• Problem mit Verhältnis zu Eltern

    Hallo zusammen, ich habe seit vielen Jahren eine problembehaftete Beziehung zu meinen Eltern. OK, wahrscheinlich wie viele Menschen. Erzogen wurde ich sehr autoritär, also mit Gewalt statt Liebe und Respekt. Als Erwachsene stehe ich mittlerweile mitten im Leben, habe in einer Therapie das Gröbste versucht zu verarbeiten, was in meiner Kindheit so los…
  • 42 Antworten

    Noch dies: Ein Wechsel erfolgt häufig auch dann, wenn der Patient den Therapeuten als nicht wirklich fähig erlebt. Denn genau wie in anderen Berufen gibt es auch hier schwarze und dumme Schafe.

    Vielen lieben Dank, @minimia!!


    Es ist nur so, dass die Therapie, mit deren Ausgang ich hadere, schon über zwei Jahre zurückliegt. Ich habe ihn als sehr fähig empfunden, ihm 100% vertraut und musste am Schluss anhand verschiedener Bemerkungen erleben, dass er das, was ich vorbringe, was ich denke und fühle, insgesamt lächerlich findet. Er konnte seine Langeweile und seinen Überdruss kaum noch überspielen.


    Aber das soll hier nicht das Thema sein. Ich versuche das total zu verdrängen, aber es wird nicht besser. Ich kann es nicht besser beschreiben. Eigentlich ist es eine beschissene Erfahrung, sich hintenraus so verraten und verkauft zu fühlen.


    Das Fazit der Therapie war (für mich) jedenfalls, dass ich das Verhältnis zu meinen Eltern verbessern konnte, aber insgesamt mein Vertrauen in die "Welt" praktisch abhanden gekommen ist.


    Ich bin mir nicht sicher, ob ich nochmal eine Therapie durchstehe. Danke für deine ausführlichen Anmerkungen. Meine bisherige Therapieerfahrung könnte ich aber nicht weglassen, denn damit hängt ja ein großer Teil meines Kummers zusammen.

    Hallo @xirain,


    vielen lieben Dank für deine Erfahrungen.


    Du schreibst:

    Zitat

    Ich möchte nicht dass ihr mich besuchen kommz, weil es gür euch stress ist weil meine wohnunh nicht sauber genug ist und für mich ist es stress weil ich mich dann schlecht fühle.

    Exakt das denke ich auch dauernd, und es verursacht mir sehr viel Stress. Für mich geht Putzen nicht so leicht wie Zähneputzen... Besuch (nicht nur von den Eltern) ist für mich der pure Stress.

    Zitat

    Du bist erwachsen...verfalle nicht zurück in die kinderrolle. Wenn sie etwas tun was dir nicht passt...geh.


    Du darfst auch auflegen am telefon...

    Ich möchte das gern glauben. :°(


    Ich weiß nicht mehr, was richtig ist. Ich fühle mich immer fremder in meiner Familie/Verwandtschaft.

    Zitat

    Ich muss allerdings sagen...seit meine mutter selbst zur therapie geht, ist sie deutlich weniger explosiv geworden... sie ist entspannter, kümmert sich mehr um sich selbst als um mein leben...das find ich sehr angenehm

    Das finde ich super!!!! Meine Mutter oder sonstige verwandte Person würde das nie tun. Leider. Ich habe es ihr auch schon vorgeschlagen, damit wir uns besser verstehen. In meiner Familie ist leider so der Wurm drin, für die Zahl der Alkoholiker würden die Finger einer Hand nicht ausreichen.


    Ich habe es mit Defensive versucht, mit Rückzug, mit Verstehenwollen. Aber letztlich steh ich grad da, am Ende meiner Kräfte, und denke eigentlich wieder nur, dass meine einzige Chance der totale Rückzug ist. Klingt aber so destruktiv.


    Der Rechtfertigungsdruck mir selbst und anderen gegenüber ist immer noch wahnsinnig hoch.


    Wie geht ihr da draußen denn mit Menschen um, die euch eigentlich nur Steine und Unverständnis in den Weg legen? Spielt das Verwandtschaftsverhältnis eine Rolle für euch?

