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    Es klingt ein bisschen so, als ginge es darum, einer guten Freundin mal eben einen Gefallen zu tun.

    Evoluzzer, wo bitte liest du das? Einen Post über dir schrieb ich:

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    Und dennoch mache ich es mir nicht leicht, da es hier nun einmal um ein kleines Menschlein geht und um bestehende Familien. Das Familiengefüge wird sich dadurch gewaltig ändern - für immer. Und deshalb machen wir es uns nicht leicht.

    Weder mein Mann, noch das betreffende Paar, noch ich machen es uns leicht. Keine Bierlaune oder so etwas.

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    Aber wenn ich in so einer Situation wäre, dann würde ich ähnlich denken. Dann hätte ich auch lieber jemanden, den ich gut kenne, dessen Charakter ich schätze, der mich mit seinem Wesen anspricht. Das finde ich auch nicht verwerflich.

    Das ist die Vorgehensweise in heterosexuellen Beziehungen. Wobei dann eben im Normalfall beide Partner die Eltern des Kindes sind und es bei ihnen aufwächst.


    So wie es hier ist klingt es, wie wenn ich mir in einem Katalog einen Menschen aussuche und von ihm ein Kind will.


    Ich käme damit als Mann nicht klar. Ich würde automatisch Verantwortung für das Kind spüren und hätte doch selbst gar keine Einflußmöglichkeit auf das Kind, wenn es die Kindsmutter nicht will. Außerdem käme ich nicht damit klar meinem Kind zu "diktieren" dass es in einer anderen Familie und nicht bei mir aufwachsen darf.


    Ich stelle mir vor, der oder die Kleine würde sich gut mit meinen Kindern, meiner Frau und mir verstehen und würde sich wünschen auch ein Teil meiner Familie zu sein. Es würde mir das Herz brechen.


    Umgekehrt stelle ich mir vor, dass die Lebensumstände das lesbische Paar oder eine Trennung des Paares oder welche Umstände auch immer, dazu führen könnten, dass mein Kind weit weg ziehen wird und ich es nicht mehr sehen könnte. Einfach grausam der Gedanke.


    Auch wenn jetzt einige sagen, ich würde schwarz malen. Ich glaube es ist bei einer solchen Entscheidung wichtig sich die negativsten Szenarien vor Augen zu halten und sich zu fragen, ob man damit klar kommt.

    warum gibt es hier in der diskussion eigentlich so viele verbale entgleisungen?


    wenn ich es richtig verstanden habe, macht es sich weder die initiatorin des fadens noch ihr mann noch das bekannte paar leicht mit der frage.


    dass es probleme geben kann, ist nicht nur ihnen sonder ja offenbar allen anderen hier klar.


    aber was soll das eigentlich immer wieder von den "männern die bereitwillig ihren samen verteilen"?


    wäre es ernsthaft "besser", wenn das kind einen solchen erzeuger/vater hätte...oder nicht vielleicht doch den, der es sich zusammen mit der partnerin nicht leicht damit gemacht hat, sondern ganz bewusst (sofern es dazu kommt) sich dafür entschieden hat?


    alles immer nur auf kleinliche eifersucht etc. runter zu brechen (marke: der könnte gleich zu denen gehen und dann doppelt unterhalt zahlen), ist nun wirklich nicht erwachsen. ":/

    Ich habe nicht alles gelesen, deshalb habe ich mich auch sehr allgemein ausgedrückt, ohne mich auf spezielle Aussagen zu beziehen.


    Natürlich geht tagtäglich auch anderswo genug schief. Jeder tut und macht in bestem Glauben. Es könnte auch alles wunderbar funktionieren, aber "ohne Not" würde ich die Verantwortung nicht übernehmen wollen.

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    Ich glaube es ist bei einer solchen Entscheidung wichtig sich die negativsten Szenarien vor Augen zu halten und sich zu fragen, ob man damit klar kommt.

