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    Ich glaube, wir sind da ähnlicher Meinung. Dass jeder mitbekommt, dass zu Freundschaft+ eine freundschaftliche Verbindung gehört, davon bin ich einfach mal ausgegangen.

    Ja, aber dazu passt dann nicht "Don't ask, don't tell."

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    Und die anderen Kritiken nehme ich auch an: Natürlich kann es auch in einer Freundschaft+ recht genaue Absprachen darüber geben, was noch so erlaubt ist.

    Eben. Ich glaube, wir sind uns insoweit einig, dass so eine "Worthülse", wie hier jemand so schön schrieb, nur zur Anfangsverständigung dient. Was man dann genau meint, muss man miteinander abquatschen.

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    Freundschaft+ ist in diesem Rahmenwerk so ein komischer Sonderfall in dem angenommen wird, dass beide Seiten platonisch/sexuell füreinander fühlen (aber nicht romantisch). Deswegen werden andere Verpflichtungen für die Beteiligten angenommen. Nämlich praktisch keine (außer wohl Vorsorge gegen Geschlechtskrankheiten).

    Das kommt eben ganz darauf an, was einem eine Freundschaft bedeutet. Wenn ich "Freundschaft +" jetzt nicht als Euphemismus für "Affäre" meine, sondern eben eine echte Freundschaft + , dann sind mir die Gefühle meines Gegenübers durchaus wichtig. Dann gibt es eben nur keine romantische Liebe, keine gemeinsame Basis für eine Liebesbeziehung - warum auch immer. Die Verpflichtungen sind aber genau gleich. Nämlich, die zwischenmenschliche Beziehung gemeinsam zu gestalten.

    Denn Verbindlichkeit gehört ja so oder so dazu. Auch bei einem ONS entscheiden wir uns verbindlich dafür, nur eine gemeinsame Nacht miteinander zu verbringen.


    Vielleicht ist aber auch noch nicht ganz klar, was dieses "unverbindlich" überhaupt heißen soll.

    Aber, wenn bei einer Freundschaft+ Gefühle und Zuneigung doch eine Rolle Spileen, das ist es doch eine totale Diskrepanz im Bezug auf das absolute Tabu des Sexleben des anderen? Das Passt doch gar nicht, wenn mir jemand was bedeutet und ich will noicht, das er meine Gefühle verletzen und ich nicht seine, dann kann ich doch nicht wie eine Räudiges Kaninchen durch die Weltgeschichte Bumsen?

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    Nehmen wir an, es gäbe diese 3 Arten der Beziehung: platonisch / romantisch / sexuell. Platonisch und romantisch schließen sich gegenseitig aus. Sexuell kann in Kombination mit beiden anderen auftreten.

    Sehe ich nicht so. Für mich (und ich denke auch im allgemeinen Sprachgebrauch) gilt ganz klar: platonisch = kein Sex (nicht jetzt, nicht in der Vergangenheit & auch nicht gewünscht).

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    ich finde Freundschaft+ und Offene Beziehung gehen ineinander Über und sind gar nicht klar abzugrenzen!

    Mit dieser Denke bringt man aber zuverlässig und regelmäßig alles mögliche durcheinander. Ständig wird an Schubladen gefeilt und gebastelt. Jemand setzt sich in eine Schublade und überlegt, passt das jetzt für mich, oder muss ich es mir noch ein wenig zurecht schnitzen?


    MMn sollte das Augenmerk sehr viel mehr auf eine andere Frage gerichtet werden. Wie sieht meine ganz individuelle Sexualität und meine sexuellen Bedürfnisse aus und wie möchte ich diese leben. Danach stellt sich erst die Frage, welche Beziehungsform meiner gewünscht gelebten Sexualität am besten entgegen kommt. Möglicherweise gibt es manchmal keine allgemein tolerierte oder anerkannte Beziehungsform, die meine sexuellen und anderen Bedürfnisse eins zu eins abdecken.