    Zitat

    (Ich hadere so sehr mit diesem Therapeuten, dass ich allein schon das wohl nochmal aufarbeiten muss. Macht denn da der nächste Therapeut mit...?? Das ist doch wie Verrat)

    Das finde ich interessant, besonders, weil deine Therapie abgeschloßen ist. Du scheinst ein sehr loyaler Mensch zu sein, der sich schnell zu Dankbarkeit und Treue verpflichtet fühlt, nur weil irgendwas nettes kam. Selbst die Haltung zu Ende der Therapie scheint bei dir keine Wut auf den Therapeuten auszulösen, dass scheint alles munter weiter in dir zu gären. Damit hast du in gewisser Hinsicht mit deinem Therapeuten genau die Situation mit deinen Eltern nochmal nachgebaut, aber ohne sie zu lösen.


    Dabei hättest du ein Recht auf Wut. Immerhin wurde der Mann dafür bezahlt dich ernst zu nehmen und wenn ihm der Klient nicht liegt, dann kann er das ja kommunizieren und klar stellen, dass eine Therapie bei ihm keinen Sinn mehr macht. Das wäre seine Aufgabe gewesen, er hat es, zu deutsch, verkackt, undzwar auf deine Kosten.


    Auch bei deinen Eltern sehe ich das so. Sie benehmen sich daneben, vorher haben sie ausschließlich ihre Pflicht erfüllt und den Job "Eltern" offenbar nicht besonders liebevoll und gut erledigt. Trotzdem siehst du dich scheinbar als die Belastung und du scheinst irgendwas wieder gut machen zu wollen.


    Findest du dich wirklich so furchtbar, dass du deine Existenz wieder gut machen musst?

    Zitat

    Ich weiß nicht mehr, was richtig ist. Ich fühle mich immer fremder in meiner Familie/Verwandtschaft.

    Eigentlich ist das ein gutes Zeichen, weil es bedeutet das du die familiären Dynamiken und Verhaltensmuster verlässt, die ja aber auch in erster Linie von destruktiv sind und von Respektlosigkeit zeugen. Du fühlst dich fremder, weil du fremder wirst. Diese übergriffige Art mit Menschen umzugehen wird dir immer fremder und das ist gut, auch wenn es erstmal Angst macht.

    Zitat

    Wie geht ihr da draußen denn mit Menschen um, die euch eigentlich nur Steine und Unverständnis in den Weg legen? Spielt das Verwandtschaftsverhältnis eine Rolle für euch?

    Solche Menschen sortiere ich aus. Sie können sich entscheiden so arschig zu sein wie sie möchten, dass ist allein ihr Dind, aber ich darf frei entscheiden mit wem ich meine knapp bemessene Lebenszeit verbringen möchte und wie, mit welchem Gefühl. Deswegen habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meinem Vater plus Familie oder meinem Adoptivvater und hatte länger keinen mit meiner Mutter, aber wir haben es, auch dank ihrer enormen Arbeit an sich selbst, wieder hinbekommen.

    Ich kann Deine Situation aus eigenem Erleben gut nachempfinden und möchte Dir Mut für eine neue Therapie machen. Eine Therapie abzuschließen heißt NICHT, dass Du "fertig" bist. Ich habe nach 50 Stunden eine Therapie abgebrochen, weil die Therapeutin mich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter gebracht hat . 2 Jahre später habe ich eine neue Therapeutin gefunden, mit der ich in kürzester Zeit auf die Kernpunkte gestoßen bin. Nur so konnte ich eigene Muster erkennen, verändern und stabilisieren. Die Schuld habe ich symbolisch bei meiner Therapeutin in den Mülleimer geworfen.


    Du bist Deinen Eltern zu nichts verpflichtet. Selbst wenn Du den Gedanken des "Zurückgebens" hast, solltest Du Dir vor Augen führen, was SIE Dir gegeben haben. Du kannst Deinen Eltern nur anders begegnen, ändern kannst Du sie nicht. Ich habe nach dem Kontaktabbruch meine Eltern mit den Gründen für meine Therapie konfrontiert und sie gezwungen, sich mit ihrem Anteil auseinander zu setzen. Das war noch mal eine harte Phase, aber sie hat uns näher gebracht.


    Bleib bei Dir, schütze Dich, wenn der Kontakt Dir -noch nicht- gut tut. Ich habe mich über mehrere Jahre mit meinen Eltern nur auf neutralem Boden getroffen und diesen auch mal beendet mit der Ansage "ihr tut mir heute nicht gut".


