Problem erkannt - aber wie gehts weiter?

    Hallo liebes Forum,


    ich (53) bin mit meiner Freundin (49) seit knapp 4 Jahren zusammen. Wir leben als Patchwork (jeweils 2 Kinder) ca. 30 km voneinander entfernt.

    Ich nehme es als tolle Beziehung wahr, viel Leidenschaft füreinander, immer viel Nähe, gleiche Interessen, liebevoll, ... hört sich sachlich formuliert an, ist aber wirklich ausfüllend und schön, ich bin, trotz aller Schwierigkeiten, die eine Fernbeziehung mit Kinder mit sich bringt, glücklich. x:)


    Komischerweise entstehen seit ca. 2 Jahren Streits fast aus dem nichts heraus, die immer eskalieren und die Beziehung schon ein paar mal schwer beschädigten. Nun fällt mir auf, dass der Ablauf und die Verhaltensmuster immer die gleichen sind:


    Es fängt immer damit an, dass ich sie entweder sachlich kritisiere (ich versuche solche Dinge immer konstruktiv und ohne persönliche Angriffe vorzutragen) oder nicht ihre Bedürfnisse erfülle (es reicht schon sie nach einem für mich sehr anstrengendem Tag nicht zum Einkaufen zu begleiten). Alles wirkliche Kleinigkeiten.


    Sie reagiert auf solche alltäglichen zwischenmenschliche Reibungen sofort, als hätte ich sie persönlich angegriffen. Sie nimmt die Sache, um die es geht, überhaupt nicht an sondern setzt direkt zum Gegenangriff an. dabei holt sie schwere Geschütze hervor, bombadiert mich mit Vorwürfen und verletzt mich. Es wird die gesamte Beziehung schlecht geredet und in Frage gestellt. Wenn sie alle Hasstiraden abgefeuert hat dreht sie sich um und schließt alle Türen. Sie lässt keine Kommunikation mehr zu.


    Mir bleibt nichts anderes übrig als immer wieder "angekrochen" zu kommen, mache mich wirklich zum Hund, den man treten kann, der trotzdem wieder ankommt, dann wird noch einmal auf ihn gepinkelt ... irgendwann wird sie weich. Ich stehe danach aber immer als Schuldiger da, meine Sicht der Dinge und meine Äußerungen zur Sache werden gänzlich ignoriert.


    Ich reflektiere mein Verhalten, ich kann Fehler zugeben, ich kann auf den anderen zugehen, ich bin selbstkritisch ... ich teile mich mit, ich gebe dem anderen zu verstehen was er mir bedeutet, sage ihm, dass ich sie liebe ... alles Dinge, die ich bei ihr nicht erkennen kann.


    Ich bin mir nun sehr sehr sicher, dass sie in einem Verhaltensmuster gefangen ist. Sie kann es nicht ertragen, kritisiert zu werden, sie wird denken, dass sie nicht genügt und voller Fehler ist. Ihr Schutzmechanismus ist es dann sofort anzugreifen und sich zu verschanzen. Erzählungen über ihre Kindheit/Jugend geben dazu Hinweise.


    Aktuell stecken wir knietief - nein, eigentlich bis zum Hals - in solch einer Krise, die mir schwer zu schaffen macht. Ich bin ein schlechter Partner in solchen Krisen, da ich sehr unter Verlustängsten leide.


    Sie hat die Beziehung quasi beendet und will in wenigen Tagen ihre verblieben Sachen abholen. Soweit waren wir aber schon 2 mal ...


    Ich habe nun keine Ahnung wie ich damit umgehen soll. Ich liebe sie und ich will sie nicht verlieren, ich will mit ihr daran arbeiten. Tipps wie "Mensch, trenn dich" helfen mir nicht, denn ich möchte mit ihr zusammen bleiben.


    Das Problem ist, dass ich denke, dass ich ihr meine Erkenntnisse nicht nah bringen kann, da ich damit genau in ihre Wunde steche. Sie würde direkt wieder in den Angriffsmodus wechseln, da ich sie kritiere.


    Ich bin sehr ratlos und unglücklich. :-(


    Danke für eure Worte oder Erfahrungen ...

  • 140 Antworten

    Vermutlich ne blöde Frage, aber konntet ihr euch in einer ruhigen Minute Mal zusammensetzen und genau darüber reden? Weiß sie, wie sie ist und wie es dir damit geht?

    Nein ... ich habe erst jetzt diese Verhaltensmuster erkennen können (vielelicht auch zu spät).