    Wenn man sich immer die negativsten Szenarien vor Augen hält und sich fragt, ob man damit klar kommt, dann wird man nie bewusst ein Kind bekommen können. Auch nicht innerhalb einer perfekten Ehe.


    Wenn man so handelt, wird man nie irgendwas machen können, was mit irgendeinem Risiko verbunden ist. Am besten keine Partnerschaft, kein Sex, besser auch nicht Autofahren... am besten den ganzen Tag zuhaus bleiben? Jedenfalls keinesfalls ein Kind in diese Welt setzen.


    Nein, das ist mir zu negativ.


    Man muss bei schwierigen Abwägungen auch die positiven Seiten sehen. Und dass Dinge passieren können, mit denen man nicht klarkommt, das ist leider immer so. Gehört zum Leben dazu.


    Sicher muss man auch die Risiken betrachten. Aber wenn sie eher unwahrscheinlich sind, kann man Risiken auch mal in Kauf nehmen.

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    Am kommenden Wochenende setzen wir uns noch einmal gemeinsam zusammen und werden darüber sprechen, wie sich die Beziehung zu diesem Kind gestalten könnte - wohl wissend, dass man Emotionen nicht im Voraus planen kann. Mein Mann, das Paar und ich - wir können noch nicht sagen, was das mit uns macht. Das ist eine große unbekannte Größe in dem ganzen Vorhaben. Für uns größer als die finanzielle und rechtliche Seite.

    Dann wart ihr also von Anfang an entschieden, euren Freundinnen diesen Gefallen zu tun.


    Antworte doch bitte mal auf die Frage, was dir dein spontanes Bauchgefühl zu diesem Ansinnen gesagt hat.


    Hier wurde die Anfrage mit der Bitte um eine hohe Geldsumme verglichen. Dieser Vergleich ist überhaupt nicht abwegig. Ich kenne mehrere Fälle, in denen Familienmitglieder für andere Familienmitglieder gebürgt habe und in denen die Bürgschaft dann fällig wurde. In all diesen Fällen trat die irritierende Situation ein, dass die "Geretteten" den Kontakt zu den "Rettern" abbrachen, obwohl die Familien zuvor völlig intakt waren und die Zahler den Bezahlten keine Vorwürfe machten.


    Klar können auch Ehen auseinandergehen und das ist ja auch kein Grund, keine Kinder in die Welt zu setzen. Aber hier ist die Konstellation nochmal sehr viel komplexer und heikler, es gibt noch viel mehr Stellschrauben wo was schiefgehen kann.


    Daher bräuchte auch ich an eurer Stelle einen massiven Grund, weswegen ich den Freundinnen diesen Gefallen unbedingt tun sollte. Ein in der Beziehung nicht erfüllbarer Kinderwunsch, weil es sich halt um 2 Frauen handelt, wäre kein Grund für mich (genausowenig wie wenn einer von beiden zufällig unfruchtbar wäre). Das ist nun wirklich nicht mein Problem und ich würde es auch nicht zu meinem machen. Das würde mich auch in keine Gewissenskonflikte wegen der Freundschaft stürzen. Ich hätte ein mieses Bauchgefühl bei der Sache und wenn ich das Ganze dann vernünftig durchdenken würde käme ich auf all die negativen Aspekte, die hier bereits genannt wurden.

    Mein erstes Gefühl: Ja, ich kann es mir vorstellen - aber, hey, es ist ne ganz schön große Nummer, die unser aller Leben verändert.


    Habe eben lang mit meinem Mann gesprochen. Ich habe ihn noch einmal nach seiner Motivation gefragt und muss sagen, dass ich es ebenso denke.


    Er meinte, dass er so dankbar und auch glücklich darüber ist, zwei gesunde und tolle Kinder zu haben, die sein Leben bereichern. Und das möchte er auch den beiden ermöglichen. Weil er sie kennt und darauf vertrauen kann, dass sie gute Eltern sind.


    Natürlich bestehen Risiken. Das ganze Leben ist voll davon. Vielleicht braucht es einfach Mut....

