Zitat

    "Man kann es drehen und wenden, wie man möchte: Der Borderliner gewinnt. Eben wegen der Spaltung etc. Er leidet nicht. Definitiv nicht."

    Das halte ich für gewagt formuliert, eigentlich unhaltbar. Was genau "gewinnt" der Borderliner denn? Nur weil du ihn nicht so leiden siehst, wie du selbst leidest, gewinnt er/sie? Wenn du dich da mal nicht täuscht.


    Und selbst wenn er nicht leidet, dann ist genau DAS sein Problem, die fehlende Emotionalität an dieser Stelle, die nicht vorhandene Leidensfähigkeit, die sein/ihr für Normalos nicht nachvollziehbares Verhalten bestimmt.


    Mir kam es manchmal so vor, dass aufgrund schlechter emotionaler Verdrahtung im Gehirn, Borderliner teilweise in emotionalem Blindflug unterwegs sind. Teilweise gleichen sie die mangelnde emotionale Steuerungskomponente durch rationale, kognitive Prozesse aus, manchmal eben nicht oder nur schlecht, oder kompensieren ganz woanders hin.


    Bevor ich selbst jedoch in emotionalem Blindflug ständig wie eine Flipperkugel irgendwo verhaltenstechnische Kollisionen erleide, lerne ich lieber mein Gefühlsleid lieben. Man muss es nicht bis zum Masochismus treiben und man muss auch nicht Mutter Theresa sein, man muss nur wissen, wo die eigenen Grenzen liegen und dann muss man sich selbst der Nächste sein. Es hat immer auch sehr viel mit Abgrenzung zu tun.


    Gegenüber psychischen "Wackelkandidaten" muss man sich um seiner selbst abgrenzen können, dem Partner hilft es nämlich auch nicht wenn man alle Faxen mitmacht und/oder über sich ergehen lässt.


    Wie hast du denn mit deiner Ex-Partnerin über dieses Problem gesprochen? Hat sie sich selbst damit auseinander gesetzt? Habt ihr Verabredungen getroffen?

    @ Exgrenzgänger

    Für mich hat es verändert, was ich in Beziehungen suche. Dieses rauschhafte Feuerwerk Happy Gefühl zieht mich nicht mehr so an - und das ist ja die meiner Erfahrung nach die "Sonne", wie vorher mal geschrieben.

    Zitat

    Scham empfinde ich keine, ich bin fast schon dankbar für diese "Lehrstunde",

    So geht's mir auch! Mir sind die Augen in vielerlei Hinsicht sehr geöffnet worden. Das Aufarbeiten war hart, ich bin durch eine echte Krise gegangen, bin aber insgesamt gestärkt da heraus gekommen.

    Zitat

    Mir sind die Augen in vielerlei Hinsicht sehr geöffnet worden. Das Aufarbeiten war hart, ich bin durch eine echte Krise gegangen, bin aber insgesamt gestärkt da heraus gekommen.

    Darf ich fragen: Auch in die Richtung, dass Du weniger Illusionen hast bezüglich Liebe? Das Du geerdeter wurdest? Oder geht es in eine andere Richtung.

    Ich bin seit 5 Jahren in einer Beziehung zu einem diagnostizierten Borderliner. Es ist mal anstrengend, mal aufregend, manchmal könnte ich ihn an die Wand klatschen, aber meistens ist es schön.


    Wenn er mal wieder einen Moment ausgeprägter Negativsymptomatik hat, und ich keine Nerven dafür habe mir das anzutun, dann nötige ich ihn zu kiffen. Danach ist er wieder lammfromm.


    Geht also alles, man braucht halt hin und wieder eine gewisse Fähigkeit sich abzugrenzen und nicht alles persönlich zu nehmen.