    Man kann nun nach Beziehungsformen suchen oder nach Menschen, die völlig frei von Schubladendenken ihre Bedürfnisse leben, mitunter eben sehr non-konform. Dafür muss man aber Sexualität komplett unabhängig von Beziehung betrachten.


    Manche haben Sexdates so, wie andere ins Fitneßstudio gehen, beides kann Spaß machen. Und ja, Unverbindlichkeit oder Verbindlichkeit geben dem Ganzen eine individuelle Note. Das eine mag manchmal fehlen oder im anderen Falle stören. Prioritäten entscheiden.


    Was das Ganze mit einer Lebensplanung zu tun hat, steht für mich hier noch komplett offen. Sex ist das eine, Beziehungs(un)fähigkeit das andere.

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    Aber, wenn bei einer Freundschaft+ Gefühle und Zuneigung doch eine Rolle Spileen, das ist es doch eine totale Diskrepanz im Bezug auf das absolute Tabu des Sexleben des anderen?

    Kommt auf die beteilligten Gefühle an. Der Punkt ist das es eben nur reibungslos funktionieren kann wenn beide einen guten Zugang zu ihren eigenen Gefühlen haben und sich gegenseitig nichts vormachen.


    Wenn ich jemanden ganz sicher nicht zum Partner will, obwohl ich ihn mag und der Sex gut ist, kann ich mir doch trotzdem wünschen, dass es ihm gut geht, oder?


    Und wenn für denjenigen dazu ein fester Partner gehört? Oder mehrere? Und er das auch so klar kommuniziert und versucht seinen Weg da zu finden und ich Bescheid weiss, komm ich emotional doch in keinerlei Konflikte, wenn er das umsetzt, oder? In die komm ich erst wenn ich ihn eigentlich für mich selbst haben will. Dann ist das ganze zum Scheitern verurteilt - klar.


    Gilt natürlich auch umgekehrt. Die meisten Freundschaf+ Modelle haben ja das vereinbahrte Ablaufdatum: Wenn einer wieder eine neue monogame Beziehung angeht ist Schluss mit Sex.


    Häufiges Beispiel: Eine Beziehung geht im guten auseinander, aber es gibt noch Kontakt und Sex mit dem Ex bis zur neuen. Das ist eigentlich der Klassiker für Freundschaft+

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    MMn sollte das Augenmerk sehr viel mehr auf eine andere Frage gerichtet werden. Wie sieht meine ganz individuelle Sexualität und meine sexuellen Bedürfnisse aus und wie möchte ich diese leben.

    Absolut.

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    Danach stellt sich erst die Frage, welche Beziehungsform meiner gewünscht gelebten Sexualität am besten entgegen kommt.

    Ja - die Frage nach: Wie kommunizier ich das einigermaßen effizient. Und dafür sind Begriffe eben hilfreich - als Diskussionsgrundlage, damit man gleich tiefer einsteigen kann und nicht bei Adam und Eva anfangen muss.

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    platonisch = kein Sex

    Ja, stimmt im ursprünglichen Wortsinn schließt platonisch Sexualität aus. Ich wollte letztendlich darauf hinaus, dass es etwas gibt, was zwei Personen in Freundschaft verbindet, aber nicht auf eine klassische (i.e. romantische) Weise. Es gibt bestimmt einen besseren Ausdruck als platonisch, aber ich atte keinen ad hoc parat.


    Ob das tatsächlich existiert, wenn gleichzeitig Sexualität im Spiel ist, weiß ich selbst nicht. Wenn jemand den Begriff Freundschaft+ erfindet, obwohl es "Affäre" und "Beziehung" schon gibt, schließe ich daraus, dass es der Erfinder des Wortes es so sieht. Schaut man sich das klassische Wort Freundschaft an, dann ist das meinem Verständnis nach eine tiefere emotionale Beziehung ohne romantische Komponente. Dann erfindet jemand also Freundschaft+(Sex). Daraus schließe ich, dass etwas anderes gemeint ist, als eine klassische Affäre oder Beziehung, denn diese Begriffe gibt es ja schon.