    Ich finde, dass die Voraussetzungen für so eine Konstellation hier eigentlich nicht so schlecht klingen. Es scheint ein großes Vertrauensverhältnis da zu sein. :)z Wenn ihr die soziale, rechtliche und finanzielle Verantwortung bereit seid zu übernehmen, dann könnte das duchaus auch eine spannende Patchworkfamilie werden.


    Ein Halbgeschwister, das NICHT durch eine Trennung oder gar Betrug entstehen würde, hat auch irgendwie was Cooles, könnte ich mir vorstellen.


    Ich finde es von Seiten der Frauen jedenfalls sehr verständlich, dass sie gerne einen Vater für das Kind hätten, den sie vom Wesen her gut finden. (Anonyme Samenspende, die dem Kind den Kontakt zum Vater unmöglich macht, finde ich wie bereits geschrieben generell nicht gut.)


    Außerdem teile ich die Ansicht nicht, dass es mit einem Single-Mann unkomplizierter wäre. Eher im Gegenteil. Bei dem ist noch nichts geklärt und er könnte in kurzer Zeit eine Frau treffen, mit der er dann (nachträglich betrachtet) lieber das erste Kind gezeugt hätte. Oder er verliebt sich in eine Frau, die extrem negativ auf diese Konstellation reagiert und quasi einen Kontaktabbruch fordert. Da ist die Zukunft m.E. viel wengier kalkulierbar als bei einem Mann, der schon Familie hat und dessen Frau (und Kinder) sich diese Konstellation auch vorstellen können.


    Entscheidend wichtig würde ich nur finden, dass er auf jeden Fall eine echte Vaterrolle übernimmt (und zugestanden bekommt).

    Könnte dein Mann sich, rein theoretisch, mit dir oder einer anderen Frau ein drittes Kind vorstellen? Ich meine wenn diese Anfrage NICHT gekommen wäre, hätte er sich ein drittes Kind gewünscht?

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    Er meinte, dass er so dankbar und auch glücklich darüber ist, zwei gesunde und tolle Kinder zu haben, die sein Leben bereichern. Und das möchte er auch den beiden ermöglichen. Weil er sie kennt und darauf vertrauen kann, dass sie gute Eltern sind.

    Verstehe ich das richtig? Würde dein Mann die Vaterschaft "abgeben" oder erst gar nicht annerkennen wollen? Irgendwie fände ich sellber in einer vergleichbaren Situation, genau diesen Gedanken sehr beunruhigend. Weil ich ein Kind oder hier das Kind meines Mannes nicht wie ein "Geschenk" abgeben wollen würde.


    Wie auch immer, ich wünsche euch, dass ihr eure Hilfsbereitschaft später nie bereuen werdet.

    @ :)

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    Entscheidend wichtig würde ich nur finden, dass er auf jeden Fall eine echte Vaterrolle übernimmt (und zugestanden bekommt).

    Sehe ich genau so. Und das werden die beiden Frauen sich wohl so gar nicht vorstellen können. Denn das würde bedeuten, dass dein Mann bei wichtigen Entscheidungen Mitspracherecht hätte und sogar sein Veto einlegen könnte. Zum Beispiel bei Impfen, Umzug, welche Schule, vegane Ernährung ja oder nein... usw

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    Er meinte, dass er so dankbar und auch glücklich darüber ist, zwei gesunde und tolle Kinder zu haben, die sein Leben bereichern. Und das möchte er auch den beiden ermöglichen. Weil er sie kennt und darauf vertrauen kann, dass sie gute Eltern sind.


    Natürlich bestehen Risiken. Das ganze Leben ist voll davon. Vielleicht braucht es einfach Mut....

    Ich kann nicht beurteilen, wie viel Lebenserfahrung hinter dieser Aussage steckt.


    Mein Bauchgefühl sagt einfach NEIN. Klar "muss" die nächste Generation auf dieser Welt irgendwo herkommen, aber unter unseren gegebenen gesellschaftlichen und vor allem gesetzlichen Voraussetzungen, würde ich dies nie als "Freundschaftsdienst" und/oder für ein "gutes Gefühl" für wen auch immer unternehmen.