    :)* Thea

    Zitat

    denke eigentlich wieder nur, dass meine einzige Chance der totale Rückzug ist. Klingt aber so destruktiv.

    Es mag so klingen, IST es aber definitiv nicht! Es ist das Konstruktivste, was du machen kannst. Für dich, deinen Seelenfrieden, deine dann deutlich stressfreiere Lebenszeit.

    Zitat

    Wie geht ihr da draußen denn mit Menschen um, die euch eigentlich nur Steine und Unverständnis in den Weg legen?

    Solche Menschen will ich in meinem Leben nicht haben. Ich kann jede Person, die mich umgibt, frei wählen.

    Zitat

    Spielt das Verwandtschaftsverhältnis eine Rolle für euch?

    Nur bedingt. Meinen Eltern habe ich schon etwas mehr Spielraum gegeben, allerdings kracht es auch hin und wieder ordentlich, wenn vor allem meine Mutter meint, meine Grenzen ankratzen zu wollen. Bis dahin war es jedoch ein längerer Prozess und heute bin ich sofort bereit, den Kontakt auf Eis zu legen oder ihn im Härtefall abzubrechen. Ich habe über die Zeit lernen müssen, dass es mir besser geht, wenn ich aus diesen Kindheits-Abhängigkeits-Mustern heraus trete.


    Eine Tante hingegen hat keinen Spielraum bekommen. Ich habe keine emotionale Bindung an sie und fand ihr Benehmen mir gegenüber oft unterirdisch. Zu meinen Festivitäten wird sie gar nicht mehr eingeladen, und bei anderen Familienfeiern ignoriere ich sie.

    Zitat

    Meine bisherige Therapieerfahrung könnte ich aber nicht weglassen, denn damit hängt ja ein großer Teil meines Kummers zusammen.

    Dann entscheide dich für die Option "Offenheit". Erzähle von deinen Erfahrungen mit der Therapie, wie sehr dich das verletzt hat und wie sensibilisiert du nun diesbezüglich bist, und ich bin ziemlich sicher, dass ihr einen Umgang damit finden werdet. Es wäre so wichtig für dich, den Ausgang der ersten Therapie zu verarbeiten.


    Ich hatte in einer Klinik auch mal einen Therapeuten, bei dem ich Vorbehalte hatte. Ich hatte ihm das in der ersten Sitzung sofort kommuniziert, er bedankte sich daraufhin für meine Offenheit und das kleine Vorschussvertrauen. Das war der Startschuss für eine wunderbare gemeinsame Arbeit. Wir haben noch heute, Jahre später, Kontakt zueinander, und ich wünsche mich manches Mal in diesen gemütlichen Korbsessel auf ein Schwätzchen mit ihm zurück. :)z

    Guten Abend, das sind alles sehr gute Antworten. Warum bin ich bloß nicht früher darauf gekommen, hier mal meine Frage loszuwerden?


    Hallo danae87.

    Zitat

    Du scheinst ein sehr loyaler Mensch zu sein, der sich schnell zu Dankbarkeit und Treue verpflichtet fühlt, nur weil irgendwas nettes kam.

    Möglicherweise ja. Vielleicht habe ich dergleichen wenig erlebt, um es als selbstverständlich zu sehen.

    Zitat

    Selbst die Haltung zu Ende der Therapie scheint bei dir keine Wut auf den Therapeuten auszulösen, dass scheint alles munter weiter in dir zu gären. Damit hast du in gewisser Hinsicht mit deinem Therapeuten genau die Situation mit deinen Eltern nochmal nachgebaut, aber ohne sie zu lösen.

    Ganz genau. Wütend bin ich schon, eher so ohnmächtig wütend. Eigentlich genau wie damals gegen meine Eltern. Stimmt also.

    Zitat

    siehst du dich scheinbar als die Belastung und du scheinst irgendwas wieder gut machen zu wollen.


    Findest du dich wirklich so furchtbar, dass du deine Existenz wieder gut machen musst?

    Eigentlich finde/fand ich mich völlig in Ordnung, ich war pflegeleicht, und trotzdem war ich nicht "richtig". Wenn ich aber heute sage, dass mir z. B. beruflich etwas gelungen ist, wird mir gleich eins auf den Deckel gegeben, ich soll mal bitte nicht abheben. (Mein Pech ist es, hochbegabt/hochsensibel zu sein, dadurch habe ich mich extrem lange auf mich selbst verlassen, dass ich das schon irgendwie schaffe, durch die Widrigkeiten zu kommen, aber jetzt kommt die Quittung. Ich habe mich so stark zurückgezogen, dass ich kaum noch Freunde habe, weil ich mein Vertrauen verloren habe.)