    Ich behaupte nicht dass sowas existiert, aber der Begriff deutet an, dass irgendjemand es tut. Ich habe in dem Modell versucht, alle Kombinationen, die durch die vielen in den Raum geworfenen Wörter so entstehen in einem Schema zusammenzufassen. Offensichtlich ist das niemals vollständig ergiebig und mit jedermanns Vorstellungen kompatibel.

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    Aber, wenn bei einer Freundschaft+ Gefühle und Zuneigung doch eine Rolle Spileen, das ist es doch eine totale Diskrepanz im Bezug auf das absolute Tabu des Sexleben des anderen?

    Wie andere Leute schon erwähnten solltest du die Begriffe als einen Einstieg in die vielfältige Gefühlswelt des Menschen verstehen und nicht als mathematisch klare Definitionen. Offensichtlich sind nicht mal alle im Forum exakt gleicher Meinung, was sie unter Freundschaft+ verstehen.

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    Das Passt doch gar nicht, wenn mir jemand was bedeutet und ich will noicht, das er meine Gefühle verletzen und ich nicht seine, dann kann ich doch nicht wie eine Räudiges Kaninchen durch die Weltgeschichte Bumsen?

    Wenn du immer nur von dir auf andere schließt, versperrst du dir die Sicht auf einen großen Teil der Welt. Es gibt viele unterschiedliche Bedürfnisse von Leuten nach Sex, Romantik und Exklusivität/Sicherheit. Wenn du dich selbst stark monogam fühlst und einen Partner möchtest, der das genauso sieht: Go for it! Es gibt eben Leute, deren Bedürfnisse anders gelagert sind.


    Es gibt unendlich viele Kombinationen, wie das in der Realität gelebt wird. In sehr vielen davon gibt es recht klare Regeln, mit wem alles nicht geschlafen werden darf. In den wenigsten wird "wie ein räudiges Kaninchen durch die Weltgeschichte gebumst". Wenn du aufrichtig interessiert daran bist, mehr zu erfahren, kann ich versuchen, ein paar Varianten zu beschreiben. Du klingst gerade allerdings sehr abwertend.

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    ich finde Freundschaft+ und Offene Beziehung gehen ineinander Über und sind gar nicht klar abzugrenzen!

    So ist das echte Leben. Fließend, unscharf und widersprüchlich.


    Eigentlich ist es aber doch gar nicht so schwer, wenn man den kleinsten gemeinsamen Nenner in diesem Thread zusammenfasst:


    Freundschaft+: Freundschaft und Sex (aber keine "richtige" Beziehung")


    Offene Beziehung: Eine Beziehung, die unter gemeinsam bestimmten Bedingungen romantische oder sexuelle Verbindungen zu mindestens einer weiteren Person erlaubt.

    Ich persönlich habe ja die Vermutung, dass Freundschaft+ ein Begriff ist, den nur Leute verwenden, die extrem hohe (bis überzogene?) Erwartungen das Konzept und die Realität einer Beziehung haben.


    "Beziehung" darf für diese Leute nur etwas heißen, das auf allen (gewünschten) Ebenen perfekt ist. Für alles, was gefühlstechnisch darunter liegt, brauchen sie daher andere Begriffe. Um das "heilige Konzept" einer "Beziehung" nicht zu "entweihen", wenn sie sich eingestehen, dass sie aktuell vielleicht gerade einen etwas halbherzigen Beziehungsversuch leben. ]:D :=o

    @ LolaX5

    Ich teile deine Meinung voll und ganz. Aus eigener Erfahrung, wie auch Beobachtungen anderer. Wenn man den Freundschaftsaspekt an der Sache ernst nimmt, sehe ich in meiner persönlichen Gefühlswelt auch keine Unterschiede zu einer Beziehung/Affäre. Aber ich kann nicht ausschließen, das andere das anders erleben als ich. Vielleicht gibt es ja tatsächlich Menschen, die in Freundschaften ganz anders fühlen als in romantischen Beziehungen.