    Seit Jahren sehe ich eine fortschreitende, "gefühlte", gesetzliche Schlechterstellung von Samenspendern. Was früher einmal ein cooles Taschengeld war, ist längst zum Damoklesschwert geworden. Faktisch gibt es für mich keine anonyme Samenspende mehr, denn das Kind bekommt später vor Gericht das Recht auf Auskunft. Wenn der Samenspender bekannt ist, braucht es gar kein Gericht mehr. Meines Erachtens bemüht sich der Gesetzgeber seit Jahren, die Sozialkosten an dieser Stelle zu senken. Bekannter Vater ist gleich bekannter Zahler. Für ein Kind bezahlen bzw. auch nur in einer Zahlungsverpflichtung für den Fall der Fälle zu stehen, für dass man nur Teilzeitvater mit Teilzeitbefugnissen ist?

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    Und das möchte er auch den beiden ermöglichen.

    Ohne zusätzliche Verantwortung und Belastung für euer bisheriges Leben wird es das nicht geben.


    Vielleicht ist der "Gewinn" und das Glücksgefühl, das ihr beide daraus zieht größer als all das.


    Das könnt aber nur ihr selber beurteilen.


    Wenn, dann nur mit einer umfänglichen Rechtsberatung vorab. Ein "Das-haben-wir-nicht-gewusst" darf es auf keinen Fall geben.

    @ Evoluzzer

    Samenspende kann nunmal kein "cooles Taschengeld" sein wie irgendein Ferienjob ohne weitere Konsequenzen. Da entsteht ein Lebewesen mit Rechten und Gefühlen. Es geht weniger um Geld, als um das Wissen um die eigene Herkunft. Für viele Menschen ist das eine existentielle Frage. Wer nur ein cooles Taschengeld verdienen will soll halt Zeitungen austragen, aber nicht Samen spenden.

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    Entscheidend wichtig würde ich nur finden, dass er auf jeden Fall eine echte Vaterrolle übernimmt (und zugestanden bekommt).

    Aber wie soll das funktionieren? Wenn die Partnerin der biologischen Mutter das Kind adoptiert besteht das Band der rechtlichen Vaterrolle nicht mehr. Und 3 sind IMHO einer zuviel. Eine Vaterrolle, die vergleichbar mit der bei seinen eigenen Kindern ist, kann der Mann nicht übernehmen denke ich, aus rechtlichen, logistischen und emotionalen Gründen. Allerdings finde ich die Konstellation den biologischen Vater zu kennen und eine Beziehung zu ihm und der erweiterten Familie zu haben trotzdem sehr viel besser als eine anonyme Herkunft.

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    Aber wie soll das funktionieren? Wenn die Partnerin der biologischen Mutter das Kind adoptiert besteht das Band der rechtlichen Vaterrolle nicht mehr.

    Er müsste der Adoption nicht zustimmen. Wäre vielleicht interessant zu wissen, ob die Frauen das unter dieser Voraussetzung auch noch wollen würden.

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    Und 3 sind IMHO einer zuviel.

    Finde ich nicht. In dem sehenswerten Beitrag gestern war einer der beiden Co-Parenting-Fall genau so ein Fall: Lesbisches Paar + Mann.


    Es wäre nur zu klären, wie man wichtige Entscheidungen trifft. Während zwei Eltern automatisch in ein Patt geraten, wenn sie etwas anderes sehen könnte bei dreien ev eine Mehrheitsentscheidung erfolgen. Oder sie entscheiden sich, dass immer alle drei einverstanden sein müssen.


    Es leben ja sonst auch viele Kinder mit den neuen Partnern eines oder beider Elternteile zusammen.

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    Eine Vaterrolle, die vergleichbar mit der bei seinen eigenen Kindern ist, kann der Mann nicht übernehmen denke ich, aus rechtlichen, logistischen und emotionalen Gründen.

    Doch, natürlich könnte er das!!!!!