    Zitat

    Du fühlst dich fremder, weil du fremder wirst. Diese übergriffige Art mit Menschen umzugehen wird dir immer fremder und das ist gut, auch wenn es erstmal Angst macht.

    Danke für diesen Gedanken. Muss ich mal weiter verfolgen.

    Zitat

    ...ich darf frei entscheiden mit wem ich meine knapp bemessene Lebenszeit verbringen möchte und wie, mit welchem Gefühl. Deswegen habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meinem Vater plus Familie oder meinem Adoptivvater und hatte länger keinen mit meiner Mutter

    Waren das längere Prozesse des "Aussiebens" oder gab es jeweils einen konkreten Auslöser?

    Thea58, auch dir vielen Dank.


    Ich kann immer noch nicht glauben, was ich hier lese:

    Zitat

    Du bist Deinen Eltern zu nichts verpflichtet.

    Also natürlich glaube ich das, aber dieser "Glaubenssatz", dass ich sehr wohl verpflichtet sei, der wurde mir so eingeprügelt, dass es so schwer ist, diese Tatsache neu anzuschauen.

    Zitat

    Du kannst Deinen Eltern nur anders begegnen, ändern kannst Du sie nicht.

    Wenigstens das habe ich schon begriffen. Aber ich bin immer wieder aufs Neue von den (scheinbar absichtslosen) Verletzungen und Übergriffen überrascht, da ich ja nichts will als ein normales Verhältnis, ohne dass sich ständig neue Falltüren öffnen.

    Zitat

    Ich habe mich über mehrere Jahre mit meinen Eltern nur auf neutralem Boden getroffen und diesen auch mal beendet mit der Ansage "ihr tut mir heute nicht gut".

    Sehr cool. Muss ich mal ins Auge fassen... Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich das trauen werde. Es gibt eine große Kultur der Nicht-Offenheit in meiner Familie.


    Ich weiß nur, dass meine Mutter Gefühle sehr gut manipulieren kann. Was für eine Perfidie.

    Zitat

    Waren das längere Prozesse des "Aussiebens" oder gab es jeweils einen konkreten Auslöser?

    Mh. sowohl als auch. Da gab es jeweils eine längere Geschichte zu, aber irgendwann war das Fass halt dann voll.

    Hey minimia, ebenfalls danke, dass du nochmal geschrieben hast.


    Das mit der ignorierten Tante ist auch so eine Geschichte bei mir. Sie tut nicht nur mir nicht gut, sondern allen anderen auch nicht, und keiner wagt, sie mal "auszuladen" oder ihr einfach mal Bescheid zu sagen, dass ihr Verhalten nicht sozialverträglich ist. Ich finde das so hinterfotzig..., so energieraubend.


    Denn dadurch wird immer so viel gemeinsame Verwandtschaftszeit vergiftet.

    Zitat

    Bis dahin war es jedoch ein längerer Prozess und heute bin ich sofort bereit, den Kontakt auf Eis zu legen oder ihn im Härtefall abzubrechen. Ich habe über die Zeit lernen müssen, dass es mir besser geht, wenn ich aus diesen Kindheits-Abhängigkeits-Mustern heraus trete.

    So ist es wohl. Rational ist mir absolut alles klar. Emotional gehe ich am Krückstock, da ich fast nichts davon umsetzen kann. Danke, dass ich das wieder schwarz auf weiß vor mir lesen kann. @:)

    Mal meine Frage umgedreht (sorry, beschäftigt mich grad extrem, das Thema):


    Wie macht man Eltern glaubhaft klar, die das bisher noch nicht begriffen haben, dass ihre Kinder ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet sind?


    Ich höre immer wieder nur Totschlagargumente (von Elternseite): "Aber ich bin doch deine Mutter...!"


    Zieht irgendwie nicht.


    Soll ich das Argumentieren+Erklären, warum das so ist, einfach aufgeben und mich endlich besser fühlen?