    Ich kenne halt nur Borderliner die (freiwillig) in Behandlung sind. Und bei den meisten ist eine Veränderung durch Therapie spürbar. Ich selbst habe 4 mal DBT gemacht und diverse andere Therapien. Ich glaube schon daran, dass es zu großen Stücken heilbar ist, auch wenn ich (nach 9 Jahren in Behandlung) noch weit entfernt davon bin....

    Zitat

    Darf ich fragen: Auch in die Richtung, dass Du weniger Illusionen hast bezüglich Liebe? Das Du geerdeter wurdest? Oder geht es in eine andere Richtung.

    Persönlicher Art. Diese Beziehung hat mich trotz wirklich schöner Erfahrungen am Anfang (weil sich sehr um mich bemüht wurde) situativ an meine Grenzen gebracht und Verhaltensweisen meinerseits zum Vorschein gebracht, die ich von mir nicht kannte und auch nicht mag. Zum Ende der Beziehung z.B. sinnloses Rumstreiten bis zur Eskalation verbaler Art wie Anschreien, wenn ich mich mies behandelt gefühlt habe. Und er hatte da manchmal echt Grenzen überschritten, mich missachtet, mich wortlos sitzen gelassen, mich Situationen ausgesetzt, die ich explizit nicht wollte und das auch geäußert habe, mir gesagt, dass er aus dem Fenster springt, wenn ich die Beziehung beende (war hinterher natürlich ein Witz %-| ).


    Psychoterror der feinsten Art, den ich von meinem Vater so ähnlich kenne. Bisschen anders noch, aber doch gleichsam wirksam. Meine Eltern sind geschieden und mein Vater hat immer auf sehr unmögliche und grenzüberschreitende Art und Weise, versucht den Kontakt zwanghaft aufrechtzuerhalten, auch mit Erwähnung seiner Suizidalität, mit Bestechung, mit Druck, mit Schuldgefühlen, mit Terror.


    Jedenfalls habe ich im nachhinein das Gefühl, dass es nötig war, diese meine persönliche Grenze einmal richtig zu spüren. Vorher war ich mir meinerselbst nämlich gar nicht so sehr bewusst, bin mit einem latenten Schuldgefühl durch die Welt spaziert und hab alles auf mich bezogen.


    Dadurch, dass ich mich mit dem ganzen Quatsch, der da gewesen ist und der mich so an meine Grenzen gebracht hat, schonungslos auseinander gesetzt habe, bin ich heute viel bewusster mit mir selbst und mit anderen. Ich habe gelernt, auf mich zu achten und weiß, was ich will und was nicht. Ich könnte mich zum Beispiel gar nicht mehr so einlullen lassen und unter Druck setzen kann man mich mittlerweile auch nicht mehr so leicht wie früher.


    Also ja, ich bin viel geerdeter. :-)

    @ Exgrenzgänger

    Zitat

    Ja, gab und gibt es bei mir auch. Aber ob Borderliner- oder Nichtborderlinerbeziehung neigt man prinzipiell zum Romantisieren einer vergangenen Beziehung, wo auch wieder der Borderliner besser abschneidet als der "Normalo".

    Warum schneidet "der Borderliner" besser ab als "der Normalo"? ... Nach allem, was du über deine Ex schreibst, wundert mich dieses Zwischen-Fazit von dir sehr. Solche Verhaltensweisen würden für mich nie im Leben eine bessere Beziehung ausmachen als eine konstruktive Beziehung, in der die gegenseitigen Grenzen geachtet werden, man respektvoll miteinander umgeht etc..


    Was ist an einer solchen Beziehung "besser" als an einer "normalen Beziehung" in deinen Augen?

    DieKruemi


    "Du, liebe Isabell verfügst entweder über die sehr gesunde Eigenschaft, dass du dich, wenn dir ein Partner nicht gut tut, schnell entlieben kannst oder über die Stärke, dich trotz liebe zum anderen zügig zu trennen, um dich zu schützen. Es gibt jedoch Menschen, die sich nicht schnell entlieben, die leiden wie ein Hund, der getreten wird und dennoch nicht in der Lage sind, loszulassen. Und gerade bei diesen Menschen ist es wichtig, bei der Partnerwahl auf sich acht zu geben, bevor sie tief lieben und ein langes Leiden beginnt."