    Sie hat vor einem Jahr mal in einer Nachricht so etwas durchscheinen lassen, dass sie viele Ängste hat aber es nicht mehr zugelassen, das Thema weiter zu behandeln.


    Die Mauer muss unheimlich hoch sein.

    Du schreibst: eine glückliche Beziehung. Ich lese dann aber nur Negatives. Für mich klingt das nach Beziehung im Xrsch.

    Vor allen Dingen, sieht man ihre Seite, ist sie doch offensichtlich voller Wut auf das, was du machst. Und wo du, in ihren Augen nur Schxxße baust, statt ihr zur Seite zu stehen.


    Was glaubst du nun ernsthaft, was sie erzählen würde? Wieviel davon reflektierst du denn? Sie sieht deine "Sachlichkeit" als Angriff, sie würde doch sicherlich behaupten, du machst nichts Gutes, was in ihre Richtung gehen würde....

    Kauf dir das Buch:


    Das Kind in dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl.


    Da werden genau solche Beziehungsmuster, wie du sie schilderst, aufgeführt. Und was man machen kann.

    Da müssen aber beide ran, um das aufzuarbeiten, sonst: no chance....

    Im Grunde ist sie ja gerade Deine Ex-Partnerin, richtig?. Ich sehe hier unerfüllte Bedürfnisse ihrerseits, die sie mit extremer Emotion kundtut. Ihre Sicht scheint gerade zu sein, bevor man mir noch mehr wehtut, beende ich lieber das Ganze.


    Wo siehst Du Deinen Anteil in diesen ständigen Streitereien? Hast Du das Gefühl, dass Du Dich für sie ändern solltest, also dass sie will, dass DU Dich änderst? Hast Du mal gefragt, was sie genau in solch einer Situation von Dir erwartet?


    Euch fehlt scheinbar echte Kommunikation, das Äußern von eigenen Wünschen und Erwartungen. Wobei ich oft denke, je mehr Erwartungen ich an den anderen habe, desto vertrackter wird es und desto mehr werde ich enttäuscht. Mir fehlt da von ihrer Seite ein stückweit auch der Respekt. Sich beleidigt in die Ecke zu verziehen und den anderen am ausgestreckten Arm verhungen zu lassen, zeigt wahrlich keine Größe und auch keine Konfliktfähigkeit.


    "Trenn Dich" kann man Dir eh nicht raten, da sie ja die Beziehung beendet hat. Sollte sie sich nochmals darauf einlassen wollen, dann müssen viele viele offene Gespräche geführt werden, ohne Vorwürfe, sondern mit Ich-Botschaften. Also nicht dieses "Du machst immer ..." sondern "Ich fühle mich in der Situation ...".


    Trotzdem finde ich es sinnvoll, wenn Du - egal, ob es nochmal eine Beziehung wird - Dich damit auseinander setzt, was genau Dein Anteil an diesen Streitereien ist. Richtung Selbstreflektion. Du scheinst sie mit Deiner Art zu kritisieren ja irgendwie zu triggern.


    In Deinem Eingangspost kommst Du tatsächlich besser weg, als sie. Sieht sie Dich auch reflektiert und selbstkritisch? Oder denkst Du nur, Du wärst es?


    Eines möchte ich Dir noch mit auf den Weg geben: Manchmal reicht es nicht, sich zu lieben. Trotz Gefühle füreinander passt es nicht. Unerfüllte (und unausgesprochene) Erwartungen zermürben die Gefühle. Und das von Dir gefühlte Ungleichgewicht ala ich komme dann immer angekrochen macht ja auch was mit Dir und Deinen Gefühlen.

    Zitat

    Wo siehst Du Deinen Anteil in diesen ständigen Streitereien? Hast Du das Gefühl, dass Du Dich für sie ändern solltest, also dass sie will, dass DU Dich änderst? Hast Du mal gefragt, was sie genau in solch einer Situation von Dir erwarte.

    All unsere Streitigkeiten beruhen auf Kleinigkeiten, wie ich bereits beschrieben habe. Ich denke, dass die Dosierung völlig unangemessen ist, das ist in meinen Augen der Knackpunkt. Ich denke, dass sie natürlich getriggert wird, leider von Nichtigkeiten. Die Dinge, um die es geht können eine Beziehung eigentlich nicht gefährden. Sie lösen aber immer sofort eine enorme Verletzung in ihr aus, die ich nicht verursache. Ich denke, dass sie ein verstecktes Trauma hat, dass sie in der Kindheit ein Defizit an Anerkennung o.ä. hatte und sich das für sie nun wiederholt.


