All das sind große Stolpersteine. Aber der Faktor, der zum Scheitern verurteilt, ist ein anderer. Es ist die Frage, wie man eigentlich mit diesen Stolpersteinen umgeht - wie man generell mit dem Partner umgeht. Im besten Falle nett, im schlechtesten desinteressiert, streitwillig, abweisend. Das klingt banal, aber viele Studien und Experimente haben es gezeigt: Partner, die nett und großzügig zueinander sind, bleiben mit höherer Wahrscheinlichkeit zusammen und lassen sich seltener scheiden. Und alle Ehen, die geschieden werden, haben ein toxisches Element gemein: Mindestens einer der Partner wendet sich häufig ab.


    Das muss gar nicht bei einem großen Streit passieren, es sind die kleinen Verweigerungen und Nicht-Beachtungen des Alltags, die sich summieren. Der Psychologe John Gottman hat das bereits 1990 in einem großen, sehr interessanten Experiment bewiesen. Er lud 130 frisch verheiratete Paare in sein Labor, das wie ein wunderschönes Hotelzimmer ausgestattet war und beobachtete sie einen Tag lang bei all den Dingen, die Verliebte im Urlaub machen. Kochen, sich unterhalten, Fernsehen schauen, rumliegen, gemeinsam essen.


    Er zählte, wie oft die Paare sich einander zu- und voneinander abwendeten. Sagte etwa ein Mann zu seiner Frau: "Sieh mal, es läuft ‚Tatort mit Til Schweiger‘!", hatte seine Frau die Wahl. Sie konnte den Satz ignorieren, ihn abtun, sich genervt äußern ("Du siehst doch, ich lese gerade"). Oder sie konnte freundlich und interessiert antworten: "Oh wirklich? Und, nervt Til schon wieder?" Schließlich war ihrem Mann der "Tatort" wichtig genug, um ihn zu erwähnen - natürlich erhofft er sich in diesem Fall eine Reaktion, die ihn nicht zur anstrengenden Plappertasche degradiert, sondern ernst nimmt.


    Das Ergebnis des Experiments: Paare, die sich sechs Jahre danach hatten scheiden lassen, gaben ihrem Partner nur in 33 Prozent der Fälle Zuwendung. Bei Paaren, die noch verheiratet waren, waren es 87 Prozent der Fälle. Sie registrierten und befriedigten die emotionalen Bedürfnisse ihres Ehegatten in neun von zehn Fällen.


    Quelle:


    https://www.welt.de/icon/partnerschaft/article160108448/Zwei-Dinge-schuetzen-effektiv-vor-dem-Ende-der-Liebe.html