    Wir reden aneinander vorbei.


    Worum es mir hier geht ist klar auf den Punkt gebracht, dass man nicht alle Borderliner über einen Kamm scheren kann.


    Dass ein bestimmtes Verhalten eines Menschen nicht darauf hinweist, dass er auch zwangsläufig wiederum bestimmte, andere (negative) Verhaltensweisen an den Tag legt.


    In destruktiven Beziehungen zu verharren, zu abhängig zu sein um sich zu trennen, zu "sehr zu lieben"....Du, das habe ich Alles durch und nicht nur ein Mal. Auch wenn das heute bei mir anders ist, ich es in der Tat schaffe mich sehr schnell von Menschen abgrenzen zu können die mir nicht gut tun (es war zeitweise ein sehr hartes, schmerzhaftes Lehrgeld) - aber ich habe somit durchaus das größte Verständnis für Menschen, die sich nicht lösen können.


    Doch darum geht es hier doch gar nicht. Oder vielleicht doch:


    Was ich allerdings ebenfalls gelernt habe ist, dass man diese Menschen mit denen ich diese Erfahrungen gemacht habe, eben nicht in Schubladen stecken kann. Es gab Parallelen und doch wieder komplette Unterschiede. Eben immer Individualität.


    Sagt mir also Jemand, dass er "Borderliner" ist, so schaue ich ihn mir trotzdem genauer an (um es mal so auszudrücken). Es verschreckt mich nicht per se. Weil ich um die Komplexität dieser (oder Ähnlicher PS) weiß.


    Es ist doch in so vielen anderen Bereichen genauso.

    Bist du denn diagnostiziert, Isabell?


    Exgrenzgänger, ich hatte eine vierjährige, an die Substanz gehende On/Off Beziehung zu einer psychisch kranken Frau, aus der früh ein Kind entstanden ist. Das beste daran war, dass ich im Nachhinein erkannt habe, welche Schwächen ich habe. Und Antennen entwickelt habe, um zu erkennen, wie sich emotionale Vampire verhalten. Das wahre Opfer ist mein Kind, welches sich nicht wehren kann, weil es nicht besser weiß, wie es ist, emotional unbelastet und ohne Manipulationen großgezogen zu werden. Ich konnte es nicht schützen, das ist das, was ich mir vorzuwerfen habe. Es gab keinerlei rechtliche Handhabe.


    Wie man davor warnen kann? Um schräge, hilfs- und aufmerksamkeitsbedürftige Frauen einen riesengrossen Bogen machen. Niemand, der auf dem Boden steht, braucht eine zickige Prinzessin.


    Zielführender, weiterer Austausch gerne per PN.

    Zitat

    Wie man davor warnen kann? Um schräge, hilfs- und aufmerksamkeitsbedürftige Frauen einen riesengrossen Bogen machen. Niemand, der auf dem Boden steht, braucht eine zickige Prinzessin.

    4 Jahre hat es dich nicht ausreichend gestört, um ... die Beziehung gar nicht erst einzugehen oder später deine Konsequenzen zu ziehen.


    So abschreckend war ihr Verhalten für dich dann zumindest sehr lange offensichtlich nicht, dass du gleich gegangen wärest. ... Verstehe mich nicht falsch, es ist gut, dass du dich später getrennt hast, weil dir der Kontakt geschadet hat. Dieses nachträgliche Dämonisieren ist sicher verständlich, aber wenn sie so eine "Hexe" war, stellt sich die Frage, warum man 4 Jahre freiwillig zusammen bleibt.

    Zitat

    Wenn früh ein Kind aus der Beziehung geboren wurde, ist es verständlich.