    Ich versuche ständig mich zu ändern/verbessern. Ich habe mich selbst in professionelle Hände begeben.


    Solche Gespäche/Austausch sind so gut wie nicht möglich, da sie keine andere Ansicht zulässt.

    Zitat

    Euch fehlt scheinbar echte Kommunikation, das Äußern von eigenen Wünschen und Erwartungen. Wobei ich oft denke, je mehr Erwartungen ich an den anderen habe, desto vertrackter wird es und desto mehr werde ich enttäuscht. Mir fehlt da von ihrer Seite ein stückweit auch der Respekt. Sich beleidigt in die Ecke zu verziehen und den anderen am ausgestreckten Arm verhungen zu lassen, zeigt wahrlich keine Größe und auch keine Konfliktfähigkeit.

    Ja, da hast du recht. Ich will ja kommunizieren, sie blockt aber sofort ab, siehe Ablauf bei Konflikten. Ich finde es gut gewisse Erwartungen zu äußern, denn der Partner kann nicht alles erraten.


    Sie wirft bei Streitigkeiten jeglichen Anstand über Bord, die Beziehung wird sogar per Whatsapp beendet.


    Ja, sie behandelt mich dann schlecht, verletzend und entwürdigend.

    Zitat

    Trotzdem finde ich es sinnvoll, wenn Du - egal, ob es nochmal eine Beziehung wird - Dich damit auseinander setzt, was genau Dein Anteil an diesen Streitereien ist. Richtung Selbstreflektion. Du scheinst sie mit Deiner Art zu kritisieren ja irgendwie zu triggern.


    Ich reflektiere mich ständig, glaub mir. Ich kenne all meine Ängste und Verhaltensweisen (was nicht heisst, dass ich alles problemlos lenken kann). Ja, ich trigger sie bestimmt, ich transportiere aber keine Anlässe ... deswegen bin ich sicher, dass es etwas in ihr weckt, dass rein sachlich nicht damit zu tun hat.

    Zitat

    Sieht sie Dich auch reflektiert und selbstkritisch? Oder denkst Du nur, Du wärst es?

    Auch wenn es arrogant klingen mag: Ich denke, ich bin wesentlich reflektierter. Ich habe mich vor vielen Jahren geöffnet und befasse mich mit meinen Stärken und Defiziten.

    Es wäre jetzt wirklich interessant, ihre Sicht auf die Dinge zu hören. Was aus Deiner Sicht Kleinigkeiten sind, tatsächlich sind, ist aus ihrer Sicht vielleicht unheimlich wichtig? Wahrscheinlich? Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass sie ausflippt, weil Du aus ihrer Sicht Kleinigkeiten falsch machst.


    Vielleicht bist Du reflektiert, ja, aber bist Du auch empathisch? Hast Du in all der Zeit versucht, zu verstehen, weshalb sie so ausflippt? Weshalb Dein Verhalten sie triggert?

    Also - es mag sein, dass Du Dein Problem erkannt hast, und dazu gratuliere ich Dir auch, ich habe aber nicht im Ansatz das Gefühl, dass Du ihr Problem erkannt hast.

    Zitat

    (es reicht schon sie nach einem für mich sehr anstrengendem Tag nicht zum Einkaufen zu begleiten).

    Was wäre, wenn sie auch meinen würde, dass sie einen anstrengenden Tag gehabt hätte? Bleibt dann der Kühlschrank leer, weil gar keiner einkauft?

    Was machst du in der Zeit, in der deine Freundin dann einkauft? Dich von deinem anstrengenden Tag erholen?

    Oder funktioniert das auch mal umgekehrt, dass sie nach einem anstrengenden Tag nicht mit zum Einkaufen geht?

    Zitat
    Zitat (es reicht schon sie nach einem für mich sehr anstrengendem Tag nicht zum Einkaufen zu begleiten).

    Was wäre, wenn sie auch meinen würde, dass sie einen anstrengenden Tag gehabt hätte? Bleibt dann der Kühlschrank leer, weil gar keiner einkauft?

    Was machst du in der Zeit, in der deine Freundin dann einkauft? Dich von deinem anstrengenden Tag erholen?

    Oder funktioniert das auch mal umgekehrt, dass sie nach einem anstrengenden Tag nicht mit zum Einkaufen geht?