    Guten Morgen Inamarie


    ich habe deinen Faden einmal gelesen und gesehen, dass du schon hervorragende Gedanken an die Hand bekommen hast. Ich werde darum erst mal nur auf deinen ersten und letzten Beitrag eingehen. Was ich schreibe, deckt sich logischerweise großenteils mit dem der anderen Forumsteilnehmer. Vielleicht führt es aber auch etwas weiter, zumindest versuche ich es.

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    Immer wieder versuchen sie mich klein zu machen, zu kritisieren, mir nicht zu gönnen, was ich mir aufgebaut habe. Als ob sie nicht verstehen können, dass ich tatsächlich alleine was geschafft habe. Sie können nicht loslassen.

    Es geht nicht darum, dass sie es nicht "verstehen" können. Sondern es geht darum, dass es nicht in das Bild von dir passt, das sie brauchen, um dich weiterhin an sich zu binden. Dafür brauchen sie erstens das "immer noch lebendige Kind in dir" und das erhalten sie geschickt am Leben. Und dazu brauchen sie zweitens SCHULD, denn Schuld ist eines der stärksten Bindemittel überhaupt. Interessanterweise lassen sich viele Menschen, ähnlich wie du, über solche Schuldgefühle hervorragend festhalten, weil das Unbewusste sagt "Besser durch Schuld gebunden als gar nicht mehr im Leben des anderen vorzukommen". Versuche doch bitte mal diesen Gedanken aufzugreifen.

    Zitat

    Trotzdem kriege ich es immer noch nicht fertig, meine Unabhängigkeit auch zu "leben".

    Das könnte also daran liegen, dass du dich ohne sie nicht "komplett" fühlen würdest, sie gehören zu dir und deinem Leben, weil du ihnen dein Leben verdankst. Das instrumentalisieren sie und erzeugen dadurch bei dir die oben erwähnten Schuldgefühle. Und so lange du das annimmst, bist du nun mal nicht unabhängig. Sie kennen die notwendigen Wege zu erreichen, dass du es annimmst und die Schuldgefühle sind bisher trotz aller Therapie und Einsicht geblieben. Nicht oben im Verstand, sondern seht tief im Unbewussten, in dem, was wir Herz nennen.

    Zitat

    Mein Konflikt ist, dass sie es immer wieder schaffen, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil ich ihnen nicht "helfe", sprich, ihnen z. B. auf Zuruf finanziell unter die Arme greife, oder mich in sonstiger Weise kümmere. Ich weiß nicht wie und wen ich sonst fragen soll: Bin ich denn zu irgendwas verpflichtet? Muss ich mich schlecht fühlen, wenn ich 'nein' sage und es mir im Grunde ziemlich egal ist, wie es ihnen geht und ich lieber meine Ruhe habe?

    Natürlich musst du dich nicht schlecht fühlen, aber das weißt du doch seit Jahren. Die Frage ist, wie Kopf und Herz miteinander kommunizieren können, damit du damit aufhören kannst.


    Dazu rate ich immer zunächst, die Gefühle, die zu einer solchen Belastung führen, sehr genau anzuschauen und auf keinen Fall mehr zu verdrängen. Das tut erst mal richtig weh, aber letztlich hast du damit ja längst angefangen, als du hier gepostet hast.

    Zitat

    Und was ist eigentlich vertretbar, wenn sie später vielleicht wirklich mal irgendwann auf Hilfe angewiesen sind? Muss ich da springen?

    Warum glaubst du, das JETZT schon klären und dich darauf festlegen zu müssen? Weil sie das thematisiert haben? Oder eben nur, weil sie erfolgreich das in dir am Leben halten, was du "schlechtes Gewissen" nennst, was aber letztlich nur Schuldgefühle sind?

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    Der Kontakt tut mir nicht gut, ich muss immer auf der Hut sein, nicht verletzt zu werden.

    Auch hier liegt der gesamte Handlungsspielraum nur bei dir. Nur derjenige, der sich verletzt fühlt, kann diese Verletzung heilen, niemand sonst.

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    Wie macht man Eltern glaubhaft klar, die das bisher noch nicht begriffen haben, dass ihre Kinder ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet sind?

    Du gehst interessanterweise auf die Außenansicht und benutzt das Wort "man", dabei meinst du aber DICH. Dabei läufst du voll in ihre Falle und glaubst ihnen, dass sie es nicht "verstehen". Natürlich könnten sie es VERSTEHEN, wenn sie versuchen würden, es mit dem Verstand zu erfassen. Daran haben sie aber nicht das geringste Interesse, und es würde auch wenig nutzen. Denn das, womit sie dich binden, sitzt nicht im Verstand. Sie binden dich durch "Schuld und Verpflichtung", weil sie dich BRAUCHEN, oder weil sie glauben, dich zu brauchen.