    Okay, wenn das Kind wirklich sehr früh da war zu einem Zeitpunkt, zu dem man sich gerade erst in der "vertieften Kennenlernphase" befunden hat. ... Gibt da sicher viele Möglichkeiten/Erklärungen, die nachvollziehbar sind.


    Ich bin nur so hierüber gestolpert i.V.m. der absolut negativen Beschreibung der Expartnerin:

    Zitat

    eine vierjährige, an die Substanz gehende On/Off Beziehung

    Vielleicht anders ausgedrückt: War da jemals eine gesunde, stabile Paarbeziehung in diesen 4 Jahren? Irgendwas muss ja mal anziehend an der Ex gewesen sein sich überhaupt mit ihr einzulassen. On/Off-Beziehung klingt nicht so, als ob es jemals eine gesunde Beziehung gegeben hat und wenn das schon "an die Substanz" geht, wäre es für einen selbst eine naheliegende Frage, warum man den Absprung erst so relativ spät gemacht hat bzw. wie es dazu kommen konnte?


    So wie Kantenmechaniker seine Ex am Ende beschreibt, stellt sich die Frage, wieso er sich auf diese Frau eingelassen hat?


    Wenn diese Züge an der Frau am Anfang überhaupt nicht feststellbar gewesen sein sollten, bringt seine Warnung nichts:

    Zitat

    Wie man davor warnen kann? Um schräge, hilfs- und aufmerksamkeitsbedürftige Frauen einen riesengrossen Bogen machen. Niemand, der auf dem Boden steht, braucht eine zickige Prinzessin.

    @ Isabell

    Zitat

    Wir reden aneinander vorbei.

    das tun wir vermutlich tatsächlich :-)


    Die Partnerwahl ist etwas sehr individuelles, daher gibt es für mich da keine "Gleichberechtigung", "Gerechtigkeit", "political correctness" etc. Denn jeder trifft ja nur die Entscheidung für seinen Partner, nicht die für eine ganze Generation, die Gesellschaft o.ä. Wenn ich also sage, ich möchte keinen Partner mit einer Persönlichkeitsstörung, Depressionen, niedrigem Schulabschluß/Bildung, übermäßig engem Verhältnis zu seiner Mutter etc, ist das nur die Summe meiner Erfahrungen, die meine Partnerwahl beeinflussen. Da mein Schlafzimmer und mein Leben kein öffentlicher Raum ist, verletze ich damit auch niemanden, wenn ich den "Zugang" für bestimmte Gruppen verweigere. Im Zweifel tue ich nur mir selbst etwas an, weil ich ggf einen ganz tollen Menschen "verpasse". Mehr passiert nicht. Daher finde ich es auch immer etwas "anmaßend" (damit meine ich NICHT dich), wenn Menschen sich über die Kriterien der Partnerwahl anderer echauffieren oder sie bewerten. Man kann maximal sagen: "ich handhabe das anders, weil.....". Aber Partnerwahl ist etwas so höchstpersönliches, dass da Beurteilungen wie "diskriminierend, ungerecht" etc unangebracht sind.

    Zitat

    Aber Partnerwahl ist etwas so höchstpersönliches

    Im Umkehrschluss sind dann aber auch "Warnungen" vor bestimmten Gruppen übergriffig?


    Wenn Partnerwahl wirklich etwas Privates ist, wieso ist dann so ein öffentlicher Rahmen notwendig?


    Das schließt sich aus. Sobald die Partnerwahl öffentlich wird, wird sie zu einem öffentlichen Gegenstand und damit sind auch Ethik und Moral diskutierbar.


    Die Gedanken sind frei, doch sobald du sie äußerst, machst du dich im schlimmsten Falle strafbar. Auch hier gelten Regeln.


    Du darfst alles denken, was du willst, doch sobald du dies öffentlich tust, musst du die Verantwortung dafür tragen. Dasselbe gilt auch für das Thema Partnerwahl.