    Wir leben nicht in einem Haushalt.


    Dann fände ich es bestimmt 10 Minuten lang doof. Aber ich würde, wenn Bedarf dazu wäre, ihr meinen Unmut schildern und das Thema besprechen..

    Was sind denn aus deiner Sicht deine Defizite?

    Für mich ist deine Verlustangst etwas, was dir hier im Weg steht, dazu kommt mangelndes Selbstbewusstsein. Wer eine solche Beziehung als "glücklich" bezeichnet und meint

    ratloos schrieb:

    Mir bleibt nichts anderes übrig als immer wieder "angekrochen" zu kommen

    der hat ganz massive eigene Probleme.


    Was rät dir denn dein Therapeut, ob/ wie du in eurer Beziehung das Ruder nochmal herumreißen könntest? Für mich sieht das schon zu verfahren aus als dass es in dieser Konstellation (dh mit euch beiden) nochmal was werden könnte. Aber für die Zukunft könntest du auf jeden Fall etwas dazulernen.

    Zitat

    Es wäre jetzt wirklich interessant, ihre Sicht auf die Dinge zu hören. Was aus Deiner Sicht Kleinigkeiten sind, tatsächlich sind, ist aus ihrer Sicht vielleicht unheimlich wichtig? Wahrscheinlich? Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass sie ausflippt, weil Du aus ihrer Sicht Kleinigkeiten falsch machst.


    Vielleicht bist Du reflektiert, ja, aber bist Du auch empathisch? Hast Du in all der Zeit versucht, zu verstehen, weshalb sie so ausflippt? Weshalb Dein Verhalten sie triggert?

    Natürlich kann es sein, dass es für sie die Kleinigkeiten wichtige Dinge sind. Aber das kann man dann doch auch mitteilen. Da ich keine hellseherischen Fähigkeiten besitze kann ich nicht immer erahnen, was welche Wichtigkeit besitzt. Es versuche es ja zu deuten, es klappt aber nicht immer.


    Dieses Ausflippen ist es, das mir unerklärbar ist. Sie ist bestimmt getriggert, ich wiederhole mich, aber nicht von mir direkt verursacht.


    Ich habe selbst solche Muster, ich kann unbewusst und ungewollt getriggert werden. Ich habe das für mich erkannt und habe gelernt meine Raektionen darauf (inzwischen immer besser) zu beherrschen.


    Ich kann dir die Frage nicht beantworten, ob ich empathisch bin ... ich versuche mich in andere Menschen zu versetzen und sie zu verstehen.

    Zitat

    Also - es mag sein, dass Du Dein Problem erkannt hast, und dazu gratuliere ich Dir auch, ich habe aber nicht im Ansatz das Gefühl, dass Du ihr Problem erkannt hast.

    Das stimmt, deswegen zermürbe ich mir den Kopf, um dahinter zu kommen. Es ist nur schier unmöglich, wenn direkt am Anfang eines Konfliktes direkt mit allen möglichen Waffen angegriffen und die Tür verschlossen wird.

    ratloos schrieb:

    Es ist nur schier unmöglich, wenn direkt am Anfang eines Konfliktes direkt mit allen möglichen Waffen angegriffen und die Tür verschlossen wird.

    Ihr steht doch längst nicht mehr am Anfang des Konflikts, sondern am Ende. Wenn Konflikte über längere Zeit so "gelöst" werden, dass einer dem anderen hündisch hinterherkriecht, um ihn wieder gnädig zu stimmen, nachdem dieser andere wie üblich ausgerastet ist, wie soll man das dann noch in eine sachgerechte Konfliktlösungsstrategie umwandeln??

    Zitat

    Ihr steht doch längst nicht mehr am Anfang des Konflikts, sondern am Ende. Wenn Konflikte über längere Zeit so "gelöst" werden, dass einer dem anderen hündisch hinterherkriecht, um ihn wieder gnädig zu stimmen, nachdem dieser andere wie üblich ausgerastet ist, wie soll man das dann noch in eine sachgerechte Konfliktlösungsstrategie umwandeln??

    ... oder bereits hinter dem Ende.


    Das ist ja mit Teil der Problematik. Ich bin in jedem Moment bereit gewesen am Konflikt zu arbeiten, nur diese Möglichkeit wird durch ihre Blockade genommen.


    Und ja, später, wenn es bereits eskalierte ist es sehr schwierig sachlich zu werden. Ich sehe aber immer über Verletzungen hinweg, da ich das Ziel im Auge habe.