    Zitat

    Soll ich das Argumentieren+Erklären, warum das so ist, einfach aufgeben und mich endlich besser fühlen?

    Weder noch. "Argumentieren und Erklären" würde wieder nur ihren Kopf erreichen, der spielt aber bei dem, was sie mit dir machen, keine Rolle.


    Aufgeben würde nicht dazu führen, dass du dich besser fühlst.


    Der Weg geht anders. Das Ziel ist Distanz, aber der erste Schritt heißt "Verstehen". Und damit meine ich, dass DU verstehen und begreifen müsstest, warum sie das tun und warum du auf die Erzeugung deiner Schuldgefühle ansprichst. Das bedeutet natürlich nicht, dass du "Verständnis" für sie haben sollst, es geht nur um das Verstehen. Es geht darum, sie nicht verurteilen und abwerten zu müssen. Es geht nur darum, sie in ihrer kleinen Welt der Bedürftigkeit zu begreifen. Und dann kann – in überschaubaren Schritten – aus dem rein intellektuellen Verstehen Distanz erzeugt werden. Da du intelligent bist, bin ich sicher, dass du das schaffen kannst. Hab nur etwas Geduld mit dir.

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    "Aber ich bin doch deine Mutter...!"

    Dieses Argument sticht nicht. Auch Eltern müssen sich den Respekt verdienen. In der Regel können sie das aber nur, wenn sie selbst ihr Kind respektvoll behandeln, also ein respektvolles Miteinander vorleben.


    Was deine Mutter einfordert, ist, dass du nach wie vor ihre Authorität anerkennst, und dich ihr als Kind unterzuordnen hast. :|N

    Hab jetzt nicht den ganzen Faden durchgelesen. vlt. enthält er ähnliche Ansichten wie meine folgenden:


    Auch ich habe ein Leben lang unter meinen Eltern gelitten- ja, es war auch eine andere Zeit kurz nach dem Krieg- Erziehungsmethoden und Werte, die man an seine Kinder weitergeben wollte waren anders als heute.


    Ich bin nach der Ausbildung weg von zuhause u. habe mein Leben alleine aufgebaut.


    Deine (Pflicht)- Gedanken den Eltern gegenüber hatte ich auch- kann Dich von daher sehr gut verstehn...


    Aber glaub mir "das Rad dreht sich." Die Gesinnung "wie du mir, so ich dir" brachte mir keinen Frieden. Ich hielt es mit "der anderen Wange hinhalten."


    Auch meine Eltern brauchten irgendwann Hilfe. Als mein Vater starb, war ich alleine an seinem Krankenbett, hielt ihm die Hand bis zum Schluss. Irgendwann kam meine Mutter nicht mehr zurecht. Seit 2 Jahren lebe ich mit ihr zusammen wieder in meinem Elternhaus und pflege die bettlägerige 91-Jährige. Seit zwei Jahren keinen freien Tag mehr... sie hat jetzt alle meine Aufmerksamkeit u. Freundlichkeit (hier würde ich gerne LIEBE schreiben, aber das wäre gelogen) Ja, es gibt so etwas wie moralische Verpflichtung- und ich glaube der Kranke spürt den Unterschied sehr fein. Besonders die körperliche Nähe und Pflege, die ja nötig sind jetzt, fällt schwer ohne Liebe, aber es ist meine Mutter-- mein Herz sagt mir, was richtig ist- keine allgemeinen Denkmuster oder Vorstellungen, auch nicht was andere Menschen tun würden... es geht um MEIN Gewissen.


    Meine Mutter hat sich verändert. Ihre Dankbarkeit empfinde ich skuril- kann sie nicht akzeptieren. Ich kann die alte knochige Hand, die mich so oft geschlagen hat nicht streicheln... (ich würde es so gern, aber es geht einfach nicht...) ich muss es auch nicht. Unser jetziges Lebensniveau würde ich beschreiben mit Worten wie


    Achtung, Freundlichkeit, Humor und Pflichtgefühl, vlt. auch Mitleid, aber LIEBE fehlt