sind auf Dauer auch langweilig.